• Nuwara Eliya

    Dec 16–19, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 19 °C

    Der Weg von Kandy nach Nuwara Eliya dauerte mehr als doppelt so lang wie üblich, da die Straße nur langsam und auf Grund der Erdrutsche nur einseitig befahrbar ist. Es grenzt an ein Wunder, dass diese Straße überhaupt noch da ist und vor 5 Tagen bereits wieder frei gegeben wurde. Es gab so viele Erdrutsche, dass man sie nicht zählen kann, aber die Straße blieb weitestgehend unbeschädigt. Man meint, dies sei deshalb, weil man das lokale Material, Granit, genutzt habe. Da die Erde hier sehr eisenhaltig ist, hat sie eine Farbe von leicht rot bis bordeauxrot. In dem sonst dichten Grün der Berghänge sieht es aus, als hätte ein wütendes Tier Wunden hineingeschlagen von leicht bis tief in das Fleisch hinein. Das Wetter ist gut und so sind wir hin und hergerissen zwischen dem Staunen über die Landschaft und den Auswirkungen der Naturkatastrophe.

    Unterwegs machen wir halt an einer der ältesten Teefabriken der Insel, von denen es auf Sri Lanka mehr als 800 gibt. Die GuideIn ist ganz stolz auf die mehr als 100 Jahre alten und noch funktionierenden Maschinen aus England. Wir lernen viel über Teeproduktion und die Qualitäten von Tee.

    Am nächsten Tag hat sich das Wetter entschieden regnerisch zu werden, was unseren Plänen, Wanderungen zu unternehmen, ein wenig entgegenläuft. Meine Laune ist nicht besonders, und ich grummel vor mich hin. Der Hotelmanager informiert uns, dass wir das Zimmer wechseln müssen, da in unserem Bad irgendwas repariert werden soll. Wie doof, hatte ich mich für drei Tage gerade schön ausgebreitet. Das Frühstück fordert mich auch heraus, eine wilde Mischung aus weichgekochtem Reis savory im Geschmack und süßen Kokosnussraspeln darüber. Als ich mich entschließe, das ganze noch mehr zu verschlimmern, indem ich über alles großzügig Zucker streue, fragt mich Deb, welcher Tag heute ist. Ohne aufzublicken murmel ich „Mittwoch“. Sie stellt die Frage tapfer nochmal, „Welcher Tag ist heute?“ Wirklich Deb, echt jetzt…ich sehe auf und in ihr strahlendes Gesicht. Oh, holy shit – Debˋs Geburtstag! Schon vor der Reise und jeden Tag habe ich daran gedacht und überlegt, was man zu ihrem 60. Schönes machen könnte. Und nun hatte ich ihn völlig vergessen. Ich entschuldige mich tausendmal und wir umarmen uns.

    Sie darf entscheiden, was wir machen. Und sie möchte die vorgesehene Wanderung auf dem Pekoe Trail durch die Teeplantagen und Hügel machen. Also setzten wir uns in ein TukTuk und lassen uns, natürlich erst nachdem der Fahrer kurz zwischendurch hielt, um zu beten, zu unserem Ausgangspunkt fahren. Es ist total neblig und die Tropfen fallen bald von selbst aus der Luft. Aber diese Szenerie hat etwas gespenstisches und ist irgendwie schön. Nach einer Stunde beginnt es tatsächlich zu regnen. Wir laufen weiter, immer den Pfeilen des Wanderweges folgend. Wir reden über die Beziehung von Deb zu ihrer Mutter und den Schwierigkeiten, die das so mit sich bringt. Plötzlich unterbricht sie und meint, dass ihr die Gebäude hier bekannt vorkommen. Ich heben meinen Kopf und versuche durch die vielen Tropen auf meiner Brille etwas zu erkennen. Mist, sie hat recht, wir waren schon hier. Nach einigem hin und her beschließen wir, weiterzugehen. Irgendwo müssen wir vor lauter Quatschen den Pfeil verpasst haben. Wir finden die Stelle. Bevor wir weitergehen stelle ich in Frage, ob das Weitergehen so sinnvoll ist. Es ist alles andere als ein Spaß, trotz Regenjacke bin ich bis auf die Unterhose naß. Wir beschließen, nicht weiterzulaufen, sondern die Runde ein zweites Mal zu beenden und zum Ausgangspunkt zurück zu kehren. Ich rufe den TukTuk Fahrer an, damit er uns dort abholt. Er fragt dreimal nach, ob wir uns wirklich am Ausgangspunkt treffen wollen. Ja, wollen wir. Auf der Rückfahrt sind die Straßenkonditionen ein wenig schlechter geworden - links ein tiefer Abgrund und die Straße voll mit einer Schicht von den Hängen gespültem lehmigen roten Bodens. Es könnte quasi auch eine Eisfläche sein. Ich hoffe, dass von dem Gebet des Drivers noch ein wenig übrig ist für jetzt.

    Im Hotel angekommen erweist sich das neue Zimmer als schöner als das andere. Eine heiße Dusche hilft sehr und das Feuer im Ofen wird auch angemacht. Draußen regnet es weiter vor sich hin, aber das macht nichts mehr. Was gibt es besseres als das Prasseln des Feuers, eine Tasse guten Tee und nette Begleitung? Ein Geburtstagskuchen, Luftballons und ein Ständchen vom Hotelpersonal. Ich hatte mit dem Manager gesprochen, und er hat es geschafft, auf Debˋs Gesicht ein Lächeln zu zaubern. Zum Abendessen finde ich ein Restaurant um die Ecke, welches sich als Glücksgriff erweist – coole Typen im Service, leckere Drinks und noch besseres Essen. Deb in ihrer unnachahmlichen Art verkündet ihren Geburtstag, tanzt sofort mit anderen Girls zu lauten lateinamerikanischen Klängen, es gibt Eis aufˋs Haus. Der Abend schreitet flott voran. Am Ende haben wir alle einen im Tee und T-Shirts vom Haus. Im Hotel beginnt die wilde Telefonsession. Ich werde all ihren Freundinnen vorgestellt und bin nun wohl offiziell Teil eines weltweiten Netzwerkes mehr oder weniger verrückter Frauen von Wales über Griechenland, Südafrika und New York. Symphytische Bande. Deb ist glücklich. Wir schlafen ein.

     

    Da der nächste Tag auch in den Dauerregen dahingeht, laufen wir einmal um den Lake Gagory und eröffnen im Hotel einen Spa Bereich mit unseren mitgebrachten Cremes, Gesichts- und Fußmasken.
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