• B-52 Hanoi: Der versunkene Himmelsriese ✈️💣

    March 24 in Vietnam ⋅ ☁️ 27 °C

    In einem Wohnviertel im Westen Hanois liegt ein kleiner Teich. Aus dem trübgrünen Wasser ragen Fahrwerk und Heck eines Flugzeugs. Es sind die Überreste eines amerikanischen B-52-Bombers, abgeschossen im Dezember 1972 und seitdem hier.

    Der Vietnamkrieg war zu großen Teilen ein Luftkrieg. Über die gesamten Kriegsjahre hinweg warfen die USA rund sieben Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam, Laos und Kambodscha ab, mehr als alle Kriegsparteien zusammen im gesamten Zweiten Weltkrieg. Das Symbol dieses Luftkriegs war die B-52, ein viermotoriger Langstreckenbomber, der bis zu dreißig Tonnen Sprengstoff auf einen Schlag abwerfen konnte. Ursprünglich war sie für den Atomkrieg gegen die Sowjetunion gebaut worden. In Vietnam setzten die Amerikaner sie für Flächenbombardierungen aus großer Höhe ein.

    Im Dezember 1972 ließ US-Präsident Nixon Hanoi und die Hafenstadt Haiphong zwölf Tage lang bombardieren, um Nordvietnam an den Verhandlungstisch zu zwingen. Die Amerikaner nennen es bis heute „Christmas Bombing". Die Bombardierung war flächendeckend und traf Wohnviertel ebenso wie militärische Anlagen. Über 20.000 Tonnen Bomben fielen, mehr als 1.600 Zivilisten starben. Wie viele der amerikanischen Bomber dabei zu Boden gingen, ist bis heute umstritten: Die USA geben 16 verlorene B-52 zu, Vietnam zählt 34.

    Eine davon war „Rose 01". Die Maschine startete in der ersten Nacht der Kampagne von einer US-Basis in Thailand und wurde abgeschossen, bevor sie ihre Bomben abwerfen konnte. In den Tagen darauf bargen Soldaten und Anwohner 47 Bomben aus den Gärten und Gassen rund um den See. Von der sechsköpfigen Besatzung starben zwei, die anderen vier überlebten als Kriegsgefangene und landeten im Hoa Lo, dem Gefängnis mitten in Hanoi, das die US-Piloten sarkastisch „Hanoi Hilton" getauft hatten.

    Keine dreihundert Meter vom See entfernt steht das B-52-Siegesmuseum. Es macht die zwölf Dezembertage als vietnamesische Erfolgsgeschichte sichtbar: Die B-52 galt bis dahin als nahezu unverwundbar, die Nordvietnamesen holten mit sowjetischer Flugabwehrtechnik mehr als ein Dutzend vom Himmel. Unter den Schützen waren auch vietnamesische MiG-21-Piloten. Der Eintritt ist frei, was in Hanoi eher die Ausnahme ist. Innen zeigt das Museum Fotos zerstörter Krankenhäuser und Wohnviertel, ein großes Geländemodell der Luftschlacht, persönliche Gegenstände ziviler Opfer, eine Handvoll Dokumente. Informativ, stellenweise zäh. Interessanter wird es draußen.

    Im Hof liegt eine komplette B-52 in Originalgröße, fast sechzig Meter Spannweite. Das Flugzeug ist kein einzelnes Exemplar, sondern aus den Wrackteilen mehrerer abgeschossener Maschinen neu zusammengebaut. Drumherum stehen ein sowjetischer Kampfjet, die Abschussrampe einer Flugabwehrrakete, Radaranlagen und Flakgeschütze verschiedener Kaliber.

    Zurück am See fehlt jede Inszenierung. Kein Ticketschalter, kein Schild an der Einmündung der Gasse, man läuft leicht daran vorbei. An einer Hausecke gibt es ein Café, das sich schlicht „B52 Café" nennt. Es war der ruhigste Ort, an dem wir in Hanoi waren.
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