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  • Jun16

    Das Leben der Kormorane

    June 16, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Wir Menschen schaffen es seither leider regelmäßig anderen Tieren Leid beizufügen oder sie gar auszurotten. Einer dieser Artgenossen wäre der Kormoran gewesen wenn man heute nicht so viel für den Naturschutz unternehmen würde. Am Morgen kann ich noch einmal so richtig Energie tanken. Ich stehe am Feld. Überall in den Bäumen hängen noch die morgendlichen Nebelschwaden fest. Kurz darüber kämpft die Sonne damit der Tag die Oberhand gewinnt. Bis zum Frühstück bin ich schon ein paar Kilometer geradelt als mir die ersten Enthusiasten von ihrer morgendlichen Vogelbeobachtung entgegen kommen. Für heute Früh ist ihre Arbeit soweit getan. Ich bekomme von ihnen gleichzeitig noch ein paar gute Tipps wie ich mir den Weg nach Stralsund einplanen kann. Unweit des Kumerower See steht eine Schlossruine. Wie schon oft geschildert ist hier die Zeit manchmal stehen geblieben. So ist das gesamte Schloss Dargun im vorigen Jahrhundert ausgebrannt und keiner konnte es sich leisten dieses wieder aufzubauen. Was nun? Not macht erfinderisch und man hat sich entschlossen aus dieser mystischen Ruine eine Art Kolosseum zu schaffen. Mit Open-Air Bühne und der wohl besten Akustik im gesamten Umland. Bis auf die Grundmauer gibt es kein Dach und kein Fenster mehr. Das war vielleicht auf den ersten Blick ziemlich unansehnlich und kann doch sehr verzaubern als ich dazu ein Stück mehr im Besucherzentrum erfahre. Immer öfter durchziehen jetzt breite Flussgräben und Moore die Landschaft. Bei Nehringen überquere ich die Trebel über die wohl beste erhaltene Holz-Zugbrücke in Mecklenburg und Vorpommern. Ich bin ja sonst nicht zimperlich wenn es über Stock und Feld geht. Das Fahrrad jedoch auf so einer knarrenden Brücke aus dem Graben zu fischen habe ich keine Lust. Genauso klappern aber die schweren Eisenketten und wackeln die Holzdielen. Ich schiebe lieber anstatt zu fahren. Ich bin unterdessen am Vormittag auf dem Weg endgültig an die Küste. Die zwei Vogelschützer vom Morgen haben mir empfohlen bei Niederhof einen Besuch im Wald abzustatten.
    Ein kleines beschauliches Dorf direkt an der Binnenküste der Ostsee. Am Horizont liegt bereits Rügen. Rings um mich kreischt es in den Bäumen. Von unten sehr ich nur dichtes Blätterwerk. Schier undurchdringliche alte Buchen und Eichen lassen keinen Sonnenstrahl auf den Boden fallen. Hier und da ein weißer Fleck am Wegesrand. Und plötzlich an einem Weiher mitten im Wald dreht sich das Bild um. Der Boden ist weiß übersäht, die Bäume sind sehr licht wenn nicht sogar größten Teils abgestorben. Und über allem wacht der Kormoran. Hier brütet eine ganze Kolonie von ihnen unter Naturschutz. Der Kormoran hat seine ganz eigene Geschichte. Seit jeher ist er ein kleiner Pechvogel. Er selbst ist ein Jäger und wird heute in Teilen Asiens für den Fischfang abgerichtet. Zum Teil scheint das lukrativer als andere Binnenfischerei. Jedoch stets zu Lasten der Tiere, die an das Fischerboot festgebunden und am Hals beringt werden um weder zu fliehen noch den Fischfang selbst zu verschlingen. Hier in Norddeutschland war sein schwarzes Federkleid sein Verhängnis. Zumal die Bäume auf denen er nistet regelrecht verätzt werden und absterben galt er lange Zeit als Todbringend. Er wurde vom Menschen fast ausgerottet und selbst die Eier hat man ihm zerschlagen aus Angst vor Unglück das mit ihm hereinbrechen würde. Der Glaube versetzt an der See Berge!
    Nur noch ein paar etliche Kilometer Pflastersteinstraße und ich gelange nach Stralsund. Das Ende vom Festland ist oft ein wenig rauer. Aber heute strahlt es im Sonnenschein und kein Lüftchen trübt den Himmel. Da fühle ich mich pudelwohl als ich bereits bei der Einfahrt in die Stadt an der bekanntesten Brauerei auf und um Rügen vorbeikomme. Hier ist die Heimat von Störtebecker. Der Sagenumwobene Seeräuber und einer der bedeutenden Vitalienbrüder in Nord- und Ostsee. Zu seinen Ehren gibt es hier alljährlich Festspiele, sein eigenes Bier und immer wieder voller Legenden umrankt, blutige Geschichten zur Seefahrt. Sein Leben war geprägt von der Hanse. Der Blütezeit des einflussreichen Seehandels im Baltikum. Heute zeugt von den Segelschiffen ausschließlich die Gorch Fock 1 noch von den Ruhmreichen Segelzeiten alter Tage. Ihr Schwesterschiff die Gorch Fock 2 ist Segelschulschiff der deutschen Marine und bis heute auf allen Weltmeeren unterwegs. Wenn ich mir diese "Nussschale" von der Nähe betrachte ist sie ein technisches Meisterstück. Doch die Matrosen zur See haben weiß Gott nichts zu lachen.
    Es ist später Nachmittag als ich entscheide überzusetzen. Brat mir einer nen Storch! Rügen ist von weitem schon größer als gedacht. Da gibt es noch so viel zu entdecken.
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