• Robert Fichtner
  • Robert Fichtner

Quer durchs Land

This will become a story about Germany. Maybe its gonna become a long time story. Have a look whenever you are interested. --- In Deutschland liegt meine Heimat. Also warum sollte ich die Welt bereisen wenn ich noch nicht mal mein eigenes Land kenne? Read more
  • Übung macht den Meister

    Jan 18–23 in Austria ⋅ ⛅ -4 °C

    Es ist ein bisschen so wie jedes Jahr. Kaum hat das neue Jahr Fahrt aufgenommen geraten die guten Vorsätze ins Hintertreffen. In diesem Jahr hatte es sogar wieder mal ein paar Tage zum Ski fahren vor der eigenen Haustür gereicht. Dann ruft die Arbeit hier und da und schlussendlich reift die Überzeugung - eigentlich kommt der Aufruf sich neben allem Übel auch noch fortzubilden gerade Recht. Gleich am Samstag Abend nach der letzten Schicht geht es auf die Straße gen Süden. Den Schlafsack und die dicke Winterjacke habe ich vorsichtshalber immer mit dabei.

    Nach langer, anstrengender Anreise fallen mir am liebsten die Augen zu. Ein langes Gähnen am Nachmittag ist fast schon obligatorisch. Selbst wenn gerade erst der allererste Vortrag läuft. Auch über die nächsten Tage stellt sich immer öfter die Frage, was unterscheidet eigentlich einen Fortbildungskongress von einem Spitzensport-Trainingscamp?

    Und je länger ich darüber nachdenke lautet die Antwort - Nichts!
    Man geht mit Ehrgeiz hin und setzt sich voll ein. Man lernt etwas, geht zum Teil ganz nebenbei bis an seine körperlichen Grenzen und hat hinterher ein Lächeln auf dem Gesicht wenn sich der Erfolg einstellt. „War doch alles gar nicht so schlimm….“

    Meine Unterkunft ist in einem gemütlichen Bauernhof. Die Bäuerin steht jeden früh um halb fünf auf um die Kühe zu versorgen und für meinen Kaffee frische Vollmilch zu zapfen. Der Kongress liegt dann in Sichtweite fast nur einen Schneeballwurf entfernt. Doch der Weg führt über die FIS Weltcup-Skipiste und ist steiler bergab als weit. Zu dem liegen die Temperaturen nach der Nacht immer so bei -14 Grad. Der kalte Atem könnte zu Erfrierungen führen. Nach fünf Minuten Schlitterpartie ist der Frühsport immer erfolgreich beendet.

    Zur Mittagspause strahlt hingegen die Sonne für ein zwei Stunden bevor sie schon wieder hinter dem Berg verschwindet. Die Zeit draußen zu verbringen braucht man mir bekanntlich nicht zwei mal zu sagen. Und so heißt es dieser Woche nicht selten zu Fuß rauf auf den Berg und mit dem Schlitten wieder runter! Doch Ach - der Weg ist vereist. Es hat zwar frostige Temperaturen nur leider keinen Schnee. Der wenige der liegt wird von der Sonne schnell in rutschiges Glas verwandelt und verschafft mir eine extra Trainingseinheit. Am dritten Tag will ich nicht mehr. Gemeinsam mit einer Kollegin geht es in die Talbachklamm. Die ist halb zugefroren und glitzert wunderschön wenn die Sonne bis zum Fluss reicht. Überall türmen sich die Eisfälle und dazwischen singen Meisen oder baden Wasseramseln als wäre der Frühling ausgebrochen und nicht etwa dass seit Tagen - 10 Grad und weniger herrschen.

    Zum Nachmittag geht bis spät abends der Kongress weiter. Meist schafft es der Kaffee jetzt nicht mehr den Zuckermangel vom Tag auszugleichen. Und so freut sich jeder wenn die letzte Fortbildung des Tages vorüber ist. Meist geht es noch gemeinsam essen und manches Mal auch noch ein wenig tanzen. Womit wir wieder beim Sport wären. In der Disziplin Schlafentzug sind die Apotheker spitze. Durch regelmäßige Notdienste stehen wir schließlich gut in der Übung. Und so hindert uns niemand daran hin und wieder nur mit einer halben Nacht in den neuen Tag zu starten. Den Heimweg, den muss ich mir allerdings schon wieder erkämpfen. Jetzt geht es den steilen Hang vom Vormittag wieder hinauf zum Bauernhof und nicht selten muss gerade jetzt auch die Pistenraupe den Schnee wieder aufbereiten. Regelmäßig bin ich an Passagen außer Atem an denen ich auf allen vieren sprinten muss und im Zweifel nicht einfach zur Seite springen kann.

    Der Sonnenschein hält sich die gesamte Woche. Zum Abschluss habe ich mir darum nichts geringeres vorgenommen als eine Gipfelbesteigung im Winter. Der Weg auf den Stoderzinken führt auf über 2000m. Mit Stock und Grödel kann ich mich gerade so auf dem Eis halten und genieße die zwei Stunden Aufstieg im Schatten der tief stehenden Sonne. Oben angekommen wartet ein kleines Kirchlein. Ich läute die Glocke als Dank dass ich gesund und sicher überall durch die Woche geschlittert bin. Ein letzter kleiner Klettersteig dann bin ich auf dem Gipfel. Der Blick über den Dachstein gen Westen und das weit unter mir liegende Gröbminger Tal ist eine schöne Entschädigung für all die Strapazen.

    Doch bald ruft der Heimweg. Jedes Training nützt nur wenn es hinterher in die Praxis umgesetzt wird. Also raus jetzt! Neues Jahr - Neue Ziele!
    Die Flusstäler gen Salzburg verabschieden sich im Nebel. Dort wo die Sonne im Januar nie scheint wächst zentimeterdicker Reif an den Bäumen und zaubert mir ein riesengroßes Lächeln.
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  • Deutschland auf der Spitze

    June 22, 2025 in Germany ⋅ ☀️ 14 °C

    Trotz dass ich mich manchmal so beengt fühle gehört Deutschland zu den großen Ländern dieser kleinen Welt und so hat es auch einige Höhepunkte. Ein Ort an dem wohl jeder Bergliebhaber hier einmal gewesen sein sollte ist die Zugspitze. Doch meist ist sie in Wolken verhüllt oder wer es nur halbherzig angeht fährt mit der Bahn hinauf.

    Doch was ein echter Bergfreund ist, der bereitet sich seelisch auf eine harte Probe vor. Am Abend vorher lockt mich das Johannisfeuer wieder einmal nach Ehrwald. Am löngsten Tag des Jahres stehen dort seit Jahrzehnten die Berge in Flammen. Hunderte Fackeln werden von Freiwilligen gezündet und bilden zumeist christliche Symbole aus den Bergen ab. Ich könnte meinen die Belohnung geht schon mal in Vorleistung damit ich sie auch noch genießen kann. Denn am nächsten Tag warten gut 2100 Höhenmeter auf mich. Hoch und so Gott will auch wieder runter.

    Der Wecker braucht gar nicht zu klingeln. Nach gerade einmal vier Stunden Schlaf ist es ohnehin schon wieder hell. Bis dann der Rucksack gepackt und das Frühstück im Bauch verstaut ist vergeht die Zeit schnell. Es müssen ja auch viele Kalorien rein. Der Tag hat jede Menge Herausforderungen.
    Noch schläft alles. Auf dem Campingplatz in Ehrwald schnarchen sie um die Wette. Und auch beim Aufstieg reichen nach einer Weile zwei Leute hinter mir aus die nicht einmal steil bergan endlich einmal ruhig sind, um davon zu laufen. Tief im Tal liegt noch der Morgennebel über den Feldern während ich die erste Pause an der Wiener-Neustätter Hütte einlege. In der Küche treffen sich gerade der Hüttenwirt, sein Companion und ein paar Leute die gestern beim Bergfeuer mitgeholfen haben. Der Companion erinnert mich sofort an Nepal! Wenn jetzt im Sommer Regenzeit ist gehen die Sherpas auf Wanderschaft und verdienen sich auf den Österreichischen Hütten ihr Geld. Der Sherpa freut sich und berichtet dass er aus der Everest Region für zwei einhalb Monate hier aushilft. Dann beginnt seine Saeson zu Hause bereits wieder. Die Touris am Everest sind selbst in der Regenzeit unermüdlich.
    Statt dem höchsten Berg der Welt geht es heute jedoch nur um den höchsten in Deutschland und das unter vorgehaltener Hand auch noch von Österreich aus. Schnell noch mit zwei Bergsteigern absprechen was mich erwartet. ‚Der Stöpselzieher‘. Ja Ja , Ok, alles klar… an diesem Morgen schätze ich mich eigentlich nicht als leichtsinnig ein. Dennoch wartet auf mich eine 600m hohe Wand die ich in den nächsten zwei Stunden durchsteigen muss, sonst komme ich oben nicht an. Die Route habe ich mir gestern Abend im Mondschein auf der Karte ausgesucht da sie auf kürzestem Weg zum Gipfel führte. ‚Tja nee alles klar‘. Schnell das Klettergeschirr angezogen, den restlichen Krempel gut verstaut und die herausfordernde Kletterpartie kann beginnen. Ein Teil des Klettersteiges führt durch einen Tunnel. Bergsteiger sind kreativer als ich dachte. Wer also zuerst den Korkenzieher, dann den Stöpsel und danach die Himmelsleiter durchstiegen hat, der schafft den Rest auch noch.

    Nach sechs Stunden erwartet mich zum Mittag das wohlverdiente Gipfelfoto. Doch dass hier über allen Gipfeln Ruhe herrscht ist Fehlanzeige. Stattdessen ein Schlange an Touris die mit der Seilbahn heraufgekommen sind. Die Zugspitze ist nun einmal gut erschlossen. Und leider finden auch viele Sonnenanbeter den Weg hier herauf die sich in ihren Kräften all zu sehr überschätzt haben. Hoffentlich nimmt sie eine Bahn wieder mit runter.

    Ich schaue mir auf dem Abstieg einmal die deutsche Seite des Berges an. Kein Glettersteig, kein Seil, kein …. Gletscher mehr. Nur noch blankes Geröll! Was einst mal 60m starkes Eis war verliert in den nächsten fünf Jahren gänzlich seinen Gletscherstatus. Schon heute gibt es nur noch einen einzigen kleinen Gletschertümpel. Die Sonnalpin Hütte hat von irgendwo her Schnee aufgeschüttet damit die Leute im Hochsommer 20m rodeln können. Und sonst? Geröll. Über die nächsten zwei Stunden Geröll. Man könnte meinen der Schneeferner verkommt zu einem riesigen Steinbruch. Während es schon öde ist bergab zu laufen kommen mir am späten Nachmittag vereinzelt Leute entgegen. Je jünger desto eher fragen sie wie weit es noch ist. Die ganze Zeit sehe ich zudem das Gipfelhaus. Die Deutschen haben eben nie gelernt wie man Leute bei Laune hält - so bestimmt nicht. Und noch weniger als ich auf der Knorrhütte das Stück Kuchen nur ab 7,60€ bekomme. Leute! Gerade im Abstieg ist Kuchen wichtiger wie Wasser!

    Der Tag und die gerade einmal 4 Stunden Schlaf zehren mittlerweile auch an mir. Ich will zurück nach Österreich. Nach dem ‚Gatterl‘ ist der Weg immer noch weit. Doch die Welt ist ein bisschen besser. Drei Murmeltiere kreuzen meinen Weg und lassen sich von mir nicht beim Abendessen stören. Aus dem Tal dringen die Kuhglocken zu mir herauf. Und ich habe diese endlose Geröllhalde hinter mir gelassen. Auf mich warten immer noch über 1.000 Höhenmeter.

    Weit unten im Tal treffe ich auf einen Franzosen. Der hat gerade Wäsche gewaschen und in die Bäume zum trocknen gehängt. Er läuft frohen Mutes von Triest über Slovenien, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz und Frankreich zurück zu seiner Freundin. Über Stock und Stein. 100 Tage zu Fuß. Warum er das tut frage ich ihn? Schnell sind wir uns einig. Der Mensch braucht Ziele. Und er braucht Träume um die Ziele mit Leben zu füllen. Es muss nicht immer am Weitesten oder am Schnellsten zugehen. Hauotsache machen! Ein ganz gewöhnlicher Sonntag reicht aus mal eben auf die Zugspitze zu gehen und für sich selbst ein lang geträumtes Ziel zu verwirklichen.
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  • Geheimnisvolle Stadt der Edelsteine

    Apr 26–May 1, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Opale, Smaragde, Brillanten, Diamanten und viele mehr - was macht diese Steine so besonders? Ohne all das wäre Idar-Oberstein nur eine herkömmliche vom Wahnsinn der Stadtväter ruinierte Stadt irgendwo im Nirgendwo der Rheinländischen Pfalz. Schlaglöcher, leere Fußgängerzonen, verlassene Geschäfte. Doch gerade weil es hier schöne Steine überall im Berg gibt wird die Suche nach der Geschichte der Edelsteine eine interessante Schnipseljagd.

