• Sa Pa: Die unsichtbaren Reisterrassen ☁️

    March 14 in Vietnam ⋅ ☁️ 12 °C

    Sa Pa liegt auf gut 1.500 Metern in den Bergen Nordvietnams und hängt regelmäßig in den Wolken. Als wir ankamen, konnten wir kaum zehn Meter weit sehen. Unser Hotel war nur als Umriss zu erahnen, die Berge dahinter komplett verschwunden in einer gleichförmigen weißen Wand. Die Stadt ist berühmt für ihre Aussichten auf Reisterrassen und tiefe Täler, aber davon sahen wir tagelang nichts. Unsere Tour zur Rong-May-Glasbrücke, die über einen Bergpass führt und eigentlich Blick auf die umliegenden Täler bieten soll, brachte exakt dieselbe Aussicht wie der Blick aus dem Hotelfenster: weißes Nichts.

    Also verlängerten wir unseren Aufenthalt. Als sich die Wolken nach ein paar Tagen unerwartet öffneten, fragten wir kurzerhand einen Taxifahrer, ob er dieselbe Strecke noch einmal mit uns fährt. Diesmal sahen wir endlich, wofür Sa Pa berühmt ist: die Reisterrassen, die sich in Stufen die Berghänge hinabziehen, dazwischen tiefe grüne Täler.

    Dass Sa Pa überhaupt bekannt wurde, geht auf die Franzosen zurück. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte die Kolonialverwaltung die kühle Bergluft als Gegenmittel zum drückenden Klima in Hanoi und baute den Ort zur Sommerfrische aus, mit fast 200 Villen im Kolonialstil. In den heißen Monaten zog die Verwaltungselite hierher, weg von der Hitze im Tiefland. Davon ist heute kaum etwas übrig. Im chinesisch-vietnamesischen Krieg Ende der Siebziger marschierten chinesische Truppen in Sa Pa ein und zerstörten die Kolonialbauten systematisch. Von der französischen Ära überlebte wenig mehr als die steinerne Kirche im Zentrum.

    Sa Pa ist vor allem Heimat der Hmong, die hier die Bevölkerungsmehrheit stellen. Das ist eine Ausnahme in Vietnam, wo sonst fast überall die Kinh, die vietnamesische Mehrheitsbevölkerung, dominieren. Die Hmong kamen vor rund 300 Jahren aus Südchina in diese Berge. Die Schwarzen Hmong, benannt nach ihrer tief dunklen Kleidung, färben ihre Stoffe mit Indigo aus wild wachsenden Pflanzen der Umgebung. Der Prozess dauert einen ganzen Monat: Jeden Tag wird der Stoff gefärbt, aufgehängt und getrocknet, bis er so dunkelblau ist, dass er fast schwarz erscheint. Daher der Name Schwarze Hmong. Frauen, die diese Arbeit seit Jahrzehnten verrichten, haben dauerhaft blau gefärbte Hände. In manchen Dörfern beherrschen nur noch Frauen über achtzig die vollständige Technik.

    In der Stadt selbst laufen einem vor allem andere Touristen über den Weg. Hotels und Souvenirläden reihen sich aneinander, und vieles wirkt auf internationales Publikum zugeschnitten. Cat Cat am Stadtrand war einst eine Hmong-Siedlung, heute ist es eine Touristenattraktion mit Fahrgeschäften, die eher an einen Jahrmarkt erinnern als an ein Bergdorf. Ähnlich der Liebesmarkt: Einst trafen sich dort einmal im Jahr junge Einheimische zur Partnersuche, inzwischen wird er jeden Samstagabend mit bezahlten Darstellern für Touristen nachgestellt. Was hier einmal authentisch war, ist schwer zu sagen. Schön ist es trotzdem.

    Direkt in Sa Pa startet die Seilbahn auf den Fansipan, mit über 3.100 Metern der höchste Berg Vietnams und ganz Indochinas. In zwanzig Minuten ist man auf dem Gipfel. Dazu gibt es einen eigenen Bericht.

    Wer nach Sa Pa will, sollte vorher das Wetter checken und entweder spontan anreisen, wenn die Vorhersage stimmt, oder genug Puffertage einplanen. Wir hätten ohne die Verlängerung nichts von der Landschaft gesehen und wären ziemlich enttäuscht abgereist.
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