• Wanderung Tenesar

    18. februar, Spanien ⋅ 🌬 17 °C

    Wir waren in Tenesar, wo wir eine Küstenwanderung zum Playa Soleta unternahmen. Vor rund 50 Jahren begannen die ersten Insulaner, vor allem aus Tinajo, in dieser abgelegenen Region ihre Ferienhäuser und Rückzugsorte an der majestätischen Steilküste zu errichten. Der Besuch in Tenesar umhüllt einen sofort mit einer besonderen Melancholie; das Dorf wirkt oft wie ein verlassenes Set aus einem nostalgischen Film, in dem die Zeit stillzustehen scheint.

    Ein zwiespältiges Gefühl überkommt einen: Man könnte meinen, dass jederzeit ein Bewohner um die Ecke kommt, da vor einem der Häuser ein paar Schuhe stehen. Doch die Stille ist überwältigend und fast beunruhigend – kein Hund bellt, kein Hahn kräht. Lediglich das stetige Rauschen der Wellen, die gegen die Felsen schlagen, durchbricht die Ruhe und schafft eine hypnotische Atmosphäre.

    Dauerhaft leben hier kaum Menschen; nur in den Sommermonaten erwacht das Dorf am Wochenende zu einem Hauch von Leben. Die Schatten der Vergangenheit hängen über den Häusern, denn große Renovierungen sind nicht mehr geplant: Die Küstenschutzbehörde wird die Bauten am Meer abreißen. Bis es so weit ist, bietet dieser Ort einen einzigartigen Rückzugsort, der wie ein geheimnisvolles Ende der Welt wirkt, an dem man die Seele baumeln lassen kann.

    An dem Parkplatz am letzten Haus von Tenesar beginnt ein Schlackenpfad, der in einem gewissen Abstand parallel zur neu erschaffenen Küste verläuft, die durch Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert entstanden ist. Nach etwa 10 Minuten erreichen wir in der Nähe der kleinen Bucht El Callaito eine Fahrspur. Wir folgen ihr für etwa 100 Meter und setzen dann unseren Weg auf dem meerseitigen Pfad fort. Dieser führt in sanften Auf- und Abwärtsbewegungen durch eine ausgeglühte Lavalandschaft, in der die Vegetation kaum Fuß fassen konnte. Am Wegrand liegen beeindruckende vulkanische Bomben, und die kantige Felsenküste wird durch kleine, schwer zugängliche Landzungen und Blockstrände unterbrochen.

    Etwa 20 Minuten nach der Fahrspur achten wir auf eine unscheinbare Gabelung, markiert durch Steinmännchen. Wir halten uns rechts und bleiben dicht am Klippenrand, da der gut erkennbar Pfad links schnell im Nichts endet. Nach zwei leicht ausgesetzten Stellen erreichen wir nach weiteren 15 Minuten den endenden Pfad an der Playa Soleta. Hier gibt es nur vereinzelt sandige Flecken, doch man kann zwischen den bizarren Lavaformationen direkt zur Wasserlinie gelangen. Nach einer wohlverdienten Rast wandern wir denselben Weg zurück nach Tenesar und lassen die beeindruckende Landschaft noch einmal auf uns wirken.
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