Parfüm-Pagode: Wo eine Göttin entstand 🛕
March 7 in Vietnam ⋅ ☀️ 27 °C
Die Parfüm-Pagode liegt südwestlich von Hanoi in einer tropischen Karstlandschaft und ist eine der wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten Vietnams. Parfüm steht hier für den Duft der wilden Blumen, die an den Felsen wachsen. Der Tempelkomplex ist nur über das Wasser erreichbar. Flache Ruderboote gleiten zwischen steilen Kalksteinfelsen hindurch, eine gute halbe Stunde lang. Gerudert wird traditionell von Frauen.
Dass wir ausgerechnet im größten buddhistischen Pilgerfest des Landes ankommen würden, wussten wir vorher nicht. Das Parfüm-Pagoden-Fest dauert rund drei Monate, vom Mondneujahr Ende Januar bis weit ins Frühjahr, und zieht jedes Jahr über eine Million Pilger an, die hier Glück und Segen für das neue Jahr erbitten. Wir waren an einem Samstag am Höhepunkt des Fests da. Der Fluss war voller Boote, die Treppen und Wege voller Menschen, und statt eines ruhigen Tempel- und Höhlenbesuchs schoben wir uns zwischen Pilgern mit Opfergaben und Räucherstäbchen die Treppen hoch. Um die Wege reihten sich prall gefüllte Lokale aneinander, Stände mit regionalen Leckereien, Gewürzhändler, dazwischen Spielzeughändler, die uns an Kirmesverlosungen erinnerten. Mehr Jahrmarkt als Pilgerstätte.
Wem all diese Pilger folgen, erzählt eine Legende, die sich hier zugetragen haben soll. Eine Königstochter namens Diệu Thiện weigerte sich zu heiraten. Ihre Bedingung war unerfüllbar: Der Bräutigam müsste sie vom Altern, von Krankheit und Tod befreien können. Kein Ehemann konnte das, und genau darauf hatte sie es angelegt. Sie wollte ins Kloster, nicht in einen Palast. Ihr Vater sah darin einen Angriff auf seine Autorität. Er schickte sie ins Kloster, ließ aber die Nonnen ihr die härteste Arbeit aufbürden, in der Hoffnung, sie würde aufgeben und zurückkommen. Als das nicht half, ließ er das Kloster niederbrennen. Diệu Thiện überlebte. Daraufhin ließ er sie hinrichten. Doch selbst in der Unterwelt verwandelte ihr Mitgefühl die Hölle in ein Paradies, bis der Herrscher der Toten sie aus Angst um sein Reich ins Leben zurückschickte. Sie meditierte jahrelang in einer Höhle, und als ihr Vater schwer erkrankte, sagte ihm ein Mönch, nur die Augen und Arme eines Menschen ohne Zorn könnten ihn heilen. Diệu Thiện opferte beides, ohne zu zögern, für den Mann, der sie hatte töten lassen. In diesem Moment wurde sie zu Quan Âm, der Göttin des Mitgefühls. Sie hätte ins Nirvana eingehen können, kehrte aber um, weil sie einen Schrei des Leidens aus der Welt hörte. Seitdem wird sie verehrt als die, die erst von der Erde geht, wenn alles Leiden beendet ist.
Die Hương-Tích-Höhle gilt als der Ort, an dem Diệu Thiện zur Göttin wurde. Der gesamte Komplex der Parfüm-Pagode ist um diese Überzeugung herum gebaut: Der Giải-Oan-Tempel auf dem Pilgerweg heißt übersetzt "Tempel der Reinwaschung von Unrecht" und bezieht sich direkt auf das Schicksal der Prinzessin. Eine Inschrift am Höhleneingang aus dem 18. Jahrhundert erklärt sie zur heiligsten Höhle Vietnams.
Im Inneren hängen Stalaktiten, die über Jahrhunderte von Pilgerhänden glatt gerieben wurden. Jede Formation hat einen eigenen Namen und eine zugeschriebene Kraft: Der Münzhaufen soll Wohlstand bringen, der Mädchen- und der Jungenberg helfen kinderlosen Paaren. An einem brustförmigen Stalaktiten sammeln Pilger das herabtropfende Wasser auf, weil sie glauben, diese heilige Milch bringe Gesundheit und Segen. Zwischen den Formationen liegen Plastikbabys, die Besucher als Glücksbringer für ihren Kinderwunsch hinterlassen. Für die Pilger ist die Kraft der Quan Âm hier nicht Legende, sondern Gegenwart.
Unsere kleine Gruppe war die einzige ohne religiösen Anlass, und unter den Tausenden drumherum kein einziger anderer westlicher Besucher. Anders als in Hanoi schienen Europäer hier ein seltener Anblick zu sein. So wurden wir selbst zur Attraktion. Viele starrten uns an, Kinder liefen zu uns, und auf der Bootsfahrt schauten uns die Menschen in den entgegenkommenden Booten immer wieder nach. Manche grüßten oder riefen, woher wir kommen, andere machten heimlich Fotos oder kicherten untereinander. Als ständige Begleiterscheinung ein merkwürdiges Gefühl.
Quan Âm ist übrigens die vietnamesische Version von Guanyin, der wir in Chiang Rai wortwörtlich in den Kopf gestiegen waren. Dass wir ihr so kurz darauf in einer Höhle in Vietnam wieder begegnen würden, hatten wir nicht erwartet.Read more
Wasserpuppentheater: Vom Reisfeld auf die Bühne 🎭
March 4 in Vietnam ⋅ ☀️ 24 °C
In Vietnam gibt es eine weltweit einzigartige Kunstform. Das Wasserpuppentheater ist fast tausend Jahre alt, und die bekannteste Bühne dafür steht in Hanoi, direkt am Hoan-Kiem-See. Live-Musiker begleiten die Vorstellungen mit traditionellen Instrumenten.
Entstanden ist sie in den Flussebenen Nordvietnams. Nach der Reisernte standen die Felder unter Wasser, und die Bauern nutzten sie als Bühne. Sie bauten einen kleinen Pavillon mitten ins überflutete Feld, stellten sich hüfttief ins Wasser und unterhielten ihre Nachbarn mit Figurenspiel. Im 12. Jahrhundert lud der Königshof die besten Truppen ein, und aus dem Zeitvertreib nach der Ernte wurde höfische Unterhaltung.
Die Techniken wurden in Geheimgilden gehütet. Wer aufgenommen wurde, trank eine rote Mixtur als Blutschwur und legte einen Eid ab. Wer die Geheimnisse verrät, bezahlt dafür mit dem Leben seines Vaters und dem dreier Nachkommen. Die Weitergabe lief ausschließlich vom Vater an den Sohn. Töchter waren ausgeschlossen, weil man fürchtete, sie könnten nach einer Heirat die Techniken in ein anderes Dorf tragen. Diese extreme Geheimhaltung hatte einen paradoxen Effekt. Weil jede Gilde für sich arbeitete, entwickelten alle eigene Mechanismen und Tricks.
Wie die Puppen tatsächlich funktionieren, sieht man als Zuschauer nicht. Die Figuren werden von unten gesteuert, über Bambusstangen und Schnüre unter der Wasseroberfläche. Das Wasser ist absichtlich trüb, damit der Mechanismus unsichtbar bleibt. Geschnitzt werden die Puppen aus Feigenholz, das leicht und schwimmfähig ist. Zum Schutz vor dem Wasser erhalten sie bis zu zehn Schichten traditionellen Lack. Mit all den Lackschichten und der Mechanik können die fertigen Figuren trotzdem bis zu 15 Kilo wiegen. Die Puppen drehen sich, tauchen ab, interagieren miteinander und bewegen Arme und Köpfe unabhängig voneinander. Was damit auf der Bühne möglich ist, hätten wir ihnen vorher nicht zugetraut. Zum traditionellen Repertoire gehört sogar eine Szene, in der Drachen echtes Feuer auf der Wasseroberfläche speien, möglich durch hohle Mäuler mit eingebauten Feuerwerkskörpern.
Durch fast jede Vorstellung führt Chu Teu, ein pausbäckiger Junge im Lendenschurz, dessen Name im Alt-Vietnamesischen „Lachen" bedeutet. Er tritt als Erzähler und Kommentator auf. Historisch war Chu Teu allerdings mehr als eine komische Figur. Unter dem Deckmantel des harmlosen Puppenspiels ließ man ihn über korrupte Beamte und gierige Steuereintreiber herziehen. Offen ausgesprochen hätte solche Kritik den Kopf kosten können.
Dass es das Wasserpuppentheater heute noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Die französischen Kolonialherren versuchten, lokale Volkstraditionen zu unterdrücken, und auch im Vietnamkrieg mussten Puppenspieler an die Front. Die Puppen verrotteten eingelagert in Schuppen. Von einst 28 dokumentierten Gilden waren in den Neunzigerjahren nur noch acht aktiv. Dass die Kunstform trotzdem überlebt hat, liegt auch am Thang Long Theater in Hanoi. Es wurde in den Sechzigerjahren gegründet und spielt seitdem an 365 Tagen im Jahr, ohne Unterbrechung. Inzwischen hat es die Tradition in über 40 Länder getragen und die Kunstform international bekannt gemacht.
