• Sebastian Schiller
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Südosteuropa 2025

Reise durch den Balkan.
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  • Trip start
    April 2, 2025
  • Basteibrücke und Schwedenlöcher

    April 3, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 13 °C

    Die Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz gehört zu den bekanntesten Fotomotiven Deutschlands – und das zurecht. Hoch über dem Elbtal verbindet sie spektakulär die zerklüfteten Sandsteinfelsen der Bastei. Die heutige Steinbogenbrücke stammt von 1851 und führt zur einstigen Felsenburg Neurathen, deren Überreste besichtigt werden können.

    Von der benachbarten Aussichtsplattform bietet sich ein beeindruckender Blick über das Elbsandsteingebirge. Dort gibt es auch einen kleinen Imbissstand – perfekt für eine kurze Pause mit Aussicht.

    Im Anschluss lohnt sich ein Rundweg, der zunächst durch den Wald hinabführt und dann über die Schwedenlöcher zurück zum Ausgangspunkt verläuft. Diese enge, moosbewachsene Felsschlucht mit rund 700 Stufen war einst ein Zufluchtsort während des Dreißigjährigen Kriegs – heute ist sie ein schattiger, spannender Wanderweg und ein schöner Abschluss dieser Tour.
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  • Die Schrammsteine

    April 4, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 17 °C

    Die Schrammsteine sind eine der eindrucksvollsten Felslandschaften in Deutschland. Sie liegen in der Sächsischen Schweiz, östlich von Dresden, und ziehen mit ihren zerklüfteten Felswänden, schmalen Graten und weiten Ausblicken jedes Jahr unzählige Wanderer und Kletterer an.

    Entstanden ist das markante Sandsteinmassiv vor Millionen von Jahren durch Wind, Wasser und Frost. Der Name selbst stammt vom mittelhochdeutschen „schram“ – also Riss oder Spalte – und beschreibt die schroffen Formen ziemlich treffend. Schon im 19. Jahrhundert war die Region ein beliebtes Ziel für Künstler und Naturliebhaber.

    Ein klassischer Rundweg startet am sogenannten Schrammsteintor, einem natürlichen Felstor am Rand des Felsgebiets. Von dort geht es über schmale Pfade und teils steile Leitern hinauf zu den Aussichtspunkten entlang des Kamms. Der Weg ist stellenweise anspruchsvoll, wird aber mit spektakulären Blicken über das Elbtal belohnt. Besonders auffällig ist unterwegs der freistehende Falkenstein – ein mächtiger Fels, der heute vor allem Kletterer begeistert.
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  • Die wundersamen Herrenhausfelsen

    April 4, 2025 in Czech Republic ⋅ ☀️ 18 °C

    Auf dem Weg von den Schrammsteinen weiter nach Olomouc legten wir spontan einen Zwischenstopp am Herrenhausfelsen ein – und waren erstmal etwas irritiert: Ist das wirklich ein Naturphänomen?

    Die Basaltsäulen ragen so regelmäßig und sauber in den Himmel, dass man unwillkürlich an etwas von Menschen Geschaffenes denkt – vielleicht ein Kunstwerk oder ein seltsames altes Bauwerk. Tatsächlich ist dieses Naturdenkmal aber über 30 Millionen Jahre alt und rein geologisch entstanden: durch langsam abkühlende Lava, die sich säulenförmig absonderte. Ein echtes Naturwunder – das aussieht, als hätte jemand Lineal und Meißel angesetzt.

    Der Felsen liegt direkt an der Straße, mit einem günstigen Parkplatz daneben – ideal für einen kurzen Fotostopp oder eine kleine Pause unterwegs. Auch Wanderwege starten hier, falls man mehr Zeit mitbringt.

    Übrigens: Der Name „Herrenhausfelsen“ (tschechisch: Panská skála) geht wohl auf das alte Wort „Gehörn“ zurück – ein Begriff für hornartige Felsformationen, wie sie hier früher nur teilweise aus dem Boden ragten. Aus dem „Gehörnhaus“ wurde im Laufe der Zeit das „Herrnhaus“ – und schließlich der heutige Name. Passend irgendwie, denn der Felsen hat wirklich etwas Eigenwilliges, fast Mystisches.
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  • Mährischer Karst: Labyrinth aus Stein

    April 9, 2025 in Czech Republic ⋅ ☀️ 8 °C

    Der Mährische Karst im Süden Tschechiens ist eine der höhlenreichsten Landschaften Europas – ein geologisches Wunderland, das mehr verbirgt, als es auf den ersten Blick zeigt. Über 1.000 Höhlen und Einsenkungen (sogenannte Dolinen) durchziehen das rund 90 km² große Gebiet – durchlöchert wie ein Steinlabyrinth, das sich über und unter der Erde erstreckt.

    Geformt wurde diese spektakuläre Landschaft über Millionen von Jahren. Aus Kalkstein entstanden, wurde das Gebiet im Laufe der Zeit von Wasser durchdrungen, unterspült und langsam ausgewaschen. Oberirdische Flüsse schnitten sich in das Gestein ein, verschwanden in Felsspalten und tauchten tief unter der Erde wieder auf. So entstand nach und nach ein weit verzweigtes Netzwerk aus Höhlen, Spalten und unterirdischen Flussläufen – ein Prozess, der bis heute anhält.

    Der Begriff „Karst“ stammt ursprünglich aus der slowenischen Region Kras, die ähnliche geologische Merkmale aufweist. Heute wird er weltweit für Landschaften wie diese verwendet.

    Einige der spektakulärsten Höhlen wurden für Besucher zugänglich gemacht – darunter fünf große Schauhöhlen mit Führungen, Lichtinstallationen und teils sogar unterirdischen Bootstouren. Andere wiederum sind nur für geübte Höhlenwanderer zugänglich – teils mit Ausrüstung und Guide – oder bleiben ganz der Forschung vorbehalten. Denn das Gebiet hat auch wissenschaftlich enormen Wert: Archäologische Funde, fossile Überreste und einzigartige Tropfsteinformationen machen den Mährischen Karst zu einem Hotspot für Geologen, Biologen und Klimaforscher.

    Was uns besonders fasziniert hat: Man hat ständig das Gefühl, dass sich hinter jedem Fels noch ein weiterer Gang, eine Spalte oder ein Durchbruch verbirgt. Viele kleine Höhlensysteme sind frei zugänglich – es ist wie ein riesiger Naturspielplatz aus Fels und Stein, durch den man klettern, steigen und staunen kann. Die Landschaft ist rau, wild und wunderschön.
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  • Punkevní-Höhle & Stiefmutterschlucht

    April 9, 2025 in Czech Republic ⋅ ☀️ 10 °C

    Die Punkevní-Höhle zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Mährischen Karst. Das weit verzweigte Höhlensystem führt Besucher über enge Gänge und Tropfsteinsäle bis zu einem besonderen Höhepunkt: dem Grund der Macocha-Schlucht – einer der tiefsten natürlichen Einsturzstellen dieser Art in Europa. Fast 140 Meter geht es hier senkrecht nach oben – ein eindrucksvolles Schauspiel aus Fels und Licht. Tatsächlich reicht die Schlucht mit ihrem unterirdischen See sogar bis auf 190 Meter Tiefe.

    Der Name "Macocha" bedeutet auf Deutsch "Stiefmutter" und ist mit einer düsteren Legende verbunden. Der Überlieferung nach wollte eine Stiefmutter ihren Stiefsohn loswerden, um ihr eigenes Kind zu bevorzugen. Sie lockte den Jungen in den Wald und stieß ihn in die Schlucht – doch der Sturz endete nicht tödlich: Der Junge konnte sich an einem Ast festhalten und wurde gerettet. Als die Tat bekannt wurde, sollen die empörten Dorfbewohner die Stiefmutter selbst in die Tiefe gestoßen haben. So kam die Schlucht zu ihrem eigentümlich finsteren Namen, der bis heute nachhallt.

