Tobias Sambale

Joined October 2016
  • Day77

    Hamburg

    August 17, 2017 in Germany ⋅ ⛅ 21 °C

    Hallo Ihr alle,
    leider habe ich es ja nicht geschafft, den Blog für unsere Osteuropatour zu vervollständigen. Es war einfach zuviel los :-)
    Ich habe ein paar handschriftliche Aufzeichnungen, vielleicht entsteht da ja nochmal etwas draus...

    Vielen Dank in jedem Falle für das Mitlesen. Unser Sabbatjahr ist ja nun beendet und vorerst werde ich wohl auch nicht wegfahren. Ich hoffe, dass euch die Berichte Spaß gemacht haben und lasse spätestens im nächsten Jahr wieder von mir hören. Wir haben schon ein paar Reiseziele im Auge, zu denen es dann gehen könnte...

    Viele Grüße
    Tobias
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day42

    Kętrzyn (Rastenburg)

    July 13, 2017 in Poland ⋅ 🌙 12 °C

    Auf dem Weg nach Vilnius machten wir für eine Nacht in Kętrzyn, dem früheren Rastenburg, halt. die Stadt selbst hat bis auf ein oder zwei Gebäude aus der Preußenzeit nicht viel zu bieten. Wir kamen in einem bunkerartigen Hotel unter, dessen Ausblick sich auf einen Parkplatz beschränkte. Wir hatten etwas Glück, denn offensichtlich war eine Gruppe von Oldtimerliebhabern auf der Durchreise in unserem Hotel abgestiegen. Außerdem konnte man später am Abend noch einer gigantischen Anzahl an Schwalben beim Insektenfang zusehen.
    Wir hatten uns für Rastenburg entschieden, weil der ehemalige Nazibunker Wolfsschanze in der Nähe lag. Der Name rührt von einem der Codenamen für Hitler her, der als Schutzgründen als „Wolf“ bezeichnet wurde. Ironischerweise fand grade in der Bunkeranlage, die nach seinem „Schutznamen“ benannt war, ein Attentat auf ihn statt. Am 20. Juli 1944 deponierte General von Stauffenberg in einem der Lageräume eine Bombe, die vier Personen tötete, aber Hitler nur leicht verletzen konnte.
    In Folge des Attentatsversuchs wurden etwa 150 Personen aus zahlreichen Ebenen noch Politik, Militär und Polizei hingerichtet. Das Attentat wird von vielen Quellen als vornehmlich moralisch motiviert gedeutet. Allerdings gibt es dazu auch andere Stimmen, die die Hintergründe eher als militärische Notwendigkeit deuten.
    Unabhängig davon war dies nicht der einzige Attentatsversuch auf Hitler. National Geographic hat dazu sogar eine Doku gemacht: 42 Ways To Kill Hitler
    https://www.youtube.com/watch?v=UKh3eC41Gto&t=6s

    Heute ist von der Bunkeranlage nicht mehr viel übrig. Einzig das ehemalige SS-Quartier ist noch intakt. Man kann dort übernachten und Mittagessen. Das spiegelt ganz gut den etwas eigenwilligen Umgang der Polen mit der Nazizeit wieder, was hinterlässt manchmal einen unangenehmen Beigeschmack hinterlässt.
    Die meisten anderen Gebäude wurden beim Rückzug der Nazis 1945 von ihnen mit mehr oder weniger großem Erfolg unter Einsatz von Unmengen an Sprengstoff zerstört.
    Die Reste liegen jetzt windschief im Wald herum. Die Vegetation hat sie sich schon zum Teil zurückgeholt, was uns ein wenig an die Tempel um Angkor erinnert hat. Auf den meisten von ihnen steht in großen Worten in mehreren Sprachen, dass man sie nicht betreten darf, was die zahlreichen Besucher allerdings nicht davon abhält genau das zu tun. Insgesamt ist das Gelände recht unübersichtlich. Den Bunker von Hitler haben wir sogar irgendwie verpasst, waren aber nicht wirklich traurig darum. Der Spaziergang war eindrücklich und wir haben ein wenig was lernen können.

    Auf dem Besucherparkplatz standen jetzt auch Oldtimer. Offenbar waren die Autoliebhaber auch nicht wegen Rastenburgs Altstadt in die Gegend gekommen.
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  • Day15

    Gdańsk / Danzig

    June 16, 2017 in Poland ⋅ ⛅ 17 °C

    Die Fahrt nach Danzig war länger als geplant. Wir ließen es gemütlich angehen, gingen unterwegs noch etwa einkaufen und waren so erst am Abend in unserer Wohnung.
    Nachdem wir so eine lange Zeit in unserem Bus, in verschiedenen Hotelzimmern oder auf der Couch von Freunden gewohnt haben, wollten wir für den letzten Abschnitt der Reise, mit einer kleinen Ausnahme, nur noch in Mietwohnungen verbringen. Außerdem freuten wir uns darauf, mal wieder kochen zu können.
    Ich habe mir etwa Arbeit mitgebracht, um im August nicht ganz mittelos dazustehen. Unsere Wohnungen mussten also im Idealfall über eine schöne Küche, ausreichend Platz und einen Schreibtisch verfügen. In Danzig hatten wir Glück. Wir kamen in einem alten Büro unter, dass zwar etwas hastig, aber ausreichend gemütlich umfunktioniert worden war. Außerdem wohnten wir direkt neben der Innenstadt, so dass ich halbtags arbeiten konnte und wir den Rest des Tages Spazierengehen konnten.
    Ich hatte in den letzten Wochen etwas Polnisch gelernt und war neugierig es auszuprobieren. Es ist deutlich schwerer als Vietnamesisch, auch wenn mir die Aussprache mehr liegt. Zunächst scheiterte ich allerdings schon beim Wort für das unformale „Hallo“. Es wird Cześć geschrieben und „Tschechtsch“ (mit weichem „ch“) ausgesprochen. Wenn man das System erstmal verstanden hat, kann man sogar flüssig lesen ohne großartig dabei zu stolpern. Zudem existieren zahlreiche deutsche Lehnworte. Ein schönes ist zum Beispiel „weltszmerc“ („Weltschmerz“).
    Hat man diese erste Schwierigkeit überwunden, wird man mit einer Grammatik konfrontiert, die alle denkbaren Gemeinheiten aus dem Deutschen und dem Französischen mitbringt, obwohl Polnisch mit beiden nicht verwandt ist. Außerdem gibt es zwei zusätzliche Fälle und den Vokativ. Erspart bleibt einem nur die Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen, die in einigen anderen balto-slawischen Sprachen eine Rolle spielen und so schwer sind, weil man die Bentonung des Wortes nicht verschieben darf, obwohl man einen Vokal lang ausspricht. Im Polnischen wird grundsätzlich auf der vorletzten Silbe betont.
    Dass meine ersten Gehversuche in der neuen Sprache nicht sonderlich erfolgreich waren, muss ich wohl nicht schreiben. Dennoch wurde es über die zwei Wochen Schritt für Schritt ein wenig besser.

    Danzig hat das Flair norddeutscher Hansestädte (oder andersherum?) und lädt dazu ein, durch die Gassen zu streifen. Besonders schön ist der kleine Hafen, der von den alten Speichern und Kaufmannshäusern gesäumt wird und in dem kleinere Schiffe ankern. Der Handelshafen liegt im Nahen Sopot, dass so dicht an Danzig herangewachsen ist, dass die 3 Städte zusammen als Trójmiasto Gdańsk (Dreistadt Danzig) bezeichnet werden.
    Auch schön sind die Langgasse, die als Hauptstraße der Rechtstadt gilt und die Mariaca, eine ehemalige Kaufmannsstraße. Die Rechtstadt würden wir aus Touristenperspektive wohl als Altstadt bezeichnen. Sie heißt lediglich Rechtstadt, weil sie im 13. Jahrhundert die Stadtrechte nach Lübeck’schem Recht erwarb. In ihr liegen neben den schönen, mit alten Häusern gesäumten Straßen, auch andere Sehenswürdigkeiten, wie die Marienkirche, die als größte Backsteinkirche Polens gilt.
    Danzig hat eine bewegte und sehr komplexe Geschichte, da es unter zahlreichen Herrschern stand, aber die meiste Zeit trotzdem als freie Stadtrepublik existieren konnte. Die wohl wichtigsten Stationen sind die Herrschaft des Deutschen Ordens, die Mitgliedschaft in der Hanse, die „Eingliederung“ durch die Nationalsozialisten und die Zeit im Warschauer Pakt.

