In Sachsen daheim, in der Welt zu Hause. So bin ich neugierig und aufgeschlossen Jahr für Jahr unterwegs interessante Menschen kennen zu lernen, Orte zu entdecken und Spaß am Reisen zu haben.
  • Jun14

    Russisches Glücksspiel nach Saarbrücken

    June 14 in Germany ⋅ ⛅ 15 °C

    Erst nach Mitternacht gelange ich nach Saarbrücken. Das letzte Stück weg führt quer durch den Wald zu einem See. Ich treffe noch auf eine russische Familienfeier die versuchen mit Wodka und Gitarre ihre Stimme zu ölen. Doch der Weg bis zur Unterkunft ist noch ein Stück quer durchs Land. Also bleibe ich nicht lang. In der Finsternis nehme ich den Waldweg zwischen den Fisnteren Bäumen nicht mehr wirklich wahr. Daher lasse ich mich auf ein Experiment ein. (Nicht nachmachen wer kein 100% gutes Bauchgefühl dabei hat!) Anders als auf der Straße leuchtet die Fahrradlampe nicht den halben Wald aus. Mein weg führt durch ein dichtes Netz von Wanderwegen irgendwo da drüben runter. Wegweiser gibt es nicht und ein breiter Waldweg ist ebenfalls Fehlanzeige. Ich weiß gar nicht wie ich mich da hinein manövriert habe doch ich will nicht ständig Bergauf Bergab. Nicht nach Mitternacht! Die letzten 1800 km hat mich mein Bauchgefühl immer auf gutem Weg begleitet.Daher wage ich es und nutze maps.me statt nur zum Route planen nun erstmalig zum blinden Navigieren auf engen, verwurzelten Wegen bergab. Irgendwo zwischen den Bäumen falsch abbiegen und ich lande in den Brombeeren wenn es gut für mich läuft. Immer wenn das Navi sagt "jetzt abbiegen" geht es 'jetzt' zwischen den Bäumen ins schwarze Ungewisse. Immer fleißig bergab. Als ich ankomme bin ich froh und überglücklich. Der Wald hat nachts mindestens genausoviel Geheimnisse zu bieten wenn ich durch Adrenalin geleitet mit allen Sinnen wahrnehme. Ich bin eben doch in der Natur gut aufgehoben. Nach der Ankunft fällt das Abendbrot ziemlich kurz aus. Das kann ich auf der Heimfahrt nachholen.

    Saarbrücken ist vorerst das Ende meiner Quer-durchs-Land tour. Nach drei Wochen ruft die Pflicht. An diesem Sonntag Morgen habe ich die Stadt scheinbar ganz für micht allein. Noch nicht einmal die Putzkollone ist früh um Acht schon auf den Beinen. Ein letzter Blick aufs Stadtschloss, rüber über die Saar und ab in den Zug. Wenn es wieder einmal über alle Berge geht muss ich das Flair von Saarbrücken wohl an einem anderen Wochentag genießen. Schade.
    Typisch Deutsche Bahn bringt der Bummelexpress mich auf Kurs Richtung Heimat. Ich komme gefühlt nur wenig schneller voran als mit dem Rad. Und 10 Stunden lang Mundschutz tragen ist auch nicht die helle Freude. Ich kann es daher nicht lassen und entschließe mich einen Bahnhof früher auszusteigen. Es ist Regen angekündigt doch das stört mich nicht. Ich möchte diese Tour so beenden wie ich sie angefangen habe. Über kurz oder lang ist 'zu Hause' nur ein weiterer Zwischenstop

    Nun ist wieder alles zusammen gepackt. Das Zelt, die Radtaschen, das Kochgeschirr. Es waren nur drei Wochen. Für Außenstehende ist es einmal mehr Kopfschütteln welche Arbeit und Zeit ich hineingesteckt habe Deutschland mit dem Rad zu bereisen. Erinnert sich der ein oder andere noch? Der Sinn des Lebens ist doch zu einer bestimmten Zeit immer das zu tun was einem am meisten Spaß macht. Egal ob Kurztrip oder Weltreise.

