• Jackpot

    June 5, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 7 °C

    Heute Morgen erwachten wir endlich halbwegs ausgeschlafen. Ich hatte zum Schluss meines Schlafes irgendeinen merkwürdigen Traum, der mich ziemlich verärgert aufwachen liess.

    Der erste Blick nach draussen war vielversprechend. Ich sah jede Menge blauen Himmels und ein paar Wolken. Freudig standen wir auf, bereiteten uns einen Kaffee zu und gingen nach draussen, um die Umgebung bei schönem Wetter anzuschauen. Wir hatten offenbar an einem wirklich schönen Ort übernachtet.

    Simi schnappte sich seine Gitarre, ich meinen Laptop und so trällerte er vor sich hin, währenddem ich meine Erinnerungen an den vergangenen Tag niederschreiben konnte. Ein bisschen „shanti“ sind wir halt schon ;-)

    Irgendwann machten wir uns auf den Weg in Richtung Visitor Center. Bevor wir losfuhren, fragte ich Simi „möchtest du deine Kamera auch aus dem Rucksack nehmen, um diesmal vorbereitet zu sein?“ „nöööö“. Nur ca. 5min nachdem wir losgefahren waren, sahen wir irgendwas Felliges am Strassenrand. WOW Bighorn Sheep?!? Nein, viiiiel besser!!! Blonde Grizzly-Mama mit zwei Babybären :-D Ich schwebte im siebten Himmel. Simi war leicht genervt. Natürlich waren die Bären jedoch auf seiner Seite, so drückte ich ihm meine Kamera in die Hand, holte hinten sein raus und dann tauschten wir wieder. Die Bären spazierten weiter und so drehten wir nochmals um. Ich weiss, nicht sehr tierfreundlich, aber seien wir ehrlich: Wer kann so einem Anblick widerstehen?!? Die drei waren einfach zuuu süss!!! Nach einer Weile fühlten wir uns doch etwas schlecht und so fuhren wir weiter in Richtung Visitor Center.

    Unterwegs sahen wir eine Frau mit zwei Hunden irgendwo im Nirgendwo am Wegesrand stehen. Sehr Simi-Unlike hielt er an und ich fragte sie, ob sie Hilfe benötigt. Offenbar wohnte sie irgendwo im Wald und musste in die nächste Ortschaft kommen, um Einkäufe zu tätigen und ein neues Handyladekabel zu besorgen, weil ihre Hunde ihres zerstört hatten. Ok.. wollen wir nett sein und in Kauf nehmen, dass sie uns umbringt, ausraubt oder entführt oder wollen wir schlechtes Karma für uns? Da wir beide in Sachen Hitchhikers Schisshasen sind, versuchte ich, ihr mitzuteilen, dass wir leider keine Hunde im Auto mitnehmen dürfen (Vermietungspolicy), jedoch sicherlich bald ein anderes Auto auftauchen würde. Nachdem sie erklärte, dass seit Stunden kein Auto in die richtige Richtung fuhr und sie die Hunde in ihrem Camp zurücklassen könne, gingen mir natürlich die Ausreden aus und wir gingen das Risiko ein.

    Sie brachte ihre Hunde ins Camp, währenddessen machten wir den Rücksitz frei für sie. Sie kam zurück mit einer Flasche mit durchsichtiger Flüssigkeit. Nahm sie jetzt ernsthaft noch Wodka in einer Petflasche mit? Meine Gedanken spielten wohl etwas verrückt und ich habe zu viele Vorurteile. Jedenfalls war sie wohl einfach ausser Puste, weil sie so schnell wie möglich ihre Hunde zurückbrachte, damit wir sie mitnehmen.

    Sie war nett und erzählte uns das eine oder andere über die Landschaft und ihr Leben. Offenbar kann man in British Columbia, Kanada, inzwischen legal Kokain und Crystal Meth kaufen!?! Also, wenn das wahr ist (wir müssen noch Google fragen, ob das so ist), dann sind die Leute da wohl einfach verrückt. Jedenfalls erzählte sie uns, dass die Legalisierung sie 8 Cousins gekostet habe. Nebenbei, sie sah nicht nach Drogen aus. Sie hatte sich sogar hübsch gemacht, hatte einfach eine Jacke, die mit Erde verschmutzt war, aber wir sind schliesslich in Kanada auf dem Lande.. Zurück zu den Drogen: Ich kann mir vorstellen, dass eine Legalisierung so einige Personen dazu verleitet, es doch einfach mal zu versuchen.

