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On a roadtrip in Canada

Canada becomes the biggest and most interesting challenge for 2019. I like to cycle all through Canada from Vancouver to Montreal and further on. Meeting multiple cultures, different types of nature and find out inspiriations I want share with you.
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  • Day190

    RMS Titanic

    November 13 in Canada ⋅ ⛅ -2 °C

    Ich habe es kurz schon angesprochen. Die Titanic war nur eine von vielen Katastrophen die hier an der Ostküste ihren Lauf genommen haben. Aber sie ist eine der best dokumentiertesten ihrer Zeit. Ich weiß nicht wie oft meine Schwester damals ins Kino rannte um ihr beim sinken zu zuschauen. Elf oder dreizehn Mal...

    Hier in Halifax hatte die Reederei einen Sitz und die geborgenen Leichen wurden hier bestattet. Daher hat Halifax wohl auch die engste Verbindung zu dieser Tragödie. Ich möchte die Geschichte nicht noch einmal nacherzählen. In der Ausstellung finden sich einige Möbelstücke die man von der Wasseroberfläche gerettet hat. Wenn man nicht wüsste da s es auf der Titanic verbaut war würde jeglicher Bezug fehlen.
    Es gibt jedoch einige Aspekte die ich hier neu dazu gelernt habe. Selbstverständlich kamen viele Fragen über die Identität der Toten auf. Man führte dazu ein neues System der Identifizierung ein. Der Reihe nach wie sie vom Schiff kamen bekam jeder eine Nummer und einen aus Segeltuch schnell genähten Sack für alle persönlichen Gegenstände die derjenige bei sich trug und die der Identifizierung dienen konnten. Bis heute konnten nicht alle Toten identifiziert werden. Aber es gibt immer wieder Erfolge. Erst in 2007 kamen Forscher mittels DNA Analyse auf die Spur des unbekannten Kindes.

    Unter Wasser gehen indes immer wieder Schatzräuber auf Tour und zerstören das ein oder andere am Boot. So ein Mahnmal in vier Kilometern Tiefe lässt sich schwer schützen und ist der steten Veränderung ausgesetzt. Natürlich kommen auch Forscher immer wieder vorbei. Und so fanden Materialforscher heraus dass die Tragödie möglicherweise viel glimpflicher ausgegangen wäre wenn man seinerzeit besser über Materialeigenschaften Bescheid gewusst hätte. Der verbaute Stahl war sehr schwefelhaltig. Das macht ihn jedoch spröde in einer Umgebung wie diem kalten Nordatlantik. Sicher ist das ein zusätzlicher Aspekt warum das Schiff seitwärts so weit aufgerissen ist. Hätte nicht passieren müssen...

    Die Titanic ist nicht das einzige Schiff das hier vor der Küste auf Grund liegt. Über zehntausend Schiffswracks liegen wohl vor der Küste Neuschottlands. Bei Sturm und Nebel gegen die Felsen geworfen oder eben im Eis fest gesetzt. Man spricht allgemein auch vom Friedhof des Nordatlantiks.

    Ich habe am Nachmittag auch die Andacht gefunden und bin auf den Fairview Cemetery gefahren. Dort wurden die meisten der geborgenen Leichen bestattet. Es war ein Moment der mich bewegt hat obwohl ich eigentlich nicht betroffen bin. Allein, in Eiseskälte, zwischen all den Gräbern. So ähnlich muss es sich für die Überlebenden angefühlt haben.
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  • Day190

    Halifax

    November 13 in Canada ⋅ ☁️ -2 °C

    Gestern war dieser Tag an dem sie über 50 Liter Regen angesagt hatten. Die Moral ist eigentlich gut aber nach nichtmal 17km versagt das Regenzeug schon völlig. Das Wasser läuft wie in einem Fallrohr bis in meine Schuhe. Das macht keinen Spaß und ich muss das ja nicht machen, ich möchte. Ich entscheide mich der Gesundheit zuliebe für den Bus und finde mich vier Stunden später immer noch im Regen aber in Halifax wieder.

