• Weg vom Regen

    January 10 in New Zealand ⋅ ☁️ 13 °C

    Heute Morgen wurden wir von den Geräuschen des strömenden Regens geweckt. Ausnahmsweise waren wir auf dem Campground nicht die letzten, die aus den Federn krochen.

    Ich machte gemütlich Kaffee und endlich mal wieder Crêpes, bevor es spassig wurde und ich im Starkregen nach draussen gehen und das Gas abdrehen musste. Ein kleiner Moment draussen, aber eine grosse Herausforderung für meine Regenjacke. Ich werde mir Imprägnierungsspray oder eine neue Jacke besorgen müssen, andernfalls werde ich wohl noch ein paar Mal klitschnass.

    Wenigstens hatten wir gute Voraussetzungen, nicht ganz so nass zu werden, wie unsere etwas merkwürdigen Campnachbarn. Sie hatten bei unserer Ankunft mindestens 45min damit verbracht, ihr Tipi mit einer Art Traumfänger-Kronleuchter aufzustellen, Matratzen, Kühlboxen, Boxen mit Deko, Tischen, und, und, und vom Auto zum ca. 50m entfernten Wäldchen und in ihr Zelt zu schleppen. Ich rate mal.. Instagrammers.. Viel Spass beim Zusammenräumen bei dem Regen..

    Die Wettervorhersage für die Westküste war weiterhin grauenvoll mit Ankündigung ca. 7x mehr Regen, als es aktuell der Fall war. Nein, danke. Wir entschieden, stattdessen in Richtung Mount Cook zu fahren, wo die Wettervorhersage wenigstens ein wenig rosiger aussah.

    In Wanaka kauften wir nochmals in unserem neuen New World des Vertrauens ein, anschliessend wollte Simi unbedingt eine Pizza essen. Also fuhren wir noch ins Städtchen und setzten uns ins erste Italienische Restaurant, welches Google Maps uns vorgeschlagen hatte.

    Simi gönnte sich eine fette Pizza Diavola, ich eine Vegi-Pizza, weil ich warme Salami einfach nicht mag und keine Lust auf Schinken oder Speck hatte. Es war lecker. Wer hätte gedacht, dass ich mir mal regelmässig Pizza mit Oliven und Artischocken bestellen würde? Ich werde wohl älter..

    Nach dem Essen genehmigten wir uns einen Espresso und fanden ihn echt gut. Ich sagte zu Simi „Wow, die haben ihre Kaffeemaschine perfekt eingestellt. Der Kaffee ist richtig schön dickflüssig und null bitter“. Einen Blick in Richtung Küche verriet uns: der Kaffee kam doch tatsächlich aus einer Nespresso-Kapsel-Maschine….

    Frisch gesättigt und nicht ganz so aufgeweckt, wie durch einen richtigen Kaffee, fuhren wir weiter. Die Fahrt führte uns über den Lindis Pass, vorbei an Omarama, wo die Icebreaker-Schafe wohnen und dann dem Lake Pukaki entlang nach Aoraki. Den letzten Teil übernahm ich, weil Simi Kopfschmerzen hatte. Was für ein Fehler! Ich hatte vergessen, dass die Strasse mühsame, enge Brücken beinhaltet. Zudem gab es auf der heutigen Fahrt echt sehr starke Böen, die unser 3m hohes Gefährt natürlich gefährlich hin und her schaukeln liess und verlangten, dass man das Steuer zu jeder Zeit fest im Griff hat, um nicht von der Strasse abzukommen, wenn die nächste Böe kommt.

    Wir fuhren zunächst zum Tasman Glacier Lake, wo wir die kurze „Wanderung“ zum See machten. Mir gefällt dieser Ort nicht wirklich, aus meiner Sicht ist es einfach ein grosser Tümpel, aber Simi wollte unbedingt den Mount Cook mit dem See und Fluss dort fotografieren (und er ängstigte sich vor den Hängebrücken beim anderen Parkplatz).

    Wir blieben nicht allzu lange, weil der superstarke Wind Regen in unsere Richtung brachte. Zuerst machten wir noch einen Abstecher zum Campingplatz, um die aktuelle Reservations-Situation dort abzuchecken. Welch eine Überraschung: Neu muss man bereits zum Parken bezahlen UND es dürfen wirklich ausschliesslich Personen dort campen, die eine Reservation haben, andernfalls wird man mit NZD 200 gebüsst. Ok, das ist neu..

    Wir fuhren zurück in Richtung Twizel, nur um in den Autospiegeln zu sehen, dass sich die dicke Wolkenschicht rund um den Mount Cook mehr oder weniger verzogen hatte und man tatsächlich etwas sah.

    Wir drehten nochmals um. Irgendwo parkten wir kurz, weil der Berg in dem Moment gut sichtbar aus den Wolken ragte. Simi stieg aus, ich wollte mitgehen, aber es windete in dem Moment so dermassen stark, dass ich mich nicht traute, die Autotüre aufzumachen. Ich hatte Angst, dass das Auto kippen würden. Es schaukelte echt bedrohlich stark, eine offene Autotüre hätte noch mehr Angriffsfläche geboten.

    Als Simi zurück ins Auto kam, fuhren wir nochmals bis ganz nach hinten zum Tümpel, weil wir für die andere Seite zu spät dran waren. Es hatte zwar einige echt tolle, vom stürmischen Wind geformte Wolken, aber ansonsten gab es aus meiner Sicht nicht viel zu fotografieren. Ich schaute stattdessen eine Weile einem Vogel zu und versuchte von diesem ein Foto zu schiessen. Der kleine, gelbe Kerl öffnete zum Pfeifen seinen Schnabel so weit es ging, plusterte sich auf und streckte sein gelbes Brüstchen raus. Es sah witzig aus.

    Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir schlussendlich zurück nach Twizel und parkten da, wo wir letztes Jahr vom Abschleppwagen hingebracht worden sind. Selbstverständlich kochten wir noch gemütlich ein Abendessen.
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