    Nach dem Blick aus der Tiefe der Schlucht führt die Tour normalerweise weiter mit einer Bootsfahrt auf dem unterirdischen Fluss Punkva – ein stilles Gleiten durch enge Felsgänge, beleuchtet nur von spärlichem Licht. Bei unserem Besuch war dieser Abschnitt leider aufgrund von Bauarbeiten gesperrt. Doch auch ohne das Boot bleibt der Gang durch die Höhle eindrucksvoll: Tropfsteingebilde, die wirken wie von Künstlerhand geschaffen, und das stetige Tropfen des Wassers aus der Dunkelheit machen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

    Im Anschluss kann man bequem mit einer kleinen Seilbahn wieder zum oberen Rand der Schlucht fahren. Zwei Aussichtsplattformen bieten dort spektakuläre Blicke in die Tiefe und auf die umliegende Landschaft.

    Wer früh morgens am oberen Parkplatz bei der Macocha-Schlucht startet, kann den Besuch ideal mit einer kleinen Wanderung durch das Suchý žleb – die Trockene Schlucht – beginnen. Der Weg führt gemächlich bergab durch ein ruhiges, bewaldetes Tal mit imposanten Felswänden und vielen kleinen Höhlen am Wegesrand. Am unteren Ende erreicht man den Kassenbereich, wo Tickets für die Punkevní-Höhle erhältlich sind. Von dort bringt eine gemütliche Bimmelbahn die Besucher mit ersten Informationen über die Region zum Höhleneingang. Nach der Tour fährt man bequem mit der Seilbahn zurück nach oben – direkt zum Parkplatz.

    Direkt in der Nähe gibt es noch mindestens zwei weitere "Touri"-Höhlen, für die wir aber keine Zeit hatten.
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  • Die längste Hängebrücke der Welt?

    April 12, 2025 in Czech Republic ⋅ ☁️ 7 °C

    Dolní Morava liegt im Nordosten Tschechiens, im Glatzer Schneegebirge nahe der polnischen Grenze. Der Ort ist eigentlich als Wintersportgebiet bekannt, lockt aber ganzjährig mit spektakulären Attraktionen.

    Herausragend ist die Sky Bridge 721 – benannt nach ihrer Länge von 721 Metern. Sie ist* die längste hängende Fußgängerbrücke der Welt, schwebt bis zu 95 Meter über dem Tal und verbindet zwei Bergrücken auf eindrucksvolle Weise. Leider war der Rückweg über den „Pfad der Zeit“ bei unserem Besuch gesperrt – ein Erlebnisrundweg mit historischen Themen und Augmented-Reality-Elementen, der das Brückenerlebnis eigentlich abrunden soll.

    Direkt daneben befindet sich der Sky Walk – eine spiralförmige Aussichtsplattform mit weitem Rundblick. Besonders in Erinnerung bleibt uns die lange Röhrenrutsche (Aufpreis ca. 3 Euro): überraschend schnell und definitiv ein kleines Adrenalinabenteuer. Den perfekten Abschluss bildete die Abfahrt mit dem Alpine Coaster, einer der längsten Sommerrodelbahnen Europas.

    Trotz Kombi-Tickets muss man für den Besuch der beiden Hauptattraktionen – also Sky Bridge und Sky Walk inklusive Seilbahnfahrt – mit mindestens 50 Euro pro Person rechnen. Insgesamt ist das Areal stark touristisch geprägt – mit vielen Besuchern, Gastronomie und inszenierten Erlebnisbereichen. Für spontane Ausflüge oder Familienbesuche ist das preislich und atmosphärisch sicher ein Aspekt, den man vorher bedenken sollte.

    *Seit 2024 wurde die Sky Bridge 721 in ihrer Rekordlänge von einer Brücke in Ungarn („Brücke der nationalen Einheit“) übertroffen – mit lediglich zwei Metern Unterschied.

    360° Video des Coasters: https://www.youtube.com/watch?v=a0PK4a0tmTY
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  • Štramberk – Höhle, Hügel, Honigohren

    April 12, 2025 in Czech Republic ⋅ ⛅ 15 °C

    Auf dem Weg in die Slowakei haben wir einen kurzen Zwischenstopp in Štramberk eingelegt – einem kleinen, malerischen Ort mit mittelalterlichem Flair. Mit seinen engen Gassen, bunten Häusern und dem markanten Turm der Burgruine wirkt das Städtchen fast wie aus einem Märchenbuch gefallen und lädt direkt dazu ein, ein bisschen zu verweilen.

    Wir sind hinauf zum Hügel Kotouč gewandert, wo sich die Höhle Jeskyně Šipka befindet. Sie zählt zu den bedeutendsten archäologischen Fundorten Tschechiens. Im Jahr 1880 wurde dort der rund 40.000 Jahre alte Unterkiefer eines Neandertaler-Kindes entdeckt – der erste direkte Beleg für Urmenschen in Mitteleuropa. Auch Werkzeuge und Knochen von Mammuts, Rentieren und Höhlenbären wurden gefunden. Die Höhle selbst ist zwar klein, aber ihre Geschichte und der Ausblick ins Tal machen sie besonders.

    Der Kotouč ist aber nicht nur urgeschichtlich bedeutsam, sondern auch mit einer düsteren Legende verbunden: Im 13. Jahrhundert sollen die Einwohner von Štramberk ein Lager angreifender Tataren überflutet haben, indem sie einen Staudamm oberhalb des Hügels öffneten. In ihrem zurückgelassenen Lager fanden die Bewohner Säcke voller abgeschnittener Ohren christlicher Gefangener – eine schaurige Erinnerung, die später zur Grundlage einer Tradition wurde. Um an den Sieg und die überstandene Bedrohung zu erinnern, begannen die Menschen, ohrenförmiges Gebäck zu backen: die Štramberské uši. Heute sind diese gewürzten Honighörnchen eine geschützte Spezialität – und in einem kleinen Café im Ort konnten wir natürlich nicht widerstehen. Wir probierten Varianten mit Himbeeren und Sahne – und fanden sie sehr lecker.
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  • Hrebienok – Erster Blick auf die Tatra

    April 13, 2025 in Slovakia ⋅ ⛅ 12 °C

    Den ersten Tag in der Slowakei nutzten wir gleich für einen Ausflug ins Gebirge – und zwar in die Hohe Tatra, die im Norden des Landes liegt und den höchsten Teil des Karpatenbogens bildet. Unser Ziel war Hrebienok, ein kleiner Erholungs- und Wintersportort, der im Winter zum Rodeln und Langlaufen einlädt und in der warmen Jahreszeit als Ausgangspunkt für viele Touren genutzt wird.

    Die Anfahrt führte uns über die Tatranská magistrála, eine rund 40 Kilometer lange Panoramastraße, die sich entlang des Gebirgskamms zieht und die wichtigsten Orte der Region miteinander verbindet. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel und dichte Nadelwälder. Die Straße gilt als eine Art Lebensader der Region – landschaftlich reizvoll und zugleich funktional.

    Die Hohe Tatra selbst ist zwar klein – sie misst nur etwa 25 Kilometer in der Länge – wirkt aber durch ihre schroffen Felsformationen, tief eingeschnittenen Täler und markanten Gipfel erstaunlich dramatisch. Nicht umsonst wird sie oft als das „kleinste Hochgebirge der Welt“ bezeichnet. Das Gebiet steht unter strengem Naturschutz, ist UNESCO-Biosphärenreservat und eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für Braunbären in Europa. Auch Luchse, Wölfe, Gämsen und eine Vielzahl seltener Vogelarten sind hier zu Hause.

    Geparkt haben wir in Starý Smokovec. Von dort kann man entweder in etwa 45 Minuten zu Fuß hinaufsteigen – oder die Standseilbahn nehmen, so wie wir es gemacht haben. Oben angekommen war es trotz Sonnenschein eisig und windig – wir blieben trotzdem eine Weile, genossen die Aussicht und wärmten uns bei einem Kaffee.

