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  • Feb19

    Mit Hilfsmotor

    February 19 in Vietnam ⋅ ☀️ 16 °C

    Oh je, was rast die Zeit. Ich war ein bisschen in Bewegung seit dem letzten Footprint:

    Rauf auf Mount Fansipan - mit der Gondel, keine größere Heldentat. Der ‚Sunworld‘-Konzern, der die Seilbahn auf den höchsten Berg Süd-Ost-Asiens vor ein paar Jahren in Betrieb nahm, hat gleich die komplette Bergkuppe mit riesigen Tempelanlagen und einem 600stufigen Treppenlabyrinth inklusive künstlichem Wasserfall überbaut. Und mit mehreren Gipfelschildern, damit es kein Gedränge für die Selfies gibt. Schmutzige Schuhe holt man sich hier also keine mehr, der Kontakt mit der Natur beschränkt sich auf die Aussicht. Sowohl die, als auch die Höhenluft beim Stufensteigen, waren allerdings atemberaubend.

    Runter durch die Reisfelder. Die Steinpfade sind ganz schön glitschig. Während man selbst in seinen Hundert-Euro-Trekkingstiefelchen schlitternd um etwas Halt bemüht ist, schleppen die einheimischen Frauen riesige Körbe mit Handarbeiten, die sie einem beim Mittagessen zum Kauf anbieten werden, und tanzen in ausgelatschten Flip-Flops wie die Gazellen um einen herum - immer die Hand reichend und besorgt darum, dass sich keiner der Touristen-Trampel die Beine bricht.

    Der Tourismus hat hier im Norden Vietnams der Emanzipation richtig Aufschwung gegeben. Die Frauen in den Dörfern waren es, die Englisch gelernt haben, und nun als Guides arbeiten können. Und natürlich habe auch ich dem mir grad mal bis zur Brust reichenden Engel, der mir an den steilsten Stellen lächelnd den Hals gerettet hat, mittags zwischen Frühlingsrollen und gebratenem Reis ein Halstuch abgekauft.

    Hoch - wieder auf dem Rad - in etwas entlegenere Gefilde als die Touristenschmelze Sapa. Ich dachte ja, mich wundert nichts mehr an Transportgut auf einem Moped: 30/40 Hühner in Drahtkörben plus die eigene Brut, 4-Meter-Bambusstangen, komplette Marktstände inklusive Sonnenschirm und Klapptisch, Kubikmeterweise Kartons und Lebensmittel - alles ganz normal. Aber als mich ein fröhlicher Typ mit einem toten Büffel auf dem Sozius überholte, habe ich doch nochmal Augen gemacht. Und MICH mit meinen zierlichen Ortlieb-Taschen gucken die Leute an wie vom anderen Stern. Ich glaub‘s nicht.

    Als der Tag dann lang wurde, die Straße steiler und steiler und ich echt aus dem letzten Loch pfiff, hatte ich ein ganz tolles Erlebnis: Da kamen von den winkenden Kindern am Straßenrand auf einmal ein paar Jungs angelaufen und haben sich abgewechselt, mich am Gepäckträger den Berg hochzuschieben. Der fröhlichste Hilfsmotor, den man sich vorstellen kann!

    Inzwischen konnte ich einen kurzen Blick auf China werfen und bin dann runter nach Hanoi, mit dem Nachtzug. Schlafwagenromantik inklusive Mahagoni-Vertäfelung und Schnittblumen im Abteil. Aber die Hauptstadt soll ihren eigenen Bericht bekommen.
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