    Quer durchs Land gibt es noch so viel zu Entdecken! Mit meiner "Fernweh-wegtrink-Tasse" sitze ich und schaue einige Tage später auf den grandiosen Sonnenuntergang am Midsommer-Abend. Dem längsten Tag des Jahres. So sicher wie das Amen in der Kirche wird die Sonne auch wieder aufgehen. An einem neuen Ort. Mit einem neuen Ziel.
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  • Jun13

    Völklinger Hütte

    June 13 in Germany ⋅ ⛅ 20 °C

    JA, die liebe Zeit. Wer sie hat, hat es gut und wer sie nutzt noch viel besser!

    Bei der Kapelle zum Heiligen Petrus bietet sich ein letzter Zwischenstop an. Ich will ja dankbar sein dass der Wettergott in den letzten Wochen zu mir gehalten hat. Und nicht zu letzt schimpfen immer alle über Petrus wenn das wetter mal nicht passt, aber wie schön er es eigentlich an seiner Kapelle hat, egal bei welchem Wetter, das weiß kaum einer.

    Ein alltägliches Ritual am frühen Abend ist mittlerweile meine liebgewonnene Quarkspeise. Wann immer ich sie im Laden finde habe ich mindestens eine dabei. Schmeckt gut, macht satt und gibt Kraft bis in die späten Abendstunden. Frisch gestärkt begebe ich mich auf die letzten Kilometer in Richtung Saarbrücken. Die Landschaft wird zunehmend von Industrie geprägt. In Saarlouis fühle ich mich in eine komplett andere, triste Zeit versetzt. Zwei Radfahrer erzählen mir am Rande wie sie in Zeiten Covid-19 den Moselradweg noch nie so leer und interessant erlebt hätten. Aber sonst sei es die richtige Entscheidung gewesen an die Saar zu kommen. :) Sie berichten mir von einer Hütte wenige Kilometer weiter in Völklingen. Die ist zwar am Abend geschlossen wird aber am Wochenende gern mit viel Licht in Szene gesetzt. Es wird ja auch erst spät am Abend wirklich dunkel. Doch wer jetzt denkt es sei eine Hütte zum Übernachten, der fehlt gewaltig.

    Die Völklinger Hütte ist ein Stahlwerk das noch bis vor 25 Jahren Stahl verhüttet hat. Ein Industriegigant und gleichzeitig ein Urgestein deutscher Industriegeschichte. Aufgrund der guten Erhaltung wird die Hütte heute als Kultur- und Welterbestätte geführt. Ebenso wie der Zollverein in Essen spiegelt sie eine Zeit wieder in der vieles von Hand gefertigt wurde und die Wenigen Maschinen die es gab kommen wahren Monstern gleich. Heute stehen die Hochöfen still und verrosten einen Kilometer nach dem nächsten entlang der Saar.
    Der Uhrzeit geschuldet scheine ich beinahe der Einzige zu sein der noch unterwegs ist. Das ergibt gleichzeitig wieder so ein besonderes Flair. Diese Kollose inmitten grüner Auen. Die Saar ist ruhig und spiegelglatt. Die Vögel zwitschern zur Guten Nacht. Es ist ein schöner Ort zum verweilen und staunen. Mein Respekt an die Erbauer. Ich hätte soetwas nicht auf die Beine stellen können. Als es dunkler wird ist es mit der Beleuchtung leider weit gefehlt so wie sie im Internet zu sehen war. Warum auch wenn niemand da zu sein scheint. Ein wenig schade doch auf der anderen Seite gerade die einzigartige Chance den vewrgänglichen Geist der Hütte so unverfälscht aufzunehmen wie nur möglich. Die Wolken ziehen übers Land. In der Dämmerung wirkt die Hütte wie eine Blume die verwelkt. Sobald es finster ist gibt es denn wenigstens einen Hollywoodreifen Abschied.
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  • Jun13

    Schleifen bis zum Horizont

    June 13 in Germany ⋅ ⛅ 15 °C

    Ich lasse den Gedanken die Mosel weiter zu radeln schnell hinter mir. Mehrfach wurde nun schon erwähnt dass die Mosel von sehr vielen stummen anstatt geselligen Radfahrern bevölkert wird. Bestes Zitat eines Anwohners: "Nebenan im Saarland, da sind die Menschen ganz anders. Aber hier würde ich nicht bleiben!"

