In Sachsen daheim, in der Welt zu Hause. So bin ich neugierig und aufgeschlossen Jahr für Jahr unterwegs interessante Menschen kennen zu lernen, Orte zu entdecken und Spaß am Reisen zu haben.
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  • Jun18

    Das steinerne Meer hoch zur See

    June 18 in Germany ⋅ ☀️ 25 °C

    Der Nachmittag wurde erdrückend heiß. Kein Luftzug über der gesamten Ostsee. Vom Mittagsschlaf war ich bald noch erdrückter als zuvor. Die einzige Abkühlung ist zu dieser Zeit der Sprung ins Wasser oder auch schon der Fahrtwind auf dem Weg dorthin. Diesmal geht es von Binz nach Norden. Der Ort Prora ist weitaus bekannter als sein namengebendes Hinterland. In den Jahren 1936-39 baute man hier eine über 2,5km lang durchgehende Wohnanlage mit sechs Etagen aus. Ein Koloss, der die Landschaft gleichzeitig verschandelte wie auch bereichert hat. Nach dem Krieg wurde der Komplex von der NVA genutzt. Später verfiel er. Heute enthält er unbezahlbare Luxus-Appartements ebenso wie eine Jugendherberge und ein Kulturzentrum. Wirklich fertig wurde der Bau dabei nie. Damit dauert er heute schon länger an als der Bau einer jeden Pyramide. Apropos. Gleiche Zeit, anderer Ort. Vor 3500-4000 Jahren wurden nämlich während einer Serie von Sturmfluten hier auf Rügen große Mengen des Kreidekliffs der Halbinsel Jasmund abgetragen. Der herausgewitterte Feuerstein wurde durch Wind und Wellen hier nördlich von Prora verfrachtet. Er bildet heute ein riesiges steinernes Meer auf dem außer Wacholder nicht viel wächst. In dieser Fülle bildet Feuerstein einen wahren Schatz. Und mit etwas Glück findet jeder der sucht auch ein paar Fossilien aus der Kreidezeit. So kann ich den heißen Nachmittag gut verbringen. Natürlich geht es auch noch einmal ans Meer. Fürs Segeln dürften so langsam alle Mitglieder eingetroffen sein und damit geht es nicht nur an sondern in den nächsten Tagen hoffentlich auch auf das Wasser und jetzt erstmal zurück zum Abendbrot.
    In Saßnitz an der Mole hat der Verein für experimentelle Archäologie für den Sommer einen Liegeplatz für das Trainingsschilfboot Dilmun S. Immer wenn ich das Boot sehe erinnere ich mich genau wie wir vor 8 Jahren dieses Boot in Thüringen gebaut und zu Wasser gelassen haben. Für Viele von uns war das kein Neuland. Damals wusste ich schon von den Vorgängermodellen dieser "voll funktionstüchtigen Schilfboote en miniature' dass sie bereits vor meiner Zeit zur Kieler Woche und zur Hanse Sail gesegelt sind. Erst später kam ich zu dem Verein und noch nie ging es seither auf die Ostsee. Ein hochseetüchtiges Expeditionsschiff wie die Bootsreihe ABORA 1-4 hat natürlich seinen Reiz und dafür trainieren wir hier. Doch damit verbinde ich eine ganz andere Geschichte und somit bleibt es für mich ein Besonders hier dabei zu sein. Über zwölf Wochen läuft parallel eine Ausstellung 'Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät?' und ich habe mich doch tatsächlich auf den Bildern wieder gefunden. =)
    Die Ausstellungseröffnung wird an diesem Tag dank der geladenen Gäste und aller mitwirkenden von Stadt und Verein ein voller Erfolg. Jetzt fehlt uns nur wie bereits am Vortag der Wind zum Segeln. Es bleibt ausreichend Zeit noch einmal die Theorie des Segelns durch zu gehen. Außerdem werde ich unverhofft zu einer Speedboottour eingeladen. Unser Gastgeber Constantin fährt gerne mal schnell. Mit seinen 600PS pflügt er schon mal mit 90km/h durchs Wasser. Aus Anlass der Eröffnung dürfen jene die gerade nicht segeln heute mit ihm eine Runde drehen. Das ist die perfekte Verbindung zwischen High-Tech der Vergangenheit und der Gegenwart! Und natürlich ein grandioser Blick den man vom Schiff selbst nie haben würde, es sei denn man geht über Bord. Soweit ich weiß hat das trotz waghalsiger Manöver noch keiner geschafft. Fest steht ich komme in diesem Sommer garantiert hier her zurück. Das Segeln verlangt nach einer Fortsetzung.
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    Hier ziehts wohl? :-) [Skipper]

    7/24/21Reply
     
  • Jun17

    Bernsteinküste voraus!

    June 17 in Germany ⋅ ☀️ 21 °C

    Nach nunmehr 800km bin ich endlich auf der Insel angekommen. Je weiter ich vom Strelesund entfernt bin, desto angenehmer wird die ganze Sache. Gen Westen liegt die Ostsee ruhig im Glanz der Abendsonne. Hier und da ein Ried Haus. Das entfernte Rauschen der Schnellstraße die zur Pulsader Rügens zählt. Gleichsam fühl ich mich dadurch fast so wie zu Hause wenn die Autobahn dröhnt. Endlich ankommen wäre nach 8 Tagen ohne Pause auf dem Rad auch nicht schlecht. Dabei dröhnt hier aber noch etwas ganz anderes! Während der Radweg einmal mehr eine weiteräumige Umleitung um die neue Schnellstraße macht fahre ich am Flughafen von 'Bergen (Rügen)' vorbei. Drei kleine Einpropeller stehen am Rand. Ein Angestellter versucht mit der Motorsense dem hohen Gras Herr zu werden. Und plötzlich wieder 'Niiiunnnnnn - Niiiunnnnn'. Auf dem Rollfeld geht es heiß her. Statt Starts und Landungen verfolgen sich gerade zwei Motorräder bei einem kleinen Rennen und testen ihre Maschinen aus. Scheinbar hat der Tower heute bereits Feierabend.
    Für mich besteht jetzt die Frage - wo lang? Nach Norden um in etwa 30km auf dem nächsten Campingplatz zu gelangen und morgen erschöpft in der sengenden Sonne bei prophezeiten dreißig Grad nach Kap Arkona zu fahren wobei der Platzwart um diese Uhrzeit keineswegs mehr erfreut sein wird? Oder nach Osten um in etwa 30km das Vereinslager zum Segeln einen Tag zu früh zu erreichen und morgen erschöpft in der sengenden Sonne bei prophezeiten dreißig Grad entlang der Bernsteinküste die Kreidefelsen zu erkunden für die Rügen allzu bekannt ist. Ob ich dort um diese Uhrzeit noch jemanden antreffe der mir Unterkunft gewährt ist für den Moment ebenso fraglich. Schließlich bin ich zu früh.
    Immerhin habe ich Urlaub. Ich soll mich erholen. Den Ausschlag geben dann die dreißig Grad dass ich lieber heute als Morgen eigentlich nur noch ankommen will. Den schwersten Teil der Reise habe ich ohnehin hinter mich gebracht. Das Stück schaffe ich jetzt auch noch. Oder vielleicht etwa doch nicht? So schön flach wie es daher geht entscheide ich nicht der asphaltierten Hauptstraße zu folgen sondern einmal mehr fernab der Wege mich vom Navi verleiten zu lassen. Zumal hier und da noch ein paar Hünengräber und Steinfelder auf ihre Erkundung warten wenn sie schon mal am Weg liegen. Natürlich habe ich nicht damit gerechnet wenn es seit Wochen kaum geregnet hat bestehen natürlich die Waldwege auch nur aus Treibsand. Und das mit Gepäck und nach 130km. *stöhnen*. Die Belohnung wartet im Detail! Die Abendstimmung kann ich mir kaum schöner vorstellen und zuletzt gibt es an der Seepromenade gerade ein kleines Konzert als ich eintreffe.

