Robert Fichtner

In Sachsen daheim, in der Welt zu Hause. So bin ich neugierig und aufgeschlossen Jahr für Jahr unterwegs interessante Menschen kennen zu lernen, Orte zu entdecken und Spaß am Reisen zu haben.
Living in: Sachsen, Deutschland
  • Nov28

    Der Weg ist das Ziel

    November 28 in Canada ⋅ ⛅ 0 °C

    Ein Mönch sagte mir einmal - was ist der Sinn des Lebens? ... Es ist der Fluss. Der stetige Wandel der alles verändert und an den man sich anpasst. Um jedoch nicht ins Blaue zu laufen muss man wissen wo man steht. Dass lässt sich am einfachsten mit den eigenen Erfahrungen und Erinnerungen heraus finden. Ich wurde Zeitzeuge dessen was unsere Natur und unsere Erde so Lebenswert machen. Dennoch fühle ich einmal mehr als hätte ich Kanada nur mal eben oberflächlich angekratzt. Wie ein Eisbär Junges dass gerade erst das Licht erblickt und noch wachsen kann.

    Immer hieß es, ich sei der erste der das mitmacht oder der dort mit hin kommt wenn ich auf einen Ausflug eingeladen wurde. Die einzigen Dinge was es kostet sind doch Zeit und Überwindung von seinem festgesetzten Plan abzuweichen. Herausgekommen ist immer etwas Wunderbares.

    Nun habe ich alles wieder zusammengepackt. Mein Zu Hause für sieben Monate wiegt nicht mal 50 kg.
    Ich hatte das Glück, das zu tun, was ich am meisten wollte. Mit anderen Menschen meine Erfahrung zu teilen und ein Lächeln zu schenken, das hat mich selbst glücklich gemacht. Jeden Tag.

    Viele Menschen lieben Zahlen. Somit komme ich nun hier nicht um ein paar Zahlen umhin.
    ... 17233km quer durch Canada - davon 13016km auf dem Fahrrad
    ... 80000+ Höhenmeter - die genaue Zahl wird nachgereicht. ;)
    ... 205 Tage und Nächte - davon 121x im Zelt, 60x bei Freunden oder Gasteltern, 13x im Hostel und 11x unter freiem Himmel.
    ... 225 unbezahlbare Momente die ich bislang teilen durfte. Und so viel mehr Erinnerungen.
    ... unendlich viele Bilder die es noch zu sichten gilt :)

    Auch in den nächsten Tagen werde ich diese Reise daher ein kleines Stück weiter zusammen fassen.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Nov27

    Montreal (2)

    November 27 in Canada ⋅ ☁️ 2 °C

    Montreal besteht auch heute noch aus vielen kleinen eigenständigen Gemeinden. Wir nehmen das immer nur als Stadtteile wahr. Jedoch hat jede Gemeinde etwas andere Grenzen als die Stadtteile, seine eigene Sprache, Kultur & Kunstszene. Und oft sind es die Menschen vor Ort allein ohne äußere Einflüsse die dazu beitragen.
    Montreal ist eine der wenigen Städte in Canada die Straßenkunst leben. Und das seit Jahrhunderten. Früher waren es oft die Kirchen und öffentlichen Gebäude die verziert wurden. So grüßte schon die heilige Dame zur guten Hilfe die Seefahrer im Hafen. Die Kapelle ist heute nur noch innen geschmückt an der Decke hängen Boote anstatt Leuchter und auch die ganze Malerei dreht sich um die Seefahrt.