    Ich schlendere noch zwei Minuten duch das abendliche Trier. Von der Stadt habe ich mir mehr erwartet. In meinem Kopf drehen sich derweil die Schleifen bis zum Horizont. Was macht man mit der wenigen Zeit die diese Radtour noch übrig hat? Was schaue ich mir an, wo will ich noch alles hin und schaffe ich das von meinen Kräften auch bis zum Ende der Tour? Immer dieses Hin und Her. Das nervt! Während der Reise habe ich für solche Gedanken meist wenig übrig doch zum Ende kommt immer ein bisschen Wehmut auf. Ich habe zunächst keine weiteren Treffen geplant nachdem ich erneut mehrere Absagen erhielt. Fahre ich nun links rum oder rechts rum aus Trier heraus?

    Und gerade da will es der Zufall dass ich meinen Augen kaum traue. Gleich drei voll bepackte Fahrräder wie ich sie in den letzten Wochen überhaupt noch nicht gesehen habe. Schnell wird klar wir haben die selbe Idee, wir schlagen die selbe Richtung ein.
    Zu viert ist man weniger allein. Die letzten paar Kilometer an der Mosel sind gerettet.

    Bis zum Abend fahren wir auf einen Campingplatz kurz hinter der Saarmündung. Viele Gespräche laufen über eigene Radtouren von Kanada bis Indonesien. Diese Reise bietet nun endgültig alles. Die Zeit vergeht wie im Flug. Über Nacht kommt starker Regen auf. Jetzt, wo ich sonst immer eine trockene Schutzhütte oder eine nette Gastfamilie gefunden habe fällt mir am vorletzten Tag doch tatsächlich ein, dass ich auch mal noch Zelten könnte. Dieser Urlaub deckt echt alles ab! Doch entsprechend unbeholfen geht mein Zelt mit dem Regen um. Bis die nähte sich vollgesogen haben tropft es fleißig rein. Am Morgen heißt es alles fast noch bis zum Mittag zu trocknen bevor es weiter geht. Wir wollen noch ein Stück gemeinsam fahren. Daher bringt es auch nichts einfach früher aufzubrechen. Vom Regen der Nacht liegt noch Nebeldunst im Tal und ich erkenne nicht einmal das Ende der Berghänge.

    Im Konvoi schlängeln wir uns an der Saar. Sogar die anderen Radfahrer zeigen anstatt Unverständnis plötzlich Interesse und Respekt. Mir scheint irgendetwas habe ich alleine dann doch falsch gemacht aber naja. Die Weinberge links und rechts ragen steil auf und lassen mich das schnell vergessen. Hoch oben thront die Saarburg. Daneben klebt die große Kirche und der Ort direkt am Hang. Mit über 20% erklimmen unsere Packesel den Anstieg. Belohnt werden wir mit einem sehr schönen Kleinod. Trotz Restaurierung scheint es der Ort kann sich nicht weiter am Hang ausweiten und behält damit ganz seine Ursprünglichkeit. Um den Mittag ist alles von Touristen überrannt doch sonst ist es wunderschön hier. Der Weg entlang der Saar ist also schon einmal die richtige Entscheidung gewesen.

