• Badetag für Bären

    August 9, 2024 in the United States ⋅ 🌙 10 °C

    Heute Morgen früh kam tatsächlich ein Anruf und uns wurde angeboten, am heutigen Nachmittag an einer Bärentour teilzunehmen. Statt einer Wanderung würde sie eine Bootstour beinhalten. Die Bären würden manchmal direkt zum Boot schwimmen und es sei eine ziemlich coole Tour.

    Wir sagten zu und erhielten erst noch die Differenz zur vorherigen Tour zurück. Wir beeilten uns, um rechtzeitig loszufahren. Unser Weg zurück nach Kenai betrug über 2h! Selbst während der Fahrt versuchten wir unsere Vorfreude im Zaum zu halten. Gestern wurde die Tour auch sehr kurzfristig abgesagt.

    Am Flugplatz mussten wir nur kurz einchecken und dann auf unser Wasserflugzeug warten. Leider habe ich mir inzwischen eine Erkältung zugezogen und so entschied ich mich, statt eines Espressos einen Chai Latte zu nehmen. Selten so etwas Süsses getrunken.. aber vielleicht half es ja.

    Ein wenig später durften wir auch schon einsteigen und innert 20min wurden wir zu einer wunderschön an einem See gelegenen Lodge mitten im Nirgendwo gebracht. Dort gab es zunächst ein Mittagessen, dann hiess es warten, bis es endlich losging.

    Die Tour war zu Beginn eine grosse Enttäuschung. Wir fanden zwar recht schnell einen Bären, aber vor uns wurde der Blick auf ihn versperrt von ca. 20 Fischerbooten, welche nicht interessierte, dass wir gerne die Bären fotografiert hätten.

    Glücklicherweise schwamm der Bär irgendwann zur Seite und wir konnten uns einen besseren Foto-Punkt ergattern. Der Bär war unglaublich verspielt. Er fand irgendwo ein Stück Schwemmholz und spielte damit. Süss, wie er selbst seinen Hinterbeinchen einsetzte und immer wieder in die Luft streckte.

    Nach einer Weile fuhren wir weiter, um weitere Bären zu suchen, leider erfolglos. Stattdessen spazierten wir auf einer Art Moosinsel rum. Wahnsinn, dass dieses im See treibende Moos so stark war, dass man nicht einsank.

    Wir fuhren nochmals zurück zu den Bären. In der Zwischenzeit hatte sich ein schöner, blonder Bär zum anderen dazugesellt. Irgendwann kam sogar noch ein dritter. Leider waren wir etwas weit weg und konnten nicht näher fahren.

    Irgendwann mussten wir zurück zur Lodge fahren, weil das Flugzeug schon bereit war, um einige von uns zurückzubringen. Schade, grundsätzlich hätten wir noch eine gute Stunde Zeit gehabt. Es dauerte eine Weile, bis sie wohl ausgelost hatten, wer die zwei „Billigtouristen“ mitnehmen musste.

    Beim Flugzeug angekommen gab es einen kurzen Schreckmoment, als wir alle einsteigen wollten. Ich hörte ein lautes Plätschern und dachte, „Mist, jetzt ist jemandem wohl tatsächlich der Rucksack in den See gefallen!“. Ich schaute hin und sah nur eine Mütze schwimmen. Merkwürdig, das konnte doch kein so lautes Platschen auslösen. Ein wenig später tauchte plötzlich ein Kopf im Wasser auf! Einer der Passagiere war beim Einsteigen in den See gefallen! Er sah ziemlich schockiert aus und kam kaum mehr aus dem Wasser. Als er merkte, dass grundsätzlich nichts passiert war, konnte er sich bereits wieder zu ein paar Spässen hinreissen und auch seine Kameraden hielten sich mit Sticheleien nicht zurück. Im Sinne von, „Hätte echt nicht gedacht, dass wir noch einen Belugawal sehen würden“. Der ältere Herr zog dann seine Fischerstiefel aus und goss mehrere Liter Wasser pro Fuss raus. Pitschnass kroch er dann ins Flugzeug. Ich wäre wohl erfroren.

    Auf dem Rückweg durfte ich sogar noch im Cockpit mitfliegen. Der Pilot bat darum, dass die schlankste Person zu ihm kommt, da auf dem Sitz nicht viel Platz bleibt, wenn er das Flugzeug nach oben steigt. Naja.. gegen eine Horde Fischer-Senioren gewann ich das Rennen um den Platz ziemlich klar.

    Auf dem Rückflug flog der Pilot uns noch über einen wunderschönen Gletscher, umgeben von tollen, hohen Bergen. Was für ein Anblick. Und dies genau dann, wenn ich keine Kamera dabei habe (war im Rucksack ganz hinten). Es war ein wirklich toller Rückflug!

    Nach der Ankunft beschlossen wir, trotz bereits teuerem gebuchtem Campingplatz, nicht mehr bis Homer zurückzufahren. Ich könnte wetten, hätte ich den Platz nicht gebucht, wäre die morgige Tour ab Homer gestartet und wir wären ohne Platz dagestanden. Wir fanden irgendwo bei Ninilchik einen Platz, wo unsere Kreditkarte akzeptiert wurde, um fürs Camping zu bezahlen. Leider war es draussen bitterkalt und wir blieben den ganzen Abend lang im Camper.
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