• Torsten_Dus.Pa
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Vietnam

A 18-day adventure by Torsten_Dus.Pa Read more
  • Trip start
    February 15, 2026

    Wilkommen sei das Feuerpferd

    February 16 in Vietnam ⋅ ☁️ 28 °C

    Wir waren in der Nacht spät angekommen. Ich hatte uns mitten in Hanoi eine Wohnung gemietet. Ein typisches Wohnhaus, im  Rücken die Glastürme der Banken. Spannende Kombi. Spannend war auch, dass unsere Nachbarn von gegenüber die Wohnung ausräumten und Sachen sortierten und dabei sehr traurig und genervt aussahen. Ich tippte auf Wohnungsauflösung wegen Todesfall. Und wieder lag ich sowas von falsch mit dem Interpretieren der Handlungsweisen anderer. Ob ich das je lernen werde, sein zu lassen? An nächsten Morgen waren sie immer noch hart beschäftigt. Es schien, als seien sie die gesamte Nacht im Einsatz gewesen. Wir versuchten erstmal Lebensmittel aufzutreiben. Es war Silvester. Aber wir fanden eine Lebensmittelladen, wo wir für über 1.000.000 Dong einkauften. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich schnell an diese hohen Zahlen. Als wir bepackt zurückkamen, waren unsere Nachbarn fertig. Und es war ihre eigene Wohnung, die sie nun am Eingang mit einer riesigen roten Schleife versehen hatten. Vor den anderen Wohnungen waren kleine Altäre aufgebaut. Da fiel es mir  wieder ein, natürlich, es war TET. Tet Nguyen Dan, was soviel heißt wie „Fest des ersten Morgens“. Ein schöner Name. Und das ist, dem Mondkalender nach, morgen. Der wichtigste Feiertag der Vietnamesen. So wichtig, dass sie daraus gleich eine ganze Woche des Zelebrierens machen. Ungefähr vergleichbar, als sei bei uns Weihnachten und Silvester an einem Tag. Und hier ist es Tradition, vor diesem Tag die Wohnung komplett, also wirklich jeder Ecke, zu putzen, aufzuräumen und klar Schiff zu machen. Genau, das hatten unsere Nachbarn getan.

    Wir spazierten in die Stadt, so wie viele andere Vietnamesen auch. Nur waren die in ihrem besten Zwirn gepackt, also ihre besten Seidenkleider. Was bei uns der Weihnachtsbaum ist, ist hier der blühende Mandelbaum, der das Erwachen des Frühlings symbolisieren soll. Und der war allgegenwärtig. Wie sie es geschafft haben, tausende Bäume genau jetzt zum blühen zu bringen, ist mir ein Rätsel.  Es war ein wildes flanieren, posieren, fotografieren und auch die Stadt hatte sich demensprechend herausgeputzt mit Blumen, Fahnen und gesperrten Straßen. Teilweise sah es schon beim Zuschauen anstrengend aus, wie alle auf der Jag nach dem besten Foto des Jahres waren. Wir genossen das Schaulaufen, was noch ein paar Tage anhalten sollte. Das Tet hat zur Folge, dass mindestens 5 Tage alles im Feiertagsmodus ist, alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen, ebenso die Banken und die Vietnamesen sind damit beschäftigt, Fotos zu machen, zu kochen und zu verreisen, um alle Verwandten und Bekannten zu besuchen. Dazu gibt es eine strenge Reihenfolge, wer an welchem Tag zu besuchen  ist. Da gibt es keine Diskussionen à la „Schatz, dieses Jahr müssen wir aber an Heiligabend mal zu meiner Mutter!“ Am dritten Feiertag werden hier zum Beispiel die Lehrer besucht.

    Da alles im Ausnahmestatus ist, hatte ich die Wohnung schon lange im Voraus gebucht. Und sonst für Vietnam nichts. Selbst jetzt noch nicht. Kathrin, du wärst stolz auf mich. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass an dieser „entspannten“ Haltung auch Bhutan schuld ist. Für unsere Banken war das Land so exotisch, da reihenweise unsere Kreditkarten  versagten – die eine wollte eine Bestätigung per Anruf, die andere eine Tan per sms, die nächste öffnete nicht mal die App. Da wir aber keine Telefonverbindung hatten (wahrschienlich war nie einer von den europäischen Anbietern hier, um mal zu checken, wie das mit der Kooperation so läuft), ging nichs davon. Also auch keine Buchungen. Dann eben nicht. War am Ende mal heilsam entspannend. Aber jetzt haben wir unsere Karten wieder frei schalten lassen, das Geld wurde langsam knapp.