    Am nächsten Morgen ist erst einmal Anreisetag für die anderen Mitglieder ich kann daher gemütlich die Umgebung erkunden bevor es brütend heiß wird. Keine 600m entfernt liegt das Seebad Binz majestätisch über dem Strand. Wenn man sich hineinversetzt hat sich zu den guten alten Zeiten wenig verändert. Die Leute sitzen am Meer, in Gedanken versunken oder auch schon mit dem ersten Eis des Tages. Apropos - bevor es heiß wird erhielt ich die Empfehlung hoch oben auf dem Berg das Jagdschloss Granitz zu besuchen. Eine 40m hohe, innen frei schwebende Wendeltreppe bei der man durch die Stufen schauen kann ist hier das Hauptaugenmerk und seit 150 Jahren fast noch imposanter wie der Rundumblick vom Turm selbst. Hier merkt man auch ziemlich schnell wie bergig die Ostküste doch ist. Ein stetiges Auf und Ab. Wie die Wellen die an der Steilküste unweit vom Schloss nagen. Vor der Küste segelt ein Dreimaster. Die See kann so schön sein! Doch der Weg ist das Ziel. In Sellin suche ich daher nicht nur nach der Seebrücke sondern auch nach dem Bernsteinmuseum. Dieses Goldgelbe versteinerte Harz hat hier vor allem im Winter Hochsaison, wenn die Stürme den neuen Bernstein an die Küste treiben. Jetzt im Sommer fertigt man daraus vielmehr Schmuck. Da dieses Handwerk als selten gilt will ich es mir gern näher anschauen und werde jäh enttäuscht als ich lese dass Corona-bedingt alles geschlossen hat. Ich denke bald die Zeiten werden wieder besser und so lange suche ich nach dem zweiten Schatz der Insel. Wenn man schon mal die Wahl hat...
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  • Jun16

    Das Leben der Kormorane

    June 16 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Wir Menschen schaffen es seither leider regelmäßig anderen Tieren Leid beizufügen oder sie gar auszurotten. Einer dieser Artgenossen wäre der Kormoran gewesen wenn man heute nicht so viel für den Naturschutz unternehmen würde. Am Morgen kann ich noch einmal so richtig Energie tanken. Ich stehe am Feld. Überall in den Bäumen hängen noch die morgendlichen Nebelschwaden fest. Kurz darüber kämpft die Sonne damit der Tag die Oberhand gewinnt. Bis zum Frühstück bin ich schon ein paar Kilometer geradelt als mir die ersten Enthusiasten von ihrer morgendlichen Vogelbeobachtung entgegen kommen. Für heute Früh ist ihre Arbeit soweit getan. Ich bekomme von ihnen gleichzeitig noch ein paar gute Tipps wie ich mir den Weg nach Stralsund einplanen kann. Unweit des Kumerower See steht eine Schlossruine. Wie schon oft geschildert ist hier die Zeit manchmal stehen geblieben. So ist das gesamte Schloss Dargun im vorigen Jahrhundert ausgebrannt und keiner konnte es sich leisten dieses wieder aufzubauen. Was nun? Not macht erfinderisch und man hat sich entschlossen aus dieser mystischen Ruine eine Art Kolosseum zu schaffen. Mit Open-Air Bühne und der wohl besten Akustik im gesamten Umland. Bis auf die Grundmauer gibt es kein Dach und kein Fenster mehr. Das war vielleicht auf den ersten Blick ziemlich unansehnlich und kann doch sehr verzaubern als ich dazu ein Stück mehr im Besucherzentrum erfahre. Immer öfter durchziehen jetzt breite Flussgräben und Moore die Landschaft. Bei Nehringen überquere ich die Trebel über die wohl beste erhaltene Holz-Zugbrücke in Mecklenburg und Vorpommern. Ich bin ja sonst nicht zimperlich wenn es über Stock und Feld geht. Das Fahrrad jedoch auf so einer knarrenden Brücke aus dem Graben zu fischen habe ich keine Lust. Genauso klappern aber die schweren Eisenketten und wackeln die Holzdielen. Ich schiebe lieber anstatt zu fahren. Ich bin unterdessen am Vormittag auf dem Weg endgültig an die Küste. Die zwei Vogelschützer vom Morgen haben mir empfohlen bei Niederhof einen Besuch im Wald abzustatten.
    Ein kleines beschauliches Dorf direkt an der Binnenküste der Ostsee. Am Horizont liegt bereits Rügen. Rings um mich kreischt es in den Bäumen. Von unten sehr ich nur dichtes Blätterwerk. Schier undurchdringliche alte Buchen und Eichen lassen keinen Sonnenstrahl auf den Boden fallen. Hier und da ein weißer Fleck am Wegesrand. Und plötzlich an einem Weiher mitten im Wald dreht sich das Bild um. Der Boden ist weiß übersäht, die Bäume sind sehr licht wenn nicht sogar größten Teils abgestorben. Und über allem wacht der Kormoran. Hier brütet eine ganze Kolonie von ihnen unter Naturschutz. Der Kormoran hat seine ganz eigene Geschichte. Seit jeher ist er ein kleiner Pechvogel. Er selbst ist ein Jäger und wird heute in Teilen Asiens für den Fischfang abgerichtet. Zum Teil scheint das lukrativer als andere Binnenfischerei. Jedoch stets zu Lasten der Tiere, die an das Fischerboot festgebunden und am Hals beringt werden um weder zu fliehen noch den Fischfang selbst zu verschlingen. Hier in Norddeutschland war sein schwarzes Federkleid sein Verhängnis. Zumal die Bäume auf denen er nistet regelrecht verätzt werden und absterben galt er lange Zeit als Todbringend. Er wurde vom Menschen fast ausgerottet und selbst die Eier hat man ihm zerschlagen aus Angst vor Unglück das mit ihm hereinbrechen würde. Der Glaube versetzt an der See Berge!
    Nur noch ein paar etliche Kilometer Pflastersteinstraße und ich gelange nach Stralsund. Das Ende vom Festland ist oft ein wenig rauer. Aber heute strahlt es im Sonnenschein und kein Lüftchen trübt den Himmel. Da fühle ich mich pudelwohl als ich bereits bei der Einfahrt in die Stadt an der bekanntesten Brauerei auf und um Rügen vorbeikomme. Hier ist die Heimat von Störtebecker. Der Sagenumwobene Seeräuber und einer der bedeutenden Vitalienbrüder in Nord- und Ostsee. Zu seinen Ehren gibt es hier alljährlich Festspiele, sein eigenes Bier und immer wieder voller Legenden umrankt, blutige Geschichten zur Seefahrt. Sein Leben war geprägt von der Hanse. Der Blütezeit des einflussreichen Seehandels im Baltikum. Heute zeugt von den Segelschiffen ausschließlich die Gorch Fock 1 noch von den Ruhmreichen Segelzeiten alter Tage. Ihr Schwesterschiff die Gorch Fock 2 ist Segelschulschiff der deutschen Marine und bis heute auf allen Weltmeeren unterwegs. Wenn ich mir diese "Nussschale" von der Nähe betrachte ist sie ein technisches Meisterstück. Doch die Matrosen zur See haben weiß Gott nichts zu lachen.
    Es ist später Nachmittag als ich entscheide überzusetzen. Brat mir einer nen Storch! Rügen ist von weitem schon größer als gedacht. Da gibt es noch so viel zu entdecken.
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  • Jun15