    Neben den Wanderwegen bietet Hrebienok auch ein kleines Kulturprogramm. Aktuell gibt es dort eine Eisskulpturen-Ausstellung sowie das Kvantarium – eine Lichtinstallation mit interaktiven Elementen, die wir diesmal leider verpasst haben.
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  • Eiskunst in Hrebienok

    April 13, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 11 °C

    In Hrebienok verwandelt sich der Winter in ein echtes Märchen aus Eis – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jedes Jahr locken die kunstvollen Eisfiguren Besucher aus der ganzen Welt an. Herzstück der Ausstellung ist der Tatra-Eisdom, der seit 2013 jeden Winter neu erschaffen wird. Für die Saison 2024/2025 stand er ganz im Zeichen von Papst Johannes Paul II. Aus 225 Tonnen Eis entstanden meisterhafte Nachbildungen der Wawel-Kathedrale und der St.-Adalbert-Kirche in Krakau – detailverliebt, majestätisch und bei jedem Lichtwechsel auf neue Weise faszinierend. Der Eintritt ist kostenlos, was besonders Familien und Spaziergänger begeistert, die einfach mal kurz staunen wollen.

    Ein weiteres Highlight ist der internationale Eisskulpturenwettbewerb „Tatry Ice Master“, der Hrebienok im Januar für zwei Tage in eine Bühne der Eiskunst verwandelt. Künstlerinnen und Künstler aus zehn Ländern zaubern innerhalb kürzester Zeit aus 50 Tonnen Eis rund 35 Skulpturen – teils filigran, teils monumental, aber immer kreativ und fotogen. Ob Tiere, Fabelwesen oder ganze Szenen aus Mythen und Märchen – die Vielfalt ist beeindruckend. Die Werke bleiben bis zum Ende der Wintersaison erhalten und können in einer kleinen Galerie sowie im Freien bestaunt werden.

    Begleitet wird das Spektakel von Live-Musik, Mitmachaktionen und der spektakulären „Fire & Ice Show“, bei der Flammen und Eis auf eindrucksvolle Weise zusammentreffen. Die Kulisse der verschneiten Tatra macht das Erlebnis perfekt. Wer nach all dem Staunen eine Pause braucht, findet in der Nähe gemütliche Einkehrmöglichkeiten – oder saust einfach mit der Rodel den Berg hinab.

    Wir selbst waren zwar nicht mitten im Winter da, haben das Ganze aber gerade noch miterlebt – und waren wirklich froh, dass uns diese beeindruckende Eiswelt nicht entgangen ist.
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  • Arwaburg – Geschichte auf drei Ebenen

    April 17, 2025 in Slovakia ⋅ ☀️ 22 °C

    Majestätisch thront sie auf einem Felsen über dem Fluss Orava – die Arwaburg (Oravský hrad), vielleicht die beeindruckendste Festung der Slowakei. Hoch oben im Norden des Landes erhebt sie sich auf einem schmalen, steilen Kalksteinfelsen, der rund 112 Meter in die Höhe ragt. Ihre Bauweise ist außergewöhnlich: Über drei Ebenen hinweg zieht sie sich den Berg hinauf, und man erkennt an vielen Details, wie sie im Laufe der Jahrhunderte erweitert und verändert wurde. 

    Von Weitem wirkt sie wie eine Filmkulisse – und genau das war sie auch schon mehrfach. 1922 diente die Arwaburg als Schauplatz für den Stummfilm Nosferatu, die erste Verfilmung der Dracula-Geschichte. Der Film gilt als Meilenstein des Horrorgenres und prägte das Bild des Vampirs in der Popkultur bis heute. Auch spätere Produktionen – darunter Dragonheart 2 (2000) und die Netflix-Miniserie Dracula – nutzten die markante Silhouette der Burg als Kulisse.

    Die Ursprünge der Burg reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Ihr Erscheinungsbild veränderte sich über die Zeit – je nach Zweck, Zeitgeist und Besitzer. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1800 wurde sie sorgfältig restauriert. Heute ist sie ein Museum mit Ausstellungen zur Geschichte, Archäologie, Naturkunde und Volkskultur – verteilt auf verschiedene Ebenen.

    Neben den historischen Fakten gehört auch eine düstere Legende zur Arwaburg – die der sogenannten „weißen Frau“. Der Überlieferung nach war sie die Ehefrau eines grausamen Burgherrn, dem sie sich eines Tages in den Weg stellte, um eine Magd zu schützen. Im Zorn hieb er ihr die Hand ab, und schwer verletzt soll sie ihm noch auf dem Sterbebett vergeben haben. Seitdem, so erzählt man sich, erscheint ihr Geist in einem weißen Kleid mit blutender Hand – besonders zu Allerseelen oder am Palmsonntag. Besucher berichten, sie nachts durch die Flure wandeln gesehen zu haben – eine stille, geisterhafte Gestalt, die durch die Burg streift und vielen lange im Gedächtnis bleibt.

    Wir hatten das Glück, die Arwaburg über Ostern zu besuchen – eigentlich ist sie im April noch geschlossen, doch zu den Feiertagen öffnet sie traditionell für einige Tage ihre Tore. Der Eintritt beträgt 9 Euro, das Parken direkt unterhalb der Burg kostet 5 Euro. Der Rundgang dauert etwa anderthalb Stunden, führt über rund 660 Treppenstufen und verläuft teils durch enge, verwinkelte Gänge. Ein kostenloser Audioguide fürs Handy ist in mehreren Sprachen verfügbar, auch auf Deutsch.

    Nach der Besichtigung kehrten wir im Restaurant Thurzov mlyn direkt neben der Burg ein. Von der Terrasse aus hat man die Burg weiterhin im Blick – ein schöner Ort, um den Besuch gemütlich abzurunden. Die Arwaburg ist definitiv etwas Besonderes, und ein Abstecher lohnt sich aus unserer Sicht in jedem Fall.
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  • Zipser Burg: Vom Machtort zum Steinbruch

    April 19, 2025 in Slovakia ⋅ ☀️ 15 °C

    Die Zipser Burg (Spišský hrad) zählt mit einer Fläche von über 41.000 Quadratmetern zu den größten Burgruinen Europas. Sie liegt weithin sichtbar auf einem Hügel im Nordosten der Slowakei und überragt die umliegende Landschaft um rund 200 Meter – ein Anblick, der schon von weitem beeindruckt. Die ältesten Teile der Anlage stammen aus dem 12. Jahrhundert, ihre Geschichte reicht also fast 900 Jahre zurück. Seit 1993 gehört die Burg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Als Wahrzeichen der Ostslowakei ziert sie nicht nur Postkarten, Briefmarken und Münzen, sondern steht sinnbildlich für das kulturelle Erbe des Landes – ähnlich wie Schloss Neuschwanstein für Bayern.

    Über Jahrhunderte hinweg war die Zipser Burg das politische und militärische Machtzentrum der Region. Hier residierten die Zipser Gespane – hochrangige Vertreter des ungarischen Königs, die mit Verwaltung, Steuererhebung und Rechtsprechung betraut waren. In einem Gebiet, das von Handelswegen durchzogen und kulturell vielfältig geprägt war, kam dieser Funktion besondere Bedeutung zu. Die Lage der Burg war strategisch ideal: geschützt, übersichtlich, symbolträchtig. In einer Zeit, in der Macht sichtbar sein musste, war die Zipser Burg ein unübersehbares Zeichen von Autorität.

