• Wie Kroaten zu Krawatten wurden 👔

    November 29, 2025 in Croatia ⋅ ☀️ 5 °C

    Wer hat sich schon einmal gefragt, woher eigentlich die Krawatte stammt? Im Cravaticum in Zagreb sind wir dieser Frage zum ersten Mal begegnet. Das kleine Museum wurde 2024 eröffnet und ist das erste weltweit, das sich ausschließlich der Krawatte widmet, die ihren Ursprung in der kroatischen Geschichte hat.

    Im 17. Jahrhundert standen kroatische Reiter im Dienst des französischen Königs und trugen einfache Halstücher als Teil ihrer Ausrüstung. Angeblich banden die Frauen ihnen diese Tücher vor dem Aufbruch als Zeichen der Verbundenheit. In Frankreich nannte man die Soldaten „Croates", und weil sich dieser Name im alltäglichen Sprachgebrauch an die französische Aussprache anpasste, wurde daraus „Cravates". Der Begriff blieb haften und ging schließlich auf das Halstuch selbst über, das in französischen Gesellschaftskreisen aufgegriffen und später in vielen Teilen Europas übernommen wurde.

    In Kroatien erinnert man bis heute gern an die Herkunft der Krawatte. Es gibt sogar einen offiziellen „Cravat Day" am 18. Oktober, und die Academia Cravatica in Zagreb widmet sich diesem kulturellen Erbe. Besonders bekannt ist eine Aktion in Pula, bei der die römische Arena einmal mit einer riesigen roten Krawatte geschmückt wurde (gerne mal googeln).

    In den folgenden Jahrhunderten nahm die Cravate ganz unterschiedliche Formen an – mal breite, gesteckte Stoffbahnen wie im 18. Jahrhundert, mal schmalere, geknotete Varianten, wie sie im 19. Jahrhundert in England aufkamen. Oft wurden diese frühen Cravaten aus Seide gefertigt – ein seltenes und teures Material, das ihre Länge zum sichtbaren Statussymbol machte: Wer eine lange Seidencravate trug, zeigte damit Wohlstand und gesellschaftliche Stellung. Seide wurde in Kroatien früher sogar staatlich gefördert; bis 1841 existierten dort 46 Seidenfabriken, heute ist nur noch eine davon übrig. Die moderne Krawatte entstand schließlich im frühen 20. Jahrhundert und hat sich seitdem immer wieder in Stil und Breite verändert. Diesen Bogen zeigt das Cravaticum mit ausgewählten Stücken sehr anschaulich.

    Das Museum ist schnell erkundet, weshalb wir die rund einstündige Führung besonders empfehlen – sie macht den Besuch erst richtig interessant und verbindet die einzelnen Stücke zu einer nachvollziehbaren Geschichte. Nebenan gibt es einen kleinen Shop und ein gemütliches Café, in dem wir zum Abschluss noch den Krawattenkuchen probiert haben, der wirklich lecker war.
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