    Die Arbeit bringt mich in die Region und erlaubt am Abend immer wieder Einblicke in einen ziemlich abgelegenen Fleck mitten in Deutschland. Wenige Ortschaften, großräumig umgeben von Militär und Truppenübungsplätzen der US-Armee, einer der kleinsten Nationalparks in Deutschland wurde hier aus dem Boden gestampft. Gerade mal 10km breit und 25 km lang erstreckt sich das Hunsrück über die höchsten Gipfel von Reinland-Pfalz.

    Hier und da sind am Abend noch ein paar Hunde auf Ihrer Abendrunde. Auf einigen Parkplätzen haben holländische Camper es sich gemütlich gemacht. Aber sonst stelle ich fest dass hier nicht all zu viele Menschen unterwegs sind. Egal zu welcher Tageszeit. Nur wo sind sie denn alle?

    Den letzen beißen die Hunte, sagt ein Sprichwort. Der Weg zum Edelstein ist lang und erschwerlich. Zumindest im ersten Anlauf am Sonnabend klappt es schonmal nicht in die Mine zu kommen und ich verschiebe die Welt der Reichen und Schönen lieber auf Sonntag. Stattdessen bekomme ich unerwartet am Morgen eine Torte spendiert. Gleich hinter den leeren Gassen der Stadt erhebt sich ein Fels mit Burgruine und mit einer Felsenkirche deren Inneres bis auf eine Fassade komplett in eine Höhle gebaut wurde. Hier erfahre ich auch vom Kupferbergwerk zu Fischbach.

    Sage und schreibe bis bis zu 40% Ausbeute an Malachit und Kupfererzen hat die Mine zu ihren Besten Zeiten gefördert. Eine Moderne Mine schafft es selten über 0,5%. Die sechs Tagewoche kannte man hier bereits im 12 Jahrhundert. Wer jedoch zu spät kommt bekam Minenverbot und Gehaltsabzug für eine Woche oder er wurde gleich als Manifest am Galgen gehängt. Das spornt zur Arbeit an. Überall in der Region trieben die Bergleute Suchstollen in den Fels. Ein Mann, ein Jahr, ein Meter sagte hier der Volksmund. Die Arbeit war mühsam! Doch was wir heute unter Recycling und Sortentrennung kennen, das konnten die Vulkane vor Millionen Jahren!

    Im Kaulenberg versteckt sich daher gleich nebenan kein einziges Stück Kupfer mehr, als denn vielmehr weiße und Violette Edelsteine. Die Leute waren bemüht den Stein möglichst immer im Ganzen zu behalten. Einmal aus dem Berg geholt konnte er geschliffen werden. Dafür gab es zu Hochzeiten 57 Edelsteinschleifereien entlang der Idar. Sie führten bis heute zu Wohlstand für die Region. Denn als der Ertrag im Berg nachließ fokussierten sich findige Handwerker auf den Edelsteinimport und das Schleifen ging bis heute weiter. Schöne Steine! Nur gut dass noch ein paar übrig sind.

    Der Abend klingt nachher aus bei einem Konzert mit Lance Lopez. Da hätten sich die Bergleute früher auch gefreut.
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  • Skågen

    August 2, 2024 in Denmark ⋅ ☀️ 19 °C

    Aufstehen, waschen, frühstücken, Zelt trocknen - soweit notwendig. Darin habe ich wieder ganz gut Routine erlangt. Und noch etwas scheint mir in die Wiege gelegt zu sein. „Zur richtigen Zeit am Richtigen Ort zu sein.“ Zumindest auf Reisen gilt das wohl sehr oft. Es kostet viel Mühe jeden Tag die notwendigen Distanzen zurückzulegen. Aber ich muss feststellen dass viele sich damit begnügen mit dem Rad draußen unterwegs zu sein. Manchmal sogar noch mit Kofferradio. Anstatt aber den Sonnenuntergang zu gucken sind die Leute mit denen ich das Lager teile vorher schon vom Strand weg weil sie denken dass sie nachher im Halbdunkel den Weg nicht wieder finden. Sie schnarchten bereits genüsslich als ich gerade mal mein Zelt aufbauen wollte. Ich bin wie immer spät dran, ich weiß. Aber ich lass doch nach so viel Mühe nicht das Finale ausfallen.

    Der Plan ist von der Nordsee zur Ostsee wieder überzusetzen. Dazu warten 60 km stures Radeln. Dann kann ich dort meine Taschen in einem Shelter einschließen und die letzten 20 km ans Ende der Welt kann ich dann mit leichtem Gepäck reisen. Oje, das Fahrrad ist ohne die Taschen ganz schön wackelig. Und es klappert! Morgen mache ich sofort wieder die Taschen ran.

    In Skågen ist geografisch die Welt ziemlich zu Ende. Dafür hat sich das Dorf für seine Besucher ordentlich herausgeputzt. Alles ist in Gelb und weiß getüncht. Doch auch hier herrscht ein ewiger Kampf gegen die Wanderdünen. Eine Kirche in einem Vorort von Skågen hat ihn 1800 verloren. Samt Friedhof wurde sie entweiht und vom Sand verschüttet. Der Kirchturm war aber als Landmarke für die Seefahrer so wichtig dass er wieder aufgebaut und weiß getüncht wurde.der Rest liegt mittlerweile 20m unter dem Sand. Altar, Taufbecken, alles was man dem Teufel denn unfreiwillig aber mit Genugtuung überlassen wollte.

    Noch einmal sind es ein paar Kilometer aus dem Dorf heraus. Ein altes Leuchtfeuer deutet darauf hin wie gefährlich die Landzunge und ihre Untiefen einst für die Seefahrer waren. Vom zweiten Weltkrieg ist auch hier sehr vieles mit Bunkeranlagen übersäht. Aber irgendwann trennt die Nord- und Ostsee nur noch ein drei Meter breiter Streifen der seicht im Wasser untergeht. Von Westen brausen die Wellen heran und ebben prompt ab weil es nicht um die Spitze geht. Hier stehe ich nun und habe nach 6 Tagen Dänemark bereits einmal längs durchquert. Neben den vielen Stoneman Titeln die ich beim Radfahren bereits tragen darf fehlt noch einer für den Aquaman oder so. Der der die Meere verbindet. Es ist ja schließlich auch nicht das erste Mal dass ich von einem Meer zum anderen fahre.

    Eigentlich könnte die Reise hier zu Ende sein und ich kann mich getrost schon wieder auf den Heimweg vorbereiten. Aber bekanntlich geht es hinter dem Ende der Welt weiter und nur weil ich dieses eine Ende jetzt kenne habe ich längst noch nicht alle gesehen.
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  • Leuchttürme anstatt Berge versetzen

    August 1, 2024 in Denmark ⋅ ⛅ 17 °C

    Es hat sich gelohnt. Als ich an meinem Nachtplatz ankomme sind bereits zwei Frauen da und vier Ponys. Die beiden sind 3 Tage mit dem Karren quer durch Jütland unterwegs und wollen zwei der Ponys neu in das Gespann einlernen. Die vier haben natürlich nichts besseres im Sinn als den ganzen Tag zu fressen. Aber die sehen dennoch so süß aus!

    Die beiden Frauen schätzen ebenso wie andere vor ihnen das kleine Örtchen Nibe sehr. Insbesondere die ansässige Eisdiele im Hafen. Eis in Dänemark ist zwar außerordentlich teuer dich die Dänen scheinen es zu lieben. Im Sommer sieht man kaum jemanden ohne ein Eis in der Hand laufen. Handgemachtes Milcheis ist nun mal aber auch etwas anderes als Softeis und Geschmacksverstärker. Ich fahre heute also erst recht spät weiter und genieße mit den beiden lieber noch einen Kaffee am Morgen. So zeitig steht hier in Dänemark nämlich niemand auf wenn er nicht ins Büro muss. Als die Eisdiele dann endlich öffnet dauert es tatsächlich keine zehn Minuten und die ersten zwanzig Mann sitzen mit einer großen Tüte Eis ringsum an den Tischen. Die Sorten sind nicht außergewöhnlich aber auch ich muss zugeben dass sich der Hafenbummel und der Weg bis dorthin gelohnt haben.

    In Aalborg überquere ich den „Lindwurm“. Das Meer teilt hier Dänemark komplett in zwei Hälften auch wenn es nur aussieht wie ein Fluss. Aalborg selbst ist wieder mal eine Großstadt wie jede andere. Ich habe aber auch zum Ersten Mal dieses Jahr eine richtig schöne Kunstgalerie gefunden! Und jetzt zieht sich der Weg noch endlose 50km bis zum Supermarkt. Ich habe ja immer so gewisse Vorstellungen was ich gerne Essen möchte und dass es abwechslungsreich ist. Aber umgekehrt möchte ich jetzt auch nicht Tonnenweise mitschleppen auch wenn der Fahrradparkplatz selbst dafür ausgelegt wäre.

    Grund für diese weite Strecke ist jedoch eine Wanderdüne die bereits ganze Dörfer aufgefressen hat. Die Nordsee frisst sich hier unentwegt in das Land hinein dabei überrollt sie Wälder, Häuser, ja sogar Kirchen, Friedhöfe und Leuchttürme. Rubjerg Knude ist so einer. Während die umliegenden Häuser binnen 30 Jahren von einer Wanderdüne vollends verschluckt wurden grub man den Leuchtturm wieder aus und versetzte ihn 70m ins Landesinnere weil sein Leuchtfeuer durch die Düne nicht mehr zu sehen war. Das ist fünf Jahre her und heute hat man schon wieder Angst dass das nicht ewig so hält. Man hat den Leuchtturm daher außer dienst gestellt. Bleibt die Frage: ist das Kunst oder kann das weg? Entscheidet selbst!
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  • Kleijtrup - die Welt zu meinen Füßen

    July 31, 2024 in Denmark ⋅ ☁️ 19 °C

    Was für einen Luxus man doch haben kann wenn man sein Hab und Gut auf vier Taschen und ein Fahrrad beschränkt. Das durfte ich letzte Nacht in Borridsø erleben. Normal besteht ein Shelterplatz aus nem Tisch, einer Bank, wer Glück hat dann mit Feuerplatz und dazu eine irgendwie überdachte Hütte, oder ein Stall. Mehr braucht es ja auch nicht. Aber das hier! Eine Rund angelegte Hütte mit Feuerstelle in der Mitte lädt am Abend dazu ein sich am liebsten in den Schlafsack zu legen und dem Feuer beim knistern zuzuhören. Dazu noch ein Toilettencontainer und Frischwasser das vom Dorf bewirtschaftet wird.

    Diese Art von Plätzen ist viel zu wenig bekannt. Weil sich auch kaum ein Radfahrer freiwillig in diese hügelige Gegend verirrt. Da treffe ich mehr Urlauber die auf den umliegenden Seen und Dänemarks längstem Fluss Kanuwandern. In dem Kleinen Dörfchen Kleijtrup will ich zu Mittag anhalten. Mir wurde empfohlen hier auf einen Abstecher herzukommen. Auf den ersten Blick ein Familienausflugsziel. Überall quirlen Kinder umher, Eltern haben dennGrill ausgepackt und nebenan lockt ein Streichelzoo. Die eigentliche Attraktion liegt zu meinen Füßen. Die Welt auf 100 x 200m. Eingebettet in einen See bilden Sande die Wüsten, Steine die Gebirge und die Inseln ab und die Länder der Erde haben allesamt ihre Flagge bekommen. Der Aussichtspunkt könnte ruhig noch höher sein um die Welt zu überblicken. Ein sehr enthusiastischer Däne, Sören Pauolsen hatte hier langweilige Winter und baute sich selbst einen Zugschlitten um kleinere Findlinge von den umliegenden Feldern hier her zu ziehen, auf dem Eis zu platzieren und dann zu warten bis alles geschmolzen ist um es mit Erde, Sand und Wasserrinnen für die wichtigsten Flüsse der Welt zu befüllen. Heraus kam eine hübsche Weltkarte.

