Pitsusjärvi -> Reisadalen
22 сентября 2024 г., Норвегия ⋅ ☁️ 4 °C
Der Wind legt sich über Nacht und als ich morgens aus der Hütte schaue zeigt sich ein Anblick, welcher einen traumhaften Tag verspricht! Blauer Himmel, endlos weiter Blick. Allerdings weiterhin eiskalt! Es fühlt sich gerade so an als liefert sich der kommende Winter einen erbarmungslosen Kampf mit dem noch nicht gehen wollenden Herbst. Die Schneegrenze liegt nur minimal über der Höhe der Hütte und da ich heute über einen Pass gehen muss, welcher auf ca. 900m Höhe liegt, ist klar, dass mich wieder der Schnee begleiten wird. Ich hoffe nur drauf, dass dieser noch nicht so hoch liegt, das er mir zum Problem wird!
Lange dauert es auch tatsächlich nicht und mein Weg führt mich wieder durch Neuschneefelder, welche das größtenteils steinige Fjell bedecken und der eisige Überzug auf den Steinen macht es teils wirklich rutschig. Der Ausblick ist jedoch sagenhaft! Ein eisiger Wintermorgen, so wie ich diese auch zuhause liebe (wenn es denn überhaupt noch Winter wird zuhause 😅). Nun hab ich auch endlich mal die Chance mich mit allen Lagen an Klamotten auszurüsten die ich habe denn trotz stetigem Wandern wird es mir nur warm wenn ich mich wie ne super Zwiebel anziehe und das bedeutet mindestens 3 wenn nicht sogar 4 Lagen inkl. Handschuhe… zum ersten Mal auf der ganzen Reise! Pausen kann ich nur kurze halten, da ich schnell auskühle und ein Kaltstart dann besonders schwer fällt. Also spurte ich dementsprechend durch die Ebenen und Pässe und komme nach einiger Zeit auch wieder in niedere Gefilde, in welche sich der Neuschnee noch nicht traut. Welch eine neue Facette dieses Abenteuers! Norwegen hört nie damit auf mich zu überraschen 🥰
Der Plan für heute sieht Spannung vor! Der ausgeschriebene Weg würde mich nach der Grenze zu Norwegen über einen ziemlich langen Bogen hinab ins Reisadal führen… da muss es doch eine bessere Lösung geben (á la „der kürzeste Weg ist die Gerade“). Und den gibt es! Diesmal sogar einen der Sinn machen soll und mir nicht die ganze Kraft raubt, wie mein letztes Freifjellabenteuer nach Riksgränsen. Danke an Martin für die Erwähnung der Abkürzung zur Nedrefosshytta, denn den Weg werde ich gehen und damit spare ich mir mindestens 30km Wegstrecke!
Also geht es ein allerletztes Mal über eine Grenze zurück nach Norwegen 🇳🇴 Auf Wiedersehen Finnland 🇫🇮 , es war schön mit dir und danke für die Vorstellung des Winters! Ich habe schon 15km auf dem Tacho als ich an der ersten Hütte in Norwegen ankomme, der Somashytta und mir ist klar, dass selbst die Abkürzung eine ordentliche Strecke ist, allerdings nicht genau in km zur fassen, da Freifjell… Weitergehen und bis zur Nedrefosshytta durchziehen? An der Somashytta bleiben und morgen weiter? Schwierige Entscheidung! Bauchentscheidung! Es geht weiter! Während einer kurzen Rast an der Somas setze ich mir wie immer immer meine paar Checkpoints auf der Karte und dann geht es entlang einer ATV Strecke über den nahen Fluss und direkt hinein ins freie Fjell, immer Richtung Osten, mitten hinein ins Herz des Reisadal Nationalparks.
Es läuft sich zu Beginn gut im Fjell und die immer mal wieder einsetzenden Schneeschauer sind kein Problem (sehr viel weniger schlimm als Regenschauer, da der trockene Schnee an den Klamotten abprallt und mich kein bisschen nass macht). Aber irgendetwas stimmt gerade nicht…
Seit heute Morgen habe ich Probleme mit meiner linken Wade. Was zu Beginn nur ein Ziehen war, welchem ich nicht weiter große Beachtung geschenkt habe (es tut immer mal was weh) entwickelt sich seit Beginn des freien Fjells zu etwas, dass ich nicht mehr ignorieren kann 😕 Es fühlt sich an wie ein Fremdkörper, ein Kloß in der Wade, welcher bei jedem Schritt einen immer mehr werdenden Schmerz loslässt… Ich brauche mehrere Pausen, in welchen ich versuche den Schmerz hinauszudehnen, allerdings verschafft mir das immer nur kurze Linderung. Was zur Hölle hab ich mir da jetzt, so kurz vorm Finale eingefangen?! Mein Kopf spinnt sich Möglichkeiten zusammen: Zerrung?! Entzündung?! Muskelfaserriss?! Alles nicht schön aber ich hoffe auf eine einfache Zerrung…
15km durchs freie Fjell sind geschafft, aber der Schmerz wird immer größer… und dann ein Moment der nicht hätte sein dürfen.
Mein Fuß verhakt sich in einer Wurzel und ich falle vorneüber und liege mit meinem Rucksack am Boden wie ne umgedrehte Schildkröte. Mir ist nix passiert, aber in dem Moment treibts mir die Tränen in die Augen und die lautstarken Flüche in den Mund… wie kann es nur sein, dass jetzt noch was so schief geht! So eine verdammte Sch****!
Nachdem ich mich wieder aufgerafft habe, zwinge ich mich zu einem klaren Kopf und treffe eine Entscheidung. Es sind noch mindestens 10 weitere km bis zur Nedrefosshytta und der Abstieg ins Reisatal wird herausfordernd… das schaff ich heute nicht… der Tag neigt sich dem Ende zu, meine Wade schreit stopp!! und meine Konzentration ist kurz vor dem Ende. Also… warum schleppt man ein Zelt mit, wenn man es nicht nutzt? Es wird ne eisige Nacht mit durchgehenden Minusgraden, aber ohne Wind, zumindest wenn ich nicht gerade auf nem Gipfel zelte.
Mit wenigen Kraftreserven erreiche ich das kleine Tal in welchem ich mein Zelt aufbaue und mir eine Taktik gegen die Schmerzen in der Wade ausdenke. Was hilft jetzt? Wärme oder Kälte? Nach kurzer Pause fühle ich, ob sich eine Schwellung oder merkliche Hitze in der Wade entwickelt hat, dem ist aber nicht so, es fühlt sich eher (zu) kalt an. Also improvisiere ich mit Hilfe des Gaskochers und der leeren Colaflasche eine „Wärmflasche“ und hoffe, das die Vermutung „Zerrung wegen Kälte“ richtig ist. Ob sie das ist, wird sich erst morgen so richtig zeigen. Zur Sicherheit schmiere ich die Wade noch mit Ibuprofensalbe ein, mache mir mein Abendessen und lege mich mit mulmigem Gefühl schlafen…
Es ist nie vorbei bevor du nicht im Ziel stehst!Читать далее










ПутешественникDrück dir die Daumen, dass es nicht wirklich schlimm ist.😘
ПутешественникNucki!!!♥️🥹 Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende! 😇