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  • Day451

    Stalin wurde alt, Sue auch bald

    April 12 in Georgia ⋅ ⛅ 16 °C

    Der eine Tag in Gori - dem Geburtsort Stalins - hätte nach Besuchen einer Felsenstadt und dem Stalin-Museum angenehm ereignislos enden können. Tat er aber nicht. Denn auch hier gibt es sie, diese verdammten Abzocker. Da ich Georgien aber total toll finde, überspringe ich die relevanten fünfzehn Minuten einfach. Obwohl ich mich in dem Moment derart aufrege, dass ich im Anschluss das komplette Abendessen verweigere und mich mit einer Flasche Rotwein ins Guesthouse verkrieche. Für spätere Erinnerungen an Georgien hoffe ich einfach auf ein selektives Gedächtnis nach kolumbianischem Vorbild. Schliesslich gilt es sich viel wichtigere Dinge über dieses Land zu merken. Hier sollen sie zum Beispiel herkommen, die ersten Europäer. Migranten vom afrikanischen Kontinent. Begriffe wie „Medizin“ oder „Metall“ stammen ebenfalls aus Georgien. Und dann gelten die Schlingel auch noch als Erfinder des Weins. Geili Sieche. Mit grossen Nasen.

    Wir machen Halt in Kutaisi, der drittgrössten Stadt Georgiens. Das Riesenrad auf dem stadteigenen Rummel erinnert allerdings mehr an Prypjat nahe Tschernobyl als ans London-Eye. Die Stadt hat durchaus Charme, eine Art Fallout-Charme. Im sympathischen Sinne. Wir erkunden auch die umliegende Natur, schliesslich galt diese Umgebung in der Sowjetzeit als einer der wichtigsten Kurorte. Damals musste jeder Erwachsene - jeder einzelne im Land! - für mindestens zwei Wochen pro Jahr zur Kur. Eine Art Kur-Zwang. Jahr für Jahr. Heute ist das nicht mehr so. Heute haben Leute einfach Ferien und dürfen diese auch im Dauerrausch am Strand oder mit feuchten Träumen verbringen. Jedem wie er will. Als Folge präsentieren sich etwa neunzig Prozent der imposanten Kurhotels nur noch als gespenstige Ruinen aus glorreichen, kommunistischen Zeiten. Unser Öko-Ausflug führt uns also vorbei an verfallenden Kur-Bunkern, vorbei an diversen Wasserfällen, über einen rostigen Cliff-Walk mit Adrenalin-Garantie und in die beeindruckende Prometheus Cave - die grösste Höhle die wir je gesehen haben. Wir sind ja auch noch jung. Sue zumindest. Noch bis im August. Dann nicht mehr.

    Batumi - am westlichen Ende Georgiens und unsere nächste Destination - wird gerne auch Las Vegas vom Kaukasus genannt. Wir wollen unbedingt noch das schwarze Meer sehen, bevor Sue alt ist. Danach wäre es wohl nicht mehr das selbe. Ist wie mit Las Vegas. Alte Leute haben da auch ihren Spass, aber wie wir aus Hangover wissen, braucht es für Ü30-Menschen deutlich mehr Komponenten. Darunter Roofies, Tiger und fremde Babies. Als Backpacker wäre das einfach etwas viel für uns. Also gehen wir jetzt da hin. Ich bin gespannt. Sue auch.
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