    Dass die Welt schon einmal anders aufgeteilt war zeigen uns die Wikinger. Die haben nämlich das Flache Wasser der Nord und Ostsee perfekt beherrscht und ihre Festungen weit in die Fjorde ins Landesinnere gebaut weil ihre Schiffe wenig Tiefgang hatten. Gut für mich denn so habe ich nur einen kurzen weg und muss mich nur zwei weitere Hügel hoch kämpfen bevor ich schon wieder Pause machen kann. In Fyrkat haben Ausgrabungen eine alte Ringburg aus dem 10. Jahrhundert hervorgebracht. Dazu noch ein Druidengrab, allerlei Metallfunde zu Kriegszwecken als auch als Schmuck und heute hat man versucht die Langhäuser und die umliegenden Bauernhäuser so gut es die Experimentalarchäologie zulässt zu rekonstruieren. Aus der Wikingerzeit sind leider keine Originalfunde von Gebäuden mehr in Dänemark überliefert.

    Nach dem Obligatorischen Eis - teuer aber immer noch billiger als Kuchen - kämpfe ich erneut zwei Stunden gegen den Wind. Er weht heute ungewöhnlich lange. Sonst geht er meist 19 Uhr schlafen. Wie zu Hause. Zum Schluss entscheide ich mich zu radikalen Mitteln. Lieber noch einen Kilometer mehr und dazu noch auf unbefestigten sandigen Feldwegen wo vorankommen auch nicht viel leichter ist als denn weiter gegen den Wind.
    Hoffen wir mal dass sich das gelohnt hat.
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  • Aarhus

    July 30, 2024 in Denmark ⋅ ☀️ 24 °C

    Der Tag beginnt gleich neben meiner Herberge an spannend zu werden. Die Geographen streiten sich bis heute ob nun der Hügel Møgelhøj oder nebenan der Eyer Bavnehøy die höchste Erhebung in Dänemark sind. Ich finde beide schön. Den einen wegen der tollen Aussicht, den anderen wegen der fast unberührten Wanderwege quer durch die reifen Himbeeren. Das zweite Frühstück wird heute sehr ausgiebig.

    Was folgt ist eine große Durststrecke nach und durch Aarhus. Ich hatte von vielen schon gehört dass sie das Flair von Aarhus anzieht. Eine Großstadt bleibt für mich eine nervige Großstadt. Mit allen Radfahrhindernissen inklusive. Doch ich finde meinen Weg und ich finde sogar noch ein nettes Cafe. Obwohl die Preise stets unbezahlbar sind lieben die Dänen ihre Cafes doch sehr. Es gibt sogar ein Spielecafe bei dem man in geselliger Runde zusammen sitzt, Kaffee schlürft und nebenher Würfelt, karten Klatscht oder sogar ganze Brettspiele ausgepackt werden. Ein zusätzlicher extremer Nachteil an der Küstenstadt ist dass es nachher wieder ins Landesinnere wieder Bergauf geht.
    Und leider nicht nur einmal. Die meisten Straßen verlaufen so wieviel Gras unter ihnen vormals eben gewachsen ist. Und wenn ein Flüsschen kommt dann sackt die Straße schon auch mal 60m ab. Und hinterher kommt dann das Schild mit der Ansage zur Steigung.

    Zwischen all den Hügeln liegen jedoch auch immer wieder schöne Herrenhäuser und Mühlen versteckt. Hier lohnt es sich die Fahrradroute fernab der Hauptstraße zu nehmen.
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  • Die Bergankunft

    July 29, 2024 in Denmark ⋅ ☁️ 21 °C

    Ich bin gleich der erste der sein Zelt wieder zusammen gepackt hat und ab in die Bucht zum Strand. In Kolvo liegt eine kleine Insel mit herrlichem Blick auf die Ostsee und ich muss nicht gleich wieder auf die Fernstraße um vorwärts zu kommen.

    Das ist heute aber das Stichwort. 90 km Luftlinie trennen mich und meinen Gastgeber heute Abend. Und die Straße kann endlos sein! Überall gibt es gut ausgebaute Radwege, keine Frage, da kann Deutschland nicht mithalten. Im Schnitt nutzen den am Tag über Land aber auch 300 bis 500 Radfahrer. Auch da kann Deutschland nicht mithalten.

    Auf dem Weg nach Kolding komme ich an die Grenze wo einst König Christian gegen den Adel von Holstein ankämpfte um dass Dänemark nicht deutsch würde. In Kolding selbst steht aus dieser Zeit heute noch die dänische Festung Koldinghus. Von der Architektur der Städte darf man sonst nicht viel erwarten. Sie sind zum teil schön anzuschauen, wirken jedoch nicht so typisch wie eine Altstadt in Deutschland. Der historische. Charakter ist meistens den letzten 100 Jahren gewichen als zweckmäßige Handelshäuser eine größere Rolle spielten. Nach meinem ausgiebigen Spaziergang bin ich ein wenig Verzug denn noch immer sind es 70km bis zum heutigen Ziel. Und der Wind kommt immer schön von vorne.

    Doch wer denkt Dänemark sei flach, der irrt! Flacher wie Schottland, ja. Aber meist sind die Dörfer unten am Meer und der Weg verläuft oben auf einer Reisehöhe um die 80m also immer schön hoch und runter. Das gute ist dass gerade die Mirabellen reif sind. Zwar verzögert dass die Weiterfahrt nur noch weiter aber es ist stets eine genüssliche Pause.

    Und dann kommt es zum Schlussanstieg. Aus den 90km sind mittlerweile 120km geworden als ich feststelle dass ich heute mal eben noch auf dem höchstgelegenen Dorf in Dänemark vorbeikomme. Uff. Da lässt die Kraft doch gleich doppelt nach. Aber der Ausblick entschädigt bestimmt, denke ich. Und so freue ich mich auf meine Gastgeber, wir genießen den Abend auf der Veranda und geschlafen wird in der Hängematte. Was eben zu einem Miniabenteuer so alles dazu gehört.
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  • Über die Grenze

    July 28, 2024 in Germany ⋅ 🌬 21 °C

    Verkehrte Welt in Deutschland. Der Lärm der mich am Abend um den Schlaf brachte kam vom größten Holsteinischen Volksfest nur anderthalb Kilometer von meinem Schlafplatz entfernt. Sonst schlafe ich in der Regel bei Vogelgezwitscher und Krötengequake ein, Früh komm ich daran dann vorbei und das ist wirklich eine Stadt in der Stadt. Nebenan beim Bäcker gibt es Sonntagsfrühstück und im Angebot steht „Allgäuer Pflaumenkuchen“. Ich war mir ja gestern schon nicht sicher ob ich auf dem Weg nach Lindau richtig bin.

    Am Badesee zum Mittag bin ich noch nicht wirklich weit gekommen. Der Gegenwind quält mich heute ein wenig. Ein bisschen Sonntagsmüdigkeit ist aber denke ich auch erlaubt nach 800km. In Flensburg lasse ich es mir nicht nehmen wenigstens einmal mit dem Finger auf das KBA zu zeigen. Nicht nur die Fernradwege in Deutschland sind teils eine Zumutung. Das Kraftfahrtbundesamt ist derzeit ebenso eine Baustelle. Es wird also höchste Zeit dass ich mir im Norden einmal anschaue wie es besser geht. Zuvor genieße ich den Blick vom Wasserturm über die Flensburger Bucht und die Stadt. Die Architektur lässt zu wünschen übrig aber von oben schaut die Stadt sehr grün aus. Und was ich nach so einer Enttäuschung wie Kiel und Eckernförde nie erwartet hätte. Es gibt hier einen schönen Hafen in der Bucht! In einer Museumswerft kann man live miterleben wie alte Museumsschiffe wieder auferstehen.

    Es ist schon wieder viel später als mir eigentlich lieb war als ich endlich die Grenze passiere. Um den Flüchtlingsströmen Einhalt zu gebieten und das eigene Sozialsystem zu stärken wurden sogar die Grenzkontrollen wieder hoch gefahren. Und danach in Pattburg bin ich erst einmal verloren. Die Beschilderung der Radwege ist alles andere als logisch, die Anwohner sind auch nicht happy wenn ich durch ihre Nachbarschaft rum eier. Aber wir werden uns schon noch kennen lernen. Ich bin ja noch ein paar Tage da. Das Rad ist jedenfalls bester Gesundheit wenn man das nach 51.000km noch so nennen darf. Die nächsten Kilometer verfliegen regelrecht dass mir eher mal der hintern weh tut als dass ich das Bedürfnis nach Pause verspüre weil die Beine müde sind.

    Am Ende steht ein kleiner Campingplatz irgendwo am Waldrand. Als ich ankomme bin ich erstmals diese Reise am Abend nicht allein. Eine Schweizer Familie und zwei Franzosen sind schon da. Die Sonne ist untergegangen und für heute heißt es nur noch Gute Nacht. Einzig was ich zum Einschlafen lieber hatte war wenn im Wald das Reh ruft oder der Kauz anstatt dass der Zeltnachbar schnarcht.
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  • Deutschlands Fjorde

    July 27, 2024 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C

    Der See liegt noch ganz still. Die Sonnenstrahlen kitzeln das Wasser und der See neben meiner Hütte lädt am frühen Morgen zum Baden ein. Dafür dass 300m neben mir zwei Hotelhochburgen stehen gehen erstaunlich wenig Leute früh joggen oder mit dem Hund Gassi. Der weg bis Kiel schlängelt sich durch die Dörfer auf und ab wie man das aus der Schweiz gewohnt ist. Kiel selbst finde ich hingegen keine besonders sehenswerte Stadt da hat mir Lübeck sehr viel besser gefallen. Ich frage mich was die ganzen Touristen zu sehen suchen die hier mit dem Kreuzfahrtschiff anlanden. Zwei Kreuzfahrer liegen an und es gibt ja noch etliche Fährlinien nach Skandinavien. Die Strände und der Uboot Hafen rings um die Kieler Bucht liegen so weit draußen dass ein Abstecher nicht lohnt. Erst recht nicht am Samstag wenn alles von Urlaubern überzogen ist. Denen die abreisen als auch denen die gerade kommen. Die Buchten sind ebenso der Skandinavischen Fjorde so weitläufig dass ich mir vorab genau überlegen muss wie ich meine Route plane. Das pharmaziehistorische Museum hätte mich tatsächlich noch interessiert aber wegen seiner komischen Öffnungszeiten (Montags und Samstags geschlossen) muss ich das vertagen.

    Raus aus Kiel, ich will wieder aufs Land. Und jäh werde ich am nächsten „Fjord“ gebremst. Die Brücke über den Nord-Ostseekanal gibt es nicht mehr. Schwimmen wäre an Europas meistbefahrener Wasserstraße auch zu gefährlich. Es bleibt mir nur landeinwärts zu radeln bis mich mal eine Fähre übersetzt. Nur um dann so Pi mal Daumen quer durchs Land zu meiner Route zurück zu finden. Dabei denke ich bald dass ich mich jäh verfahren habe oder im Kreis unterwegs bin. Gestern war Berlin mit 4km ausgeschildert heute stehe ich vorm Ortseingangschild von Lindau. Und ich dachte ich fahre nach Norden, fehlt nur dass ich in Brasilien rauskomme.

    In der Bucht von Eckernförde sind heute alle Waldwege mit Baustellenband gesperrt. Mit einem Polizisten komme ich ins Gespräch und der meint ich hätte noch die Wahl gleich Nebenan auf dem alten Herrengut spielt heute Abend der Klassiksommer und ich höre nur wie einer übt der scheinbar ein ganz altes Klavier wieder ausgegraben hat. Ja und zwei Kilometer weiter am Strand ist heute Technofestival. Die einen schräg, die anderen laut. Das Eis dazu noch unverhältnismäßig klein. Eckernförde lockt mich auch nicht.

