• Das wohl süsseste Gezwitscher der Welt

    December 29, 2025 in New Zealand ⋅ ☁️ 14 °C

    Erneut war ich früh wach, aber es machte mir nichts aus. So hat man wenigstens was vom Tag. Für heute war strömender Regen vorausgesagt, als ich aufwachte, waren wir davon jedoch weit entfernt. Es gab einige schön gefärbte Wolken, gepaart mit blauem Himmel - nett!

    Ich nutzte die frühen Morgenstunden, um gemütlich einige Wege durch den Regenwald zu spazieren, solange Simi schlief. Es war wunderbar. Die Wälder strahlen eine solche Ruhe aus. Auch heute Vogelgezwitscher und ein plätscherndes, kleines Bächlein. Unbeschreibliche Düfte nach Erde, exotischen Blüten und Regenwald. Das Ganze hatte beinahe einen meditativen Charakter. Wäre ich ein Yoga-Shanti hätte ich die Gelegenheit genutzt und mich zu ein paar Übungen hinreissen lassen.

    Nach einer Weile entschied ich mich, dass es Zeit war, zurück zum Camper zu gehen, da ich keinerlei Empfang hatte und Simi nicht mitteilen konnte, dass ich irgendwo in den schönen Wäldern herumschlendere. Ich hätte noch viel Zeit da verbringen können.

    Inzwischen war Simi wach und so bereitete ich nochmals Crêpes und Kaffee zu, bevor wir aufbrachen in Richtung New Plymouth. Unser geliebtes Wacaco (Espresso-Macher für unterwegs) hatte heute nach etwa 10 Jahren Betrieb seinen Dienst verweigert und wir hofften, einen neuen Aufsatz zu finden.

    Da der Taranaki-Vulkan einen seiner seltenen „Heute-lass-ich-mich-mal-blicken-Momente* hatte, entschieden wir, doch nicht in die Stadt zu fahren, wodurch wir nun einen supergrossen Umweg machen mussten, um zu unserem geplanten Punkt zu kommen. Es schlug etwas auf die Laune, insbesondere, als wir irgendwo hinkamen, wo es offenbar doch keinen Weg gab.

    Wir wollten erst unser Vorhaben mit der Stadt nochmals in die Tat umsetzen, aber der Vulkan war immer noch zu sehen und so fuhren wir stattdessen zu den Dawson Falls. Der Parkplatz war supervoll, aber wir fanden irgendwann doch noch ein Plätzchen. Inzwischen war Regen aufgezogen und der Vulkan hüllte sich in seine übliche, dicke Wolkendecke.

    Da wir schon mal da waren, zogen wir unsere Regensachen an und machten eine kleine „Wanderung“ auf einem Weg durch den Regenwald, der zu einem Wasserfall führte. Wir schossen ein, zwei Fotos und wanderten dann auf einem anderen Weg zurück zum Camper, wo wir zur Unterstützung unserer weiteren Überlegungen zum Tagesablauf eine Portion China-Nudeln kochten.

    Das Wetter wurde immer schlechter bzw. vom Vulkan war wirklich gar nichts mehr zu sehen und so fuhren wir am Ende doch noch in die Stadt und klapperten alle Sport- und Outdoorläden ab. Im MacPac wurden wir fündig und sind nun stolze Besitzer eines neuen Wacacos,; einem Mikrofasertuch, damit wir morgens die Scheibe vorne freibekommen von Kondenswasser; einem neuen Pullöverchen für mich und sogar ein paar Goretex-Schuhe (HA - Regen du kannst mir nichts mehr anhaben!).

    Nach dem erfolgreichen Einkauf fuhren wir zu einem Platz, wo man campen darf und wo wir uns erhofften, zum Fluss mit Blick auf den Vulkan zu gelangen. Es war ein derart stürmischer Tag, dass der Wind selbst die wirklich unglaublich dicke Wolkenschicht, die sich über die Region gelegt hatte, wegfegen konnte. Man konnte den Vulkan zumindest erahnen und die kleinen Berge nebenan wurden ebenfalls sichtbar und erstrahlten dank örtlichem Regenfall in einem tollen Licht mit ganz vielen „Layers“.

