In Sachsen daheim, in der Welt zu Hause. So bin ich neugierig und aufgeschlossen Jahr für Jahr unterwegs interessante Menschen kennen zu lernen, Orte zu entdecken und Spaß am Reisen zu haben.
Message
  • May9

    Napoleon sein Streifzug in Sachsen

    May 9 in Germany ⋅ ⛅ 24 °C

    Wenn in Sachsen über große Feldherren der Geschichte gesprochen wird geht kaum ein Weg an August dem Starken vorbei. Jedoch eine der wenigen Möglichkeiten bietet sich gleich unweit des ehemaligen Tagebaurevier. Im Südosten Leipzigs liegt ein unscheinbares Feld auf dem eine der blutigsten Kapitel der königlich sächsischen Geschichte stattfand. Die Völkerschlacht bei Leipzig in 1813. Von Italien, Neapel und von einigen Rheinbundstaaten unterstützt durchstreifte der Franzose Napoleon Bonaparte voller Drang gen Osten zunächst das angrenzende Thüringen (Die Schlacht bei Jena-Auerstett am 14.Oktober 1813 ist ebenso berühmt). Mit dem Feldzug auf Leipzig regte sich aller Ort Wiederstand gegen die französische Vorherrschaft. Insbesondere die Königshäuser von Russland, Preußen, Österreich und Schweden zogen ihre Truppen zusammen. Am 16. Oktober 1813 lief hier auf diesem Feld das Fass sprichwörtlich über. Drei Tage dauerte der blutige Kampf allein bei Leipzig und über 126.000 Verluste gab es beiderseits zu beklagen. An dem kleinen Dorf Wachau erinnert heute nur ein Gedenkschild an die südlichen Kämpfe dieser 'Viel-Völker-Schlacht' und eine Kirchruine erinnert an das was nach dem Beschuss zwischen mehr als 1.500 Kanonen noch übrig blieb.
    Im Sonnenschein ist das fast schon ein richtiges Kleinod. Die Rosenfenster werfen ihr stilles Licht auf den Boden. Während ich am Altar stehe schaue ich aus den Fenstern heraus direkt auf das Schlachtfeld. Das ist für mich einer der schönsten Gedenkorte. Alle vollen 10 Jahre glaube ich wird an die Schlacht erinnert indem alles mit tausenden Schaustellern originalgetreu nachgestellt wird. Dem ist heut nicht so. Doch dieser Tage gedenken wir dem 200. Todestag Napoleons. Er brachte schließlich nicht nur leid über Europa und trug seinerzeit maßgeblich zur Entwicklung Europas bei wie wir es heute kennen. Ein Rückzug aus dieser Verantwortung war bereits zu Napoleon - nie geplant. Dessen, alle gemeinsam an einem Strang zu ziehen sollten wir uns bewusst sein wenn wir weiter in der bislang längsten Friedensphase in Europa leben wollen.

    Durch die angrenzenden Auwälder mache ich den nächsten Zeitsprung zu Hexen und Fabelwesen und weiter zu den Adelshäusern am Fluss der 'vereinigten Mulde'. Im Zentrum von Grimma ist allseits der Prunk sächsischer Fürsten wieder zu finden. Die Bewohner trotzen der ständigen Gefahr von Hochwasser und putzen ihre Stadt nachher noch schöner heraus als je zuvor. Neugierig stöbere ich durch die Gassen. Die Warteschlange mit angrenzender Eisdiele lasse ich an diesem Tag jedoch links liegen. Alle Menschen sind ut gelaunt und fröhnen dem Sonnenschein nach monatelanger Covid-Entbehrungen. Die Gefahr ist aber noch nicht vorüber und so entschließe ich mich nicht all zu leichtsinnig zu werden. Zumal der lange Heimweg wartet. Ca. 80km Flussradweg wollen noch entdeckt werden. Und wieder lehrt mich das Schicksal eines Besseren. Wenn schon Trainingsrunde dann nichts da mit 'Fluss'-radweg. Viel mehr soll ich einer Umleitung nach der nächsten folgen. Alle führen sie die Berghänge hoch und runter. Aus zwei Kilometern Fluss werden schnell sechs Kilometer Berg. Immerhin belohnt mich dadurch ein wunderschön restauriertes barockes Jagdhaus zu Kössern. Schnaufend gelange ich nach Sermuth wo sich Freiberger Mulde und Zwickauer Mulde vereinen. Im Deutschen kommt die Mulde nicht von ungefähr. Ein Tal das links und rechts steil ansteigt, bei dem es aber nicht zum Canyon gereicht hat. Das ist eine Mulde. Und irgendwo da durch muss ja auch noch der Radweg bzw. die Straße, die hier einige idyllische Dörfer und Städte verbindet. So geht es fortan raus aus dem Tal, und wieder runter, und raus aus dem Tal und wieder runter. Ich kann nur all zu gut verstehen wiso der Muldentalradweg zwar gut ausgeschildert und auch attraktiv anzuschauen ist. Aber Radfaher meiden diesen Fernradweg gern. Ich finde für die Region ist das sehr schade und ich hoffe es finden auch wieder mehr Interessierte hier her.
    Unterdessen sitze ich zu meinem letzten Zwischenstop auf einem Spielplatz. Ich denke wenig über die letzten zwei Tage nach. Eigentlich will ich nur noch nach Hause. Es geht seit Kilometern nur Bergauf - und das zum Schluss der Tour. Die volle Distanz spüre ich mittlerweile sehr wohl in meinen Beinen. Ich denke darüber nach was ich in diesem Sommer gern sehen möchte, wo ich quer durchs Land weiter reisen möchte. Bis zum Sonnenuntergang ist es nicht mehr lang. Dann will ich gern zu Hause sein. Die Sehnsucht, draußen sein und Geschichte er'leben'. Das bringt diese kleinen Streifzug zum Abschluss sehr schön auf den Punkt während ich die Sonne an diesem Abend verabschiede.
    Read more

