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  • Day49

    6. Kapitel

    December 12, 2018 in New Zealand ⋅ ⛅ 16 °C

    Hallo

    Ich bin zurück, besser gesagt mein kreatives, kommunikatives und künstlerisches Ich. (Bitte die drei k's nicht mit etwas abscheulichem verwechseln) Nach meinem frühzeitigen Aus in der Champions League des Wanderns, musste ich doch feststellen, dass mir das Scheitern doch mehr aufs Gemüt schlug als angenommen. Das wird einem erst nach einer gewissen Zeit bewusst. Schliesslich hatte ich mich über ein Jahr intensiv mit dem Thema Langzeit Wanderung beschäftigt. Nichtsdestotrotz konnte ich es mittlerweile akzeptieren, dass mein Plan gescheitert ist. So und nun zu den versprochenen Details meines bisherigen Roadtrips durch den Rest von Neuseeland.

    Nach ein paar durchzechten Nächten in Auckland lernte ich eines frühen Morgens meinen neuen japanischen Freund Nissan Wingroad kennen. Ein silberner Kombi mit getönten Scheiben. Ein echter Hingucker mit seinem leicht anrüchigen Hinterteil! Wir verstanden uns auf Anhieb und pflegen mittlerweile eine unglaublich tiefe, auf Vertrauen basierte Freundschaft.

    Wie ihr ja bestimmt wisst, fährt man in Neuseeland auf der “falschen” Strassenseite und die Fahrerseite im Auto befindet sich rechts. Das ganze kannte ich ja bereits schon aus meinem letzten Besuch im hiesigen Land und dementsprechend Selbstbewusst beantwortete ich die Fragen des Autovermieters und wies ihn freundlich auf meine Expertise hin. Nach der Übergabe der Autoschlüssel setzte ich mich dann lächelnd und winkend auf den linken Sitz im Auto. Tja, für einige Lacher in der Vermietung hatte ich schon einmal gesorgt.😉 Jetzt hiess es nur noch volle Konzentration und ja nicht den Blinker mit dem Scheibenwischer verwechseln. Passierte glücklicherweise nicht und mein neues Kapitel startete mit dem aufbrummen des Motors meines japanischen Samurais als wir den Highway entlang düsten.

    Aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters und dem aufkommen eines kleinen Sturm, verbrachte ich die ersten zwei Tage in einer Industriestadt unterhalb von Auckland. Hamilton hat mal eben gar nichts zu bieten ausser Einkaufsmöglichkeiten und einem tollen Kino. Im strömenden Regen genoss ich dann auch einen wohlverdienten Kinobesuch. Des Weiteren vergass ich natürlich auch nicht meinen neuen Freund und stattete ihn mit einiger Elektronik aus damit wir gemeinsam meiner Musiksammlung lauschen konnten.

    Nachdem der Sturm sich beruhigt hatte fuhr ich weiter nach Rotorua. Eine kleine touristische Hochburg mitten im Vulkangebiet. Dort kann man so ziemlich alles unternehmen was das Herz eines Adrenalin Junkies begehrt. Als ich die Stadtgrenze mit dröhnenden Boxen überquerte (Nissan hat eine Vorliebe für Oldschool HipHop) fiel mir eine Werbetafel auf die mit Tontauben schiessen auf sich aufmerksam machte. Etwas das ich scho immer mal erleben und ausprobieren wollte. Nach einer kurzen Einführung und dem kennenlernen der verschiedenen Schrotflinten gings dann auch gleich Los. Paff, bumm paff! Machte echt Spass und war nach gefühlten 5 Minuten auch schon wieder durch. Das Anmeldeformular für die Neuseeländische Schrotflinten Nationalmannschaft lag auch schon auf dem Tisch, da man mein enormes Potenzial sofort erkannte. 😉 Ich musste das grosszügige Millionen Angebot leider aufgrund eines verstauchten Zeigefingers ausschlagen. Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit kurzen Wanderungen im Vulkangebiet und einem Mountainbike Erlebnis welches mir mein Hinterteil immer noch nachträgt und ich mich schmerzhaft zurück erinnere. (An alle meine Bikefreunde, wie schafft ihr das? Habt ihr in dieser Gegend überhaupt keine Gefühle mehr?) Neben den sportlichen Aktivitäten kümmerte ich mich auch um meine geistige Gesundheit und genoss ein paar Ausflüge in die Museen der Umgebung und dem erkunden der spuckenden Geysire. Zum Abschluss besuchte ich dann noch einen alten bekannten im Zentrum von Rotorua. Dieser verzierte meinen Astralkörper mit ein wenig Körperschmuck und verabschiedete mich mit einem “bis in 7 Jahren” aus seinem Reich.