Am besten sitzt man weit vorne, denn die Puppen sind nicht groß, und die Details gehen aus den hinteren Reihen verloren. Ein Audioguide, den es auch auf Deutsch gibt, erklärt die einzelnen Szenen und lohnt sich, denn ohne Kontext bleiben die vietnamesischen Legenden und Alltagsszenen schwer einzuordnen. Die Show dauert knapp eine Stunde.Read more
Guanyin: Aus den Augen einer Göttin 👁️
February 22 in Thailand ⋅ ⛅ 30 °C
Auf einem Hügel nördlich von Chiang Rai steht eine riesige weiße Figur, die wir am Vortag aus dem Bus gesehen hatten. Vor unserer Abreise wollten wir wissen, was es mit ihr auf sich hat. Um sieben Uhr waren wir die Ersten auf dem Gelände. Kein anderer Besucher, keine Schlange, sondern völlige Ruhe mit leiser Mantra-Musik.
Die Figur wird von Touristen gerne als Big Buddha bezeichnet, ist aber kein Buddha. Sie stellt Guanyin dar, die Göttin der Barmherzigkeit aus dem Mahayana-Buddhismus, und ist mit fast 80 Metern die größte Guanyin-Statue Thailands. Ihre Oberfläche ist mit tausenden kleinen Spiegeln besetzt, die im Sonnenlicht schimmern. Guanyin wird vor allem in China verehrt und kam nach Nordthailand, als nach dem chinesischen Bürgerkrieg Tausende Soldaten aus Südchina hierher flohen.
Was von außen wie eine Skulptur aussieht, ist von innen ein Gebäude mit 25 Stockwerken. Ein Aufzug fährt durch das Innere bis in den Kopf, vorbei an Wänden voller weißer Stuckreliefs mit Drachen und Götterfiguren. Oben blickt man durch Guanyins drei Augen auf das Umland von Chiang Rai. Das dritte, auf der Stirn, steht für übermenschliche Wahrnehmung.
Den besten Blick auf die Statue selbst hat man von der Pagode gegenüber. Sie hat neun Stockwerke und fällt schon von außen auf: Statt der üblichen Naga-Schlangen, die in Thailand Tempeltreppen bewachen, rahmen chinesische Drachen den Eingang ein. Im Inneren sind auf jeder Etage Buddhas und Gottheiten aus Sandelholz geschnitzt, darunter auch eine Tausendarmige Guanyin, bei der jede Hand in eine andere Richtung reicht, weil sie allen Leidenden gleichzeitig helfen soll.
Wat Huay Pla Kang steht auf keiner Touristenliste. Hier war es still, der Eintritt frei, nur für den Aufzug in der Statue zahlt man 40 Baht. Der Name des Tempels bedeutet übrigens Bach des Schlangenkopffischs, benannt nach einem Süßwasserfisch aus der Gegend. Kein besonders spiritueller Name für einen Ort, an dem man durch die Augen einer Göttin schaut.Read more
Thailand und die rote Fanta 👻
February 21 in Thailand ⋅ ⛅ 27 °C
Vor jedem Hotel, jedem Café, jeder Werkstatt und jedem Wohnhaus in Thailand steht ein kleines buntes Häuschen. Manche aufwendig verziert und mannshoch, andere kaum größer als ein Schuhkarton. Was dahintersteckt, ist eine der faszinierendsten Traditionen, die wir auf unserer Reise kennengelernt haben. Sie wurzelt im Animismus, einem uralten Geisterglauben der Region.
Schon lange bevor der Buddhismus nach Thailand kam, glaubten die Menschen, dass Geister Orte, Bäume und Landschaften bewohnen. Dieser Glaube ist bis heute überall sichtbar: Alte Bäume sind mit bunten Tüchern umwickelt, weil ein Geist in ihnen wohnt. Fast jeder Thai trägt ein Schutzamulett um den Hals, und manche lassen sich von Mönchen Tattoos mit heiligen Schriftzeichen stechen.
Die sichtbarste Tradition aber sind die Geisterhäuser. Wer ein Grundstück bebaut, nimmt den Geistern ihr Zuhause. Das Geisterhäuschen ist die Entschädigung, eine neue Bleibe für den Schutzgeist des Landes. Im Gegenzug beschützt er Haus und Bewohner. Wird er vernachlässigt, kann es Unglück geben.
Für die Platzierung gibt es strenge Regeln, die ein brahmanischer Priester oder Astrologe festlegt. Die wichtigste davon: Der Schatten des Hauptgebäudes darf nie auf das Geisterhäuschen fallen. Er würde den Geist unterdrücken. Es darf nicht Richtung Toilette zeigen, nicht links neben einer Tür stehen und nicht auf eine Straße gerichtet sein. Geburtsdatum des Besitzers und Ausrichtung des Grundstücks fließen in die Berechnung des perfekten Standorts ein.
Die kleinen Figuren im Inneren haben alle eine Funktion. Diener kümmern sich um den Geist, Tänzerinnen unterhalten ihn, Elefanten und Pferde stehen als Transportmittel bereit. Die Geisterhäuser werden täglich gepflegt. Jeden Morgen räumt jemand die alten Gaben ab und stellt frische hin.
Neben den üblichen Blumenkränzen und Räucherstäbchen fiel uns vor allem eines auf: die rote Fanta. Sie steht vor fast jedem Geisterhäuschen, manchmal eine kleine Flasche, manchmal gleich zehn auf einmal. Auch vor Ort konnte uns niemand so richtig erklären, woher die Tradition kommt. Manche vermuten, die rote Farbe ersetze frühere Tieropfer. Andere sehen den Ursprung in einem alten Kräutergetränk aus Palmzucker, das traditionell rosa war. Sicher ist nur: Die Geister mögen es süß und rot. Neben der Fanta findet man alles Mögliche, von Zigarren über Whisky und Süßigkeiten bis hin zu Spielzeugautos.
Was passiert mit einem Geisterhäuschen, das alt oder kaputt ist? Wegwerfen kommt nicht in Frage. In der Regel stellt man einfach ein neues daneben und lässt das alte stehen. Falls es doch entfernt werden muss, bestimmt ein Priester den richtigen Zeitpunkt, und die Seele wird feierlich in das neue Häuschen umgesiedelt. Die alten kommen danach auf einen Geisterhaus-Friedhof, meist unter großen Bodhi-Bäumen bei Tempeln. Im Bodhi-Baum, unter dem auch Buddha die Erleuchtung fand, wohnt nach thailändischem Glauben ein mächtiger Schutzgeist, der die heimatlosen Seelen tröstet.
Häufig steht direkt neben dem Geisterhäuschen noch ein zweites: ein Hindu-Schrein, meist mit einer Figur von Brahma, dem viergesichtigen Schutzgott, oder Ganesha, dem elefantenköpfigen Gott des Glücks. Mit dem Animismus haben diese Schreine nichts zu tun – sie kamen erst Jahrhunderte später mit dem Hinduismus aus Indien ins Land. Dass beides heute friedlich nebeneinandersteht, ist typisch für Thailand: Animismus, Hinduismus und Buddhismus ergänzen sich hier ganz selbstverständlich.
Wie tief der Geisterglaube im Alltag verankert ist, zeigt eine Geschichte aus Bangkok. In den Fünfzigerjahren häuften sich beim Bau des Erawan-Hotels die Unglücksfälle: Arbeiter wurden verletzt, ein Schiff mit teurem italienischem Marmor sank auf dem Weg zur Baustelle. Astrologen stellten fest, dass der Grundstein am falschen Tag gelegt worden war. Man errichtete einen Schrein für den Gott Brahma, und danach lief der Bau reibungslos. Der Schrein steht bis heute. Wer sich für einen erfüllten Wunsch bedanken möchte, kann dort Tänzerinnen buchen, die zu Ehren Brahmas auftreten.
Früher wurden Geisterhäuser von Hand aus Holz geschnitzt, heute kommen die meisten aus der Fabrik, gegossen aus Beton. Man kauft sie in Geschäften, die an Gartencenter erinnern. Das Handwerk hat sich verändert, der Glaube nicht. Selbst vor Bangkoks Wolkenkratzern und Tech-Startups stehen Geisterhäuschen mit frischen Blumen und glimmenden Räucherstäbchen. Wir haben jedenfalls auf jeder Straße neue Varianten entdeckt.Read more
Goldenes Dreieck: Kopfgeld, Opium und die CIA
February 21 in Thailand ⋅ ☀️ 34 °C
An einem Dreiländereck im Norden Thailands treffen Thailand, Myanmar und Laos aufeinander. Das sogenannte Goldene Dreieck ist heute ein unscheinbarer Aussichtspunkt mit einem goldenen Buddha am Fluss und Souvenirständen, aber hier wurde Weltgeschichte geschrieben.
Die Bergvölker der Region bauten schon seit Jahrhunderten Schlafmohn an. Die Höhenlagen boten das richtige Klima, und die Berge waren so abgelegen, dass keine Regierung kontrollieren konnte, was dort oben passierte. Doch aus dem lokalen Anbau wurde ein globales Geschäft, als nach dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 tausende besiegte Soldaten über die Grenze flohen. Sie brauchten Geld für ihre Geheimarmee und drängten die Bauern zum großflächigen Mohnanbau. Das Opium wurde mit Gold bezahlt, daher der Name Goldenes Dreieck. Die Soldaten transportierten es in meilenlangen Maultierkarawanen aus den Bergen und betrieben bald eigene Heroinraffinerien. Unterstützt wurden sie von der CIA, die sie mit Waffen versorgte und mit Air America, einer als zivil getarnten Fluglinie, ein Netz aus Landebahnen und Flugverbindungen in den abgelegenen Bergregionen aufbaute. Offiziell im Kampf gegen den Kommunismus, doch dieselbe Infrastruktur diente auch dem Opiumtransport.