    Doch mit der Zeit veränderten sich die politischen und militärischen Rahmenbedingungen. Neue Handelszentren wie Levoča gewannen an Bedeutung, und das städtische Leben wurde attraktiver als das abgeschiedene Dasein hinter dicken Mauern. Auch militärisch hatte die Höhenlage ihren Vorteil verloren – mit dem Aufkommen der Kanonen waren selbst massive Festungen nicht mehr sicher. Als dann im späten 18. Jahrhundert ein Feuer große Teile der Burg zerstörte, entschied man sich gegen den Wiederaufbau. Die Anlage war inzwischen zu groß, zu teuer und galt als überholt. Es fehlte an Verantwortung und Interesse, und so begannen die Menschen aus den umliegenden Dörfern, die Mauerreste Stück für Stück abzutragen und als Baumaterial zu verwenden. So entstand nach und nach jene eindrucksvolle Ruine, die heute wie ein Freilichtmuseum an längst vergangene Zeiten erinnert.

    Heute ist die Burg wieder zugänglich. Wer möchte, kann große Teile der Anlage auf eigene Faust erkunden. Besonders auffällig ist die riesige Unterburg, deren Ausmaß man am besten aus der Luft oder bei einem Spaziergang auf der Mauer überblickt. In der Oberburg gibt es einige rekonstruierte Räume und kleinere Ausstellungen, die Einblicke in die Geschichte geben. Vieles ist offen zugänglich, manche Bereiche sind nur durch Schilder erklärt.

    Dank verlängerten Öffnungszeiten über Ostern konnten wir die Burg am späten Nachmittag besichtigen. Einen Audio-Guide, der auf manchen Websites angekündigt wird, konnten wir vor Ort leider nicht finden – schade, denn er hätte den Rundgang sicherlich noch bereichert. Danach sind wir noch auf den gegenüberliegenden Hügel gewandert. Von dort hatten wir einen weiten Blick über die gesamte Anlage, während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand. Ein ruhiger, sehr stimmiger Abschluss für diesen besonderen Ort.
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  • Das Funkeln des Aragonits

    April 20, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 18 °C

    Abseits der bekannten Reiserouten im Süden der Slowakei liegt ein Ort von besonderer geologischer Bedeutung: die Aragonithöhle von Ochtina (slowakisch: Ochtinská aragonitová jaskyňa). Sie ist eine von nur drei öffentlich zugänglichen Aragonithöhlen weltweit – und die einzige ihrer Art in Europa.

    Über Jahrtausende hinweg entstanden hier besondere Aragonitformationen – eine seltene Kristallform von Calciumcarbonat. Möglich wurde dies durch außergewöhnliche geologische Bedingungen: Die Höhle liegt in einer linsenförmigen Marmorstruktur, die von wasserundurchlässigem Phyllit umgeben ist. Solche Gesteinsverhältnisse sind in Mitteleuropa äußerst selten – sie ermöglichen die spezielle chemische Zusammensetzung und das Mikroklima, das für die Bildung von Aragonit notwendig ist.

    Wissenschaftler unterscheiden in der Höhle drei Generationen von Aragonitkristallen: Die ältesten sind etwa 138.000 Jahre alt, weitere entstanden vor rund 14.000 Jahren. Einige winzige Kristallansätze wachsen auch heute noch. Die Vielfalt der Formen ist beeindruckend: Einige Kristalle ragen wie gefrorene Nadeln in den Raum, andere bilden traubenartige oder korallenähnliche Gebilde. Besonders faszinierend sind dabei sogenannte Heliktiten – schrauben- oder spiralförmige Kristalle, die oft scheinbar gegen die Schwerkraft wachsen. Besonders eindrucksvoll ist die Milchstraßenhalle, in der die Aragonite dicht an der Decke sitzen und im Licht wie ein glitzerndes Sternenfeld wirken. Als eine von mehreren geologisch herausragenden Höhlen trägt sie zum UNESCO-Weltnaturerbe „Höhlen des Aggteleker und Slowakischen Karsts“ bei.

    Entdeckt wurde die Höhle 1954 bei Bohrarbeiten für einen geologischen Erkundungsstollen zur Eisenerzsuche. Als die ersten Kammern freigelegt wurden, stieß man auf eine völlig unerwartete Kristallwelt. Die besondere Form des Aragonits machte die Höhle schnell zu einem bedeutenden Forschungsobjekt, blieb aber lange für die Öffentlichkeit unzugänglich. Erst 1972 wurde ein Teil für Besucher erschlossen. Insgesamt misst das System rund 300 Meter, wovon etwa 230 Meter heute begehbar sind.

    Der Zugang erfolgt über einen künstlich angelegten Stollen. Nach einem kurzen Weg vom Parkplatz steigt man über 104 Stufen in den Fels hinab. Die Temperatur im Inneren liegt konstant bei etwa 7 °C, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die Führung durch die Höhle dauert etwa 30 Minuten und konzentriert sich auf die geologischen Besonderheiten. Leider kostet es 10€ extra, wenn man Fotos machen möchte.

    Fazit: Die Aragonithöhle von Ochtina ist auf jeden Fall eine Höhle der besonderen Art und definitiv einen Besuch wert.
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  • Domica - Die perfekte Tropfsteinhöhle

    April 20, 2025 in Slovakia ⋅ ☁️ 19 °C

    Im Grenzgebiet zwischen der Slowakei und Ungarn, eingebettet in die bewaldeten Hügel des Nationalparks Slovenský kras, liegt eine der faszinierendsten Tropfsteinhöhlen Mitteleuropas: die Domica-Höhle (slowakisch: Jaskyňa Domica). Sie ist Teil des grenzüberschreitenden Baradla-Domica-Höhlensystems, das sich über etwa 25 Kilometer erstreckt, als eines der größten Tropfsteinhöhlensysteme Europas gilt und seit 1995 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Mit über fünf Kilometern erforschter Länge ist die Domica-Höhle der bedeutendste Abschnitt auf slowakischer Seite – und ein beeindruckendes Naturwunder für sich.

    Ein besonderes Highlight der längeren Führung wäre eigentlich die Bootstour auf dem unterirdischen Fluss Styx gewesen. Leider war der Wasserstand bei unserem Besuch zu niedrig, sodass diese Fahrt nicht angeboten werden konnte.

    Trotzdem war die Führung sehr lohnenswert. Wir wanderten durch unterirdische Hallen und Gänge. Dabei kamen wir an stufig aufgebauten Stalagmiten, zwiebelförmigen Stalaktiten und kunstvoll geschwungenen Sinterbecken vorbei. Besonders eindrucksvoll war der Majkov dóm, der größte Saal der Höhle, benannt nach dem slowakischen Entdecker Ján Majko, der die Höhle 1926 erforschte.

    Nicht nur die Natur hat hier eindrucksvolle Spuren hinterlassen – auch der Mensch war schon früh in der Höhle aktiv. Archäologische Funde zeigen, dass bereits vor über 5.000 Jahren Menschen der Bükk-Kultur die Höhle nutzten – vermutlich als Unterschlupf oder für rituelle Zwecke.

    Besonders lebendig wurde es, als wir auf eine ganze Reihe von Fledermäusen stießen, die sich in den dunkleren Nischen der Höhle sammelten. In der Domica-Höhle leben bis zu 16 verschiedene Fledermausarten – darunter eine der größten bekannten Kolonien der seltenen Mittelmeer-Hufeisennase.

    Obwohl wir schon viele Tropfsteinhöhlen besucht haben, hat uns die Domica-Höhle besonders beeindruckt – durch die unglaubliche Vielfalt der Tropfsteinformen, die Mischung aus engen Gängen und großen Hallen sowie die durchgängig stimmungsvolle Beleuchtung. Dadurch entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, die wir so noch in keiner anderen Höhle erlebt haben.
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  • Suchá Belá – Eine Abenteuer-Wanderung

    April 21, 2025 in Slovakia ⋅ ⛅ 14 °C

    Die Wanderung durch die Schlucht Suchá Belá zählt zu den beliebtesten Routen im Nationalpark Slovenský raj („Slowakisches Paradies“). Die Tour ist ein echtes Abenteuer, denn sie verläuft nicht nur am Wasser entlang, sondern mitten hindurch. Über rutschigen Stock und Stein, entlang von Felswänden und über hohe Leitern wandert man dem Wasser entgegen, das sich in kleinen Kaskaden und rauschenden Wasserfällen durch die Schlucht bewegt. Schwierig ist die Strecke nicht, aber man sollte trittsicher sein und konzentriert bleiben. Ganz ohne einen Schritt ins Wasser kommt man kaum durch, deshalb sind feste Wanderschuhe auf dem rutschigen Untergrund sehr zu empfehlen.

