• Royal Selangor: Zinn mit Geschichte

    August 10 in Malaysia ⋅ ☁️ 29 °C

    Das Royal Selangor Visitor Centre in Kuala Lumpur widmet sich ganz dem Zinnhandwerk und der Geschichte von Royal Selangor. Wir waren extra unter der Woche dort, denn dann bekommt man zusätzlich einen Einblick in die Werkstatt, in der ganz normal produziert wird. So kann man direkt beobachten, wie die verschiedenen Stücke gegossen, bearbeitet und poliert werden.

    Der Eintritt ist kostenlos und auch die Führung wird kostenlos angeboten, sofern gerade eine verfügbar ist. Unsere Führung war sehr interessant und vermittelte einiges über die Geschichte des Unternehmens, die Bedeutung von Zinn für Malaysia und die Herstellung der Produkte.

    Zinn spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung Kuala Lumpurs. Der sogenannte Malayan Tin Rush sorgte im 19. Jahrhundert für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung und trug wesentlich dazu bei, dass sich Kuala Lumpur von einer kleinen Bergbausiedlung zu einer bedeutenden Stadt entwickelte. Auch die Geschichte von Royal Selangor beginnt in dieser Zeit. 1885 kam der junge Zinngießer Yong Koon aus Shantou in China nach Malaya und gründete mit einfachen Werkzeugen seinen eigenen kleinen Betrieb. Daraus entwickelte sich über mehrere Generationen Royal Selangor, heute einer der bekanntesten Pewter Hersteller der Welt.

    Pewter besteht zu etwa 92 bis 97 Prozent aus Zinn und wird unter anderem mit Kupfer und Antimon ergänzt. Dadurch ist die Legierung stabil und lässt sich trotzdem gut bearbeiten. Im Museum wird anhand vieler unterschiedlicher Stücke gezeigt, wie vielseitig Zinn verwendet wurde und wird. Zu sehen sind unter anderem historische Gefäße und Gebrauchsgegenstände, Schmuck, Dekorationsstücke und verschiedene Arbeiten aus der Geschichte von Royal Selangor. Dazu kommen einige besonders große oder ungewöhnliche Exponate, wie der Giant Tankard, der als größter Pewter Bierkrug der Welt gilt, sowie eine Nachbildung der Petronas Twin Towers aus mehr als 7.000 Pewter Bierkrügen. Auch die Lucky Teapot, eine Teekanne des Firmengründers Yong Koon, gehört zur Ausstellung. Sie soll während des Zweiten Weltkriegs einem Menschen das Leben gerettet haben. Außerdem erfährt man etwas über die frühere Verwendung von Zinn als Zahlungsmittel.

    Besonders interessant fanden wir die sogenannten Money Trees. Diese haben in Malaysia tatsächlich einen historischen Bezug zum Bezahlen. Die früheren Münzbäume trugen gegossene Zinnmünzen, die bei Bedarf von den Ästen abgebrochen und als Zahlungsmittel verwendet werden konnten. Das übrige Zinn ließ sich anschließend wieder einschmelzen. Unser kleiner Money Tree hat sieben Münzen, die uns im Museum als Symbol für die sieben Tage der Woche erklärt wurden. So soll symbolisch jeden Tag Geld ins Haus kommen. Da wir solche Bäume bereits in anderen Museen gesehen hatten, fanden wir die Geschichte besonders interessant und haben uns schließlich selbst einen im Shop gekauft.

    Der Shop bietet eine große Auswahl an Schmuck, Geschirr, Dekorationsstücken und Souvenirs aus Pewter. Die Verkäufer sind professionell und angenehm unaufdringlich, die Preise sind fest ausgezeichnet und zu den einzelnen Stücken kann man Fragen stellen.

    Wer selbst etwas aus Zinn herstellen möchte, kann außerdem an einem der beiden angebotenen Workshops teilnehmen, die allerdings eher kurz und einfach gehalten sind.
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