• Ayutthaya: Tempelruinen einer Weltstadt

    January 31 in Thailand ⋅ ☀️ 31 °C

    Etwa 80 Kilometer nördlich von Bangkok liegt Ayutthaya, die ehemalige Hauptstadt des Königreichs Siam (wie Thailand bis 1939 hieß). Heute ist die Stadt vor allem für ihre vielen Tempelruinen bekannt, die zum UNESCO-Welterbe gehören.

    Im 17. Jahrhundert zählte Ayutthaya zu den größten und bedeutendsten Städten der Welt: eine weitläufige, wohlhabende Handelsmetropole. Europäische Besucher nannten sie das „Venedig des Ostens“, weil Kanäle die Stadt durchzogen und der Handel weitgehend über das Wasser lief. In den Vierteln rund um die Flussinsel, auf der das Zentrum lag, lebten portugiesische und holländische Kaufleute neben persischen Händlern und japanischen Samurai.

    Die Stadt war riesig und übersät mit Tempelanlagen. Es sollen mehr als 400 gewesen sein. Im Buddhismus sammeln Gläubige durch den Bau religiöser Stätten spirituelles Verdienst. Entsprechend groß und prächtig fielen die Tempel der Könige und Adligen aus. Manche Anlagen dienten zugleich als Grabstätten verstorbener Herrscher oder wurden an Orten errichtet, an denen Mitglieder der Königsfamilie eingeäschert wurden. Die charakteristischen Tempeltürme (Prangs), erinnern an Angkor Wat in Kambodscha. Beide gehen auf den Einfluss des Khmer-Reichs zurück, das einst weite Teile Südostasiens beherrschte.

    1767 endete diese Blütezeit. Truppen aus Burma, dem heutigen Myanmar, belagerten die Stadt vierzehn Monate lang und zerstörten sie schließlich vollständig. Paläste und Tempel wurden geplündert, Gebäude niedergebrannt und vergoldete Buddha-Statuen eingeschmolzen. Die Stadt wurde nie wieder aufgebaut. Überlebende zogen flussabwärts und gründeten Bangkok, wobei sie nicht nur Architekten und Handwerker mitnahmen, sondern auch Baumaterial aus den Ruinen. Die unzähligen kopflosen Buddha-Figuren verdankt man überwiegend westlichen Antiquitätenhändlern, die sie nach Europa und Amerika verschifften. Immer wieder kehren einzelne Stücke zurück nach Thailand.

    Heute kann man über das weitläufige Gelände gehen und die Überreste zahlreicher Tempel erkunden. Eines der bekanntesten Motive ist ein Buddha-Kopf, der von den Wurzeln eines Baumes umschlossen wird. Er befindet sich im Wat Mahathat, einst das religiöse Zentrum des Königreichs. Wie der Kopf dorthin gelangte, ist nicht eindeutig geklärt. Es handelt sich um einen Bodhi-Baum, jene Art, unter der Buddha der Überlieferung nach die Erleuchtung erlangte.

    Im Wat Lokayasutharam liegt zudem ein 42 Meter langer Buddha unter freiem Himmel. Er zeigt Buddha beim Eintritt ins Nirvana. Anders als sein jüngerer Verwandter im Bangkoker Wat Pho liegt diese Figur ungeschützt. Das Gebäude, das sie einst umgab, ging bei der Zerstörung der Stadt verloren.

    Da Ayutthaya von Bangkok aus nicht ganz einfach auf eigene Faust zu erreichen ist, buchten wir eine Tour. Das erwies sich als gute Entscheidung, nicht nur wegen der Logistik, sondern wegen des unterhaltsamen Guides, der uns nicht nur Ayutthaya, sondern auch den Buddhismus und das moderne Thailand näherbrachte. Wusstet ihr, dass der Sohn des Königs und wahrscheinliche Thronfolger in Deutschland zur Schule gegangen ist und in Bayern lebt?
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