• 6a Zu Besuch in der Jurte

    June 26 in Mongolia ⋅ ☁️ 25 °C

    Aus der Not entstehen oft spannende Optionen. So auch heute!

    Erst der Schaden an der Kupplung des Kleinbusses ermöglicht den spontanen Besuch bei einer nahe gelegenen Nomadenfamilie. Unser Guide Tuka geht vor und fragt an, ob unsere Gruppe auf eine Stipvisite in die Jurte reinkommen dürfe? Man stelle sich dies bei uns vor, plötzlich möchten 15 Personen in die gute Stube rein! So geschehen hier in der Mongolei. Die Gastfreundschaft wird grossgeschrieben und unkompliziert gelebt. Wir werden mit Milchtee und getrocknetem Quark bedient, letzteres sehr gewöhnungsbedürftig. Tuka ist mit der Nomadin im Gespräch und erfährt, dass ihr Mann vor ein paar Jahren gestorben ist. Seither ist sie für die Frauen- und Männerarbeit zuständig. Sie zieht mit der Familie eines Cousins weiter, dessen Jurte in der Nähe steht. Die schulpflichtigen Kinder sind während der Ferienzeit (3 Monate im Sommer und 1 Monat im Winter) bei der Mutter und helfen mit. Die Schule besuchen sie in einem entfernten Verwaltungszentrum. Alle Kinder zusammen wohnen in einer Jurte nahe der Schule. Dabei schauen die älteren Töchter (13 + 14 J.) zu ihren jüngeren Geschwister und besorgen auch den Haushalt in der Jurte. Alle Achtung!

    Das Nomadenleben scheint hart und EINFACH zu sein. Auf engstem Raum wird in der Jurte gelebt und geschlafen, kein Platz für Privatsphäre. Draussen steht ein Pickup und weit weg erahnen wir die Tiere der Familie (vor allem Ziegen, Schafe und Pferde). Wir sind erstaunt, wie gut und sauber die Menschen angezogen sind. Das haben wir in Brasilien auch anders erlebt. Wir sehen Einfachheit, jedoch keine Armut respektive Elend. Tuka erklärt, dass viele Nomaden wohlhabend sind. Der Reichtum liegt in den Tieren. Werden sie verkauft, fliesst ein schöner "Batzen" auf das Bankkonto. Immer wieder verlieren Nomaden jedoch auch ihre Tiere - und damit ihre Existenz - durch aussergewöhnliche Kälte und Trockenheit. Oft bleibt dann nur noch der Weg in die Stadt ... gleichbedeutend mit dem Ende des Nomadenlebens!
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