  • Explore, what other travelers do in:
  • May9

    sächsischer 'Berg'-bau

    May 9 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Viel, viel früher kam man in der sächsischen Tiefebene mit dem Fahrrad nur voran wenn man auch einen Schnorchel dabei hatte. Das Land lag in der Urzeit unter dem Meeresspiegel. Und so kam es dass über Millionen Jahre dicke Kohleflöze entstanden sind. Die Kohle ließ sich leicht abbauen und der sächsische Bergbau erlebte in der Neuzeit eine Renaisance. Nachdem in den letzten Jahrtausenden zuerst das Erzgebirge durchlöchert wurde hatte man es nun im Tagebau auf die Kohle im sächsischen Tiefland abgesehen. Ganze Dörfer mussten weichen. Aus den Landkarten hat man sie einfach ausradiert. Das führte zu den besagten weißen Flecken. Übrig blieb nach der Wiedervereinigung nur eine Mondlandschaft mit tiefen Kratern und neu gebauten Bergen. Der Abraum aus dem Tagebau türmt sich hier auf riesigen Halden zum Teil hundert Meter hoch.
    Doch heute sieht man von all dem - nichts - wenn man es nicht weiß. Stattdessen sieht man den noch jungen Wald vor lauter Birken nicht mehr und mittendrin begrüßt mich 'Klaus' der neue Waldgeist. Ein Weg führt direkt auf die Hochhalde. Auf dem höchsten Punkt in der Umgebung steht ein Aussichtsturm. Der junge Frühling regt sein Blätterdach. Dort oben steht man weit über den Bäumen. Wer jetzt die Mondkrater sucht ist jedoch weit gefehlt. Stattdessen, Wasser. Riesige Kraterseen schmücken das Land. Schwäne und Segelbote teilen sich das Blau und auf den asphaltierten Wegen rundherum tummeln sich mehr Leipziger auf dem Fahrrad wie Autos auf der naheliegenden Autobahn. Wer es nicht weiß, den erinnert nichts mehr an die Zeit des Bergbaus. Ein Denkmal an die alte Zeit thront noch über allem. Viel größer und komplett aus Stahl. Die Bagger sind die wahren Giganten der Kohle und heute sind sie wie einst die Dinosaurier - vom Aussterben bedroht. Was bleibt sind weite Felder und die Idylle des Leipziger Neuseenlandes.
    Read more

  • May8

    Zeitsprung

    May 8 in Germany ⋅ ☁️ 14 °C

    Der Frühling hat die Flüsse und Felder vom Eis befreit. Während der der April meteorologisch der kälteste seit Jahrzehnten war kann ich jetzt im Mai förmlich dem Graß beim wachsen zuschauen. Getreu dem Motto 'Es sei falsch zu glauben wir lebten nur einmal! Voraussichtlich sterben wir einmal - doch bis dahin leben wir jeden Tag!' nutze ich das Wochenende für eine längere Ausfahrt die Erhohlung und Training zugleich sein soll. Raus! Hauptsache grün! Die vielen Einschränkungen der letzten Wochen nehme ich ernst und doch hinterlassen Sie Spuren die es aufzuarbeiten gilt. Ich kann damit gut leben auf mich allein gestellt zu sein solange ich mein Fahrrad und Lastenesel als treuen Begleiter habe. :-) Und so kommt es dass ich am späten Samstag Nachmittag auf gut Glück einfach losfahre.

