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  • Day404

    Ich steige aus

    February 24, 2019 in South Africa ⋅ ⛅ 23 °C

    Unsere Zeit in Südafrika ist schon bald gezählt und wir verbringen die letzten Tage in Kapstadt. Das ganze Touri-Zeugs haben wir uns zugunsten diverser Hochzeitsfestivitäten für den Schluss aufgespart. Doch zuerst will der Mietwagen von Hertz retourniert werden. Beim Pickup um zehn Uhr abends wurde uns am Schalter bestätigt, dass der Wagen total in Ordnung ist und wir sonst tags darauf Fotos von Schäden machen sollen. Natürlich hatte die Kiste etliche Beulen im Kofferraum, die wir fotografisch festgehalten haben. Der Harry beim Drop-Off sieht das nun aber etwas anders, da ich das Formular eindeutig ohne Schäden unterschrieben hatte und Fotos im Nachhinein kann ja jeder machen. Lustige Vögel. Hätten wir nicht schon das eine oder andere Tasting intus, wäre ich jetzt wahrscheinlich pissed. Bin ich aber nicht und nach ein paar Minuten findet der lustige Harry ein älteres Übergabeprotokoll im System, auf welchem der Schaden schon vermerkt war. Da hat der Harry nochmals Glück gehabt. Wär sonst sicher eskaliert. Spassvögel.

    Sue hat sich verändert. Muss an den putzigen Tieren hier in Afrika liegen. Obwohl unser Airbnb total schön und geräumig ist, schleicht sich irgendwann so eine scheiss Kakerlake durch die Hintertür. Wie schon beim Addo-Nationalpark, erledige ich den ungebetenen Gast mit einem Flipflop. Doch da wo die kleine Sue sonst angeekelt rumschreit und Heldentaten von mir erwartet, höre ich jetzt bloss ein mitleidiges „jöö, nei, arms Putzi“. Wat?! Jetzt schlägt sich die Schöne schon auf die Seite von Kakerlaken und ich bin das fiese Monster? Sie hätte so „herzig geschaut“. Ähh?! Als ob man die Augen einer Kakerlake oder gar deren Art zu schauen erkennen würde. Ich brauch ne Pause. Lange hält das wohl nicht mehr mit uns.

    Um auf andere Gedanken zu kommen - und weil es auf der Todo-Liste steht -, laufen wir den beeindruckenden Tafelberg hoch und runter. Natürlich nehmen wir die direkteste und steilste Route - Klettereinlagen inklusive. Haben schliesslich keine Minute zu verschenken, geht uns alles von der „Weinzeit“ ab. Rauf und runter kostet trotzdem ein paar Stunden und grössere Mengen Schweiss, welche sich aber ganz einfach mit lokal vergorenem Traubensaft kompensieren lassen. Und das abendliche Braai mit Straussenfilet hat man sich so auch redlich verdient. Was man von den gewechselten knapp zweitausend USD für unsere nächsten Destinationen auch behaupten darf. Die Geldwechselübung ging über drei Tage, bedingte sechs Bezüge an einem ATM und gipfelte in einer vierzig minütigen Sitzung bei welcher sechzehn(!) Blatt Papier bedruckt und sechs Unterschriften von mir gefordert wurden. Zum Glück haben wir hier auch noch Pinguine gefunden. Und nur darum machen wir den ganzen Scheiss ja. Wer würde sonst schon freiwillig viele Monate um den ganzen Globus hetzen? Ich nicht.

    Sues Kamera übrigens auch nicht. Das Ding ist kaputt. Ein Jahr Dauerbetrieb scheint zu viel für die bereits einige Jahre alte Sony. Vielleicht hat Sue aber auch einfach die Schnauze voll von den gemeinsamen Posts, bei denen sie jeweils wunderschöne Fotos liefert und ich meist hässliche Texte beisteuere. Mir solls recht sein, mach ich eben was auf eigene Faust, bis sich die schöne Sue wieder aufgerafft und die doofe Kamera repariert hat. Ich steig aus und geh nach Persien. Tschüss.

    Eine Sache noch ...

    Neben diversen Tagen und Abenden voller Spass, Food und Wein mit den frisch verheirateten Mr und Mrs Kronlund, durchleben wir die Tage auch ein paar schwierige Stunden. Wir erfahren, dass Housi - den wir sofort in unser Herz geschlossen haben, als wir uns beim Segeln kennenlernten - vor der letzten Brücke des Lebens steht und diese von zu Hause aus begehen will. Diese letzte Brücke, die letztendlich jeder alleine beschreitet. Natürlich gehören Leben und Tod untrennbar zusammen und es ist irgendwie tröstlich zu wissen, dass Housi die letzten Wochen, Tage und Stunden bewusst und selbstbestimmt im Kreise seiner Liebsten verbringt. Trotzdem gibt es in der eigenen Vorstellung noch so viele gemeinsame Momente und Geschichten zu erleben. Und genau dieses Gefühl überfällt mich zwischen all den genüsslichen Momenten eines ausgedehnten Dinners mit Freunden und lässt mich für einen Moment zusammen- und in Tränen ausbrechen. Ich bin fassungslos und schreibe auch diese Worte unter Tränen. Ich wünsche Dir eine gute Reise - Du hinterlässt so viel Gutes ...
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