In Sachsen daheim, in der Welt zu Hause. So bin ich neugierig und aufgeschlossen Jahr für Jahr unterwegs interessante Menschen kennen zu lernen, Orte zu entdecken und Spaß am Reisen zu haben. Message
  • Sep4

    Der Gipfelmönch

    September 4 in Austria ⋅ ⛅ 5 °C

    Wer immer schon einmal etwas unternommen hat wo andere nur den Kopf schütteln weiß wovon ich heute schreibe. Es ist sogar zum Nachmachen geeignet und dringend empfohlen. Allerdings heißt es da früh aufstehen, Mut beweisen, sich einsam durch die Nacht kämpfen … nur um dann im richtigen Moment mit einem breiten Grinsen oder auch stumm und leise *wow* sagend der Magie freien Lauf zu lassen und der Sonne einen guten Morgen zu wünschen.

    Der Tag beginnt wie immer Mitternacht, nur diesmal klingelt gleich der Wecker. Wirklich gut schlafen konnte ich wegen der Mosquitos ohnehin nicht. Mitunter bin ich diese Momente jedoch gewohnt in stoischer Ruhe auszuharren. Allein der Weg zum Start ist weit und finster. Über der Straße haben sich Nebelschwaden gebildet. Was auf der Straße nachts alles los ist ist gleichfalls faszinierend. Hier pirscht ein Dachs links ins Gebüsch, da rennt ein Wiesel über die Straße und mehrfach stehen Rehe am Wegesrand wenngleich sie vom Licht wie hypnotisiert wirken. Der Wanderweg ist nachher geprägt von Kühen. Die Tiere schlafen nicht, sie dösen vor sich hin und schauen mich mit ihren großen grünen Glubschaugen an wenn ich vorbeigehe.

    Die Zeit vergeht so wie im Flug und sitzt mir bald schon wieder im Nacken. Obwohl ich schon der Meinung bin recht zügig unterwegs zu sein wird es ziemlich bald hell und es bleiben noch fünfhundert Höhenmeter bis zum Gipfel. Adrenalin schießt in meine Adern als dürfte ich das nächste Flugzeug da oben auf keinen Fall verpassen. Nach der Nacht wirkt das besser als zehn Kaffee und trotz großem Wanderrucksack geht es bald im Laufschritt bergan. Wie war das? Im Training kann man sich die Geschwindigkeit einteilen, aber der eigentliche Wettkampftag ist eigentlich nie sehr förderlich für die Gesundheit… check!

    Rings um mich herum heben sich die Silhouetten der Berge von der finsteren Nacht hervor und am Horizont bildet sich schon ein roter Balken. Das Gipfelkreuz kann ich schon sehen. Jetzt ist es nicht mehr weit. Ich habe sogar noch etwas Zeit mich einzurichten denn hier oben zieht es gewaltig! Es dauert keine drei Fotos dann sind meine Hände steif und melden den ersten Frost des Herbstes. Glücklicherweise habe ich an meine große Vließdecke gedacht die ich nun wärmend als Umhang benutze. Und wie ich noch ein wenig im Gipfelbuch stöbere kommt die Sonne über den Horizont. Es dauert einen Moment diesen Augenblick tatsächlich zu begreifen. Die Sonne ist einfach plötzlich da und es ist ja nun nicht mein erster Sonnenaufgang. Dennoch schaue ich wie gebannt auf diesen roten Ball – wie ein Mönch mit Kutte der tief im Gebet versunken scheint. Erst später realisiere ich um mich herum dass die Alpen glühen. Die Strahlen der Sonne bilden durch die wenigen Wolken immer neue Silhouetten.

    Diese Sonnenaufgangstour ist für mich wirklich rundum gelungen. Der weithin schwierigste Teil, der Abstieg kommt aber leider erst noch. Grund genug ihn noch ein wenig hinaus zu zögern… der Gipfel war ja quasi „noch vor dem Aufstehen“. Zählt der dann überhaupt? Also lieber noch einer. Unweit der Anhalter Hütte bietet sich dafür der Tschachaun mit Panoramablick auf die Heiterwand an. Erst hier treffe ich für heute erstmals auf andere Wanderer. Da ist schon fast wieder Mittag. Später kehre ich noch ein und belohne mich gebürtig mit Apfelstrudel und Sahne. Bis dahin muss ich jedoch gefühlt jeder Ziege am Berg erst einmal persönlich Guten Morgen wünschen damit sie mich vorbei lässt.

    Wie gesagt – eine Sonnenaufgangstour ist ein magisches Erlebnis.
    Zum Nachmachen empfohlen!
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  • Aug7

    An Tagen wie diesen...

    August 7 in Austria ⋅ ☁️ 8 °C

    ... haben wir ewig Zeit. Allein die Vorbereitungen sind in weniger als einer Stunde abgehandelt. Die Rucksäcke stehen gepackt. Eigentlich könnte es sofort losgehen. Allein dann kommt erst noch die Nacht in der man vor Vorfreude und Mücken im Zimmer nicht schlafen kann, dann kommt der Wetterbericht der nur Nebel und am Nachmittag noch Regenschauer prophezeit und der ein Kollege der mich vorwarnt die besten Sichtweiten in den Bergen waren in den letzten zwei Tagen irgendwo zwischen 10-40m...

    Und dann kommt der Sturkopf in mir, der eigentlich nichts zu verlieren hat. Dennoch starten wir also noch vor dem Aufstehen. Unser gemeinsames Ziel hat jeder für sich eigentlich schon seit Monaten mit sich herum getragen. Jetzt ist es daran den Plan in die Tat umzusetzen. Wir, das sind zwei liebenswerte Mitmenschen vom Alpenverein und ich, der sich trotz noch so vieler Solo-Touren noch nicht davon überzeugt hat dem Deutschen Alpenverein beizutreten. Wenn ich so weiter mache kommt das bestimmt bald noch.

    Im Allgäu wird gestartet. Es geht hoch hinaus und nicht minder weit weg auf eine kleine Weltreise. Die Wolken hängen am Morgen so oder so noch tief. Daraus darf man sich nichts machen. Bereits nach den ersten Schritten kommen jedoch auch die ersten Sonnenstrahlen und gleich fühle ich mich zurück versetzt in die Steppe nach Madagaskar, nur mit Bergen. Es ist unbeschreiblich warum das so ist, aber ich freue mich wie ein kleines Kind. Mit so guten Vorzeichen dauert es nicht lange und wir gelangen nach Frankreich, in das Land der Mode und der Laufstege. Neben allerlei bunten Treckingsachen, Stöcken und Trinkrucksäcken trägt man heute graubraun! Die Allgäuer Kuh von Welt zeigt so eine gewisse Einzigartigkeit. Die Augenbrauen gerne lang hochgezogen, die Augen tiefbraun verführerisch. Damit stehen die Kühe hier den echten auf dem Laufsteg in nichts nach. Auch sonst lassen sie sich von umhergehenden Wanderern kaum beeindrucken und stehen ihre Figur auf einem Felsvorsprung.