    Abends gingen wir dann zum Hoan Kiem See, den Schwertsee, einem der Hot Spots für den heutigen Abend. Man hatte uns empfohlen, dort frühzeitig zu erscheinen. Es wurde schnell klar warum. Massen von vorwiegend jungen Vietnamesen strömten an den See in der Erwartung des mitternächtlichen Feuerwerks. Da privates Feuerwerk und Böller verboten waren (bin großer Fan davon) war das das Highlight.  Pünktlich um Mitternacht brach die Hölle am Himmel los. So ein Feuerwerk hatte ich noch nicht gesehen. Es schien, als hätte sich über das gesamte Jahr Energie angestaut, die nun auf einmal rausmusste. In den Himmel wurde geschossen, was nur ging, alles gleichzeitig und überlagernd. Der Qualm wurde zwischenzeitlich so stark, dass wir das Feuerwerk nicht mehr sehen konnten. Nach 15 Minuten beindruckendem Dauerbeschuss war es dann auch vorbei und die Massen trollten sich. Wir gingen auch zurück und stießen mit einem Sekt auf das neue Jahr, das Jahr des Feuerpferdes, an.

    Als wir noch fröhlich am Trinken waren, wurde es plötzlich laut in unserer Straße. Ich schaute vom Balkon und sah, das Feuer angezündet wurden. Irritiert, ob das nun auch wieder zur Tradition gehörte, oder wir einfach alles zurücklassend schnell die Stadt verlassen sollten, befragte ich Google. Dabei fand ich zwei Dinge – zum Einen, dass die Feuer zum Prozess gehören, das alte Jahr abzuschließen und das neue zu begrüßen, indem man Altes verbrennt und Zettel mit Wünschen für das neue Jahr gleich dazu. Zum Anderen fand ich einen Artikel, der bereits 15 Minuten nach Ende des Feuerwerks von öffentlicher Seite in das Netzt gestellt wurde. Uns kam der Schreibstiel sehr, sehr bekannt vor. Ja, richtig, das ist die Art, wir in sozialistischen Ländern offizielle Berichte verfasst werden. Das war spannend, ob DDR vor 40 Jahren oder jetzt Vietnam, die Texte sind austauschbar. Hier mal ein Zitat: „Das Feuerwerk am Van-Quan-See war spektakulär.
    Zur Vorbereitung des Feuerwerks am Silvesterabend führte das Militärkommando des Bezirks Ha Dong ab dem Morgen des 28. Tages des chinesischen Neujahrs (15. Februar) sorgfältige Vorbereitungen gemäß den geltenden Vorschriften durch und gewährleistete so absolute Sicherheit. Laut Nguyen Van Tam, dem Kommandanten des Militärkommandos Ha Dong und Verantwortlichen für den Feuerwerksplatz, wurde das Höhenfeuerwerk mit seinen zwölf Halterungen korrekt aufgebaut."

    Wir gingen endlich zu Bett, ich mit dem Wissen, dieses Jahr, ein zweites Silvester erlebt zu haben, das erste mit einer einzigen Rakete, das zweite mit geballter Ladung. Mal sehen, was das neue Jahr bringen wird.
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  • Am Ende nur noch die Hühner

    February 17 in Vietnam ⋅ ☁️ 25 °C

    Das Jahr des Feuerpferdes hat nun also gestartet. Eine Kombination aus einem Element (Feuer) und dem Jahres-Tier (Pferd), wie sie maximal alle 60 Jahre vorkommt. Und viele versprechen sich so einiges von ihm, gilt die Kombination doch für rasante Veränderungen und Durchstarten. Aber, wie eine Bekannte mir schrieb, es nützt das wilde Feuer nichts, wenn es nicht doch eine gewisse Kontrolle erfährt, verbrennt es doch sonst einfach alles. So braucht es auch die anderen Elemente, vor allem die Erde, um das Feuer zu lenken. Mir scheint, sie hat recht und wohl dem, der von allem etwas in sich trägt.