    Vor einiger Zeit habe ich bereits einen Artikel gelesen warum es in Deutschland Fernradwege gibt die jeden Tag überfüllt sind und wieder andere die kein Mensch kennt oder nutzt. Einer davon ist der Mulderadweg in Sachsen. Die Mulde hat sich über viele tausend Jahre tief in die Landschaft eingeschnitten und bietet viele sehenswerte alte Mühlen, Schlösser, Hügel, Wälder, Feld und Land. Weites Land. Gleich neben dem Fluss beginnt nach Norden das Sächsische Tiefland, ein weißer Fleck auf fast jeder Straßenkarte.
    Es dauert nicht Lang und ich gelange bei Wernsdorf zu einem ehemaligen Außenposten des Konzentrationslager Buchenwald im letzten Weltkrieg. Die Geschichte vieler hier inhaftierten Frauen blieb nach dem Krieg ungewiss. Viele wurden 1945 noch bis Kriegsende weiter nach Böhmen und bis nach Ungarn verschleppt. Doch dieses Unrecht in einem Lager so nah vor der Haustür war mir bis heute weitgehend unbewusst. Ein kleines unscheinbares Denkmal erinnert noch daran. Die Baracken wurden durch mehrere Reit- und Turnierplätze ersetzt. Doch in Zeiten Corona steht auch hier alles mahnend still.
    Hier beginnt auch das 'Kohrener Land'. Die Landschaft ist sehr stark geprägt durch den Hochadel zu Altenburg. Wenn ich ein was gut finde dann, dass die deutsche Kleinstaaterei unzählige Burgen, Schlösser, Rittergüter und Landhöfe entstehen ließ die sich malerisch in die Landschaft einpflegen. An einer alten Pferdetränke gibt es eine zünftige Brotmahlzeit. Ich könnte noch lange bei den Pferden bleiben. Die sind hier in Sachsen genau so neugierig auf Fahrräder wie seinerzeit in Kanada. Doch mein spätes starten bringt es mit sich dass es jetzt schon dunkel wird. Und irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt heute will ich noch 20km fahren bis dorthin wo ich in Ruhe die Nacht verbringen kann. Doch mit der Ruhe hat es sich ziemlich schnell, denn jetzt in der Dämmerung ist Jagdzeit und gefühlt alle Jäger ringsumher scheinen zu einem Dienstausflug in den umgebenden Wäldern zu lauern. Ständig knallt es und donnert es. Erst nach über einer Stunde ist dann Ruhe. Solange bis - zwei Stunden später eine Eule und ein Habicht sich in der Wolle haben. Hier draußen auf dem Land ist abends action! Hier kannst du was erleben! Jäh ist die Nacht zu Ende als es um fünf wieder hell wird und die Jäger machen fleißig weiter. Bald verabschiede ich mich von den Jägern und den Vogelscheuchen und trete beschwingt in die Pedale. Bereits kurz darauf finde ich mich wieder in einer anderen Zeit. Einer Zeit als die Postkutsche noch durchs Königreich pflügte und der König in Auftrag gab sein Land zu vermessen. Zunächst funkionierte das so, dass die Postkutsche für den Personen- und Nachrichtentransport zwischen festen Stationen, den Postmeilen-Säulen fuhr. Darauf war die Entfernung zu Nah und Fern in Stunden und Tagen angegeben die es brauchte über die gefühlt schon immer mit Schlaglöchern übersähten Straßen des Königreiches dorthin zu gelangen. Zugegeben war das ziemlich ungenau. Mit der Blüte der Mathematik in Sachsen bediente man sich der Triangulation um das Land zu vermessen und Entfernungen genauer einschätzen zu können. Die sächsische Landvermessung galt dabei als Vorreiter im ehemaligen deutschen Raum. Heute erinnern diese Triangulationspunkte in ganz Sachsen immer noch daran welche Pionierarbeit hier oft geleistet wurde. Mit einem scharfen Schnitt in der Landschaft verlasse ich bald das Kohrener Land. Nach den Königen und Adeligen steht der nächste Zeitsprung an.
    Read more