    Auf dem Prinz-Luitpold-Haus schweben wir bald über den Wolken. Die umliegenden Berge wie zum Beispiel das Nebelhorn machen ihrem Namen alle Ehre. Nur fliegen wäre schöner. Zumindest mit genau dieser Leichtigkeit sind wir bereits unterwegs nachdem wir schon jetzt ca. eine Stunde gegenüber unserem Zeitplan heraus gewandert haben. Ohne große Pause geht der Weg weiter bergan. Das Gras wird weniger, selbst die Murmeltiere sind verschwunden. Was bleibt sind nun noch die Vögel. Es liegt also nahe heute den gleichnamigen Berg, den 'Hochvogel' einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Der Hochvogel ist in vieler Hinsicht ein besonderer Berg. Es geht hoch hinaus. Mit 2592m ist er einer der Allgäuer Könige und der höchste Gipfel der umliegenden Gebirgsketten. Seinen Namen hat er nicht von ungefähr - besteht der Aufstieg doch aus unzähligen Terrassen und Vorsprüngen auf denen ein Greifvogel bevorzugt sein Nest bauen würde. Damit wären wir beim nächsten Land. Über den Wolken sieht es hier sieht es aus wie über den Tafelbergen entlang der Route 66, USA. Der Berg hat zudem viele Facetten. Er ist nicht nur markant aus jeder Richtung leicht zu finden, schließlich verläuft die Deutsch-Österreichische Grenze heute genau über seinen Gipfel, er ist auch markant denn die Zeit arbeitet gegen ihn. Sein Gestein ist brüchig. In den letzten acht Jahren haben sich bis zu hundert Meter tiefe Risse aufgetan und die bewegen sich laut den Experten mit 0,4mm am Tag auseinander. In naher Zukunft stehen hier gleich mehrere Felsstürze mit bis zu 260.000m³ Gestein bevor. Man könnte auch sagen bei einer Bewegung von 15cm Drift im Jahr steht bald nur noch der halbe Berg. Und das ist wahrlich ein Grund diesen schönen Berg zuvor noch einmal im Ganzen zu besteigen.

    Im Anstieg erklimmen wir zuvor die Kreuzspitze. Vor uns erstreckt sich ein schier endloses Wolkenmeer. Sonne und Panorama sind bei ach so schlechter Wettervorhersage voll auf unserer Seite. Der Berg hält was er verspricht und jeder kommt auf seine Kosten. Die großen Jungs können Hautnah Messinstrumente für Geo- und Raumwissenschaften begutachten, die Mädels legen sich derweil zum Ausruhen in die Sonne - wohlgemerkt direkt vor den Gefahrenbereich. Hauptsache Sonne. Dass auch ich an diesem Tag zu viel davon abbekomme bemerke ich spätestens als die Sonnencreme noch zu Hause liegt. *auwei*

    Natürlich darf das Gipfelbuch nicht fehlen bevor wir über den Kalten Winkel wieder absteigen. ...steigen - ja sogar rennen! Denn unten in der Hütte warten lecker Kakao und Johannisbeertorte auf mich. Alsbald dass wir den ersten Bachlauf erreichen halte ich zur Abkühlung beide Arme hinein bis das Wasser verdampft. Für den Moment zwirbelt es schier überall und so bin ich dankbar dass nun der Abstieg auch für uns mehr in den Wolken als sonst wo stattfindet.

    Nach 12-13 Stunden und mehr als 1700 Höhenmetern sind wir zurück. Ob es die Anstrengung wert war brauche ich glaube ich nicht zu hinterfragen. Mit Leichtigkeit! ... (Frei nach den Toten Hosen: ) An Tagen wie diesen wünscht man sich ein Stück Zufriedenheit! ...wünsch ich mir Unendlichkeit.
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  • Day14

    Mich laust glaub' der Affe!

    April 16 in Gibraltar ⋅ ☀️ 20 °C

    Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr? Ich hatte bislang immer noch keinen Erfolg dem Christopher Kolumbus nach Südamerika nachzusetzten. An der Atlantikküste ist immer Schluss. Heute ist der letzte Versuch sonst fahre ich vorerst wieder heim! Dazu sind wir nach 'La Linea de la Concepción' gefahren. Nur einen Kilometer weiter südlich haben die Briten einen Fels zu ihrem Königreich proklamiert. Die Briten sind bekanntlich ebenso gute Seefahrer. Also schauen wir mal was Gibraltar für mich zu bieten hat.

    Der Platz ist bekanntlich knapp. Selbst die breiteste Stelle der Halbinsel reicht nicht für eine Startbahn und dennoch braucht es wie in jedem Land der Erde einen internationalen Flughafen. Schließlich lebt ja nicht jeder hier vom Fischfang oder ist beim Militär. Zeitweise gab es nur noch 95 echte Gibraltarians, sprich ursprünglich hier geboren und aufgewachsene Landbewohner. Der Rest ist aus der UK zugezogen. Dennoch sind die Leute hier stolz wie Bolle dass sie zur Queen gehören und nicht zu Spanien. Das war schon immer so, das würden die auch nie aufgeben! Die roten Telefonhäuschen sind mittlerweile echt bloß noch Show, die roten Briefkästen sind hingegen tatsächlich noch im Einsatz. Die Einwohner glauben fest an ihr Recht zur Selbstbestimmung. Jedoch kommt seit dem Brexit immer wieder die Frage der Zukunft des Landes zur Diskussion. Der schlimmste Fall wäre eine 'Non-EU'-Grenze zu Spanien. Sie wäre konsequent aber gleichzeitig das Aus für einen Großteil des Tourismus und der pendelnden Arbeiterschaft aus Spanien der das Land seinen Reichtum verdankt.

    Mittlerweile erinnere ich mich schon einige Male zurück dass ich zum Beispiel in Galapagos und in Madagascar erst auf der Startbahn in den Flieger eingestiegen bin. Ein Rollfeld gab es nicht. Aber bitte wo sonst darf man zu Fuß über eine aktive Start und Landebahn spazieren? Keine hundert Meter später will tatsächlich eine Maschine von Easyjet starten. An der ersten Tankstelle nach dem Grenzübergang komme ich ebenfalls ins Träumen. Was bekommt man nicht so alles zu Hause vorenthalten? Hier gibt es zehn verschiedene Sorten Diesel und Benzin! Bis ich realisiere dass die Preise stets sowohl in britischen Pfund als auch in Euro angegeben werden. Ups...