    Über Nacht fällt die Temperatur mal eben von +14 auf -6 Grad. Irgendwie bin ich ja froh dass ich hier Eine Unterkunft gefunden habe. Aber entdecken möchte ich die Stadt dennoch ein wenig. Auf dem Rad fühlt sich alles noch kälter an und ich habe das dumpfe Gefühl ein bisschen zu wenig angezogen zu haben. Aber zum Glück kommt die Sonne wieder raus und eine Stadt bietet ja auch genügend Anlaufpunkte um sich aufzuwärmen.

    Ich nutze dazu gleich mal die Fähre. Wer die Skyline von New York kennt, der braucht nicht nach Halifax zu kommen. Aber der verpasst dann die älteste Fährverbindung in Nordamerika. Seit dem 18. Jahrhundert wird hier fleißig zwischen drei Punkten eine Fußgängerfähre aufrecht erhalten. Ich glaube so nah kommt man an Containerschiffe und Marine sonst auch nur bei einer Hamburger Hafenrundfahrt.
    Deshalb bietet es sich gerade in Halifax an dem Atlantischen Seefahrtsmuseum einen Besuch abzustatten. Neben allerlei Schiffsmodellen und Segelbooten gibt es Ausstellungen zu Leuchtürmen, der Marine, Hurrikans, Frauen in der Seefahrt und der großen Explosion die eigentlich niemand kennt.

    Man stelle sich vor: 1 Weltkrieg, die Tragödie um die Titanic ist gerade mal 5 Jahre her - da kollidieren in der engsten Hafenstelle ein Passagierschiff aus Norwegen und ein Versorgungsschiff mit hochexplosiver Munition auf dem Weg nach Frankreich an die Front. Tausende Tote, Trümmerteile bis in dreißig Kilometer Entfernung und die Stadt gleicht einem Trümmerhaufen nach einem Bombenangriff. Schuld war eben bloß zwei Kapitäne die sich missverstanden haben. Und die Leute kamen zusammen weil sie alles für ein morgendliches Feuerwerk hielten.... Bis es explodierte. Wir denken immer unsere Welt ist noch so sicher. Doch so etwas zeigt uns dass es oft der Mensch selbst ist der es erst zu einer Katastrophe werden lässt.

    Hallifax selbst ist sonst allein schon durch seine Zitadelle militärisch geprägt. Wenn sonst auch alles geschlossen hat zu dieser Jahreszeit ist es dennoch wunderschön den Blick von oben schweifen zu lassen und den Eiszapfen im Wind beim Wachsen zu zuschauen.
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  • Day188

    Do it yourself

    November 11 in Canada ⋅ ☁️ 1 °C

    Zugegeben, ich habe mich auf dieser Reise schon oft bei meinem Schutzengel bedankt. Der spielt fast schon selbstverständlich eine sehr große Rolle wenn ich auf mich allein gestellt bin. Er weiß was in dem anderen Menschen mir gegenüber oder hinter mir in jeder Situation vorgeht und wie ich glimpflich davon komme.

    Aber wie ist das mit dem lieben Zufall? Der Zufall kann doch ein recht unbequemer Zeitgenosse werden. Und im nächsten Moment sprühe ich nur so vor Begeisterung was ich gerade tolles erleben durfte.... Das wechselt sich immer recht zeitnah ab finde ich.
    Kaum habe ich wohl genährt die Fähre verlassen halte ich Ausschau nach einem anderen Radfahrer den ich hier eigentlich treffen wollte nachdem seine Fähre in der Nacht storniert wurde. Es gab schon mehrere Anläufe sich an verschiedenen Orten zu treffen und hat doch nie geklappt. Der Zufall will es so. Ich werde vom Sicherheitspersonal nicht durch gelassen und darf auch nicht aus der Ferne schauen ob er irgendwo rum sitzt. Nützt ja nix. In der Nacht konnte ich einen LKW Fahrer finden der mich ein Stück mitnimmt damit ich nicht die gleiche Route zwei mal fahre. Den treffe ich vor dem Tor wieder. Und siehe da, als ob der Zufall jetzt wirklich wieder unbequem scheint meint der Trucker plötzlich „sorry ich habe über Nacht noch eine andere Fracht bekommen. Ich kann dich leider nicht mitnehmen.“ Zu Hause denkt man sich auch gerne so etwas aus wenn man kalte Füße bekommt.