  • Feb10

    Russenpeitsche

    February 10 in Germany ⋅ ⛅ -16 °C

    Der Kampf der Wetterfronten ist für mich immer ein klein wenig spektakulär und zieht mich magisch an. Manchmal mittendrin, manchmal durch dass was darauf folgt. Etwas tolles kommt schließlich immer dabei raus.
    Wenn die Temperaturen von Leipzig bis Moskau weitaus kälter sind als in Noreuropa nennen die Meteorologen dieses Wetter "Russenpeitsche". Über Nacht folgen Temperaturstürze, Schneeverwehung mit Verkehrschaos und dann langanhaltend kalte Tage. *grins* Ich finde es Klasse wenn der Winter so eine Verlängerung erhält. Kommt ja auch nur alle 6-8 Jahre vor.
    Jetzt immer noch mit dem Rad unterwegs zu sein braucht eine weitaus bessere Vorbereitung. Glücklicherweise erinnere ich mich nur zu gut an meine kanadischen Tugenden und bin dankbar für die Erfahrungen der Kanadier vor Ort. Viele dünne Lagen anziehen, Schnee-Gamaschen über die Schuhe. Für die Hände eine Extraschicht neufundländischer Baumwoll-Handschuhe und im Gesicht eine zweite Maske unter die Mütze. Auch ohne Hightech lässt sich nunmehr eine erprobte und sehr belastbare Winterausrüstung zusammenstellen und ich kann dem Winter problemlos in allen Lagen trotzen. Da jubelt sogar der Mann aus Schnee auf seiner Bank. "High-five" soweit die Handschuhe das zulassen. Fürs Radfahren fehlt nur das Tagelange Training in der Kälte zurecht zu kommen. Nichts leichter also, als nur mit T-shirt und Windjacke immer mal spazieren zu gehen oder Ski zu fahren. Solange man in Bewegung bleibt ist jeder Augenblick nur Kopfsache und jede Strapaze ist es definitiv wert unterwegs zu sein. Abenteuer tönen vorher und nachher immer besser als mittendrin.
    Unweit der Dörfer warten kleine Hütten für eine Pause mit Keksen und Thermoskanne. Nebenan haben sie einen Rodelhang aufgemacht. Hals und Beinbruch wer nun nicht nur Langlauf Ski hat. Einer hat sogar sein Fahrrad umgebaut, statt Rädern müsst ihr euch zwei Kufen von einem Motor-Ski hintereinander vorstellen. Das geht ab wie eine Rakete. Allerdings sind Bremsen Fehlanzeige und ich gehe dem ganzen lieber aus dem Weg.
    Wie seit dem Studium eh und je zieht es mich hinaus. Weiter und weiter, viel weiter vor die Stadt. Der See am Wegesrand wirkt wie ein einziges Stillleben. Ich will unterdessen einmal mehr hoch hinaus. Unser lieber Goethe meinte schon vor 200 Jahren: "Sieh dir die Welt von oben an, sie bietet dir das Beste." Und er hatte natürlich Recht! Egal ob man den Rauhreif an den Bäumen gegen den blauen Himmel anschaut oder ob ich über den Bäumen stehe. Winterwetter hat etwas Erhabenes. Man muss eben nur raus vor die Tür!
    Unterdessen sind die Temperaturen bei Minus 15 Grad und weniger eingefroren. Dann kanns ja losgehen. Mit dem Rad auf die Berge, der Sonne entgegen wo der 'leuchtende Winter' wohnt und die Sonne immer zuerst scheint. Eine 'Russenpeitsche' fängt also am Besten ein, wer sich mit dem Lasso hinaus über den Nebel wagt und alles einfängt was nicht bei Drei im Schnee versunken ist. Der Plan ist ein guter! Am Ende stehe ich im gleisenden Sonnenuntergang und denke mir 'für heute hast du alles richtig gemacht!'
    Read more