    Am gleichen Tag fuhr ich dann auch meine bisher längste Strecke der Reise. Nach sechs Stunden Fahrt durch strömenden Regen kam ich in Wellington an. Neuseelands Hauptstadt begrüsste mich mit seinem sonnigen Gemüt und seiner tollen Lage. Da ich in zwei Tagen die Nordinsel via Fähre verlassen wollte, gönnte ich mir ein ausgesprochen luxuriöses Motel im Zentrum der Stadt. Dank einem Lastminute Deal war es ein echtes Schnäppchen. Die Stadt selbst konnte mich dann auch wirklich für sich gewinnen. Es beherbergt ein super interessantes Museum und eine tolle Promenade mit sehr hippsterigem Einfluss. Die zwei Tage vergingen wie im Flug und ehe ich mich besah, war ich auch schon auf der grossen Interislander Fähre nach Picton. Die 3,5 stündige Überfahrt verbrachte ich bei Sonnenschein auf dem Deck des grossen Kahn. Da ich ja mittlerweile fast schon Neuseeländer war, verzichtete ich auf das auftragen von Sonnencreme. Ein Fehler der mir dann auch noch ein paar Tage später heisse Nächte einbrachte. Nach der Ankunft fuhr ich dann auch gleich weiter nach Marahau dem Ausgangspunkt vom Abel Tasman Nationalpark. Einer der schönsten Region von Neuseeland. Der Park ist bekannt für seine tropische Umgebung und für seinen mehrtägigen Wanderweg entlang der Küste. Da ich seit meiner Planänderung ein wenig unter Zeitdruck stand, entschloss ich mich nur einen Teil der Wanderung zu absolvieren. Diese war dann auch der absolute Hammer. Die perfekten Wetterbedingungen machten diesen Ausflug dann auch unvergesslich. Mit etwas mehr Zeit, hätte man auch eine Kombination aus Kayak und Wanderung machen können.

    Da ich seit dem Abbruch nicht gerade mit bestem Wetter verwöhnt wurde, fuhr ich dann auch gleich weiter Richtung Süden mit einem Zwischenstopp in Kaikoura. (Gemäss Einheimischen ist dieser Frühling/Sommerstart einer der regenreichsten der Geschichte🙈) Die Strecke kurz vor Kaikoura und dem Dorf selbst heiterte mein Gemüt aber wieder auf. Der Abschnitt mit seinem unglaublich blauen Meer und der rauhen Küste wurde mit der Anwesenheit von zahlreichen Seelöwen noch getoppt. Ich musste immer wieder anhalten und Fotos schiessen da die Szenerie so unglaublich beeindruckend war. Kaikoura selbst ist bekannt für Walsichtungen. Leider ist das ganze nicht gerade billig und meistens auch schnell ausgebucht. Ich beschloss darauf zu verzichten und meine restliche Zeit im Süden von Neuseeland zu verbringen. Besser gesagt in der Region Mount Cook, Wanaka und Queenstown. Das wetter der folgenden Tage sah dann auch wieder ein wenig besser aus.