    Das Maß ist voll aber was will ich machen außer schön lächeln, denn bis an das Fahrerfenster reicht meine Faust nicht und verbal wird man in Kanada nicht! Dann wenigstens schnell Einkäufe erledigen und ab auf die Straße. Von allein rollt das Fahrrad auch nicht. Das Maß geht zum Glück noch ein bisschen voller denn in der Stadt haben noch alle Supermärkte geschlossen. Weil morgen Feiertag ist machen heute alle später auf und bleiben dann länger offen als Sonntags üblich. *Grrrr!!!*

    Mit diesen Voraussetzungen mache ich mich auf den Weg nach Süden. Ich muss eben doch alles selbst in die Hand nehmen. Was ich nicht selbst kontrollieren kann wird nichts oder ich fühle mich zuletzt unwohl jemand anderen vielleicht ausgenutzt zu haben ohne entsprechende Gegenleistung. Das würde mir am Ende vielleicht viel schwerer lasten. Routiniert und mit viel Disziplin trage ich alles mit Fassung. Auch als ich den Wetterbericht lese und zunächst zwei Tage stürmischer Gegenwind angesagt sind bevor Schneeregen mit bis zu 50l pro Tag folgen sollen. Perfekt - was will ich mehr Anreize jeden Tag ein paar Kilometer extra zu machen anstatt auf seine Beine zu hören...?

    Die Farben von Breton Island sind unterdessen verblasst. Es ist alles nicht mehr so schön bunt wie vor vier Wochen. Und es ist außer mir auch keiner mehr auf der Straße. Nicht mal Einheimische trauen sich mehr ohne Pickup weit von der Haustür weg. :(
    Die ersten Seen sind zugefroren obwohl sonst noch kein Schnee liegt. Dazu ein feuerroter Sonnenuntergang. Das sind die einzigen Momente die mir einen Lichtblick verschaffen.

    Mein Fahrrad habe ich unterdessen mit einem Hilferuf präpariert. Denn die Zeit die ich hier verliere andere Ecken der Provinz zu entdecken ist mir eigentlich zu kostbar den gleichen Highway auf 300km zwei Mal zu fahren. Das sind vier Tage! Leider hört den Hilferuf niemand.
    Ich nehme es Schlussendlich wieder selbst in die Hand. Gasteltern bei denen ich bereits vor vier Wochen einmal übernachtet habe nehmen mich herzlich wieder bei sich auf. Ein Lächeln macht sich breit. Ein Lichtblick und ein Ziel vor Augen.
    Und plötzlich scheint dieser Funke über zu greifen. Ein Auto hält an. Bibbernd steigen zwei junge Leute aus die mein Schild gelesen haben und fragen wie sie helfen können. (Ihr Auto war leider zu klein, aber ich sehe sie vielleicht in Halifax wieder). Ein anderer Anwohner fragt mich an der nächsten Tankstelle an der ich mich stärke und drückt mir für meine Geschichte einen Riegel in die Hand.
    Es gibt sie also noch, diese glücklichen Zufälle für die es sich tagtäglich bei jedem Wetter lohnt aufzustehen die Füße in die Hand zu nehmen und weiter zu machen. Langsam, aber weiter. Immer weiter.

    Der Zufall will nur das Beste für mich und das ist nicht immer der leichteste Weg.
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  • Day187