Einer von ihnen wurde mächtiger als alle anderen: Khun Sa, der „Prinz des Wohlstands". Zu seinen Hochzeiten kontrollierte er mit einer Privatarmee von 20.000 Mann den Großteil der Opiumproduktion Myanmars. Seine Truppen waren besser bewaffnet als das myanmarische Militär. Auf dem Höhepunkt seiner Macht stammten 80 Prozent des in New York verkauften Heroins aus seiner Produktion. Khun Sa bot der US-Regierung an, seine gesamte Opiumernte aufzukaufen, dann wäre der Heroinhandel erledigt. Die USA lehnten ab und setzten stattdessen ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar auf ihn aus. 1996 ergab er sich überraschend der burmesischen Regierung, zog mit seinem Vermögen und vier jungen Geliebten nach Rangun und investierte in Immobilien und Rubinminen.
Dass Thailand heute nicht mehr für Opium steht, liegt vor allem an zwei Personen. König Rama IX. half den Bergvölkern in den Siebzigerjahren, von Mohn auf andere Einkommensquellen umzusteigen. Auch seine Mutter, eine der verehrtesten Frauen Thailands, engagierte sich. Ende der Achtzigerjahre besuchte sie das Gebiet um den Berg Doi Tung. Die Bergvölker dort lebten in bitterer Armut, ihr einziger Verdienst war Opium. Sie ließ auf dem Berg eine Residenz bauen und zog mit Ende achtzig selbst ein. Unter ihrer Führung stellten die Bauern von Mohn auf Kaffee, Tee und Macadamia-Nüsse um. Das Einkommen der Familien verzehnfachte sich.
Der Ansatz gilt heute international als Vorbild. Allerdings ging Thailand zur Bekämpfung des Drogenproblems auch härtere Wege. 2003 wurden bei der Regierungskampagne „War on Drugs" innerhalb von drei Monaten rund 2.500 mutmaßliche Drogenhändler getötet, von denen viele rückblickend keine nachweisbaren Verbindungen zum Drogenhandel hatten. Bis heute wurde niemand dafür zur Verantwortung gezogen.
Das Drogenproblem der Region ist damit nicht verschwunden, es hat sich gewandelt. In Myanmar werden heute statt Opium auf Feldern synthetische Drogen wie Methamphetamin in Laboren produziert, industriell und in Mengen, die alles Bisherige übertreffen. Seit dem Militärputsch 2021 kontrolliert in den Grenzgebieten niemand mehr, was passiert.
Das Grenzgebiet hat aber noch eine andere Schattenseite. Auf der laotischen Seite liegt die Golden Triangle Special Economic Zone, ein Komplex aus Kasinos und Hotels. Laos hat das Gebiet an einen chinesischen Geschäftsmann verpachtet, der dort mit eigenen Sicherheitskräften und eigenen Gesetzen regiert. Weil Glücksspiel in China und Thailand verboten ist, kommen die Kunden vor allem von dort. Die USA haben wegen Drogenhandel, Geldwäsche und Menschenhandel Sanktionen gegen den Betreiber verhängt. Angeblich ist die Zone auch eines der Zentren für die sogenannten Scam-Compounds, Anlagen in denen Menschen mit falschen Jobangeboten angelockt und zu Online-Betrug gezwungen werden.
Im Dorf Sop Ruak zeichnet ein kleines Opium-Museum die Geschichte des Anbaus und Handels mit Werkzeugen und Pfeifen nach. Etwas außerhalb liegt die Hall of Opium, ein großes Multimedia-Museum, das leider nicht auf unserem Tourplan stand, aber sehr interessant sein soll. Extra hinfahren würden wir für das Goldene Dreieck nicht, aber es ist bei den meisten Touren ab Chiang Rai enthalten.Read more
Der Blaue Tempel: Tiger und blaues Eis
February 21 in Thailand ⋅ ☀️ 26 °C
Der Blaue Tempel in Chiang Rai fällt auf, weil Tempel in Thailand fast immer gold oder rot sind. Sein eigentlicher Name ist Wat Rong Suea Ten, Tempel des tanzenden Tigers. An seiner Stelle stand früher ein anderer Tempel, der vor rund hundert Jahren verfiel. Das Gelände verwilderte, und Tiger streiften durch die Ruinen. Die Dorfbewohner sahen sie über den nahen Kok-Fluss springen und nannten sie die tanzenden Tiger. So kam das Dorf zu seinem Namen, und mit ihm der neue Tempel. Das Tigermotiv taucht auf dem Gelände an verschiedenen Stellen auf.
Entworfen hat ihn ein Schüler von Chalermchai Kositpipat, dem Schöpfer des Weißen Tempels. Er lernte sein Handwerk bei der Arbeit an dessen Lebenswerk und ging dann seinen eigenen Weg. Wo der Lehrer Weiß und Spiegelglas wählte, setzte der Schüler auf Saphirblau und Gold. Das Kobaltblau steht für den Dharma, die buddhistische Lehre, die sich wie der Himmel ausbreiten soll. Es zieht sich über das gesamte Gelände, von den Fassaden über die Nagas, die mythischen Schlangenwesen am Aufgang, bis zu den sitzenden Himmelswesen entlang der Mauern.
Im Zentrum der Haupthalle sitzt ein großer weißer Buddha aus Porzellan. Seine rechte Hand berührt die Erde, eine Geste, die den Moment darstellt, in dem Buddha die Erde als Zeugin seiner Erleuchtung anrief. Unter der Statue sind 88.000 Phra Rod-Amulette eingelassen. Der Name bedeutet "entkommen", sie sollen ihren Träger vor Gefahren bewahren. Die Phra Rod gehören zu den fünf begehrtesten Amulett-Arten Thailands, und dass Zehntausende davon unter einer modernen Statue liegen, ist alles andere als selbstverständlich.
Wer den Blauen Tempel besucht, sollte unbedingt das blaue Eis probieren, mit dem gefühlt jeder Besucher über das Gelände läuft. Es ist Kokosnuss-Eis auf blauem Klebreis mit Nüssen, serviert in einer halben Kokosnuss. Das Blau kommt von der Anchan-Blüte, einem natürlichen Farbstoff. Es ist wirklich lecker. 🤤Read more
Der weiße Tempel: Wo Buddha den Terminator trifft
February 21 in Thailand ⋅ ☀️ 24 °C
Wat Rong Khun, der „Weiße Tempel", liegt am Südrand von Chiang Rai. Offiziell ist die Anlage geweiht, und es leben auch Mönche hier. Aber wer das Gelände betritt, steht eher in einer begehbaren Kunstinstallation als in einem Ort der Andacht. Zwischen den weißen Fassaden ragen Dämonenfiguren aus dem Boden, an den Bäumen hängen Schrumpfköpfe, und im Inneren des Hauptgebäudes blickt einem der Terminator entgegen. Wat Rong Khun ist das Lebenswerk eines einzelnen Mannes: Chalermchai Kositpipat.
Chalermchai stammt aus Chiang Rai und begann seine Karriere als Maler von Filmplakaten auf Werbetafeln. Er studierte traditionelle thailändische Kunst, wurde einer der bekanntesten Künstler des Landes und erhielt den Titel „Nationalkünstler". Den gab er später zurück, zusammen mit sämtlichen Ehrentiteln bis hin zum Professor und Doktor. Seine Kunst mischt buddhistische Tradition mit Popkultur und Gesellschaftskritik, und das passt nicht zu jemandem, der die thailändische Kultur offiziell repräsentieren soll. Chalermchai entschied sich für die Kunst.
Als er Ende der Neunziger beschloss, den verfallenen Dorftempel seiner Heimatstadt komplett neu zu gestalten, tat er das aus eigener Tasche. Bis heute hat das Projekt umgerechnet rund 40 Millionen Dollar verschlungen, finanziert durch den Verkauf seiner Gemälde. Spenden nimmt er nur bis 10.000 Baht an, umgerechnet etwa 250 Euro. Seine Begründung: „Wenn ich Millionen von einem reichen Mann nehme, denkt er, der Tempel gehört ihm."
Thailändische Tempel sind traditionell gold oder rot. Dass dieser Tempel weiß leuchtet, geht auf eine Reise nach Sri Lanka zurück. Als junger Künstler studierte Chalermchai dort die weißen Tempel und Statuen des Landes und brachte die Idee mit nach Hause. In die Fassade eingelassene Spiegelscherben reflektieren das Sonnenlicht. Weiß steht für die Reinheit Buddhas, die Spiegel für seine Weisheit.
Der Weg zum Ubosot, dem Hauptgebäude der Anlage, ist alles andere als friedlich. Vor der Brücke strecken sich Hunderte weißer Hände aus einer Grube nach oben. Manche halten Schädel. Sie stehen für Tanha, das ungebremste Verlangen. Nach buddhistischer Lehre hält es die Seelen im endlosen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt gefangen. An den Bäumen neben dem Weg hängen geschrumpfte Köpfe als Symbole für Menschen, die zu oft Versuchungen nachgegeben haben. Die Brücke selbst steht für den Weg aus diesem Kreislauf in einen leidfreien Zustand. Am Ende bewachen zwei Figuren das Tor: Tod und Rahu, die über das Schicksal der Verstorbenen entscheiden. Wer das Tor durchschreitet, betritt das Paradies – zumindest nach buddhistischer Lehre.