    Der Deutsche Orden war ein Kreuzritterorden, der in den Norden gekommen war, nachdem die Kreuzzüge beendet waren. Im Jahr im 14. Jahrhundert fand durch sie ein großes Massaker an den Stadtbewohnern statt, zudem ließen sie sich in der Marienburg nieder, zu der wir einen Tagesausflug gemacht haben. Sie ist der größte Backsteinbau Europas und sowohl von außen als auch von innen absolut fantastisch. Sie besteht aus mehreren, ineinander liegenden Anlagen, die nach und nach entstanden sind. In ihren großen Hallen wurden früher Gäste empfangen und Bankette gehalten. Sie hat zahlreiche Kreuzgewölbe unter deren Schutz man spazieren kann und sie ist nach dem zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört gewesen, was heute kein Besucher mehr erwarten würde.
    Wir hatten etwas Pech, denn die Polen scheinen in den letzten Jahren den „nachhaltigen Geschichtsunterricht“ für sich entdeckt zu haben. So teilten wir uns Marienburg und die Danziger Museen mit hunderten von Halbwüchsigen.
    Glücklicherweise konnte man eine Tageskarte für die wichtigsten Museen der Stadt kaufen, so dass wir zwar an einem Tag den historischen Hafenkran, der als Wahrzeichen der Stadt gilt, besteigen, das Schiff-Museum "Sołdek“ bewundern und in die alten Hafenspeicher gehen konnten.

    Nur das Solidarność-Museum (wieder mit dem verflixten „schtsch“-Laut am Ende) und das alte Rathaus mussten wir noch so bezahlen. Besonders das Solidarność-Museum hat sich gelohnt, denn es arbeitet die Protestbewegung an der Lenin-Werft in Danzig während der Unterdrückung durch die Sowjets auf und gibt Einblicke in eine ganz andere Art von „Arbeiterbewegung“.
    Bei einem anderen Ausflug besuchten wir die Kaschubische Schweiz. Ein Landstrich, der, genau wie Danzig, in Pommern liegt und in dem man neben der schönen Natur mit viel Wald und zahlreichen Storchennästern. An einem anderen Tag wiederrum fuhren wir zum „Frischen Haff“, einer Bucht, die kurz vor der russischen Enklave „Kaliningrad“ liegt. Die Region gab der „Königsberger Haffkrankheit“ ihren Namen, die durch den Verzehr von Fischen ausgelöst werden kann und in manchen Fällen sogar zum Tode führt. Sie ist selten, hängt vermutlich mit Schwermetallen in den Fischen zusammen und heute nur am Rande eine Erwähnung wert. In den 1920er und 30er Jahren führte sie allerdings zu schweren Epidemien in der Region. Auf dem Rückweg vom Haff haben wir noch in einem kleinen Waldstück angehalten und einen Spaziergang gemacht, bei dem wir tatsächlich auf einen Elch gestoßen sind. Wir haben uns natürlich etwas erschrocken, denn auch wenn es ein Jungtier war, war es sehr groß. Ihm ging es vermutlich genauso wie uns. Er schaute uns eine Weile erstaunt an, musterte uns und entschied dann irgendwann, dass er uns getrost ignorieren und weiterfressen könnte.
    Natürlich haben wir noch einiges anderes erlebt, das netteste war allerdings, als uns am letzten Abend, mitten in der Stadt, eine Igelmutter mit ihren beiden Jungen begegnete, die von einem netten Polen infolgedessen in eine kleine Gartenanlage dirigiert wurden. Leider waren sie zu schnell für ein Foto.
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  • Day1

    Hamburg

    June 2, 2017 in Germany ⋅ ☀️ 16 °C

    Eigentlich sollte die letzte Station unserer Reise Großbritannien sein. Dort wollten wir irgendwo im Grünen wohnen. Wir haben in Asien allerdings lange überlegt, ob wir uns zwei Monate dort so viel Spaß machen würden. Ich würde unter der Woche an den Vormittagen etwas arbeiten müssen, weil mein Konto im August wohl leer sein wird.
    Wären wir dann irgendwo in Schottland in der Pampa, hätten wir nicht so recht gewusst, was wir mit lauter halben Tagen so anfangen hätten können.

    Wir entschieden uns dann recht kurzfristig dazu, die Zeit in Polen und im Baltikum zu verbringen. Wir mieteten uns Wohnungen in Danzig, Vilnius, Riga und Warschau, so dass wir mitten im Geschehen sein würden, ich aber trotzdem etwas für den Verlag machen kann.

    Die letzten zwei Juliwochen werden wir dann mit Luna ans Mittelmeer fahren, damit sie auch etwas von unserer Reise hat.

    Für die nächsten Wochen freue ich mich sehr auf deftige Küche, etwas Kultur und schöne alte Städte.
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  • Day64

    Phnom Penh II

    May 12, 2017 in Cambodia ⋅ 🌙 29 °C

    In Phnom Penh angekommen, suchten wir uns ein Tuktuk, das uns einen fairen Preis anbot. Man kann im Großen und Ganzen davon ausgehen, dass die zuerst genannten Preise immer doppelt so hoch sind, wie ihr tatsächlicher Wert. Normalerweise handelt Silke bei uns. Mir ist das immer zu doof, denn auf der einen Seite denke ich, dass es schon vollkommen ok ist, wenn man uns hohe Preise abverlangt. Immerhin liegen sie trotzdem noch deutlich unter dem europäischen Niveau. Auf der anderen Seite, kann ich es ja nicht leiden, wenn mein Gegenüber das so plump verpackt. Wenn ich eine Karte in der Hand halte und dem Fahrer zeige, wo ich hin möchte und ihm auch zeige, wo wir sind und er dann immer noch versucht, mich davon zu überzeugen, dass die Strecke weiter ist, als es aussieht, dann neige ich dazu, offen genervt zu sein. Das ist natürlich unglücklich, immerhin verliert man dann sein Gesicht. Für mich aber nicht immer vermeidbar. Silke kann das wirklich besser. Sie setzt dann ihr Lehrerinnengesicht auf und sagt eines dieser „Neins“, bei dem man automatisch weiß, dass es nichts nützt weiter zu diskutieren.
    Nachdem ich also den ersten Tuktukfahrer vergrault hatte, fanden wir einen anderen, der unserem Preis zustimmte. Die Strecke war nicht weit. Vielleicht 20 Minuten zu Fuß mit einem schnellen Schritt, 30 Minuten mit Gepäck. Unser Fahrer fuhr die ganze Zeit im Schritttempo, so dass uns die Situation etwas komisch vorkam. Wir verfolgten die Route also auf unserer Karte. An irgendeinem Punkt fuhr er immer weiter gradeaus, obwohl wir rechts hätten abbiegen müssen. Das machte er etwa an 5 Kreuzungen, so dass ich ihn irgendwann anhalten ließ, um ihm die Route nochmal zu zeigen. Dabei fielen mir erst seine verquollenen Augen und die Bierfahne auf. Offenbar war er mindestens verkatert…
    Wir beratschlagten uns kurz, fuhren dann aber die letzten 2 Minuten mit ihm weiter, weil uns das entladen des Tuktuks auf der Hauptstraße noch gefährlicher erschien, als ihn einfach rechts in eine Seitenstraße abbiegen zu lassen, wo kein nennenswerter Verkehr war.
    Am Nachmittag wollten wir eigentlich eine Flussfahrt machen. Ein Gewitter machte uns da aber einen Strich durch die Rechnung. Wir sagten kurzfristig ab und liefen in einer regenfreien Phase zu den „Daughters of Cambodia“, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, Prostiuierten eine handwerkliche Ausbildung zukommen zu lassen und die Produkte, hauptsächlich Nähereien und Schmuck, dann in ihrem Laden verkauft. Menschenhandel ist in Kambodscha auch heute noch ein reeles Problem. Ich habe im SWR einen schönen Beitrag dazu gefunden und empfehle den jedem, der eine halbe Stunde erübrigen kann:
    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/verarmt-verschleppt-versklavt/-/id=660374/did=16769790/nid=660374/rt5152/index.html

