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  • Day42

    Kętrzyn (Rastenburg)

    July 13, 2017 in Poland ⋅ 🌙 12 °C

    Auf dem Weg nach Vilnius machten wir für eine Nacht in Kętrzyn, dem früheren Rastenburg, halt. die Stadt selbst hat bis auf ein oder zwei Gebäude aus der Preußenzeit nicht viel zu bieten. Wir kamen in einem bunkerartigen Hotel unter, dessen Ausblick sich auf einen Parkplatz beschränkte. Wir hatten etwas Glück, denn offensichtlich war eine Gruppe von Oldtimerliebhabern auf der Durchreise in unserem Hotel abgestiegen. Außerdem konnte man später am Abend noch einer gigantischen Anzahl an Schwalben beim Insektenfang zusehen.
    Wir hatten uns für Rastenburg entschieden, weil der ehemalige Nazibunker Wolfsschanze in der Nähe lag. Der Name rührt von einem der Codenamen für Hitler her, der als Schutzgründen als „Wolf“ bezeichnet wurde. Ironischerweise fand grade in der Bunkeranlage, die nach seinem „Schutznamen“ benannt war, ein Attentat auf ihn statt. Am 20. Juli 1944 deponierte General von Stauffenberg in einem der Lageräume eine Bombe, die vier Personen tötete, aber Hitler nur leicht verletzen konnte.
    In Folge des Attentatsversuchs wurden etwa 150 Personen aus zahlreichen Ebenen noch Politik, Militär und Polizei hingerichtet. Das Attentat wird von vielen Quellen als vornehmlich moralisch motiviert gedeutet. Allerdings gibt es dazu auch andere Stimmen, die die Hintergründe eher als militärische Notwendigkeit deuten.
    Unabhängig davon war dies nicht der einzige Attentatsversuch auf Hitler. National Geographic hat dazu sogar eine Doku gemacht: 42 Ways To Kill Hitler
    https://www.youtube.com/watch?v=UKh3eC41Gto&t=6s

    Heute ist von der Bunkeranlage nicht mehr viel übrig. Einzig das ehemalige SS-Quartier ist noch intakt. Man kann dort übernachten und Mittagessen. Das spiegelt ganz gut den etwas eigenwilligen Umgang der Polen mit der Nazizeit wieder, was hinterlässt manchmal einen unangenehmen Beigeschmack hinterlässt.
    Die meisten anderen Gebäude wurden beim Rückzug der Nazis 1945 von ihnen mit mehr oder weniger großem Erfolg unter Einsatz von Unmengen an Sprengstoff zerstört.
    Die Reste liegen jetzt windschief im Wald herum. Die Vegetation hat sie sich schon zum Teil zurückgeholt, was uns ein wenig an die Tempel um Angkor erinnert hat. Auf den meisten von ihnen steht in großen Worten in mehreren Sprachen, dass man sie nicht betreten darf, was die zahlreichen Besucher allerdings nicht davon abhält genau das zu tun. Insgesamt ist das Gelände recht unübersichtlich. Den Bunker von Hitler haben wir sogar irgendwie verpasst, waren aber nicht wirklich traurig darum. Der Spaziergang war eindrücklich und wir haben ein wenig was lernen können.

    Auf dem Besucherparkplatz standen jetzt auch Oldtimer. Offenbar waren die Autoliebhaber auch nicht wegen Rastenburgs Altstadt in die Gegend gekommen.
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