    Die Heiden von Kummerow

    June 15 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Am Morgen packe ich gut erholt und gemütlich mein Zelt zusammen während der Andere Radfahrer hastig am liebsten schon die ersten 20km weg hätte bevor der Platzwart überhaupt wach ist. Den Chimborasso habe ich dann doch nicht bestiegen. Bis ich auf Rügen ankommen sollte ist ein extra Tag hinzukommen. Ich entscheide mich kurzfristig auf einen Abstecher über die Müritz zu fahren. So kleine Umwege von gut 60km sind doch nicht der Rede wert. Hier bin ich auch endgültig in Vorpommern angelangt. Hier sind alle Häuser mit Ried gedeckt. Kunst wird groß geschrieben. Der Humor wird, sagen wir mal 'anders'. Bis zur See kann es nicht mehr weit sein.
    Mit einem Mal ist Schloss Hohenzieritz in aller Munde: Denn hier im Sommerschloss ihres Vaters, starb völlig überraschend Königin Luise von Preußen. Sie war ihrer Zeit so etwas wie das Pendant zur britischen Prinzessin Diana. Eine beliebte Wohltäterin im Volk und eigentlich viel zu jung um zu gehen. Ihr Sterbezimmer wurde bald zur Pilgerstätte für Bürgertum und Hochadel. Seither hat sich das Schloss heraus geputzt und besitzt einen der ältesten englischen Landschaftsgärten auf europäischem Festland mit alten knorrigen Bäumen und ringsum flachgehaltenen Feldsteinmauern. Ich denke mir wieder "wer das nicht weiß fährt garantiert daran vorbei, und doch hat dieser Ort mehr verdient".
    Die Müritz ist Deutschlands größter Binnensee. Entsprechend viel habe ich mir auch von dem angrenzenden Nationalpark versprochen. Hier brüten zahlreiche Adler mit denen ich mich näher auseinander setzen will. Und hier liegt die Quelle des bekannten Flusses 'Havel'. Alles erscheint mir wie der Naturschutz in der Postmoderne. Wie ich im Besucherzentrum erfahre brüten die Adler nicht mehr irgendwo nahe dem See sondern fast ausschließlich auf Strommasten. Tiere, die als Kind selbst auf einem Strommast angesiedelt waren suchen erneut einen vergleichbaren Strommast für den eigenen Nestbau. Die Idylle ist also weit her geholt. Immerhin haben die Tiere sich angepasst und sind so wohl auch ihrer Vertreibung vor Ort entgangen. Bis auf eine Live-Kamera eines Jungtieres in seinem Nest und drei Fotos an der Wand fühlt sich aber gerade jeder überfordert und wenig bereit mehr zu sagen und zu tun als am Verkaufstisch zu kassieren. Und diese Havelquelle ist gefühlt auch immer nur weg! Umleitungen mitten im Wald, dazwischen große LKW und schweres Gerät: Denen fällt gerade nichts Besseres ein als am Rand des Nationalparks unterirdisch eine Glaßfaserleitung quer durch das Schutzgebiet zu verlegen. Ansonsten ist die Müritz endlich mal eine Region in der immer noch mehr Fahrräder anstatt E-bikes unterwegs sind. Um die Müritz in wenigen Worten zu umschreiben kann ich auch sagen: ganz viel Wald und Wasser. Da hat mir die Feldberger Seenplatte besser gefallen.
    Auf nach Kummerow, wo die Heiden zu Hause sind. Das traditionelle Leben hat sich gegenüber dem aufstrebenden wilhelminischen Geist und der Marktwirtschaft sehr stark behauptet. Nach 35km im Eiltempo durch das 'Nichts' erreiche ich den nächsten Konsum noch bevor er schließt. Check! Dann werden die Bürgersteige hochgeklappt. Und die alten Stadttore bilden scheinbar eine zentrale Rolle als Grenze zwischen dem bekannten Diesseits und dem entfernten Jenseits. Bei einem Ausblick treffe ich auf einen Radfahrer der sein Lager unmittelbar auf dem Ausblick direkt an der Straße aufgebaut hat. Ich begrüße ihn einmal - 'hallo!'. ... Ich begrüße ihn zweimal... bis ich merke er ist zu sehr in sein Smartphone vertieft um Fußball zu schauen. Es läuft gerade ein Deutschlandspiel bei der Europameisterschaft. Viel reden ist jedoch auch nicht als er aufschreckt weil ich vor seiner Nase Fotos von der Landschaft mache und versuche die grandiose Abendstimmung einzufangen. Ich lasse ihn mit dem Fußballspiel in seiner Einsamkeit zurück. Dann fahre ich entlang der Mecklenburger Schweiz einen Aussichtspunkt nach dem nächsten ab bis mir einer für das Abendessen gefällt. Es gibt Nudeln mit Sardinen in Apfel-Zitronensoße. Hier oben an der See kann Gourmetküche eigentlich nicht besser ausfallen.
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  • Jun14