  • Jan24

    Das weiße Kleid

    January 24 in Germany ⋅ ❄️ -1 °C

    Das schöne Wetter verleitet natürlich kreuz und quer zu wandern. Und immer einen Schritt weiter als zuvor. Zu Fuß, mit Ski, ok und doch ab und an mit dem Rad. Der Winterwald zeigt sich in weißem Kleid. Der Schnee hängt Knüppeldick an den Bäumen. Es wirkt als sei die Landschaft dahinter nur auf eine Leinwand gezeichnet. Ein Fenster in eine doch so unbekannte Welt. Auf den Feldern verweht der Wind die geringsten Spuren. Und wenn am Abend die Sonne untergeht streckt der Frost so einen richtig eisigen Nebel aus. Da kommt die Abwechslung quer durch den tiefen Winterwald gerade recht. Es ist schon sehr lang her dass bis ins Tiefland so ein schöner Winter herschte. Die Bäume tragen ihre scheinbar schwerse Last und verneigen sich tief. Auf den umliegenden Bergen klemmt sich der Nebel an die Gipfel. Die Mystik wirkt als wäre ich an einem vollkommen fremden Ort - gleich nebenan - so lange man auf seinen Corona-Sperrradius beschränkt ist. Und siehe da, das mit dem Verreisen scheint perfekt als tibetische Gebetsflaggen in den Bäumen wehen. Ich packe meine Thermoskanne aus, setze mich auf eine Bank. Lange kann ich das nicht genießen bevor die wohlige Wärme nachlässt. Der Tee kühlt ziemlich schnell ab. Zu Hause wartet neuer Glühwein! - denke ich und mache mich müde auf den eisigen, beschwerlichen Heimweg. Ich war wohl doch wieder ziemlich lang draußen.Read more

    Beautiful [Charles]

    2/1/21Reply
     
  • Jan17

    "In walking we aquire more of less"

    January 17 in Germany ⋅ ☀️ -5 °C

    Januar - Im Jahresverlauf ist diese Zeit zu Hause die Kälteste. Der Wind pfeift eisig, die Straßen sind ohnehin verweht und die Pandemie lässt derzeit auch keine großen Sprünge zu. Die perfekte Zeit um das Rad einzutauschen. Mit Ski auf Arbeit zu fahren ist wohl an manchen Tagen ohnehin die bessere Alternative. Wem das wohl eher anstrengend klingt anstatt nach purer Freude? Ich kann nicht klagen. Insgeheim mag ich den Winter ja nur wenn er weiß ist. Der Schnee bietet so viel Auslauf und Abwechslung wie lang schon nicht mehr. "Beim Wandern nehmen wir viel mehr von dem wahr was uns alltäglich umgibt"...verloren geglaubte Schätze. Wenn am Wegesrand die Schneefrau grüßt lockt für kurze Zeit schon wieder das Abenteuer quer durchs Land.
    Besonders in den vergangenen Jahren habe ich den kleinen Details am Wegrand stets auch besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Und dieser Tage ist es einfach wieder magisch! Der Winter kommt irgendwie immer zu kurz. Die aktuelle Situation verhindert viele große Sprünge. Doch sie hindert uns nicht auf Streifzüge zu gehen und bald auch wieder darüber hinaus.
    Read more

    Beautiful pictures [Charles]

    1/26/21Reply
     
  • Sep19

    Unter dem Rhein

    September 19, 2020 in Switzerland ⋅ ⛅ 11 °C

    Auf Anraten des Fotografen überspringe ich die Rheinschlucht und fahre an den Hinterrhein. Am nächsten Morgen erwartet mich hier ein besonderes Erlebnis. Es gibt am Rhein nur eine Stelle an dem man unter dem Fluss hindurchlaufen kann. Vor etwas mehr als hundert Jahren wanderte eine Schweitzer Familie ohne hiesige Zukunft nach Amerika aus. Dort fanden Sie leider ebenfalls kein Glück. Doch ihr Vater war einst begeistert vom Anblick der Niagara-Wasserfälle. Er erinnerte sich dass zu Hause hinter dem Haus ebenfalls ein großer, lauter Wasserfall war. Seine Familie war bald überzeugt, arbeitete hart für die Rückfahrt und zog wieder zurück in die Schweiz. Der Reisetourismus kam zu Hause mittlerweile fast gänzlich zum Erliegen nachdem der neue San Bernhardino Pass eröffnet war und kaum einer mehr an ihrem Haus hielt. Nun war es an dieser Familie etwas zu ändern. Im Sommer bewirtschafteten Sie das Land im Winter sprengte und hackte der Vater über sieben Jahre! unter lebensgefährlichen Umständen einen Weg zu dem Wasserfall. Langezeit war er verspottet denn es war nicht offensichtlich wann das Ziel je erreicht sei. Doch irgendwann schaffte er es doch und seine Erben leben noch heute vom Tourismus in die Roflaschlucht. Ein wunderschöner Spaziergang und ein echt guter Tipp wenn ihr mich fragt. Natürlich hat auch die Schweiz keinen Halt vor Bausünden der Neuzeit gemacht. Egal ob Wasserkraftwerke oder Autobahnen quer durch Gebirgsmassive. Die alten Wege sind jedoch stets erhalten geblieben und stets den Abstecher wert.
    Auf dem Weg von der Roflaschlucht zurück halte ich daher auch in der Viamalaschlucht. Eine enge, tiefe Felsschlucht die bereits die Römer auf ihren Feldzügen überwinden mussten und die jedes Mal reichlich Opfer fordert. Heute überspannt eine Brücke das tiefe Tal und man kann bis dort hinabwandern, wo die Sonne niemals scheint. Es ist ein kleines Mekka für Radfahrer und Tagesausflügler. Dieser Weg ist nicht nur eine Verkehrsbrücke. Auf vielen Tafeln wird anschaulich dargestellt wie der weg durch die Viamala-Schlucht gleichzeitig eine Brücke für Technik, Tourismus, Wirtschaftlichen Aufschwung, militärisch und auch literarisch hinauf in die entlegenen Berge ist. Doch es ist Zeit für den langen Weg nach Hause. Der Tag wird wohl ebenso wieder lang wenn mich Freunde und Familie erwarten.
    Read more