    Die Plätze der Altstadt in Vieux Montreal werden schon fleißig für Weihnachten geschmückt. Aber der Schnee fehlt hier gänzlich. So richtig kommt noch keine Weihnachtsstimmung auf. Also schnell weiter. Mir fallen bald die vielen Satelliten auf einem Haus auf. - „Du kannst froh sein dass heute kein Fußballspiel ist. Hier kommen alle Portugiesen her wenn Portugal Länderspiel hat, egal wo das ist in der Welt. Die Kneipe sendet das Spiel garantiert live.“ Später laufen wir zu den Franzosen über. „Wenn die Franzosen ein Spiel gewinnen muss die Polizei hier immer die Straße sperren.“ Doch an diesem Mittwoch bekomme ich nur den ganz normalen Wahnsinn mit. Das Beste Beispiel wird mir zwei Ecken weiter gezeigt. „Die Firma dort hat hier den ganzen Straßenzug aufgekauft und alle mehr oder weniger gedrängelt auszuziehen. Die einzigen die aufs Gebrechen bis heute nicht verkauft haben ist dieser Club dort, das Cafe Kleopatra. Und da man nicht die ganze Kulturszene gegen sich aufbringen wollte hat man den Bürokomplex rundherum gebaut. Links, rechts, dahinter und auch drüber. Das ist alles zusammen ein neues Haus. „ Man könnte meinen Superman hat her ein Wunder vollbracht denn die Montrealis sind stolz dass der Club das überlebt hat.

    Ein wenig Straßenkunst tragen sogar die Fahrradläden bei. Aber zu diesem Zeitpunkt brauche ich zum Glück kein Ersatzteil mehr. Vielmehr ist es nun wohl Zeit das Puzzeln zu beenden und das große Ganze zu betrachten. Langsam aber sicher bereite ich mich auf den Heimweg vor.
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  • Nov27

    Montreal (1)

    November 27 in Canada ⋅ ☁️ 1 °C

    Drei Stunden langweiliges stures geradeaus fahren durch die finstere Nacht. Und plötzlich überschlagen sich die Kreuzungen. Wohnstraßen haben keine Namen mehr sondern werden durch nummeriert. Und es gibt alles zwei Mal. Willkommen in Montreal.
    Mein Gastvater gibt sich größte Mühe mir auf einem Stadtrundgang die Geschichte und Entwicklung Montreals an einem Tag näher zu bringen. Selbstverständlich kann man das getrost auf 3-4 Tage ausdehnen. Da ich etwas außerhalb wohne ist es extrem wichtig immer erst die Rush Hour abzuwarten und dann loszulaufen. Wobei Montreal einer der Orte ist in denen immer etwas los ist. Die Stadt ist einfach zu groß um zur Ruhe zu kommen. Genau das mit der Größe dachten sich die Einwohner wohl auch und so hat sich im Osten französisch Montreal und im Westen englisch Montreal entwickelt. Genau so wie einst in Canada.
    Es ist nicht der schönste aber daher auch nicht der kälteste Tag. Somit genießen wir zuerst einen Rundblick über die Stadt vom Montreal Hill.
    Das schöne ist in der Altstadt steht noch die „Kopie“ der Notre Dame Kathedrale völlig unbeeindruckt vom Original neben dem ersten Wolkenkratzer der hier jemals in luftige Höhen gebaut wurde.
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  • Nov26

    Weihnachts-Stimmung

    November 26 in Canada ⋅ 🌧 1 °C

    Nach so viel Schnee fehlt eigentlich nur noch ein Weihnachtsbaum. Ich wusste ich komme noch einmal durch Quebec City und und wusste es wird im Dezember sehr, sehr touristisch in der Altstadt. Alle wollen sie auf den Weihnachtsmarkt oder mieten sich dafür sogar im Chateau Frontenac ein. Busladungen voller Menschen... was gibt es also leichteres als dieses Flair mitten in der Woche und vor! Dezember zu genießen.
    Doch der Tag verläuft wieder einmal etwas anders. Was gestern noch Schnee war ist heute schon wieder Regen. Es fühlt sich alles schlimm fieß kalt an. Aber ich habe mich entschieden auch heute eine kleine Radtour zu unternehmen. Und die geht zuerst über die älteste Brücke in Quebec city nach Levis von wo ich mit der Fähre direkt in die Altstadt übersetze und einen wunderbaren Blick auf das Chateau genießen kann. Die Baustellenfassade ist wenigstens passend zur Jahreszeit - weiß. Und weil die Gäste es mögen (am Wochenende war das Hotel scheinbar wieder ausgebucht) wird von allem ein wenig zu viel dekoriert. Aber mir wurde schon im September gesagt „eigentlich ist es nichts besonderes, nur busy“. Es ist aber eben noch nicht Dezember - und an diesem verregneten Montag Vormittag ist Quebec Touristenleer. So habe ich mir die Stadt nie vorgestellt. Wie im Bilderbuch kann ich durch die Gassen streifen.
    Später bin ich zum Mittag verabredet und entdecke noch ein paar neue Ecken die meist nur Einheimische besuchen und dennoch nicht zu weit in der Neustadt liegen. Geschäftige Arbeiterrestaurants, kleine Läden und eine Bibliothek in einer alten Kirche... Es wird leider wieder viel zu schnell finster für den einen Tag den ich zur Verfügung habe. Aber er war es wert Quebec wenigstens einmal im Leben in Weihnachtsstimmung zu sehen. Das mit dem Schnee muss ich ein andermal besser koordinieren.
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  • Nov25