    Unterwegs mit Humboldt im ewigen Eis

    June 14 in Germany ⋅ ☀️ 15 °C

    Der Tag verheißt viel Hitze. Anstrengend wird er allemal und er soll mich wieder einmal Demut lehren.
    'So schön Brandenburg auch sein mag, die Mecklenburger Seenplatte ist bestimmt auch schön.' denke ich mir. Über Schloss Boitzenburg steuere ich geradewegs an die Mecklenburgische Grenze. Neben dem Schloss gibt es im Marstall eine Eismanufaktur, eine Schaubäckerei und einen Chocolatier. Wer soll sich da denn entscheiden? Jetzt vor Mittag werden noch die Torten angerichtet und der Kaffee frisch geröstet. Hmmm. Das duftet! Oh und ich hätte mich so gern ein bisschen durch die Schokolade probiert. Aber ich muss mit erschrecken feststellen dass die bei den Temperaturen auf dem Rad keine 10 Minuten durchhalten würde. Das Eis tropft auch schneller aus der Waffel auf den Fußboden als ich schlecken kann. Zugegeben will ich mir den fürstlichen Kaffee und Kuchen als dritte Option dann lieber nicht leisten. Die Preise stehen dem herrschaftlichen Schloss, das wirklich gleich nach den Königsschlössern eines der schönsten in Brandenburg ist, in nichts nach. Kein guter Start in den Tag!
    Ich hatte in den Tagen zuvor einen Motorradfahrer gefragt welche Route er mir in Richtung Norden vorschlagen würde. Ich solle doch in die Seenlandschaft nach Feldberg fahren. Das sei sehr schön. Weiter sei er aber auch noch nie gewesen. Gut, das trifft sich nicht so schlecht. In der Nähe ist ein See den ich ohnehin besuchen will. Vorbei an einem kilometerlangen schön in den Wald eingebetteten Zeltplatz gelange ich nach Carwitz. Das wäre ein kleines unbedeutendes Dorf inmitten einer grandiosen Hügel und Seenlandschaft wenn Hans Fallada nicht für seine Werke inspiriert worden sei. Heute ist es sein Wallfahrtsort. Glücklicherweise nicht gar zu sehr in Corona-Zeiten. Die Carwitzer Seen sind zudem alle eiszeitliche Zungenbecken-Seen. Alles was der Gletscher einst abschürfte und nebenan aufhäufte schuf diese wunderschöne Landschaft. Das türkisblaue Wasser lädt gleich dazu ein hinein zu springen. Gefühlt ist alles auf den Beinen was schon schwimmen kann. Gleichermaßen verteilen sich die Leute zu Boot und mit dem Kajak. Jeder findet sein Plätzchen und seinen Rückzugsort. Nur ungern ziehe ich weiter. Erst lasse ich wehmütig die Schokolade zurück, jetzt den Badesee.
    Unweit davon bin ich jedoch erneut vollends in meinem Element. Der Sprockfitzer See hat eine geologische Besonderheit. Inmitten dieser ganzen eiszeitlichen Seen erstreckt sich entlang der Straße ein unscheinbarer Karst See, dessen Wasserpegel Über wenige Stunden von Tag zu Tag unabhängig von der Witterung mehrere Meter schwankt. Als ich vorbei fahre stehen die Schwäne gerade einen Meter auf dem Trockenen. Woher diese Wasserblase im Untergrund kommt kann mir niemand sagen. Für den Augenblick hat es für mich wieder so etwas Magisches an diesem Ort, nicht zu wissen woher es kommt und wohin es geht. Nur dass es einfach so schön daliegt.
    Unterdessen drückt die Sonne vollends am Nachmittag. Ich suche mir auf der Karte die nächste Badestelle. Komme was wolle, eine Abkühlung tut gut. Ich fahre hin und kann einfach den Eingang von der Straße zu dem Weg zum See nicht finden. Hmm. Als ich einen netten Herrn frage will ich vor Neugier was er da macht eigentlich bald gar nicht mehr baden. Der Antikwurm zeigt mir wie er herrlich alte Möbel wieder aufbereitet. Das sind alles Auftragsarbeiten. Vier fünf Projekte hat er schon gleichzeitig. So gegen Acht hört er aber immer auf. Familie hat er ja auch noch. Er erzählt viel von der Suche nach geeigneten Möbeln und wie er es schafft gegen die Holländische Konkurrenz zu bestehen. Vor Neugier und Respekt lasse ich die Kamera in der Tasche. Schlussendlich gesteht der Herr mir dass er in der Brühe liebe nicht baden ginge wenn ringsum alles eingeleitet wird. Warum bin ich nicht in Carwitz geblieben? Das sei seine Heimat und die kann er getrost jedem empfehlen wenn er die Wahl hätte. Demütig ist das für mich ist das das Stichwort nach Neubrandenburg zum Tollensee. Niemals zurück, immer voraus! Rügen wartet!
    Neubrandenburg ist zugegeben eine ziemlich hässliche Stadt. Neue Neubauten laden einzig dazu ein schnell weiter zu fahren. Erst die Seepromenade lädt zum Verweilen ein. Plötzlich ist mir der Ort gar nicht mehr so fremd. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und hat sich hier im Park, beim Spiel oder auf der Seepromenade zum Spaziergang eingefunden. Glücklicherweise ist der Campingplatz an diesem Abend nicht mehr weit. Warum ich dennoch hier herkam wo das eigentlich nur ein Ort zur Durchfahrt scheint liegt etwas weiter in der Vergangenheit. Vor einigen Jahren kam ich bereits mit Alexander von Humboldt in Kontakt als ich quer durch Ecuador gestiefelt bin. Zu dieser Zeit noch ohne mein Fahrrad. Nichts desto trotz hat mich sein Forscherdrang fasziniert. Ihn hat immer interessiert wie alles zusammenhing das zu jener Zeit bekannt war. Auch wenn er sonst in Berlin lebte so mochte er die Seen um Neubrandenburg gar sehr. Wie ich nun beim Abendbrot sitze kommt noch ein zweiter Radfahrer daher. Er kehrt gerade von der Ostsee zurück. Gemeinsam essen wir und sprechen über unsere Reisen. In der Zwischenzeit habe ich den Platzwart gefragt wo denn der Chimborazo liege. Es ist der höchste Berg von Ecuador und hier am Tollensee zu Humboldts Ehren der höchste Berg der Umgebung. Da werden Erinnerungen wach! Der Platzwart kennt ihn leider nicht. Genauso wenig wie ich bislang wusste dass nicht weit von hier 'Afrika' liegt. Ich dachte immer ich habe den Berg schon mal in den Anden bestiegen. Auch sonst stört es ihn eher dass wir seinen Feierabend nicht gönnen. Also nehme ich mich zurück. Ich stelle noch schnell die Getränke für morgen im See kalt und lege mich mit vielen tollen Erinnerungen zur Ruhe.
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  • Jun13