    Ich erledige noch den Einkauf für Sonntag und im Anschluss geht es noch an die Schlei. Das ist Deutschlands längster Fjord. Er reicht von der Küste bis nach Schleswig. Allerdings bin ich nich keine zwei Kilometer gefahren weißt mich ein Schild hin das wieder mal eine Brücke gesperrt sei. Die nächste wären 25km extra was ich heute nicht mehr schaffe und Fähren? Die sind außer betrieb weil kaputt… erklärt mir ein Anwohner. Ja warum sollte es zu Hause auch anders zugehen wie in der dritten Welt. Dadurch sind allerdings meine Optionen stark eingeschränkt. Ein paar Kilometer weiter frage ich nochmal einen Anwohner. Ja, am Wochenende gibt es auf der Baustelle eine Fußgängerbrücke, die ist offen. Den Menschen schickt der Himmel! Und so lohnt sich die Anfahrt ins Niemandsland denn doch. Am Ende genieße ich einen herrlichen Sonnenuntergang. Ich muss aber genauso eingestehen dass Deutschlands Fjorde mit den Schwierigkeiten der Norwegischen mithalten können.
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  • Lübeck

    July 26, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Die Hansestadt Lübeck ist für viel sehenswertes bekannt. Marzipan, Stockfisch oder auch das Holstentor. Womit fang ich an? Es ist heute nicht so früh am Morgen dass ich meinen Schlafplatz verlasse. Ich bin bei einer Gastgeberin im Gründerviertel direkt neben der Altstadt untergekommen. Die Wege in Lübeck sind unterdessen kurz. Die Stadt wurde komplett auf einer Insel errichtet. Am Morgen bevor die Läden öffnen ist die Innenstadt noch wie leer gefegt. Die ganzen Backsteinhäuser wirken ohne die vielen Menschen irgendwie viel ehrwürdiger. Und später gibt mir der Spürsinn Recht. Kaum kommen die Tagesgäste vom Frühstück gleicht das Holstentor einem Jahrmarkt. Dabei war es schon immer ein Zoll und Verteidigungstor. Durch seine Lage warLübeck ein wichtiges Handelstor zwischen Schweden und dem Süden. Die einen brauchten Schmuck Tuch und Wein, die anderen Hingegen Fisch und allerlei Nahrungsmittel für die stets hungrige Bevölkerung im Süden. Damit ließ sich gut Zoll eintreiben. Z.B. 5 Pfennige wenn man zu Barfuß in die Sradt wollte und sogar zwanzig Pfennig wenn man Schuhe anhatte. Die Lübecker Handelsflotte hatte zeitweise die Vorherrschaft über weite Teile der Ostsee und wie es am Holstentor heute immer noch prangt stellte Lübeck, aber auch andere Hansestädte wie Hamburg sich gleich mit den großstädten des Römischen Reiches. Auch wenn sie nie dazu gehörten. Davon zeugt noch heute die Inschrift in großen Lettern.

    Womit die Lübecker jedoch nie handelten waren Marzipan Rezepte. Vermutlich schon vor über tausend Jahren überlieferten alte Rezepte das Handwerk für Marzipan. Hier in Lübeck fand das großen Anklang und es entwickelten sich über 180 Marzipan Manufakturen innerhalb der Stadtmauern. Die bekanntesten sind heute noch Mest und Niederhagen.
    Die einen haben sogar ein kleines Museum mit Alten Formen und einigen lebensgroßen Marzipanfiguren. Die anderen haben das weitaus saftigere Marzipan. Lecker!

    Bei Kaffee mit Marzipan und einem Stück Walnustorte lasse ich es mir gut gehen. Während es draußen kurz regnet füllt sich das kleine Cafe in Windeseile bis auf den letzten Tisch und ein älterer Herr tritt an mich heran ob er sich mit der Zeitung zu mir setzen darf. Er bestellt einen Kaffee und wir beginnen einen herrlichen Plausch über sein Lübeck und über meine Tour quer durchs Land bzw. was er von Deutschland schon alles gesehen hat. Besser kann man die Zeit gar nicht verbringen. Nur schade dass ich heute nicht den ganzen Tag für Lübeck geplant habe. Wenn ich auch keine hundert Kilometer mehr weit kommen will so ist doch leichtes Training angesagt und es geht in die Holsteinische Schweiz. Es ist nicht mehr ganz so flach. Die Landschaft wechselt sich ab. Man könnte fast meinen ich bin wieder einmal falsch abgebogen und nicht etwa nur einen Katzensprung von der Ostsee entfernt.

    Hier in Lübeck nimmt zum ersten Mal auch die Dichte an Radwanderern spürbar zu. Statt sechs Tage lang niemand sehe ich heute gleich zehn oder mehr Radfahrer mit vollbepackten Taschen oder gar mit Anhänger und mehreren Taschen. Schön dass diese Art zu Reisen doch noch kein Auslaufmodell ist.
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  • Entlang der Grenzelbe

    July 25, 2024 in Germany ⋅ ☀️ 14 °C

    Mit der Ruhe war es nichts. Es summte letzte Nacht unaufhörlich. Da hilft kein Mosquito-Netz. Maximal Ohrstöpsel. Dazu noch der Volle Mond der die Stämme im Wald in der Nacht silbern erscheinen lässt. So richtig finster wurde es nicht. Um die Füße zu vertreten wandere ich auf die Sixter Düne. Eine von den wenigen Wanderdünen entlang der Elbe. Auch hier im Sand fressen mich jäh die Mücken auf.

    Zum Glück ziehen sich die Kilometer heute gar nicht so endlos wie in meinem Kopf. Bei Lehesten passiere ich das Tor 21. Ein gemeinschaftliches Freilichtmuseum niedersächsischer und Mecklenburger Projektschüler über die Innerdeutsche Grenze. Das perfide aus Sicht der Schüler ist dabei nicht einmal die Grenze selbst sondern was sie aus Mensch und Tier gemacht hat. Während die Leute mit Kontrollen und Überwachung konfrontiert waren während sie Regimetreu sein mussten oder umgesiedelt wurden, waren selbst die Grenzhunde so abgerichtet dass sie sich am liebsten gegenseitig zerfleischt hätten. In der Regel mussten sie eingeschläfert werden weil sie den Dienst nach der Abrichtung nie lang durchgehalten haben.

    Neues Bundesland, neues Glück. Der Weg nach Ratzeburg ist alles nur nicht schön. Ich frage mich wie die früher diese Wege als Handelsstraße nutzen konnten? Da musste die Kutsche ja zwangsläufig so langsam fahren dass Räuber nebenher im Gehen Beute machen konnten. Dafür müsste man nicht einmal einen Überfall groß vorbereiten.
    Nach So viel Anstrengung gibt es ein Eis am See. Eis mit Marzipan. Sehr lecker! Der Weg nach Lübeck entlang vom See ist danach nur noch eine leichte Übung.
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  • Durch die Altmark zum Grünen Band

    July 24, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    5 Uhr - der wohl zeitigste Start dieser Tage. Beim Sachen packen habe ich mittlerweile gut Routine. Das Zelt blieb einmal mehr ungenutzt denn wenn ich unter Sternen schlafen kann, warum sollte ich die Chance dann nicht ergreifen solange ich trocken bleibe? Der geplante Schlafplatz war es nicht, den steure ich dafür gleich zum Frühstück an. Ich komme durch die Altmark wieder in Regionen wo selbst die größeren Feldwege wie zu Zeiten der Postkutsche gepflastert sind. Na dann - Hals und Radbruch!
    Zwei Rehe flitzen über den Weg, doch sonst sehen die Höfe aller paar hundert Meter hier sehr verlassen aus. Alles schläft noch. Nur in der Schutzhütte nachher sitzt ein Mann und beantwortet irgendwelche Briefe vom Amt. „Hier hast du Ruhe, hier ist rundrum alles Tot. Da kann ich wunderbar mein Büro machen“ ok - scheint ein sehr ruhebedürftiger Mensch zu sein. Wir haben dennoch ein nettes Gespräch und nach dem Frühstück heißt schnurstracks auf die Landstraße und Meter machen bevor die Sonne hoch steht. Mittags bin ich immer so müde zum radeln. Nach 70 km kommt am Horizont Salzwedel auf. Die Altmark ist ja nicht nur für ihre Weite, sondern auch für den leckeren Baumkuchen bekannt. Denn kenne ich von früher bereits aus dem Harz. Also rein in die historische Altstadt! Hm, der letzte Bäcker hat hier allerdings schon vor Jahren zu gemacht. Die Stadt ist zwar etwas belebter als ihr Umland und sehr hübsch anzuschauen - aber sonst? Baumkuchen zum gleich essen Fehlanzeige. Mitnehmen mag ich ihn nicht auf dem Rad, das wäre schade um das Gebrößel in den Taschen.

    Gleich nach Salzwedel folgt Europas Ost-West Grenze. Der erste Unterschied der mir gleich selbst als Radfahrer auffällt sind die ganzen Blitzer an der Straße. Auf 15 km schaffen die es getrost auf 5 Stück und mehr. Raubritter! Was der Radweg nun besser ausgeschildert ist büßt er jedoch an Fahrqualität wieder ein und so entscheide ich mich neben der Tatsache dass die Fähre heute Nachmittag schon wieder ihren Betrieb eingestellt hat für einen Umweg über die Elbbrücke bei Dömritz.
    Zurück im Osten sieht die Welt hier zwar trostlos aus aber wunderschön mit Backsteinhäusern und Festungen verziert. Einst gab es hier in Dömritz sogar ein Karstadt Warenhaus. Was den nicht einmal zweitausend Einwohnern schwer zu glauben ist. Die Elbe ist hier der Grenzfluss zur DDR gewesen und heute noch ein Biosphärenreservat zum Schutz der Tierwelt. Wenn dieser elende Gegenwind nicht wäre könnte ich den Sonnenuntergang an der Elbe so richtig genießen. Ach, und außerdem können die Mücken hier recht lästig sein.Ich bin gespannt wie ich heute nach 140km zur Ruhe komme.
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  • Der Weg der Ottonen

    July 23, 2024 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Während och denke dass ich gut voran komme meint die Landkarte etwas gaaanz anderes. Egal ist mir das nicht aber heute steht erst einmal Magdeburg auf dem Programm. Dieser Landstrich ist schon seit über 1000 Jahren besiedelt und während doe Kaiser des römischen Reiches dt. nation in Aachen gekrönt wurden lebten und starben sie in Magdeburg. Sowohl Otto der erste, zweite und dritte als auch Heinrich der erste und zweite stammten aus dieser Dynastie und wirkten in diesem schmucken Städtchen entlang der Elbe. Schön anzuschauen auch deswegen weil die Stadt mindestens drei Mal niedergebrannt und wieder aufgebaut wurde.

    Damals war es der Salzhandel der die Region reich machte. Ein Überbleibsel davon ist die Saline in Schönebeck.

    Und heute? Ist es nicht nur die Autobahn zwischen Berlin und Hamburg sondern auch der Mittellandkanal der die Stadt wirtschaftlich sehr bedeutend machen. Wo der Kanal die Elbe kreuzt entstand ein Meisterwerk der Ingineurskunst. Und ich habe mich selbst überzeugt unter der Kanalbrücke tropft kein einziger Tropfen Wasser!