    Es folgt die typisch britische Mainstreet. Wer will kann sich brittysh style mit fish&chips versorgen. Whiskys werden in allen Sorten angeboten. Steuerfrei. Dafür mit Touristenaufschlag. Will man also tiefer in Gibraltar eintauchen gilt es einen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen. In der Geschichte war Gibraltar schon immer ein mächtiges Fort. Zahllose Geschützstände durchlöchern den Fels wie einen Schweizer Käse. Heute hat man davon einen herrlichen Blick über die Bucht und den Hafen. Im Süden liegt die Meerenge die Mittelmeer und Atlantik verbindet. Und gleich dahinter liegt greifbar nah schon Afrika. Unzählige Tanker liegen vor Anker, Kreuzfahrtschiffe, zwei U-Boote. Aber keiner hat Südamerika auf der Route.

    Doch anstatt Enttäuschung ist mir das mittlerweile alles gleich. Es ist einfach nur heiß, die Sonne steht senkrecht über mir. Und anstatt den weg bergauf quer durch den Wald zu verlegen war man früher der Meinung zur Befestigung des Fort muss gen Süden eine starke Mauer her. Und auf jener Mauer steigt man heute die dreihundert Meter Fels in der gleißenden Sonne empor. Ich glaub mich laust der Affe! Wo immer auch ein Fleckchen Schatten ist liegt schon ein schwanzloser Berberaffe. Es heißt sie seien unterirdisch von Afrika herüber gekommen. Denn es gibt sie nur an diesem Felsen, sonst nirgendwo in ganz Spanien. Erst ganz zum Schluss wird man oben vor ihrer schieren Überzahl sogar auf Straßenschildern gewarnt. Ornithologen kämen hier ebenfalls ganz auf ihre Kosten und wüssten nicht wo sie neben, über oder unter sich zuerst hinschauen sollten. Neben dem Bosporus ist die Meerenge von Gibraltar die einzige Möglichkeit für Zugvögel von und nach Europa zu gelangen wenn sie das offene Meer meiden. Dazu zählen zum Beispiel auch Störche. Aber die sind längst in Deutschland angekommen.

    Am Nachmittag habe ich die Idee auf die Ostseite des Felsen zu wandern dort ist Schatten. Vereinzelt kommen ein paar Wanderer entgegen, lächeln und meinen nur "Viel Glück, da habt ihr ein schweres Stück Arbeit vor euch." Die Mediterranean Stepps sind zum Teil Planke in den Fels gehauene Stufen, Grotten und Kletterpassagen um erneut auf den upper Rock zu gelangen. Man muss ja nicht hoch, Hauptsache Schatten. Ein bisschen kann ich mich der Kletterei dennoch nicht erwehren. Auf dem Rückweg gelangen wir vorbei an den 'Europe Flats', neben Tarifa in Spanien dem südlichsten Stadtteil vor der Küste Afrikas. Von hier oben sehen die 14 Kilometer noch einmal viel kürzer aus.

    Wer will kann an einem zweiten Tag das militärische Erbe des Felsen näher unter die Lupe nehmen. in über 50km Tunnelsystemen wurde von den Alliierten hier die Invasion Nordafrikas vorbereitet. Einen ganz anderen Vorgeschmack darauf erhalten wir unverhofft in der Saint Michael Cave. Der Fels ist auch ohne Militär ein riesiger Schweizer Käse mit Karsthöhlen die bis auf den Meeresspiegel hinunter reichen. Dass das endlos tief im Dunkeln verborgen liegt glaubt mancher heute noch dass hier die Berberaffen die Meerenge unter dem Schutz des heiligen Michael unterquert haben. Der jedenfalls thront imposant von einer Lasershow in Szene gesetzt hoch über unseren Köpfen. Ich gebe zu dass bunt beleuchtete Stalagtiten nicht unbedingt meinen Favoriten abbilden, doch die Lasershow in Einklang mit dem Erzählen einer Geschichte wie all das hier entstanden ist, das ist fantastisch.

    Nun war am Abend nach so langer Erkundung eigentlich ein gutes Essen an der Reihe. Doch fast schon zu erwarten ist man in Gibraltar 'very brittish'. Nach der Tea time um fünf Uhr haben die Läden bis zum nächsten Tag geschlossen. Selbst die tonnenschweren Geschütze werden über Nacht in einen Mantel gepackt damit ihnen die herbe See nichts anhaben kann. Oder aus Gewohnheit. Ich weiß es nicht. So bleibt am Ende wieder nur der Supermarkt und ein ziemlich spätes Essen aus der heimischen Küche. Über die spanische Grenze zurück wird der Feierabend erst gleich noch einmal über den Haufen geworfen. Gerade kommt der Vollmond empor und strahlt am Fels mit den Leuchtstrahlern um die Wette. In einigen Strandbars hört man noch Musik. Am Grenzübergang bilden sich wie eh und je lange Schlangen, selbst nachts. Ansonsten ist das bei einem zweiten Besuch sicher er beste Zeitpunkt um die Locals und ihre Eigenheiten noch besser kennen zu lernen.
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    HVA on Tour

    Ein Kunstwerk! 😯

    6/22/22Reply
    Traveler

    Vom anderen Ende des Mittelmeeres gibt es dazu den passenden Scherenschnitt. 🤗

    6/22/22Reply
     
  • Day13

    Flaschenpost aus Jerez

    April 15 in Spain ⋅ ☀️ 25 °C

    Achill Mooser ist eigentlich ein Kind der Wüste. er beschreibt auf das Vortreffliche wie Reisen zu einem Kulturgut wird und bewahrt werden muss. Es entfremdet wenn man nur an einen Ort fliegt um einmal da gewesen zu sein. Deshalb sollte man sich mit den Menschen vor Ort, den Traditionen und den Geschichten die sie mitbringen intensiv beschäftigen. Und fast hätte ich es vergessen. Da ist noch etwas was Rio Tinto so berühmt machte. Die Minenarbeiter spielten schriftlich belegt erstmals den englischen Fußball nach den heute international geltenden Regeln. Kaum verwunderlich, denn viele der Arbeiter wurden zu der Zeit aus England angeworben. Minas de Riotinto ist also zugleich die Wiege des modernen Fußballs. Da habe selbst ich wieder ein großes Stück hinzu gelernt.

