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  • Day38

    Die Tazara-Line

    October 19, 2018 in Tanzania ⋅ ⛅ 31 °C

    „Ich kann’s kaum erwarten, wieder einen Bericht von dir zu lesen!“
    „Aber Felix, du warst doch überall dabei. Du hast es selber miterlebt.“
    „Achso stimmt. Aber...ähhh...ich vergess halt immer so schnell wie’s war.“

    Es ist einfach lustig, einen Felix an seiner Seite zu haben. Ausserdem ist sein unerschütterlicher Optimismus Gold wert, als wir uns zum Beispiel das völlig abgeranzte Zimmer mit einer Million Moskitos teilen, der Besitzer mit einer XXL-Gift-Spraydose anläuft, bei der nicht sicher ist, ob er die Moskitos oder uns umbringen will und aus dem Wasserhahn bernsteinfarbene, faulig riechende Flüssigkeit rauskommt. Felix sieht meinen Blick und meint „Ok, ich zähl dir jetzt mal alle Vorteile dieser Unterkunft auf!“

    Mittlerweile sind wir voll im Reisemodus. Neben all den wundervollen Seiten des Reisens haben wir nun schon auch einige der eher weniger Angenehmen durchlebt. Von einer kleinen Lebensmittelvergiftung über massive Moskitoattacken und Duschwasser, bei dem fraglich war, ob man davon wirklich sauberer wird, bis hin zu hohem Fieber mit Schüttelfrost und geschwollenen Mandeln war alles dabei. Bei letzterem war ich kurz davor, mein Blut an einer Malaria-Teststation prüfen zu lassen. Als jedoch jemand meinte, dass ich das wirklich nur machen soll, wenn ich total verzweifelt bin, weil ich eventuell mit mehr Krankheiten zurückkomme als ich hin bin, ließ ich es bleiben.

    Da Malawi unser nächstes Ziel ist, nehmen wir heute die Tazara-Line (TAnzaniaZAmbiaRAilway), die von Dar es salaam bis nach Sambia fährt. Dieses Mal ergattern wir uns First-Class-Tickets und schlafen zwar immer noch geschlechtergetrennt, aber immerhin nur zu viert in der Kabine.
    Die Frauen in meinem Abteil sind in so viele wunderschöne farbenfrohe Tücher (Kitenge) eingewickelt (die ihnen gleichzeitig als Bekleidung, Kopftuch, Babytrage, Decke und Kopfkissen dienen), dass ich zweimal hinschauen muss, ob sie in ihren Betten liegen oder ob es nur ein bunter Tücherberg ist.

    Dieser Zug ist insgesamt um einiges luxuriöser als die Central Line, fährt zügiger und ist sogar recht pünktlich!

    Wie schon bei der letzten Zugfahrt genieße ich am offenen Fenster die verschiedenen Landschaften, die wir auf unserem Weg durchkreuzen und winke den winkenden Kindern zurück, bis mir der Arm fast abfällt.
    Aber ich kann einfach nicht damit aufhören, weil es so schön ist zu sehen, wie sie Luftsprünge machen, wenn sie entdecken, dass ihr Winken erwidert wird. Mit wie wenig Aufwand man doch gegenseitig Freude verbreiten kann.

    Auf dieser Zugfahrt quer durch den Süden zeigen sich die unterschiedlichen Gesichter des Landes in komprimierter Form. Von der recht modernen, trubeligen Großstadt über knochentrockene Savanne und Geröllwüsten, in denen abgeschieden einzelne Lehmhütten stehen, bis hin zu feuchtgrünem, hügeligem Dschungel und schließlich imposanten Bergketten rund um Mbeya.
    Als wir die Eisenbahn dort nach 26 Stunden verlassen, sind wir fast ein bisschen traurig, dass wir nicht bis zur Endstation mitfahren, so viel Freude bereitet uns das Zugfahren.
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