Was sich dann im Inneren des Ubosot zeigt, passt in kein Tempelschema der Welt. Fotografieren ist hier verboten. Die Wandmalereien zeigen wirbelnde orangefarbene Flammen und Dämonengesichter. Dazwischen tauchen Neo aus Matrix, Superman, Hello Kitty, Pikachu und Michael Jackson auf. An einer Wand ein Flugzeug, das in die Twin Towers fliegt, Bilder von Atomkrieg und Ölpumpen. Chalermchai selbst sagt, junge Leute interessierten sich nicht für Szenen, die vor 500 Jahren in Rot und Gold gemalt wurden, aber sie kennen Keanu Reeves. Er will mit seinen Figuren das Interesse junger Menschen wecken und buddhistische Lehren in eine modernere Sprache übersetzen. Die Bilder sind aber auch Gesellschaftskritik an einer Welt, die sich durch Gier und Technologie ohne Weisheit selbst zerstört. Das einzige goldene Gebäude im ganzen Komplex ist die Toilette. Gold steht hier für den Körper und materielle Begierden, im Kontrast zum weißen Geist des Tempels.
Vor gut zehn Jahren wurde der Tempel durch ein Erdbeben schwer beschädigt. Die filigranen Außenelemente ließen sich reparieren, aber Teile der Wandmalereien, an denen Chalermchai fast zwanzig Jahre gearbeitet hatte, sind unwiederbringlich verloren. Zunächst wollte er alles abreißen und nie wieder aufbauen. Dann entschied er sich um und widmete den Rest seines Lebens der Restaurierung. Von den neun geplanten Gebäuden stehen bisher nur vier. Fertig wird der Tempel frühestens 2070, lange nach Chalermchais Tod. Er selbst sieht das gelassen. Der Tempel sei seine Opfergabe an Buddha und werde ihm ewiges Leben schenken.
Wir haben den Weißen Tempel im Rahmen einer organisierten Tour besucht und würden das im Nachhinein nicht wieder so machen. Die Anlage ist gut besucht, und bei einer Tour bleibt zu wenig Zeit, um sich wirklich auf die vielen Details einzulassen. Wer den Tempel auf eigene Faust besucht, hat deutlich mehr davon. Eintritt 200 Baht.Read more
Chiang Mais blühende Parade 🌺
February 14 in Thailand ⋅ ☀️ 30 °C
Chiang Mai liegt im bergigen Norden Thailands. Im Vergleich zu Bangkok und den heißen Ebenen Zentralthailands ist das Klima hier spürbar angenehmer. Jetzt im Februar, am Ende der kühlen Saison, steht alles in voller Blüte, weshalb die Stadt auch Rose des Nordens genannt wird.
Seit fast fünfzig Jahren feiert sie das mit dem Chiang Mai Flower Festival, einem dreitägigen Blumenfest. Während dieser Tage verwandeln sich der Park in der Altstadt und die umliegenden Straßen in eine große Blumenschau. Überall sieht man Beete, Figuren sowie aufwendig geschmückte Wagen. Für Verpflegung ist selbstverständlich ebenfalls gesorgt.
Am Samstagmorgen zieht die Parade durch die Altstadt bis zum Park. Rund 25 Wagen sind unterwegs, jeder einzelne mit Tausenden frischer Blumen dekoriert. Manche zeigen ganze Szenen mit Figuren oder Tempeln aus Blüten, auf vielen stehen Frauen und Männer in traditionellen Kleidern und winken dem Publikum zu. Gebaut werden die Wagen von Gemeinden, Universitäten und Unternehmen aus der ganzen Provinz, die dabei in einem Wettbewerb gegeneinander antreten.
Zwischen buddhistischen Motiven und großen Elefantenfiguren laufen Tänzer in traditionellen Lanna-Kostümen mit. Lanna war das Königreich, dessen Hauptstadt Chiang Mai über Jahrhunderte war und das den Norden bis heute kulturell prägt. Dazu kommen Vertreter lokaler Bergvölker mit ihren Trachten, Schulklassen und Marching Bands. Die Parade verläuft entlang der alten Stadtmauer, und es ist nicht immer leicht, einen Platz mit freier Sicht zu finden.
Abends lohnt sich der Park noch einmal. Die Wagen stehen dann vor dem Eingang aufgereiht, sodass man sie in Ruhe aus der Nähe betrachten kann. Auch der Park selbst ist geschmückt und leuchtet in verschiedenen Farben. In der ruhigeren Stimmung wirken viele Details noch einmal ganz anders.Read more
Bangkok: Erstkontakt Südostasien 🛕🛺
February 11 in Thailand ⋅ ☀️ 32 °C
Schon im Taxi vom Flughafen machte Bangkok klar, worauf wir uns eingelassen hatten. Kaum auf der Autobahn, vibrierte das Handy mit einem Katastrophenalarm. Kein Erdbeben, kein Tsunami, sondern eine Warnung vor Feinstaub. Der PM2.5-Wert hatte wie so häufig den Grenzwert überschritten. Willkommen in Südostasien 😄😷
Bangkok ist die Hauptstadt Thailands und mit über elf Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Ein Viertel der gesamten thailändischen Bevölkerung lebt in der Metropolregion. Den Namen Bangkok kennt allerdings nur der Rest der Welt. Thais sagen Krung Thep, Stadt der Engel. Der vollständige zeremonielle Name hat 168 Zeichen und steht im Guinness-Buch der Rekorde als längster Ortsname der Welt. Übersetzt lautet er: „Die Stadt der Engel, die große Stadt, die ewige Juwelenstadt, die uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, die große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die der himmlischen Heimstatt gleichen, die Stadt, geschenkt von Indra und erbaut von Vishnus Baumeister." Eine thailändische Rockband hat 1989 einen Song geschrieben, dessen gesamter Text nur aus diesem Namen besteht.
Jetzt im Januar, mitten im europäischen Winter, waren es tagsüber und nachts über dreißig Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit, die sich wie eine warme Decke anfühlt. Bangkok ist eine flache, weitläufige Hochhaus-Metropole. Die Skyline erstreckt sich bis zum Horizont, zwischen den Wolkenkratzern blitzen goldene Tempelspitzen hervor, und auf den Dächern sitzen Rooftop-Bars mit Blick über die Stadt. Dazwischen fließt der Chao Phraya, ein breiter, brauner Fluss, der aus den Bergen des Nordens kommt und Bangkok in zwei Hälften teilt.
An den Straßen verwandeln Garküchen die Gehwege in Freiluftküchen. Bangkok ist weltberühmt für sein Streetfood, und das zu Recht. Dazwischen liegen riesige Shopping-Malls und Nachtmärkte. Zu den Verkehrszeiten sind die Straßen verstopft und chaotisch, weshalb sich der Roller als Fortbewegungsmittel und Taxi durchgesetzt hat. Die Fahrer schlängeln sich kreuz und quer durch den Verkehr, und die Unfallzahlen sind entsprechend (landesweit ein Verkehrstoter pro Stunde). Überall stehen 7-Elevens, kleine Convenience Stores mit frischem Kaffee und warmen Speisen, klimatisiert und rund um die Uhr geöffnet. Thailand hat nach Japan die meisten Filialen weltweit.
Das Problem mit dem Smog ist leider real. Zwischen Dezember und April herrscht in Bangkok Smog-Saison, verursacht durch den dichten Verkehr, Industrieemissionen und die Verbrennung von Ernteresten in den umliegenden Provinzen. An manchen Tagen liegt ein grauer Schleier über der Stadt, an anderen ist der Himmel klar. Im Alltag schränkt es einen weniger ein, als man erwarten würde, da sich das Leben häufig in den unzähligen Malls der Stadt abspielt.
Überall hängen Porträts des Königs und vor allem der Königin, an öffentlichen Gebäuden, in Geschäften, an Straßenkreuzungen. Die Verehrung der Königsfamilie ist tief in der Gesellschaft verankert und Majestätsbeleidigung strafbar. Gleichzeitig stellt ein Teil der Bevölkerung, vor allem die jüngere Generation, die Rolle der Monarchie zunehmend infrage. Die Meinungen darüber gehen auseinander: Viele Thais sind stolz auf das, was die Königsfamilie für die Entwicklung des Landes geleistet hat, insbesondere unter dem vorherigen König Bhumibol, der in über siebzig Jahren Regentschaft bis zu seinem Tod 2016 Tausende Entwicklungsprojekte im ganzen Land ins Leben rief.
Was am meisten in Erinnerung bleibt, ist die Freundlichkeit der Menschen. Thailand wird nicht ohne Grund das Land des Lächelns genannt. Im Alltag begegnet einem eine Herzlichkeit, die aufrichtig wirkt. Thais grüßen mit dem Wai, einer leichten Verbeugung mit zusammengelegten Händen vor der Brust. Je höher die Hände, desto mehr Respekt wird gezeigt. Und im Thailändischen sprechen Männer und Frauen unterschiedlich: Jeder höfliche Satz endet bei Männern mit „khrap" und bei Frauen mit „kha". Aus „Sawatdee" (Hallo) wird also „Sawatdee khrap" oder „Sawatdee kha", aus „Khop khun" (Danke) wird „Khop khun khrap" oder „Khop khun kha".