    Ein kleiner Regenschauer doch dann scheint wieder die Sonne über Haldesleben. Zum Abend zieht jedoch Gewitter auf und ich bin nicht sicher ob ich meinen Schlafplatz heute trockenen Fußes erreiche.
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  • Die Straße der Romantik

    July 22, 2024 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Halle - wer noch aus der DDR stammt verbindet mit dieser Stadt wenig attraktives und in der Regel erst rechts nichts romantisches. Doch Halle hat sich herausgeputzt. Als Händel-Stadt in der Kunst und der Musik ebenso wie in der Innenstadtarchitektur. In Halle lässt es sich von außen betrachtet mittlerweile sehr gut leben.
    Die Stadt ist heute der Beginn für mich auf der Straße der Romantik. Ein rotes Band rings um Sachsen-Anhalt dass die Zeit der Romantik nach dem Mittelalter neu erstrahlen lässt. Viele Klöster sind heute geschlossen. Aber nicht nur Martin Luther wirkte in dieser Region für den Kurfüst von Sachsen. Und so sind es oftmals die Klosterkirchen, innen ganz schlicht und außen vergleichsweise Monströs, die heute aus der romantischen Baukunst überliefert sind.
    Bevor ich aus Halle wegkomme ist schon wieder Mittag. Also ab an den nächsten Badesee. Ein Radfahrer kommt mir entgegen und will mir gleich den Weg zurück zum Saaleradweg weißen. Er ist fest der Überzeugung dass ich mich verfahren hätte. „Wie? Der ist langweilig? - Ja ich will gern Deutschland in allen Facetten kennen lernen und nicht immer nur die Dörfer entlang. - Gut dann da und dort und dann dort lang und dann gjannste da noch in den Baggersee und dann gjommste in Gröbzich raus.“
    Ah - Stichwort! Ich bin also auf dem richtigen weg. Der Rest ist mir vorerst gleich. Ich werde schon irgendwo ankommen.
    Tatsächlich war der Baggersee recht verführerrisch bei der sengenden Sonne und ich komme erst spät in Bernburg an. Die Stadt ist ebenso wenig romantisch wie die meisten Dörfer davor und danach. Immerhin sind 97% der Pflastersteinstraßen verschwunden und ich komme einigermaßen gut voran. Just in time kann ich vom Schloß den Blick über die Saale genießen bevor das Schloss seine Tore schließt. Ruhig fließt sie dahin aber bei weitem nicht mehr so klein wie noch in Halle.
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  • Nur fliegen ist schöner

    July 21, 2024 in Germany ⋅ ⛅ 32 °C

    Der Tag beginnt im Morgengrauen als eine Horde Wildschweine genüsslich neben mir in der Senke den Waldboden umpflügt. Danach finde ich kaum noch in den Schlaf. Beim Frühstück begegnet mir denn auch ein Mensch, der wie er behauptet einzige im DRK Pflegeheim der sich selbstständig versorgt anstatt wie üblich versorgt zu werden. Sein Sonntag morgen ist dann auch so organisiert dass er wie ein Schlafwandler die Mülleimer abklappert um als erster an die leeren Flaschen zu gelangen. Sonst kann er sich die Cigarillos nicht leisten. Naja, oder anderes mehr. Die Sonne steht noch gar nicht hoch als es dennoch bereits Schwül warm wird. So noch angenehm. Aber zum Radfahren zu viel! Viele kleine Stops bringen mich somit an verlassene Herrenhäuser oder kleine Windmühlen in denen heute ein Cafe eingebaut wurde. Bei Borna dann merkt mein Fahrrad scheinbar was ihm blüht und will mir auf unmissverständliche Weise mitteilen, dass es wie ein sturer Esel lieber erst einmal am Straßenrand stehen bleibt. Wenn es meint? Ich flicke den Reifen und weiter geht die Fahrt rings um den Störnthaler See. Doch mein Rad will mir weiterhin mitteilen dass ich das Material für diese Tour scheinbar noch einmal überdenken sollte. Für heute bin och damit beschäftigt alle dreißig Minuten einen schattigen Ort z.B unter einer Brücke zu finden und erneut Luft aufzupumpen. Das geht so lange gut bis ich im Norden eine Eisdiele gefunden habe die mir zusagt. Von jetzt auf gleich scheint das Rad sauer. In fünf Minuten ist es platt. Aber das nützt ja nix. Die halbe Strecke liegt noch vor mir. Am Nachmittag gesellt sich zu allem übel auch noch Gegenwind dazu. Musste ja so sein! Also anhalten und lieber erstmal wieder den Reifen flicken. Zweimal an einem Tag ist eigentlich noch kein Grund zum ausflippen. Das gab es auf Reisen schon einmal bei mir. Nir nicht gleich am ersten Tag. Und diesmal ist es zu meiner Überraschung tatsächlich ein Metallsplitter der sich durch den Mantel bohrte. Eine Freundin hatte mich darauf aufmerksam gemacht dass in Leipzig regelrecht Krieg zwischen genervten Autos und genervten Radfahrern gibt. Städteplanung“ high live“

    Was könnte nach so einem Nerv aufreibenden Tag eigentlich schöneres Passieren als am Flughafen zu stehen und den Fliegern bei Start und Landung zuzusehen. Nur Fliegen ist schöner!
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  • Holpersteine

    July 20, 2024 in Germany ⋅ ☁️ 27 °C

    Reisen ist die Mühsal des hinkommen . Je mehr Bequemlichkeit desto mehr Einheitsbrei. (Ilia Trojanow) - Der ein oder andere ahnt es vielleicht schon. Es steht wieder einmal etwas neues auf dem Programm. Radreisen? Hatten wir schon! Mit Rucksack oder mit Schwimmweste? Zu weit!

    Dazu kommt noch dass meinem Fahrrad mittlerweile 3 von vier Halterungsschrauben für den Gepäckträger mindestens einmal weggebrochen sind. Und zu allem Überdruss hat eine Woche vor Abfahrt die geliebte Kamera ihren Geist aufgegeben. Mich erwarten somit schon vor Fahrtantritt unfassbar viele Stolpersteine die es zu improvisieren gilt.

    Was bleibt sind immer wieder die unfassbar schönen Sonnenuntergänge die es lohnen hinaus zu ziehen. Deutschland kreuz und quer weiter zu erkunden ist dieses Mal jedoch nur die halbe Miete.
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  • Das steinerne Meer hoch zur See

    June 18, 2021 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Der Nachmittag wurde erdrückend heiß. Kein Luftzug über der gesamten Ostsee. Vom Mittagsschlaf war ich bald noch erdrückter als zuvor. Die einzige Abkühlung ist zu dieser Zeit der Sprung ins Wasser oder auch schon der Fahrtwind auf dem Weg dorthin. Diesmal geht es von Binz nach Norden. Der Ort Prora ist weitaus bekannter als sein namengebendes Hinterland. In den Jahren 1936-39 baute man hier eine über 2,5km lang durchgehende Wohnanlage mit sechs Etagen aus. Ein Koloss, der die Landschaft gleichzeitig verschandelte wie auch bereichert hat. Nach dem Krieg wurde der Komplex von der NVA genutzt. Später verfiel er. Heute enthält er unbezahlbare Luxus-Appartements ebenso wie eine Jugendherberge und ein Kulturzentrum. Wirklich fertig wurde der Bau dabei nie. Damit dauert er heute schon länger an als der Bau einer jeden Pyramide. Apropos. Gleiche Zeit, anderer Ort. Vor 3500-4000 Jahren wurden nämlich während einer Serie von Sturmfluten hier auf Rügen große Mengen des Kreidekliffs der Halbinsel Jasmund abgetragen. Der herausgewitterte Feuerstein wurde durch Wind und Wellen hier nördlich von Prora verfrachtet. Er bildet heute ein riesiges steinernes Meer auf dem außer Wacholder nicht viel wächst. In dieser Fülle bildet Feuerstein einen wahren Schatz. Und mit etwas Glück findet jeder der sucht auch ein paar Fossilien aus der Kreidezeit. So kann ich den heißen Nachmittag gut verbringen. Natürlich geht es auch noch einmal ans Meer. Fürs Segeln dürften so langsam alle Mitglieder eingetroffen sein und damit geht es nicht nur an sondern in den nächsten Tagen hoffentlich auch auf das Wasser und jetzt erstmal zurück zum Abendbrot.
    In Saßnitz an der Mole hat der Verein für experimentelle Archäologie für den Sommer einen Liegeplatz für das Trainingsschilfboot Dilmun S. Immer wenn ich das Boot sehe erinnere ich mich genau wie wir vor 8 Jahren dieses Boot in Thüringen gebaut und zu Wasser gelassen haben. Für Viele von uns war das kein Neuland. Damals wusste ich schon von den Vorgängermodellen dieser "voll funktionstüchtigen Schilfboote en miniature' dass sie bereits vor meiner Zeit zur Kieler Woche und zur Hanse Sail gesegelt sind. Erst später kam ich zu dem Verein und noch nie ging es seither auf die Ostsee. Ein hochseetüchtiges Expeditionsschiff wie die Bootsreihe ABORA 1-4 hat natürlich seinen Reiz und dafür trainieren wir hier. Doch damit verbinde ich eine ganz andere Geschichte und somit bleibt es für mich ein Besonders hier dabei zu sein. Über zwölf Wochen läuft parallel eine Ausstellung 'Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät?' und ich habe mich doch tatsächlich auf den Bildern wieder gefunden. =)
    Die Ausstellungseröffnung wird an diesem Tag dank der geladenen Gäste und aller mitwirkenden von Stadt und Verein ein voller Erfolg. Jetzt fehlt uns nur wie bereits am Vortag der Wind zum Segeln. Es bleibt ausreichend Zeit noch einmal die Theorie des Segelns durch zu gehen. Außerdem werde ich unverhofft zu einer Speedboottour eingeladen. Unser Gastgeber Constantin fährt gerne mal schnell. Mit seinen 600PS pflügt er schon mal mit 90km/h durchs Wasser. Aus Anlass der Eröffnung dürfen jene die gerade nicht segeln heute mit ihm eine Runde drehen. Das ist die perfekte Verbindung zwischen High-Tech der Vergangenheit und der Gegenwart! Und natürlich ein grandioser Blick den man vom Schiff selbst nie haben würde, es sei denn man geht über Bord. Soweit ich weiß hat das trotz waghalsiger Manöver noch keiner geschafft. Fest steht ich komme in diesem Sommer garantiert hier her zurück. Das Segeln verlangt nach einer Fortsetzung.
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  • Bernsteinküste voraus!

    June 17, 2021 in Germany ⋅ ☀️ 21 °C

    Nach nunmehr 800km bin ich endlich auf der Insel angekommen. Je weiter ich vom Strelesund entfernt bin, desto angenehmer wird die ganze Sache. Gen Westen liegt die Ostsee ruhig im Glanz der Abendsonne. Hier und da ein Ried Haus. Das entfernte Rauschen der Schnellstraße die zur Pulsader Rügens zählt. Gleichsam fühl ich mich dadurch fast so wie zu Hause wenn die Autobahn dröhnt. Endlich ankommen wäre nach 8 Tagen ohne Pause auf dem Rad auch nicht schlecht. Dabei dröhnt hier aber noch etwas ganz anderes! Während der Radweg einmal mehr eine weiteräumige Umleitung um die neue Schnellstraße macht fahre ich am Flughafen von 'Bergen (Rügen)' vorbei. Drei kleine Einpropeller stehen am Rand. Ein Angestellter versucht mit der Motorsense dem hohen Gras Herr zu werden. Und plötzlich wieder 'Niiiunnnnnn - Niiiunnnnn'. Auf dem Rollfeld geht es heiß her. Statt Starts und Landungen verfolgen sich gerade zwei Motorräder bei einem kleinen Rennen und testen ihre Maschinen aus. Scheinbar hat der Tower heute bereits Feierabend.
    Für mich besteht jetzt die Frage - wo lang? Nach Norden um in etwa 30km auf dem nächsten Campingplatz zu gelangen und morgen erschöpft in der sengenden Sonne bei prophezeiten dreißig Grad nach Kap Arkona zu fahren wobei der Platzwart um diese Uhrzeit keineswegs mehr erfreut sein wird? Oder nach Osten um in etwa 30km das Vereinslager zum Segeln einen Tag zu früh zu erreichen und morgen erschöpft in der sengenden Sonne bei prophezeiten dreißig Grad entlang der Bernsteinküste die Kreidefelsen zu erkunden für die Rügen allzu bekannt ist. Ob ich dort um diese Uhrzeit noch jemanden antreffe der mir Unterkunft gewährt ist für den Moment ebenso fraglich. Schließlich bin ich zu früh.
    Immerhin habe ich Urlaub. Ich soll mich erholen. Den Ausschlag geben dann die dreißig Grad dass ich lieber heute als Morgen eigentlich nur noch ankommen will. Den schwersten Teil der Reise habe ich ohnehin hinter mich gebracht. Das Stück schaffe ich jetzt auch noch. Oder vielleicht etwa doch nicht? So schön flach wie es daher geht entscheide ich nicht der asphaltierten Hauptstraße zu folgen sondern einmal mehr fernab der Wege mich vom Navi verleiten zu lassen. Zumal hier und da noch ein paar Hünengräber und Steinfelder auf ihre Erkundung warten wenn sie schon mal am Weg liegen. Natürlich habe ich nicht damit gerechnet wenn es seit Wochen kaum geregnet hat bestehen natürlich die Waldwege auch nur aus Treibsand. Und das mit Gepäck und nach 130km. *stöhnen*. Die Belohnung wartet im Detail! Die Abendstimmung kann ich mir kaum schöner vorstellen und zuletzt gibt es an der Seepromenade gerade ein kleines Konzert als ich eintreffe.

