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  • Day30

    Stone Town - Ein Hauch von 1001 Nacht

    October 11, 2018 in Tanzania ⋅ ⛅ 28 °C

    Immer dann, wenn man eigentlich denkt: Jetzt passt wirklich keiner mehr rein, hält das Daladala (dieses mal ein Pickup mit Sitzbänken hinten auf der offenen Ladefläche) an und es steigen weitere Menschen zu, die es faszinierenderweise schaffen, sich zwischen die eh schon eng aufeinanderklebenden Mitfahrer zu quetschen.
    Die Mittagssonne knallt vom wolkenlosen Himmel. Wir halten uns die Tshirts vors Gesicht, um nicht allzu viel von der aufgewirbelte Erde einzuatmen. Die Bank ist so schmal, dass man sich am Seitengestänge festklammern muss, um bei der holprigen Fahrt nicht herunter katapultiert zu werden. Da schätzt
    man doch direkt wieder, wenn sich beim nächsten Stopp eine Mama in den (unfassbar winzigen) Spalt neben einen quetscht und man schöööön von ihr am Platz „fixiert“ wird.

    Wir fühlen uns wie panierte (Massenhaltungs-)Ölsardinen, als wir in Stone Town ankommen.

    In den engen Gassen von Sansibars Hauptstadt tobt das pralle Leben. Emsige Betriebsamkeit bestimmt hier die Atmosphäre.
    Es hupt und quietscht. Menschen schreien und lachen. Gesänge der Muezzin scheppern aus den Lautsprechern. Hunde bellen. Roller schnattern und hupen. Kinder rennen. Katzen streifen einem um die Beine. Es riecht abwechselnd nach Fisch, Urin, Nelken, Zimt, Abgasen, Kaffee, frittiertem Fleisch, Frangipani und verbranntem Müll. Und es wimmelt vor fliegenden Händlern, die einem vehement etwas andrehen wollen.

    Ihre zum Teil starke Aufdringlichkeit ist ihnen nicht zu verübeln, wenn man bedenkt, wie extrem arm viele von ihnen sind. Tansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei ca. 500€.
    Gerade in Ballungszentren wie Stone Town (oder auch Dar es salaam) trifft man an vielen Ecken auf diese Armut. Mir wird schwer ums Herz, als ich einen alten Mann mit stockdünnen Beinchen und Ärmchen in zerrupften Klamotten am Boden sitzen sehe. Ich gehe hin und schenke ihm unsere Bananen. Er schaut hoch, bedankt sich mit einem zahnlosen Lächeln und hat einen stolzen Ausdruck in seinen Augen, der mich zutiefst berührt.

    Da fällt mir auf, dass es genau das ist, was mich die letzten Wochen in Tansania so beeindruckt hat.
    So arm die Menschen hier sein mögen, so zerfetzt ihre Klamotten sind und so spärlich sie hausen - Ihren stolzen Blick, den würdevollen aufrechten Gang und ihr wunderschönes ehrliches Lächeln lassen sie sich nicht nehmen.
    Eine Lebenshaltung, die mich fasziniert und vor der ich größten Respekt habe.

    Die Altstadt Stone Towns besteht aus scheinbar wild aneinander gereihten Häusern aus Korallenstein, durch die unzählige kleine Gassen verlaufen.
    Besonders begeistern uns die filigranen Holzverzierungen an den für Stone Town so typischen Swahili-Türen.
    Wir lassen uns so richtig von dem quirligen Chaos aufsaugen, irren ziellos durch die Gassen und Felix fotografiert ungefähr alle Türen dieser Stadt.
    Aus den Häusern dringt arabische Taraab-Musik, überall kann man exotische Gewürze und orientalische Stoffe kaufen. Wir laufen an prachtvollen Sultanspalästen mit gewaltigen weißen Säulen vorbei und spüren tatsächlich den Hauch von 1001 Nacht. Fehlt nur noch, dass Aladin auf seinem Teppich vorbeifliegt.

    Sobald sich die Sonne dem Ozean entgegen neigt, sieht man die ersten eifrigen Sansibaris beim Kartoffel schälen in ihren Garküchen und in den überdimensionalen Woks beginnt das Fett zu brutzeln. Der Anblick der exotischen Leckerbissen lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen.
    Samosa, chapati (Fladenbrot), chipsi mayai (Pommesomelette), pilau (Gewürzreis), mishkaki (Fleischspieß), frisch gepresster Zuckerrohrsaft, gegrillter Tintenfisch, Sansibar-Pizza, Gewürztee und vieles mehr bekommt man auf den „Food-Markets“ für wenig Geld.
    Inklusive Lebensmittelvergiftung. Glücklicherweise knockt sie uns nur für einen Tag aus.
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