Vier Wochen haben wir hier verbracht, in einer Wohnung mit Blick auf die Skyline. Abends leuchteten die Hochhäuser, und regelmäßig stiegen Feuerwerke über der Stadt auf. Wir sind etwas traurig, Bangkok schon zu verlassen, aber freuen uns nun auf den Norden des Landes.Read more
Muay Thai: K.O. im Rajadamnern 🥊
February 10 in Thailand ⋅ ⛅ 32 °C
Muay Thai gehört zu Thailand wie Fußball zu Brasilien. Das wollten wir uns natürlich live ansehen, und zwar dort, wo der Sport zu Hause ist: im Rajadamnern Stadium in Bangkoks Altstadt.
Übersetzt bedeutet Muay Thai schlicht „thailändisches Boxen". Bekannter ist der Sport aber als „Kunst der acht Gliedmaßen", weil Kämpfer nicht nur Fäuste und Füße einsetzen, sondern auch Ellenbogen, Knie und Schienbeine. Der Körper selbst wird zur Waffe, und jeder dieser Kontaktpunkte hat eigene Techniken und Einsatzmöglichkeiten. Diese Vielseitigkeit ist der Grund, warum heute fast jeder MMA-Kämpfer auch Muay Thai trainiert.
Die Wurzeln des Sports reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als thailändische Soldaten die Kampfkunst als Nahkampftechnik auf dem Schlachtfeld entwickelten. Wenn Schwert und Speer versagten, kämpften sie mit dem, was ihnen blieb. Lange war der Sport eher bei Dorffesten und Tempelfeierlichkeiten zu sehen, ohne einheitliche Regeln. Die Rundenlänge wurde zum Beispiel danach bemessen, wie lange eine durchbohrte Kokosnuss brauchte, um in einem Wassereimer zu versinken.
Erst im 20. Jahrhundert kamen Gewichtsklassen, feste Rundenzeiten und Boxhandschuhe dazu. 1945 eröffnete das Rajadamnern als erstes Muay Thai-Stadion der Welt, ursprünglich als offene Arena, die später überdacht und mehrfach modernisiert wurde. 2022 durften nach fast acht Jahrzehnten erstmals Frauen im Rajadamnern kämpfen. Das Stadion bietet jeden Abend Kämpfe mit unterschiedlichen Programmen an. An manchen Abenden wird traditionelles Muay Thai gezeigt, mit fünf Runden pro Kampf, technisch versierten Kämpfern und einer lautstarken Wettkultur auf den oberen Rängen, wo Zuschauer ihre Einsätze per Handzeichen kommunizieren. Wir waren an diesem Abend beim „Rajadamnern Knockout", einem Entertainment-Format mit sieben Kämpfen à drei Runden, das auf schnelle, entscheidende Finishes setzt. Zwei der sieben Kämpfe endeten mit K.O.
In Thailand beginnen viele Kämpfer schon als Kinder mit dem Training, manche bereits im Alter von fünf oder sechs Jahren. Besonders im armen Nordosten des Landes, dem Isaan, ist ein Kampfpreis oft mehr wert als Wochen auf dem Feld. Erfolgreiche Kämpfer genießen in ihren Dörfern hohes Ansehen. Muay Thai ist dort nicht einfach Sport, sondern ein Weg nach oben. Die Gyms, in denen viele von ihnen aufwachsen, sind Trainingscamp, Verein und Zuhause in einem. Wer für ein Gym antritt, trägt dessen Namen als Nachnamen und wechselt ihn, wenn er das Gym verlässt.
Vor jedem Kampf führen die Kämpfer den Wai Kru auf, einen rituellen Tanz zu Ehren ihres Lehrers, ihrer Eltern und des Sports selbst. Begleitet wird er von einer Live-Band, deren Musik auch während der Kämpfe weiterläuft und ihr Tempo der Intensität anpasst: langsam und feierlich beim Ritual, zunehmend drängend, wenn der Kampf eskaliert.
Das Publikum war überwiegend international, und auch die Inszenierung wirkte modern und klar auf dieses Publikum zugeschnitten. Ein Moderator führte durch den Abend, zwischen den Kämpfen erzählten kinoartige Projektionen auf einer riesigen Kuppel die Geschichte des Sports und des Stadions. Wir hatten den Eindruck, hier eine Version von Muay Thai zu erleben, die bewusst zugänglich gestaltet ist – vielleicht nicht die lokal geprägteste Atmosphäre, aber auf jeden Fall eine mitreißende Erfahrung, die uns in Erinnerung bleiben wird.Read more
Nasatta: Buddha im Lichtermeer ✨
February 7 in Thailand ⋅ ⛅ 27 °C
In der Provinz Ratchaburi, gut anderthalb Stunden südwestlich von Bangkok, liegt der Nasatta Park. Jeden Winter verwandelt er sich in ein spektakuläres Lichtfestival. Ab Einbruch der Dunkelheit leuchten dann Millionen kleiner LEDs zwischen den Bäumen, angeordnet zu Tunneln, Lotusfeldern und Figuren aus der thailändischen Mythologie. Das Nasatta Light Festival findet seit 2018 statt, inzwischen zum achten Mal. In dieser Saison lautet das Motto „Fairy Dreams“.
Tagsüber funktioniert der Park als Freilichtmuseum. Es gibt Wachsfiguren historischer Persönlichkeiten, Buddha-Statuen aus verschiedenen Epochen und nachgebaute Regionalhäuser. Gegründet wurde er von einem Fiberglas-Künstler, der hier thailändisches Kulturerbe bewahren will.
Ab 18 Uhr geht das Licht an. Ein thailändisches Team aus Lichtdesignern, Ingenieuren und Programmierern entwirft die Installationen jedes Jahr komplett neu. Die Kulisse ist beeindruckend, vieles davon interaktiv. Stufen leuchten auf, wenn man darüber läuft, Steine spielen Klänge, wenn man sie berührt.
Vor dem Eingang kann man sich traditionelle Thai-Kostüme leihen, inklusive Frisur und Make-up. Bei Thais ist das Festival sehr beliebt, an Wochenenden wird es entsprechend voll.
Von Bangkok aus ist der Park auf eigene Faust schwer zu erreichen. Wir haben deshalb eine Tagestour gemacht, bei der neben dem Festival auch der Drachentempel, der Zugmarkt, ein Floating Market und verschiedene Tempel angesteuert wurden, die auf dem Weg liegen und einzeln genauso schwer erreichbar wären. Eine Tagestour oder ein gemieteter Fahrer lohnt sich hier.Read more
Ayutthaya: Tempelruinen einer Weltstadt
January 31 in Thailand ⋅ ☀️ 31 °C
Etwa 80 Kilometer nördlich von Bangkok liegt Ayutthaya, die ehemalige Hauptstadt des Königreichs Siam (wie Thailand bis 1939 hieß). Heute ist die Stadt vor allem für ihre vielen Tempelruinen bekannt, die zum UNESCO-Welterbe gehören.
Im 17. Jahrhundert zählte Ayutthaya zu den größten und bedeutendsten Städten der Welt: eine weitläufige, wohlhabende Handelsmetropole. Europäische Besucher nannten sie das „Venedig des Ostens“, weil Kanäle die Stadt durchzogen und der Handel weitgehend über das Wasser lief. In den Vierteln rund um die Flussinsel, auf der das Zentrum lag, lebten portugiesische und holländische Kaufleute neben persischen Händlern und japanischen Samurai.
Die Stadt war riesig und übersät mit Tempelanlagen. Es sollen mehr als 400 gewesen sein. Im Buddhismus sammeln Gläubige durch den Bau religiöser Stätten spirituelles Verdienst. Entsprechend groß und prächtig fielen die Tempel der Könige und Adligen aus. Manche Anlagen dienten zugleich als Grabstätten verstorbener Herrscher oder wurden an Orten errichtet, an denen Mitglieder der Königsfamilie eingeäschert wurden. Die charakteristischen Tempeltürme (Prangs), erinnern an Angkor Wat in Kambodscha. Beide gehen auf den Einfluss des Khmer-Reichs zurück, das einst weite Teile Südostasiens beherrschte.
1767 endete diese Blütezeit. Truppen aus Burma, dem heutigen Myanmar, belagerten die Stadt vierzehn Monate lang und zerstörten sie schließlich vollständig. Paläste und Tempel wurden geplündert, Gebäude niedergebrannt und vergoldete Buddha-Statuen eingeschmolzen. Die Stadt wurde nie wieder aufgebaut. Überlebende zogen flussabwärts und gründeten Bangkok, wobei sie nicht nur Architekten und Handwerker mitnahmen, sondern auch Baumaterial aus den Ruinen. Die unzähligen kopflosen Buddha-Figuren verdankt man überwiegend westlichen Antiquitätenhändlern, die sie nach Europa und Amerika verschifften. Immer wieder kehren einzelne Stücke zurück nach Thailand.
Heute kann man über das weitläufige Gelände gehen und die Überreste zahlreicher Tempel erkunden. Eines der bekanntesten Motive ist ein Buddha-Kopf, der von den Wurzeln eines Baumes umschlossen wird. Er befindet sich im Wat Mahathat, einst das religiöse Zentrum des Königreichs. Wie der Kopf dorthin gelangte, ist nicht eindeutig geklärt. Es handelt sich um einen Bodhi-Baum, jene Art, unter der Buddha der Überlieferung nach die Erleuchtung erlangte.
