• Adriana ist ne Zicke

    June 11, 2024 in Canada ⋅ ☁️ 8 °C

    Heute Morgen sind wir erneut verhältnismässig spät aufgestanden, jedoch haben wir noch unseren 1h Jetlag als Entschuldigung.

    Wir hatten für für heute nicht viel vor. Einkaufen in Dawson City und dann ab nach Tombstone. Wir genehmigten uns einen Kaffee, füllten unsere Wasserkanister auf, machten einen kurzen Spaziergang auf dem Campingplatz, nur um rauszufinden, dass der Bieberbau weggeschwemmt worden war und fuhren dann nach Dawson. Unterwegs die super Überraschung. Vor uns lief „Smokey the Bear“ über die Strasse. Er sah genau so aus wie das Maskottchen, welches auf Waldbrände aufmerksam macht :-)

    In Dawson holten wir uns einen Espresso und schlenderten durch das ehemalige Goldgräberstädtchen. Es ist ziemlich touristisch und überall suchen irgendwelche optimistischen Goldsucher mit ihren Metalldetektoren nach verbliebenen Goldresten. Ich kann mir ehrlicherweise nicht vorstellen, dass direkt vor den Parkplätzen noch was zu finden ist, da vor diesen Personen sicherlich tausende zuvor ihr Glück versucht haben. Aber wer nicht sucht, der nicht findet..

    Nach dem Spaziergang statteten wir dem General Store einen Besuch ab, um unsere Vorräte aufzufrischen. Hier erfolgte die nächste Überraschung: Nie in meinem Leben habe ich einen solch prall gefüllten Supermarkt gesehen. Bis zur Decke hin war alles gefüllt mit Esswaren.

    Fürs Mittagessen besorgten wir uns eine Pizza, welche wir in unserem Ofen im Camper backten. Wirklich, wir lieben dieses Gerät. Schade haben wir dies in unserem eigenen Camper zuhause nicht! Es war lecker. Wir genossen die Pizza mit Blick auf ein 125-jähriges Haus, dessen Seitenwände mit alten Ölfassern bedeckt wurde.

    Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg nach Tombstone. Genau bei der Abzweigung stand die nächste Person, welche Autostopp machte. Wir wollten unser Karma noch etwas aufbessern und fragten das Mädchen, wohin sie gehen wollte. Natürlich an denselben Ort wie wir und so nahmen wir auch sie noch mit. Sie kommt aus Belgien und hat sich einen dieser Work-Travel-Permits ergattert, welche man haben kann, wenn man unter 30 oder so ist.. Leider haben wir das damals verpasst. Andererseits schien sie aus dieser Möglichkeit auch nicht alles rauszuholen. Nur in Dawson rumzuhängen scheint uns auch nicht das Wahre zu sein. Zu touristisch.

    Irgendwann kamen wir beim Visitorcenter an. Leider wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Kein Zelten für uns, beim Campingplatz beim einen bekannten See sei noch viel zu viel Schnee.

    Ok, fahren wir also den Dempster Highway entlang. Jede Meile schmerzte uns, weil wir uns Limit schon längst überschritten haben und jede weitere Meile uns 0.59 USD kosten wird. Ein Teil in uns sagt: Scheissegal, lass dir die Ferien deshalb nicht vermiesen, der andere Teil in uns sagt, bald zahlt ihr so viel für den Camper, als hättet ihr ihn gekauft!

    Irgendwann drehten wir um, weil wir keine Fotogelegenheit mehr sahen. Bei einem See hielten wir an. Simi wollte Gitarre spielen und ich meinen Blog schreiben. Stattdessen verbrachten wir die nächsten 1.5h damit, unsere Türe bzw. deren Schloss auseinanderzuschrauben. Die Türe war von aussen nicht mehr öffenbar! Adriana du Zicke! Echt, wir haben doch nur noch ein paar Tage miteinander. Kein Wunder werden die Camper hier nach Frauen benannt. Jeder scheint sehr launisch zu sein..

    Wir haben ALLES probiert. Als die Türe offen war, haben wir das Schloss rausgenommen, alles mit WD-40 eingeschmiert, aber es scheint einfach alles nichts zu helfen. Naja.. künftig lassen wir eines der Fenster leicht geöffnet, nur für den Notfall. Von innen kann man die Türe merkwürdigerweise jederzeit öffnen..

    Ok, verbringen wir die heutige Nacht widerwillig auf dem Campingplatz und fragen alteingesessenen kanadische Camper nach deren Ratschlag. Unterwegs ändern wir unsere Meinung. Wir wollen alleine sein und unsere „Scheisse-unsere-Ferien-sind-bald-zuende-Laune“ in Einsamkeit zelebrieren. Irgendwo im Nirgendwo parkten wir unseren Camper und spazierten der Strasse entlang . Stets in der Hoffnung, irgendwo ein schönes Foto in der grundsätzlich wirklich tollen Landschaft machen zu können. Leider erfolglos.

    Irgendwann liefen wir auf einen kleinen Hügel und hofften, von da aus, gute Aussicht auf die Berge zu haben. Naja.. die Berge waren ok. Unsere Aufmerksamkeit wurde jedoch abgelenkt von einem ziemlich grossen Punkt, der hin- und herwatschelte. Ein Blick durch den Feldstecher bestätigte unsere Vermutung: Ein weiterer Bär! Und nicht einer der herzigen kleinen Schwarzbären. Nein, ein grosser, fetter Grizzly! Gottseidank war er in der Ferne und schien seinen Spaziergang auch eher in eine andere Richtung als in unsere fortzusetzen. Dennoch, wir waren mehrere Kilometer von unserem Camper entfernt. Wer weiss, ob wir unterwegs auch nochmals einen sehen würden? Auf dem Rückweg klammerte ich den Bärenspray umso mehr in meine Hände.

    Wir hatten Glück. Unterwegs war keiner zu sehen. So konnten wir noch stundenlang draussen sein, die ewige Sonne geniessen und jetzt schon melancholisch werden. Unsere Laune schwebte irgendwo zwischen sehr glücklich uns zu Tode betrübt.

    Unser heutiges Fazit ist lediglich: Nie mehr ein Camper mit Meilenbegrenzung! Das ist Blödsinn!
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