  • Sep18

    Heidelbeeren auf Eis

    September 18, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 9 °C

    Bei meinem Abstieg spreche ich mit zwei anderen Wanderern über den Gletscher. Der eine erzählt von einer früheren Reise von einem Norwegischen Gletscher hoch oben im Norden. Als er dort war reichte er bis ans Meer wie der Punta Arenas in Südamerika. Die Ideen werden mir also glaube ich nie ausgehen.
    Stattdessen steht heute noch ein weiteres Highlight an. Auf der Rückfahrt halte ich noch einmal am Leuchtturm in Ober Alp. Diesmal möchte ich zur Rheinquelle. Es ist schon weit nach fünf am Abend und auf den ersten zwei Kilometern kommen mir die letzten Wanderer des Tages entgegen. In jedem gottverlassenen anderen Gebirge der Welt wäre das gefährlich aber irgendwie ist es nach meinem Geschmack. Und ganz unerfahren bin ich ja auch nicht mehr. Bis zur Quelle sind es zu Fuß nur noch einmal 400 Höhenmeter. Bei leichtem Gepäck sollte das nach dieser anspruchsvollen Woche ebenfalls ein Leichtes bleiben. Der Rhein unterteilt sich in den Vorder- und den Hinterrhein. Eigentlich hat er also zwei Quellen - oder eher Quellgebiete. Unter mir erstreckt sich bereits eine riesige Fläche von feinen Wasseradern durchzogen. Der Weg ist auch nicht immer trocken und erfordert auch zu später Stunde stetige Konzentration. Irgendwann komme ich zu einer kleinen Kletterpassage und Schwups komme ich vom Weg ab. Das bekomme ich jedoch erst viel später mit. Denn hier hat die Natur für ausreichend Proviant gesorgt. Auf das Viele Eis von heute Mittag folgt jetzt das Heidelbeer-Kompott. Da hier scheinbar noch niemand vor mir vom Weg abgekommen ist hängen die kleinen Büsche ächzend voll! Ich kann es nicht lassen und eigentlich ist die Zeit ja relativ. Was macht das schon wenn es finster wird... Irgendwann denke ich mir aber - naja so gut wie am Fahrrad ist meine Stirnlampe nun auch wieder nicht und mache mich auf den Weg zur Quelle als ich merke dass die Sonne unter geht. Hier oben, 1320 km vor der Mündung des Rhein, gibt es tatsächlich Menschen die den ganzen Weg von der Rheinmündung Flussaufwärts hier her gepaddelt sind! Den Flaggen nach waren es zwei Polen. Abenteuer liebend und kein bisschen Arbeitsscheu, wie eh und je. Der Rhein selbst riecht von Anfang an streng nach Fisch! Selbst in seiner Quelle wachsen Algen. Egal - eine kurze Dusche ist dennoch ungemein erfrischend. Und die Blaubeeren auf dem Weg hier her entschädigen für alles! :) Auch wenn die Sonne bereits verschwunden ist entscheide ich mich dennoch für den Abstieg anstatt der nahegelegenen Hütte. In der Dämmerung nehme ich jedoch den vermeintlich leichteren offiziellen Weg über die erste Rheinbrücke. Mit ein bisschen Zuversicht komme ich auch gerade noch in der letzten Dämmerung wieder an der Straße an. Während andere schon zu Abend gegessen haben und beginnen das Erlebte zu verarbeiten gehe ich noch einmal in die Verlängerung. Das Wetter gibt es her und selbst wenn es nicht so perfekt scheint wie bei dem Fotograf Mario beeindruckt mich die Milchstraße immer wieder. Die Zeit wird kommen, dass ich sie wieder so gut beobachten kann wie schon in Kanada oder zuvor in Madagaskar. Währenddessen köcheln die Bohnen vor sich hin. Die Natur bietet einfach nur das Beste!
    Read more