    Als wir am Campingplatz ankamen, stellten wir fest, dass ein Weg nicht mehr vorhanden war, da ein Bauer alles für seine Kühe umzäunt hatte. Also machten wir uns auf den längeren Weg, wo man grundsätzlich ebenfalls zum Fluss gelangen sollte. Er führte uns wiederum durch einen sehr, sehr tollen Regenwald. Er war irgendwie etwas anders, als die bisherigen. Es gab viele Lianen, die alles umschlungen und einfach überall waren, das hatten wir bisher noch nicht gesehen. Unglücklicherweise waren wir etwas in Eile und konnten die Umgebung viel zu wenig geniessen. Man hörte wieder die lustigen Vogelgesänge und irgendwo hörte man plötzlich das lieblichste Gezwitscher, das ich je gehört hatte. Eine schier unaufhörliche Melodie. Genau als ich es zur Erinnerung aufnehmen wollte, hörte der Vogel jedoch auf. Echt schade, sowas habe ich mein ganzes Leben lang noch nicht gehört. Es gibt hier viele schöne Vogelgesänge, aber dieser war einzigartig!

    Irgendwann kam die Abzweigung zum Fluss, die wir auf der Karte gesehen hatten. Leider stand da ein grosses Schild, welches besagte, dass der Weg geschlossen sei. Wir ignorierten es zunächst, kehrten jedoch nach wenigen Metern freiwillig um. Es ging steil hinunter und wir wollten nichts riskieren. Im Weiteren stürmte es immer mehr. Auf dem Rückweg ächzten die Bäume im starken Wind, die Blätter rauschten nur so und es klang ziemlich bedrohlich. Kein Wunder passierten wir auf dem Weg dutzende, riesige alte Bäume, welche in der horizontalen Lagen..

    Wir marschierten zurück zum Camper, wo wir versuchten, einen Weg durch die Weide zu finden. Die Kühe konnten da gar nicht hingelangen. Es gab nämlich extra eine Hilfe, um über Zaun 1 zu kommen, was wir als „da darf man also immer noch durch“ werteten. Zaun 2 stand unter Strom und wir konnten keinen Ort finden, wo man diesen öffnen konnte. Dann passierte etwas Witziges. Eine Kuh im eingezäunten Bereich machte ein kurzes „Muh“, was definitiv als „Kommt alle her! Schaut euch das an!“ interpretiert werden muss.

    Vis à vis von unserem Camper befand sich eine weitere Kuhweide. Immer mehr Kühe standen direkt am Zaun und begutachteten uns. Hinter ihnen sah man immer mehr Kühe rennen, um sich noch einen guten Platz ganz vorne zu ergattern. Es sah wirklich, wirklich lustig aus. Am Ende standen wirklich alle Kühe da und glotzten uns fragend an.

    Wir machten nochmals einen Ausflug zu einer anderen Stelle, wo man zum Fluss gelangen konnte. Es gab gemäss Karte eine Strasse dorthin. Nach 10m kam eine Bachüberquerung, welche zwar wirklich nicht tief, aber so geschnitten war, dass wir es dem Camper nicht zutrauen konnten. Wir wollten nicht schon wieder unnötige Schäden zahlen müssen. Also stellten wir den Camper an den Strassenrand und liefen die 2.5km zu Fuss nach hinten. Ich war langsam hungrig und meinen Blick während der Wanderung, die natürlich erneut unter Zeitdruck zurückgelegt werden musste, kann man sich ja vorstellen.

    Irgendwann kamen wir endlich hinten an. Die Szenerie wäre ok gewesen, aber der Vulkan war, entgegen allen anderen Hügeln nach wie vor umhüllt von Wolken. Wir warteten eine Weile, aber es wurde nicht besser, sodass wir umdrehten.

    Ich war erleichtert, als wir endlich zurück waren. Mit der vorherigen Wanderung waren wir schliesslich vor dem Abendessen noch schnell, schnell 10km gewandert und dies mit schwerem Rucksack..

    Es gab ein sehr spätes Abendessen… Nach dem Essen, also gegen Mitternacht fiel ich umgehend in einen unruhigen Schlaf.
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