    Die Strecke ist etwa 3,7 Kilometer lang und überwindet rund 420 Höhenmeter. Sie ist ausschließlich stromaufwärts begehbar und beginnt am Parkplatz Podlesok. Für den gesamten Rundgang sollte man 4-5 Stunden einplanen, je nach Tempo und Andrang. Da die Route besonders in der Hauptsaison sehr beliebt ist, wird empfohlen, früh zu starten – an den steilen Leitern kann es sonst zu Wartezeiten kommen. Wir waren im April gegen neun Uhr morgens unterwegs: Obwohl es Vorsaison war, war die Schlucht bereits gut besucht – nicht überlaufen, aber auch nicht leer. Am Einstieg wird eine Gebühr von 4 Euro erhoben, das Tagesticket für den Parkplatz kostet 5 Euro.

    Für uns war es die bisher abenteuerlichste Schluchtenwanderung. Die Strecke fordert Aufmerksamkeit und wechselt ständig zwischen Gehen, Klettern und Balancieren. Man wusste nie so genau, was als Nächstes kommt. Die Schlucht lebt allerdings mehr vom Erlebnis als von besonderen Ausblicken. Oben wartet kein Gipfelmoment, kein weiter Blick, sondern einfach der Übergang in den Wald. Der Rückweg führt über einen breiten Forstweg zurück ins Tal. Der Aufstieg allein war für uns Erlebnis genug – und bleibt als genau das in Erinnerung.
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  • Mit der alten Waldbahn nach Lillafüred

    April 23, 2025 in Hungary ⋅ ☀️ 17 °C

    Die Waldbahn von Lillafüred (ungarisch: Lillafüredi Állami Erdei Vasút) ist eine Schmalspurbahn, die seit über 100 Jahren durch das nordungarische Bükk-Gebirge fährt. Ursprünglich wurde sie 1923 für den Holztransport errichtet, transportierte aber schon bald auch Fahrgäste. Heute wird sie fast ausschließlich von Touristen genutzt.

    In offenen Waggons ruckelt man rund 14 Kilometer weit von der Stadt Miskolc bis ins abgelegene Garadna. Die Strecke führt durch das malerische Szinva-Tal, vorbei an dichten Wäldern, Felsformationen, kleinen Brücken und durch dunkle Tunnel. Die Züge werden heute von Diesellokomotiven des Typs Mk48 gezogen, die teilweise aus den 1960er Jahren stammen. Insgesamt dauert die Fahrt etwa 50 Minuten. Nach rund 30 Minuten erreicht man Lillafüred – für viele der schönste Halt entlang der Strecke.

    Lillafüred zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen im Bükk-Gebirge – unter anderem wegen seines künstlich angelegten Wasserfalls (dem höchsten in Ungarn), zwei Tropfsteinhöhlen und dem markanten Palasthotel am Seeufer. Der Ort wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Kurort gegründet und nach Lilla Vay benannt, der Schwester eines Förderers. Die ungarische Endung „-füred“ bedeutet „Bad“ oder „Kurort“, sodass der Name sinngemäß „Lillas Kurort“ heißt.

    Das auffällige Palasthotel wurde Ende der 1920er-Jahre als Prestigeprojekt der ungarischen Regierung errichtet, um den Tourismus in der Region zu fördern. Es diente zunächst der Oberschicht als Ferienort, später als Lazarett und Erholungsheim, und ist heute – nach umfangreicher Renovierung – das Wahrzeichen von Lillafüred.

    Bei unserem Besuch in der Vorsaison war es sehr ruhig. Viele Cafés und Angebote hatten noch geschlossen. Wir nutzten die Gelegenheit für eine kleine Wanderung auf den gegenüberliegenden Hügel. Von dort hat man einen schönen Blick auf Lillafüred und das Palasthotel.

    Die Bahn startet am Bahnhof Dorottya utca in Miskolc, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Fahrkarten können am Abfahrtsort oder im Zug erworben werden; im Zug ist jedoch nur Barzahlung in ungarischer Währung möglich. Da die Fahrpläne saisonal variieren, empfiehlt es sich, den aktuellen Fahrplan vorab online zu prüfen.

    Neben Lillafüred gibt es entlang der Strecke weitere sehenswerte Haltestellen, etwa das Museum für Hüttenwesen in Újmassa oder das Forellenrestaurant in Garadna.
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  • Der Fröhliche Friedhof von Săpânța

    April 24, 2025 in Romania ⋅ ☀️ 22 °C

    Im kleinen rumänischen Dorf Săpânța, direkt an der Grenze zur Ukraine, liegt ein einzigartiger Friedhof: der Cimitirul Vesel, zu Deutsch „Fröhlicher Friedhof“. Statt düsterer Grabsteine stehen hier farbenfrohe Holzkreuze mit naiven Bildern und gereimten Inschriften, sogenannten Epitaphen. Sie erzählen in humorvoller Weise kleine Geschichten aus dem Leben – oder dem Tod – der Verstorbenen.

    Die Tradition geht auf den aus Săpânța stammenden Künstler Stan Ioan Pătraș zurück. Er wurde 1908 in dem Dorf geboren und verbrachte sein ganzes Leben dort. In den 1930er-Jahren begann er, Grabkreuze aus Eichenholz zu schnitzen, sie mit kräftigen Farben zu bemalen und mit ironischen, oft auch sarkastischen Versen zu versehen. Was zunächst als persönliche Handschrift begann, entwickelte sich zu einer eigenständigen Bestattungsform – und wurde zu seinem Lebenswerk.

    Besonders ins Auge fällt das leuchtende „Săpânța-Blau“, ein kräftiger Blauton, der zum Markenzeichen des Friedhofs wurde. Die Kreuze zeigen häufig Berufe, Hobbys oder auch die Todesursache der Verstorbenen – alles mit einem Augenzwinkern.

    Seit dem Tod Pătraș' im Jahr 1977 führt sein Schüler Dumitru Pop Tincu die Tradition fort. Er gestaltet die Kreuze bis heute in Handarbeit, meist nach Gesprächen mit den Angehörigen. Dabei entstehen gereimte Inschriften und gemalte Szenen, die mal liebevoll, mal scharfzüngig, mal tieftraurig sind.

    Was den Cimitirul Vesel besonders macht, ist nicht nur seine Optik, sondern auch sein kultureller Hintergrund. Die Idee, dem Tod mit einem Lächeln zu begegnen, geht auf die antiken Daker zurück – ein Volk, das den Tod nicht als Ende, sondern als Übergang in ein besseres Leben betrachtete.

    Der Friedhof ist täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Lei (etwa 2 Euro).

    Wir haben einige der Inschriften vor Ort übersetzt. Manche brachten uns zum Schmunzeln, andere stimmten eher nachdenklich. Drei Beispiele:

    „Unter diesem schweren Kreuz
    liegt meine arme Schwiegermutter.
    Hätte sie drei Tage länger gelebt,
    wäre ich hier, und sie würde lesen.
    Ihr, die ihr vorbeigeht,
    versucht, sie nicht zu wecken,
    denn wenn sie zurückkommt,
    beißt sie mir den Kopf ab.
    Aber ich werde so handeln,
    dass sie nicht zurückkehrt.
    Bleib hier, meine liebe Schwiegermutter.“

    „Ioan Toaderu liebte Pferde.
    Eine weitere Sache, die er sehr liebte:
    An einem Tisch in einer Bar zu sitzen,
    neben der Frau eines anderen.“

    „Als ich auf die Welt kam,
    habe ich euch Freude gemacht,
    doch das hielt nicht lange,
    ihr habt mich sehr schnell verloren.
    Solange ich auf Erden weilte,
    konnte ich nur so viel tun:
    zwei, drei Worte lernen.
    Liebe Eltern, merkt euch das:
    Ich habe gerufen: Mama, Papa,
    vergesst mich nie,
    denn ich habe eine schwere Krankheit bekommen,
    niemand hatte damit gerechnet,
    ein Heilmittel wurde nicht gefunden.“
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  • Breb: Auf der Spur des alten Dorflebens

    April 26, 2025 in Romania ⋅ ☁️ 16 °C

    Das kleine Dorf Breb gilt als Beispiel für das ursprüngliche Dorfleben in Maramureș, einer ländlich geprägten und kulturreichen Region im Norden Rumäniens, wo eine alte Lebensweise und traditionelle Holzbaukunst vielerorts noch zum Alltag gehören.