  • Sep18

    Der Steinsammler

    September 18, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 12 °C

    "Der Weg ist das Ziel" habe ich eigentlich auf allen meinen Reisen verinnerlicht. Heute habe ich jedoch nur noch ein Ziel. Stempel sammeln - und Steine. Doch dafür bin ich spät dran. Mein Weg führt über viele Kilometer durch die alten Dorfkerne nach Reckingen. In Niederwald ist ein guter Ort für die nächste Pause. Ein Rundweg lädt auf den Spuren von Cesar Ritz ein. Vom Niederwäldler zum Hotelmillionär in einem Leben. Seinem Dorf ist er stets ein bisschen treu geblieben. Und so führt auch die Radstrecke nicht durch den Fußweg des Dorfes, nein man wird seit jeher Verkehrstechnisch umgeleitet. Hinter dem Dorf muss man das Rad vom Feldweg querfeldein durch die Kuhweide bergauf schleppen um auf dem Radweg weiter zu kommen. So viel Macht eines Hoteliers auf Ruhe muss schon sein... Endlose zehn Kilometer steil bergauf. Oben Bellwald, der letzte Stempel, der letzte grandiose Ausblick über das Wallis auf meiner Radrunde. Mittlerweile ist es schon Abends halb sieben Uhr. Eigentlich wollte ich zum Kaffeetrinken eine heiße Schokolade zu Ehren meiner Steinsammlung trinken. Meine Steinsammlung, das sind mittlerweile drei. Das sind jedes Mal 4000-5000 Höhenmeter an zwei Tagen, das sind Zähne die knirschen, das sind Momente in denen ich mich Frage warum ich das eigentlich schon wieder tue. Und das ist dieses überwältigende Glücksgefühl etwas zu Ende gebracht zu haben und dabei jede Menge Eindrücke für die Ewigkeit mitzunehmen. Eigentlich falle ich nur noch auf meine Matratze und schlafe ein...
    Mit dem Sonnenaufgang verlasse ich das Wallis am nächsten Morgen wieder in Richtung Furkapass. Ich muss den Heimweg antreten. Auf dem Pass treffe ich Adrian Spannagel. "Auf welchen Gipfel möchtest du heute?" Lächelnd meint er nur - Ich will nicht hoch, ich will runter! Ich werde stutzig. Warum fährt jemand hoch auf den Pass, lässt sein Auto da stehen und läuft dann runter ins Tal? Gleich entwickelt sich ein wunderbares Gespräch über Motive in die Berge zu Reisen, über Kameras und über seine Bucket-List als Fotograf. Das ist so etwas wie eine Liste der Orte die man selbst im Leben einmal besucht haben will, oder der Motive die man einmal im Leben fotografiert haben will. Er zeigt mir ein Foto von vorgestern im Gotthartmassiv. Über den Gipfeln thront die Milchstraße. Ein Bild, wie ich es in Europa nie erwartet hätte. Der Sternenhimmel ist alles andere als leer. Heute möchte er zum Bahngleis der Furkabahn. Eine Dampflock will er fotografieren. Die Furkabahn fährt noch heute als Zahnradbahn durch den Pass und bringt sechs Mal am Tag einen Autozug über den Berg. Die bequeme Art des Reisens. Doch Bequemlichkeit ist bekanntlich purer Hohn wenn man etwas erleben möchte.
    Wenn ich schon auf dem Rad gerade keine Lust mehr zu strampeln habe kann ich wenigsten ein paar Stündchen wandern gehen. Auf der Karte liegt gleich nebenan das kleine und das große Furkahorn. So ein Spaziergang zum Auswandern quasi - und zum Gletscher gucken. Ein Tag ohne Auslauf ist wie ein Tag ohne Lächeln! Eigentlich hätte ich es aus den letzten zwei Tagen besser wissen müssen. Das Profil trügt in den Alpen. Meist sind sie steiler und steiniger als sie von unten aussehen. Stein um Stein beiße ich mich durch. Bis ich oben ankomme treffe ich noch einige Wanderer. Manche haben in dieser Woche trotz des schönen Wetters schon den zweiten Anlauf auf den Gipfel. Andere raten mir umzukehren. Runter sei viel leichter wie rauf. Ha-ha! Nach gut zwei Stunden bin ich die gut sechshundert Höhenmeter vom Pass oben auf 3046m. Für Europa ist das schon zeimlich weit oben! Der Blick schweift, der Gletscher liegt weit unter mir. Hautnah kann ich miterleben wie das Glück unfassbar groß wird. Schön dass ich das noch erleben darf. Als ob mir die Mutter Natur herzlichen Glückwunsch sagen will zeigt sich zum Abschluss ein majestätischer Steinbock. Genussvoll und kein bisschen hektisch klettert er 15m neben mir auf den Berg. Seine Hörner zeigen mir, dass er nicht mehr der Jüngste ist und geprägt von vielen Strapazen. Doch er wird nie aufhören umherzustreifen so lange es etwas zu erkunden gibt. Ebenso wie ich. Auf meiner persönlichen Bucket-list kann ich heute jedenfalls wieder zwei Haken setzen.
    Read more