    Ein Mönchsleben hat viele Gesichter

    June 13 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Nun bin ich aber wirklich schon spät dran und auf dem Weg ins Kloster Chorin. Die Kostproben verlangen ihren Tribut dennoch und meine Wasserreserven neigen sich an diesem Sonntag dem Ende. Wie so üblich fließt das Wasser im Kanal unten und die Klostermauern stehen auf dem Berg darüber. Auf mich wartet ein schweißtreibender Anstieg. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt erst recht nicht nach der spritzigen Einlage. An einem der schönsten Mohnfelder entlang der Tour lege ich erneut eine Rast ein. Wie haben sich wohl die Menschen im Mittelalter gefühlt? Ihnen hat an solchen heißen Tagen auch niemand die Arbeit abgenommen. Dennoch wollten sie sicher die Schönheit des Lebens genießen. Besonders die Mönche - Tagein Tagaus in ihrer Kutte. Egal ob bei der Gartenarbeit oder beim Aufbau ihres Klosters. Egal ob beim Beten oder beim einkellern des Weines. Ein Stück weit hatte ich erwartet diesen Zeitgeist im Kloster Choirin wieder zu finden. Das Kloster ist für seine Anlage und die damaligen Leistungen der Mönche noch heute im weiten Umkreis bekannt. Ein kleiner Wallfahrtsort. Leider entpuppt es sich als ein Tourismusmagnet an dem man selbst erst ins Café kommt nachdem man Eintritt bezahlt hat. Weiter ist es heute eine Ruine. Selbst das Kirchenschiff, nach außen noch intakt wird nach innen nur als Konzert- und Veranstaltungssaal genutzt. Der Weinkeller ist zugemauert und abgesperrt. Hier leben heute Fledermäuse. Von den Mühlen für deren Wassergraben man ganze Berge geteilt hat steht nur noch die Grundmauer. Zugegeben für einen Spaziergang ist alles idyllisch schön konserviert wenn ich schon einmal hier bin, mehr aber nicht. Den Zeitgeist muss ich wo anders suchen.
    Was natürlich um die Jahreszeit in ganz Brandenburg sehr markant ist sind die Störche. Kaum ein Schornstein oder ein Dorf in dem der Storch nicht heimisch wäre und sein Nest gebaut hat. Die Jungen sind mittlerweile geschlüpft oder kurz davor. Ein Elter wacht somit immer über das Nest während der andere unterwegs ist. Es beruhigt mich zu wissen dass sich daran trotz unserer schnelllebigen Zeit über Jahre nichts geändert hat. Störche sind extrem wählerisch und mit Hingabe einander ein Leben lang treu. In diesem Punkt haben sie mit dem Zeitgeist der Mönche sehr viel gemeinsam.
    Unweit finde ich eine weitere versteckte Schlossruine. Nichts Besonderes denke ich mir und packe dennoch lieber dort mein Abendessen aus als zwischen den vielen Touristen. Die Küche bleibt heute kalt. Anstatt einer ruhigen Vesper holt mich bald die Geschichte ein. Ein schnaufender Gaul kommt um die Ecke und zieht einen Planwagen auf den Platz hinter dem Schloss. Eine junge Familie mit ihren drei Töchtern vereinnahmt sofort den Rasen. Das Pferd kümmert das wenig. Es frisst. Sie haben für die Schlossruine einen Schlüssel erhalten. Wie ein Sesam öffnen sich die Türen zum Schlossinneren mit einer kleinen Küche, Toilette und einem Lagerraum mit allerlei altem Rüstzeug. Bevor ich weiter fahre darf ich meine Wasservorräte ebenfalls auffüllen. Derweil wird das Pferd gestriegelt. Scheinbar durfte es den heißen Mittag in einem Schlammloch verbringen. Zugegeben ist das aber ja nicht der schlechteste Sonnen- und Mückenschutz. Und es frisst immer noch. Die Kinder wollen natürlich alle zuerst die eine Bürste und das Pferd striegeln. Die Eltern erzählen mir über ihre Reise und ich bin von der Idee sehr angetan. Pferd und Wagen stammen von einem lokalen Planwagenvermieter. Er hat hier in der Region etwa 30 solcher grünen Stellplätze eingerichtet. Je nachdem was die Familie z.B. auf ihrer Reise anzustellen plant erstellt er eine individuelle Route zu Schlössern, Seen, Wäldern und koordiniert die Stellplätze. Ich glaube so eine Reise wie im Mittelalter auf Zeit könnte mir auch gefallen. Zumal es das Leben von damals facettenreicher wiedergibt als es ein Schausteller je könnte.
    Ein Punkt den ich dieser Tage auf jeden Fall mit dem Klosterleben gemeinsam habe ist das früh aufstehen und den Morgen ganz für mich allein zu haben. Mein Zelt steht an einem See inmitten der Uckermark. Der Teichrohrsänger gibt seit dem ersten Morgenlicht keine Ruhe mehr. Noch bevor die Sonne wirklich aufgeht stehe ich schon wieder auf. Über dem See bilden sich mystische Nebelschleier. Die Mönche wussten scheinbar am besten dass ‚Morgenstunde Gold im Mund‘ hat und seit jeher die meiste Energie besitzt kraftvoll in den Tag zu starten. Doch von der Geschichte erzähle ich das nächste Mal. Ich bleibe noch einige Zeit am See und genieße den Augenblick.
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  • Jun13

    Brandenburger Landpartie (2)

