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  • Day22

    Statt palace of lost city - Hexenhouse

    May 2, 2019 in South Africa ⋅ ☀️ 20 °C

    ... in der Wildnis !

    Um unser Ziel – Sun city – zu erreichen, müssen wir heute kräftig auf’s Gas treten. Ca 600 km erwarten uns. D.h. viel fahren – ohne viel zu erleben. Dachten wir. Von Sun City haben wir/ich nur vage Vorstellungen. Ich halte Sun City für so eine Art ‚Klein-Las Vegas in Südafrika‘. Mit Casinos; Erlebnisbereichen; Themenhotels. Am bekanntesten ist mir das ‘Palace of lost city‘ (Palast der verlorenen Stadt) , das in dem Film ‚Der Prinz von Zamunda‘ eine Rolle spielt. In der Eingangsszene fliegt man minutenlang über Dschungelgebiet auf den Palast zu. (meine Lieblingsszene im Film: ‚… der kleine Prinz ist jetzt auch sauber!...‘).

    Bekanntermaßen sind wir ja Demokraten – auch bei der Wahl der Unterkunft. Im Auto erzähle ich im Laufe des (fahrenden) Vormittags, was der ‚Palace of lost city‘ an Unterkunftsqualität zu bieten hat. Man kann’s nicht anders sagen: der reinste Luxus – und zwar vom feinsten. Auf höchstem Niveau. Die Bilder sprechen für sich. Jeder führt sie sich zu Gemüte und ist mehr als angetan davon. Es folgt die Frage des Preises. Und der ist auch – für hiesige Verhältnisse ‚auf höchstem Niveau‘. 13.800 Rand für 1 Nacht für uns 4 ist schon ein sehr großer Schluck aus der Pulle. Entspricht fast dem ‚gefühlt‘ 10-fachen des bisher bezahlten Durchschnitts für die Übernachtung. Es gibt Stimmen dafür, sich wegen der großen Gesamtersparnis bisher, diesen Luxus für diese 1 Nacht zu gönnen – und Stimmen dagegen, dass man so was gar nicht braucht, nur um zu schlafen. Und was machen Demokraten, die feststellen in der Diskussion nicht einig zu sein: sie stimmen ab. Bei einem Stimmenverhältnis von 2:1 gegen den Palace, enthalte ich mich der Stimmabgabe, um keine Patt-Situation zu erzeugen, die eine Lösung erschwert hätte. Es bleibt also bei der Entscheidung dagegen. Die Gründe sind nachvollziehbar – genau, wie die Gründe dafür. Also bin ich beauftragt wieder neu zu suchen und werde bei Airbnb wieder fündig. Eine sehr rustikal bebilderte, ausgesprochen naturnah wirkende und beschriebene Unterkunft mit Superhost (eine Auszeichnung von Airbnb für sehr gute Vermieter). Für 1.450 Rand die Nacht. Also fast nur 10% des Palace-Peises – demnach fast 800 Euro mit der Unterkunftsentscheidung gespart. Das ist doch ein Wort – oder?
    Damit steht aber auch fest, dass wir sun city heute nicht mehr erreichen werden, weil diese Unterkunft ca 1,5 h von sun city entfernt ist. Also Planänderung: sun city ist morgen. Gegen 16:00 h kommen wir in die Gegend der Unterkunft. Der link zur Wegbeschreibung, der bei der Bestätigung automatisch dabei ist, passt nicht. Das ist ein straßenloser Punkt mitten in der Pampa. Das ipad-Navi kennt den mitgelieferten Adresspunkt nicht – auf Olafs iphone zeigt google-maps jedoch einen Punkt ‚in the middle of no-where‘. Nachdem wir kurz nach der Bestätigung angerufen wurden – waren wir erst mal erfreut, dass der Anrufer dies in perfektem deutsch tut. Ich rufe zurück und bekomme eine lange Wegbeschreibung über wechselnde black roads, sand roads, vorbei an pub und wieder dirty road usw. Wir folgen dem Beschrieb, wie wir ihn verstanden haben – deckt sich ziemlich mit dem Punkt bei Olaf. Beim 1. Mal wirkt eine solche Anfahrt immer ‚als-nie-enden-wollend‘ mit superschlimmen Schlaglöchern und schweren Sand-Steigungen. Ein Glück, dass wir Allrad haben. Dann stehen wir plötzlich vor einem Gate mit mehrköpfiger Wachmannschaft: ‚Utopia – private Property‘. Wie immer wird uns eine auszufüllende Liste gereicht; in welches Haus wir wollen, wer der Vermieter sei usw. Alles Fragen, die wir nicht beantworten können. Aber anhand der Bilder des Hauses und der Vermieterin erkennt der Wachmann, dass wir ins Haus Nr 16 wollen. Wir haben noch mal ca 1-2 km dirty road in einem vollkommen naturbelassenen Gebiet mit 36 Wohneinheiten, die weit genug voneinander entfernt liegen, dass man sie untereinander nicht sehen kann. Die letzten Meter sind so steil und ‚naturbelassen‘, dass man sie eher mit einem Panzer, als mit einem Auto befahren kann. Dank des Allrad im Hillux und dem ‚besten Fahrer südlich der Sahara‘ schaffen wir die letzten 100 m aber auch problemlos.