    Um die Saar für die Binnenschifffahrt zu nutzen kommen alle 5-10km große Schleußen über wir unsere Packesel buxieren müssen. Doch sonst geht es bis zum gemeinsamen Mittagessen schön gemächlich bergauf. Und gleich im Anschluss folgt die ultimative Schleife. Von der Saarschleife habe ich zuvor schon so viele Bilder gesehen dass ich mir unbedingt vorgenommen habe diesen Ort selbst einmal zu besuchen. Neben dem vielen Radfahren geht es jetzt also auch wieder einmal mit Wandersocken auf Tour. Gesagt, getan. Wie im Flug gehe ich ruhigen Schrittes bergauf und lasse den ein oder anderen Tagesausflügler hinter mir stehen. Training ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist immer die Belohnung. Wenn man oben angekommen ist entschädigt das Panorama sogar das schlechte Wetter. Klar, ein feuerroter Sonnenaufgang über den Bergen, die spiegelglatte Saar 200m unter mir, das wäre glaube ich noch schöner. Aber ich kann nicht alles haben. Die Saarschleife lohnt sich immer!
    Beim Abstieg treffe ich eine ältere Dame. Sie meint sie wohne dort oben im Dorf. Doch die vielen Tagestouristen liesen sie oft nur verstummen. Sie freut sich, dass sie auf den ersten Blick auch jemand anderes getroffen hat. Die meisten Leute nehmen diesen steilen Auf- und Abstieg nicht in Kauf und fahren nur noch mit dem Auto vor. Sie selbst sei schon 86 Jahre und versucht mindestens noch einmal im Jahr durch das Steinbachtal und den steilen Aufstieg zum Aussichtspunkt zu gelangen. Sie möchte selbst wissen ob ihre Fitness und ihr Körper seit jeher noch in der Lage dazu sind. Mein Respekt! Das gefällt mir.
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  • Jun12

    Das Sauertal

    June 12 in Germany ⋅ ☁️ 25 °C

    Trotz vieler Höhen und tiefen geht es in Luxemburg schlag auf Schlag mit den Highlights. Aus den Ardennen grüßt ein letztes Mal die Burg Vianden. Ein paar Esel gesellen sich zum Abend noch zu mir. Neugierig bis ins Letzte! Und dann geht es hinab ins Tal der Sauer. Was ein schönes Tal gleichzeitig die Grenze zurück ins heutige Deutschland. Woran man das auch als Nicht-Radfahrer merkt? In jedem deutschen Dorf stehen entlang der Grenze überall Parkautomaten, außerhalb Deutschlands nicht.

    Ich komme mit einem älteren Radfahrer ins Gespräch. Er ist Luxemburger, schon leicht wackelig auf den Beinen, nicht mehr das neueste Carbonrad (anders als die vielen Rennradfahrer auf den Flussradwegen.) doch auf dem Rad macht er eine überaus stabile Figur.
    Mit seinen 86 Jahren meint er: „Ich fahre nicht mehr so viel wie du. Aber ich möchte dieses Jahr noch ca. 2000km schaffen dann habe ich mindestens einmal 150.000km zusammen“. Das möchte er schaffen. Und so fährt er immer mal die Sauer hoch und runter und freut sich genau so dass er auch mal jemand zum reden hat. Guter Mann! Gefällt mir.

    An der Mosel trennen sich unsere Wege. Er fährt nach Luxemburg, ich nach Deutschland die Mosel weiter. Doch der Moselradweg ist dermaßen touristisch, dass er mir bereits nach 10km nicht mehr gefällt. Mir scheint ich bin verwöhnt. Überall wieder diese Salzstöcke auf dem Fahrrad wie schon an der Nordsee. Wortkarg aber energisch warum man soviel Platz auf dem Radweg beansprucht. Jetzt weiß ich warum mein Fahrradladen es als mutig bezeichnete sich mit dem Rad auf deutsche Radwege zu wagen. Mit der Idylle ist es jedenfalls aus.

