Über den Wolken
Dec 30–Jan 3, 2026 in Sri Lanka ⋅ ⛅ 17 °C
Wir waren in Nallathanniya angekommen. Kein sehenswerter Ort an sich, aber mit einer eine tollen Landschaft rundherum und vor allem der Ausgangspunkt für den Aufstieg auf den Adamˋs Peak. Eher ein Durchgangsort, als ein Ferienort, da die meisten kommen, maximal eine oder zwei Nächte bleiben und weiter ziehen. Wir haben es wieder einmal anders gemacht. Es war Silvester und Neujahr, und so dachte ich, es schadet nichts, vier Nächte zu bleiben. Allein das reichte schon, um als besondere Gäste angesehen zu werden. Aber trotz Hochsaison waren wir in dem Hotel fast allein und auch der Ort war auf deutlich viel mehr Gäste eingestellt.
Das Hotel war in die Jahre gekommen und die Zeiten, dass es das beste Haus im Ort war, lange vorbei. Schade, denn es hatte einen absolut tollen Blick auf den Fluss und den Adamˋs Peak, um den sich alles drehte. Trotz vieler Abzüge machte auch hier wieder einmal das Personal vieles wieder wett. Aufgrund unserer besonderen Stellung als Dauergast bekamen wir die besten Zimmer des Hauses und fast jeden Wunsch erfüllt. Auch im Ort kannte man uns bald und grüßte sich. Die Tage ließen wir langsam angehen und schlenderten durch Teeplantagen, waren das Tagesgespräch in einem Dorf und ließen uns etwas treiben. Das Wetter war durchwachsen und wenn die Sonne durchkam, entfaltete die Landschaft ihre gesamte Schönheit.
Aber auch unser Hauptziel war die Besteigung des Adamˋs Peak. Der heiligste und zweithöchste Berg Sri Lankas. Auf der Bergspitze thront ein Kloster und die Kultstätte ist ein ca. 1,8 m langer Fußabdruck. Dieser Fußabdruck bedeutet für die großen Weltreligionen jeweils etwas anderes: für die Buddhisten stammt er von Buddha, bei den Muslimen stammt er von Adam, die Hinduisten sehen ihn von Shiva kommen und bei den Christen ist er vom Apostel Thomas. Entsprechend ist der Berg eine Pilgerstätte für alle 4 Religionen, was zu einer Pilgerzahl von ca. 2 Millionen jedes Jahr führt. Nicht nur das ist beeindruckend, sondern auch die Tatsache, dass hier alles sehr friedlich abläuft.
Wir dachten, es sei doch eine gute Idee, den Aufstieg als Neujahrsspaziergang zu gestalten. Da es üblich ist, den Sonnenaufgang auf der Spitze zu erleben, pilgerten wir 2h in der Nacht los. Davor haben wir versucht zu schlafen, was auch ganz gut ging, gab es hier doch genau zwei Raketen…eine gegen 21h, wahrscheinlich von einem Touristen, in dessen Land gerade 24h war und eine Mitternacht lokaler Zeit. Anfangs waren wir recht allein auf dem Weg, was ein bisschen unheimlich war, sind doch links und rechts des Weges zahlreiche Stände aufgebaut, um eben einer immense Zahl an Pilgern alles zu verkaufen, was notwendig oder nicht notwendig ist und die nun verwaist waren. Vor uns lagen 7 km Aufstieg über ca. 1.100 Höhenmeter und 5.831 Stufen. Zur Verdeutlichung, das ist ungefähr so, als würde man ungefähr 388 Etagen eines Gebäudes hochlaufen – und natürlich auch wieder nach untern. So wie sich das anhört, so war es auch – eine absolute Herausforderung. Auf dem Weg nach oben wurde es dann doch noch voller. Es waren aber kaum Touristen sondern eher Menschen, die aus religiösen Gründen den Berg hinauf pilgerten. Und es waren alle Formen, Typen und Varianten von Menschen unterwegs. Auch zahlreiche mit einem Handycap, sei es blind, gehbehindert und geistig. Auch eine Frau in einem Rollstuhl war unterwegs. Unterwegs sein bedeutete bei ihr, dass sie in ihrem Rollstuhl nach oben getragen wurde, was scheinbar Tage in Anspruch nahm, sahen wir sie doch bei unserem Aufstieg gerade vom Nachtlager auf halber Höhe aufbrechen und bei unserem Abstieg etwas höher als vorher Pause machen. Mir drängte sich die Frage auf, warum all diese Menschen, insbesondere, die bei den es solche, ja fast schon, Qualen bedeutet, dies auf sich nahmen. Unser Grund war, eine Challange zu bestehen und die Hoffnung auf eine phantastische Aussicht. Bei den Pilgern war es mit Sicherheit auch eine Hoffnung. Wohl die Hoffnung auf bessere Gesundheit, ein besseres Leben. Das müsste dann aber verbunden sein mit dem Glauben, dass das Auf-sich-nehmen von Mühsal genau dies fördern würde. Das Konzept, dass wohl allen großen Religionen inne wohnt, dass eine gewisse Selbstkasteiung ein besseres Leben verspricht, ist mir immer noch fremd. Ich kann verstehen, warum Menschen an eine höhere Macht glauben. Etwas, was hilft, in dieser Welt besser zu recht zu kommen und auch dem Sinn des Lebens eine Heimat zu geben. Aber warum muss dies verbunden werden mit Leid, Entsagung und Aufgabe? Vielleicht in dem Sinne, dass nur der, der etwas an die höhere Macht gibt, auch von ihr etwas erwarten kann? Wann aber hat diese höhere Macht das gesagt?
Wir brauchen nach oben an die 4 Stunden. Und zum Glück waren wir nicht allzu viel früher da, als es die Sonne sein sollte. Es wehte ein starker, kalter Wind auf dem Gipfel, und es gab kaum einen Schutz davor. Der Aufstieg und das Warten lohnten sich aber auf jeden Fall. Es war ein tolles Gefühl, über den Wolken die Sonne aufgehen zu sehen zusammen mit 150 anderen Menschen. Ansonsten sind es weitaus mehr. Ich fragte mich aber, wo die alle Platz finden? Der Weg nach unten ging erwartungsgemäß schneller, aber war, besonders für die Knie, nicht minder anstrengend. Gegen 9 h waren wir wieder im Hotel, rechtzeitig für ein Bier und ein gutes Frühstück. Wir wählten aus der Karte aus, was wir essen wollten. Das hätten wir uns auch sparen können, denn man brachte uns nacheinander alles, was so auf der Frühstückskarte stand. Wir waren mehr als satt und hatten noch den gesamten Tag vor uns – Frohes neues Jahr!Read more

