    June 13 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Einmal mehr ist auf dem Land hier fernab jeglicher Stadt die Zeit stehen geblieben. Die aktuelle Situation erlaubt es jedoch schon wieder dieses zur Schau zu stellen und tief in unsere Vergangenheit einzutauchen. Mein Plan bestand ursprünglich darin möglichst schnell an den Oder-Havel-Kanal zu gelangen und ein wenig vorwärts zu kommen. Eine Museumseisenbahn in Sternebeck macht diesen Plan jäh zu Nichte. Wenn ich zwischen allerlei alten Wagons wandeln kann und diese Stück für Stück in sehr gut restauriertem Zustand sind kommt bei mir der kleine Eisenbahnfreund zum Vorschein. Es ist nicht allein die Eisenbahn, die den Leuten hier ein schönes Hobby beschert. Selbst die Kinder sind begeistert mit dabei und versuchen mir zu erklären was ein jeder einzelner Wagon gemacht hat. Auf den ersten Blick erscheint es anders jedoch hat man diesen Landbahnhof fernab jeder Haupttrasse sehr gut gepflegt. Die Kinder sagen mir 'hier von den Feuerwehrautos dort drüben waren auch immer schon zwei oder mehr stationiert. Wegen der Soldaten.' Ich schaue ungläubig. Auf dem Weg hier her hatte ich gar nicht mitbekommen dass in der Gegend ein aktiver Truppenübungsplatz oder sonst irgendein Sperrgebiet lag. Seit dem ich in Kanada meine Erfahrung damit gemacht habe bin ich eigentlich von der Neugierde in solchen Gebieten geheilt. Ich hole mein Navi raus und schaue auf die Karte. Nichts. reinzoomen. Immer noch nichts. Irgendwo nebenan im Wald taucht die Bezeichnung NVA-Museum auf. Zu Corona-Zeiten ist ein Museum nie ein Grund für ein paar Extra Kilometer. Noch weiter reinzoomen. Plötzlich tauchen versteckt mehrere Bezeichnungen um einen mysteriösen Ort auf. Hornekamp. Autopark. Atombunker. Ähh, dass hier in der Umgebung ein Kernkraftwerk steht kann ich ausschließen. Damit ist die Neugier bei mir dann doch wieder geweckt. In Hornekamp finde ich abseits der Hauptstraße sogar zwei kleine Wegweiser und folge dann mehrere Kilometer einem Kolonnenweg tief in den Wald. Links und rechts möchte ich mich nicht einmal als Reh in dieses Dickicht verirren. links folgt ein eingewachsener Zaun, darauf der Hinweis auf militärisches Sperrgebiet. Aber die Straße ist in meinen Augen frei zugänglich. Nach einem weiteren Stacheldrahttor folgt das besagte NVA-Museum. Eine zweistöckige ziemlich verfallene Baracke, einige Kameras aus vorsintflutlicher Zeit. Hier macht heute kein Museum auf. Ein zweites Tor und ein verlassenes Pförtnerhäuschen führen mich auf das Gelände einer ehemaligen DDR-Kaserne. Die Hallen scheinen restauriert und heute für Paintball-Schießen genutzt zu werden. Das steht zumindest am Eingang der Anlage. Der Weg führt weiter noch tiefer hinein. Bis ich irgendwann vor einem zweiten Pförtnerhäuschen und einem verschlossenen Tor stehe. Im Fenster werden einige alte Fotos gezeigt und der umliegende Zaun mit Starkstrom geschützt. Ich versuche gar nicht erst weiter zu kommen. Es ist alles so schon interessant. Fernab jeglicher neugieriger Blicke, fernab von Eisenbahn und Funkmasten hat die DDR-Führung hier ihre Hauptleitstelle für den Ernstfall eingerichtet. Unter die Erde hat man hier eine riesige 3-Etagige Wohn-und Arbeitskapsel gebaut und mit 3m dickem Stahlbeton ummantelt. Darüber wurden noch einmal 15 Meter Kies, Beton und Stahl aufgeschichtet um ein 'sicheres Haus' zu gestalten. Auf der oberen Etage befinden sich Kommando- und Arbeitsräume, Medizinischer Punkt und die Räume des ehemaligen Ministers. Darunter befinden sich Küche, Lagerräume, Speise- und Schlafräume und ganz unten die Technik, Wasser und die Stromversorgung. Die Kampfbesatzung (450 Personen) hätte hier ohne Versorgung von außen knapp einen Monat überleben können. Wenn ich vergleiche welchen Aufwand man bereits damals in den 70er Jahren betrieben hat will ich mir gar nicht denken was heute dem Stand der Technik einer solchen Anlage entspricht. Das ist schon gut dass da draußen immer Sperrgebiet dran steht.
    In Finow komme ich gerade noch rechtzeitig über die Kanalbrücke bevor die für den Schiffsverkehr hochgezogen wird. Der Ort liegt am Oder-Havel-Kanal und unweit steht Ostdeutschland größtes Schiffshebewerk. Ein 36 Meter Höhenunterschied wird hier seit 90 Jahren in gigantischen Dimensionen für Schiffe überbrückt. Als ich mir das Bauwerk aus der Nähe betrachte wird auch gerade ein Schiff abgesenkt. Für die 36 Meter benötigt es schlappe 20 Minuten. Da könnte man glatt einen Kaffee trinken gehen. Mein Magen knurrt eh. In der Gründerzeit wurde bekanntlich alles aus Stahl genietet. Somit fehlt zum Eifelturm also nicht so viel. In der Zwischenzeit baut man nebenan ein modernes Hebewerk und will in typisch deutscher Bauzeit seit 2014 fertig sein. Leider stehen die Bauzäune heute immer noch. Und als hätte es ein findiger Unternehmer geahnt: Für alle die sich jetzt an den Kopf greifen gibt es unweit davon seit zwei Jahren eine brandneue Destille um sich von dieser Ungnade abzulenken. Stefan und Jana haben hier einen alten Bauernhof restauriert. Aus der Scheune wurde ein Hochlager und im Stall befinden sich heute die Brennblase und das Labor. Über das Jahr werden je nach Saison mittlerweile 30-40 verschiedene Feinbrände, Geiste und Liköre vorwiegend aus heimischem Obst gebrannt. Aus Anlass der Brandenburger Landpartie ist heute so etwas wie Tag der offenen Tür inklusive Verkostung. Nachdem ich heute nun schon wieder die eine oder andere Verzögerung in Kauf genommen habe kommt es bestimmt nicht mehr darauf an wenn der ein oder andere Geist mich hier nun weiter aufhält. Morgen ist notfalls auch noch ein Tag und mein nächstes Ziel scheint ein Kloster zu werden. In früherer Zeit hieß das man soll erst Recht trinkfest sein. Traditionell abgefüllt wird im Übrigen in Apothekerflaschen. Auch von Standes wegen ist eine Qualitätskontrolle somit sehr zu empfehlen. :)
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  • Jun13