    Am nächsten Tag dann begannen wir mit dem richtigen Sightseeing. Phnom Penh selbst bietet wenige historische Stätten, bietet allerdings, ich erzählte ja bereits von den Roten Khmer, viel Erinnerungskultur. Wir besuchten zunächst die Killingfields, eine größere Freifläche, etwas außerhalb. Hier wurden die angeblichen Feinde der Khmer Rouge hingerichtet und verscharrt. Dies betraf Junge, Alte, Männer, Frauen und auch Kinder. Um Kugeln zu sparen, wurden die Menschen mit spitzen und stumpfen Alltagsgegenständen, wie Holzstäben, Messern oder Hacken vor großen ausgehobenen Löchern getötet. Die Toten wurden im Anschluss daran übereinander gelegt mit DDT, einem Pestizid, besprüht und dann mit Erde bedeckt. Besondes schockierend ist ein Baum auf dem Gelände, gegen den Säuglinge geschlagen wurden, um sie zu töten. Während der Tötungen spielte die ganze Zeit Musik, um die Schreie zu überdecken. Diese Musik und das Laufen eines Generators waren die letzten Dinge, die die Getöteten hören mussten.
    Heute erinnert wenig an die Gebäude, die einst auf dem Feld standen. Nach der Vertreibung der roten Khmer, wurde so ziemlich alles als Baustoff genutzt, was die Bvölkerung in die Finger kriegen konnte. Ein gut gemachter Audioguide führt einen über das Gelände und berichtet auch von Einzelschicksalen der Opfer und Täter. Man wird gewarnt auf den Wegen zu bleiben. Die Wege sind etwas erhöht angelegt, damit die Erde nicht festgetreten wird. Sie offenbart, grade in der Regenzeit, immer wieder Kleidungsfetzen und Knochenstücke, die scheinbar aus ihr herauswachsen. Unter anderem hierauf wird der Name „Killing Fields“ zurückgeführt.
    Der letzte Halt ist die große Erinnerungsstupa, die eine große Zahl an gebeinen enthält und sowohl als Mahnmal als auch als Ort der Erinnerung und des Gedenkens dient.

    Unsere nächste Station war die Tuol-Sleng-Genozid-Gedänkstätte in Phnom Penh, die auch unter dem Namen Gefängnis S-21 bekannt war. Sie diente dem Machtapparat um Pol Pot als Gefangenenlager und Folterzentrum. Es wird angenommen, dass hier etwa 20.000 Menschen inhaftiert waren. Es wird angenommen, dass nur etwa 200 Personen die Haft dort überlebt haben. Der Rest verstarb entweder im Gefängnis oder auf den Killing Fields. Hierzu muss allerdigs gesagt werden, dass dies die höchste Schätzung ist. Einige Quellen gehen von unter 20 Überlebenden aus.
    Sowohl Tuol Sleng als auch die Killing Fields bei Phnom Penh sind exemplarisch zu verstehen. Solche Orte gab es vielfach im Land.
    Beim Besuch des Gefängnisses wurde uns nocheinmal die Perfidität und die Dummheit des Pol-Pot-Regimes vor Augen geführt. Die Wachen des Gefängnisses waren allesamt jünger als 20 Jahre, manche von ihnen grade 10 Jahre alt. Nicht wenige von ihnen wurden selbst irgendwann zu Gefangenen. Ihnen wurden einfache aber strenge Regeln auferlegt, die bei Nichtbefolgen im besten Falle Gewalt und im schlimmsten Falle den Tod nach sich zogen. Hier bewachten und folterten also junge Menschen, die jung, unerfahren, oft schlecht gebildet und einfach zu manipulieren waren.
    Als ein besonders spannendes Beispiel empfand ich hier ein Schlüsselbrett, das eigentlich nur eine Holzleiste mit eingeschlagenen Nägeln war. An diesen Nägeln hingen die Schlüssel für die Fußfesseln. Die Zahlen von 1-7 sind in einer kindlichen Handschrift geschrieben, danach änderte sich die Schrift. Die Genozidforscher nehmen an, dass die zunächst für das Beschriften zuständige Wache nicht weiter zählen konnte.
    Über die Folterungen und Inhaftierungen wurde peinlich genau Buch geführt, was mich ein wenig an die Akribie der Nazis erinnert hat. Auch die Geständnisse waren genauestens festgehalten. Aber auch sie offenbaren die Dummheit und den Verfolgungswahn des Regimes. So wurden unter anderem einige Ausländer hier festgehalten, unter ihnen der Segler Kerry Hamill. Er und seine Freunde wurden verdächtigt, Spione im Auftrag des Feindes zu sein. Hamill und seine beiden Begleiter überlebten nicht. Hamill machte sich aber während seiner Folter über seine Peiniger lustig. Sie wollten Namen hören und er wusste, dass er solange gefoltert werden würde, bis sie welche bekommen würden. So gab er an, dass sein Führungsoffziert ein gewisser Colonel Sanders sei. Colonel Sanders ist im Westen allerdings nicht dafür bekannt, Geheimagenten zu führen. Stattdessen dient er als Markengesicht einer größeren Fastfoodkette, die frittierte Hähnchenteile in Eimern verkauft. Er nannte noch weitere Namen, die Referenzen zu den Beatles oder anderen popkulturell bekannten Personen enthielten.

    Am Eingang des Gefängnisses, das vor den Roten Khmer eine Schule gewesen ist, steht ein Schild, das darauf hinweist, in der Gedenkstätte nicht Pokemon Go zu spielen. Ich habe dazu sogar einen Artikel gefunden: http://www.sandiegouniontribune.com/hoy-san-diego/vida-latina/innovacion/sdhoy-cambodias-genocide-museum-as-pokemon-go-site-2016aug10-story.html

    Das einzige Foto, dass wir dort gemacht haben, war von diesem Schild. Wir haben hier und auch auf den Killing Fields ansonsten auf Aufnahmen verzichtet. Wir hielten das für nicht angebracht.

    Die Wikipediaartikel liefern hier allerdings einen kleinen Einblick:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tuol-Sleng-Genozid-Museum
    https://de.wikipedia.org/wiki/Killing_Fields
    Besser noch ist die offizielle Homepage der Gedenkstätten (grade im Update):
    http://www.killingfieldsmuseum.com/

    Nach den Touren waren wir ziemlich erledigt. Ab einem gewissen Punkt schaltet man emotional einfach ab. Man merkt, dass man voll mit Eindrücken und Informationen ist und läuft dann wie auf Autopilot. Wir waren noch auf dem Russischen Markt, um ein paar Souvenirs zu kaufen. Das war nach dem langen Tag eine nette Zerstreuung. Der Markt ist zwar nicht vergleichbar mit dem, was Vietnam oder Thailand zu bieten haben, ist aber wirklich solide und vermutlich die beste Wahl in Phnom Penh, wenn man eine große Auswahl und ein paar „Touristenprodukte“ haben möchte.

    Am nächsten Tag besuchsten wir noch das Nationalmuseum und machten einige Besorgungen. Durch das Museum sind wir mehr oder minder nur so durchgerauscht. Es zeigt viele alte Handwerksarbeiten und Statuen von der Bronzezeit über die Vor-Angkor-Periode bis in die späte Angkor-Zeit. Nachdem wir den Nachtmittag etwas entspannt hatten, holten wir unsere Flussfahrt nach. Es war sehr spannend zu sehen, dass auf der einen Flusseite immer mehr Hochhäuser entstehen, während die Menschen auf der Gegenüberliegenden Seite in improvisierten Hütten wohnten und mit großen Netzen Fische fingen.

    Wir endeten mit der Fahrt sprichwörtlich dort, wo wir angefangen hatten, nämlich auf dem Mekong.