    Das weiße Zeug

    November 25 in Canada ⋅ ⛅ 1 °C

    Lange war es vorhergesagt - irgendwann kommt das weiße Zeug auch zu mir und ich stecke mittendrin anstatt nur vom Fenster zuzuschauen.
    Das erste Mal Schnee hatte ich hier in Kanada schon recht früh. Mancher erinnert sich vielleicht wie ich am längsten Tag des Jahres auf dem Icefield - parkway in Richtung Jasper einen Tag festgesetzt wurde weil sich ein Bus quergestellt hatte.
    Heute hat sich niemand quer gestellt. Nicht einmal Petrus. Und der zeigt auf beeindruckende Weise was er außerhalb Europas noch drauf hat.
    Auf dem Weg durch New Brunswick nach Quebec dauert es keine 30km von Saint John dass die Landschaft weiß wird. Ergiebiger Schneefall hat hier ein paar Stunden vorher erst 20cm Neuschnee gebracht und es liegen auch schon etliche von zuvor.
    Diesmal sitze ich nicht im Bus. Ich will raus. Mitten rein! Und einfach nur genießen. Denn so viel Schnee werde ich diesen Winter wohl nicht wieder sehen.
    In Grand Falls gehe ich wandern. Quer durch einen halben Meter Schnee ohne jede erkennbare Spur das hier heute schon einmal jemand war. Jetzt wo Schnee liegt ist es auf einmal auch wieder viel länger hell. Ach ich liebe es wenn die graue Jahreszeit vorüber ist. Auf meinem Weg gen Osten kam ich schon einmal hier vorbei und bin beeindruckt wie die Landschaft sich zum positiven gewandelt hat. Es ist nicht immer nur weiße Hölle und definitiv wert zurück zu kommen. =)
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  • Nov24

    Blumentopf

    November 24 in Canada ⋅ ☁️ 1 °C

    Es gibt wieder einmal noch soo vieles was ich mir anschauen möchte dass es getrost für noch eine Reise reicht. Dabei die schönsten Orte heraus zu picken und den Rest einfach im Dunkeln liegen zu lassen ist gar nicht so einfach. Ich denke heute habe ich das wieder einmal perfekt gemeistert.

    Das Gezeitenbecken der Bay of Fundy gibt bei Ebbe immer wieder Kuriositäten preis. Und so hat mir die Gezeitentabelle die Qual der Wahl erleichtert. Fossilien suchen am frühen Morgen musste schon einmal ausfallen...und abends will ich mich mit Freunden im 300km entfernten Saint John treffen. Mir bleibt also nur die Küstenstraße und die führt zu den Hopewell Rocks. Im Sommer der! Touristenmagnet in New Brunswick. Jetzt sind hier drei vier Autos zugegen. Es tut auch mal gut nicht der einzige zu sein.

    Warum auch immer bezeichnen die Einheimischen diese bewachsenen Felskegel als überdimensionale Blumentöpfe. Die Gezeiten haben hier eine Höhendifferenz von normal 12m und je nach Mondphase bis zu 16m! Das ist nicht nur Weltrekord. Man muss sich das wirklich vor Augen führen. Diese Badewanne läuft in jeder Minute 3-4 cm voll bzw. leer. Das sind gewaltige Kräfte die hier am Stein nagen und zweimal am Tag alles was nicht Niet und nagelfest ist mit sich reißen.

