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  • Day15

    Orange Man Reunions

    February 27 in South Africa ⋅ ⛅ 19 °C

    Kaum sind die Feierlichkeiten und After-Parties abgeschlossen, wird unsere lustige Truppe jäh auseinandergerissen. Familien und Gremlins müssen zurück in die Schule, Mitgereiste reisen alleine weiter oder machen sich sonst aus dem Staub. Bleiben mal wieder nur die kleine Sue und ich. Wir haben ja noch eine Woche in Südafrika. Und wer weilt seit Kurzem an der Capetown Waterfront und säuft Champagner? Genau, Miro. Die Schlampe. Das müssen wir feiern. Irgendwie. Während ich also in Begleitung meiner Lebensabschnittspartnerin von Plett in Richtung Hermanus fahre, fährt Miro in Begleitung seiner Lebensabschnittspartnerin von Hermanus nach Plett. Und wie es der Zufall so will, liegt laut Google Maps das Skeerhok Padstal genau dazwischen. Eine Art Truckstop mit angrenzendem Schlachthaus. Ansonsten meilenweit nichts. Wir treffen uns also irgendwo im Nirgendwo zum Lunch in rustikalem Ambiente. Champagner gibts hier allerdings keinen. Verdammter Saftladen.

    Unerwartet unterhaltsam ist dafür - neben dem herzigen Miro - das Pärchen, das am Nebentisch Rippchen, Spiegeleier und sonst was futtert. Frau will von uns wissen, woher wir denn kommen und was wir an diesem gottverlassenen Ort machen. Die Story mit Google Maps findet sie natürlich urkomisch. Und das gilt auch für ihre eigene Geschichte. Die zwei älteren Herrschaften sind ihres Zeichens Amerikaner, die ihr Land “because of the orange man” verlassen haben und sich hier quasi verstecken. Schämen tut man und Frau sich und man will erst wieder nach Hause, wenn dieses Trauerspiel beendet ist. Klare Worte. Ich applaudiere. Innerlich. Offensichtlich ermutigt von unserer Zustimmung gestehen die so friedlich wirkenden Senioren, dass sie sich in Tat und Wahrheit ein Attentat wünschen und erst die Erschiessung des POTUS aus grosser Distanz ihr Leben wieder lebenswert machen würde. Das geht uns dann doch ein wenig zu weit. Vor allem das aufgesetzte Grinsen der beiden ist irgendwie creepy. Nicht töten, wählen gehen! Verdammte Krieger.

    Miro, Viola und die irren Amis sind wir relativ schnell wieder los, was auf Familie Stauber definitiv nicht zutrifft. Der südlichste Punkt Afrikas ist ein beliebter Touri-Spot und so zieht es auch den coolen Ian mit seiner coolen Mam dorthin. Robin ist auch dabei. Einer muss ja fahren. Natürlich darf ein gemeinsames Nachtessen an der Stelle nicht fehlen. Dann heisst es auch hier Abschied nehmen und getrennte Wege gehen. Tschüss Ian, hab dich lieb! Und wo gibt es tags darauf einen leckeren Kaffee? Genau, am Hafen. Mit Familie Stauber. War ja klar. Und wieder sagen wir tschüss und wünschen eine gute Weiter- und Heimreise. Der kleine Ian wird die wahre Bedeutung des Verabschiedens wohl erst im Kindergarten verstehen. Oder bei der Scheidung der Eltern. Hoffen wir auf Ersteres. Knappe zwei Stunden später machen die hungrige Sue und ich einen Lunch-Stop im Dassiesfontein an der N2. Die grössten Pies soll es hier geben. Und das will sich der Robin natürlich nicht entgehen lassen. Toll. Essen wir eben noch Zmittag zusammen. Verdammte Stalker.

    Die Geschichte ist an der Stelle natürlich ein wenig verdreht und ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind den kleinen Ian zu sehen. Die Eltern natürlich auch. Zumindest Steffi. Sue und ich verabschieden uns also ein weiteres Mal von Familie Stauber und fahren weiter an die Westküste nördlich von Kapstadt. Nur noch wir zwei. Schön für Sue. Für mich hat diese etwas rauere Version Südafrikas aber auch etwas zu bieten. Der lustige Marc serviert in seiner ebenfalls lustigen Beach Bar eine wahrlich einzigartige Version eines Rindsfilets. Gestopft mit Blauschimmelkäse, paniert in japanischem Panko und übergossen halb/halb mit Zwiebel/Rotwein-Reduktion und einer cremigen Senfsauce. Total pervers. Die ersten drei Bisse wecken orgasmische Hochgefühle, danach ist es einfach zu viel. Viel zu viel. Wie die ständigen Verabschiedungen vom kleinen Ian. Ausgegessen wird natürlich trotzdem, denn Foodwaste geht bekanntlich gar nicht. Verdammte Verschwendung.

    Als kleinen West Coast Abschluss lädt die grosszügige Sue noch zu einem gediegenen Lunch in Paternoster, bevor wir schon wieder in Richtung Kapstadt brausen. Das beste Restaurant der Welt - das ist wirklich hier und heisst Wolfgat - hat zwar zu heute und wäre vielleicht auch auf ein oder zwei Tage ausgebucht, aber im Strandloper servieren die auch ganz tolle Sachen. Und Wein. Und als ob es die Tage wirklich nur ums Essen ginge, muss auch das Dinner gleichentags in Kapstadt erwähnt sein. Denn wer schnabuliert an der belebten Waterfront eine kolossale Sushi-Platte mit uns? Genau, Familie Stauber. An ihrem letzten Abend. Hoffentlich geht deren Flug morgen. Sonst sehe ich uns schon zusammen beim Lunch auf dem Tafelberg. Leider kommt es nicht soweit. Verdammte Edelweiss.

    So, noch schnell auf den ikonischen Lion’s Head gewandert und schon brechen wir unsere Zelte in Kapstadt wieder ab und unsere letzten zwei Tage in Franschhoek an. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Stop bei einem der grössten Wine Estates der Region: Vergelegen. Aussprechen tut man das komisch. Holländisch eben mit zwei Mal “ch” anstatt “g”. Der Wein schmeckt trotzdem und die private Cellar Tour ist genau auf dem exklusiven Niveau, wie wir das mögen. Und verdienen. So gehören wir auch zu den allerersten Menschen, die die 2020 Merlot Ernte probieren dürfen. Die Dinger schmecken ganz gut, also gebe ich die Ernte zur Verarbeitung frei. Nett von mir. In Franschhoek beziehen wir ausserdem eines der besten Airbnbs überhaupt. Einfach, aber schön. Also einfach schön. Wie Sue. Hat sie toll gebucht. Oder war ich das? Egal. Denn zwei Tastings später steht nach der endgültigen Verabschiedung der Familie Stauber bereits die nächste Reunion an. Ein spektakuläres Dinner im Chef’s Warehouse at Maison mit Miro. Der Schlampe. Viola und Sue sind natürlich auch dabei. Schön für sie. Und uns. Verdammte Romantiker …
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