    Erst recht als ich in Trier angekommen bin. Trier gilt als die älteste Stadt Deutschlands. Alexander der Große hat sie zur Blüte gebracht indem er öffentliche römische Bäder und ein Amphibtheater erbauen ließ. Außerdem ist Trier in hoher Hand der Katholischen Kirche die hier eine riesige Basilika Minor betreibt und Trier ist wohl überall bekannt für sein Stadttor, die Porta Nigra. Aber ich muss sagen, das war es denn auch. Der Stadt fehlt einfach das Flair. Selbst im Eisladen muss der Kellner zweimal nachfragen weil er seine Kreation nicht unter deutschem Namen kennt (Ich wollte gern ganz was schweres —> einen Butterkeks-Eisbecher) :) Wenn man nur als Tagestourist kommt sind die Eintrittspreise ebenfalls unverschämt teuer. Also sollte mal jemand im vorbeifahren sein, fahrt einfach weiter. (Es sei denn ihr braucht ein Selfie vor der Porta Nigra - und dann fahrt ihr weiter...)
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  • Jun11

    Grabenkämpfe in den Ardennen

    June 11 in Luxembourg ⋅ ⛅ 17 °C

    Jeder schöne Radweg hat einmal ein Ende. Die Vennbahn endet in Troisvierges im heutigen Luxemburg. So ziemlich mit dem Grenzübertritt erreiche ich zunächst den Burgplatz, den höchsten Punkt in Luxemburg. Naja, immerhin 558m! denke ich mir. Nach einer Rast hat mich der Vennbahnweg wieder. Zu meiner Mißgunst verläuft der Radweg hier aber nicht mehr AUF der Bahnlinie, sondern AN der Bahnlinie! Mit allen höhen und tiefen. *grrr*. Gestern noch wollte ich es mir lieber nicht vorstellen, heute gehört dieser kräftezehrende Grabenkampf für mich auch zum Alltag. Wenn man oben auf dem Berg steht sieht man die Täler nicht mal. Es ist eine sanfte Hügellandschaft. Mehr nicht. Naja, und dazwischen fehlen schnell mal 300 Höhenmeter.

    Wenn nicht Kaffee und Kuchen immer so total lecker schmecken würden ließe ich gern das ein oder andere Tal aus. Aber sie tun es nun einmal. Danach heißt es jedes Mal den Berg wieder hinauf zu kämpfen. Die Bahn schlängelt sich ein letztes Mal durch ein Tal. Es wurde früher ein Tunnel gebaut, der ist jetzt aber geschlossen. Fledermäuse! Man hat in dem Tunnel mindestens 13 Arten gefunden die hier überwintern. Darunter auch die Teichfledermaus. Sie steht auf der roten Liste und ist extrem selten. Zuvor wusste man gar nicht, dass es sie in Luxemburg überhaupt gibt. Gehört doch der halbe Tunel zu Belgien und der halbe zu Luxemburg. (So einfach kann man es sich machen...) Bati und seine Freunde haben neben einem Lehrpfad aber auch ein ideales zu Hause. Mehrere Quellen liegen im Berg. Die Wände bis zum Tunnel sind feucht und über und über mit Moos bewachsen. Ein idealer Lebensraum für Insekten und damit eben auch für Fledermäuse.

    Dass in diesen Bergen einmal die Ardennenoffensive herschte ist kaum zu glauben. Was wollte man im Krieg eigentlich in diesen unwirtlichen Berghängen? Die Amerikaner nutzten sie lange Zeit als Hinterland um Truppen zu versorgen, wieder aufzustocken und dergleichen. Dann kam der Einmarsch. Viele verloren ihr Leben auf der Flucht oder wurden beim Ausharren sogar noch aus den Kellern vertrieben. Es wundert daher heute wenig. Selbst nach 75 Jahren sehnen sich die Menschen nach Frieden und können überhaupt nicht verstehen wie politische Gruppen links und rechts der europäischen Mitte immer aktiver werden. Ich denke diese Gräben werden nie verheilen solange man nicht beiderseitig die Geschichte respektiert. Jetzt aber das hier und jetzt genießen, mitzugestalten und stetig verändern darf man aber in meinen Augen auch nicht immer nur politisch sehen. Daheim ist daheim, das will man sich nicht wegnehmen lassen. Aber man darf interessiert über den Tellerrand schauen. Wie so oft wartet da bestimmt ein Regenbogen voller Schönheit.
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  • Jun10