    Übrig bleibt das festere Gestein. Und bei Ebbe lässt sich wunderbar rundherum wandern. Man sollte jedoch unbedingt auch sein Limit kennen denn Schwimmen ist nicht wenn die Flut kommt. Leider oder auch zum Glück bricht die Finsternis eher über mich herein.
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  • Nov24

    Leuchte Licht, mit hellem Schein

    November 24 in Canada ⋅ 🌙 -2 °C

    Der November ist immer ein sehr trüber Monat. Es gibt Wochen da bekomme ich die Sonne gar nicht zu Gesicht was dann schnell einmal auf die Laune schlägt. Aber es gibt ja immer auch einen Lichtblick am Ende der Finsternis. Prince Edward Island hat einige solcher Lichtblicke. Zu viele um sie in vier Tagen alles besuchen zu können. Aber jeden Tag einen. Ob es stürmt, ob es schneit, ob es schon gleich Mitternacht ist oder gerade die Sonne aufgeht. Wenn ich die Leuchttürme sehe strahle ich vor Glück und Zufriedenheit. Denn irgendwie meinte es der Wettergott immer gut mit mir wenn es darauf ankam.

    Ein anderes Leuchtturm-Projekt rückt dabei fast schon in den Hintergrund. 1917-1997 wurde PEI ausschließlich durch Fähren mit dem restlichen Kanada verbunden. Seither gibt es eine Brücke. 13km lang. Stahlbeton. Eigentlich nicht sehr schön und zusätzlich noch mit teurer Maut. Aber irgendwie müssen sie ja die investierte Milliarde und die Betriebskosten rein holen. Sie ist bis heute das Meisterstück Kanadischer Ingenieurskunst. Und wenn die Sonne scheint ist ja gar nicht sooo hässlich. Trotzdem mag ich die roten Sandsteine mehr.
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  • Nov23

    Strandspaziergang

    November 23 in Canada ⋅ ❄️ 0 °C

    Die ganze Nacht hat es geregnet. Gegen Morgen wird es leise. Die Morgendämmerung beginnt heute ungewöhnlich früh. Alles ist ein bisschen überfroren und es schneit. Perfekt. Ich würfle meine Pläne noch einmal alle durcheinander und raus kommt das ich nach Greenwich fahre.
    Der Schnee weht und bleibt nirgends liegen so dass die Straßen zum Glück frei sind. Sobald ich in die falsche Richtung fahre stockt mir der Atem vor eisigem Gegenwind. Egal. Schon zu Schulzeiten hieß es „da musst du durch als Lurch wenn du als Frosch etwas erleben willst.“
    Der Wanderweg verläuft zunächst durch geschützten Wald während der Sturm udanach scheinbar seinen Höhepunkt erreicht. Und dann führt doch der Weg tatsächlich 1km quer übers Wasser auf schwimmenden Bohlen. Die Wellen im See haben gut 30cm und vereisen regelmäßig das Geländer. Stand da vielleicht irgendwo dass der Weg im Winter gesperrt ist? Ich kann mich nicht erinnern... aber sie hätten für Sturm so ein Schild aufstellen sollen. Alles schwankt wie auf einem Schiff nur das keiner Salz gestreut hat. Durch das Schneegestöber bin ich so mit mir selbst beschäftigt dass ich erst später erkenne warum ich eigentlich hier her wollte. Der Nationalpark schützt hier eine seltene Form der Bogendüne. Kaum bin ich aber im Bereich der Dünen wird der Schnee durch einen Sandsturm abgelöst. Aber auch da kämpfe ich mich durch.

    Und der Ausblick hat sich echt gelohnt. Auf dem Rückweg trägt mich der Wind. Schön!! (gefährlich...)
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  • Nov22

    Prince-Edward-Island Nationalpark

    November 22 in Canada ⋅ ☁️ 2 °C

    Was gibt es schöneres als eine Insel mit dem Fahrrad zu erkunden? Zwischendurch auch mal zu Fuß zu gehen um vom eisigen Gegenwind wieder ein Stück aufzutauen. Entlang der gulf-shore-Küste in Stanhope habe ich heute viele Gelegenheiten dazu.
    Einst liesen sich hier viele schottische Siedler nieder. Heute ist vieles von deren Farmland unter Nationalparkverwaltung und es wächst Wald darüber. Einzig die Friedhöfe erhält man im originalen Zustand. Die Grabsteine reichen hier bis 1811 zurück. Es gibt ein paar wenige Wanderer und Strandspaziergänger aber ich kann mir sehr gut vorstellen wie hier im Sommer alles überlaufen ist und ich werde das Gefühl nicht los dass ich auch hier keine schlechte Jahreszeit erwischt habe. Entlang der Küste endloser Sandstrand und gleich dahinter wächst der rote Sandstein empor. Es ist tatsächlich wahr das PEI zwar gleich vor der Küste liegt aber geologisch unterschiedlicher kaum sein kann. Die weißen Strandmuscheln geben einen besonders schönen Kontrast dazu.

