• Stairway to hell 🥵

    9. januar 2025, New Zealand ⋅ 🌙 9 °C

    Obwohl die Nacht schön ruhig war und der Wind nicht störte, konnte nicht lange schlafen, denn ich wollte am Morgen nochmals Ausschau nach den Delfinen halten.

    Ich zog mich an und packte alles zusammen und spazierte freudig zum Strand. Es war immer noch Ebbe und in der Ferne war lediglich ein Delfin zu erspähen. Nach einer Weile ging ich weiter, denn sein Verhalten deprimierte mich irgendwie.

    Ich zottelte den Campground entlang auf einen Hügel, wo man eine wunderbare Aussicht auf den weiten Ozean hatte. Der Wellengang war teilweise recht stark. Es war spektakulär mitanzusehen, wie das Wasser mit solch grossen Kräften an die Felsen krachte und bis in grosse Höhen gegen alle Himmelsrichtungen spritzte.

    Ich sass eine Weile da und schaute den Wellen und den Vögeln zu, gedanklich war ich irgendwo im Nirwana unterwegs..

    Irgendwann ging ich zurück zum Camper, da es bis zur Check Out-Zeit nicht mehr lange dauerte. Als ich ankam, war das Seniorenpaar bereits verschwunden. Keine Ahnung, wie sie es geschafft haben, sich durch die enge Lücke zu quetschen mit ihrem riesigen Gefährt.

    Simi war auch endlich wach und so kochte ich uns Spiegeleier und bestand darauf, diese, mit Blick auf das Meer, draussen zu verspeisen. Ich weiss nicht wieso, aber der Anblick und das Rauschen des Meeres haben etwas Beruhigendes auf mich.

    Gegen 10.00h verliessen wir den Campingplatz und machten uns auf die wiederum längere Reise gen Norden nach Mount Cook. Unterwegs hielten wir und holten uns bei einem Chinesen ein Mittagessen. Mister Wong kann sich in Sachen Portionengrösse noch eine Scheibe abschneiden. Für ca. CHF 15.00 haben wir zwei riesige Portionen in einem sehr hochwertigen Take Away-Plastikgeschirr erhalten. Geschmacklich war es ebenfalls nicht schlecht. Ich schaffte knapp die Hälfte der Portion.

    Wir kauften für den Abend noch rasch ein paar Kleinigkeiten ein und fuhren weiter, bis wir irgendwo «Coffee» angeschrieben sahen und einen Vollstop machten. Wie immer hatten die Nudeln zur Wirkung, dass wir müde wurden.

    Glücklicherweise wirkte der Kaffee zumindest bei mir gut und so fuhr ich ab irgendwo den restlichen Weg bis Mount Cook. Simi schlief, ich nutzte die Gelegenheit, um das Musikprogramm zu wechseln, damit ich etwas Sing-Spass auf der Fahrt haben konnte.

    Es war bereits früher Abend, als wir endlich mit fast leerem Tank ankamen. Jep, vor lauter «oh Gott, ich darf ja nicht zu fest links, aber auch nicht zu fest an der Mittellinie entlang fahren» hatte ich wohl einen Blick zu wenig auf die Tankanzeige gemacht. Hier hinten gibt es nun natürlich keine Tankstelle mehr. Sofern die restliche Reichweite von ca. 165km stimmt, sollte es dennoch reichen, um auf dem Rückweg in Twizel zu tanken. Erstaunlicherweise gab es noch jede Menge Platz, um zu campen.

    Wir hatten vor, vor dem Abendessen noch eine Wanderung zu machen, damit wir den Sonnenuntergang fotografieren können. Also liessen wir uns viel Zeit, bevor wir losgingen. Simi musste ohnehin noch den Pizzateig vorbereiten.

    Kurz nach 18.00h liefen wir schlussendlich los. Wir hatten grundsätzlich beide keine Lust auf die Wanderung. Ich wusste vom letzten Mal, dass es sehr abfällig und anstrengend werden würde. Simi hatte die rosa Brille auf, bis er irgendwann einen viel zu hohen Puls hatte und wir kurz rasten mussten.

    Die Wanderung geht 2'200 Treppenstufen steil nach oben. Teilweise wirklich fast senkrecht. Gleichzeitig geht es neben den Treppen ebenfalls steil nach unten und ein Fehltritt wäre fatal. Uns wurde alleine beim Gedanken, dass wir diesen Weg auch wieder runter müssen mulmig.

    Irgendwann waren wir einfach plötzlich oben. Gemäss unserer Uhr wären es noch weitere 100hm gewesen, aber da stand ganz klar «Sealy Tarns». Ich machte innerlich Freudensprünge.

    Die Aussicht von oben ist echt grandios. Man sieht Berge, einen Gletschersee und deren Fluss sowie eine Art Tal. Leider ist es eher was fürs Auge als für ein Foto, aber schön war es trotzdem.

    Die Keas waren um diese Uhrzeit schon in ihren Nestern zurück. Normalerweise hat es dort oben immer einige dieser frechen Papageien und man muss höllisch aufpassen, dass sie einem nicht den Rucksack plündern. Die Kerle wissen ganz genau, wie man einen Reissverschluss öffnet und dass man in einem Rucksack in der Regel was zu futtern findet. Das haben wir beim letzten Mal live gesehen.

    Irgendwann war Simi fertig mit fotografieren und wir machten uns auf den Rückweg. Es ging anfangs etwas langsam voran, da wir beide Angst hatten, demnächst in den sicheren Tod zu stürzen. Schlussendlich schafften wir die gesamte Wanderung in ca. 2.5h, was gar nicht mal so schlecht ist. Bestzeit ist 2h und wir haben in den 2.5h ein paar Fotostops gemacht, u.a. Als uns ein Opossum entgegenkam und wir nicht wussten, ob es freundlich ist oder uns anknabbern will. Es kam recht selbstbewusst und neugierig auf uns zu. Possums mögen hier eine Plage sein, aber die kleinen Dickerchen sind dennoch süss🥰

    Gegen 22.00h waren wir zurück beim Camper, wo ich umgehend unsere Pizzen vorbereitete und in den Ofen schub. Es dauerte zwar ewig, bis sie genussbereit waren, aber lecker waren sie definitiv. Wir schafften sogar, alles zu essen, obwohl es ziemlich viel war.

    Gegen 00.30h war endlich alles abgewaschen und wir gingen schlafen. Eigentlich war geplant, am kommenden Morgen den Sonnenaufgang zu fotografieren, aber da hätten wir uns etwas früher in die Federn legen müssen.

    Alles in allem hatten wir heute einen guten Tag, trotz der langen Fahrt.
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