    Notdienst an Bord

    November 10 in Canada ⋅ 🌙 -4 °C

    Während ich das schreibe kann ich eigentlich noch nicht wirklich fassen dass das gerade passiert.
    Am Fährterminal gucken mich alle verdutzt an. - „Mit dem Fahrrad übersetzten? Mein System hat im November keine Warteschlange dafür. Ich weiß gar nicht wie ich das buchen soll! Du bist mutig!“ ...
    Es findet sich dann doch ein weg und die Fähre legt verspätet ab aber sie fährt immerhin trotz mittlerem Wellengang. An Deck frage ich höflich ob ich einen Zettel auslegen darf damit ich womöglich einen Trucker finde der mich noch 400 km in die richtige Richtung mitnimmt. Entschieden Nein. Ein bisschen neugierig ist der Deck-Officer dann aber doch und nach einem Gespräch finde ich mich erstmal bei Gratis Suppe und Kaffee im Bistro wieder. Noch dazu bekomme ich einen kostenpflichtigen reservierten Sitzplatz mit Füße hochlegen geschenkt. Ich irre noch ein wenig durch die Gänge. Wegen dem Kaffee und dem Wellengang kann ich ohnehin nicht gut dösen. Das können denn einige nicht.
    Gegen 2 Uhr in der Nacht plötzlich ein Aufschrei aus den Kabinen. Eine Durchsage ruft aus ob ein Arzt oder Pfleger an Deck sei. Und durch Zufall stolpere ich in das Geschehen ohne es zu wollen. Aber der Apotheker ist nicht weit weg vom Arzt und neugierig sind wir ja alle.
    Die Treppe runter kommt mir eine verwirrte graue Dame entgegen. Mehr apathisch als ansprechbar. Ich bleibe erstmal bei ihr und merke bald das sie der Grund für den Ausruf war und ich als erstes bei ihr. Später stellt sich heraus das ihr Sohn beim Wellengang aus dem Bett gefallen ist und wegen seiner Medikamente ein Delirium erlitt. Unter Schock wollte er gerade die Kabine auseinander nehmen um klar zu werden.
    Als die Lage wieder unter Kontrolle scheint ziehe ich mich von der Frau zurück denn der Deck-officer kümmert sich jetzt auch mal um sie. Solange stand die Frau weitestgehend unter schock und hat sich an mich geklammert. Verängstigt, da sie ihren Sohn so brutal gar nicht wieder erkannte. Es ist schlimm das sich um die „Opfer“ eigentlich wieder niemand kümmern wollte.
    Kaum hingelegt weckt mich die Küchenchefin -„Eh, pack deine Sachen und lass die Decke hier...“ flüstert sie. Ich komme mit ihr mit und finde mich an der Rezeption wieder. Dort soll ich ein Protokoll über den Vorfall ausfüllen und erhalte im Gegenzug gratis eine Privatkabine mit Dusche und Frühstück gestellt.
    Es klingt makaber, aber ich liebe Notfälle! Zumal sie auch zu Hause immer spannend sind und nie gleich ablaufen. =)
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  • Day186

    Schnee... - dem Sommer hinterher!!

    November 9 in Canada ⋅ ⛅ 0 °C

    Auch für den Weg zurück habe ich mir noch ein paar Ziele aufgehoben. Damit ich davon überhaupt welche erreiche nehme ich zunächst Bus und Fähre wieder runter von der Insel. Das dauert mit dem Bus allein schon schlappe 14 h. Aber immer noch besser als drei Wochen zurück radeln.

    Während ich zur Bushaltestelle fahre weht ein eisiger Wind und treibt die ersten Schneeflocken bis an die Küste. Die bleiben hier vor Januar aber nicht liegen. Dreißig Kilometer Inseleinwärts sieht das schon anders aus. Und je weiter ich mich gen Westen bewege. Desto mehr bin ich froh dass ich heute gerade mal nicht Rad fahre. Bei jedem Stopp drehen dem Bus zunächst die Räder durch. Ich vermute ja fast mal Sommerreifen. Zu Hause wären sie im November manchmal auch noch so fahrlässig.

    Ansonsten freue ich mich über den zeitigen Schnee. Jetzt wo die Herbstfarben durch sind und alles sonst nur grau erscheint ist das einfach nur schön wenn jemand mit dem weißen Pinsel schwingt. Es muss ja nicht gleich immer so viel sein wie im Oktober in den Prairies. Aber Schnee ist nun einmal w ichtiger Bestandteil des Winters und der wurde hier im November eingeläutet.
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  • Day186

    Dreams are made if people try.

    November 9 in Canada ⋅ ⛅ 1 °C

    „I just wish people would realize that anything is possible if you try. Dreams are made if people try.“ - Terry Fox
    ( Ich wünsche mir nur dass Menschen erkennen dass alles möglich ist wenn man es versucht. Träume werden wahr wenn die Leute es angehen. )

    Nun war das Projekt Trans-Canada nie ein lang gehegter Wunsch von mir. Gerade einmal ein Jahr zurück im November hatte ich die Idee so weit ausgereift dass sie den Versuch wert war. ... Aber das ganze ist ja eigentlich noch gar nicht zu Ende! - Nur, nach Osten führt hier keine Straße mehr. Da müsste ich wohl auf die nächste Eisscholle warten, die im Mai vielleicht gen Osten driftet.
    Das wäre etwas lang und ungemütlich hier am Kap.