    Am nächsten Morgen ist erst einmal Anreisetag für die anderen Mitglieder ich kann daher gemütlich die Umgebung erkunden bevor es brütend heiß wird. Keine 600m entfernt liegt das Seebad Binz majestätisch über dem Strand. Wenn man sich hineinversetzt hat sich zu den guten alten Zeiten wenig verändert. Die Leute sitzen am Meer, in Gedanken versunken oder auch schon mit dem ersten Eis des Tages. Apropos - bevor es heiß wird erhielt ich die Empfehlung hoch oben auf dem Berg das Jagdschloss Granitz zu besuchen. Eine 40m hohe, innen frei schwebende Wendeltreppe bei der man durch die Stufen schauen kann ist hier das Hauptaugenmerk und seit 150 Jahren fast noch imposanter wie der Rundumblick vom Turm selbst. Hier merkt man auch ziemlich schnell wie bergig die Ostküste doch ist. Ein stetiges Auf und Ab. Wie die Wellen die an der Steilküste unweit vom Schloss nagen. Vor der Küste segelt ein Dreimaster. Die See kann so schön sein! Doch der Weg ist das Ziel. In Sellin suche ich daher nicht nur nach der Seebrücke sondern auch nach dem Bernsteinmuseum. Dieses Goldgelbe versteinerte Harz hat hier vor allem im Winter Hochsaison, wenn die Stürme den neuen Bernstein an die Küste treiben. Jetzt im Sommer fertigt man daraus vielmehr Schmuck. Da dieses Handwerk als selten gilt will ich es mir gern näher anschauen und werde jäh enttäuscht als ich lese dass Corona-bedingt alles geschlossen hat. Ich denke bald die Zeiten werden wieder besser und so lange suche ich nach dem zweiten Schatz der Insel. Wenn man schon mal die Wahl hat...
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  • Das Leben der Kormorane

    June 16, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Wir Menschen schaffen es seither leider regelmäßig anderen Tieren Leid beizufügen oder sie gar auszurotten. Einer dieser Artgenossen wäre der Kormoran gewesen wenn man heute nicht so viel für den Naturschutz unternehmen würde. Am Morgen kann ich noch einmal so richtig Energie tanken. Ich stehe am Feld. Überall in den Bäumen hängen noch die morgendlichen Nebelschwaden fest. Kurz darüber kämpft die Sonne damit der Tag die Oberhand gewinnt. Bis zum Frühstück bin ich schon ein paar Kilometer geradelt als mir die ersten Enthusiasten von ihrer morgendlichen Vogelbeobachtung entgegen kommen. Für heute Früh ist ihre Arbeit soweit getan. Ich bekomme von ihnen gleichzeitig noch ein paar gute Tipps wie ich mir den Weg nach Stralsund einplanen kann. Unweit des Kumerower See steht eine Schlossruine. Wie schon oft geschildert ist hier die Zeit manchmal stehen geblieben. So ist das gesamte Schloss Dargun im vorigen Jahrhundert ausgebrannt und keiner konnte es sich leisten dieses wieder aufzubauen. Was nun? Not macht erfinderisch und man hat sich entschlossen aus dieser mystischen Ruine eine Art Kolosseum zu schaffen. Mit Open-Air Bühne und der wohl besten Akustik im gesamten Umland. Bis auf die Grundmauer gibt es kein Dach und kein Fenster mehr. Das war vielleicht auf den ersten Blick ziemlich unansehnlich und kann doch sehr verzaubern als ich dazu ein Stück mehr im Besucherzentrum erfahre. Immer öfter durchziehen jetzt breite Flussgräben und Moore die Landschaft. Bei Nehringen überquere ich die Trebel über die wohl beste erhaltene Holz-Zugbrücke in Mecklenburg und Vorpommern. Ich bin ja sonst nicht zimperlich wenn es über Stock und Feld geht. Das Fahrrad jedoch auf so einer knarrenden Brücke aus dem Graben zu fischen habe ich keine Lust. Genauso klappern aber die schweren Eisenketten und wackeln die Holzdielen. Ich schiebe lieber anstatt zu fahren. Ich bin unterdessen am Vormittag auf dem Weg endgültig an die Küste. Die zwei Vogelschützer vom Morgen haben mir empfohlen bei Niederhof einen Besuch im Wald abzustatten.
    Ein kleines beschauliches Dorf direkt an der Binnenküste der Ostsee. Am Horizont liegt bereits Rügen. Rings um mich kreischt es in den Bäumen. Von unten sehr ich nur dichtes Blätterwerk. Schier undurchdringliche alte Buchen und Eichen lassen keinen Sonnenstrahl auf den Boden fallen. Hier und da ein weißer Fleck am Wegesrand. Und plötzlich an einem Weiher mitten im Wald dreht sich das Bild um. Der Boden ist weiß übersäht, die Bäume sind sehr licht wenn nicht sogar größten Teils abgestorben. Und über allem wacht der Kormoran. Hier brütet eine ganze Kolonie von ihnen unter Naturschutz. Der Kormoran hat seine ganz eigene Geschichte. Seit jeher ist er ein kleiner Pechvogel. Er selbst ist ein Jäger und wird heute in Teilen Asiens für den Fischfang abgerichtet. Zum Teil scheint das lukrativer als andere Binnenfischerei. Jedoch stets zu Lasten der Tiere, die an das Fischerboot festgebunden und am Hals beringt werden um weder zu fliehen noch den Fischfang selbst zu verschlingen. Hier in Norddeutschland war sein schwarzes Federkleid sein Verhängnis. Zumal die Bäume auf denen er nistet regelrecht verätzt werden und absterben galt er lange Zeit als Todbringend. Er wurde vom Menschen fast ausgerottet und selbst die Eier hat man ihm zerschlagen aus Angst vor Unglück das mit ihm hereinbrechen würde. Der Glaube versetzt an der See Berge!
    Nur noch ein paar etliche Kilometer Pflastersteinstraße und ich gelange nach Stralsund. Das Ende vom Festland ist oft ein wenig rauer. Aber heute strahlt es im Sonnenschein und kein Lüftchen trübt den Himmel. Da fühle ich mich pudelwohl als ich bereits bei der Einfahrt in die Stadt an der bekanntesten Brauerei auf und um Rügen vorbeikomme. Hier ist die Heimat von Störtebecker. Der Sagenumwobene Seeräuber und einer der bedeutenden Vitalienbrüder in Nord- und Ostsee. Zu seinen Ehren gibt es hier alljährlich Festspiele, sein eigenes Bier und immer wieder voller Legenden umrankt, blutige Geschichten zur Seefahrt. Sein Leben war geprägt von der Hanse. Der Blütezeit des einflussreichen Seehandels im Baltikum. Heute zeugt von den Segelschiffen ausschließlich die Gorch Fock 1 noch von den Ruhmreichen Segelzeiten alter Tage. Ihr Schwesterschiff die Gorch Fock 2 ist Segelschulschiff der deutschen Marine und bis heute auf allen Weltmeeren unterwegs. Wenn ich mir diese "Nussschale" von der Nähe betrachte ist sie ein technisches Meisterstück. Doch die Matrosen zur See haben weiß Gott nichts zu lachen.
    Es ist später Nachmittag als ich entscheide überzusetzen. Brat mir einer nen Storch! Rügen ist von weitem schon größer als gedacht. Da gibt es noch so viel zu entdecken.
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  • Die Heiden von Kummerow

    June 15, 2021 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Am Morgen packe ich gut erholt und gemütlich mein Zelt zusammen während der Andere Radfahrer hastig am liebsten schon die ersten 20km weg hätte bevor der Platzwart überhaupt wach ist. Den Chimborasso habe ich dann doch nicht bestiegen. Bis ich auf Rügen ankommen sollte ist ein extra Tag hinzukommen. Ich entscheide mich kurzfristig auf einen Abstecher über die Müritz zu fahren. So kleine Umwege von gut 60km sind doch nicht der Rede wert. Hier bin ich auch endgültig in Vorpommern angelangt. Hier sind alle Häuser mit Ried gedeckt. Kunst wird groß geschrieben. Der Humor wird, sagen wir mal 'anders'. Bis zur See kann es nicht mehr weit sein.
    Mit einem Mal ist Schloss Hohenzieritz in aller Munde: Denn hier im Sommerschloss ihres Vaters, starb völlig überraschend Königin Luise von Preußen. Sie war ihrer Zeit so etwas wie das Pendant zur britischen Prinzessin Diana. Eine beliebte Wohltäterin im Volk und eigentlich viel zu jung um zu gehen. Ihr Sterbezimmer wurde bald zur Pilgerstätte für Bürgertum und Hochadel. Seither hat sich das Schloss heraus geputzt und besitzt einen der ältesten englischen Landschaftsgärten auf europäischem Festland mit alten knorrigen Bäumen und ringsum flachgehaltenen Feldsteinmauern. Ich denke mir wieder "wer das nicht weiß fährt garantiert daran vorbei, und doch hat dieser Ort mehr verdient".
    Die Müritz ist Deutschlands größter Binnensee. Entsprechend viel habe ich mir auch von dem angrenzenden Nationalpark versprochen. Hier brüten zahlreiche Adler mit denen ich mich näher auseinander setzen will. Und hier liegt die Quelle des bekannten Flusses 'Havel'. Alles erscheint mir wie der Naturschutz in der Postmoderne. Wie ich im Besucherzentrum erfahre brüten die Adler nicht mehr irgendwo nahe dem See sondern fast ausschließlich auf Strommasten. Tiere, die als Kind selbst auf einem Strommast angesiedelt waren suchen erneut einen vergleichbaren Strommast für den eigenen Nestbau. Die Idylle ist also weit her geholt. Immerhin haben die Tiere sich angepasst und sind so wohl auch ihrer Vertreibung vor Ort entgangen. Bis auf eine Live-Kamera eines Jungtieres in seinem Nest und drei Fotos an der Wand fühlt sich aber gerade jeder überfordert und wenig bereit mehr zu sagen und zu tun als am Verkaufstisch zu kassieren. Und diese Havelquelle ist gefühlt auch immer nur weg! Umleitungen mitten im Wald, dazwischen große LKW und schweres Gerät: Denen fällt gerade nichts Besseres ein als am Rand des Nationalparks unterirdisch eine Glaßfaserleitung quer durch das Schutzgebiet zu verlegen. Ansonsten ist die Müritz endlich mal eine Region in der immer noch mehr Fahrräder anstatt E-bikes unterwegs sind. Um die Müritz in wenigen Worten zu umschreiben kann ich auch sagen: ganz viel Wald und Wasser. Da hat mir die Feldberger Seenplatte besser gefallen.
    Auf nach Kummerow, wo die Heiden zu Hause sind. Das traditionelle Leben hat sich gegenüber dem aufstrebenden wilhelminischen Geist und der Marktwirtschaft sehr stark behauptet. Nach 35km im Eiltempo durch das 'Nichts' erreiche ich den nächsten Konsum noch bevor er schließt. Check! Dann werden die Bürgersteige hochgeklappt. Und die alten Stadttore bilden scheinbar eine zentrale Rolle als Grenze zwischen dem bekannten Diesseits und dem entfernten Jenseits. Bei einem Ausblick treffe ich auf einen Radfahrer der sein Lager unmittelbar auf dem Ausblick direkt an der Straße aufgebaut hat. Ich begrüße ihn einmal - 'hallo!'. ... Ich begrüße ihn zweimal... bis ich merke er ist zu sehr in sein Smartphone vertieft um Fußball zu schauen. Es läuft gerade ein Deutschlandspiel bei der Europameisterschaft. Viel reden ist jedoch auch nicht als er aufschreckt weil ich vor seiner Nase Fotos von der Landschaft mache und versuche die grandiose Abendstimmung einzufangen. Ich lasse ihn mit dem Fußballspiel in seiner Einsamkeit zurück. Dann fahre ich entlang der Mecklenburger Schweiz einen Aussichtspunkt nach dem nächsten ab bis mir einer für das Abendessen gefällt. Es gibt Nudeln mit Sardinen in Apfel-Zitronensoße. Hier oben an der See kann Gourmetküche eigentlich nicht besser ausfallen.
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  • Unterwegs mit Humboldt im ewigen Eis

