• 45 Minuten Business Clas

    4 marzo, Vietnam ⋅ ⛅ 32 °C

    Am nächsten Tag ging am Nachmittag unser Flug nach Kambodscha. Was bis dahin machen? Also buchte ich uns einen kleinen Café Workshop, schnappten uns unser Gepäck und fuhren durch die halbe Stadt dorthin. Es war ein von Frauen geführtes Café und ein sehr informativer Workshop, aber ich fühlte mich leicht gestresst. Ich bin mir fast sicher, dass es daran lag, dass die Inhaberin, die den Workshop nur für uns beide veranstalte, eine Ausstrahlung wie Fräulein Rottenmeier von Heidi hatte. Äußerst streng, und es wurde nicht erklärt, es wurden Fragen gestellt: Wieviele Cafésorten gibt es? An welcher Stelle der Exportländer steht Vietnam? Was ist der Unterschied zwischen Arabica und Robusta? Wie schmeckt der Café? Ähhhh – strong?! Strong ist kein Geschmack, das musst du runterbrechen, wo schmeckst du es? Am Gaumen, an der Seite der Zunge, der Spitze? Süß? Sauer? Bitter? Ähhhh, Krugi, sag doch auch mal was! Nur wenn wir mit der Kanne fast genau die einzugießende Menge an Wasser mililitergenau trafen, klatschte sie fröhlich in die Hände und lachte. Wir lernten viel, aber zu welchem emotionalen Preis? Wir schauten uns danach noch eine rosafarbene Kirche, die jedoch geschlossen war. In einem Park Ruhe suchend, worden wir von immer mehr Mäusen umzingelt und suchten das Weite und führen zum Flughafen.

    Da in der Economy nichts mehr zu haben war und, warum auch immer, die Business Class billiger war als Economy Plus, hatte ich BC gebucht. Wie dekadent. Aber ehrlich gesagt, genossen wir die Lounge am Flughafen sehr, hatten wir doch noch drei Stunden Zeit und außer einem Joghurt am Morgen heute noch nichts gegessen. Unwohl fühlte ich mich dann eher bei dem darauf folgendem Prozedere. Merkwürdigerweise waren wir die einzigen Passagiere in der BC, auch in Economy Plus saß niemand. So drängten sich, natürlich erst nachdem wir aus unseren eigenen Minibus gestiegen waren, alle anderen 180 Passagiere in drei Viertel des Flugzeuges, während wir allein im vorderen Viertel waren. Das ständige Vorhänge auf und zu Geschiebe zwischen den Klassen kennt man ja. Aber da der Flug nur ganze 45 Minuten ging, und damit alles schneller und fast hintereinander über die Bühne gebracht werden musste, wirkte es wir ein albernes Kasperletheater. Na ja, so bin ich nun auch mal BC geflogen. Für mehr als 45 Minuten muss ich dann mal sparen. In der kurzen Flugzeit kreuzten wir die schönsten Wolkenformationen, was allerdings zur Folge hatte, dass es auch die tiefsten Fluglöcher zu überspringen gab.

    Kambodscha überrascht mich dann doch sehr. Irgendwie hatte ich ein Dritte-Welt-Land im Kopf und war über den modernen Flughafen und die entspannten Prozesse überrascht. Hatten wir doch in Saigon extra noch einen Kopiershop gesucht, um die Visa auszudrucken, was überall dringend empfohlen wurde. Der Grenzbeamte scannte nur kurz den Code und gab es mir zurück. Kein Stempel im Pass, keiner auf dem Visa. Ich traute mich nicht, eine Diskussion anzufangen. Ich vermutete, dass der Beamte kein Anfänger war und wusste, was er tat. Und siehe da, die Einreise erfolge komplett digital, der „Stempel“ kam via eMail am Abend. Nach Siem Riep musste man eine Weile fahren und das im modernsten E-Auto, in dem ich je saß auf einer Straße, wie sie nicht mal in Deutschland aussieht, nachdem man sie nach 4 Jahren Bauzeit endlich eröffnet hat. Und mein Handy zeigte 5G an, im Nirgenwo. Hm. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass wir uns hier in einer touristischen Hochburg des Landes befanden. Auf dem Land sieht es schon wieder etwas anders aus (nicht der Internetempfang!), wie wir die Tage noch feststellen sollten. Und China investiert hier eine Menge Geld. Das bestätigte auch wieder meine Eindruck, dass weite Teile Asiens zwischen den Mächten Indien und China bereits aufgeteilt sind und durch wirtschaftliche Einflussnahme erpressbar gemacht werden. Aber für heute war es genug. Morgen sollte es 5h morgens schon weiter gehen.
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