    Wir werden erwartet. Das Paar wirkt ein wenig exotisch. Er ist 76 – wie wir später erfahren – sie 45. Künstler! Er spricht von ‚seiner Freundin‘ und sieht sich mit ihr in einer Beziehung. Sie spricht davon, dass sie zusammen arbeiten und nach dem Motto handelt: my way – or highway. (So wie ich will – oder einer ‚verpisst‘ sich). Beide aber wirklich sehr liebenswürdig und liebenswert. Sympatisch und sehr herzlich. Nach 5 Minuten werden wir für den Abend bereits zum Essen mit bestem südafrikanischem Wein und sehr gutem schottischen Scotch eingeladen. Jürgen – so heißt unser Vermieter – ist Deutscher. War Übersetzer in England, dort mit einer Engländerin verheiratet, die vor kurzem nach langer Krankheit verstorben ist. Danach ist er wieder hierher zurück nach Südafrika gekommen, wo er jahrzehntelang mit seiner Frau gelebt hat. Zay – so heißt die Vermieterin – lebt in Scheidung von ihrem Noch-Ehemann, der ihr bester Freund geworden ist. So sagt sie. Sie ist Freigeist und passt ihrer Meinung nach in kein Schema. Ein wenig verrückt, mit gutem Herz und immer positiver Grunderwartung – bis sie eines besseren belehrt wird.
    Sie zeigen uns das kleine Haus. Alles ein wenig anders, als man es sich vorstellt. Ein Künstlerhaus eben. Kühlschrank auf Gas; eine einzige Steckdose im Haus mit Normalstrom; Licht auf 12 Watt mit LED’s. Ihre Spezialität: Zementarbeiten! Und so sieht es im Haus auch aus. Wenig Holzmöbel, überwiegend Zementmöbelskulpturen. Ich kann das nicht so pos beschreiben, wie es ist. Alles ist geschmackvoll arrangiert mit vielen schönen Accessoires. Gefühlt ist das Erdgeschoß ca 50 m2 groß. Geschlafen wird oben. Durch das Steildach gibt es nur eine Steiltreppe nach oben, die man nur auf allen vieren raufgehen kann. Und runter nur rückwärts. Ausser den 4 Betten ist kaum Platz oben. Jedenfalls nicht für die Koffer…. Gebaut ist das Haus aus rotem Naturstein und Schilfdach. Um das Haus herum sind Gartenmöbel ebenfalls aus dem roten Naturstein gefertigt. Ich hoffe, meine Jungs bekommen etwas von dem Haus und meinem eher kryptischen Beschrieb rüber, damit man sich besser vorstellen kann, wo wir hier gelandet sind. Aber alles hier ist ok – nur gewöhnungsbefürftig. Und mehr für Naturburschen als für weicheiernde Stadtmenschen.
    Denn beim Abendessen – die Einladung dazu haben wir gerne angenommen – es ist einfach zu viel pos Stimmung, die von den beiden ausgeht, erfahren wir, in welcher Nachbarschaft wir uns hier befinden. Das Haus liegt mit 35 anderen Haus in einem privaten Reservat. Jürgen hatte bereits Besuch von diversen Schlangen – u.a. einer schwarzen Mamba (giftigste Schlange der Welt, die er von einem Nachbarn, der sich damit auskennt, hat einfangen lassen); einer 4-5 m langen Python Würgeschlange und wurde schon 2 x von Skorpionen gestochen, weil er vergessen hatte, morgens die Schuhe auszuschütteln, wie er es all seinen Gästen rät. Das sind nur ein paar Beispiele der vielfältigen Nachbarschaft – auf die man meines erachtens nach auch verzichten könnte. Wir ändern unseren Plan die restlichen 4 Nächte bis zum Abflug hier zu verbringen und verkürzen auf 2 Nächte. Für die letzten 2 Nächte tauschen wir Schlangen- und Skorpionnachbarn mit Gangstern – Johannesburg gilt als ‚Paradise of gangsters‘. Ach wie schön waren doch die bisherigen Nächte und Tage ;-)))
    Der Abend wird so richtig toll. Das Haus von Jürgen, in das wir eingeladen wurden, ist größer als unseres. Aber ähnlich zu beschreiben. Jürgen kocht und grillt. Und zwar gut. Zay unterhält uns. Mit Gitarre und Gesang. Und die Versorgung mit Wein und Whisky ist überoptional. So sehr, dass Olaf in der Mitte des abends anfängt zu lallen und als wir gegen 21:30 h aufbrechen mit der sehr schweren Bank auf der er sitzt umfällt. Offenbar haben sich der Rotwein und der Whiskey in der Gesamt-Wirkung multipliziert. Jedenfalls kann er ohne Hilfe nicht mehr die Stufen runter, den kurzen dirty Weg zum Auto braucht er meine Stützhilfe und nachdem er auf allen vieren die Treppe rauf ist, höre ich ihn keine 2 Minuten später bereits schnarchen. Sollte es mir nicht gelungen sein, diesen Abend als wirklich schönen, tollen Abend zu beschreiben, so möge man mir das einfach glauben, dass er super war. Live music, leckeres Essen, gutes Trinken, sehr sympathische Menschen. Wäre es nicht so kalt geworden, hätte der Abend noch sehr viel länger angedauert. Einfach toll.
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