    Dadurch dass die Tage immer bis zum letzten Sonnenstrahl ausgekostet werden ist es schier schwer hier am Atlantik einen Sonnenaufgang mitzuerleben. Die Unterkunft muss ich eh zeitig verlassen, es ist wieder Zeit ein größeres Stück weiter zu ziehen. Noch bevor ich mich versehe bin ich früh am Morgen am Strand. Dabei bin ich nicht der einzige. Gefühlt das halbe Dorf ist auf den Beinen. Die Fischer lassen ihre Boote zu Wasser. Richtig gelesen! Die Boote liegen jeden Abend an Land. Am Rumpf haben sie extra eine Verstärkung. Mit dem Traktor geht es im Affenzahn über die Sandpiste und hinein ins kühle Nass. Der Fischer selbst hat lange Watthosen. Der bekommt nachher keinen einzigen Tropfen Wasser ab wenn er doch mal den Einstieg verpasst hat. Mit ihren Außenbordern heizen sie übers Meer während die Möwen am Strand bleiben und warten bis die Beute wieder hier eintrifft. Das ändert sich erst als die Sonne empor steigt und ein riesiger Schwarm wie aufgetaut von der Nacht plötzlich aufschreckt. Oh je, dabei war es nur ein Hund der auf Jagd geht als gäbe es keine zweite Chance.

    Auf der Fahrt gibt es einen Zwischenstopp in Italica. Heute eine bedeutende antik römische Ausgrabungsstätte war es einst der Geburtsort der Kaiser Trajan und Hadrian. Von ihnen stammte später der Hadrians-Wall in England. Für die Archäologen mag das Amphitheater mit mehr als 20.000 Plätzen eines der größten je gebauten Arenen sein. Ich selbst finde die Überbleibsel der Siedlung weit interessanter. Breit angelegte Straßen führen zu den bewusst nur teilweise ausgegrabenen Ruinen deren Terrassen mit großen perfekt erhaltenen Mosaiken besetzt sind. Es dauert nicht lang da findet man sich in der Geschichte der Römische Götterwelt wieder. Und so bummeln wir von der Astrologie mit ihren Planetengöttern vorbei an römischen Dampfbädern bis in den Zoo wo ich Herrn Pfau und Frau Eule wieder treffe.

    Je mehr die Sonne steigt, desto mehr drängt es mich in den Schatten, doch davon haben die Römer nicht all zu viel. Und so gibt es einen großen Sprung zurück an die Küste nach Jerez de la Frontera. Einst Grenzstadt wie der Name schon sagt liegt die Kleinstadt heute im Mittelpunkt der spanischen Sherry-Produktion. Das wäre es doch jetzt! Zur Siesta ein kleiner Sherry und dann ab in den Schatten. Der Plan wird jä zerstört als es selbst im Schatten laut Anzeige 36 Grad hat. Dann lieber doch kein Alkohol und umso mehr Kaffee und Kuchen. Hmmm. Für alle die nachher so oder so nicht mehr geradeaus gehen können gibt es etwas ganz besonderes. Einen Rollstuhlfahrer-Weg. Das hab ich auch noch nie gesehen! Unterdessen fahren die Schweden auch keine schlechte Strategie und haben ihr Konsulat in einem Nebenhaus der ortsansässigen Brennerei Tio Pepe eingerichtet.

    Zum Verweilen bleibt jedoch wenig Zeit. Die Brennerei schließt leider schon früher denn wieder kommt es am Nachmittag zu einer Osterprozession. Für den Moment definitiv die letzte (!), nehme ich mir vor. Unweigerlich stelle ich mir die Frage wo diese spitzen Hüte eigentlich her kommen. Haben die das jetzt beim Kuklux-Klan abgeschaut oder war es umgekehrt? Dazu sollte man wissen dass die Kopfbedeckung in der Kirche je eine große Rolle gespielt hat. Die Mönche hatten an ihrer Kutte stets eine Kapuze um sich zu schützen oder bewusst verdeckt zu handeln. Die Kapuze war zudem nicht immer mit dem Oberteil verbunden. Die Kapuze war in der Vergangenheit Bestandteil von Ordensgewändern und Amtstrachten. Zum Beispiel sind die Kapuziner, ein auf Franz von Assisi zurückgehender Bettelorden, nach der Kapuze ihres Habits benannt. Die Franziskaner selbst wiederum waren jener Orden der hier von Südspanien aus in die Neue Welt aufbrach und Südamerika missionierte. Damit schließt sich auch der Kreis warum diese Mützen heute besonders Teil des Rituals in Andalusien sind.
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  • Day13

    Rio Tinto - grünes Gold ist nicht genug

    April 15 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    Irgendwann kommt man früher oder später auf den Gedanken wie man es in Spanien schaffte über hunderte von Jahren in der Welt so eine große Beachtung zu erlangen. Allein der Seehandel mit Südamerika ist es nicht. Die strategische geografische Lage, diese wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft, ja - aber das allein macht in der westlichen Welt auch nicht reich. Es braucht Bodenschätze. Und wo die lagern, da fahren wir heute einmal hin.

    Die wenigsten verbinden den Namen Rio Tinto heute mit einem Fluss in Südspanien als vielmehr mit der größten Bergbau-Minengesellschaft der Welt. Kaum verwunderlich, wo die doch von Südamerika bis Australien viel mehr Bodenschätze finden als ursprünglich hier. Den Ursprung nahm es jedoch hier in der beschaulichen Gegend 80 km nördlich von Huelva. Bereits die Römer fanden für sich hier beste Bedingungen zum Bergbau denn die Erzschichten liegen durch die Erosion fast alle im Tagebau. Zink, Zinn, Schwefel, Silber, Kupfer, Gold und Eisen werden seither industriell hier abgebaut. Da kann sich schier jeder das passende heraussuchen.

    Das kleine Dorf Minas de Riotinto ist der Ausgangspunkt. Es ist sehr beschaulich und ähnelt eher einer Parkanlage auch wenn denn im Museum viele unterwegs sind. Hier gab es zunächst Einblicke wie weit der Bergbau in dieser Region sogar bis in die Steinzeit zurück reicht. Nachher haben sie ziemlich authentisch eine römische Mine nachgebaut. Wer denn will kann sich darin für später einmal wunderbar auf Geisterbahnen vorbereiten. Mit Hammer und Meißel auf Stein einzuschlagen klingt in dunklen Gängen wahrhaft nicht sehr anders.