    Eigentlich wollten wir an diesem Tag mit dem Bus nach Baia Mare fahren. Da am Wochenende nur einmal der Bus fährt und dieser bereits voll war, mussten wir spontan umplanen und entschieden uns für eine Wanderung ins acht Kilometer entfernte Breb. Wie sich herausstellte, war der Weg mal wieder das Ziel, denn wir liefen gemütlich durch eine hügelige Landschaft auf und ab, mit einem wunderschönen Blick auf die Felder und Berge im Hintergrund.

    Unterwegs kamen wir durch kleine, urige Dörfer, die ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Die meisten Höfe sind mit auffällig großen, geschnitzten Holztoren versehen, die früher den Wohlstand oder die Geschichte einer Familie zeigten. Wir haben auch einige alte Holzkirchen gesehen, die Wahrzeichen der Region sind. Auf den Wiesen stehen viele hoch aufgetürmte Heuhaufen, die noch von Hand aufgeschichtet werden – locker und etwas windschief, damit das Heu besser trocknet und Regen ablaufen kann. Von den Höfen hört man Hühner, Ziegen und Schafe, die teils frei über die Wege laufen.

    Nach etwa zwei Stunden erreichten wir Breb. Im Dorf gibt es einige traditionelle Restaurants, die Gerichte aus der Region mit lokalen Zutaten anbieten. Wir machten eine Pause in einem davon und entschieden uns für ein traditionelles Menü. Als Vorspeise bekamen wir eine kräftige Hühnersuppe mit reichlich Einlage und frischem Brot. Danach folgten Schweinefleisch mit Kartoffeln und eingelegten Paprika. Zum Nachtisch bekamen wir eine Schoko-Salami (Salam de biscuiți) – ein Dessert aus zerbröselten Keksen, Schokolade und einem Hauch Rum, das ein bisschen an „Kalten Hund“ erinnert.

    Beim Rundgang durch das Dorf zeigt sich, dass Breb vieles von seinem alten Charme bewahrt hat, auch wenn neue Häuser und renovierte Fassaden mittlerweile das Bild mitprägen. An mehreren Stellen fallen sperrige Schilder zu EU-Förderprogrammen auf, die sich nicht so recht ins Dorfbild einfügen und fehlplatziert wirken. Gerade im Vergleich zu den kleinen, ursprünglichen Dörfern, die wir unterwegs durchquert haben, wirkt Breb auf uns weniger authentisch als erwartet.

    Dennoch ist Breb auf jeden Fall einen Besuch wert. Besucher finden hier eine gute Mischung aus Tradition und Komfort, mit gemütlichen Pensionen und kleinen Gasthöfen. Wer das ländliche Leben noch ursprünglicher erleben möchte, sollte sich einfach zu Fuß auf den Weg in die umliegenden Dörfer machen. 😉

    Unser Schrittzähler zeigte am Ende stolze 26.000 Schritte. 💪
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  • Sighetu – Gefängnis des Kommunismus

    April 27, 2025 in Romania ⋅ ☀️ 12 °C

    In Sighetu Marmației, an der ukrainischen Grenze, erinnert das Memorialul Victimelor Comunismului și al Rezistenței (Gedenkstätte der Opfer des Kommunismus und des Widerstands) an eine der dunkelsten Phasen Rumäniens. Untergebracht im ehemaligen politischen Gefängnis von Sighet, bewahrt die Gedenkstätte das Andenken an jene, die in Zeiten der Diktatur zum Schweigen gebracht wurden.

    Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Rumänien ein unabhängiges Königreich, geprägt von westlicher Orientierung. Nach 1945 geriet das Land unter sowjetischen Einfluss. 1947 wurde König Michael zur Abdankung gezwungen, und Rumänien verwandelte sich in eine kommunistische Volksrepublik. Es folgten Jahre radikaler Umgestaltung: Enteignungen, Kollektivierung der Landwirtschaft, Zerschlagung der Kirchen und die systematische Verfolgung Andersdenkender. Groß angelegte Verhaftungswellen richteten sich vor allem gegen die politische, geistige und religiöse Elite. In Gefängnissen wie Sighet verschwanden Hunderte führende Persönlichkeiten, oft ohne Anklage, Prozess oder Nachricht an ihre Familien. Isolation und das bewusste Auslöschen von Erinnerung wurden zu Herrschaftsmitteln.

    Mit der Zeit änderte sich die Form der Unterdrückung. Der Geheimdienst Securitate durchzog das Land mit einem Netz von Spitzeln; Misstrauen durchdrang die Gesellschaft. Unter Nicolae Ceaușescu, der 1965 die Macht übernahm, entwickelte sich Rumänien zu einem der härtesten und repressivsten Regime Osteuropas. Öffentliche Kritik war praktisch unmöglich, private Gespräche konnten existenzielle Folgen haben. Zensur prägte Zeitungen, Bücher und Kunst. Versorgungskrisen, politische Isolation und ein allgegenwärtiger Personenkult bestimmten das Leben vieler Menschen bis zum Sturz des Regimes im Dezember 1989. In einem der drastischsten Umbrüche Osteuropas wurden Nicolae Ceaușescu und seine Frau noch am Weihnachtstag nach einem kurzen Prozess hingerichtet – ein weltweit beachtetes Ende für eine jahrzehntelange Diktatur. Insgesamt waren während der kommunistischen Herrschaft schätzungsweise 500.000 Rumänen als politische Gefangene interniert worden.

    Das Memorial in Sighet bringt diese Vergangenheit auf stille Weise zurück ins Bewusstsein. Das ehemalige Gefängnis ist überschaubar, doch die schmalen Gänge und kahlen Zellen vermitteln eindrücklich die einstige Kälte und Isolation. Informationsräume und thematische Ausstellungen führen durch die Stationen kommunistischer Repression. Als ausländische Besucher half uns eine ausführliche deutschsprachige Broschüre, die vielen Räume und Zusammenhänge einzuordnen.

    Dass wir den Umweg nach Sighetu Marmației auf uns genommen haben, war eine bewusste Entscheidung – und eine, die sich gelohnt hat. Der Besuch war für uns der erste direkte Kontakt mit der rumänischen Geschichte und ein wichtiger Moment, um ein besseres Verständnis für die Erfahrungen eines Landes zu gewinnen, das über Jahrzehnte hinweg von Angst und Unterdrückung geprägt war.
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  • Das Steampunk Transylvania Museum

    April 30, 2025 in Romania ⋅ ⛅ 21 °C

    Im Steampunk Transylvania Museum in Cluj taucht man in eine alternative Welt ein, in der Technik, Kunst und Fantasie zu einer eigenen Realität verschmelzen. Das Museum entführt seine Besucher in liebevoll gestaltete Räume voller kurioser Objekte, erfundener Apparaturen und kleiner Überraschungen.

    Hinter Steampunk verbirgt sich eine Stilrichtung, die Elemente des 19. Jahrhunderts mit alternativer Technik kombiniert. Sie stellt sich vor, wie sich Maschinen, Apparate und Erfindungen entwickelt haben könnten, wenn es die moderne Elektronik nie gegeben hätte. Entstanden ist Steampunk in den 1980er-Jahren als literarische Gegenbewegung zur digitalen Zukunftsvision – inzwischen hat sich daraus ein ganzer Kulturstil entwickelt, der Technikbegeisterung mit Nostalgie, Handwerk und Fantasie verbindet.

