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  • Day217

    Die Prinzessin vom Vierwaldstädtersee

    August 21, 2018 in Guatemala ⋅ 🌧 25 °C

    Die nächsten vier Tage verbringen wir in Santa Cruz la Laguna am wunderschönen Lake Atitlan. Ein wenig Erholung vom Driftwood-Trubel und den verdammten Zimt-Schnaps wieder aus dem Körper waschen. Der See erinnert in seiner Erscheinung irgendwie an den Vierwaldstädtersee, wobei hier anstelle von Titlis, Pilatus, Brienzer Rothorn & Co stramme Vulkane das tiefe Blau einsäumen und bis in die Wolken reichen. Sollte es denn welche haben. In unserem ungewöhnlich geräumigen Zimmer werden wir von einem Mini-Skorpion empfangen. Sue ist not amused. Ich finds spannend, hatten wir auf der Reise auch noch nicht. Mit der Beseitigung bin ich allerdings auch leicht überfordert. Da drückt dann doch die Prinzessin in mir durch. Gary, der meistens mit Geländer streichen beschäftigt war, wüsste sicher was zu tun ist. Wir nicht. Darauf angesprochen, bereinigt der Typ vom Hostel die Situation rasch, unzimperlich und mit tierischer Todesfolge. Mit einem Besen. Ich wünsche mir trotzdem, Gary wäre hier.

    Und ja, wie gesagt, viel haben wir hier nicht gemacht. Gemütliche Tage am See eben. Ein weiteres Reise-Novum und Highlight ist sicherlich das authentische Südstaaten-BBQ bei Smoking Joe’s in San Pedro. Und was hat das mit Guatemala zu tun? Natürlich nichts. Und das ist ausnahmsweise scheiss egal, denn Ami-Style Brisket, Rips und Smoked Chicken sind einfach geil. Egal wo. Das Brisket ist denn auch ein absoluter Traum und die eine Portion Mac&Cheese schaffen wir auch zu zweit nicht. Das hätte dem Deutz sicher auch gefallen, aber wir haben ihn hier nicht gesehen. Schade. Das war es dann aber auch schon mit der Aufregung. Einzig als wir in San Marcos das Restaurant „Comedor Susi“ und das Hotel „Paco Real“ passieren, kommt das Blut noch kurz in Mini-Wallung. Doch zwei Sekunden und ein Lächeln später, ist bereits wieder Entspannung angesagt. Bloss kein Stress! Das nächste Ziel, San Cristobal de las Casas, liegt schliesslich in Mexico und Stress an der Grenze ist nie gut.

    Das Schiff um zum Shuttle - welches das nette Hostel für uns gebucht hat - zu kommen, fährt schon um 06:30. Meine Stimmung hält sich also in Grenzen. Kaum beim Shuttle, gerät meine kleine Welt dann vollends aus den Fugen. Wie sich herausstellt, zahlen wir knapp fünfzig Prozent mehr für den doofen Bus, als alle anderen Anwesenden. Es gibt wenig, das ich so sehr hasse wie derartige Ungerechtigkeit und Unfairness. Spontan kommt mir nur das Verlieren gegen Kurt in den Sinn. Egal bei was. Ich schaue den kleinen Guatemalteken also mit leicht geneigtem Kopf an und ziehe eine Augenbraue wie Dwayne „The Rock“ Johnson, bevor ich meine offensichtliche Unzufriedenheit versuche in Worte zu fassen. Nach kurzer und äusserst erfolgloser Diskussion - Preise sei Sache der Travel-Agencies und nicht vom Busfahrer, was wohl stimmt, mich an der Stelle aber nicht im Geringsten interessiert - reisse ich meine Tasche aus dem Kofferraum und laufe davon. Sue hinterher. Leicht verunsichert und wohl not really amused. Gary hätte den kleinen Azteken sicher verhauen. Für mich. Wie sich herausstellt und das Bus-Männchen mehrmals betonte, gibt es aber tatsächlich nur ein einziges Shuttle pro Tag. Toll gemacht, Pascal. Ganz toll.

    Mir ist das irgendwie egal. Eher bezahle ich uns eine Nacht in einem schönen Hotel, als mit dem teuersten Ticket im Bus zu sitzen. Aber soweit kommt es dann doch nicht. Obwohl wir keinen Saldo mehr auf unseren Handys haben, Gary nicht zu Hilfe eilt und der Weg nach San Cristobal weit ist, besteigen wir mittel-optimistisch und mit dem kaum vorhandenen Gefühl, das Richtige getan zu haben, einen vorbeifahrenden Chicken-Bus, um in Richtung der mexikanischen Grenze zu fahren. Und siehe da. Wir fragen und schlagen uns so durch und schaffen es doch tatsächlich ohne Zwischen- und Todesfälle, um knapp nach Zehn beim Hostel in San Cristobal zu klingeln. Fazit: Knapp fünfzehn Stunden für eine Schiff-, sechs Bus- und drei Taxifahrten, viel Abwechslung, eine Tüte Gummibärchen und im Vergleich zum Shuttle nur die Hälfte bezahlt. Toll gemacht. Pascal. Sue auch. Gary nicht.
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