Nicht Liebe auf den ersten Blick
October 22 in Italy
☀️ 19 °C
Zuerst hat mich Venedig gar nicht geflasht – nicht so wie San Marino oder Tropea. Es hat eine Weile gedauert und ich musste mich auch erst ein wenig mit der Geschichte der Stadt beschäftigen.
Im 5. und 6. Jahrhundert suchten Menschen aus den umliegenden Gebieten der Lagune zunehmend Schutz auf den Inseln – unter anderem vor den politischen und militärischen Unruhen nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches. Aus diesen ersten Siedlungen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Stadt Venedig.
Um auf dem weichen und sumpfigen Untergrund dauerhaft bauen zu können, wurden unzählige Holzpfähle tief in den Boden gerammt. Darauf kamen Holzbohlen und später Mauerwerk. Die Pfähle befinden sich größtenteils unterhalb des Grundwasserspiegels und sind dadurch weitgehend vor Sauerstoff geschützt. Das verlangsamt die Zersetzung des Holzes erheblich und erklärt, warum diese Konstruktionen teilweise seit vielen Jahrhunderten erhalten sind. Venedig ist damit im wahrsten Sinne des Wortes auf Holz gebaut.
Die vielen kleinen Inseln wurden nach und nach bebaut und durch Brücken miteinander verbunden. Gleichzeitig entstand ein dichtes Netz aus Kanälen. Der bekannteste ist natürlich der Canal Grande: etwa 3,8 Kilometer lang und je nach Abschnitt ungefähr 30 bis 70 Meter breit. Er schlängelt sich in einer umgekehrten S-Form durch das historische Zentrum und wird von vier Brücken überspannt. Die bekannteste ist natürlich die Rialtobrücke – eines der populärsten Fotomotive Venedigs.
Durch seine strategische Lage an der Adria und die Verbindung zu den Handelswegen Richtung Mittelmeer und Orient entwickelte sich Venedig insbesondere vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit zu einer mächtigen Handels- und Seemacht. Die Republik verfügte über eine riesige Flotte und kontrollierte wichtige Handelswege. Ihre Blütezeit lag vor allem zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert.
Unser Ausflug durch die Altstadt war für Mizzy allerdings nicht ganz stressfrei. Vom Campingplatz mussten wir mit Maulkorb ausgestattet eine etwa 15-minütige Fahrt in einem ziemlich überfüllten Bus über uns ergehen lassen. Dafür war die Stadt selbst nicht so überfüllt wie befürchtet und wir konnten eine sehr entspannte Runde durch die kleinen Gässchen und über die vielen Brücken drehen.
Unser Hauptziel war dabei die Piazza San Marco, der Markusplatz – das historische Herz Venedigs – mit dem Campanile. Der knapp 99 Meter hohe Glockenturm prägt das Stadtbild von Venedig. Der heutige Turm ist übrigens ein Wiederaufbau: Der ursprüngliche Campanile stürzte 1902 ein und wurde zwischen 1903 und 1912 originalgetreu wiedererrichtet.
Zurück sind wir durch den Stadtteil Cannaregio gebummelt. Die Gegend wirkt typisch venezianisch, mit vielen kleinen Restaurants, Bars und Kanälen. Entgegen den Warnungen vor den angeblich horrenden Preisen konnten wir hier in der Sonne sogar eine leckere nicht überteuerte Pasta genießen.
Auf mich hat die Stadt einen erstaunlich sauberen Eindruck gemacht, was für Italien nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Die Häuser wirken auf den ersten Blick allerdings teilweise ziemlich ungepflegt. Das liegt aber tatsächlich zu einem großen Teil an der außergewöhnlichen Lage. Feuchtigkeit, Salze, Hochwasser und die salzhaltige Luft setzen dem Mauerwerk und den Fassaden ordentlich zu. Dazu kommt, dass viele historische Gebäude unter besonderen Denkmalschutz- und Restaurierungsauflagen stehen. Mit „mal eben neu verputzen und streichen“ ist es hier also nicht getan.
Restaurierungen sind entsprechend aufwendig und kostenintensiv. Und auch die Logistik macht die Sache nicht einfacher: Baumaterial muss über die Wasserwege angeliefert und anschließend durch die engen Gassen bis zum jeweiligen Gebäude transportiert werden.
Irgendwie bekommt man nach ein paar Stunden, wenn man einfach durch die kleinen Gassen und über die vielen Brücken gebummelt ist, aber genau dafür ein Gefühl: Diese Mischung aus Patina, Wasser, alten Mauern und ein bisschen Verfall macht einen ganz besonderen venezianischen Charme aus.
Stellplatz wie gestern.Read more


















Traveler2Tage am gleichen Platz, du wirst noch sesshaft 😁
TravelerIch fürchte auch 🤣
TravelerEs heißt doch immer Venedig sehen und sterben 😂 Mir ging es beim ersten Besuch 1969🫣 auch nicht auf warum 😇
TravelerEs ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber fehlen durfte es auf keinen Fall
Traveler👍
Traveler
♥️