    Die Fahrt von Christchurch nach Mount Cook ist für mich persönlich eine der schönsten Strecken der Welt. Mann fährt über eine Hochebene zu verschiedenfarbigen Seen die sich mit ihrer Alpinen Umgebung um den ersten Platz streitet. Ich schoss unzählige Fotos und verbrachte Stunden an den Seen bevor ich mich vor dem massiven Mount Cook wiederfand. Der höchste Berg Neuseelands ist ein echter Schnappschuss. Neben der traumhaften Lage, verfügt er auch noch über mehrere Gletscher und Gletscherseen. Da am folgenden Tag das Wetter zum ersten Mal traumhafte Bedingungen versprach, beschloss ich die Nacht am Fusse des Berges zu verbringen. Netter Nebeneffekt der Gegend, es ist eine der dunkelsten der Welt. Das bedeutet, bei Neumond und klaren Sichtverhältnissen, sieht man unmengen von Sternen und sogar die Milchstrasse. Diese konnte ich dann aus dem Autofenster auch beeindruckt erkunden. Da die Nacht aber dermassen Schweinekalt war, beschloss ich meinen Mitternachtsspaziergang abzublasen und verschloss mein Fenster wieder. 😂 Meine geplante Wanderung zur Mueller Hut respektive Mount Ollivier Spitze war gemäss Infocenter eigentlich nur mit Steigeisen und Bickel machbar. Alles klar, dachte ich mir und liess mich trotzdem auf das Abenteuer ein. Falls es nicht mehr weitergeht kann ich ja umkehren. Gesagt getan bin ich dann auch schon um halb Sieben losgelaufen damit ein allfälliger Ansturm umgangen werden kann. Im nachhinein war das echt wichtig. Die Wanderung selbst ist unglaublich schön und beeindruckend. Der Tag zeigte sich von seiner besten Seite und strahlte mit seinem blauen Himmel und der Sonne um die Wette. Der Schnee war dann auch halb so schlimm beziehungsweise mit gewisser Vorsicht machbar. Mehr möchte ich dazu eigentlich auch nicht erzählen. Die Bilder sprechen da für sich selbst. Auf dem Rückweg nahm ich dann mit ein paar Israelis noch eine Abkürzung durch den Schnee. Wir veranstalteten ein “Bobrennen” welches ich natürlich ohne Probleme gewann. Auf unserem Po rutschten wir ca. 60 Meter den Abhang hinunter. 🤗 Hat echt riesigen Spass gemacht. (Eventuell hat mir das Mountainbike Training einen gewissen Vorteil verschafft😉)

    Anschliessend verabschiedete ich mich mit Nissan von diesem traumhaften Fleck Erde und begab mich nach Wanaka. Einem kleinen Dorf gelegen an einem sehr fotogenen See inmitten weiterer Berge. Dort lernte ich nach einem Ausflug ins Nachtleben noch ein Paar kennen, dass in Kambodscha bald als Englischlehrer tätig werden will. Wir tauschten unsere Kontakte aus da ich ziemlich sicher auch noch dieses Land bereisen werde. Wanaka war dann leider wieder ein wenig von Wetter Unsicherheit geplagt. Es regnete fast jeden Tag ein paar Mal und machte Planungen echt schwierig. Das Dorf war aber auch weltberühmt für seinen Aussichtspunkt Roys Peak. Falls ihr Instagram besitzt und diesen Begriff sucht, werden zahlreiche Posts erscheinen. Die Wanderung dauert gemäss Info 5-6 h und sollte bei Morgenlicht bezaubernd sein. Da ich den Menschenmassen und dem Schlangestehen aus dem Weg gehen wollte, beschloss ich einen Sonnenaufgang auf der Spitze zu geniessen. Dies bedeutete, ich musste um 3.45 loslaufen damit ich rechtzeitig auf dem Gipfel sein konnte. 🙈 Gesagt getan. Ich war nach 1.5h auf dem Gipfel und konnte einen wahnsinnigen, traumhaften, unglaublichen  bilderbuch Moment geniessen als die Sonne über dem Horizont aufging. Denkste, oben angekommen war es trotz weiter Sicht bewölkt. 🙈 Die Sonne war kein einziges Mal zu sehen und Arschkalt war es auch noch! 😂 Naja, die Wanderung im dunkeln war selbst schon ein Abenteuer wert und man kann ja nicht immer Wetterglück besitzen.

    Mittlerweile bin ich in Queenstown angekommen und geniesse das quirlige Bergdorf mit zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten. Die sogenannte Adrenalin Hauptstadt Neuseeland hat einiges anzubieten. Leider ist auch hier das Wetter nicht viel besser… versuche aber trotzdem die letzten Tage in Neuseeland noch zu geniessen. Zum Abschluss gönne ich mir noch einen Fallschirmsprung. Ja richtig gehört, trotz meiner Höhenphobie werde ich mich meiner Angst stellen und ein Flugzeug mit einem Fallschirm verlassen. Was sicher toll wird, der Sprung erfolgt über der Gegend in der die Szenen aus Herr der Ringe gedreht wurden. Besser gesagt werde ich über Isengard abspringen und mit Gandalf und Baumbart Saruman aus seinem Turm scheuchen. 😂

    So, fürs erste wars das wieder mit News von mir. In weniger als einer Woche werde ich das Flugzeug nach Thailand besteigen. Ich freue mich auf hoffentlich sonnige Tage in einer warmen Umgebung. 😊

    Bis bald
    Sili
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