    Im Anschluss gingen wir Sushi essen. Der Besuch im Restaurant war ganz witzig, denn sie hatten keinen Fisch. Für mich nicht so wild, aber sie hatte auch nur noch eine Avocado. Die Personen die nach uns kamen, mussten 3 Bestellanläufe machen, bis sie irgendwas zu essen gefunden hatten. Aber genauso wie wir, waren sie wohl zu faul, um in ein anderes Restaurant zu gehen und die Kellner waren sehr nett.

    Für mich war der Restaurantbesuch sehr stellvertretend für unseren Kambodschaaufenthalt. Denn oft läuft es hier nicht so rund. Dafür sind alle sehr bemüht, es einem gemütlich zu machen.
    Schon morgen früh sitzen wir hoffentlich im Flugzeug nach Hause. Das Check-In-System findet unsere Flugdaten nicht und wir sind gespannt, ob wir es bis übermorgen nach Deutschland schaffen.
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  • Day61

    Otres

    May 9, 2017 in Cambodia ⋅ 🌧 2 °C

    Für unsere letzten Tage in Kambodscha hatten wir uns überlegt ans Meer zu fahren und zu entspannen. Wir hatten alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten und mehr als genug Zeit zur Verfügung um, so dekadent das klingt, Urlaub vom Reisen zu machen.

    Unsere Wahl fiel dabei auf den kleinen Ort Otres ganz in der Nähe von Sihanoukville. Otres besteht nur aus ein paar Straßen, voll mit kleineren Restaurants, Wäschereien, kleinen Geschäften und Hotels. Viele (temporäre) Aussteiger eröffnen hier ihre Läden, um eine Zeit in Kambodscha zu leben. Wir freuten uns also auf westliches Essen, ein paar Ausflüge und die Zeit am Strand.
    Wir checkten in ein Hotel ein, in dessen Mitte ein Garten lag, der von den einzelnen Zimmern rumgeben wurde. Etwas einsichtig, aber gemütlich und gut um dort ein paar Tage zu verbringen.
    Geführt wurde es von einer sympathischen Truppe von Italienern.

    Bis auf einen Spaziergang, um die Gegend zu erkunden, machten wir am ersten Abend nicht viel. Ich nutzte den Abend um ein paar liegen gebliebene Sachen zu erledigen, las und ging spät ins Bett. Um kurz vor 4 in der Nacht rüttelte Silke auf einmal an meiner Schulter. Ich schaute sie verschlafen und irritiert an. Sie deutete auf einen Mann. Ein schmächtiger Asiate, der vor unseren Bett stand und uns erschrocken anschaute. Ich hob meine Faust und schrie ihn an. In meiner erinnerung haben die Worte Sinn gemacht. Silke hat mir später erzählt, dass es für sie nur zusammenhangslos geklungen hat. Es war aber laut gewesen und tief. Der Man faltete die Hände vor seiner Brust und verbeugte sich hektisch, murmaelte mehrfach „Sorry, sorry...“, nur um dann die Hände zur Beschwichtigung nach Vorne zu strecken und „sleep, sleep!“ zu sagen. Dann ging er raus.
    Wir schauten uns an, waren perplex. Der Asiate hatte ein weißes Hemd angehabt und ich war zunächst der festen Überzeugung, dass er zum Hotel gehört haben muss. Ich stellte mir vor, dass er uns über irgendwas habe benachtichtigen wollen. Über ein Feuer oder ein Unwetter.
    Das das nur wenig Sinn machte, wurde zunehmend klarer. Er hatte uns ja vor nichts gewarnt, war schrocken, dass wir ihn bemerkt hatten und dann ohne Erklärung herausgegangen. Ich zog mich an, und ging in den Garten. War er ein Dieb wollte ich hinter ihm her, war er vom Hotel wollte ich ihn zur Rede stellen. Da war aber niemand.
    Zurück im Zimmer erzählte Silke mir, dass sie die Schiebetür gehört habe und den Mann dann in eine Ecke des Zimmers habe gehen sehen. Dort habe er nach etwas gesucht. War er wirlich ein Dieb, war er kein guter. Das was er durchsucht hatte, war die Regenhülle eines unserer Rucksäcke. Auf dem Weg dorthin war er an meinem Notebook, meinem Handy und meiner Kreditkarte vorbeigelaufen. Da wir nicht so recht wussten, was wir jetzt tun sollten, gingen wir wieder schlafen. Ich überprüfte vorher nochmal, ob die Tür fest verschlossen war und wickelte meinen Gürtel von innen um die Handgriffe.
    Am Morgen dann sind wir zur Rezeption und haben von unserem nächtlichen Besucher berichtet. Er hat uns zuerst gar nicht verstanden, so absurd erschien ihm die Situation. Dann versprach er uns, die Kamerabilder auszuwerten. Unterdessen machten wir uns auf die Suche nach einem neuen Hotel. Vermutlich konnten die Betreiber von unserem gar nichts für die Situation. Ich ging davon aus, dass ich die Tür zwar versucht hatte abzuschließen, das Schloss aber nicht komplett eingeschnappt war und der Asiate gehörte definitiv nicht zu den Angestellten. Das hatte uns der Besitzer versichert. Nach unserer Rückkehr zeigte uns der Besitzer die Videos auf seinem Computer. Der Asiate war gegen halb 4 in den Garten des Hotels gekommen und hatte an allen Türen gezogen, um zu prüfen, ob sie verschlossen waren. Bei unserer hatte er Glück. Er steckte kurz seinen Kopf hinein, ging dann nochmal in den Garten, legte seine Jacke und seinen Rucksack ab, und öffnete dann unsere Tür. Ein paar Augenblicke später kam er wieder raus, schloss die Tür vorsichtig mit beiden Händen, nahm seine Sachen und ging durch den Garten. Erst vor dem Hotel begann er zu rennen. Für uns war die Sache damit gegessen. Offensichtlich wirklich ein Dieb, geklaut hatte er nichts und wir würden von nun an doppelt prüfen, ob alles verschlossen war. Der Besitzer aber ließ es damit nicht auf sich bewenden und sagte nur, gewürzt mit seinen spitzen italienischen Akzent: „Don‘t worry. We take care of it.“

    Den Nachmittag verbrachten wir am Strand. Das Wasser war nicht ganz durchsichtig, aber blau und so warm, wie in einer Badewanne. Nur ab und zu spürte man eine kalte Strömung an den Beinen. Ich las weiter am inzwischen dritten Band der Expanse Reihe. Silke las ein Buch über Dr. Siri, einen fiktiven laotischen Rechtsmediziner, der von den Kommunisten von seiner Pension abgehalten wurde, weil sie keinen Ersatz für ihn hatten. Sie verschlingt die Bücher genauso wie ich meine.
    Am Abend machten wir uns grade fertig, um etwas Essen zu gehen – wir hatten ein tschechisches Restaurant entdeckt- als es an unserer Tür klopfte. Einer der Besitzer stand davon und sagte uns, dass sie den Einbrecher gefunden hätten. Wir waren mindestens genauso irritiert, wie in der Nacht, als plötzlich ein Asiate in unserem Zimmer gestanden hatte und gingen hinaus in den Garten.
    Dort saß, wie ein häufchen Elend „unser“ Asiate auf einer Bank. Um ihn herum die Besitzer. Silke fratgte einen von ihnen, wie sie ihn gefunden hatten. Er verdrehte nur die Augen, wirkte ehrlich schockiert und sagte: „Don‘t ask...“
    Zwei der Besitzer redeten auf den Mann ein, der sie eindeutig nicht verstand. Nur das Wort „police“ muss ihm ein Begriff gewesen sein, hier hob er abwehrend seine Hände. Einer der Italiener fragte ihn dann noch, ob er ins Gefängnis will und machte vor, wie die Wachen dort mit einem Stab durch die Gitterstäbe stoßen würde und fragte: „Do you want prison? Do you want bamboo stick?“
    Offenbar war es ihr Plan ihn etwas einzuschüchtern. Darin waren sie gut, das musste man ihnen lassen. Trotzdem schien der Mann in Ordnung zu sein. Kein Blut, keine Verletzungen, keine zerknitterte Kleidung. Wir waren also beruhigt und gingen nicht davon aus, dasis die Italiener ihm mehr antun würden, als ihn in Schrecken zu versetzen.
    Der Besitzer vom Morgen sagte und noch: „I told you we‘ll take car of it. I don‘t want such things in my borders.“

    Wir gingen zu Abendessen, ganz überwältigt, dass wir offenbar bei der Mafia gelandet waren. Bei näherer Betrachtung lebten in Otres wirklich viele Italiener. Mindestens 5 Restaurants, mehrere Hotels und ein paar Reiseveranstalter waren da. Auf dem Weg zum Restaurant trafen wir ein paar Hamburger, mit denen wir in Laos kurz zusammen auf einem Boot gewesen waren. Wir unterhielten uns ein wenig und tranken etwas mit ihnen. Natürlich nicht ohne ihnen unsere neue Geschichte zu erzählen.