    Inmitten dieser Welt aus Sand ragt bald der Covehead-Leuchtturm empor. Und wenig später bin ich auf der Insel von der Insel. Robinson-Island. Unter den Einheimischen ist sie noch aus der Zeit vor dem Nationalpark für die Cranberry-Ernte bekannt. Damals eine Insel von 1x4km und einer durchschnittlichen Beerenernte von 16 Kubikmeter Cranberries. Autsch, da kann man viele Kuchen backen oder Marmelade kochen.

    Die Tage sind durchaus kurz. Nach nur 5 Stunden unterwegs dämmert es bereits wieder und ich trete den Heimweg an. Morgen gibt es bestimmt noch mehr zu entdecken.
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  • Nov21

    Die schöne Insel

    November 21 in Canada ⋅ ⛅ 3 °C

    Diese Reise hat mich schon an viele entlegene Orte geführt. Gleichwohl habe ich dafür viele andere links liegen gelassen. Mir wurde gesagt „Wenn du in die Maritimes fährst, dann fahr da zuerst nach Neufundland. Dort wird es dann kalt. Die anderen Inseln sind später immer noch da.“ Recht hatten die Leute. Aber kalt und regnerisch ist es mittlerweile auch hier. Andere Leute aus ganz Kanada meinten „Fahre unbedingt nach Prince Edward Island. Das ist wunderschön da!“

    Und da bin ich nun. Provinz #10. Es ist November, es ist bereits dunkel, es regnet - also bitte was macht die Insel so wunderschön? Auch der Reiseführer verheißt nichts Gutes für diese Jahreszeit. Bis es am nächsten Tag hell wird kann ich ohnehin nicht beurteilen ob die Insel überall mit roter Erde prahlt, wunderschöne rote Sandsteinklippen hat oder auch wunderbar rote Sandstrände. Ich will es herausfinden und plane zunächst einen Tag Städtetour durch Charlottetown zum eingewöhnen.

    Die Insel lohnt auf jeden Fall einen Besuch mit ihrem Bezug zur kanadischen Geschichte. Bereits 1864, drei Jahre vor der Gründung Kanadas begannen hier die ersten Stammtischgespräche und Protokolle dazu. Man spricht auch von den Gründungsvätern der Eidgenossenschaft in Charlottetown. Ein historischer Spaziergang durch die Stadt gibt viele alte Geschichten preis. Viele historische Häuser sind noch original erhalten. Leider befinden sich das Regierungsgebäude und die Confederation Chamber, die Geburtsstätte Kanadas, seit zwei Jahren in Restaurierung.

    Hier auf der Insel fühlte man sich schon immer sehr sicher weit fernab jeden Trubels. Leider zu sicher. Da nie eine Festung errichtet wurde und Charlottetown nie ein militärischer Schwerpunkt war kam es immer wieder zu Piraterie. Der Bürgermeister wurde gefangen genommen und Artefakte aus vergangener Zeit vor der Gründung Kanadas sind für immer verschwunden.

    Die Insel ist seit jeher sehr fruchtbar und es wird überwiegend Landwirtschaft betrieben. Die Fischbestände sind schon lange nicht mehr sehr ergiebig. (Ein Fischer darf z.B. nur noch ca. 100kg Heilbutt im Jahr fangen. Das sind weniger als 100 Fische! ) Und sonst verdient man hier mit Tourismus im Sommer seine Brötchen. Die Romanfigur Anne of green Gables steht hoch im Kurs und wird überall zur Touristenfalle. Jetzt im November braucht mich das jedoch glücklicherweise wenig zu kümmern.

    Immerhin sind die Cafes schon fertig restauriert. ;)
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