    Hohes Venn

    June 10 in Belgium ⋅ ⛅ 15 °C

    „Wir erben die Erde nicht von unseren Eltern, sondern wir leihen sie uns von unseren Kindern!“

    Unter diesem Leitspruch stand die Landschaftsentwicklung des Hohen Venn als es bei uns nach dem Krieg noch kaum Naturschutzgebiete gab. Beide Weltkriege haben tiefe Wunden in dieser Landschaft hinterlassen. Über Nacht wurde das lange Zeit als ‚Geisterfront‘ bekannte Gebiet unter der blutigen Ardennen-Offensive bekannt.

    Gemütlich aber für ganze 38km geht es steig bergauf. Ich fühle mich fast so wie in den Rocky Mountains. Die Berghänge links und rechts fallen jedenfalls ähnlich steil ins Tal hinab. Das wäre was für Mountainbiker aber nichts für meinen kleinen Packesel. Und die Knie! Die Knie! Auweia, ich will gar nicht daran denken. Soweit erlaubt gehe ich lieber nur mit Rucksack im Venn wandern.
    Für viele Naturschutzzonen ist das Betreten gänzlich untersagt. Teilweise sind es auch Hochmoore. Das will ich wieder lieber gar nicht ausprobieren. Aber die Idee mit dem Schnorchel beim Fahrradfahren find ich gut. ;)

    Die Bewohner waren mal Deutsch, mal Belgisch. In Luxemburg wurde strenges Regime geführt und viele flohen im Krieg über die Eisenbahnlinien. Die wichtigste Verbindung, die Vennbahn war schon vor dem 2. Weltkrieg quer durch die Ardennen gebaut um die Kohle in die Industriegebiete rund um Luxemburg zu transportieren. Später war sie Fluchthelferroute und hernach nie wieder als Bahn eingesetzt. Viele Viadukte galten hier als strategisch wichtig und wurden daher öfter zerstört, manchmal wieder aufgebaut. Was blieb war die Landschaft rund um das hohe Venn. Sumpfwiesen und Heidelandschaft links und rechts der Bahnstrecke. Bereits im April blühen hier Millionen von Narzissen.

    Nach einer Wanderpause denke ich erst wieder hier bauen sie irgendwo mit dem Vorschlaghammer Gestein ab. Immer wieder rummst es. Ehe ich mich eines besseren besinne verläuft der Radweg jedoch an einem Truppenübungsplatz vorbei. Immerhin, vorbei - und nicht mittendurch wie in Ontario! Aber es klang weit echter als manches Gefecht in den heimischen Kasernen. Passt ja auch in die Region. Hier gab es die letzten 100 Jahre immer Grabenkämpfe. Warum nicht also auch hier üben.

    Nach dem Venn geht es auf und ab auf der Suche nach einem Kaffee. Ich bin ja Tagesausflügler, sonst dürfte ich aktuell gar nicht hier sein. Und da will ich es mir gut gehen lassen. Doch weit gefehlt. Hier in Belgien sind die Corona-Vorschriften oftmals sehr verschieden zu Deutschland. Keine Maskenpflicht, jeder grüßt mich freundlich auf deutsch, französisch oder wallonisch (zugegeben es wäre übertrieben zu sagen das die Menschen in Deutschland unfreundlich sind, doch man merkt den Unterschied sofort. So richtig Urlaubsfeeling entsteht halt doch immer erst nach der Grenze.) Aber die Cafés bleiben bis auf weiteres zu! Keine Ausnahmen. Selbst dIe Supermärkte haben ihre Öffnungszeiten auf ein Minimum reduziert. Prima! Bin ich schon mal hier und keiner will mich an dem leckeren Belgischen Törtchen teilhaben lassen. :(
    Doch! Einer. Im fünften Versuch bei einem Bäcker bekomme ich mein Marzipan-Eierlikör-Törtchen. Ein Bäcker aller paar Dörfer zählt hier zur Grundversorgung. Das ist wie die eine Apotheke die im Einzugsgebiet Notdienst hat, nur dass hier anders als normal nirgends steht welcher Bäcker das denn sei.
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  • Jun9

