• Uuuuuuund?!

    February 5 in Nepal ⋅ ☀️ 22 °C

    Was bleibt nach einem Monat in Kathmandu? Nicht so einfach in einem Satz zu beantworten. Und das zeigt eigentlich schon, wie lohnenswert es gewesen ist. War es anstrengend? Ja. War es nervend und fas überfordernd? Ja! War es bereichernd? Ja, War es aufregend, war es neu, war es berührend, war es ungewiss und prickelnd? Ja, ja, ja und ja! Mir war klar, dass ich nicht wegen Kathmandu nach Kathmandu zurückkehrte. Die Stadt fand ich toll, sie mal gesehen zu haben, aber das reichte mir damals schon. Und ehrlicherweise hat sich dieser Eindruck für mich nicht sehr verändert. Kathmandu ist laut, dreckig, hektisch, groß, anstrengend. Daher musste ich auch nach zwei Wochen jeweils für ein paar Tage raus aus ihr. Und das ist mehr als empfehlenswert, liegt die Stadt doch in einem Land voller wunderbarer Natur. Ich bin letztlich wegen der Arbeit gekommen. Und die war sehr lohnenswert. Nicht nur, dass ich einen Einblick in die Arbeit einer NGO erhalten konnte, ich hatte auch den Eindruck, mit meinem Wissen und Erfahrungen ein klein wenig dazu beitragen zu können, die Dinge voranzubringen. Ich könnte gar nicht sagen, was mir am meisten Spaß gemacht hat. Ich denke, es war vor allem die Mischung: die juristischen Herausforderungen, die mich inhaltlich weit über das Arbeitsrecht hinausbrachten oder auch die deutschen Übungsstunden, die vielleicht ein kleines Talent freilegten bei mir. Aber möglicherweise war es die direkten Gespräche mit den jungen Nepali selbst. Sie haben mir viel Wissen über ihr Denken und die Kultur mitgegeben und letztlich auch ein klein wenig Demut darüber gelehrt, was es bedeutet, zu einer bestimmten Zeit, an eine bestimmten Ort unter bestimmten Umständen geboren worden zu sein. Und was Menschen auf sich nehmen, um dieses Zufallsprinzip etwas mehr zu ihren Gunsten zu verschieben. Man muss sich seiner Geburt nicht schämen, ganz und gar nicht, aber das, in was man hineingeboren wurde, zu schätzen und vor allem gut zu nutzen wissen.

    Wie so oft, machen die Menschen den Unterschied. So war es letztlich auch bei Kathmandu. Ich würde auch ein drittes Mal nicht wegen der Stadt kommen, sondern dann wohl wegen eben jener Menschen, die ich kennenlernen durfte. Dank ihrer Offenheit und Unterstützung und Bereitschaft, mir geduldig die Welt hier näher zu bringen, fühlte ich mich wohl. Es ist ein deutlicher Unterschied, ob ich als Tourist hierher komme und nach ein paar Tage in die Berge weiterreise, oder ob ich in den Alltag eintauche und all die großen, aber eben auch die vielen kleinen Sonderlichkeiten wahrnehme und damit umgehen muss.

    Von daher – es bleibt viel nach einem Monat Kathmandu. Ich bin sicher, dass sich so manches auch mit der Zeit erst ablagern wird in mir und wieder auftaucht, wenn ich es nicht erwarte. So wie sich die Erinnerungen meiner frühen Kindheit hier immer wieder meldetet, die, als ich bei meiner Oma übernachtet habe, wo es auch nur einen Ofen und heißes Wasser aus dem Topf gab. Und die dicken Federbetten mit der Wärmeflasche drunter, wenn nur noch die Nasenspitze rausschaute, die langsam abzufrieren drohte. Schon komisch, dass genau diese Ablagerung von Erinnerung in Kathmandu ganz noch oben waberte. Es sind schöne Erinnerungen. Und so werden es auch die von Kathmandu eines Tages sein.
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