    June 14, 2021 in Germany ⋅ ☀️ 15 °C

    Der Tag verheißt viel Hitze. Anstrengend wird er allemal und er soll mich wieder einmal Demut lehren.
    'So schön Brandenburg auch sein mag, die Mecklenburger Seenplatte ist bestimmt auch schön.' denke ich mir. Über Schloss Boitzenburg steuere ich geradewegs an die Mecklenburgische Grenze. Neben dem Schloss gibt es im Marstall eine Eismanufaktur, eine Schaubäckerei und einen Chocolatier. Wer soll sich da denn entscheiden? Jetzt vor Mittag werden noch die Torten angerichtet und der Kaffee frisch geröstet. Hmmm. Das duftet! Oh und ich hätte mich so gern ein bisschen durch die Schokolade probiert. Aber ich muss mit erschrecken feststellen dass die bei den Temperaturen auf dem Rad keine 10 Minuten durchhalten würde. Das Eis tropft auch schneller aus der Waffel auf den Fußboden als ich schlecken kann. Zugegeben will ich mir den fürstlichen Kaffee und Kuchen als dritte Option dann lieber nicht leisten. Die Preise stehen dem herrschaftlichen Schloss, das wirklich gleich nach den Königsschlössern eines der schönsten in Brandenburg ist, in nichts nach. Kein guter Start in den Tag!
    Ich hatte in den Tagen zuvor einen Motorradfahrer gefragt welche Route er mir in Richtung Norden vorschlagen würde. Ich solle doch in die Seenlandschaft nach Feldberg fahren. Das sei sehr schön. Weiter sei er aber auch noch nie gewesen. Gut, das trifft sich nicht so schlecht. In der Nähe ist ein See den ich ohnehin besuchen will. Vorbei an einem kilometerlangen schön in den Wald eingebetteten Zeltplatz gelange ich nach Carwitz. Das wäre ein kleines unbedeutendes Dorf inmitten einer grandiosen Hügel und Seenlandschaft wenn Hans Fallada nicht für seine Werke inspiriert worden sei. Heute ist es sein Wallfahrtsort. Glücklicherweise nicht gar zu sehr in Corona-Zeiten. Die Carwitzer Seen sind zudem alle eiszeitliche Zungenbecken-Seen. Alles was der Gletscher einst abschürfte und nebenan aufhäufte schuf diese wunderschöne Landschaft. Das türkisblaue Wasser lädt gleich dazu ein hinein zu springen. Gefühlt ist alles auf den Beinen was schon schwimmen kann. Gleichermaßen verteilen sich die Leute zu Boot und mit dem Kajak. Jeder findet sein Plätzchen und seinen Rückzugsort. Nur ungern ziehe ich weiter. Erst lasse ich wehmütig die Schokolade zurück, jetzt den Badesee.
    Unweit davon bin ich jedoch erneut vollends in meinem Element. Der Sprockfitzer See hat eine geologische Besonderheit. Inmitten dieser ganzen eiszeitlichen Seen erstreckt sich entlang der Straße ein unscheinbarer Karst See, dessen Wasserpegel Über wenige Stunden von Tag zu Tag unabhängig von der Witterung mehrere Meter schwankt. Als ich vorbei fahre stehen die Schwäne gerade einen Meter auf dem Trockenen. Woher diese Wasserblase im Untergrund kommt kann mir niemand sagen. Für den Augenblick hat es für mich wieder so etwas Magisches an diesem Ort, nicht zu wissen woher es kommt und wohin es geht. Nur dass es einfach so schön daliegt.
    Unterdessen drückt die Sonne vollends am Nachmittag. Ich suche mir auf der Karte die nächste Badestelle. Komme was wolle, eine Abkühlung tut gut. Ich fahre hin und kann einfach den Eingang von der Straße zu dem Weg zum See nicht finden. Hmm. Als ich einen netten Herrn frage will ich vor Neugier was er da macht eigentlich bald gar nicht mehr baden. Der Antikwurm zeigt mir wie er herrlich alte Möbel wieder aufbereitet. Das sind alles Auftragsarbeiten. Vier fünf Projekte hat er schon gleichzeitig. So gegen Acht hört er aber immer auf. Familie hat er ja auch noch. Er erzählt viel von der Suche nach geeigneten Möbeln und wie er es schafft gegen die Holländische Konkurrenz zu bestehen. Vor Neugier und Respekt lasse ich die Kamera in der Tasche. Schlussendlich gesteht der Herr mir dass er in der Brühe liebe nicht baden ginge wenn ringsum alles eingeleitet wird. Warum bin ich nicht in Carwitz geblieben? Das sei seine Heimat und die kann er getrost jedem empfehlen wenn er die Wahl hätte. Demütig ist das für mich ist das das Stichwort nach Neubrandenburg zum Tollensee. Niemals zurück, immer voraus! Rügen wartet!
    Neubrandenburg ist zugegeben eine ziemlich hässliche Stadt. Neue Neubauten laden einzig dazu ein schnell weiter zu fahren. Erst die Seepromenade lädt zum Verweilen ein. Plötzlich ist mir der Ort gar nicht mehr so fremd. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und hat sich hier im Park, beim Spiel oder auf der Seepromenade zum Spaziergang eingefunden. Glücklicherweise ist der Campingplatz an diesem Abend nicht mehr weit. Warum ich dennoch hier herkam wo das eigentlich nur ein Ort zur Durchfahrt scheint liegt etwas weiter in der Vergangenheit. Vor einigen Jahren kam ich bereits mit Alexander von Humboldt in Kontakt als ich quer durch Ecuador gestiefelt bin. Zu dieser Zeit noch ohne mein Fahrrad. Nichts desto trotz hat mich sein Forscherdrang fasziniert. Ihn hat immer interessiert wie alles zusammenhing das zu jener Zeit bekannt war. Auch wenn er sonst in Berlin lebte so mochte er die Seen um Neubrandenburg gar sehr. Wie ich nun beim Abendbrot sitze kommt noch ein zweiter Radfahrer daher. Er kehrt gerade von der Ostsee zurück. Gemeinsam essen wir und sprechen über unsere Reisen. In der Zwischenzeit habe ich den Platzwart gefragt wo denn der Chimborazo liege. Es ist der höchste Berg von Ecuador und hier am Tollensee zu Humboldts Ehren der höchste Berg der Umgebung. Da werden Erinnerungen wach! Der Platzwart kennt ihn leider nicht. Genauso wenig wie ich bislang wusste dass nicht weit von hier 'Afrika' liegt. Ich dachte immer ich habe den Berg schon mal in den Anden bestiegen. Auch sonst stört es ihn eher dass wir seinen Feierabend nicht gönnen. Also nehme ich mich zurück. Ich stelle noch schnell die Getränke für morgen im See kalt und lege mich mit vielen tollen Erinnerungen zur Ruhe.
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  • Ein Mönchsleben hat viele Gesichter

    June 13, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Nun bin ich aber wirklich schon spät dran und auf dem Weg ins Kloster Chorin. Die Kostproben verlangen ihren Tribut dennoch und meine Wasserreserven neigen sich an diesem Sonntag dem Ende. Wie so üblich fließt das Wasser im Kanal unten und die Klostermauern stehen auf dem Berg darüber. Auf mich wartet ein schweißtreibender Anstieg. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt erst recht nicht nach der spritzigen Einlage. An einem der schönsten Mohnfelder entlang der Tour lege ich erneut eine Rast ein. Wie haben sich wohl die Menschen im Mittelalter gefühlt? Ihnen hat an solchen heißen Tagen auch niemand die Arbeit abgenommen. Dennoch wollten sie sicher die Schönheit des Lebens genießen. Besonders die Mönche - Tagein Tagaus in ihrer Kutte. Egal ob bei der Gartenarbeit oder beim Aufbau ihres Klosters. Egal ob beim Beten oder beim einkellern des Weines. Ein Stück weit hatte ich erwartet diesen Zeitgeist im Kloster Choirin wieder zu finden. Das Kloster ist für seine Anlage und die damaligen Leistungen der Mönche noch heute im weiten Umkreis bekannt. Ein kleiner Wallfahrtsort. Leider entpuppt es sich als ein Tourismusmagnet an dem man selbst erst ins Café kommt nachdem man Eintritt bezahlt hat. Weiter ist es heute eine Ruine. Selbst das Kirchenschiff, nach außen noch intakt wird nach innen nur als Konzert- und Veranstaltungssaal genutzt. Der Weinkeller ist zugemauert und abgesperrt. Hier leben heute Fledermäuse. Von den Mühlen für deren Wassergraben man ganze Berge geteilt hat steht nur noch die Grundmauer. Zugegeben für einen Spaziergang ist alles idyllisch schön konserviert wenn ich schon einmal hier bin, mehr aber nicht. Den Zeitgeist muss ich wo anders suchen.
    Was natürlich um die Jahreszeit in ganz Brandenburg sehr markant ist sind die Störche. Kaum ein Schornstein oder ein Dorf in dem der Storch nicht heimisch wäre und sein Nest gebaut hat. Die Jungen sind mittlerweile geschlüpft oder kurz davor. Ein Elter wacht somit immer über das Nest während der andere unterwegs ist. Es beruhigt mich zu wissen dass sich daran trotz unserer schnelllebigen Zeit über Jahre nichts geändert hat. Störche sind extrem wählerisch und mit Hingabe einander ein Leben lang treu. In diesem Punkt haben sie mit dem Zeitgeist der Mönche sehr viel gemeinsam.
    Unweit finde ich eine weitere versteckte Schlossruine. Nichts Besonderes denke ich mir und packe dennoch lieber dort mein Abendessen aus als zwischen den vielen Touristen. Die Küche bleibt heute kalt. Anstatt einer ruhigen Vesper holt mich bald die Geschichte ein. Ein schnaufender Gaul kommt um die Ecke und zieht einen Planwagen auf den Platz hinter dem Schloss. Eine junge Familie mit ihren drei Töchtern vereinnahmt sofort den Rasen. Das Pferd kümmert das wenig. Es frisst. Sie haben für die Schlossruine einen Schlüssel erhalten. Wie ein Sesam öffnen sich die Türen zum Schlossinneren mit einer kleinen Küche, Toilette und einem Lagerraum mit allerlei altem Rüstzeug. Bevor ich weiter fahre darf ich meine Wasservorräte ebenfalls auffüllen. Derweil wird das Pferd gestriegelt. Scheinbar durfte es den heißen Mittag in einem Schlammloch verbringen. Zugegeben ist das aber ja nicht der schlechteste Sonnen- und Mückenschutz. Und es frisst immer noch. Die Kinder wollen natürlich alle zuerst die eine Bürste und das Pferd striegeln. Die Eltern erzählen mir über ihre Reise und ich bin von der Idee sehr angetan. Pferd und Wagen stammen von einem lokalen Planwagenvermieter. Er hat hier in der Region etwa 30 solcher grünen Stellplätze eingerichtet. Je nachdem was die Familie z.B. auf ihrer Reise anzustellen plant erstellt er eine individuelle Route zu Schlössern, Seen, Wäldern und koordiniert die Stellplätze. Ich glaube so eine Reise wie im Mittelalter auf Zeit könnte mir auch gefallen. Zumal es das Leben von damals facettenreicher wiedergibt als es ein Schausteller je könnte.
    Ein Punkt den ich dieser Tage auf jeden Fall mit dem Klosterleben gemeinsam habe ist das früh aufstehen und den Morgen ganz für mich allein zu haben. Mein Zelt steht an einem See inmitten der Uckermark. Der Teichrohrsänger gibt seit dem ersten Morgenlicht keine Ruhe mehr. Noch bevor die Sonne wirklich aufgeht stehe ich schon wieder auf. Über dem See bilden sich mystische Nebelschleier. Die Mönche wussten scheinbar am besten dass ‚Morgenstunde Gold im Mund‘ hat und seit jeher die meiste Energie besitzt kraftvoll in den Tag zu starten. Doch von der Geschichte erzähle ich das nächste Mal. Ich bleibe noch einige Zeit am See und genieße den Augenblick.
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  • Brandenburger Landpartie (2)

