• Etappe 5

    July 22, 2023 in Greenland ⋅ ☁️ 13 °C

    Unsere Nacht war nicht die Beste, aber dafür warm und windgeschützt. Da wir nicht mehr schlafen konnten standen wir gegen 5:30 Uhr auf und machten uns so langsam fertig. Katharina (die Tschechin) signalisierte uns schon, dass es ihrem Knie nicht sehr gut geht und sie es wahrscheinlich nur bis zur nächtsten Hütte schaffen würde. So machten wir uns mit einem mulmigen Gefühl auf, wurden draußen aber zumindest mit einem wunderschönen Morgenlicht und ohne Nebel begrüßt. Zuerst ging es wieder gut bergauf und nach 20 min fing es dann leider auch noch zu regnen an. Wir gingen bis zur Öffnung des Tal's Ole's Lakseelv auf das wir trotz Regen wunderschön herabblicken konnten und starteten unseren Abstieg. Da Katharina keine richtigen Wanderschuhe hatte, ging ich mit ihr deutlich langsamer und vorsichtiger bergab als Damian. Aber auch wir mussten aufpassen, da es teilweise sehr steil und auch rutschig war. Unten angekommen klagte Katharina umso mehr, meinte aber, dass es jetzt beim flachen Gehen wieder deutlich besser sei. Und so starteten wir den 6 km Sumpfabschnitt mitten durchs Tal in Richtung Brücke, da man den Itinneq Fluss zur Zeit wegen des hohen Wasserstands nicht durchqueren kann. Wasser von oben, Wasser von unten und es war verdammt anstrengend. Aber wir schafften langsam die ersten 4 km, bis ich mich zu Katharina umdrehte und sah, dass sie am weinen war. Wir waren gerade bei etwas festeren Grund an einem Felsen und wollten 5 min Pause machen. Wir klärten es kurz mit ihr ab - sie könne keinen Meter mehr weiter laufen - also setzte Damian den Notruf ab und die Rettungstortour began 🙈😅. Es war kalt, es regnete und wir kühlten langsam aus, dementsprechend verschlechterte sich unsere Stimmung. Nach 30 min hörte zumindest der Regen auf und wir konnten uns wärmer anziehen und einen warmen Tee machen. Nach 2 Stunden warten und ein paar Nachrichten zwischen uns und dem Rettungsteam (sowie Michi, da er unser Notfallkontakt war und wir nochmal bestätigen wollten, dass wir nicht betroffen sind) war klar, dass kein Helikopter kommen wird, sondern ein Boot und wir es irgendwie zum Fjord schaffen müssen. Also gingen wir sehr langsam weiter Richtung Brücke, an der wir noch weitere Tschechen trafen, die uns noch halfen Katharina über die Brücke zu bekommen, da die ersten 2 m schon überspült waren. Wir gaben den neuen Standort durch und hofften, dass sie schon hier abgeholt werden konnte. Wir warteten weitere 1 1/2 Stunden und sahen dann ein kleines Schlauchboot sich den Fluss hineinkämpfen. 6 sehr verschwitzte und unglaublich nette Grönländer der Rettungswache nahmen sie dann auf die Trage und mit dem Boot zurück nach Sisimiut. Wir waren danach einfach froh, dass alles geklappt hat. Es zeigt wieder, wie leichtsinnig manche Leute unterwegs sind und wie schnell sie damit andere und auch Rettungskräfte mit in Gefahr bringen können. Sie hatte keine Wanderkarte dabei, keine richtig warme Kleidung, kein GPS und nur Laufschuhe 🙈 Auch wenn sie einen guten Grund für die Reise hatte (Ihr Mann verstarb letztes Jahr und es war sein großer Traum gewesen, den sie jetzt in Erfüllung bringen wollte), war sie unglaublich leichtsinnig.
    Wir hatten danach noch ca. 2 1/2 km und ein paar Höhenmeter vor uns, die wir total platt hinter uns brachten. Die Hütte lag unglaublich schön am Berghang mit Blick auf den Fjord und wir hatten sie für uns ganz alleine. So konnten wir unseren Hochzeitstag wenigstens noch ein wenig bei Tee und leckerem Pulled Pork genießen und jemand hatte sogar einen kleinen Bergblumenstrauß in der Hütte zurückgelassen 😊. Dass der Tag uns ganz schön mitgenommen hat, merkten wir dann kurz vorm Schlafengehen - Damian bekam für kurze Zeit stressbedingt Magendarm Probleme und bei mir starteten heftige Halsschmerzen. Wir gingen deswegen wieder früh schlafen, damit wir am nächsten Tag wenigstens ein wenig ausgeruht für die nächsten stattlichen 19 km und 600 hm sind.
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