Im Wat Lokayasutharam liegt zudem ein 42 Meter langer Buddha unter freiem Himmel. Er zeigt Buddha beim Eintritt ins Nirvana. Anders als sein jüngerer Verwandter im Bangkoker Wat Pho liegt diese Figur ungeschützt. Das Gebäude, das sie einst umgab, ging bei der Zerstörung der Stadt verloren.
Da Ayutthaya von Bangkok aus nicht ganz einfach auf eigene Faust zu erreichen ist, buchten wir eine Tour. Das erwies sich als gute Entscheidung, nicht nur wegen der Logistik, sondern wegen des unterhaltsamen Guides, der uns nicht nur Ayutthaya, sondern auch den Buddhismus und das moderne Thailand näherbrachte. Wusstet ihr, dass der Sohn des Königs und wahrscheinliche Thronfolger in Deutschland zur Schule gegangen ist und in Bayern lebt?Read more
Wat Paknam: Der Riese und die Galaxie 🌌
January 29 in Thailand ⋅ ☀️ 29 °C
Wat Paknam liegt im Westen Bangkoks, weit weg von den üblichen Touristenpfaden. Der Weg von der Metro-Station führt durch ein Wohnviertel, in dem Nachbarn auf Plastikstühlen sitzen und Katzen über die Straße schleichen. Dann taucht zwischen den Dächern ein goldener Kopf auf, so groß, dass er unwirklich erscheint.
Der Tempel wurde 1610 gegründet, war aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vollständig verfallen. Ein Mönch übernahm ihn 1916 und machte ihn zu einem Zentrum für Meditation. Diese Tradition prägt den Ort bis heute. Im Gegensatz zu den bekannten Tempeln der Altstadt, wo Mönche bestenfalls als Fotomotiv auftauchen, sitzen sie hier tatsächlich auf den Schreinen und meditieren. Einfach so, ohne Programm, ohne Touristen zu beachten. Wat Paknam beherbergt auch eines der größten Nonnenklöster Thailands.
Vor dem alten Tempelgelände steht seit 2021 Bangkoks größter Buddha, 69 Meter hoch und komplett aus Bronze. Von weiten Teilen der Stadt aus ist sein goldener Kopf über den Dächern sichtbar. Was man von außen nicht sieht: In der Lotusknospe auf seinem Scheitel sind Buddha-Reliquien eingelassen, und in seiner Brust steckt ein Herz aus Gold.
Direkt dahinter erhebt sich ein 80 Meter hoher weißer Stupa, ein buddhistischer Reliquienturm, mit fünf Etagen. Die unteren beherbergen ein Museum mit einer Mischung aus Buddha-Statuen und Sammlerstücken. Der eigentliche Höhepunkt wartet ganz oben. Unter einer Kuppel, die aussieht wie ein Blick ins Universum, steht ein acht Meter hoher gläserner Schrein. Die Deckenmalerei zeigt Sterne und Galaxien, eine Darstellung buddhistischer Kosmologie.
Unter Touristen ist Wat Paknam noch nicht so bekannt, bei gläubigen Thais hingegen sehr beliebt. Einmal im Jahr findet hier die Kathina-Zeremonie statt, bei der die Mönche neue Roben erhalten. Die Ehre, diese Zeremonie bei Wat Paknam als Spender zu leiten, ist so begehrt, dass die Warteliste über 500 Jahre beträgt. Familien tragen sich ein, damit ihre Nachkommen eines Tages an der Reihe sind.
Wat Paknam war der erste große Tempel, den wir in Bangkok ohne Eintritt besuchen konnten. Es gibt keine Ticketschalter, keine Audioguides, keine Schlangen. Der Ort fühlt sich wie ein funktionierender Tempel an, nicht wie ein Museum. Wer will, kann eine Spende dalassen. Erreichbar ist das Gelände auch per Boot über die Kanäle, vorbei an Stelzenhäusern und dem riesigen Buddha.Read more
Wat Arun – Scherben im Sonnenlicht 🌅
January 27 in Thailand ⋅ ☀️ 27 °C
Wat Arun ist das Postkartenmotiv von Bangkok. Der über 60 Meter hohe Turm ist seit jeher vom Fluss aus weithin sichtbar. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer Bangkok googelt, sieht diesen Tempel.
Der Tempel existierte schon lange, bevor er seinen heutigen Namen erhielt. Ursprünglich hieß er Wat Makok, benannt nach einer lokalen Frucht. Als König Taksin 1767 nach dem Fall von Ayutthaya den Chao Phraya hinunterfuhr, um einen Ort für seine neue Hauptstadt zu finden, erreichte er den verfallenen Tempel im Morgengrauen. Er benannte ihn in Wat Chaeng um, den Tempel der Dämmerung. Erst später wurde daraus Wat Arun, benannt nach Aruna, einer Figur aus der hinduistischen Mythologie, die das sanfte rötliche Licht vor Sonnenaufgang personifiziert. Seine Aufgabe ist es, die blendenden Strahlen der Sonne zu dämpfen, damit die Welt nicht verbrennt.
Kurzzeitig war Wat Arun sogar die königliche Kapelle und beherbergte den Smaragd-Buddha, bevor dieser auf das heutige Palastgelände jenseits des Flusses gebracht wurde. Den markanten Turm, den wir heute sehen, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert. Er repräsentiert den Berg Meru, das Zentrum des Universums in der buddhistischen Kosmologie. Die steilen Stufen symbolisieren den beschwerlichen Aufstieg zur Erleuchtung. Was ihn so besonders macht, ist seine Oberfläche. Sie besteht aus Tausenden zerbrochener chinesischer Porzellanteller und Tassen. Wie auch bei Wat Pho stammt das Material aus dem Ballast chinesischer Handelsschiffe, die Gewicht für die Rückfahrt brauchten. Daraus entstand eine seltene Porzellanverkleidung.
Beschwerlich ist es bereits unterhalb der Treppen. Den Turm kann man nur noch bis zur ersten Ebene besteigen, die steilen Stufen nach oben sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Rund um den Turm leihen sich Besucher traditionelle Thai-Kostüme und lassen sich fotografieren. Professionelle Fotografen dirigieren ihre Kunden durch die Menge, bitten Touristen aus dem Bild und schaffen eine Atmosphäre, die sich stellenweise mehr nach kommerziellem Fotoshooting anfühlt als nach Tempelbesuch. Wer Ruhe sucht, findet sie in den Nebengebäuden des Geländes, die kaum jemand beachtet.
Ironischerweise sieht der Tempel der Morgenröte am schönsten bei Sonnenuntergang aus, wenn das Porzellan im Abendlicht funkelt. Der beste Blick ist dann vom Ostufer aus, wo es verschiedene Restaurants mit Blick auf den Tempel gibt. Für zehn Baht kann man mit der Fähre übersetzen.
Der Eintritt kostet 200 Baht und ist nur bar zu zahlen. Dafür gibt es eine kleine Flasche Tempelwasser. Der stärkste Eindruck bleibt für uns dennoch der Blick über den Fluss – bei unserem Frühstück auf der anderen Seite.Read more
Chang Chui – Bangkoks Flugzeug-Markt ✈️
January 24 in Thailand ⋅ 🌙 28 °C
Chang Chui gehört zu Bangkoks Nachtmärkten und versteht sich als urbaner Kreativort. Zwischen Ständen und Bars steht hier ganz selbstverständlich ein echtes Passagierflugzeug – eine Lockheed L-1011 TriStar, die bis Mitte der 2000er tatsächlich im asiatischen Linienverkehr im Einsatz war.
Der Markt liegt westlich des Chao-Phraya-Flusses auf einem offenen Gelände, auf dem sich Gastronomie, Kunst und Musik mischen. Das Flugzeug ist kunstvoll beleuchtet und wirkt in seiner Umgebung leicht surreal.
Hinter Chang Chui steht der Designer Somchai Songwattana, in Thailand vor allem als Gründer des Modelabels FlyNow bekannt, das in den 1990er-Jahren sogar auf der London Fashion Week Aufmerksamkeit erregte. 2017 eröffnete er diesen Ort als Raum für kreative Experimente. Der Name „Chang Chui" lässt sich sinngemäß als „schlampiger Handwerker" übersetzen. Gemeint ist kein Mangel an Können, sondern eine bewusst rohe, improvisierte Ästhetik, die mit Unperfektion, Fundstücken und Recyclingmaterialien arbeitet.
Ob Chang Chui heute noch so belebt ist wie kurz nach der Eröffnung, lässt sich schwer beurteilen. Bei unserem Besuch war es eher ruhig, aber das passte gut. Kein Gedränge, entspannte Stimmung. Aus den Boxen lief aktuelle Musik, weit entfernt vom typischen Thailand-Soundtrack.
Die Restaurantauswahl ist international. Neben thailändischem Essen und etwas Street Food finden sich auch unerwartete Angebote, darunter sogar ein deutscher Stand mit Currywurst. Chang Chui fühlt sich dadurch weniger wie ein klassischer Markt an und mehr wie ein Treffpunkt für Kreative und junge Bangkoker.
Wir haben hier unsere erste Pizza in Asien gegessen – sie kam brennend an den Tisch. Später Cocktails bei Live-Musik, mit Blick aufs beleuchtete Flugzeug. Ein Ort, an dem man nicht von Stand zu Stand hetzt, sondern einfach bleibt.Read more
MOCA Bangkok – Moderne trifft Mythologie
January 24 in Thailand ⋅ ⛅ 31 °C
Das MOCA im Norden Bangkoks ist eines der größten Museen für zeitgenössische Kunst in Asien und gleichzeitig kein reines Kunstmuseum. Die Privatsammlung eines Telekommunikations-Milliardärs mischt moderne Gemälde mit traditionellen Masken, Schattenspiel-Figuren und Alltagsgegenständen. Auf fünf Etagen verschwimmen die Grenzen zwischen zeitgenössischer Kunst und Volkskundemuseum.