    Der Domschatz zu Aachen

    June 9 in Germany ⋅ ☁️ 16 °C

    Der Domschatz zu Aachen ist ein besonderes Schmuckkästchen. Es gehört einmal mehr zum Weltkulturerbe. Man findet über 100 Objekte zur schau und unzählige weitere in den Archiven.

    Wer hier ein gewisses Kunstverständniss mitbringt zollt dem kreativen Kopf dahinter schnell den zustehenden Respekt mit welcher Detailtreue und Präzision hier geschaffen wurde. 700Jahre alt erhaltene Holzschnitzereien. Vergoldete Büsten vom König, Monstranzen, Schreine und Reliquien. Achen war ein wahrer Pilgerort für viele Gläubige.

    Dieses Glitzern und Funkeln zog eben schon immer viele Menschen magisch an.
    Wo sonst als in Aachen kommt Geschichte, Kunst und Technik hier auf einen ganz einzigartigen Nenner. Nachdem man aus ddm Krieg seine Lehren zog wurde festgestellt dass man diesen Schatz niemals kurzfristig und unfallfrei in Sicherheit bringen könnte. Die Lösung kommt hier in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen. Man baute einen oberirdischen Bunker um die Sammlung und integrierte ihn ins Bild des angrenzenden Dom. Es ist ohnehin erstaunlich wie gut der Dom und die Aachener Innenstadt erhalten geblieben sind. Entlang der heutigen Deutsch-Belgischen Grenze tobten gerade ab Kriegsmitte heftige und blutige Grabenkämpfe.
    Deren Geschichte schau ich mir auf der Vennbahn näher an.
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  • Jun9

    Kaiserpfalz zu Aachen

    June 9 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Die Städte hier am Niederrhein sind allgemein alt. Viele gehen bis auf die Römer zurück. Die Stadt Jülich zum Beispiel feierte schon vor Christi seine erste urkundliche Erwähnung. Außer einem Fort erinnert heute aber nichts mehr an diese eventuelle Vergangenheit. Jülich gleicht äußerlich einer maroden Stadt und hinter den Kulissen ist es eines von Deutschlands Top-Forschungseinrichtungen und eines der leistungsfähigsten Rechenzentren der Bundesrepublik.

    Aachen kann da ebenfalls gut mithalten. Die RWTH in Aachen gilt als die Top-Adresse unter den technischen Hochschulen in Deutschland. Die Stadt bekommt durch sie ein sehr junges Gesicht. Nach Braunschweig ist Aachen tatsächlich wieder eine Stadt die mir vollumfänglich gefällt. Egal ob die Reitarena Tivoli, der Aachener Dom, gestiftet von Karl dem Großen und über Jahrhunderte Ort der Krönungszeremonie in Deutschland. Die paar anderen Sehenswürdigkeiten sind schnell erzählt doch die Menschen, vor allem die Studenten, geben hier eine wunderbare Atmosphäre.
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  • Jun9

    Giganten der Braunkohle

    June 9 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Am Rhein, soweit weiß man, waren schon immer Schätze vergraben. Manche wurden nie gefunden. Andere bewusst nie gehoben oder mittels Talsperren wieder versenkt. Die deutsche Braunkohle ist hingegen ein Schatz auf den man nur ungern verzichtet. Ich muss zugeben man kann weitaus bessere Sachen damit anfangen als sie denn zu verbrennen und zu Strom zu verarbeiten, aber naja.

