• Mera Peak, 6470 m - geschafft :-)

    April 1 in Nepal ⋅ ☁️ -8 °C

    Heute war es dann wirklich soweit - die Besteigung des Mera Peaks stand bevor.

    Nach einer eher durchwachsenen Nacht Im Gemeinschaftsraum im High Camp - Schlafenszeit ab 18.30 Uhr, Weckzeit gegen 23.30 Uhr, sollte es gegen 1 Uhr nachts losgehen.
    Durchwachsen weil - erst habe ich irgendwie gefroren, obwohl sich gefühlt alles war angefühlt hatte und dann bin ich immer wieder aufgewacht. Denke, dass mich schon auch einige Bedenken vor dem letzten Anstieg gequält haben - wie wird das Wetter final, schaffen wir das wirklich, ist es vielleicht nicht viel zu kalt,....

    Aber half ja nichts - um halb zwölf aufstehen, etwas Tee trinken, etwas Porridge essen (wobei sich bei mir eher die Appetitlosigkeit auf der Höhe bemerkbar macht) und dann die Vorbereitungen treffen.
    Doppelte Socken anziehen, mehrerer Schichten am Oberkörper anziehen, Klettergurt vorbereiten (nur als Sicherungsgerät), eingebunden werden, das wir als Seilschaft gehen bis hin zum Wasser einpacken - was sich aber schwierig erwiesen hat. Dazu nachher noch mehr.

    Wir haben beschlossen, in zwei Seilschaften zu gehen - Deepak mit seinem Austausch-Guide (da unser Hauptguide krank wurde und die Gipfeltour nicht mitgehen konnte) und Ash und ich mit unserem Assistant Guide Tanzi.
    Deepak und sein Guide sind so gegen 0.45 Uhr gestartet, wir dann gegen 1.00 Uhr nachts.

    Das Wetter hat komplett aufgeklart, um 1 Uhr keine Wolken mehr und auch kein Schneefall und auch nahezu kein Wind - also, es geht los.

    Es war natürlich stockdunkel und unsere Stirnlampen haben die Nacht erhellt.
    Vor uns hatten wir ca 670 Höhenmeter - und ca 6 Stunden Gehzeit.

    ...und wenn ich ehrlich bin, war das schon auch hart. Du gehst im Stockdunkeln den Berg hoch, die Steigung wird immer härter, es war a....kalt und ab ca. 6000 m - ab so gegen halb drei beginnt auch noch ein wirklich bescheidener Wind, der an Dir zerrt.
    Die Temperatur lag bei ca. -15 Grad, mit Windchill dann bei ca. -25 Grad. Nach und nach sind unsere Flaschen mit Wasser am Rucksack eingefroren.
    Ash hat immer mehr über seine eiskalten Hände geklagt - er hatte "nur" feste Fingerhandschuhe dabei und die waren im Vergleich zu meinen Daunen-Fäustlingen die wahrscheinlich deutlich schlechtere Wahl.
    Ich hatte wirklich Glück mit meiner Ausrüstung - wind- und wasserabweisende Skitourenhose inkl. einer Thermolaufhose darunter, mehrere Schichten am Oberkörper mit einer dicken Daunenjacke und natürlich die festen Handschuhe haben sich bewährt.
    Als Rückfall Option hätte ich noch eine windabweisende Hardshell für über die Daunenjacke dabei gehabt, die ich aber gar nicht gebraucht habe - ist schon interessant, man überlegt intensiv, ob man stehen bleibt, im Rucksack kramt, eine Jacke drüber zieht und damit währen der Zeit erst einmal auskühlt oder ob der Effekt größer ist :-)

    Wirklich schwierig - wohl auch für Ash als wir uns danach ausgetauscht haben - war die Zeit zwischen 6000 und 6300 m Höhe, also so zwischen halb drei und fünf.
    Es war kalt, man hat jedes kleine Zipperlein (kleines Unwohlsein im Magen, Anflug von Kopfschmerzen) irgendwie kritisch bewertet - sind das Anflüge der Höhenkrankheit, sollten wir abbrechen, macht das Sinn.
    Aber wir sind einfach mal stoisch weitergelaufen - vielleicht war auch die mangelnde Kommunikation in dieser Zeit bei dem Wind auch ganz hilfreich.

    Mir hat dann der Sonnenaufgang so gegen 5 Uhr morgens auf einer Höhe von ca 6300 m dann so richtig einen Push gegeben - es ging plötzlich alles viel besser.
    Und irgendwann sah man auch den finalen Anstieg von ca 6400 auf die finale Höhe von 6470 m - das war dann nochmals ein relativ steiler Anstieg.
    Ash war total durch und das hat ihn fast fertig gemacht - er meinte auch, dass er sich aus der Seilschaft ausbindet und wir einfach weitergehen können.
    Aber nichts da - "Come on Boys" - war unser Kampfruf und wir machen das gemeinsam. Habe ihn dann ein wenig hinter mir nach oben gezogen.
    Und er war Happy oben.

    Und ich gestehe auch, dass mich das emotional auch ziemlich erwischt hat, dass wir das jetzt plötzlich geschafft haben - hatte am letzten Anstieg wirklich auch kurz Tränen in den Augen.

    Also, hoch mit uns und die Aussicht genießen.
    Von da hat man tatsächlich ein wahnsinniges Panoramen mit fünf 8000er.
    Wir hatten auch wahnsinniges Glück, dass wir am Gipfel nahezu keinen Wind und nur Sonne hatten - da hat es der Mera Peak gut mit uns gemeint.
    Wir hatten den Summit gegen 6.40 Uhr geschafft und waren bis ca 7.00 Uhr oben.

    Und mir wäre fast noch ein Unglück passiert. Ich habe in den Bergen normalerweise mein Handy an meinem Rucksack über ein Reeloq System befestigt, das dafür sorgt, dass es nicht abstürzt. Dabei ist es in einer kleinen Tasche direkt am Träger verstaut. Aufgrund der erwarteten Temperaturen dachte ich aber, dass es eine gute Idee ist, es in der Innentasche meiner Daunenjacke aufzubewahren - und wie es passiert, mit meinen Handschuh ist es mir aus der Hand gefallen und dann langsam auf den Abhang zugerutscht. Glücklicherweise ist es irgendwo hängen geblieben und Tanzi hat es - abgesichert am Fixseil - wieder eingesammelt. Ein Glück...

    Nach jeder Menge Bilder habe ich auch meine Schneckenhäuser im Gedenken an Doris und Pschitt abgelegt und einen Stein, den ich am Anfang der Reise eingesammelt habe.
    War mir sehr wichtig das hinterlassen zu können.

    Gegen 7 Uhr ging es wieder runter Richtung High Camp - und das war schon auch eine Qual. Du bist natürlich durch, steigst ca. 2.5 - 3 h wieder ab und dann ja nochmals ca. 4 Stunden bis ins Tal.
    Aber glücklicherweise haben wir eine Pause am High Camp gemacht, habe mich in meinen Schlafsach eingemummelt und bin irgendwie komplett kollabiert - nennen wir es PowerNap.
    Gegen halb 12 ging es dann nochmals ca 900 m runter ins Tal nach Khare wo wir dann gegen 14.30 Uhr (glaube ich gerade) angekommen sind.

    Insgesamt waren wir damit ca. 11.45 Stunden am Laufen und sind stolz und Happy darüber, dass wir gesund und munter im Tal angekommen sind.

    Wirklich ein spannendes Erlebnis heute, das mich durchaus auch an meine Grenzen gebracht hat.
    ...und deshalb geht es früh ins Bett
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