    June 13, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Einmal mehr ist auf dem Land hier fernab jeglicher Stadt die Zeit stehen geblieben. Die aktuelle Situation erlaubt es jedoch schon wieder dieses zur Schau zu stellen und tief in unsere Vergangenheit einzutauchen. Mein Plan bestand ursprünglich darin möglichst schnell an den Oder-Havel-Kanal zu gelangen und ein wenig vorwärts zu kommen. Eine Museumseisenbahn in Sternebeck macht diesen Plan jäh zu Nichte. Wenn ich zwischen allerlei alten Wagons wandeln kann und diese Stück für Stück in sehr gut restauriertem Zustand sind kommt bei mir der kleine Eisenbahnfreund zum Vorschein. Es ist nicht allein die Eisenbahn, die den Leuten hier ein schönes Hobby beschert. Selbst die Kinder sind begeistert mit dabei und versuchen mir zu erklären was ein jeder einzelner Wagon gemacht hat. Auf den ersten Blick erscheint es anders jedoch hat man diesen Landbahnhof fernab jeder Haupttrasse sehr gut gepflegt. Die Kinder sagen mir 'hier von den Feuerwehrautos dort drüben waren auch immer schon zwei oder mehr stationiert. Wegen der Soldaten.' Ich schaue ungläubig. Auf dem Weg hier her hatte ich gar nicht mitbekommen dass in der Gegend ein aktiver Truppenübungsplatz oder sonst irgendein Sperrgebiet lag. Seit dem ich in Kanada meine Erfahrung damit gemacht habe bin ich eigentlich von der Neugierde in solchen Gebieten geheilt. Ich hole mein Navi raus und schaue auf die Karte. Nichts. reinzoomen. Immer noch nichts. Irgendwo nebenan im Wald taucht die Bezeichnung NVA-Museum auf. Zu Corona-Zeiten ist ein Museum nie ein Grund für ein paar Extra Kilometer. Noch weiter reinzoomen. Plötzlich tauchen versteckt mehrere Bezeichnungen um einen mysteriösen Ort auf. Hornekamp. Autopark. Atombunker. Ähh, dass hier in der Umgebung ein Kernkraftwerk steht kann ich ausschließen. Damit ist die Neugier bei mir dann doch wieder geweckt. In Hornekamp finde ich abseits der Hauptstraße sogar zwei kleine Wegweiser und folge dann mehrere Kilometer einem Kolonnenweg tief in den Wald. Links und rechts möchte ich mich nicht einmal als Reh in dieses Dickicht verirren. links folgt ein eingewachsener Zaun, darauf der Hinweis auf militärisches Sperrgebiet. Aber die Straße ist in meinen Augen frei zugänglich. Nach einem weiteren Stacheldrahttor folgt das besagte NVA-Museum. Eine zweistöckige ziemlich verfallene Baracke, einige Kameras aus vorsintflutlicher Zeit. Hier macht heute kein Museum auf. Ein zweites Tor und ein verlassenes Pförtnerhäuschen führen mich auf das Gelände einer ehemaligen DDR-Kaserne. Die Hallen scheinen restauriert und heute für Paintball-Schießen genutzt zu werden. Das steht zumindest am Eingang der Anlage. Der Weg führt weiter noch tiefer hinein. Bis ich irgendwann vor einem zweiten Pförtnerhäuschen und einem verschlossenen Tor stehe. Im Fenster werden einige alte Fotos gezeigt und der umliegende Zaun mit Starkstrom geschützt. Ich versuche gar nicht erst weiter zu kommen. Es ist alles so schon interessant. Fernab jeglicher neugieriger Blicke, fernab von Eisenbahn und Funkmasten hat die DDR-Führung hier ihre Hauptleitstelle für den Ernstfall eingerichtet. Unter die Erde hat man hier eine riesige 3-Etagige Wohn-und Arbeitskapsel gebaut und mit 3m dickem Stahlbeton ummantelt. Darüber wurden noch einmal 15 Meter Kies, Beton und Stahl aufgeschichtet um ein 'sicheres Haus' zu gestalten. Auf der oberen Etage befinden sich Kommando- und Arbeitsräume, Medizinischer Punkt und die Räume des ehemaligen Ministers. Darunter befinden sich Küche, Lagerräume, Speise- und Schlafräume und ganz unten die Technik, Wasser und die Stromversorgung. Die Kampfbesatzung (450 Personen) hätte hier ohne Versorgung von außen knapp einen Monat überleben können. Wenn ich vergleiche welchen Aufwand man bereits damals in den 70er Jahren betrieben hat will ich mir gar nicht denken was heute dem Stand der Technik einer solchen Anlage entspricht. Das ist schon gut dass da draußen immer Sperrgebiet dran steht.
    In Finow komme ich gerade noch rechtzeitig über die Kanalbrücke bevor die für den Schiffsverkehr hochgezogen wird. Der Ort liegt am Oder-Havel-Kanal und unweit steht Ostdeutschland größtes Schiffshebewerk. Ein 36 Meter Höhenunterschied wird hier seit 90 Jahren in gigantischen Dimensionen für Schiffe überbrückt. Als ich mir das Bauwerk aus der Nähe betrachte wird auch gerade ein Schiff abgesenkt. Für die 36 Meter benötigt es schlappe 20 Minuten. Da könnte man glatt einen Kaffee trinken gehen. Mein Magen knurrt eh. In der Gründerzeit wurde bekanntlich alles aus Stahl genietet. Somit fehlt zum Eifelturm also nicht so viel. In der Zwischenzeit baut man nebenan ein modernes Hebewerk und will in typisch deutscher Bauzeit seit 2014 fertig sein. Leider stehen die Bauzäune heute immer noch. Und als hätte es ein findiger Unternehmer geahnt: Für alle die sich jetzt an den Kopf greifen gibt es unweit davon seit zwei Jahren eine brandneue Destille um sich von dieser Ungnade abzulenken. Stefan und Jana haben hier einen alten Bauernhof restauriert. Aus der Scheune wurde ein Hochlager und im Stall befinden sich heute die Brennblase und das Labor. Über das Jahr werden je nach Saison mittlerweile 30-40 verschiedene Feinbrände, Geiste und Liköre vorwiegend aus heimischem Obst gebrannt. Aus Anlass der Brandenburger Landpartie ist heute so etwas wie Tag der offenen Tür inklusive Verkostung. Nachdem ich heute nun schon wieder die eine oder andere Verzögerung in Kauf genommen habe kommt es bestimmt nicht mehr darauf an wenn der ein oder andere Geist mich hier nun weiter aufhält. Morgen ist notfalls auch noch ein Tag und mein nächstes Ziel scheint ein Kloster zu werden. In früherer Zeit hieß das man soll erst Recht trinkfest sein. Traditionell abgefüllt wird im Übrigen in Apothekerflaschen. Auch von Standes wegen ist eine Qualitätskontrolle somit sehr zu empfehlen. :)
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  • Die Spur der Steine

    June 13, 2021 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Die deutsche Literatur ist sehr oft von Autoren geprägt die in Berlin veröffentlicht haben jedoch hier im Umland gelebt und gearbeitet haben. Theodor Fontane, Berthold Brecht, Hans Fallada sind nur einige große Namen der Literatur die hier an irgendeinem See ihr Haus hatten, Freunde einluden und in der ein oder anderen philosophisch anmutenden Diskussion ihre Kraft schöpften. Wenn nicht ein Schicksalsschlag in der Kindheit, dann der Krieg oder die Vertreibung. Sie alle haben hiernach gemein einen Ort aufgesucht der dem damaligen Schönheitsidyll von Landschaft entsprach. Hiernach nannte man die Region kurzum Schweiz da die Vorstellung der Schweiz jeher der Vollkommenheit entsprach. Somit entstand die Sächsische Schweiz, die Märkische Schweiz oder die Mecklenburger Schweiz um nur einige zu nennen.
    Im sonst so windumtosten Osten tauchen bei Bukow plötzlich steile Berge mit hundert Metern auf. Die Gletscher-Endmoräne hat hier sehr schöne Zungenseen in Berg und Tal eingebettet. In der Nacht bot mir eine Schutzhütte zur Vogelbeobachtung Zuflucht vor der Mückeninvasion. Gefühlt bin ich aber schon lange vor dem letzten Hahn wach. In der Morgenluft sind nur die Mücken noch zeitiger aktiv - immer noch, oder schon wieder. Die Morgensonne scheint gleisend durch die Baumstämme. Ich entdecke einen Ameisenhügel gleich neben meiner Schutzhütte. Bevor die fleißigen Arbeiter womöglich mein Müsli finden mache ich mich lieber auf den Weg. Regel Nummer eins - Iss niemals dort wo du schläfst sonst lockst du Tiere an. Das beherzige ich seit Kanada vortrefflich. Während ich auch einiges andere mittlerweile an Erfahrung rund ums draußen sein gesammelt habe treffe ich einen Kilometer weiter auf einen blutigen Anfänger. Er erzählt wie er aus Berlin kommt und nur für das Wochenende endlich mal ausprobieren will wie es sich draußen schläft und wie es ist in der Natur zu sein. Mit über Fünfzig das Erste Mal. Besser spät als nie versuche ich ihn zu ermuntern und erzähle ein wenig beim Frühstück. Währenddessen hat er ohne Zelt in einer Schutzhütte am See geschlafen. Der Schlafsack ist patsch nass vom Morgennebel, der Kopf und alles was raus guckte von Mücken zerstochen und der Rücken tut weh. Ich hoffe einfach dass er aus meiner Erfahrung lernt und nicht alles ins Korn schmeißt worüber ich mich heute amüsieren kann. Für heute will er jedoch erstmal wieder nach Hause nach Berlin - ihm reicht es. Während in Buckow wieder noch nicht einmal der Bäcker auf hat treffe ich einige weitere Berliner die die Morgenstille nutzen. Oft sprechen sie über den Stress den die Großstadt mit sich bringt und das sie gleich hier vor den Toren eine wahre Kur für sich finden. Das finde ich toll. Die Menschen suchen nicht nur Erholung sondern versuchen die gleiche Kraft zu schöpfen wie einst die großen Schriftsteller.
    Im Märkisch-Oderland und je weiter man davon nach Norden fährt umso mehr dominiert der Feldstein als Baumaterial. Straßen die schon hundert Jahre nicht mehr repariert werden mussten, Häuser die auch in zweihundert Jahren maximal ein neues Dach brauchen doch die Fassade wird immer so Farbenfroh bleiben. Gefühlt hat man hier alles aus Feldstein gebaut und heute weitgehend unter Denkmalschutz gestellt. Das kam da die eiszeitlichen Gletscher aus Norwegen, Schweden, Aland bis nach St. Petersburg ihr Eis bis in die Uckermark vortrieben und verschiedenstes Geröll mit sich führten. Hauptsächlich prägen Glimmer und Quarz die Fassaden in allen Farben von grau, rosé bis rot über orange. Die Landstraßen lassen kaum ein vorankommen zu. Ein anderer Radwanderer schaut gerade krampfhaft aus seiner Karte wann denn mal wieder die nächste vernünftige Straße kommt. Da wo ich her komme mache ich ihm wenig Hoffnung doch das war gerade das was er nicht hören wollte.
    Unterdessen erreiche ich die nächste asphaltierte Landstraße. Als wöllte ich alles aufholen geht es frisch erholt im Sausewind voran. Am nächsten Anstieg fährt sogar eine Gruppe Rennradfahrer mit mir um die Wette den Berg hoch. Ein Transporter überholte mich auf gerader Strecke und zeigt mir 'Daumen hoch' aus dem Fenster. Ich freu mich. Keine 500m weiter an einem Parkplatzhält er an und stellt sich an die Straße. Ich denke mir nichts dabei bis ich seine Beifahrerin an der gegenüberliegenden Straßenseite ausmache und sie mich mit dem Handy filmt während er mir in die Hände klatscht. "Klasse! Die nächsten Kilometer werden ein bisschen anstrengender, aber du machst das super!" *welch Lorbeeren...womit ich das wohl bezweckt habe?* "Danke, so schlimm wird es nicht werden" erwidere ich und fahre weiter meinen Tritt mit 20-22 Km/h bergauf. Na jedenfalls kann man jetzt meinen dass die schneller oben waren aber denkst du! Rennräder! Mit der Zeit überholt mich eins nach dem anderen in kleinen Grüppchen. Mal mehr Mal weniger schnaufend. Und zum Schluss kommt der Transporter wieder. jetzt weiß ich auch warum die unten gewartet haben. 'Daumen hoch' das heißt so viel wie, alles in Ordnung, mir geht es gut. Und dann fährt die Gruppe lange Zeit auf Kaffeefahrt wie auf dem letzten Loch pfeifend gemütlich vor mir her. 20 km/h vielleicht jedoch immer in Sichtweite bergauf. Ich denke mir 'dann hättet ihr mich auch mitnehmen können!' Ich verliere sie kurz aus den Augen doch nach zwei Kurven am Ende des Anstiegs treffe ich das Auto am Seitenrand wieder. Einer hat eine Rad Panne und die Gruppe macht eine Pinkelpause zehn Meter vor einem Stoppschild was das imaginäre Ende des Anstieges war. Jetzt aber! Sozusagen habe ich meinem Fahrrad die Sporen gegeben und als grünen Sprinter die Ehre erwiesen gegen die Rennradfahrer als Erster über die Stopp- bzw. Ziellinie zu fahren. ;)
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