• Nonna ruft, aber die Zeit reicht nicht.

    December 29, 2025 in Austria ⋅ 🌙 1 °C

    Die Nacht war deutlich angenehmer. Wir haben gut geschlafen und sind trotzdem sehr früh wach. Niemand hat uns weggeschickt, der Parkplatz füllt sich langsam, fast unbemerkt. Erst auf dem Weg zur Gondel werden wir von einem Parkplatzwart ermahnt, dass Übernachten hier eigentlich nicht erlaubt sei. Naja, wir fahren ja heute weiter.

    Auf dem Weg nach oben liegt noch nicht besonders viel Schnee. Wir kennen das auch anders, vor allem im Februar. Aber die Pisten sind präpariert und als wir gegen zehn Uhr oben ankommen, ist es voll. Sehr voll. Der Blick dafür umso beeindruckender. Die Sonne liegt weich auf den Hängen, küsst die Gipfel und lässt den Schnee glitzern, als hätte jemand feinen Zucker darüber gestreut. Es ist eines dieser Bilder, die man nicht festhalten kann, aber sie prägen sich sowieso ein.

    Nach einer Weile gönnen wir uns eine Pause. Heiße Schokolade mit Sahne. Genau richtig. Danach fahren wir noch ein paar Abfahrten, bevor wir im Panorama-Restaurant einen Germknödel essen. Einfach, gut, genug.

    Da unsere Jungs nun schon eine ganze Weile ohne uns ausgehalten haben, wollen wir es nicht ausreizen und fahren wieder runter. Ein ausgiebiger Spaziergang, frische Luft, Bewegung und anschließend ein kleines Mittagsschläfchen, bevor wir weiterziehen.

    Ursprünglich wollten wir ja nach Italien. Aber so sehr die Vorstellung lockt, einer Nonna zuzuhören während sie liebevoll durch ein traditionelles Restaurant schreit:
    „Francescooo! Amore! Vieni subito! La pasta si raffredda! Muovitiii!“
    irgendwie fühlt es sich für die Zeit, die uns noch bleibt, doch zu weit an. Also entscheiden wir uns spontan um und fahren Richtung Ischgl.

    Rund um Innsbruck versuchen wir noch, einen Platz zu finden, bevor es dunkel wird. Schnell merken wir: so richtig erlaubt ist hier wenig. Park4Night spuckt fast nur Parkplätze aus. Vielleicht sind wir auch einfach verwöhnt von den Orten, an denen wir sonst stehen. Also fahren wir weiter und bleiben schließlich auf einem Parkplatz stehen. Für diese Nacht wird es reichen. Morgen entscheiden wir neu.

    Es scheint in Österreich ein striktes Campingverbot zu geben, teils sogar mit strafrechtlichen Konsequenzen. Wir wollen es nicht darauf ankommen lassen.

    Ein wunderschöner Tag geht zu Ende, mit all den Eindrücken von Sonne, Schnee und Bewegung. Gleichzeitig mit Gedanken an Verbote, Regeln, Reglementierungen. Draußen sein wollen, frei stehen, frei entscheiden und doch immer wieder an Grenzen stoßen.

    Vielleicht gehört auch das zum Unterwegssein dazu: zu spüren, wie viel Freiheit wir uns wünschen und wie bewusst wir mit ihr umgehen müssen. Nicht alles auszureizen. Nicht alles festzuhalten. Manchmal reicht es, einfach da zu sein. Für diesen einen Tag, an diesem einen Ort.
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