    Natürlich dränge ich darauf bald das ganze Ausmaß zu erkunden anstatt mich durch enge Gänge zu schlängeln. Ein paar erste Halden habe ich draußen bereits entdeckt und mich gleich wieder in die bunte Farbenvielfalt der verschiedenen Erze verliebt. Nur angucken, nicht mitnehmen – lautet das Motto! Dass der Ort nur eine Oase inmitten einer kargen Wüstenlandschaft ist sieht man ihm gar nicht an. Nur wenige Kilometer weiter erstreckt sich eine schier endlose Wüstenlandschaft. Niemand hat je behauptet dass das Leben als Minero einfach war. Täglich zwölf-Stunden Schichten, harte Arbeit und bei dem Vortrieb früher unter Tage kaum Tageslicht. Das erinnert ziemlich viel an die mittelalterlichen Methoden aus dem Erzgebirge in die Neuzeit adaptiert. Doch die Minenbesitzer vor 150 Jahren wussten wohl wie man Bergleute durch viele Annehmlichkeiten engagiert. So lebte hier niemand in Höhlen ähnlich wie in Guadix. Es gab einen Saloon, einen Gemischtwarenladen und sogar einen Swimmingpool den zumindest die Kinder auch in der Lage waren und Erlaubnis hatten ihn zu nutzen.
    Vieles täuscht dennoch darüber hinweg, dass der Bergbau die Landschaft für immer verändert hat. Die Natur kämpft heute nach über 50 Jahren noch spärlich damit das Gebiet zurück zu erobern. Immer wieder kommt es aufgrund der Hitze am Stein zu Buschbränden. Das gibt nährreichen Dünger für die Zukunft. Doch so lange werden weiter stetig Mineralien aus dem Stein gewaschen, Die Erosion schreitet fort und die wenigen Sickerlöcher, Tagebauseen und Flüsse muten rostbraun bis tiefschwarz giftig an.

    Noch ein Umstand führte dazu. Wenn man Erz findet kann man sich nicht aussuchen wo man es findet und wie man es womöglich von dort weg bekommt. Bis zum Meer sind es 80 km Luftlinie. Die konnte man zu der Zeit ab 1870 bereits mit der Eisenbahn überbrücken. Damit das tote Gestein jedoch gleich an Ort und Stelle bleibt ging man dazu über direkt vor Ort zu verhütten und riesige Schlacke Haufen zu hinterlassen. Damit fehlte natürlich noch mehr Wald. Mit einer Museumsbahn kann man auch dieses Ausmaß wunderbar erkunden. Die Fahrt schlängelt sich entlang dem Fluss und ist eine willkommene Brise Abwechslung an einem heißen Nachmittag. Nur langsam aber beständig holt sich die Natur auch dieses Stück echte Industriegeschichte wieder zurück.

    Eigentlich ist es schon spät am Nachmittag und die Heimfahrt noch weit. Und wieder kommt alles anders als man denkt. Eigentlich will ich nur noch einen letzten Aussichtspunkt ansteuern und schauen ob die Tagebauhalden bereits im Licht der Abendsonne glänzen. Der 'Mirador de Colorado' hat aber seinen Namen nicht von ungefähr. Hier wurden ganze Berge versetzt. Eigentlich hätte ich diesen Canyon nicht weiter beachten müssen. Ich bin jetzt so schon den ganzen Tag umher gestreift. Der Zufall will es da entdecke ich auf dem Weg zum Aussichtspunkt die riesigen Sandkastenkipper wo ein Reifen schon größer ist als ein Mensch. Alle schön in Reihe denn es ist gerade Schichtwechsel. Wie ein Ameisenhaufen nach dem Winterschlaf setzt sich langsam alles wieder in Bewegung. Mancher wird zu seiner Maschine erstmal mit dem Pickup hingefahren. Andere warten auf ihr Kommando wohin sie ihren Kipper als nächstes steuern sollen. Langsam bahnen sich die Autos wie auf einer Ameisenstraße ihren Weg hinab auf den Grund des Canyon ca. 250m unter uns. vom Canyon trennen uns derweil gerade einmal eine Straße und ein Maschendrahtzaun. Alles in Allem stehe ich vielleicht gerade so zwanzig Meter vom größten Erwachsenenspielplatz der weiteren Umgebung entfernt. So leuchtende Kinderaugen hat man sonst nur an Weihnachten!
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  • Day12

    Die Stadt der drei goldenen Zeitalter

    April 14 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    Sprechen wir heute über Sevilla verbinden wir das mit spanischer Lebensfreude. Es wird gesagt die Stadt ziehe einen mit ihren Flamenco-Clubs, den Herrenhäusern und nicht zuletzt den öffentlichen Plätzen in ihren Bann. Sevilla ist seit Beginn der Gründung eine lebendige Oase inmitten des ländlich geprägten Andalusien. Der heutige Tag soll etwas Klarheit schaffen.
    Einst war die Stadt ein wichtiger römischer Hafen (Hispalis) für Waren und Informationen aus aller Welt. Heute zählt das ebenso. Bei der Ankunft vor den Toren der Stadt landen wir auf dem Expo-Gelände. Während der Weltausstellung zeigte Europa hier was es heute im Stande ist. Auch wenn heute viele Gebäude zurückgebaut wurden, Hotels und Verwaltungsgebäude der Stadt beinhalten steht dort am Rio Guadalquivir wo einst die Handelsschiffe ablegten heute eine Ariane-Rakete. Waren- und Informationsaustausch mal ganz anders. Man könnte meinen die Stadt war ebenso schon immer ein bisschen abgehoben oder hipp gewesen. Während die Meister der Architektur vor 500 Jahren wie wahnsinnig wirklich alles im Zeichen der Heiligen Jungfrau bauten entstand nebenan durch den Seehandel die größte Tabakfabrik Südspaniens. Scheinbar war das Zeug so gut dass heute dort Teile der Universität Einzug hielten und heute intellektuell aber auch künstlerisch Pilze aus dem Boden der Stadt sprießen.

    Auch auf die Gefahr dass ich die Geschichte jetzt rückwärts erzähle so gab doch die Industrialisierung der Stadt in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Schub in der Entwicklung hin zur Gegenwart. Das war nicht der Erste. Davor war es der Seehandel von und nach Amerika. So verwundert es nicht dass Kolumbus hier in der Kathedrale dann als begraben gilt. Ob er es denn wirklich ist weiß man nicht, nachdem er mehrfach umgebettet wurde. Die Kirche zog wie immer den größten Nutzen allein für sich selbst. Während die Stadt durch die Händler das zweite Mal erblühte nahm man jeden Zehnten und investierte ihn vor allem in die Kathedrale. Heute ist das Gotteshaus neben dem Petersdom im Vatikan eine der größten Kirchen weltweit. Ein über zweihundert m² großer Hauptaltar. Der größte Silberaltar der Welt, die Krone der Heiligen Jungfrau mit der größten jemals handwerklich verarbeiteten Muschel-Perle. Die Liste der Superlative ließe sich endlos fortsetzen und ist den Besuch wahrhaft wert. Nachdem wir alles gesehen hatten endete unser Besuch ziemlich abrupt mit der Schließzeit, denn am Abend laufen hier wieder Osterprozesse durch die Gassen.