    In Haines Junction angekommen, liessen wir uns im Visitor Center von einem der Ranger beraten, welche Wanderung wir unternehmen könnten. Eine kennen wir bereits von unserem letzten Aufenthalt, diese möchten wir unbedingt noch machen. Die restlichen Wege kennen wir noch nicht. Wir nutzten die Gunst der Stunde, um uns auch das Wetter der kommenden Tage nochmals anzuschauen. Die Umgebung rund um den Kluane NP schien gutes Wetter zu erwarten. So entschieden wir, in den nächsten Tagen unsere Wanderung vom letzten Mal zu wiederholen. Wir konnten uns lediglich nicht entscheiden, auf welcher Seite des Flusses wir starten wollten.

    Schlussendlich kam uns in den Sinn, dass wir für die Wanderung gar kein Essen besorgt hatten, da wir ja vorhatten, in die USA zu reisen. Also suchten wir in der Grosstadt Haines Junction (ich glaube, da wohnen vielleicht 50 Leute) nach einem Laden. Währenddem wir in einem der kleinen Läden überlegten, was wir denn essen könnten, kam mir in den Sinn „F**k-Sh*t, wir sind ja so blöd“: Wir hatten bisher gar kein Gas für unseren Kocher besorgt!! Ok, in dem Laden, in dem wir uns befanden, gab es kein Gas. Was tun wir nur? Gehen wir doch zuerst in Richtung Tombstone?

    Wir entschieden, uns erstmal etwas zum Mittag zu besorgen und anschliessend im anderen Laden im Dorf zu schauen, ob es dort allenfalls Gas gibt. Nach einer Fertigpizza gingen wir also zum Tankstellenshop und TADA, sie hatten Gas. Ok, Planänderung nochmals. Die Wanderung wird also doch in den nächsten Tagen stattfinden. Was essen wir denn so während der Wanderung? Die Auswahl war natürlich nicht sehr gross. Wir entschieden uns für eine Büchse Lasagne und sonst eine Büchse mit Pasta uns Sauce, dazu würde es China-Instant-Noodles gebeben. Was für ein Festessen :-P

    Nach dem Einkauf suchten wir uns eine Wanderung in der Nähe aus. Sie war ziemlich langweilig und so drehten wir nach ca. 4km um. Sie führte uns nonstop durch einen Wald ohne Aussicht, dazu kam die Angst vor den Bären, obwohl es kaum Spuren gab, welche auf Bäraktivitäten hindeuten würden.

    Zurück von der Wanderung fuhren wir noch etwas herum und suchten uns einen Schlafplatz für die kommende Nacht aus. Wir wurden fündig. Der Platz befindet sich an einem Fluss, mit einem schönen Blick auf ein paar Berge im Hintergrund.

    Wir bereiteten uns einen Apero vor und genossen noch ein wenig die Sonnenstrahlen.

    Nun sitze ich leicht fröstelnd im Camper, weil Simi partout die Türe nicht schliessen will und schreibe meine Erinnerungen nieder. Man wird ja immer vergesslicher;-)

    Vielleicht werden wir bereits morgen zu unserer Wanderung aufbrechen, dann werden wir zwei Nächte lang in der Wildnis zelten, ehe wir zurück zu Adriana wandern und unsere Reise weitergeht. Wohin, wissen nur die Götter. Aktuell verhalten wir uns wie ein Fähnlein im Winde. Unsere Pläne ändern im Minutentakt und das ist in den Ferien doch auch irgendwie gut so. Wir lassen uns treiben, tun worauf wir gerade Lust haben, reisen dahin, wo das Wetter die besten Prognosen zum Wandern und Fotografieren verspricht und geniessen die verbleibenden Tage. AMEN ;-)
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