    Heute gibt es noch drei große Tagebaue in der Region. Davon habe ich mir Garzweiler I+II näher angeschaut. Erst kommt lange nichts, später folgen ausgestorbene Dörfer und dann, stehe ich plötzlich an der Kante zum Abgrund. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Kohleflöze liegen in einer Tiefe von 40-210m auf einer Länge von ca. 10km. Da muss man erstmal baggern. Mittlerweile hat sich das Verhältnis von Kohle zu Abbrau. Auf 1:5 verschlechtert. Scheint aber keinen zu interessieren. Denn demnächst kommt ja der Kohleausstieg. Bis dahin kann man fördern was geht. Aha! Und solange malt RWE ungehindert rasant immer neue Farbenspiele aus Sand, Erde und Stein in die Mondlandschaft. Auf der einen Seite abbagern und auf der anderen Seite abkippen. Das nennt sich dann Renaturierung...

    Wir Männer lieben ja großes Maschinenspielzeug. Aber ich muss zugeben, selbst in und um Leipzig kommt man nicht so nah an schweres Gerät wie hier. Allerdings wird mir auch anders in welcher Geschwindigkeit die Natur hier weichen muss. Für die nächsten hundert Jahre liegen hier getroßt noch Vorräte. Aber hoffen wir mal dass wir nicht mehr halb NRW umsiedeln müssen. Am Ende tragen wir Stromverbraucher dafür ja die Rechnung. Nicht der Konzern.

    Von mehreren Aussichtspunkten kann man bis auf die untere Sole des Tagebaus blicken oder zuschauen wie ein Bagger gerade beim TÜV generalüberholt wird. Natürlich werden die Aussichtspunkte jedoch auch regelmäßig weggebaggert. Zu schade, dass der Skywalk erst kürzlich deswegen geschlossen wurde. Mal schauen wann und wo sie den nächsten bauen.

    Durch Zufall erlebe ich keine paar Kilometer weiter drei Seilkünstler beim ausbessern der Stromtrasse. Mit allem was sie brauchen hängen sie in ihren Gondeln und drillen tag ein tag aus die Stromkabel neu. Sieht witzig aus und rundet den Tag perfekt ab. Fehlt nur noch ein balancierendes Fahrrad oben auf. ;)
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  • Jun8

    Der Neandertaler

    June 8 in Germany ⋅ ⛅ 16 °C

    1856 erblickte in einer Schlucht unweit von Essen und Düsseldorf der Neandertaler das zweite Mal das Licht der Welt. Zuvor war es ein beliebtes Wandergebiet der Einheimischen, später wurde Kalkstein abgebaut und irgendwo dazwischen fand man in den Karsthöhlen den Schädel unseres Vormenschen. Sehr viel mehr kann icb euch eigentlich gar nicht dazu sagen, denn es war Montag und das Museum hatte geschlossen. In Deutschland ist das eben üblich. Armes Deutschland wenn es Wissen wieder mal nur auf Zuteilung gibt. - Mach ich eben Urlaub und genieße das Wildtiergehege nebenan. Der Förderverein hat dort Eiszeittiere angesiedelt. Wisente,Auerochsen, Zurückgezüchtete Tarpane usw. Leider ist denen in der Mittagshitze ebenso schwül und daher sieht man sie kaum.

    Alles in allem habe ich vom Neandertal mehr erwartet. Soweit ich weiß war er dennoch ein schlaues Kerlchen, weitaus kräftigere Statur als wir heute. Selbst als Hölenmensch war er wohl technisch begabt und doch später technologisch unterlegen. Bis zuletzt muss es eine Coexistenz mit dem Neandertaler gegeben haben. Man kann das wohl anhand von Funden belegen die einen Austausch zwisch beiden Kulturen aufzeigen. Dennoch kann ich es leider nicht näher beschreiben.

    Auf nach Düsseldorf! Dort überrasche ich einen Freund. Es gibt Kaffee, Kuchen und ein bisschen Großstadtflair. Düsseldorf gehört jedoch zu den Ecken in Deutschland, die ich bereits sehr gut kenne. Es geht weit hinaus gen Westen in die Rheinische Tiefebene.
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