Deb
December 23, 2025 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 29 °C
Weg ist sie. Zumindest vorerst. Deborah ist abgereist nach Colombo, um den Flug nach London zu bekommen, sie muss am ersten Weihnachtstag arbeiten. Einige von euch haben zu recht gefragt, wer ist eigentlich diese Deb, woher kennt ihr euch? Ich habe es nachträglich eingefügt in den ersten Text, aber es ist eine kleinen eigenen Abschnitt wert, denke ich.
Vor gut drei Jahren beschlossen Thomas und ich, dass es eine gute Idee wäre, im Himalaya herum zu kraxeln und ein unschlagbares Sonderangebot für eine Gruppenreise so kurz nach Corona anzunehmen. Billig ist halt manchmal teuer gekauft. Der Touranbieter war eine Katastrophe und der Trip selbst wurde nicht zu einer solchen auf Grund von Glück und einer tollen Truppe, die sich zu helfen wusste. Teil unseres Teams war Deb, die wir quasi am Fuß des Mount Everest kennenlernen durften. Und wenn Dinge deutlich herausfordernd verlaufen, dann lernt man sich auch noch mal auf eine ganz andere Weise kennen.
Deb ist aus Wales und eine wahre Globetrotterin. Sie hat gefühlt, womöglich auch tatsächlich, auf jedem Kontinent schon gelebt und etliche Tiefen, aber noch viel mehr Höhen erlebt. Seit gut 18 Jahren ist sehr sesshaft in ihrer Heimat, Fahrerin bei einem staatlichen Krankenhausverbund und auch dem sehr treu, nachdem sie als Ingenieur bei der Airforce bis hin zur Reinigungskraft in Frankreich so ziemlich alles gemacht hat.
Was Deb auszeichnet ist, neben ihrer hohen Anpassungsfähigkeit, ein sehr gutes Gespür für Menschen. Getreu dem Motto „Freundlichkeit kostet erst mal nichts.“ geht sie auf jeden offen und interessiert zu. Es ist beeindrucken, wie schnell sie mit anderen Menschen in Kontakt kommt und Dinge erreicht, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Getreu nach einem weiteren Motto „Nur fragenden Menschen kann auch geholfen werden“. Selbst wenn sie sich eigentlich beschwert, gewinnt man den Eindruck, sie unterbreite eher einen guten Vorschlag, damit es ein anderes Mal besser laufen kann, was aber meist dazu führt, dass es bereits sofort noch viel besser läuft. Dabei kann sie auch gut entscheiden, wann es sich überhaupt lohnt etwas zu sagen. Diesen Instinkt oder diese Erfahrung hat sie auch bei Menschen – wem geht sie lieber aus dem Weg, oder ist die Person für sie interessant und freundlich genug, dass sie sie ihn in ihrer Nähe haben will.
Mit diesen Erfahrungen und Eigenschaften ausgestattet, ist es ein Vergnügen, mit ihr zu reisen und zu quatschen. Auch wenn letzteres für mich, wahrscheinlich auch für sie, eine Herausforderung ist. Zwei Wochen ausschließlich Englisch, eine Challange für mich. Deb glaubt ja, dass sie gut englisch spricht, aber mit ihrem waliser Dialekt, also ich weiß nicht. ;-) Manchmal geht es so fließend, dass es mich selbst überrascht, dann wieder fehlt mir mitten im Satz das wichtigste Wort, und ich versuche zu umschreiben. Deb verschlimmbessert, indem sie erraten will, was ich meine, aber in eine völlig falsche Richtung denkt. So spielen wir unfreiwillig Tabu. Das Wort wird am Ende immer erraten, aber ich habe darüber völlig den kompletten Satz vergessen, und wir reden über was anderes. Oder morgens 7 Uhr. Ich wache auf, sehe zu dem Bett von Deb rüber, sie ist auch wach. Ich frage, ob sie gut geschlafen und geträumt hat. Falsche Frage. Sie beginnt sofort von ihrem absolut wilden Traum zu berichten, irgendwas von ihrem Ex und dann später muss sie was transportieren mit Blaulicht und ein Hindernis nach dem andren stellt sich ihr den Weg und… Ich denke nur „Ich kann ihr nicht folgen, viel zu früh“ Dann denke ich, dass ich das gerade auf englisch gedacht habe und das eben auch, was mich verwirrt, darüber habe ich völlig den Faden bei ihrem Traum verloren und gehe in den Modus über „Lächeln und Winken!“.
So rasen die gut zwei Wochen mit ihr dahin und getreu ihres Haupmottos „Make the best of them“, machen wir das auch. Danke Deb!
Ich verabschiede sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn heute Nachmittag freue ich mich schon, eine andere gute Freundin begrüßen zu können, Jördis.
And now for you Deb:
She's gone. At least for now. Deborah has left for Colombo to catch her flight to London, she has to work on Christmas Day. Some of you have rightly asked, who is this Deb, how do you know each other? I added it to the first text afterwards, but I think it deserves its own little section.
A good three years ago, Thomas and I decided it would be a good idea to go climbing in the Himalayas and take advantage of an unbeatable special offer for a group trip so soon after Corona. Sometimes cheap is expensive. The tour operator was a disaster, but luckily the trip itself wasn't, thanks to a great group of people who knew how to help each other. Part of our team was Deb, whom we got to know at the foot of Mount Everest, so to speak. And when things get really challenging, you get to know each other in a whole new way.
Deb is from Wales and a true globetrotter. She has lived on almost every continent and experienced many lows, but even more highs. For a good 18 years, she has been very settled in her home country, working as a driver for a state hospital network, to which she is very loyal, after having done just about everything from working as an engineer in the Air Force to cleaning in France.
What sets Deb apart, apart from her high adaptability, is her keen sense of people. True to the motto "Friendliness initially costs nothing," she approaches everyone with openness and interest. It is impressive how quickly she connects with other people and achieves things that I would not have thought possible. True to another motto, "Only those who ask can be helped." Even when she complains, you get the impression that she is making a good suggestion so that things can run more smoothly next time, but this usually leads to things running much better right from the start. She is also good at deciding when it is worth saying something. She also has this instinct or experience with people – who does she prefer to avoid, or is the person interesting and friendly enough for her to want them around?
Equipped with these experiences and qualities, it is a pleasure to travel and chat with her. Even if the latter is a challenge for me, and probably for her too. Two weeks of speaking only English is a real stretch for me. Deb thinks she speaks English well, but with her Welsh accent, I'm not so sure. ;-) Sometimes it's so smooth that even I'm surprised, but then I'll get stuck in the middle of a sentence and have to try to rephrase it. Deb makes things much worse by trying to guess what I mean, but thinking in a completely wrong direction. So we end up playing Taboo without meaning to. The word is always guessed in the end, but I've completely forgotten the whole sentence and we're talking about something else. Or 7 o'clock in the morning. I wake up, look over at Deb's bed, she's awake too. I ask if she slept well and had any dreams. Wrong question. She immediately starts telling me about her absolutely wild dream, something about her exboyfriend, and then later she has to transport something with blue lights flashing and one obstacle after another stands in her way and... I just think, "I can't follow her, it's way too early." Then I realise that I just thought that in English, which confuses me, and I've completely lost track of her dream and switch into "smile and wave" mode.
So the two weeks with her fly by and, true to her motto "Make the best of them", that's what we do. Thank you, Deb!
I say goodbye to her with a tear in my eye and a smile on my face, because this afternoon I'm looking forward to welcoming another good friend, Jördis.Read more
















