Der Weg ist das Ziel
January 5 in Nepal ⋅ ☀️ 16 °C
Schon die Vorbereitung für den nächsten Teil meiner Reise war etwas schwieriger als erwartet. In meiner naiven Vorstellung sollten sich NGO oder andere gemeinnützige Vereine doch freuen, wenn jemand kommt und Hände oder Kopf oder beides umsonst zur Unterstützung anbietet. Mitnichten. Einige wollten, dass man sogar noch Geld mitbringt. Also wenn ich Geld bezahle, dann bestimme ich erst recht, ob, wann und wie ich morgens das Bett verlasse. So habe ich die Suche über das Internet nicht weiter fortgeführt und bin über private Kanäle gegangen. Und hier tat sich bei dem „Nepal Secretariat for Skills and Training“ etwas auf. Die NGO verhilft durch Kontakte und vor allem durch umfassende kulturelle, sprachliche und andere Trainings zu einem Ausbildungsplatz in D und begleitet sie in einem Mentoringprogramm.
Also, weiter geht es nach Kathmandu, da scheint man Interesse an meinen Händen und vor allem Kopf zu haben. Eine Wohnung ist auch angemietet. Von einer Australierin, die in Nepal eine Unternehmen für Mounain-Bike-Anmietung betreibt und sinnvollerweise die Winter in Australien am Strand verbringt. So wird zwischen Deutschland, Nepal, Sri Lanka und Australien im Chat hin- und her geschrieben, wie ich dahin komme, was zu beachten ist und wie vor allem die Adresse lautet. Das ist durchaus eine Herausforderung, da es in Nepal nicht wirklich private Adressen gibt. Man beschreibt, wo man hinmöchte oder zeichnet es auf. Äh, ja, und was gebe ich nun in den Visaantrag ein? Nicht so wichtig, wichtiger ist, dem Taxifahrer klar zu machen, wohin man möchte. So lautet meine Adresse für die kommenden 4 Wochen: auf der Rückseite der indischen Botschaft, neben dem Hindutempel Dhaksinkhali über dem Info Tech Office. Post wird gern erwartet.
Aber erst mal zum Flughafen in Colombo. Der Flug geht kurz nach 8h. Die letzten Rupien werden in überteuerten Tee und Nüsse investiert. Am Gate, wo auch die Sicherheitskontrolle ist, herrscht etwas Durcheinander. So komme ich mit einer jungen Frau ins Gespräch, einer Nepalesin aus Kathmandu. Schnell werden einige Gemeinsamkeiten klar. Sie arbeitet auch bei einer NGO und ist sehr interessiert, was und warum ich, was mache. Als sie erzählt, dass sie gerade mit ihrer Familie auf Sri Lanka Urlaub gemacht hat, wird mir auch klar, warum die um uns sitzenden Personen so eingehend an uns interessiert sind, es ist ihre Familie. Sneha, was soviel wie Liebe bedeutet, reist sehr gern und lässt sich in jedem neuen Land ein Tattoo stechen, was bei mir viele Fragen über den Prozess der Auswahl auslöst. Sie fragt, ob ich Tattoos habe – ja, und ich berichte über das eine und zeige das andere. Sie erkennt sofort, dass es ein Husky ist, was mich erstaunt und sie damit erklärt, dass sie selbst einen hat. Eigentlich noch ein dreimonatiges Baby namens Loki. Und wieder Fotos. Als sie fragt, ob Bruno und Loki die gleichen Farben haben, bin ich erneut erstaunt – äh, nein, deiner ist schwarz-weiß mit dunklen Augen, Bruno beige-weiß mit blauen Augen. Sie erkennt meine Verwirrung und sagt, dass sie farbenblind ist. Wieder tausend Fragen in meinem Kopf. Aber dazu komme ich nicht, es geht ans Einsteigen. Wie oft mein Bruno-Tattoo bereits ein Türöffner war. Das war gar nicht meine Intention, als ich es machen lies, aber schön!
Ich habe einen Mittelplatz zugewiesen bekommen. Undankbar, sehr sogar. Neben mir jeweils zwei Typen, die sich in völliger Distanzlosigkeit breit machen und das Exemplar links von mir ist der Unsymphat schlecht hin. Ich würde gerne wechseln! Doch Vorsicht, was du dir vom Universum wünschst…. Das Flugzeug ist bereits 45 Minuten in der Luft und laut Anzeige steigt es nicht höher als 5.000 m. Merkwürdige Flughöhe. Dann ruckelt es 10 Sekunden lang, so als ob das Flugzeug über eine Buckelpiste rollt. Nur sind wir in der Luft, eben 5km hoch. Nach zwei Minuten melden sich der Captain – Ja, also, es gibt ein technischen Problem, nieeeeechts schwerwiegendes. Alles in Ordnung. Nur rein, so um ganz sicher zu gehen, habe man beschlossen, wieder umzukehren und in Colombo zu landen. Bedrückende Stille im Flieger, der bis auf den letzten Platz belegt ist. Also landen wir 60 Minuten später wieder am Startpunkt. Man versucht das Problem zu beheben. Die Familie von Sneha versorgt mich mit Wasser, die Mama hat ausreichend dabei. Später gibt es Frühstück im Flieger, muss ja weg. Und wir müssen auch aus dem Flugzeug weg. Der Fehler lässt sich nicht beheben. Also raus, wieder Sicherheitskontrolle und ein anderes Flugzeug. Die Plätze werden neu vergeben und siehe da, Gangplatz mit nettem Nachbar. Geht doch. ;-) Nach 4 h Verspätung ist alles auf Anfang, und es geht los.
In Kathmandu erkläre ich am Taxistand, wo ich hin möchte, was doch schwierig ist. Am Ende muss es Google Maps richten. Spätnachmittag, endlich in der Wohnung angekommen. Die ist recht schön, mit Terrasse davor und auf dem Dach und für Kathmandu sehr ruhig gelegen, der indischen Botschaft sei dank, die auch noch die hier selten Bäume zur Verfügung stellt. Der Boschafter mag es wohl grün und großzügig. Nur das Bad mit kaltem Wasser und ohne wirklicher Dusche wird eine Herausforderung werden. Ich suche was zu essen und betrete ein Café und bestelle einen solchen. Irgendwas werde ich von der jungen Dame gefragt, verstehe nicht. Sie wiederholt, verstehe immer noch nicht. Was ich dann verstehe, ist die Frage, ob ich Ausländer sei. Mich durchzuckt ein ungutes Gefühl bei der Frage. Aber weiter geht es auf Englisch mit meiner Bestellung. Als sie mir diese an den Tisch bringt, entschuldigt sie sich, dass sie mich auf Nepalesisch angesprochen hat, sie dachte ich sei von hier. Wow, nach 4 h schon. So legt sich das Missverständnis schnell. Ich beginne zu essen, der Strom geht aus. Kerzen werden gebracht. Und so geht der Tag leicht romantisch zu Ende.Read more