    Diese Gassen wären wiederum nur halb so interessant ohne ihre arabischen Wurzeln. Während die Römer mehr einen Stützpunkt unterhielten erblühte die Stadt das erste Mal bereits unter einer Reihe von islamischen Herrschern. Sie brachten auch das Tuch- und Keramik-Handwerk in die Stadt.
    Wer heute die Muße hat fernab der Touristen in die Vororte zu laufen findet dort filigranes Keramik-Handwerk vor. Die Fabrikanten haben sich bis heute auf Farben und Glasuren, innen wie außen spezialisiert. Ob dazu auch die Römer mit ihren riesigen Mosaiken einen Einfluss hatten kann ich heute nicht sagen. Es heißt die römische Stadt Itálica unweit von hier war über 1300 Jahre bis ins Mittelalter hinein bewohnt. Darüber will ich mir später noch ein Bild machen.

    Ermüdet von den ganzen Prozessionen und von der sengenden Sonne geht es hinüber auf den Plaza de Espana. Bei einer Gondelfahrt und lauschiger Musik scheint das heute der Beste Ort um die Seele baumeln zu lassen.
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    The traveller [Charles]

    5/28/22Reply
    Traveler

    Its a real pleasure to travel and bring stories to people who else will never join. Time to get this back as a full time job. 🤪

    5/29/22Reply
     
  • Day10

    ein portugiesischer Kuckuck in la Rábida

    April 12 in Spain ⋅ 🌧 16 °C

    Auf der Fahrt gen Westen ziehen endlose Hügel an mir vorbei. Spaniens Landwirtschaft nimmt schnell einmal 100km ein bevor die nächste nennenswerte Großstadt folgt. Felder und Oliven wechseln sich ab und am Rand steht einer dieser überdimensionierten Stiere die weithin das Markenzeichen eines völlig anderen Lebensstil geworden sind als denn der unsere. Und würde man gen Norden fahren folgt außer Madrid bis über den Horizont ein ähnlich dünn besiedeltes Gebiert wie sonst nur in Lappland. Je weiter man sich der Küste nähert, desto eher setzt auch wieder der Regen ein. Ach war das schön ohne ihn!

    Nun gut man kann ja aus der Vergangenheit lernen. Die nächste Unterkunft wird nicht etwa einfach nur strategisch günstig liegen. Das Meer, der Strand, äh?? . Sie soll ein kleiner Heimat-Hafen sein und heißt damit nicht ohne Grund 'el Faro' der Leuchtturm. Die Zimmer sind ausreichend groß und gemütlich. Doch wer seinen ganz persönlichen Rückzugsort will dem empfehle ich tatsächlich über eine Leiter durch eine Luke nach oben zu steigen. Dort wartet ein Kämmerchen mit 360° Rundumblick wenn am Morgen die Sonne über dem Meer aufgeht. Das kann man gar nicht in Bilder fassen. Mit dem einen oder anderen Glas Wein schläft es sich zudem vorzüglich.

    In den kommenden Tagen will ich im Umkreis die Lage sondieren. Denn ein Problem bleibt. Bitte wie komme ich von hier nach La Paz? Dazwischen liegt der Atlantische Ozean!
    Nahe der Hafenstadt Huelva lerne ich einen Mann näher kennen der als einer von Vielen gezeigt hat wie es geht und damit jedoch berühmt wurde. Bereits in den 1480er Jahren boomte der Gewürzhandel mit Indien. Doch die Schifffahrtsroute war teuer und gefährlich. Wer Macht und Geld hatte und anschließend Ruhm wollte mühte sich im Kampf um neue Handelsrouten nach Indien. Einer der daher kam und eigentlich gar nichts hatte außer ein paar Erzählungen vergangener Zeiten und das Selbstvertrauen unerschrocken etwas Neues auszuprobieren war Christopher Kolumbus. Als gebürtiger Portugiese war Spanien seine zweite Wahl nachdem der portugiesische König seinem Vorhaben eine Absage erteilte. Wie der Kuckuck setzte er sich über die Jahre in ein gemachtes Nest. Zuerst studierte Kolumbus die Karten und die alten Erzählungen. Mit der katholischen Kirche war er vielleicht nicht immer einer Meinung. Der Zufall will es so, dass die Mönche jener Zeit jedoch das größte Wissen in Europa angehäuft hatten. Sie waren lang in der Lage die Gestirne zu deuten und sich Gedanken zu machen ob das was man in Rom vorbetete tatsächlich der Wahrheit entsprach. Wenn nun jemand freiwillig über das Ende der Welt hinaus segeln wollte sollte es ihnen nur Recht sein. Die Kirche ist ihn los und wenn er doch wieder kommt ist er von unschätzbarem Wert. So kam es das Kolumbus eines Tages an die Pforte jenes Franziskaner-Klosters klopfte und um Einlass bat. Zunächst galt das alte Sprichwort von jeher 'Kleider machen Leute'. Nur so war Kolumbus letztendlich in der Lage als Habenichts auf Weltreise zu gehen. Ich möchte ein wenig überspitzen. Im Grunde war Kolumbus ein Bettler auf allen sozialen und politischen Ebenen. Er wollte an den spanischen Hof, nachdem ihn sein eigener König in diesem Vorhaben nicht unterstützen wollte. Damit er überhaupt vortreten durfte brauchte es der Empfehlung des Klosters und eben vieler teurer Kleider. Sein Charisma brachte er scheinbar schon mit. Denn um Kolumbus machte sich da kaum einer Gedanken. Jedoch was aus den Männern würde die er anheuerte. Es waren Seefahrer, keine Piraten. Die Ehrfurcht saß ihnen tief. Demnach waren sie Gottesfürchtig und viel weniger unerschrocken. Nach unzähligen Verhandlungen hatte Kolumbus drei Schiffe und seine entsprechende Mannschaft zusammen.

    Während die eigentliche Expedition in Sevilla startete kam Kolumbus in dieses Kloster zurück bevor er das Europäische Festland verließ. Es war Brauch Am Morgen des Auslaufens für die gesunde und vollzählige Rückkehr zu beten. Kein geringerer Ort also, als jener der ihm die Flusen gerade gerückt und ein paar mächtige Steine aus dem Weg geräumt hatte. Ich gebe zu ich habe diesen Kolumbus nicht mehr persönlich kennen lernen dürfen. Menschlich war er jedoch wohl mit einem Herrscher-Gen geboren. Zwar verstand er es mit einem einfachen Sextanten seine Position wieder und wieder zu bestimmen und natürlich ging alles viel zu langsam. Die Lebensmittel und das saubere Wasser wurden knapp. Kolumbus war nicht in der Lage eine Meuterei auf seinen Schiffen zu verhindern während er es prächtig verstand seine Landsleute Woche für Woche hin zu halten wenn noch kein Land in Sicht war.

