• Nächtliche Überraschung

    September 3 in Canada ☁️ 7 °C

    Kurz nach Mitternacht erwache ich. Das passiert schon mal. In ungefähr 150 Metern Entfernung verlaufen zudem Bahngleise und nachts fahren hier Güterzüge, die ganz schön Krach machen. Letzte Nacht bin ich dadurch mehrfach erwacht. Doch Güterzüge höre ich keine.
    Was ich höre, ist irgendein Rascheln um den Camper herum. Mein erster Gedanke: da stapft bestimmt ein Bär um Horny herum. Ich schiebe das Fenster auf, um besser rauszusehen. Doch da ist nichts und niemand. Ich höre erneut das Rascheln und Schaben. Oder sind es Schritte? Habe ich den Camper abgeschlossen? Mir schiesst der Gedanke durch den Kopf, dass jemand die Tür öffnet und uns überfällt. Und ich im Halbschlaf. Was für ein dankbares Opfer ich abgeben würde. Aber eigentlich auch völliger Quatsch. Warum sollte hier in unserem internet-, strom-, und duschenfreien Tal jemand unschuldige Hornys überfallen?
    Das Rascheln und Schaben erklingt erneut. Es klingt näher, irgendwie sogar im Camper.
    Ich schiebe unseren Vorhang auf, der nachts die Wärme bei uns oben behält, und lausche in den Innenraum von Horny.
    Und tatsächlich, es kommt aus dem Innenraum und mir kommt eine Beobachtung vom Vortag in den Sinn: Unsere Tüte mit Nüssen hatte gestern ein Loch. Die Plastikverpackung war wie zerbröselt. Ich hatte mir gedacht, dass es vielleicht "aufgerieben wurde" beim Fahren. Doch jetzt wird mir klar, dass irgendwas in dieser Schublade herumwühlt und unsere Leckereien anknabbert.
    Ich schalte die Taschenlampe an, steige runter in den Innenraum von Horny und stürze mich auf die Schublade. Doch da ist natürlich keine Maus, kein Streifenhörnchen und auch kein Siebenschläfer (gibts die hier in Kanada überhaupt?) zu sehen. Aber haufenweise angeknabberte Packungen, angeknabberte Schokolade, angeknabberte Haribos. Dieses doofe Vieh! Ich leere die Schublade und ziehe von dahinter zwei alte Einkaufstaschen hervor. Ich sehe, dass dort noch mehr Kram von anderen Reisenden dahintergefallen ist, aber das muss warten bis morgen.
    Am Morgen schmeisse ich alles Angeknabberte weg und versuche nach den Dingen zu greifen, die hinter diese Schublade gefallen sind. Ich erwische ein Schneidbrett. Und eine Packung getrockneter Mangos (nicht angeknabbert, denn ist ja gesund). Zudem entdecke ich noch weitere Einkaufstaschen, die ich jedoch nicht zu greifen kriege. Es steht definitiv 1:0 für das Knabbervieh. Ob es wirklich in unserem Camper lebt, oder einfach diese und letzte Nacht irgendwie reingekrochen ist, werden wir wohl kommende Nacht erfahren. Alles Essbare habe ich jedoch in unzugängliche Stauräume verlegt. /T
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