Der Großteil der Gemälde hat einen religiösen Bezug. Buddhistische und hinduistische Szenen dominieren, oft in beeindruckenden Formaten, die ganze Wände füllen. Himmel und Hölle, Dämonen und Erleuchtung. Die thailändische Mythologie liefert reichlich Material. Dazwischen immer wieder Albtraumhaftes, groteske Kreaturen und düstere Visionen. Das scheint hier zur Tradition zu gehören, religiöse Kunst, die nicht besänftigt, sondern aufrüttelt.
Schon das Gebäude selbst ist überwältigend. Gewidmet ist das Museum einem italienischen Bildhauer aus Florenz, der 1923 nach Thailand kam und dort als Vater der modernen thailändischen Kunst gilt.Read more
Jim Thompson – Vom Spion zum Seidenkönig
January 24 in Thailand ⋅ ☀️ 31 °C
Jim Thompson war Architekt, Olympia-Segler, Geheimagent und Seidenhändler – und verschwand eines Tages spurlos im malaysischen Dschungel. Sein Haus in Bangkok, heute ein Museum, erzählt die Geschichte dieses ungewöhnlichen Amerikaners und nebenbei auch die der thailändischen Seide.
Als Offizier des OSS, dem Vorläufer der CIA, kam Thompson 1945 nach Thailand. Nach dem Krieg blieb er im Land und entdeckte im Weberviertel Ban Krua, direkt gegenüber seines späteren Grundstücks, einen schimmernden Stoff, der ihn faszinierte: handgewebte Thai-Seide. Die Webtradition war damals fast verschwunden. Im 19. Jahrhundert noch international geschätzt, hatte sie der Konkurrenz durch maschinell gefertigte Stoffe und synthetische Fasern wenig entgegenzusetzen. Hinzu kam ein Wandel in der thailändischen Mode: Die traditionelle Wickelkleidung, für die man Seide brauchte, war aus der Zeit gefallen. Ende der vierziger Jahre webten nur noch wenige Familien für den Eigenbedarf, etwa für Zeremonien.
Aus dieser Begeisterung heraus gründete Thompson 1948 die Thai Silk Company und schickte Stoffproben nach New York. Der Durchbruch kam 1951, als seine Seide für die Kostüme der Broadway-Premiere von „The King and I“ verwendet wurde. Plötzlich wollten Modehäuser in Paris und Mailand thailändische Seide – wobei die leuchtenden Juwelenfarben, die man heute mit dem Stoff verbindet, erst durch Thompsons eigene Experimente entstanden, als er Schweizer Anilinfarben einführte. Das Produkt, das er vermarktete, hatte mit der ursprünglichen Thai-Seide nur noch bedingt zu tun. Auch blieb der lokale Markt lange skeptisch: In den fünfziger Jahren kauften vor allem amerikanische Touristen, während wohlhabende Thais den Stoff für unpraktisch im heißen Klima hielten. Erst als Königin Sirikit bei ihrer Amerikareise 1960 Thai-Seide trug, änderte sich das.
Die Geschichte vom Retter einer sterbenden Industrie greift allerdings zu kurz. Thompsons Vermächtnis ist komplizierter, als die gängige Heldenerzählung suggeriert. Und 2023 kam ein weiterer Schatten hinzu: Thailändische Behörden stellten fest, dass Thompson in den sechziger Jahren Antiquitäten aus dem Si Thep Historical Park geschmuggelt und ins Ausland verkauft hatte. Schon 1962 war er beschuldigt worden, gestohlene Buddha-Köpfe zu besitzen. Der leidenschaftliche Sammler war offenbar nicht immer wählerisch, woher seine Stücke stammten.
Ende der fünfziger Jahre begann auf seinem Grundstück am Khlong Saen Saep ein ungewöhnliches Bauprojekt. Sechs traditionelle Häuser aus verschiedenen Regionen Thailands ließ Thompson abbauen und per Lastkahn nach Bangkok bringen. Die meisten stammten aus Ayutthaya, der alten Königsstadt. In nur sieben Monaten setzte er sie wieder zusammen – allerdings nicht originalgetreu: Manche Wände drehte er um, sodass die normalerweise verborgene Innenseite nach außen zeigt. Die Treppe führt innen statt außen hoch, wie es bei traditionellen Thai-Häusern üblich wäre. Die Gebäude bestehen aus Teakholz, einem tropischen Hartholz aus den Monsunwäldern Südostasiens. Der hohe Öl- und Kautschukgehalt macht es extrem witterungsbeständig und resistent gegen Insekten und Pilze – ideal für das feuchte Klima Bangkoks.
Im März 1967 endet die Geschichte abrupt. Während eines Ausflugs mit Freunden in die Cameron Highlands in Malaysia ging Thompson an einem Ostersonntag nachmittags spazieren und kehrte nie zurück. Trotz der größten Landsuche in der Geschichte Südostasiens fand man keine Spur. Über die Ursache seines Verschwindens gibt es bis heute zahlreiche Theorien – von einem Unfall bis zu politischen Motiven im Zusammenhang mit seiner Geheimdienstvergangenheit. Belege dafür existieren keine. Wenige Monate später wurde seine Schwester in Pennsylvania ermordet, ebenfalls ein nie aufgeklärtes Verbrechen.
Heute ist das Jim Thompson House eine der bestorganisierten Museumserfahrungen der Stadt. Man betritt das Gelände durch einen tropischen Garten mit Koi-Teichen – eine grüne Oase, die Thompson bewusst dschungelartig anlegen ließ, heute umgeben von Hochhäusern. Die Teakholzhäuser können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die Guides sprechen mehrere Sprachen und erklären Thompsons Biografie sowie die Besonderheiten traditioneller thailändischer Architektur – die Schattenseiten seiner Sammelleidenschaft bleiben allerdings unerwähnt. Im Inneren sieht man Thompsons Kunstsammlung: Buddha-Statuen aus verschiedenen Epochen, Gemälde, chinesisches Porzellan.
Auf dem Gelände gibt es mehrere Restaurants und Cafés, in denen man sehr gut essen kann. Wer möchte, kann im angeschlossenen Shop Seidenprodukte der Marke Jim Thompson kaufen – von Schals über Krawatten bis zu Heimtextilien. Die Anlage ist gepflegt, das Personal freundlich, die Toiletten sauber. Ein kostenloser Shuttle bringt Besucher zur nächsten BTS-Station.Read more
Wat Pho – 46 Meter ins Nirvana 🛕
January 22 in Thailand ⋅ ⛅ 28 °C
Wat Pho liegt direkt neben dem Großen Palast, fühlt sich aber völlig anders an. Während sich nebenan die Touristengruppen durch die Prunkbauten schieben, herrscht hier eine angenehme Ruhe. Zwischen den Gebäuden liegen kleine Gärten mit Steinfiguren. Im 19. Jahrhundert exportierte Thailand Reis nach China, und die Schiffe brauchten auf dem Rückweg Gewicht für die Stabilität. Statt einfacher Steine brachten sie kunstvolle Figuren mit: Krieger, Philosophen, Mönche, sogar Löwinnen mit Jungen. Was als Ballast begann, bewacht heute die Tempeltore.
Wat Pho existierte schon, bevor Bangkok 1782 zur Hauptstadt wurde. Als König Rama I. die Stadt gründete, fand er einen verfallenen Tempel vor und machte ihn zu seinem Hauptprojekt. Nach der Zerstörung der alten Hauptstadt Ayutthaya im 18. Jahrhundert waren im ganzen Land Buddha-Statuen ohne Schutz. Rama I. ließ sie nach Wat Pho bringen – über tausend Stück, mehr als in jedem anderen Tempel Thailands. Manche stehen einzeln in kleinen Pavillons, andere reihen sich zu Hunderten in langen Galerien. Wir haben nirgendwo sonst eine solche Vielfalt an Buddha-Darstellungen gesehen.
Die Hauptattraktion ist der liegende Buddha, 46 Meter lang und 15 Meter hoch. Er zeigt den Moment des Eintritts ins Nirvana, also Buddhas Tod. Die Figur ist so groß, dass das Gebäude wie nachträglich darum gebaut wirkt. Das eigentliche Detail sind die Fußsohlen: Sie sind mit Perlmutt verziert – dem schimmernden Material aus Muschelschalen – und zeigen 108 Glückssymbole: Elefanten, Tiger, Tänzerinnen, Lotusblumen. Schon am Eingang hört man ein metallisches Klimpern, dessen Ursprung sich erst später erschließt: Entlang der Statue stehen 108 Bronzeschalen, in die Besucher Münzen werfen können. Allerdings stehen auch etwa alle zwei Meter Spendenboxen – das Geben gehört hier zum Glauben, wirkte auf uns aber etwas aufdringlich.
Wat Pho war nicht nur Tempel, sondern auch Thailands erste öffentliche Bildungseinrichtung. König Rama III. ließ im 19. Jahrhundert über 1.400 Steinplatten mit gesammeltem Wissen anbringen: Medizin, Massage-Techniken, Astrologie, Literatur. Die Inschriften gehören heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Aus dieser Tradition entstand auch die Thai-Massage-Schule, die noch immer auf dem Gelände betrieben wird – Wat Pho gilt als Geburtsort der traditionellen Thai-Massage.