    Die Spur der Steine

    June 13 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    Die deutsche Literatur ist sehr oft von Autoren geprägt die in Berlin veröffentlicht haben jedoch hier im Umland gelebt und gearbeitet haben. Theodor Fontane, Berthold Brecht, Hans Fallada sind nur einige große Namen der Literatur die hier an irgendeinem See ihr Haus hatten, Freunde einluden und in der ein oder anderen philosophisch anmutenden Diskussion ihre Kraft schöpften. Wenn nicht ein Schicksalsschlag in der Kindheit, dann der Krieg oder die Vertreibung. Sie alle haben hiernach gemein einen Ort aufgesucht der dem damaligen Schönheitsidyll von Landschaft entsprach. Hiernach nannte man die Region kurzum Schweiz da die Vorstellung der Schweiz jeher der Vollkommenheit entsprach. Somit entstand die Sächsische Schweiz, die Märkische Schweiz oder die Mecklenburger Schweiz um nur einige zu nennen.
    Im sonst so windumtosten Osten tauchen bei Bukow plötzlich steile Berge mit hundert Metern auf. Die Gletscher-Endmoräne hat hier sehr schöne Zungenseen in Berg und Tal eingebettet. In der Nacht bot mir eine Schutzhütte zur Vogelbeobachtung Zuflucht vor der Mückeninvasion. Gefühlt bin ich aber schon lange vor dem letzten Hahn wach. In der Morgenluft sind nur die Mücken noch zeitiger aktiv - immer noch, oder schon wieder. Die Morgensonne scheint gleisend durch die Baumstämme. Ich entdecke einen Ameisenhügel gleich neben meiner Schutzhütte. Bevor die fleißigen Arbeiter womöglich mein Müsli finden mache ich mich lieber auf den Weg. Regel Nummer eins - Iss niemals dort wo du schläfst sonst lockst du Tiere an. Das beherzige ich seit Kanada vortrefflich. Während ich auch einiges andere mittlerweile an Erfahrung rund ums draußen sein gesammelt habe treffe ich einen Kilometer weiter auf einen blutigen Anfänger. Er erzählt wie er aus Berlin kommt und nur für das Wochenende endlich mal ausprobieren will wie es sich draußen schläft und wie es ist in der Natur zu sein. Mit über Fünfzig das Erste Mal. Besser spät als nie versuche ich ihn zu ermuntern und erzähle ein wenig beim Frühstück. Währenddessen hat er ohne Zelt in einer Schutzhütte am See geschlafen. Der Schlafsack ist patsch nass vom Morgennebel, der Kopf und alles was raus guckte von Mücken zerstochen und der Rücken tut weh. Ich hoffe einfach dass er aus meiner Erfahrung lernt und nicht alles ins Korn schmeißt worüber ich mich heute amüsieren kann. Für heute will er jedoch erstmal wieder nach Hause nach Berlin - ihm reicht es. Während in Buckow wieder noch nicht einmal der Bäcker auf hat treffe ich einige weitere Berliner die die Morgenstille nutzen. Oft sprechen sie über den Stress den die Großstadt mit sich bringt und das sie gleich hier vor den Toren eine wahre Kur für sich finden. Das finde ich toll. Die Menschen suchen nicht nur Erholung sondern versuchen die gleiche Kraft zu schöpfen wie einst die großen Schriftsteller.
    Im Märkisch-Oderland und je weiter man davon nach Norden fährt umso mehr dominiert der Feldstein als Baumaterial. Straßen die schon hundert Jahre nicht mehr repariert werden mussten, Häuser die auch in zweihundert Jahren maximal ein neues Dach brauchen doch die Fassade wird immer so Farbenfroh bleiben. Gefühlt hat man hier alles aus Feldstein gebaut und heute weitgehend unter Denkmalschutz gestellt. Das kam da die eiszeitlichen Gletscher aus Norwegen, Schweden, Aland bis nach St. Petersburg ihr Eis bis in die Uckermark vortrieben und verschiedenstes Geröll mit sich führten. Hauptsächlich prägen Glimmer und Quarz die Fassaden in allen Farben von grau, rosé bis rot über orange. Die Landstraßen lassen kaum ein vorankommen zu. Ein anderer Radwanderer schaut gerade krampfhaft aus seiner Karte wann denn mal wieder die nächste vernünftige Straße kommt. Da wo ich her komme mache ich ihm wenig Hoffnung doch das war gerade das was er nicht hören wollte.
    Unterdessen erreiche ich die nächste asphaltierte Landstraße. Als wöllte ich alles aufholen geht es frisch erholt im Sausewind voran. Am nächsten Anstieg fährt sogar eine Gruppe Rennradfahrer mit mir um die Wette den Berg hoch. Ein Transporter überholte mich auf gerader Strecke und zeigt mir 'Daumen hoch' aus dem Fenster. Ich freu mich. Keine 500m weiter an einem Parkplatzhält er an und stellt sich an die Straße. Ich denke mir nichts dabei bis ich seine Beifahrerin an der gegenüberliegenden Straßenseite ausmache und sie mich mit dem Handy filmt während er mir in die Hände klatscht. "Klasse! Die nächsten Kilometer werden ein bisschen anstrengender, aber du machst das super!" *welch Lorbeeren...womit ich das wohl bezweckt habe?* "Danke, so schlimm wird es nicht werden" erwidere ich und fahre weiter meinen Tritt mit 20-22 Km/h bergauf. Na jedenfalls kann man jetzt meinen dass die schneller oben waren aber denkst du! Rennräder! Mit der Zeit überholt mich eins nach dem anderen in kleinen Grüppchen. Mal mehr Mal weniger schnaufend. Und zum Schluss kommt der Transporter wieder. jetzt weiß ich auch warum die unten gewartet haben. 'Daumen hoch' das heißt so viel wie, alles in Ordnung, mir geht es gut. Und dann fährt die Gruppe lange Zeit auf Kaffeefahrt wie auf dem letzten Loch pfeifend gemütlich vor mir her. 20 km/h vielleicht jedoch immer in Sichtweite bergauf. Ich denke mir 'dann hättet ihr mich auch mitnehmen können!' Ich verliere sie kurz aus den Augen doch nach zwei Kurven am Ende des Anstiegs treffe ich das Auto am Seitenrand wieder. Einer hat eine Rad Panne und die Gruppe macht eine Pinkelpause zehn Meter vor einem Stoppschild was das imaginäre Ende des Anstieges war. Jetzt aber! Sozusagen habe ich meinem Fahrrad die Sporen gegeben und als grünen Sprinter die Ehre erwiesen gegen die Rennradfahrer als Erster über die Stopp- bzw. Ziellinie zu fahren. ;)
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  • Jun12

    Brandenburger Landpartie

    June 12 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Je näher ich an den Berliner Stadtrand gelange desto mehr nimmt die Kultur Oberhand über die Natur. Außerdem ist Wochenende. Die halbe Strecke nach Rügen ist fast geschafft. Wenn möglich schalte ich gern auch mal einen Gang zurück. Am Scharmützel See überrasche ich einen Freund. Anfangs war nicht klar ob er überhaupt da sein würde. Die Überraschung klappt perfekt. Der Badesee lädt mit echt milden Wassertemperaturen ein und ist zudem Glasklar. Zwar haben wir uns zum Frühstück verabredet do der Drang ins Wasser weckt die müden Lebensgeister am Morgen mehr wie jeder Kaffee. Und so dehnt sich das Treffen mehr zum Brunch. Er hätte nie gedacht dass er als Dauercamper jemals sesshaft werden könnte bis er hier voriges Jahr seine Sportbootführerschein machte und sich hals über Kopf verliebt hat. Mit dem Auto wäre es ja wirklich nur ein Katzensprung. Und jetzt bei dem Sommer brummt der Softeisverkauf hier am See weitaus mehr wie in der Heimat. Das ist zu seinem kleinen Hobby geworden. Doch leider hat er gerade heute andere Sorgen rein bekommen. Bitte wer klaut denn einen Softeisanhänger in Bad Saarow? Traurig aber wahr. Ich nehme es mit Humor - da fahre ich hunderte Kilometer und freu mich auf mein Eis und am Ende gibt es nicht mal irgendeins, geschweige denn meine Lieblingssorte. Wir wollten gern noch eine Runde mit dem Sportboot drehen, doch der Anhänger ist jetzt wichtiger. Ich bin bald kaum eine große Hilfe und entschließe mich noch heute wieder weiter zu fahren. Mein Bauchgefühl sagt mir das lohnt sich.
    In Groß Rietz gelange ich zu einer der schönsten preußischen Schlossanlagen. Der Park ist mit Obelisken verziert, die Fassade wie neu gestrichen. Nur das Wetter spielt nicht mit und überrascht mich beim Mittagessen. Frisch gebadet entscheide ich mich die nahe gelegene Jagdanlage und heute Wildaufzucht nicht zu besuchen. Gen Norden zeigt das Wetterradar besseres Wetter. Nichts wie hin! In Fürstenwalde erledige ich meine letzten Einkäufe vor dem Wochenende. Die Stadt ist ein markantes Beispiel dass im Krieg zerbombte Städte hier auf dem Land zu 80% ausschließlich aus hässlichen Neubaublöcken wieder aufgebaut wurden. Moderne Architektur nannte sich das vor vierzig Jahren. Während eine Hochzeitsgesellschaft zusieht, dass sie vor dem nächsten Regenschauer schnell alle in die Kirche gelangen hat alles andere bereits zum Wochenende geschlossen. Daher führt mein Weg nach Steinhöfel in der Hoffnung dass sie zum Kaffee dann ein Eis für mich haben. Das Schloss Steinhöfel ist ebenfalls sehr schön wieder her gerichtet. Heute beherbergt es ein teures Schlossrestaurant. Der Sinn steht mir jedoch plötzlich weniger nach Essen als nach Neugier als eine Konzertaufführung aus dem Schlosshof klingt. Nebenan im Amtshaus spielen sie Blues. Verdammt, jetzt muss ich mich auch noch entscheiden. Die Akustik im Schloss ist derweil so gut, dass ich der Arie sogar im Schlosspark beim Spaziergang lauschen kann. Diese Szenerie von alten knorrigen Bäumen, sauber angelegten Wegen und verwunschenen Brücken könnte schöner nicht untermalt sein als mit Live-Musik. Die Aufführung ist Teil eines Aktionswochenendes zum Leben und Arbeiten auf dem Land. Alle haben sich dazu heraus geputzt. Sie stellen ein Schloss, ein altes Gut oder ein Handwerk wie mit einem Tag der offenen Tür vor. Wegen dem Wetter oder vielleicht auch wegen dem Dresscode haben sich leider nur 10 Zuhörer eingefunden. Leider fühle auch ich mich ein wenig unwohl sobald mich die Portiers mit meinen Radsachen ständig mustern als ich mich nach meinem Spaziergang gern dazu geselle. Zum Glück gibt es ja nebenan im Amtshaus noch deftige Livemusik. Ein alter US-Thunderbird, eine zweiköpfige Band mit kräftiger Stimme und leckerer selbstgebackener Kuchen von den Frauen aus dem Dorf. Der Kaffee ist auch ohne Eis gerettet. Ringsum stehen alte Kutschen und Kinder spielen im Hof so ganz ohne Plastik und Elektronik. Für einen kurzen Moment scheint die Zeit still zu stehen.
    Übrigens genauso wie in den Wäldern ringsum. Die Buchenwälder in Bandenburg stehen für ihre Verknüpfung von Land und Kultur, sowie dem Artenschutz sogar unter UNESCO-Welterbe. Und sie bergen noch ganz andere Geheimnisse. Dazu später mehr.
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  • Jun11

