Colombo
Dec 8–11, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☀️ 30 °C
Angekommen. Mit dem Sonnenaufgang. Aus dem Flugzeug gestiegen. Erste Hitzewelle. Einfach nur müde. Zum Hotel gefahren. Zimmer nicht fertig. Wie auch. Ist erst kurz nach 9. Ich warte in der Lobby. Schafe immer wieder kurz ein. Frage nochmal. Nein, dauert, wissen nicht wie lang. Gehe nach draußen. Laut. Hitze, Feucht. Müde. Doof. Wieder zurück. Café Warten. Endlich, 13:40 h das Zimmer ist fertig. Genieße kurz die Aussicht und falle aufˋs Bett. Und. Und kann nicht schlafen!
Eine Stunde späte. Das Zimmer-Telefon klingelt. Bin sowieso wach. Man fragt, ob es korrekt sei, dass eine Miss Winter mit auf mein Zimmer möchte. Ich stammle irgendwas, da soviel heißen soll, ja natürlich. Und Miss Winter is comming.
Bin so happy, das sie da ist und wir den Trip gemeinsam starten. Ich kenne sie aus Nepal, als wir zusammen in einer Reisegruppe die Berge bestiegen. Sie ist aus Wales. Wir haben uns mehr als ein Jahr nicht gesehen, was aber dem Wiedersehen keinen Abbruch tut. Und auf das Mädel ist Verlass. Sie hat im DutyFree eine Flasche Champagner gekauft, um auf alles ordnungsgemäß anzustoßen. So sitzen wir abends auf dem Balkon, weit unter uns der Ozean und der Lärm der Straße und der Züge, die morgens die Pendler in die City bringen und abends wieder zurück.
Gewisse Dinge scheinen in allen Großstädten dieser Welt ähnlich zu sein. Die Pendellei habe ich in London erlitten, in Paris mitgemacht und nun hier beobachtet. Schwarz-weiß gekleidete Menschen quellen rein und raus. Völlig verrückt, wenn man genauer darüber nachdenkt. Insbesondere in London fand ich das schon nach kurzer Zeit so anstrengend, dass ich zweifelte, ob ich das haben wollen würde auf unbegrenzte Zeit. Will das überhaupt jemand? Hat man die Wahl? Wenn ja, übt man sie aus? Ich konnte immerhin wählen, denn ich tauchte ein und wieder raus. Und damit war wieder die Liebe zum kleinen Düsseldorf erneuert.
Was allerdings Colombo von den anderen genannten Grostädten (unter anderem) unterscheidet ist die Ästhetik. Die Stadt ist einfach nicht schön. Aber bevor das abwertend stehen bleibt, frage ich mich, warum ist das so? Es ist alles da…ein lange Küstenlinie zum Ozan, ein See mitten in der Stadt, warmes Klima, coole Menschen… Aber was möglicherweise fehlt ist Zeit und Geld. Da, wo ich eine lange Fußgängerpromenade bauen würde, schlängelt sich die Bahn entlang in die Vororte. Das führt zwar zu dem Bahnhof mit dem wohl schönsten Ausblick der Welt, aber eben auch zu einer vierspurigen Straße, zwei Gleisen und Wellenbrechern aus Beton mitten vor dem Hotel. Kostet Schönheit Geld und bringt erstmal zu wenig ein und ist damit Luxus? In Düsseldorf war die Röhrenfabrik und die Verladung direkt in der City und am Rhein. Es ist noch nicht so lange her, dass die Stadt Geld in die Hand nahm, den Hafen verlegte und die Bundesstraße unter die Erde verbannte. Geboren war die Rheinuferprommenade und viel Lebensgefühl für eine Stadt. Aber das muss man sich wohl auch leisten können. Und Colombo muss zuallererst Leistung erbringen als Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes.
Natürlich gibt es in Colombo auch schöne Seiten und einiges zu sehen und zu machen. So tingelten wir mit dem Tuk Tuk von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, genossen ein Essen im ältesten Hotel der Stadt, dem Galle Face (super Hotel, aber lieber nur auf ein paar Drinks genießen).
Leider bekam ich eine Erkältung, ob nur auf Grund des Klimas und Kombi mit Klimaanlagen oder einem Immunsystem, dass nun auch mal Urlaub machen wollte. Wer weiß es schon. Zum Glück nicht so schlimm, als das ich nicht den Pool auf der 27. Etage nutzen konnte, wäre doch zu schade.
Dort lernten wir ein Paar, Anfang dreißig kennen. Ich weiß nicht, woher sie eigentlich mal ursprünglich kamen, jetzt lebten beide bei London, sie Ärztin, er IT Berater. Wahrscheinlich beide in dem beschriebenen Pendlerstrom von London eingeschlossen. Interessant war, dass ihre Familie so über die Welt verstreut lebt, dass Sri Lanka für die meisten irgendwie die Mitte darstellt, so sie hier für eine dreitägige Hochzeit zusammenkamen. Irgendwann erzählte ich auch von meinem aktuellen Sabbaticalplan, da meinte Rita, „Oh, sehr interessant!“ Darauf ihr Freund Raj „Rita findet das interessant, ich bin neidisch“. Dann kamen wir auf Haustiere und ihren kleinen Pudelmischling und, natürlich, auf Bruno zu sprechen. Fotos wurden gegenseitig gezeigt. Raj daraufhin …“Ok, jetzt will ich mein Leben mit deinem tauschen!“ Meine erste innere Reaktion war, zu fragen, „Warum zur Hölle sollte er sein interessantes Leben gegen meins tauschen wollen?“ Später ging ich das in Gedanken noch mal durch und dachte, wie so oft, ist das eine Frage des Standpunktes, von dem aus etwas betrachtet wird. Ist das Leben der anderen nicht oft irgendwie interessanter? Ist es das? Wer hat schon das ganze Bild? Was weiß… von meinen Ängsten, dem Streß, um genau das hier zu tun? Was weiß er von dem Weg, den es nehmen musste, damit Bruno mit wedelnder Rute in mein Leben gelangen konnte. Aber das muss er auch nicht. Die eigentlich Frage ist, was oder wer hindert mich, das zu tun, was ich will? Zu allererst wohl die ehrliche Beantwortung der Frage „Was will ich denn wirklich?“ Davon abgesehen ist möglicherweise, nein offensichtlich, meine eigene Wirkung auf andere doch oft anders als ich sie vermute, immer noch. Das verwirrt mich. Im Job deutlich seltener. Privat stehe ich immer noch vor dem Spiegel und denke, was sehen die anderen, was sehe ich nicht?
Wieder so viele Fragen. Der Driver kommt. Wir starten nach Dumballa. Landesinnere. Keine konkrete Ahnung was kommt. Flutschäden? Weiterer Regen? Wir sind neugierig. Sollten wir überhaupt dorthin? Schauen wir!Read more

