    Die weiteren Tage in Otres waren weniger aufregend. Fast jeden Tag gewitterte es. Große tropische Gewitter, die manchmal soweit weg waren das man keinen Regen hatte und keinen Donner hörte. Nur die Blitze kamen hinter aufgetürmten Wolken hervor. Wir blieben bis auf einen Tag vom Regen verschont und waren fast jeden Tag im Meer. Samstags trafen wir uns nochmal mit den Hamburgern zum Nachtmarkt. Der Markt findet nur einmal in der Woche statt und ist neben der Mittwochs stattfindenden Party eines der sozialen Happenings im Ort. Besucht werden beide Verstaltungen wohl wenig wenig von Kambodschanern. In der Regel sind dort Touristen und „Aussteiger“.
    Mir wurde erzählt, dass die Partys am Mittwoch, die im Dschungel stattfinden und bei denen Techno gespielt wird, hauptsächlich ein Vorwand sind, um Drogen zu nehmen. Mein Gegenüber wirkte ehrlich schockiert, als sie mir erzählte, dass sie mehrere Personen gesehen hat, die Krampfanfälle hatten. Ein junges Mädchen soll sogar auf eine Art Krankenstation gebracht worden sein. Da man dort aber nichts für sie tun konnte, hat man sie zurück ins Hotel gebracht und dort in der Hoffnung, dass alles gut werden würde, auf eine Couch gelegt.
    Der Markt war viel gemütlicher. Überall Essenstände, die von den Besitzern der Restaurants betrieben wurden. Eine Liveband spielte und wir unterhielten uns.
    Ich lernte von einem der Hambuger etwas über‘s Schornsteinfegen und Silke lästerte mit einer Sozialarbeiterin über die Batikhemden der Hippiemädchen.

    Am vorletzten Tag in Otres haben wir noch einen Ausflug gemacht. Eigentlich wollten wir noch einen weiteren machen, um uns lumineszierendes Plankton anzuschauen. Hier kamen uns aber immer wieder die abendlichen Gewitter in die Quere.
    Unser Ausflug ging zu den etwas Außerhalb gelegenen Inseln Koh Rong und Koh Rong Saloem. Dort war das Wasser wirklich kristallklar und es kam eine richtiges Südseeparadiesgefühl auf. Unser Boot war weniger gemütlich. Wir hatten in Ermangelung einer besseren Alternative das „Happy Boat“ gebucht. Der Name war Programm. Inklusive einer kleinen Schaumparty kurz vor Ende des Trips. Wir konnten uns da aber sehr entspannt raushalten.
    Der Boot war voller Asiaten, hauptsächlich Chinesen, lauten betrunkenen Chinesen. Dazwischen ein paar laute betrunkene Engländer in Neonklamotten und überdimensionalen Goldkettchen, die ihr Bier tranken, indem sie die Dose seitlich anstachen und sie auf ex leerten. Der Bierverschluss wurde dann abgerissen und wir ein Orden an die Kette gehängt. Die Chinesen waren begeistert und beschränkten sich zunächst nur auf‘s Zuschauen und Handyvideos machen. Später, als die Stimmung lockerer geworden war, nahmen einige Unterricht im Dosenstechen bei den Engländern.
    Wir haben den Tag mit humor genommen und waren am Ende trotzdem allem erstaunlich entspannt und ausgeruht.

    Morgen fahren wir ein weiteres Mal nach Phnom Penh. Am Samstag geht es dann nach Hause...
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  • Day55

    Phnom Penh I

    May 3, 2017 in Cambodia ⋅ ⛅ 29 °C

    Phnom Penh ist mit 1,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt Kambodschas. Schon beim Hereinfahren kann man sehen, dass sie sich deutlich von den anderen Städten des Landes unterscheidet. Sie ist deutlich moderner und sogar einige Hochhäuser ragen in den Himmel.
    Außerdem ist sie eine gigantische Baustelle.

    Phnom Penh soll moderner werden, konkurrenzfähig zu anderen großen Städten Südostasiens, wie Bangkok oder Hanoi. Vor etwa 40 Jahren war es fast eine Geisterstadt. Die roten Khmer hatten sie eingenommen und umgehend den Großteil der etwa 2,5 Millionen Einwohner auf‘s Land deportiert. Nur hohe Parteifunktionäre blieben zurück. Nicht viel mehr als 20.000 lebten fortan in der Stadt. Im Januar 1979 wurden die Khmer Rouge durch vietnamesische Truppen vertrieben. Einige Menschen, die den Terror der Roten Khmer überlebt hatten kamen zurück. In den 1980er Jahren lebten viele von ihnen obdachlos in den Straßen der Stadt und hielten sich Vieh auf den Straßen.

    Wir hatten nur einen Tag Aufenthalt eingeplant, da wir schon am Donnerstag weiter ans Meer wollten. Da wir von Phnom Penh aus abfliegen würden, dachten wir, dass es besser sei, uns die Stadt in Ruhe am Ende unserer Reise anzuschauen. Wir gingen den Tag also langsam an, Frühstückten ausgiebig, stellten dabei fest, dass man hier ohne Probleme europäische Preise zahlen kann und fuhren danach zum „Central Market“.
    In Kambodscha werden Riel und Dollar als offizielle Zahlungsmittel genutzt. Im Regelfall nutzt man ab einem Dollar die amerikanische Währung und unterhalb die eigentliche kambodschanische.
    Das führt dazu, dass für viele Kleinigkeiten, wie etwa Trinkwass oder Snacks, eben ein runder Dollar verlangt wird.
    Der Central Market ist ein großer, recht hässliche Kuppelbau, mit viel Auswahl für die Einhemischen, aber wenigen Souvenirangeboten. Wir schauten uns ein wenig um, fanden aber nichts gutes und entschlossen uns, über den Mittag nach Hause zu gehen. Ich hatte irgendwoher einen Tinnitus auf dem rechten Ohr und Silke fühlte sich erkältet, so dass es uns ganz gelegen kam, dass unser geplanter Einkauf ausfiel. Rund um den Markt herum waren zahlreiche Bettler, viele alte Frauen, einige Minenopfer und andere Menschen mit Behinderungen, die um Geld bitten und einem nochmal vor Augen führen, wie arm das Land trotz aller aufstrebenden Entwicklungen ist.
    Ich tue mich daher auch sehr schwer mit dem Handeln. Ich habe das Gefühl, dass es gut ist, mehr Geld hierzulassen, als die einzelnen Waren und Dienstleistungen wert sind. Leider führt das manchmal dazu, dass der Kambodschaner einem gegenüber annimmt, man sei fuchtbar reich und dementsprechend noch mehr versucht, einen über den Tisch zu ziehen.