    Die Erfolgsnachrichten des Tages:

    - mein Fahrrad hat ein neues Hinterrad bekommen. Es rollt wieder.
    Ersatzteilbeschaffung innerhalb von zwei Tagen am Ende Amerikas ist gar nicht mal so schlecht finde ich.

    - Ich bin am östlichsten Punkt meiner Reise angelangt. Cape Spear. Von hier ist es bald doppelt so weit nach Vancouver wie nach Irland.

    Das Kap hat schon viele Schiffe ihr Dasein gekostet. Seit gut zweihundert Jahren verrichten zwei Leuchttürme ihre Arbeit und geleiten Schiffe sicher in den Hafen. Nach 13.446 km bin ich einmal weitestgehend quer durch den Kontinent geradelt.
    Bleibt ja nur noch der Heimweg zum Flughafen, oder? Läppische 2.400km.

    Auf dem Rückweg schaue ich mir noch den zweiten Leuchturm in Fort Amherst an. Wundumtost und finster ist es da bereits schon wieder. Ich kann irgendwie gar nicht glauben dass schon gleich Mitte. November ist und ich schon über 6 Monate unterwegs bin. Irgendwann muss jede Geschichte bald auch ein Ende haben sonst kann ich gar keine neue schreiben. Aber noch genieße ich in vollem Umfang.
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  • Day184

    St John's

    November 7 in Canada ⋅ ☀️ 4 °C

    Auf dem Weg zum Fahrradladen irre und wirre ich durch die Stadt. Prima, der Laden ist schon vor Jahren umgezogen und steht bei Google immer noch falsch drin. Ha, ich bin ja so froh dass ich mich auf meiner Reise nicht auf das Wissen eines einzelnen verlassen habe.
    Der Irrweg bietet mir jedoch auch die beste Gelegenheit die Stadt zu erkunden. Hier im klein San Francisco des Ostens gibt es nun endlich auch die vielen bunten Häuschen wie ich sie schon auf ganz Neufundland vermisst habe in ganzen Straßenzügen. An irgendetwas muss man sich schließlich erfreuen wenn es schon keine waagerechten Straßen gibt. Das Laub raschelt unter meinen Füßen. Das wirkt beruhigend und tut einfach gut. Ich weiß ja schließlich immer noch nicht wie es mit dem Fahrrad weiter geht.

    St John‘s ist die Provinzhauptstadt von Neufundland & Labrador. Für die 500.000 Einwohner ist es Verwaltungssitz und durch einen wunderschönen Naturhafen wurde es direkt in die Klippen gebaut. In der Geschichte haben bereits viele Blut vergossen um den Hafen zu erobern. Es war einer der wichtigsten Drehkreuze im Weltkrieg um Fracht und Versorgung nach England an die Front zu leiten und die Deutschen fern zu halten.
    Vorher hatten es die Franzosen mal erobert das ging auch überhaupt nicht... und jede Angst vor einem Angriff hat die Bemühungen gesteigert überall in der Hafeneinfahrt Kanonen zu stationieren oder Forts zu errichten. Der heute so genannte Signal Hill ist außerdem von Bedeutung da hier die erste transatlantische Telegramm-Nachricht empfangen wurde.

    Die Stadt wäre nichts ohne ihre Uni. Und selbst wenn gerade Studienzeit ist wirkt dennoch alles so Menschenleer außerhalb der Touristensaison. Viele Geschäfte haben verkürzte Öffnungszeiten. Ich habe die Stadt zwar nicht für mich alleine. Aber hier lässt es sich leben. Über Lage und Klima müssen wir aber nochmal sprechen.
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  • Day184

    Neue Horizonte

    November 7 in Canada ⋅ 🌙 2 °C

    „Komm schon, du solltest unbedingt auch nach Neufundland. Gros Morne war mein Favorit....Die Atmosphare in St John’s ist einfach unglaublich. Ein wunderbarer Ort sich zu erholen und dabei den Sonnenaufgang vom östlichsten Punkt Nordamerikas zu beobachten. ...“

    Das schrieb mir eine Kanadierin als ich vor den Toren Quebecs stand und zwischenzeitlich die Nase voll hatte. Diese Frau hat mir bereits sehr oft Rückhalt gegeben wenn ich ihn auf meiner Reise am meisten nötig hatte. Das kann ich nicht hoch genug schätzen. Also bin ich ihremRat auch heute gefolgt.

