• Pfauen im Park

    December 27, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 28 °C

    Für den nächsten Tag haben wir eine ganztägige Safari im nahe gelegenen Yala Nationalpark gebucht. Auf geht es mit dem Jeep. Aber erst einmal heißt es, am Eingang im Stau stehen. Es sind unzählige Jeeps mit genau dem selben Ziel unterwegs. Auf meine Frage, ob es denn keine sinnvolle Begrenzung gebe, wird verneint. Es sei geplant. Aber das bedeutet ja auch, dass weniger verdient werden könne. Hm, und wieder ist man selbst Teil diese Systems. Zum Glück ist der Park recht groß und die Jeeps verlieren sich ein wenig. Die Landschaft ist flach, eine Mischung aus Trockenflächen und sumpfartigen Gebieten direkt an der Küste des indischen Ozeans gelegen, den man immer mal wieder durchblitzen sieht. Ein häufig anzutreffender Vogel ist der Pfau, was dem europäisch geübten Auge immer wieder den Eindruck vermittelt, man fahre durch die Parkanlagen von Versailles. Die Pfauen haben beschlossen, heute rallig zu sein und umwerben kräftig den weiblichen Teil ihrer Gattung. Das verschafft uns den immer wieder schönen Anblick ihres aufgestellten Rades.

    Auf der Suche nach der Hauptattraktion des Nationalparks, dem Leopard, fahren wir immer tiefer in ihn hinein. Irgendwann sind wir tatsächlich allein und die Straßen sind als solche nicht mehr zu erkennen. Der Allradantrieb wird bestens gefordert und festhalten ist angesagt, wenn es fast senkrecht nach unten und oben geht. Irgendwann blicke ich durch die Frontscheibe und bemerke einen Riss. Nun, das wird wohl ein Stopp bei Carglas fällig. Bei einer Ganztagestour wird auch mal eine Biopause fällig. Das ist in der Wildnis aber gar nicht so einfach. Der Guide steigt als erstes aus, checkt die Lage und gibt den Busch frei. Wenn man dann so beim Wasserlassen ist, und in gut 150m Entfernung ein Krokodil wahrnimmt, dann fragt man sich, was schneller ist, der eigene Strahl oder das Krokodil? Nur kein Druck. Jö hat es sich lieber ganz verkniffen. Später ist dann Lunchtime und auch ein Klo da. Wir lernen ein Paar aus Endinburgh kennen und kommen ins Gespräch. Als sie von meinem Sabbatical erfahren, ist vor allem er sehr daran interessiert, wie das mit dem Arbeitgeber funktioniert und wo genau ich denn arbeite. Ich bin tatsächlich ein wenig stolz, von Maxi Zoo erzählen zu können. Seine Frau pfeift ihn gleich zurück, dass es bei ihm sowieso nicht möglich wäre, da er ja viel zu wichtig sei im Unternehmen. Der Unterton in ihrer Stimme ist deutlich wahrnehmbar. Ich antworte nur, dass dies mein großer Vorteil sei, eben nicht so wichtig zu sein und grinse.

    Der Nachmittag ist weiter geprägt von der „Jagd“ auf den Leoparden. Wir werden ihn nicht sehen, aber eine ganze Reihe anderer Tiere schon. Und es wird zum Spaß, die Schotten, die immer wieder unseren Weg kreuzen, in das Spiel zu verwickeln, wer sieht wen zuerst und winkt.

    Wie nebenbei erwähnt unser Fahrer, dass er für morgen nicht eingeplant sei für unseren Weitertransport in die Berge. Wie jetzt? Das ist doch alles gebucht. Nein, er befürchte nicht. Im Nationalpark ist kein Empfang. Das Problem kann nicht gelöst werden. Und dennoch geht es mir nicht aus dem Kopf, morgen früh, auch noch an einem Sonntag, soll es weitergehen, es ist bereits Spätnachmittag. Ich denke an Bruno, und was er machen würde. Sich auf das konzentrieren, was jetzt machbar ist und jetzt wichtig ist….der Park. Das schaffe ich für 10 Minuten, dann formuliere ich schon mal  eine Nachricht an die Agentur. Bruno, ich habe noch viel zu lernen. Und letztlich kann das Problem mit ein paar Telefonaten später auch gelöst werden. Wenn leider auch viel zu teuer.
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