Immer noch Weihnachten
December 26, 2025 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 31 °C
Oh, so lange nichts geschrieben. Meine kleine Lesegemeinde hat sich zu recht beschwert. Erst anfüttern und dann….
Nun, es geht ja weiter. Und zwar am 26.12., es ist immer noch Weihnachten. Wir fahren nach Thissamaharama (für die Namen kann ich auch nichts). Dort habe ich uns ein Hotel direkt an einem See gebucht. Wie sich zeigt ein Familienunternehmen mit gerade mal vier Zimmern. Der erste Stock ist noch in Arbeit, jedoch sehr geschickt mit Hänge- und Schlingpflanzen verdeckt, so dass es nicht wirklich auffällt. Unsere Zimmer sind noch nicht fertig, und es sind auch nicht unsere gebuchten. Es spricht jedoch auch keiner so richtig englisch. Abwarten. Irgend ein Randy soll kommen. Wir gehen spazieren. Die Landschaft ist einfach wunderschön – Seen, Berge, blauer Himmel und Tiere. Randy ist der Eigentümer und Kopf der kleinen Familie bestehend aus seiner Frau, einem zwei Monate altem Baby, der vierjährigen Tochter und der Oma, seiner Mutter. Und das Baby bringt wohl so einiges durcheinander, vor allem den Tag- und Nachtrhythmus. Wir behalten unsere Zimmer einfach. Randy ist äußerst charmant. Aber genau damit, mit einer entwaffnenden Freundlichkeit und Offenheit machen er und seine Familie alles wett, was nicht ganz so funktioniert. Warmes Wasser – wir arbeiten dran, was zu Essen am Abend – naja, also das ist für die Zukunft geplant. Alles kein Problem, es gibt für alles eine Lösung. Und als erstes möchte er uns doch gern sein Dorf zeigen. Klar, machen wir. Die Gäste aus den anderen beiden Zimmern ein Paar aus Sydney mit drei Kindern, werden auch eingesammelt und los geht es. Mit großem Stolz, viel Energie und Freude zeigt er uns alles, was auf dem Weg zu finden ist. Der See und seine Umgebung bieten so vielen Vögeln und anderen Tieren eine Lebensraum. Als wir Krokodile sichten, kommen mir kurz Bedenken ob der nahen Lage des Hotels. Aber sie sehen satt aus. Glaube ich. Als grüne Halsbandsittiche über unsere Köpfe fliegen ruft der Sohn der Familie freudig, dass es die in Sydney auch gäbe. Tja, du, in Düsseldorf auch. Schon merkwürdig, dass gerade die Kö-Papageien mich nun an meine Stadt zu Hause erinnern. Wir spazieren über Reisfelder und in das Dorf hinein, sehen wie Ton für die Poterie vorbereitet wird und sind pünktlich bei Sonnenuntergang am anderen Ende des Dorfes und einem weiteren See angekommen. Das Highlight hier sind Flughunde. Viele Flughunde. Ganz, ganz viele Flughunde. Noch hängen sie in der um sich greifenden Dämmerung kopfüber wie lange Bienenstöcke an den Ästen der Bäume, die im Wasser stehen. Mit den letzten Sonnenstrahlen kommt Bewegung in die Massen und sie entfalten langsam ihre langen ledrigen Flügel, beginnen sich gegenseitig zu necken und starten ihren Nachtflug. Das ist unheimlich und plastinierend zugleich, wenn tausende von ihnen den Himmel noch dunkler färben. Randy versichert uns, dass sie Vegetarier seien und lieber eine reife Mango als uns fressen würden. Ich will es nicht herausfinden. Ich kann mich kaum losreisen, aber auch unser Hunger fängt an, sich zu melden. Die Australier verabschieden sich, sie wollen ihr Weihnachtsessen, das gestern nicht möglich war, nachholen. Coole Familie, habe selten soviel Nähe miteinander beobachten können. Wir werde von Randy im TukTuk zu einem Restaurant gefahren. Sri Lankan Buffet gibt es, und Jö kann endlich landestypische Gerichte probieren.
Zurück im Hotel sitzen wir noch mit einem Tee in der „Lobby“ als zwei der Kinder der Australier auf uns zukommen, die mitgebrachte Schachtel öffnen und uns fragen, ob wir auch ein Stück vom Christmas-Cake haben wollen. Ach ja, es ist ja noch Weihnachten. Wir sind gerührt und bejahen. Auf der Suche nach Messer und Tellern kommt auch die Inhaberfamilie in voller Stärke dazu und auch der Rest der Australier. Wir essen alle Cake und die kleine Tochter von Randy strahlt über ihr ganzes Gesicht. Randy erklärt, dass sie als Muslime kein Weihnachten feiern, aber ihre Tochter habe es im Fernsehen gesehen und sich so sehr gewünscht, auch ein wenig von diesem Christmas Stuff in echt zu sehen. Nun, der Kuchen und besonders die Deko erfüllen genau diese Wünsche und so prabbelt sie freudig in einer Mischung aus Englisch und Singalesisch vor sich hin. Als Jö ihr später noch das Weihnachts-Memorie-Spiel schenkt, ist ihr Glück komplett. So sitzen drei Generationen aus drei Kontinenten mit drei verschiedenen Weltreligionen an einem Tisch und zelebrieren Weihnachten. Ich glaube, ich war dem wahren Geist dieses Festes noch sie so nah, wie an diesem Abend.Read more

