    Es ist früh am morgen 5:30 h. Neben mir hat sich noch eine im Hostel angestellte aufgerafft. Mein Rad könnte ich eh erst später reparieren.
    Wir stapfen durch die dunkle, menschenleere Stadt immer bergauf. Von hinten drückt eisiger Wind der die Regenpfützen gefrieren lässt.
    Windschatten leider Fehlanzeige. Aus dem tiefblauen Ozean erhebt sich langsam ein heller Schein. sitzen und genießen könnte so einfach sein wenn dieser Eisige Wind nicht wäre. Als laufen. Vor bis auf die äußerste Klippe vor dem Ozean. Und dann geht die Sonne auch schon auf.
    Ein wunderschöner Moment. Ich kann ihn nicht festhalten aber er verkürzt mir das warten bis zur Reparatur und ist zugleich Balsam für die Seele in dieser doch recht dunklen Jahreszeit.
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  • Day183

    Das Happy End muss warten

    November 6 in Canada ⋅ ☁️ 7 °C

    Am frühen Morgen war ich guter Dinge. Das Zelt hatte ich wegen aufkommendem Wind schnell zusammen gelegt. Es hat ohnehin ungewollt gleich hinter der Polizeiwache gestanden, Ich muss es ja nicht herausfordern. Das Dorf Holyrood ist unter uns weniger bekannt aber unter Arktisforschern. Es bietet eine ideal gelegene Bucht die mit dem Wasser des kalten Labradorstroms versorgt wird. Ein idealer Spielplatz um Expeditionsausrüstung auf Herz und Nieren zu testen. Außer ein paar schlammigen Wanderwegen konnte ich mir einen längeren Aufenthalt heute jedoch sparen.

    Hey es sind ja auch nur noch 65 km bis nach St John‘s. Hauptstadt von Neufundland & Labrador, östlichste Stadt Nordamerikas und Wendepunkt meiner Reise. Zudem mache ich heute die 6 Monate auf Tour voll.
    Wie dachte sich das der Zufall doch gleich? - Es ist schon lange nix mehr schief gegangen. Es wird nochmal Zeit bevor der Winter kommt. -
    Und so radelte ich gerade einmal 20km aus Holyrood heraus. Beim bergab fahren trete ich dann plötzlich ins leere. Das klingt gar nicht gut - denke ich mir. Und so ist es dann auch. Der Antrieb von meinem Fahrrad läuft frei in beide Richtungen, kein klacken vom Freilauf. Kein Rad dreht sich. Nunja - nehme ich das ganze mit Fassung und schiebe bis zur nächsten Werkstatt um zu fragen ob die Werkzeug haben denn für alle Eventualitäten habe ich auf dem Fahrrad gar nicht platz für die Ausrüstung.

    Wir versuchen eine Stunde lang das Hinterrad zu zerlegen. Ohne Erfolg. Der Großvater vom Werkstatt-Meister hat die glorreiche Idee - irgendwo in seinem Schuppen müsse noch ein altes Antriebsrad liegen. Wenn ich basteln will könne ich es haben und damit zumindest bis Übergangsweise weiter fahren bis das richtige Rad repariert ist. Keine schlechte Idee. Ich ziehe einfach meine Reifen drauf und der Laden rollt weiter. Äh - ja. Die Reifen passen, die Speichen sind aber so locker das das Rad mehr Unruhe hat als i h schief gucken kann. Da rollt nix!. Also wieder abziehen. Aufs alte Rad drauf und weiter. Schade dass die Werkstadt mir nicht helfen konnte aber einen Versuch war es wert.
    Mittlerweile ist die Zeit schon so weit fortgeschritten dass in einer Stunde Feierabend ist und der Werkstattmeister bietet mir an. Er müsse Abends eh nach St Johns dann könne er auch den Pick up nehmen und mich irgendwo absetzen von wo ich nur noch in die Stadt rollen brauche. Klingt gut! Das nehme ich dankend an.