    So auch in diesem Museum, das sich über zwei Etagen erstreckt und selbst wie eine große, begehbare Erfindung wirkt. Die Räume sind sorgfältig inszeniert, mit vielen gestalterischen Details vom Boden bis zur Decke, die sich oft erst beim genaueren Hinsehen erschließen. Im Erdgeschoss stehen mechanische Konstruktionen, umgebaute Geräte und rätselhafte Apparaturen im Mittelpunkt. Viele davon lassen sich bewegen, ausprobieren oder einfach nur bestaunen. Im oberen Stockwerk öffnet sich das Museum in eine fantasievollere Welt – mit Fabelwesen, geheimnisvollen Figuren und einer verspielten, fast märchenhaften Atmosphäre.

    Der Besuch beginnt mit einer kurzen Führung durch das Team, das nicht nur fachkundig, sondern vor allem mit echter Begeisterung durch die Ausstellung führt. Die ersten Objekte werden erklärt, Funktionen gezeigt und Fragen willkommen geheißen. Danach kann man das Museum in Ruhe erkunden, fotografieren und sich in die vielen Einzelheiten vertiefen. Auch dabei ist das Personal stets präsent – aufmerksam, offen und voller Freude an dem, was sie vermitteln. Sie zeigen gerne weitere Objekte, schalten Apparaturen erneut ein oder erzählen kleine Geschichten, wenn man das Gespräch sucht. Zwar gibt es auch Infotafeln, doch die meisten Eindrücke entstehen im direkten Austausch.

    Wir waren sehr beeindruckt von diesem Museum, denn man spürt die Leidenschaft der Macher, die sich im gesamten Konzept widerspiegelt – in den Räumen, den Objekten und dem Engagement des Teams. Hier leben Menschen ihren Traum und lassen Besucher daran teilhaben.

    Im persönlichen Gespräch am Ende wurde uns übrigens verraten, dass es bald ein weiteres Projekt geben soll: eine Art Escape Room, voller mechanischer Rätsel und mit viel Fantasie umgesetzt. Schade, dass wir dieses Erlebnis nicht mehr mitnehmen können – aber vielleicht ist das ein guter Grund, Cluj (sprich: Kluusch) noch einmal zu besuchen.
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  • Botanischer Garten Cluj

    May 4, 2025 in Romania ⋅ ⛅ 22 °C

    Der Botanische Garten Alexandru Borza liegt etwas außerhalb des Trubels von Cluj-Napoca und ist ein schöner Rückzugsort für alle, die gern Zeit in der Natur verbringen. Auf etwa 14 Hektar Fläche erstreckt sich eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen aus aller Welt – von großen, alten Bäumen über farbenfrohe Blumenbeete bis hin zu unterschiedlich gestalteten Gartenbereichen.

    Der Eintritt kostet aktuell 15 Lei pro Person (Stand 2025), was für den gebotenen Umfang und die gepflegte Anlage sehr fair ist. Schon beim Spaziergang durch die weitläufigen Wege fallen die liebevoll gepflegten Abschnitte auf, die immer wieder zum Verweilen einladen.

    Ein echtes Highlight ist das große Gewächshaus, in dem exotische Pflanzen wie Kakteen, tropische Palmen und Seerosen gedeihen. Es bietet einen faszinierenden Einblick in verschiedene Klimazonen und bildet einen spannenden Kontrast zum Freiluftgarten.

    Es gibt auch eine kleine japanische Ecke. Dieser Bereich wurde im traditionellen „gyō-no-niwa“-Stil gestaltet und enthält japanische Landschaftselemente wie eine kleine Brücke, einen Teepavillon und einen künstlichen See. Er hebt sich durch seine ruhige und fast meditative Atmosphäre angenehm vom restlichen Garten ab.

    Im übrigen Gartenbereich verteilen sich zahlreiche Wasserbecken, in denen kleine Frösche leben, und viele Bänke laden zum Ausruhen ein. Für Picknickfreunde ist eine extra ausgeschilderte Zone eingerichtet. Wer einen Überblick über das weitläufige Gelände möchte, kann den Aussichtsturm besteigen und die Anlage von oben bewundern.

    Zum Botanischen Garten gehören außerdem ein botanisches Museum, das wir nicht besucht haben, sowie ein großes Herbarium. Letzteres ist nicht für Besucher geöffnet, da es als wissenschaftliche Sammlung genutzt wird und eine wichtige Rolle in der botanischen Forschung und Lehre der Universität spielt.

    Insgesamt ist der Alexandru Borza Garten ein durchdacht gestalteter, großer Naturraum voller Vielfalt und Ruhe. Wer Zeit mitbringt, kann hier problemlos einen ganzen Tag verbringen und immer wieder neue Details entdecken.
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  • Salina Turda: Freizeitpark unter Tage

    May 8, 2025 in Romania ⋅ 🌧 15 °C

    Tief unter den Hügeln Siebenbürgens, in über 100 Metern Tiefe, öffnet sich eine Welt, die wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film: die Salina Turda. Das mittelalterliche Salzbergwerk, einst eine der bedeutendsten Quellen des „weißen Goldes“ in der Region, zählt heute zu den ungewöhnlichsten Attraktionen Rumäniens – mit Riesenrad, Bowlingbahn und Bootsfahrt unter Tage.

    Bereits im Jahr 1271 erstmals erwähnt, wurde das Salz hier über Jahrhunderte in mühsamer Handarbeit gewonnen – eine beachtliche Leistung angesichts der riesigen Kammern und der damals noch sehr einfachen Werkzeuge. Nach der Stilllegung im Jahr 1932 diente das Bergwerk während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker und sogar als Käselager, bevor es 1992 für Besucher geöffnet und zwischen 2008 und 2010 mit futuristischer Architektur spektakulär umgestaltet wurde.

    Der Abstieg in die Tiefe beginnt durch einen schmalen, rund 120 Meter langen Tunnel. Die Wände bestehen aus purem Salz, das vor über 13 Millionen Jahren durch die Verdunstung eines urzeitlichen Meeres entstanden ist. Kleine Seitenkammern entlang des Weges geben Einblicke in die jahrhundertealte Bergbautradition. Besonders beeindruckend ist der sogenannte „Crivac“ – eine historische Fördermaschine von 1881, die als einzige ihrer Art in Europa noch an ihrem Originalstandort erhalten ist.

    Über eine kleine, unscheinbare Treppe gelangt man schließlich in die Rudolf-Mine – und steht unvermittelt am Rand einer gigantischen unterirdischen Kathedrale, deren glatte Salzwände im Licht wie polierter Marmor schimmern. Die Hauptkammer der Mine ist rund 42 Meter tief, 80 Meter lang und 50 Meter breit. Durch eine große Öffnung ist die benachbarte Terezia-Mine zu sehen, die mehr als 100 Meter in die Tiefe reicht. Am Boden dieser gewaltigen Kammer hat sich über die Zeit ein unterirdischer Salzsee gebildet, der bis zu 8 Meter tief ist.

    Die Salina Turda gehört definitiv zu den außergewöhnlichsten Orten, die wir bisher besucht haben.
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  • Karlsburg – die Zitadelle Alba Carolina

    May 10, 2025 in Romania ⋅ ⛅ 17 °C

    Bei strahlendem Sonnenschein haben wir die Zitadelle Alba Carolina in Karlsburg (Alba Iulia) besucht – und waren sofort beeindruckt. Das Gelände ist riesig, sehr gepflegt und lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Wenn man die Festung komplett umrundet, kommt man auf über 12 Kilometer – genug Zeit, um in Ruhe die zahlreichen Kirchen, historischen Mauern, Statuen und kleinen Souvenirstände zu erkunden.