    Nachdem wir eine Weile im Zimmer rumgelegen und gelesen hatten, gingen wir am Nachmittag zum Königspalast auf dessen großem Gelände zahlreiche Prunkbauten unter anderem die Silberpagode, deren Boden aus echten Silberfliesen besteht, zu finden sind. Am Eingang boten einheimische Tourguides ihre Dienste an und wir waren ein wenig perplex als uns einer von ihnen in einem breiten texanischen Akzent ansprach. Ich konnte zuerst gar nicht ablehnen, weil ich damit beschäftigt war, nicht grinsen zu müssen. Silke ging es ähnlich. Die Situation war wirklich absurd und wir fühlten uns ein wenig so, als hätte uns ein Franzose mit Baskenmütze und Streifenpullover grade auf Chinesich angesprochen.
    Das Gelände war wirklich schöner, als wir es erwartet hatten. Grade der Thronsaal, den wir leider nicht betreten konnten und die großen Stupas, welche als Grabhügel bzw. Denkmäler genutzt werden. Sie alle waren auch ehemaligen Königen oder Königinnen gewidmet.
    Die Silberpagode war etwas enttäuschend, da ihr Boden fast komplett mit Teppich ausgelegt war, um das Silber zu schützen. Nur an einer kleinen Stelle, konnte man die fliesen sehen. Sie waren zum Teil zerbrochen und hier und da mit Tesafilm fixiert. Schöner war, wenn auch nicht ganz mein Geschmack, der große Buddha aus Smaragd, der am Ende des Saales zu finden ist.

    Für den Abend hatten wir uns ein mexikanisches Restaurant ausgesucht, um Tacos zu essen. Der Laden war kurz zuvor noch eine Kneipe gewesen und der neue Eigentümer, ein humpelnder, älterer, langhaariger Koloss mit kambodschanischer Lebensgefährtin und Unterarmtattoos hatte die Inneneinrichtung wohl so übernommen. Alles wirkte heruntergekommen. Ein Wandbild von berühmten Comickatzen, die an einem Esstisch zusammensaßen erinnerte an den Namen des vorherigen Ladens („Alley Cat Cafe“) und die Stühle und Bänke hatten ihre besten Tage schon hinter sich. Das Essen war aber wirklich großartig, so dass wir definitv nochmal herkommen werden. Etwa ab der Hälfte des Essens gesellte sich auch eine kleine Katze zu uns, die zwar vom Eigentümer nicht gerne gesehen wurde, uns aber den Abend versüßte.
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  • Day54

    Battambang

    May 2, 2017 in Cambodia ⋅ ⛅ 27 °C

    Kambodscha ist bisher das Land, mit dem wir uns am wenigsten anfreunden können. Es ist nicht so vielfältig wie Vietnam und nicht so grün wie Laos. Man tut den Menschen hier, die sehr herzlich sind, natürlich Unrecht, wenn man das so einfach dahersagt. Aber trotzdem hat man ein wenig das Gefühl, dass Kambodscha ohne Angkor Wat keine Touristen hätte.

    Um also nicht nur Siem Reap, die Hauptstadt Phnom Penh und das Meer gesehen zu haben, beschlossen wir, dass es sinnvoll wäre, einen weiteren Zwischenstopp im Inland einzulegen.
    Unsere Wahl viel auf Battambang, die zweitgrößte Stadt des Landes. Wir hätten auch weiter auf‘s Land fahren können, dachten aber, dass wir da nicht viel mehr zu sehen bekämen, als in Nordvietnam. Interessant wären noch die schwimmenden Dörfer gewesen. Da aber aktuell Trockenzeit ist, sollen sie nicht so imposant sein, wie wenn die Flüsse mehr Wasser führen.

    Battambang haben wir uns ausgesucht, weil es zum einen noch eine Vielzahl an Kolonialbauten geben soll und weil in der Umgebung wohl einiges zum erleben angeboten wird.
    Im Internet haben wir gelesen, dass es in einer tropischen Traumlandschaft liegen soll. Davon war allerdings nicht mehr soviel übrig, wie man annehmen könnte. Das größte ökologische Problem Kambodschas ist der Holzeinschlag, aufgrund dessen ein großer Teil des natürlichen Waldes verloren gegangen ist. Und obwohl die Regierung immer wieder Erlässe herausgibt, nach denen die weitere Abholzung verboten sein soll, wird weiter gefällt. Vermutlich liegt das an der weit verbreiteten Korruption, die dafür sorgt, dass das wenige, dass der Staat für die Ärmsten aufbringt, nicht bei ihnen ankommt.
    Ein Beispiel sind hier die Wälder westlich von Battambang, in denen noch sehr viele Minen zu finden sind. Die Armee hat diese Bereiche großflächig abgesperrt, lässt sich aber immer wieder von lokalen Holzfällern bestechen, die ihre Familie mit dem Verkauf des Tropenholzes ernähren können. Das führt zu immer neuen Minenopfern, was damit einhergeht, dass die Familie noch schlechter darsteht, als zuvor.

    Die Stadt selbst ist nicht sehr touristisch. Dafür verhältnismäßig belebt und die Kolonialbauten sind mit zahlreichen Werbetafeln verunstaltet. Der Verkehr ist in Kambodscha seltsamerweise anders als in Vietnam oder Laos. Während in Vietnam noch viel gehupt und dann um die Fußgänger herum gefahren wurde, war es in Laos ruhiger. Man fuhrt zwar auch um Fußgänger herum, hupte aber nicht. In Kambodscha hupt man ein bisschen, insbesondere, wenn man überholen möchte, hält aber an, wenn Fußgänger auf der Straße sind. Wir waren darüber am Anfang fast ein bisschen erstaunt.

    Den ersten Tag nutzten wir für den Besuch eines nahegelegenen Bergklosters. Das klingt romatischer als es war, denn der Berg war leider voller Müll und an seinem Fuße waren dutzende von Ständen, die Souvenirs verkaufen. Neben dem Kloster bietet der Berg noch die Möglichkeit sogenannte „Killing Caves“ zu sehen. Höhlen, in denen die Roten Khmer ihre Opfer begraben haben. Eine Gedenkstätte und Kunstwerke erinnern heute an die Menschen, die zumeist totgeschlagen und dann in die Grube gestoßen wurden.

    Neben diesen traurigen Aspekten, die unweigerlich mit dem Gedanken an den Tod verbunden sind, bietet Phnom Sampeau auch etwas für Menschen, die sich mehr für das Lebendige interessieren. Zahlreiche Affen klettern auf den Hügeln herum, und man muss aufpassen, dass man ihnen nicht zu nahe kommt, denn sie gelten als recht unverträglich und neigen dazu Touristen regelrecht um ihr Essen zu berauben. Am Fuße des Berges kann man zum Abend hin die eine gigantische Zahl von Faltlippenfledermäusen aus ihrer Schlafhöhle fliegen sehen. Die Größe der Kolonie wird auf etwa 1.000.000 Exemplare geschätzt:
    https://www.youtube.com/watch?v=rOhpNHAtLWo

    Am nächsten Tag dann fuhren wir gleich am Morgen zum Bambootrain, einer Behelfskonstruktion der Bewohner der umliegenden Dörfer, die das stillgelegte Schienennetz zum Transport nutzen. Dazu legen sie einfach zwei große Walzen auf die Schienen und befestigen darauf einen Bambusaufsatz mit eingebautem Motor. Verbunden sind Walzen und Aufsatz mit einem einfachen, langen Keilriemen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Norry (Da kann man auch ein Video anschauen)

    Die Fahrt war wirklich aufregend, im Wortsinn, denn mehr als einmal hatte man das Gefühl, das der „Zug“ aus den verbogenen Schienen springen müsste. Grade wenn der Fahrer den kleinen 6-PS-Motor so richtig in Fahrt gebracht hatte und man mit über 50 km/h auf dem Wackelgestell über kleine Brücken fuhr, wurde einem manchmal schon ein wenig anders.
    Wir machten einen Zwischenstopp bei der nächsten Haltestelle, wo natürlich schon die Souvenirshops auf uns warteten. Wir unterhielten uns länger mit einer der Frauen und einem kleinen Jungen von etwa 8 Jahren, der ein unglaublich gutes Englisch sprach.
    Ich habe gelesen, dass Kambodschaner einen guten Zugang zu Fremdsprachen haben (hatte ich das schon geschrieben?!?), da fast alle Laute im Khmer vertreten sind.

    Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Markt, bzw. im Zimmer und entspannten ein wenig.
    Das Highlight von Battambang elebten wir dann am Abend, beim Besuch einer Zirkusaufführung.
    Organisiert werden die fast täglichen Shows von einer gemeinnützigen Kunstschule für „unterpreviligierte Kinder“. Die Schule hat etwa 1000 Schüler, die völlig kostenfrei kreative Berufe lernen. Neben einem Bereich für Design und bildende Kunst, gibt es einen für „Performance Arts“ und eben dieser Bereich richtet die Zirkusshows aus, die ein wahrer Publikumsmagnet sind.
    Silke hat sogar gelesen, dass einige der Absolventen es zum Cirque du Soleil geschafft haben.
    https://www.youtube.com/watch?v=y0y5b8fBIlQ
    Das wirklich Schöne an der Idee ist, dass das Land auf diese Weise, grade nachdem die Roten Khmer so ziemlich jede Kultur unterbunden hatten, wieder dazu kommt sich auf seine kulturelle Identität zu besinnen.

    Nach der Show fanden wir einen Inder, der noch geöffnet hatte und gönnten uns zum Abschluss unseres Aufenthaltes ein anständiges Essen.
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  • Day51

    Siem Reap

    April 29, 2017 in Cambodia ⋅ ⛅ 28 °C

    Die Grenzüberquerung nach Kambodscha war ähnlich einfach, wie zuvor nach Laos. Verhältnismäßig freundliche Beamte und keine größeren Schickanen. Das Gesundheitszeugnis, das einem manchmal für einen Dollar aufgedrängt wird, erhielten wir kostenlos. Im Grunde war das auch nicht mehr als eine oberflächliche Überprüfung unserer Impfpässe.
    Wir hatten eine Vereinbarung mit einem Transportunternehmen getroffen, das uns direkt hinter der Grenze erwarten wollte. Den Weg von den 4000 Islands legten wir als Anhängsel einer größeren Gruppe zurück, die auch nach Siem Reap unterwegs war. Hier wurden die Pässe eingesammelt und gebündelt gestempelt. In „Travelerkreisen“ geht das Gerücht um, dass das Unternehmen einen großen Aufschlag dafür nimmt. Wir hörten sogar etwas von 10-15 Dollar pro Pass. Da wir zu Fuß über die Grenze gingen, betraf uns das nicht. Eine merkwürdige Italienerin stieg auch aus, in der Hoffnung Geld sparen zu können. Effektiv waren es dann 3 Dollar. Das Unternehmen wollte 40, die Ausreise aus Laos kostete 2 Dollar „Stempelgebühr“ und das Visum für Kambodscha 35 Dollar. Dafür lief sie wie von der Tarantel gestochen hektisch herum und versuchte sich am Schalter ganz nach vorne durchzubetteln, damit der Bus nicht ohne sie abfährt. Zwei Franzosen, die mit dem selben Unternehmen weiterfuhren wie wir, diskutierten 10 Minuten mit den laotischen Grenzern, um die 4 Dollar Bearbeitungsgebühr zu sparen.
    Ich verstehe ja wirklich, dass manche Reisende kein Geld haben. Sowas ist mir allerdings eindeutig zu blöd. Reisen zehntausende Kilometer weit, kommen aus einem Land mit funktionierendem Sozialsystem und diskutieren dann über 4 Dollar in einem Land mit einer Lebenserwartung von rund 60 Jahren. Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass die arme Landbevölkerung nicht davon profitieren dürfte, wenn ein paar Grenzbeamte etwas dazuverdienen. Aber ich bezweifle wirklich stark, dass sie dann eben im Café mehr Trinkgeld geben oder etwas Blödsinn am Straßenrand kaufen, um etwas Geld da zu lassen. Insbesondere in Kambodscha komme ich mir übrigens so vor, als würde hier niemand Trinkgeld geben. Ich werde immer angeguckt, als sei ich dämlich, wenn ich etwas auf die Rechnung aufschlage. Das führt manchmal sogar so weit, dass ich das Geld zurücknehme, weil mein Gegenüber denkt, dass ich mich verrechnet habe.

    Nach einer etwas holprigen und überdurchschnittlich schnellen Fahrt, kamen wir in Siem Reap (sprich: Siem Riep) an und verbrachten die ersten anderthalb Tage hauptsächlich im Zimmer, weil Silke etwas kränkelte. Siem Reap bietet als Stadt ohnehin nicht soviel, wie wir zunächst angenommen hatten. Es ist die touristische Hochburg Kambodschas, was wohl an der legendären Tempelanlage Angkor Wat und seiner Umgebung liegt und natürlich an den günstigen Preisen, die es vielen Ausländern ermöglichen hier mit ihren Ersparnissen oder einem kleinen Einkommen ein gutes Leben zu führen. Einige versuchen sich sogar an wirklich großen Projekten. So etwa Dillan, der Inhaber unseres Hotels. Ein dreiundzwanzigjähriger Amerikaner, der gemeinsam mit einer Japanerin seine Ersparnisse investiert hat. Das klingt jetzt erstmal ein wenig merkwürdig, man muss ihm allerdings zu Gute halten, dass wir ihn auf Mitte 30 geschätzt hatten.
    Das Modell ist eigentlich ganz interessant, obwohl ich nicht so recht weiß, was ich von ihm halten soll. Man kauft ein Hotel oder eine Bar, leitet sie als „Businesserfahrung“ für ein, zwei Jahre und versucht in der Zeit ihren Wert zu steigern und verkauft das Geschäft danach.
    Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand. Ich denke allerdings, dass es vielleicht schöner wäre, wenn die Geschäfte in einheimischer Hand lägen und nicht in der Verantwortung von aufstrebenden Ausländern. Dillan war allerdings ein wirklich feiner Kerl, von dem man den Eindruck hatte, dass er einen guten Job machen möchte bzw. es unserem Eindruck nach auch macht.
    Weil dieses Modell offenbar so gut funktioniert, ist Siem Reap voll mit Bars und Lokalen, in denen touristen sich betrinken und feiern können. Neben dem bekannten Nachtmarkt und ein paar Theatern und den beliebten Circusshows, gibt es nicht sonderlich viel zu sehen. Für fast alles braucht man einen Tuktuk-Fahrer, der als Chauffeur fungiert.
    Wir hatten uns gleich am ersten Tag mit einem bekannt gemacht. Ran, ein netter kambodschaner mittleren Alters, der sich freute, gleich für mehrere Termine von uns gebucht zu werden.

    Wir fuhren gleich am ersten Tag zum Sonnenaufgang nach Angkor Wat, dem größten Tempel in der Umgebung. Ursprünglich war er Vishnu geweiht und wurde von den früher hinduistischen Khmer erbaut. Nach und nach wurde dann ein buddhistischer Tempel daraus. Angkor gilt als das weltweit größe erhalten gebliebene religiöse Bauwerk. Er zieht auf Grund dieser Umstände auch ein paar merkwürdige Menschen an. So unterhielt ich mich im Tempel eine gute Viertelstunde mit Sophie, einer englischen Hippiefrau, die von sich selbst als buddhistische Piratin beschreibt und schon fünfmal in Angkor war. Alles in Allem also etwas schräg..
    Der schönste Tempel der Umgebung war wohl Ta Prohm, der zum Teil vom Urwald überwuchert und so manchmal zu einem Teil von ihm wurde. Er wurde von daher auch schon als Filmkulisse verwendet, u.a. für Tomb Raider. Den Großteil unserer Zeit in Siem Reap verbrachten wir also in den Tempelanlagen. Zugegebenermaßen sind wir jetzt etwas müde vom Besichtigen.