    Das Moor im Spreewald

    June 11 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C

    Wenige Kilometer nach dem letzten Baggerloch teilt sich die Spree in tausend Wasserläufe. Auf kleinstem Raum lassen sich ca. 270km Wasserwege und Kanäle erkunden. Ein Eldorado also für Naturliebhaber wie mich. Mein erster Eindruck vom Spreewald? Der Radweg nach Lübbenau ist aus nicht erkennbarem Grund gesperrt. Sobald ich irgendwo stehen bleibe kommen von überall Mücken! Außerdem wird es bald finster und in absehbarer Nähe gibt es keinen geeigneten Zeltplatz. So recht weiß ich noch nicht was ich hier soll.
    Doch der Spreewald ist nicht umsonst ein besonderer Ort in Brandenburg. Tausende Vögel, Lurche, Insekten und das ein oder andere Wild gibt es nirgendwo sonst im Umkreis als hier in diesem eiszeitlichen Urstromtal. Und noch etwas macht es so einzigartig hier. Von April bis Oktober ist es die einzige Region in Deutschland in der selbst die Post besser mit dem Kahn transportiert wird als mit dem Auto. Das ist es allemal wert lauf meiner Tour zu erleben. Die Suche nach dem Nachtlager gestaltet sich schwierig. Bis in den Abend habe ich Schloss, Stadt und Park Lübbenau erkundet. Es ist das kürzeste Tor zum Spreewald und das wohl vielfältigste. An meinem Abendbrottisch führt der Spreeradweg entlang. Und noch bis nach halb elf kommen immer wieder Radfahrer und Wanderer entlang. Man muss bedenken dass hier alles auf Grundwasser und mitten ins Moor gebaut ist. Das Zelt also irgendwo auf die Wiese daneben zu stellen ist keine gute Idee. Zumal der Spreewald auch ein geschütztes Gebiet ist. Da will ich ungern stören. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Heldentat - ist die Nacht irgendwann gerettet. Der neue Tag beginnt sehr früh und über Stunden bin ich in dem Naturschutzgebiet allein unterwegs. Wenn auch auf dem Rad anstatt dem Kahn starte ich meine Erkundungstour. So früh am Morgen will noch kein Bootsverleih öffnen. Selbst Schuld. Dafür packe ich nicht nur mein Frühstück aus, sondern auch mein Fernglas und ich spitze die Ohren. Goldammer, Buchfink und Drosselrohrsänger sind unüberhörbar. Selbst der Pirol, ein putziger gelber Vogel ist jetzt schon wach. Es ist noch nicht einmal Sechs Uhr. Ich lausche über eine Stunde bevor ich mich entschließe weiter zu fahren. Gefühlt habe ich den ganzen Spreewald immer noch für mich allein. Ich bin eindeutig wieder einmal fernab der Hauptwege unterwegs. Nach sehr langer Fahrt durchs Moor erreiche ich die Gastwirtschaft Wotschofska. Die haben aber vor zehn noch nicht einmal für ein zweites Frühstück oder ein Stück Kuchen geöffnet. Und so genieße ich es auf der Brücke zu stehen und zu den wenigen Kajakfahrern zu schauen die heute im Spreewald schon unterwegs sind. Apropos diese Spreewaldbrücken. Zu Fuß sind sie ja ein Genuss, jedoch nicht mit dem Rad! Sie sind immer so gebaut, dass ein Kanal an der engsten Stelle passiert wird. Da geht es dann steil soweit rauf, dass problemlos ein Kahn samt Fracht und Mann hindurchpasst und dahinter geht es wieder genau so steil hinunter. Für mich heißt das Gepäck abschnüren, alles rüber tragen, Gepäck wieder aufschnüren. 300m fahren und dann beginnt alles wieder von neuem. Das ganze bis zu fünf Mal in der Stunde ist keine Seltenheit. Jetzt zur Mittagsstunde zehrt das stark an mir. Die Laune lässt bald zu wünschen übrig da bin ich endlich wieder von meinem kleinen Abstecher in Lübbenau auf der Straße angekommen. Die nächste Ortschaft Lehde liegt jedoch fast noch tiefer im Sumpf mittendrin. Der Postbote war leider schon durch. Mir bleiben aber die Gurken. Hier im Oberspreewald bekam die Spreewaldgurke ihren Namen, denn Wasser kann sie nie genug bekommen und sie gedeiht hier angeblich prächtig inmitten vom Sumpf angelegten Inseln. Ein kleines unscheinbares Gurkenmuseum zeigt die Vielfalt auf, die diese Kürbispflanzen mit sich bringen. Nur leider finde ich das jetzt alles sehr touristisch und für die Gurken bin ich scheinbar zu früh. Um 'schneller' unterwegs zu sein schließe ich mein Rad an einem Baum an anstatt es über alle Brücken zu tragen und gehe zu Fuß durch das historische Dorf. Sorbische Häuser werden entweder als Umgebinde gebaut, oder wie hier, auf Stelzen. Man hat neben dem Haus auch keine Garage für sein Auto, sondern für seinen Kahn auf dem nächstgelegenen Kanal. Es ist eindrucksvoll zu sehen wie die Bootsführer ihren Kahn staken. Mancher Bauer hat sich mittlerweile jedoch auch einen Außenborder zugelegt. Tag ein, Tag aus erzählen Sie den Besuchern dabei viel über die Kulturlandschaft Spreewald. Ich finde jedoch die Natur selbst geht vor den vielen Touristen im Sommer sehr schnell unter.
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