    Obwohl die Zitadelle eine so große und bedeutende Anlage ist, ist sie nicht überlaufen und wirkt sehr angenehm ruhig – hier kann man die Geschichte entspannt erleben, ohne von Touristenmassen gedrängt zu werden.

    Ein besonderes Highlight war für uns das Ritter-Restaurant, das früher als Lager diente. Dort haben wir typisch rumänische Spezialitäten probiert, die sehr lecker waren und perfekt zur historischen Atmosphäre passten.

    Die Zitadelle selbst hat eine spannende Geschichte: Zwischen 1715 und 1738 bauten die Habsburger die sternförmige Festung als Verteidigungsanlage gegen das Osmanische Reich. Sie entstand auf den Fundamenten eines römischen Legionslagers und einer mittelalterlichen Festung. Zwar wurde die Zitadelle kaum militärisch genutzt, aber sie hat große symbolische Bedeutung, denn hier wurde 1918 die Vereinigung Transsilvaniens mit Rumänien verkündet.

    Zwischen 2009 und 2014 wurde die gesamte Anlage aufwendig für rund 150 Millionen Euro restauriert. Heute ist die Zitadelle ein lebendiger Ort, der Museen, Kirchen, Denkmäler und regelmäßige kulturelle Veranstaltungen beherbergt – ein Ort voller Geschichte und gleichzeitig mit modernem Leben erfüllt.

    Unser Fazit: Die Zitadelle Alba Carolina ist ruhig, sauber und bietet einiges zu sehen. Für jeden, der gern spazieren geht und Geschichte mag, ist das ein schöner Ort. Wir können einen Besuch definitiv empfehlen.
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  • Cluj: Zwischen Geschichte und Wandel

    May 13, 2025 in Romania ⋅ 🌙 7 °C

    Unsere Reise nach Cluj führte uns in den Vorort Florești, wo wir günstig wohnten und dank guter Bus- und Zugverbindungen schnell und preiswert ins Zentrum kamen. Cluj, offiziell Cluj-Napoca, ist eine der größten Städte Rumäniens und eine echte Studentenstadt – mit einer lebendigen Uni-Szene, die das Stadtbild prägt. Besonders die IT-Branche hat hier in den letzten Jahren großen Aufschwung erlebt und die Stadt deutlich nach vorne gebracht. Dieser Mix aus jungem Spirit, Forschung und moderner Technologie hebt Cluj von vielen anderen Städten ab.

    Die Stadt befindet sich in einem deutlichen Wandel: Überall sieht man Schilder und Hinweise auf EU-geförderte Projekte – Cluj wächst und entwickelt sich rasant. Das haben uns auch viele Taxi- und Uber-Fahrer erzählt, und wir konnten das während unseres Aufenthalts hautnah miterleben.

    Geschichtlich hat Cluj eine lange Tradition, die bis in die Römerzeit zurückreicht. Die Stadt war damals unter dem Namen Napoca bekannt und hat sich über die Jahrhunderte zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Siebenbürgens entwickelt. Heute verbindet Cluj Geschichte mit moderner Lebensart und einer jungen, dynamischen Bevölkerung.

    Wir genossen die vielseitigen Museen und die lebendige Kulturszene. Ein besonderes Highlight war ein Festival an der Universität direkt am Fluss, bei dem vor allem Rock- und Pop-Bands auftraten – die Musik hat uns richtig gut gefallen und sorgte für eine großartige Stimmung.

    Auch die Lage von Cluj ist fantastisch: Umgeben von sanften Bergen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für kleine Wanderungen und Ausflüge ins Grüne an, was den Besuch perfekt ergänzt.

    Kulinarisch gibt es in Cluj viel zu entdecken. Die Restaurants bieten leckere regionale Gerichte zu fairen Preisen, und die Bars überraschen mit außergewöhnlichen Konzepten: Eine Steampunk-Bar mit cooler Atmosphäre und eine Bar, die im authentischen kommunistischen Stil gehalten ist, laden zum Verweilen ein.

    Alles in allem beeindruckt Cluj als Stadt im Aufbruch, die ihre Geschichte stolz zeigt und gleichzeitig offen für Neues ist. Wer eine Stadt sucht, die Kultur, Natur und modernes Leben verbindet, wird hier definitiv fündig.
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  • Brașov: Unser Tipp für Rumänien

    May 30, 2025 in Romania ⋅ ⛅ 14 °C

    Manchmal findet man einen Ort, an dem alles stimmt – für uns war das Brașov, weshalb wir unseren Aufenthalt verlängert haben. Unsere Wohnung lag etwas außerhalb der Stadt und bot einen traumhaften Blick auf die Berge und die spektakulären Sonnenuntergänge. Eines Tages sind wir zum Tâmpa-Berg gewandert, auf dem der bekannte Brașov-Schriftzug prangt. Der Berg ist etwa 960 Meter hoch und von dort oben hat man einen fantastischen Panoramablick über die Stadt und die umliegenden Karpaten.

    Die Altstadt von Brașov hat uns mit ihren engen, kopfsteingepflasterten Gassen und bunten Häusern immer wieder begeistert. Besonders spannend war die Schnurengasse (Strada Sforii), eine der schmalsten Gassen Europas, die gerade einmal einen Meter breit ist. Hier lässt sich das mittelalterliche Flair der Stadt hautnah erleben.

    Natürlich haben wir auch die berühmte Schwarze Kirche besucht. Sie wurde im 14. Jahrhundert von den deutschen Siebenbürger Sachsen erbaut und erhielt ihren Namen durch einen Brand im Jahr 1689, bei dem die Mauern schwarz verfärbt wurden. Obwohl sie nicht unser absolutes Highlight war, beeindruckte sie uns durch ihre ungewöhnliche Architektur und den deutschen Hintergrund.

    Ein besonderes Erlebnis war der nahegelegene Bärenpark, ein Naturschutzgebiet für ehemalige Zirkusbären. Die Führung dort war sehr informativ und berührend – zu unseren Eindrücken und Details gibt es bereits einen eigenen Beitrag, den wir euch empfehlen.

    Beim Spaziergang durch die Stadt sind wir zufällig auf eine Veranstaltung lokaler Pfadfinder gestoßen und konnten eine beeindruckende Feuershow miterleben. Unser Tipp: Achtet auf Plakate und lokale Hinweise – so erfährt man von solchen tollen Events.

    Einen Ausflug zum Schloss Bran haben wir ebenfalls gemacht. Das Schloss wird oft mit der Dracula-Legende in Verbindung gebracht, wir fanden es jedoch eher touristisch und wenig authentisch.

    Die Menschen in Brașov waren durchweg freundlich, und fast jeder spricht Englisch. Besonders auffällig war der starke nationale Stolz, mit dem die Bewohner ihre Geschichte und Kultur leben – das ist uns besonders im Vergleich zu Deutschland aufgefallen.

    Der geschichtliche Hintergrund:

    Brașov, im Deutschen Kronstadt genannt, liegt in der historischen Region Siebenbürgen und war im Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz zwischen Europa und dem Osmanischen Reich. Das Stadtwappen zeigt eine Krone, die auf den deutschen Namen Kronstadt und die sieben sächsischen Städte der Region verweist.

    Die Stadt war lange Zeit multikulturell geprägt: Rumänen, Ungarn, Deutsche und Juden lebten hier über Jahrhunderte zusammen. Während des Zweiten Weltkriegs und besonders in der kommunistischen Ära kam es zu erheblichen Veränderungen. Viele Deutsche verließen Brașov aufgrund von Krieg, politischer Repression und wirtschaftlicher Unsicherheit, besonders zwischen den 1940er und 1990er Jahren.

    Brașov ist heute eine lebendige Stadt, die ihre Geschichte sichtbar bewahrt – nicht nur durch ihre Architektur, sondern auch durch den Stolz ihrer Bewohner auf ihre vielfältige kulturelle Vergangenheit.
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