  • Sep17

    Gegen die Zeit

    September 17, 2020 in Switzerland ⋅ ☀️ 11 °C

    Eins vorab - ich werde älter. Ich merke es nur noch nicht. Nur die Uhr sagt mir dann immer wieder wieviel später es ist anstatt ich angenommen habe. Egal - frei nach dem Motto "höre niemals auf von einer besseren Welt zu reden" muss ich mir dessen Wahrheitsgehalt noch erarbeiten. Reden kann ja so ziemlich jeder. Ich arbeite also stetig an meiner Kondition. Zweiter Tag, wieder 1400 Höhenmeter gleich nach dem Frühstück. Ich weiß bis jetzt nicht warum ich mir diesen Floh in den Kopf gesetzt habe. Wegen so einer blöden Stempelstelle. Eine "schöne, heile Welt" hat eben auch etwas Magisches. Und die Magie der Berge kann nur erahnen wer oben steht!
    Das Breithorn ist nicht der einzige Berg den ich mir heute vorgenommen habe. Entsprechend zeitig bin ich unterwegs und lobe mir noch dass die Morgensonne noch nicht so heiß brennt. Passend zur Abkühlung werde ich immer wieder von Wasserfällen durch eine tiefe Schlucht begleitet. Die ersten dreihundert Höhenmeter verlaufen ja noch im Wald. Die restlichen 1100 nur noch über Almwiesen und Hochlandgras. Kein Baum, kein Schutz vor Wind und Sonne. Ich schleiche langsam den Berg herauf. Hinter mir kommt ein hämischer Geländewagen mit seiner Ausnahmegenehmigung. Später muss jedoch selbst der feststellen dass der erste Gang das Schnellste der Gefühle ist. In einer der Almhütten gibt es ein freies Bettenlager. Für Pause und Schokolade bin ich dieser Stunden immer zu haben. Schnell noch Wasser aufgefüllt. kurz vor dem Gipfel steht ein Kapelle. Nach dem Anstieg zittern noch leicht die Knie. Seelischen Beistand kann ich vor der bevorstehenden Abfahrt ganz sicher gebrauchen. Endlich erreiche ich die Stempelstelle. Und wahrlich ist es nicht untertrieben hier oben am Rande von nirgendwo von einem magischen Ort zu sprechen. Die Aussicht ist grandios! Hier oben treffe ich auch das Auto von vorhin wieder. Vier Senioren auf sehr, sehr wackeligen Beinen, einer von Ihnen fast blind. Bekommen von ihrem einheimischen Führer einen echten Geheimtipp gezeigt. Ich finde es gut, Menschen die etwas erreichen wollen, selbst wenn sie es allein nie könnten, dieses zu ermöglichen. Gemeinsam schauen wir Murmeltieren hinterher. Wenn man so will stehen wir hier oben unter ständiger Beobachtung. :)
    Für über zwei Stunden fahre ich anschließend bergab. Ich hätte nie geglaubt, dass der Weg bergab selbst mit dem Rad genauso lang dauern kann wie bergauf. Dennoch kann ich mich glücklich schätzen. Mittlerweile ist es fast Mittag und ein gutes Dutzend Radfahrer quält sich jetzt die Serpentinen herauf. Egal wie weit ich heute eigentlich schon sein wollte. Irgendwie fühle ich mich schon jetzt als Sieger. #Stoneman_rockt!
    Read more

Join us:

FindPenguins for iOSFindPenguins for Android