    Insgesamt reiste Kolumbus drei Mal nach Amerika und war bis zu seinem Tod überzeugt dass er einen neuen Seeweg nach Indien gefunden hatte anstatt mal eben nach Amerika übergesetzt zu haben. Also wenn der schon keine große Hilfe weiter gen Westen war dann helfen mir vielleicht die Zugvögel weiter?
    Das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Westeuropas gilt den Zugvögeln als wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg von und nach Afrika. Außerdem lebt hier der sehr seltene iberische Luchs. Vielleicht hat der eine Idee. Gesagt getan. Ohne eine Kurve geht es 40km gerade aus um am Ende in einer Art Urlaubsresort ohne Gäste zu landen. Der Name Geisterstadt trifft es wohl noch besser. Wirklich gruselig wenn davor und danach einfach nichts kommt und mittendrin eine Beton-Hochburg ohne Menschen nur weil gerade keine Ferien sind. Leider sind die Zugvögel auf ihrer Nordwärtsroute längst hindurch gezogen. Ich war mir nicht sicher ob dedr April nicht längst zu spät für viele Zugvögel wäre. Aber dass wirklich alle schon durch waren. Das hatte ich nicht erwartet. Zwei Mistkäfer kreuzen den Weg auf ihrer Balz. Beim Spaziergang in den Sonnenuntergang komme ich dann schnell auf andere Gedanken. Hier streift ja angeblich der iberische Luchs noch herum. Und tatsächlich hätte ich von allem am wenigsten für möglich gehalten dass im Sand vor mir eine ganz frische Spur verläuft die weder Hase noch Zugvogel ist. Ganz deutlich lassen sich Krallen und Pfoten erkennen. Der Luchs ist allgemein ein sehr scheues Tier. Damit gebe ich mich heute auch zufrieden wenn ich ihn nicht leibhaftig zu Gesicht bekomme.
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  • Day9

    Das grüne Gold

    April 11 in Spain ⋅ ⛅ 18 °C

    Gold ist für die meisten Völker dieser Erde von sehr hohem Wert. Doch Gold hat viele Gesichter. Eines schauen wir uns heute an, ein zweites dann in wenigen Tagen. Es verwundert wenig das Andalusien bei all der Weite zwischen den Städten als landwirtschaftlich rückständig, wenig entwickelt und für spanische Verhältnisse sehr arm gilt. Andererseits besitzen die Andalusier einen riesigen Schatz. Flüssiges, grünes Gold. Olivenöl. Nicht nur ganze Berge sondern hunderte Kilometer weite Landstriche sind hier von riesigen Oliven-Plantagen durchzogen. So kommt es das auf dem Weg heraus aus Granada das kleine Städtchen Baena hervorsticht, dass sonst keiner kennt. Hier steht eine immer noch intakte Ölmühle. Sie gehört einer Familie die alleine rund 100.000 Olivenbäume besitzt. Hinzu kommt jedes Jahr im Dezember wenn die Champagne für die Olivenernte läuft dass niemand hier schweres Gerät einsetzt. Jeder Baum wird per Hand gepflückt und so wenig wie möglich industriell verarbeitet. Der Ertrag gibt ihnen Recht. Gegenüber der maschinellen Ernte bringen die Bäume bis zu 70% mehr Ertrag. Die Plantagen sind zudem ökologisch vielfältiger und reich an anderer Vegetation. Nach der Ernte werden die Oliven von Hand sortiert und traditionell in einer uralten Steinmühle verarbeitet. Durch diese Mahlmethode ist die Mühle als eine der wenigen in ganz Spanien für ihr 'Flor de aceite' bekannt. Olivenöl das auf natürliche Weise aus den zerstoßenen Oliven heraustritt.
    Später werden die Oliven ebenso nochmals gepresst und der Restkuchen kommt als Dünger wieder auf die Plantage. Das Öl hingegen fließt durch eine Scheid Anlage wo das Fruchtwasser abgeschieden wird und kommt anschließend in riesige unterirdische Tanks. Früher hatte man zu diesem Zweck riesige Amphoren in den Boden eingelassen damit das Öl immer bis zum letzten Tropfen zusammenläuft anstatt verloren zu gehen. Ebenfalls von Hand werden die Flaschen heute noch einzeln nummeriert mit Etikett beklebt und versiegelt. Wertschätzung aus Liebe zum Produkt die man heute Weltweit zu schätzen weiß.

    Ebenfalls weltberühmt ist heute der zweite Zwischenstopp auf dem Weg nach La Paz. ;) Aufgrund der Geografie und der kurzen Wege innerhalb kann man Cordoba zu Recht als hübsche Kleinstadt bezeichnen. Dabei ist es - zu - Recht weltberühmt. Die beiden berühmtesten andalusischen Gelehrten von Córdoba brachte die Stadt bereits im 12.Jh. hervor. Der muslimische Philosoph Averroes und sein jüdischer Kollege Maimonides bemühten sich den religiösen Glauben mit der aristotelischen Vernunft in Einklang zu bringen. Damit wurde Córdoba bereits im Mittelalter zu einem hochrangigen Bildungszentrum das 1236 durch die christliche Eroberung jäh in einen Dornröschenschlaf fiel und zur Provinzstadt verkam bis im 19.Jh endlich die Industrialisierung und heute der Tourismus einsetzte. Geblieben ist eine faszinierende Mezquita die je nach Bedarf Moschee und Kathedrale in einem darstellt, eine herrlich restaurierte kleine enge Altstadt ringsherum und eine römische Brücke die vor kurzem als 'Brücke von Volantis' Eingang in 'Game of Thrones' gefunden hat.
    Über jene Brücke gelange ich über den Rio Guadalquivir. So verquirlt dieser Name scheint, so quirlig ist auch die Innenstadt rings um die Mezquita. Außerdem laufen auch hier überall die Vorbereitungen innerhalb der Karwoche auf vollen Touren. ganze Straßenzüge werden jeden Nachmittag mit hölzernen Klappstühlen bestückt. Wer hier eine Prozession sehen will muss zunächst einmal mit Schlips und Kragen oder im feinen Abendkleid daher kommen und nachher tief in die Tasche greifen. Man zeigt, dass die Kirche hier einem viel wert ist.
    Die Mezquita wurde indes seit 1400 Jahren stetig gebaut, erweitert, umgewidmet, zurückerobert und anstatt sie je zu zerstören bauen die Christen nachher inmitten der Moschee einen Teil zur Kathedrale um. Man meint nach der Fertigstellung war der König über das Ergebnis so wütend dass er es am liebsten abreisen lassen wollte. Jedoch steht die Mezquita unter einem guten Stern bei der Kirche und wir dürfen heute noch dieses düster wirkende Kleinod in allen Facetten bewundern. Die Seitenschiffe mit über 800 Säulen und all den terrakotta-weiß-gestreiften Bögen wirken nicht nur unheimlich einschüchtern. In Verbindung mit all den Kunstschätzen und vor allem in Verbindung mit der Geschichte bleibt dieser Ort einzigartig. Es darf jeder selbst seine Meinung haben aber ich finde es schade in einem solchen Kulturgut dass der Papst es bis heute den spanischen Muslimen verbietet parallel zu den Christlichen Gläubigen in ihrer Moschee zu beten.