Im Großen Palast, den wir zuvor besucht hatten, herrscht reines Gedränge, von Tempelatmosphäre keine Spur. Wat Pho dagegen fühlte sich tatsächlich wie ein spiritueller Ort an – ein Ort, an dem man zwischen den Chedis, den spitzen Reliquientürmen, und Gärten zur Ruhe kommt. Eintritt 300 Baht, nur in bar.Read more
Grand Palace: Die recycelte Hauptstadt
January 20 in Thailand ⋅ ☀️ 29 °C
Der Grand Palace, Bangkoks königlicher Palast, gilt als Pflichtprogramm in Bangkok. Noch heute ist er offizieller Sitz der Monarchie, auch wenn der König längst woanders wohnt. Begonnen hat alles deutlich bescheidener.
Als König Rama I. im Jahr 1782 die Macht übernahm, brauchte er einen Palast, aber die Kassen waren leer. Die erste Version war eine einfache Holzkonstruktion, umgeben von einer Absperrung aus Holzpfählen, innerhalb eines Monats zusammengezimmert. Eine provisorische Krönung hielt er sofort ab, die offizielle Zeremonie folgte erst drei Jahre später, als der Palast fertig war.
Um mit Stein zu bauen, schickte Rama I. seine Leute flussaufwärts nach Ayutthaya, der alten Hauptstadt, die wenige Jahre zuvor im Krieg zerstört worden war. Sie demontierten Festungsmauern und Paläste, die Tempel blieben unberührt. Die Ziegel transportierten sie per Lastkahn nach Bangkok. Die Mauern des Grand Palace bestehen also wortwörtlich aus den Überresten der Vorgängerhauptstadt. Für den Bauplatz musste eine chinesische Gemeinde weichen, Rama I. siedelte sie südlich vor die Stadtmauern um. Dort entstand Yaowarat, das heutige Chinatown, eines der größten der Welt.
Im Zentrum der Anlage liegt Wat Phra Kaeo, der wichtigste Tempel Thailands. Dort befindet sich der sogenannte Smaragd-Buddha, der allerdings nicht aus Smaragd besteht, sondern aus grünem Jadeit. Die kleine Statue war Jahrhunderte lang in Laos, bis thailändische Truppen sie 1779 zurückholten. Rama I. ließ den gesamten Tempel um diese eine Figur herum bauen. Sie gilt als Schutzsymbol des Landes, und nur der König darf ihr dreimal jährlich, zu jeder Jahreszeit, die Kleidung wechseln.
Der Palast wird noch heute für Staatszeremonien genutzt, auf dem Gelände befinden sich mehrere Museen, darunter eines über königliche Textilien. Im Eintritt ist außerdem eine klassische Tanzaufführung enthalten, die viele Besucher gar nicht wahrnehmen, weil das Theater etwas entfernt vom eigentlichen Palastgelände liegt. Aufgeführt wird Khon, ein traditioneller Maskentanz, der früher nur am Königshof gezeigt werden durfte und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Tänzer tragen prächtige Kostüme und erzählen Szenen aus dem Ramakien, der thailändischen Version des indischen Ramayana.
All das gehört heute zu einem Besuch des Palasts. Trotzdem war die Erfahrung für uns insgesamt eher anstrengend als beeindruckend. Zwischen Gedränge, fehlender Ruhe und den stark inszenierten Abläufen fühlte es sich stellenweise wie in einem überlaufenen Themenpark an. Auch der Audioguide half uns nicht weiter. Er wirkte langatmig und trug eher zur Reizüberflutung bei als zu einem besseren Verständnis.Read more
Über Mumbai Richtung Bangkok
January 14 in Thailand ⋅ ☀️ 30 °C
Unsere Reise führte uns von Amsterdam nach Bangkok mit einem Zwischenstopp in Mumbai. Schon beim Einsteigen in den ersten Flug wurden wir mit Musik, einem angenehmen Duft und einer Flasche Wasser empfangen. Das Flugzeug war sehr groß, wir hatten eine komplette Reihe für uns und deutlich mehr Platz, als wir es von Kurzstreckenflügen kennen.
Während des Flugs gab es indisches Essen, teils mild, teils scharf, serviert wie ein kleines Menü, später noch einen Snack und immer wieder Getränke. Wir wissen bis heute nicht genau, was wir gegessen haben, aber es war richtig gut. An jedem Platz gab es Bildschirme mit Serien und Filmen, von aktuellen Titeln bis zu Klassikern wie Der Herr der Ringe, was wir auch ausgiebig genutzt haben. Noise-Cancelling-Kopfhörer haben den langen Flug deutlich angenehmer gemacht.
Der Umstieg in Mumbai war deutlich hektischer. Das Personal war höflich, allerdings wurden wir getrennt. Als Frau wurde ich separat kontrolliert und mein Gepäck überprüft, ohne dass ich dabei sein konnte, was sich nicht gut anfühlte. Danach ging es noch etwa drei Stunden in einem eher klassischen Flugzeug weiter nach Bangkok.
In Bangkok angekommen waren wir müde und etwas orientierungslos, fanden aber schließlich den Grab-Stand (ähnlich wie Bolt oder Uber) und fuhren rund eine Stunde zu unserem Airbnb. Schon während der Fahrt waren wir beeindruckt von der Stadt mit ihren vielen Hochhäusern und den unzähligen Rollern auf den Straßen. Vor allem die warme Luft fühlte sich nach der langen Reise sofort gut an. Wir blieben bis zum frühen Abend wach, um uns möglichst schnell an die neue Zeit zu gewöhnen, da Bangkok sechs Stunden vor der deutschen Zeit liegt. Das war nach über 13 Stunden Anreise die richtige, aber auch eine schwere Entscheidung.Read more
Erster Stopp: Amsterdam Light Festival
January 12 in the Netherlands ⋅ ☁️ 6 °C
Unser erster Stopp war Amsterdam. Von hier aus gab es für uns das beste Flugangebot. Als wir gesehen haben, dass dort jedes Jahr das Amsterdam Light Festival stattfindet, haben wir uns entschieden, dieses noch mitzunehmen, bevor es weiter nach Bangkok ging.
Das Amsterdam Light Festival findet jedes Jahr zwischen Ende November und Mitte Januar statt. In diesem Jahr steht es unter dem Thema „Legacy“ (Vermächtnis). Dabei geht es um das, was wir hinterlassen, persönliche Geschichten, Traditionen und Erinnerungen, aber auch historische oder ökologische Spuren. Die 14. Ausgabe zeigt 20 Lichtkunstwerke internationaler Künstler, die entlang der Grachten in der Stadt verteilt sind und sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder vom Boot aus entdecken lassen.
Hier der Link zur offiziellen Seite:
https://amsterdamlightfestival.com/en
Wir hatten uns insgesamt etwas mehr Lichter vorgestellt, also eine durchgehende, stimmungsvolle Beleuchtung entlang der gesamten Strecke und nicht nur einzelne Installationen. Das ist etwas, das man wissen sollte, wenn man sich vorab genauer informiert. Laut Webseite sollte das Boot beheizt sein, was bei uns allerdings nicht der Fall war. Da wir nur dünn angezogen waren, wurde es schnell ziemlich kalt und erst mit Glühwein oder Tee gut auszuhalten.
An Bord gab es einen Art Audioguide, und der Kapitän hat immer wieder etwas zur Stadt und zu den Lichtobjekten erzählt. Man konnte ihn jederzeit ansprechen und Fragen stellen.
Ein kleiner Tipp von unserem Kapitän: Im Dezember ist es sehr voll, Boot an Boot, während es im Januar deutlich ruhiger ist. Wir hatten das Boot zu zweit ganz für uns allein, was perfekt war, um in Ruhe Fotos und Videos zu machen.
Abseits des Festivals sind wir noch ein wenig durch die Stadt gegangen, haben dort aber wegen des Wetters und unserer begrenzten Zeit sonst nicht wirklich viel gemacht.Read more









































































































































































































































































































































































































































TravelerDas war sicher ein besonders Gefühl im Mittelpunkt zu stehen und ich hoffe ihr habt es genossen. Die Fotos von euch sind sehr schön geworden 😊 der Ort und die Geschichte dahinter ist faszinierend 🤗