    Den Rest der Zeit haben wir unter anderem für den Besuch das War Museums und des Landminenmuseums. Kambodscha hat eine unheimliche bewegte Geschichte. Es wurde im kalten Krieg zum Spielball von West und Ost. Das Ergebnis war das Erstarken der Roten Khmer, einer politischen Organisation, für die das Wort Terrororganisation wohl tatsächlich passender wäre. Normalerweise, wie etwa in Vietnam und Südamerika, versuche ich ja sozialistische Bewegungen genau zu betrachten und mir eine differenzierte Meinung zu Begleitumständen und Opfern zu bilden. Das fällt mir im Falle der Khmer Rouge nicht so leicht.
    Während nämlich die meisten Diktaturen „lediglich“ gegen Minderheiten oder Abweichler vorgehen, gingen die Roten Khmer vollständig gegen die eigene Bevölkerung vor. Sie planten einen Bauernstaat zu errichten und schafften es Pnomh Penh, eine Millionenstadt, innerhalb eines Tages fast vollständig zu entvölkern und die Menschen auf‘s Land zu bringen, damit sie dort unter sklavenbedingungen als Bauern arbeiten konnten. Das führte soweit, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung in den 70er-Jahren ihr Leben ließ.
    Am Anfang wurden die Roten Khmer von den sozialistischen Staaten unterstützt, als diese sich aber gegen sie wendeten, begannen auf einmal die Amerikaner damit, ihnen im folgenden Bürgerkrieg beizustehen.
    Bei diesem Krieg wurde ein großer Teil des Landes vermient, was noch heute zahlreiche Tode und Behinderungen zur Folge hat, denn natürlich wurden die Minen nicht wieder geräumt.
    Dieser Aufgabe kommen seither zahlreiche nationale und internatiale Organisationen nach. Die berühmteste ist wohl die Organisation von Akira, einem früheren Kindersoldaten der Roten Khmer, der sich später gegen sie stellte und der inzwischen etwa 100.000 Minen von Hand entschärft hat. Insgesamt gab es in Kambodscha zu Höchstzeiten doppelt soviele Minen wie Einwohner.

    Am letzten Tag unseres Aufenthaltes schauten wir uns noch ein Schattentheaterstück an, das zwar etwas unorganisiert war, aber von einer wirklich liebenswerten Puppenspielergruppe gespielt wurde.
    Leider habe ich hiervon kein Video im Internet gefunden. Dafür aber ein exemplarisches:
    https://www.youtube.com/watch?v=lkufDz_xyxo
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  • Day45

    Don Khon

    April 23, 2017 in Laos ⋅ ☀️ 20 °C

    Pakse und die „4000 Islands“ trennen nur eine halbstündige Autofahrt. Die Inseln selbst liegen im Mekong, der mit einem der Boote überquert werden muss.
    Der Name der Region kommt davon, dass der Mekong hier besonders breit ist und zahlreiche kleine Inseln beherbergt, die bis vor ein paar Jahrzehnten noch ein völlig autakes Leben mit Subsistenzwirtschaft geführt haben. In der Regenzeit schrumpft die Anzahl der Inseln, denn die kleineren werden einfach überspült.

    Wir kamen zunächst als einzige Gäste in einem größeren Hotel auf Don Khon unter. Im Vorfeld hatten wir uns gegen einen Aufenthalt auf Don Det entschieden, weil es bei uns im Vergleich weniger Partys geben sollte. Wir wollten die nächsten Tage einfach nur mit Nichts- oder zumindest Wenigtun verbringen. Am ersten Tag unseren Aufenthalts machten wir auch nichts anderes, als uns ein anderes Hotel zu suchen, weil wir gerne einen Pool und einen Bungalow haben wollten und zu lesen.
    Aktuell lese ich den zweiten Band der Expanse-Reihe und bin noch immer gefesselt. Ich bin nicht sicher, ob ich in den nächsten Monaten noch etwas anderes lesen werden. Parallel lese ich zwar immer noch ein Sachbuch, aber Expanse hat es mir so angetan, dass ich den Rest der Zeit in Asien nu mit lesen verbringen könnte.

    Am nächsten Tag zogen wir um und gammelten weiter rum. Ich bin im Entspannen nicht so gut wie Silke. Als Beschäftigung habe ich einen Online-Tropenmedizinkurs bei der Duke-University angefangen und versuche jede Woche ein Thema zu bearbeiten. An diesem Tag schaffte ich sogar zwei: Malaria und die Schlafkrankheit. Außerdem habe ich angefangen etwas Khmer für unser nächstes Ziel, Kambodscha, zu lernen. Wie gesagt, ich kann entspannen nicht so gut.
    Dafür ist Khmer echt spannend. Ein gigantisches Alphabet. Die Vokale werden um die Konsonanten rum arrangiert und sie können lang oder kurz ausfallen. Dafür fallen die Töne weg, die das Vietnamesischlernen für mich so schwer gemacht haben. Khmer weist allerdings bis auf „sch“ und „f“ eine Vielzahl von Lauten auf, so dass es für Kambodschaner verhältnismäßig leicht ist, Fremdsprachen zu lernen.
    Schon nach dem ersten Lehrvideo hatte ich beschlossen, dass ich es gar nicht erst mit der Schriftsprache aufnehme und stattdessen nur Phrasen lerne.
    Wer es mal hören möchte:
    https://www.youtube.com/watch?v=fG9XYCNEfZE

    Am Mittag wurde unsere Ruhe allerdings von einer im Hotelrestaurant einfallenden Touristengruppe gestört. Wir vermuten, dass es Chinesen oder Koreaner waren. Das ist natürlich nur geraten, aber es sind neben Japanern, die wir sprachlich raushören würden, die einzigen Asiaten mit wirklich breitem Mittelstand, so dass zumindest der Verdacht nahe liegt.
    Nach dem Essen turnte die Gruppe, deren Durchschnittsalter etwa bei 55 lag über das gesamte Hotelgelände und schaute sich alle Bungalows an. Sie gingen sogar auf die Terrassen, um sich gegenseitig zu fotografieren und trieben uns so ein wenig in den Wahnsinn…
    Zwar war das nach guten zwei Stunden vorbei. Dafür zog eine Großfamilie neben uns ein. Ein älteres australisches Pärchen zog im Verlauf des Ganzen sogar aus. Wir nahmen alles mit Humor, so gut es ging jedenfalls :-)

    Am darauffolgenden Tag fiel uns die Decke auf den Kopf und so verbrachten wir den Nachmittag am berühmten Wasserfall der Insel. Hier rauscht ein großer Teil des Mekong in Kaskaden ein paar Meter hinunter. Tief war er zwar nicht, dafür aber der wasserreichste Fall in ganz Laos. Die Einheimischen hatten sich alle Mühe gegeben, rund herum eine Art Gartenanlage aufzubauen. Besonders schön waren hier zu „Bäumen“ gebündelte Bambusrohre, die weit unten stark miteinander verwachsen waren, so dass der Eindruck eines soliden Stamms entstand. Weiter oben fächerten sie sich dann auf, wie Palmen.

    Hier sahen wir auch zahlreiche Echsen, die wir noch nicht kannten. Die Umgebung schien ihnen freundlich gesinnt zu sein. Sie waren unheimlich groß und wirkten gut ernährt.
    In den Städten werden sie von den Katzen gejagt, so dass die meisten von ihnen es nicht bis zur vollen Größe schaffen.

    Das Highlight unseren Aufenthalts war aber wohl unsere Fahrt zu den Irawadidelfinden, die im Mekong leben. Hierzu mussten wir mit dem Fahrrad über Don Khon zu einem kleinen Strand fahren und uns dort ein Boot mit Fahrer mieten, der uns dann über den Fluss zu ihrem Aufenthaltsort brachte.
    Es soll im Fluss angeblich grade noch 80 Stück von ihnen geben und zunächst sah es so aus, als würden wir keine sehen, bis irgendwann eine kleine Wasserfontäne zu erkennen war. Irawadidelfine können nicht lange tauchen, so dass sie sehr regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen und Luft zu holen. Als wir eine Weile mit abgeschaltetem Motor im Wasser getrieben waren, kamen sie bis auf 10 Meter heran. Man konnte sie sogar atmen hören.
    So richtig zu sehen bekamen wir ihn allerdings kaum, denn er springt nicht so auffällig aus dem Wasser, wie andere seiner Artgenossen. Manchmal sah man seinen Kopf, der etwas an den eines Wales erinnert, manchmal auch nur die Flossen.

    Ein guter Abschluss für Laos. Gleich am nächsten Morgen wollten wir die Grenze nach Kambodscha überqueren...
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