    Je mehr sich zwei streiten desto mehr Vorteile zieht daraus der Dritte. Auf den Plätzen rings um die Mezquita werden Touristen vor allem durch leckeres Essen ein ganz klein wenig erleichtert. Das Judenviertel von Cordoba ist geschäftiger denn je. Die Einheimischen dagegen fühlen sich in dem Gewirr aus engen Gassen und kleinen Plätzen viel wohler und verbringen den Nachmittag bei arabischem Tee und süßen Teilchen in unmittelbarer Nachbarschaft.

    Cordoba ist ebenso der Ort an dem die Katholischen Könige, Ferdinand und Isabella, 1486 Kolumbus erstmals empfangen haben um sich seine Expedition für eine neue Handelsroute anzuhören. Noch ein Grund mehr also jetzt endlich gen Westen aufzubrechen. Auf nach La Paz!
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  • Day8

    glänzende Aussichten (Fortsetzung)

    April 10 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    Auf einem Straßenschild finde ich im Hintergrund einen Richtungszeiger nach La Paz. OK, das ist vielleicht nicht mehr ganz Andalusien. Gleichzeitig wären es doch aber glänzende Aussichten jetzt wieder dem Ruf nach Westen zu folgen. Andalusien hält noch viel für uns bereit.

    Zuvor jedoch begehen wir ein großartiges Mal mehr den Leidensweg Christi auf eine festliche Art und Weise.
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  • Day8

    glänzende Aussichten

    April 10 in Spain ⋅ ⛅ 10 °C

    Nach so viel Städtetour will ich mir noch einmal die Sierra Nevada anschauen bevor es am nächsten Tag vielleicht schon weiter geht. Schnee hatte ich in diesem Winter zur Genüge. Dennoch bleibt der Schnee in Spanien etwas Besonderes. Unsere Herbergsmutter gibt uns ein paar Tipps auf den Weg wo man auf einer Halbtagestour ein herrliches Panorama auf die umliegenden Berge genießen kann. Und weil denn Nebensaison ist - fast ziemlich ganz allein. Den Nachmittag haben wir gestern bereits kurzfristig verplant.

    Über enge Straßen geht es immer weiter die unzähligen Serpentinen und Haarnadelkurven hinauf. Auf einem Plateau parken bereits ein paar wenige Autos. Während wir unterwegs sind passt derweil eine Herde Kühe darauf auf. Vielleicht sind das nicht die besten Wachmänner. Wenn nebenan Gras wächst vergessen sie alles. Aber es sind die einzigen weit und breit. Und ich muss schon sagen, wenn man ankommt wird man von allen eingehend gemustert. Wehe jemand macht da eine falsche Bewegung.

    Der Weg ist leicht zu finden und verläuft über Kilometer genau auf einem Bergrücken. Links das unendlich weite Altiplano bei glänzendem Sonnenschein. Rechts die noch einmal 1400m höheren Berge der Nevada-Kette bei glänzendem Schnee. Und als ob das nicht schon Belohnung genug wäre stehen wir bald selbst im Schnee mittendrin. Der Altschnee ist jetzt sehr sulzig und bietet wenig Trittsicherheit. Doch zum Glück geht der Weg ja auch nicht wirklich steil. Der kleine Gipfel des 'Cerro del Mirador Alto' der 'Hochgelegene Ausblick' wird alsbald unser Ziel. Schöner wird es auch nicht wenn man noch tiefer in den Schnee hinein geht finde ich. Bei mittlerweile erschwerten Bedingungen müssen wir auch dreizehn Kilometer nicht nur hin sondern auch wieder zurück. Eigentlich darf ich gar nicht davon schreiben dass es Leute gibt die hier dann auch noch Steine sammeln weil hier mal die Farbe und dort mal die Maserung schön ist. Und dass das nicht dem Zeitplan zuträgt erklärt sich von selbst. Doch was tun? In der glänzenden Sonne will ich selbst keinen Endspurt hinlegen. Mittlerweile habe ich eindeutig zu wenig getrunken. Die Füße tragen schwer doch das Ende ist noch fern...

    Ungefähr das gleiche könnte Christus seiner Zeit gemeint haben wenn er seinen letzten Weg zu Lebzeiten beschritten hat. Bis heute ermuntert seine bloße Anwesenheit die Menschen zu Trost, zu Freude und mit Zuversicht für alles Zukünftige. Und so begehen die Spanier besonders hier in Andalusien bekanntlich ihre Osterprozessionen mit all den Leidenststationen Christi noch bis Karfreitag. Für heute Abend haben wir uns nun die in Granada einmal näher vorgenommen.

    Wieder einmal finden wir einen Parkplatz gerade noch im Endspurt. Soweit uns die Füße tragen geht es schnellen Schrittes nach dem Zentrum wo in den Gassen überall bereits Campingstühle und Menschentrauben stehen. Das Rote Kreuz baut indes noch seine Zelte auf und so bleibt am Ende doch noch ein ausgiebiges Kaffeetrinken mit Kuchen. Glänzend! Der Tag ist gerettet. Was keiner Ahnt, die Prozession ist heute etwas größer und geht etwas länger. Deshalb baute sich wohl auch das Rote Kreuz auf. In den folgenden vier Stunden ziehen unzählige reich geschmückte Pasos, Kapuzenträger, Kerzen und Weihrauch an uns vorbei. Der Platz war indes günstig gewählt da in einer Kurve alles ein bisschen langsamer läuft und den Blick perfekt auf das Geschehen preisgibt was da kommt. Auch wenn wir uns gemeinsam mit vielen anderen die Beine in den Bauch gestanden haben und Kaffee mit Kuchen weisgott nicht bis Mitternacht den Magen füllen lohnt jeder Moment dabei zu sein.
    Da wird hier mal mit Weihrauch geräuchert bis der Schlot qualmt. Dort gehen beim Absetzen stetig die Kerzen aus. Nachher kommt jemand mit der Leiter daher und zündet jede einzelne wieder an. Die Träger der Pasos werden regelmäßig ausgetauscht und kommen schweißgebadet durch die Menschenmenge wo sie reichlich Beifall und Zuspruch von den Schaulustigen erhalten. Zum Teil laufen die Kinder ihr allererstes Mal mit glänzenden Augen. Überhaupt finde ich das Schönste dass auch die Kinder ganz toll mitmachen und so einen Bezug entwickeln diese Tradition fort zu leben. Glänzende Zeiten also!
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