    Nächster Tag - Farradladen. Alle sprechen sie immer gleich vom Totalschaden ohne überhaupt gesehen zu haben ob etwas gebrochen ist oder verdreckt... bloß weil ich erzähle wo ich hergekommen bin. Das finde ich unfair. Ich will selbst erstmal wissen was kaputt ist. So kurz vor dem Ziel lohnt ein kompletter Austausch selten noch. Meist sind es ja auch die Kleinigkeiten die große Fehler im System verursachen und mit dem richtigen Werkzeug schnell behoben. Das Werkzeug bekomme ich hier jedoch nicht gestellt. Versnobter Laden! Und dennoch leider der einzige. Eine Mitarbeiterin der es im Augenblick wichtiger war mit dem Hund Gassi zu gehen hilft mir dann dennoch weiter. Es gibt in der Stadt eine Werkzeugbibliothek. Dort kann man gegen Spende selbst schrauben und Ersatzteile haben sie auch. Die Hoffnung stirbt zu letzt!
    Ich muss zwar bis zum Abend warten denn das läuft alles auf freiwilliger Basis. Dann darf ich aber Hand anlegen. Das macht über drei Stunden sogar richtig Spaß. Einziges Problem wir versuchen vier Ersatzteile und keines passt. Da denkt man Shimano ist Shimano und sieht von außen auch immer gleich aus doch über die Jahre haben sie in den Verzahnungen so viel geändert dass ich Ergebnislos wieder gehe. Wenigstens bekomme ich hier ausnahmsweise das Werkzeug gestellt um selbst zu basteln wenn ich denn irgendwoher ein Ersatzteil bekomme das passt.

    Fazit nach zwei Tagen. Ich bin zwar in St Johns aber gibt immer noch kein Happy End.
    Jauchzen und Heulen können so nah beieinander liegen.
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  • Day182

    Die Chronik von Avalon

    November 5 in Canada ⋅ ☀️ 6 °C

    Ich habe die Nacht kuschelig warm in meinem Zelt verbracht, aber mein armes Fahrrad bekommt nun doch langsam von Tag zu Tag größere Frostbeulen. Bis das Zelt aufgetaut ist und ich es zusammen legen kann verbringe ich morgens jetzt immer gerne eine halbe Stunde mit Sonnenbaden und nichts tun bzw. nicht ans frieren denken... Dabei hat mir ein Eichhörnchen die folgende Geschichte gesteckt:

    Ausgrabungen konnten zeigen dass sowohl die Wikinger, die Franzosen als auch die Engländer bei ihrer Überfahrt stets auf Neufundland zuerst Amerikanischen Boden betreten haben. Unabhängig davon dass Kolumbus ein paar Jahre zu spät war (das spielt hier ausnahmsweise keine Rolle.) proklamierte natürlich jeder das Neue Land für sich. Es gab zu der Zeit auch noch Beothuk - die Ureinwohner Neufundlands. Mittlerweile sind die ausgestorben und Neufundland ist in seiner Bevölkerung die homogenste Provinz Kanadas. Am besten heißt dennoch nicht perfekt. Und wie schon immer zwischen England und Frankreich werden große Geschütze aufgefahren.
    In Placentia gingen die Franzosen an Land. Eine kleine Bucht die weit ins Land hinein reicht. Links und rechts von hohen Bergen gesäumt von denen sich alles wunderbar beobachten lässt. Der Burgherr hatte sicher alle Hände voll zu tun. Dennoch bezahlte er seine Soldaten so schlecht dass diese sich hauptamtlich um die Fischerei kümmerten. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt - damals noch Plaisance - sogar französische Hauptstadt der Insel. Heuet erinnern noch einige Mauerreste an diese großartige Zeit bevor die Stadt wieder im Dornröschenschlaf versank und nur im Sommer wegen 2 Monaten Fährbetrieb nach Nova Scotia etwas auflebt.

    Auf der gegenüber liegenden Halbinsel in Cubids gingen die Engländer an Land und erklärten alsbald St. Johns zu ihrer Hauptstadt. Nach gewissen Rivalitäten spricht man zwar heute immer noch von einem englischen und einem französischen Teil der Insel aber eigentlich sprechen alle homogenes Neufundländisch.

    Die Franzosen zogen sich derweil in ihr Europäisches Überseegebiet nach St-Pierre & Miquelon zurück. Dort gibt es auch heute noch alle Vor- und Nachteile des französischen Lebens. Das ist beides einmal eine andere Reise wert.
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