    Wie auch immer, das neue Jahr wird hier zelebriert wir nix, erst recht ein so besonderes. Die eh schon farbenfrohe Umgebung wird noch bunter und vor allem roter, der Hauptfarbe Vietnams. So liefen wir durch die Straßen Hanois und ließen uns treiben im Gewühl der Stadt. Allerdings war das tatsächlich auf Sparflamme gegenüber normalen Tagen. Wir fanden den Tacken mehr Ruhe ganz angenehm. Auf dem Weg zum Mausoleum von Ho Chi Minh, dem ersten Präsidenten von Vietnam, der, naja, ein wenig gegen seinen Willen dort mumifiziert ausgestellt wird, wurde mir vom Sicherheitspersonal solange an meiner kurzen Hose herumgezogen, bis sie über mein Knie reichte. Dann durfte auch ich das Gelände betreten. Es gab da, auch auf Grund fehlender Sprachkenntnisse, einen kleinen Moment der Irritation bei mir, wusste ich doch nicht sofort, wohin diese Aktion führen sollte. Die Mumie hatte heute, da Feiertag, auch ihre Ruhe. Es sei ihr herzlich gegönnt. Keine Pause hatte dagegen die Train-Street, auf der die Züge nur Zentimeter an den Häusern vorbeifahren. Dank Insta nun ein absoluter Hot Spot. Aber irgendwie auch ganz gut. Man sitzt mit seinem Cocktail am Gleis, kommt mit den Ladys (sie nannten sich selbst so) von nebenan ins Plaudern und wartet, bis der Zug vorbeirattert. Dann ist alles schnell vorbei und vor allem die Reisegruppen, immer in Eile, verschwinden sofort und hinterlassen nur noch das Geflügel, welches die Reste aufpickt.

    Was uns auch sehr gefällt ist das Streetfood. Mit der Zeit fanden wir heraus, dass die kleinen Läden am Besten sind, die möglichst viele Einheimische an den niedrigen Tischen mit den Stühlchen versammeln, am unattraktivsten aussehen (Neonlicht, Plastikmöbel, mitten auf dem Weg), aber sauber in der Küche sind. So fanden wir fast immer hervorragendes und vor allem preiswertes Essen. So kann man den Tag verbringen.
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  • Tod durch dicken Mann, fast.

    February 18 in Vietnam ⋅ ☁️ 21 °C

    Die Halong Bucht hammer nich jemacht. Die macht ja jeder. Und ẃenn man sie macht, dann sollte man zwei Nächte dort bleiben. Soviel Zeit wollten wir auch nicht investieren. Also fuhren wir mit einer Gruppe nach Ninh Binh. Dort ist es ähnlich schön und nicht ganz so überlaufen. Außerdem kann man Hoa Lu sehen, die ehemalige Hauptstadt des Königreichs. Also das, was davon übrig ist, ein Tempel. Der Rest wurde mehr oder weniger wieder verwendet für die neue Hauptstadt, Hanoi. Eine kleine Radtour war auch dabei. Aber wirklich erwähnenswert war die Bootstour in Trang An mit den ikonischen Sandsteinbergen und durch die Höhlen hindurch. Wir waren tatsächlich nicht die einzigen. Wie an einer Perlenkette waren die Boote den gesamten Weg auf dem Wasser hinereinandergereiht unterwegs. Das hatte auch schon fast wieder etwas. Scheinbar war das noch recht wenig – wohl an die 1.500 bis 2.000 Boote. Normalerweise, und vor Corona war es wohl so, sind es bis zu 5.000 Boote. Es lebe der Massentourismus. Aber dieser wunderbaren Landschaft tat es erstmal keinen Abbruch. In der Gruppe machte ich die Bekanntschaft von Debra, einer Indoneserin, die aber lange in New York und nun in Kanada lebt. Sie hat sich für ein Jahr auf Reisen begeben. Nachdem sie im NY Büro der NBC jahrelang die Nachtschichten gemacht hat und verantworlich war für die News aus Europa und den Orient, kam sie an einen Punkt, dass sie sich entscheiden musste, wie es mit ihr und ihrer Gesundheit weitergehen soll. Sie entschied sich für einen Neuanfang in Kanada und machte sich mit Beratung für Marketingstrategien selbstständig. Das ist schon ein wenig der Spirit dieser Länder, sich im Leben durchaus beruflich komplett neu zu orientieren. Irgendwie bewundernswert. So zogen wir auch zusammen weiter zur Muha-Höle und erklommen den Berg darüber. Unser Guide warnte uns vor dem Herumklettern rund um den Drachen, der sich auf dem Gipfel befindet. Was sollˋs, wozu sind wir denn hier. Ein Leichtsinn, der fast böse endete. Rund um den Drachen ragten spitze, vom Regen schwarz glänzende Felsen auf. Es war glatt. Es gab nicht viel Platz. Und ich machte einem beleibten Herrn Platz. Dumm nur, dass der auch noch zusätzlich einen großen Rucksack auf hatte, den ich zuvor nicht sah. Der war also nicht mit kalkuliert, so dass ich, als der Man vor mir an der Wand entlangglitt, mehr Platz machen musste als gedacht, ins Rutschen kam und den Halt verlor. Da hinter mir nur der Abgrund war, umschlang ich refelxartig den dicken Man vor mir und hing dann, mit seinem Rucksack zwischen uns, an seinem Rücken. Während ich mich an seinem weichen Bauch festkrallte rief er „I got you! I got you!“, Deborah rief verzweifelt „Oh my god!“, und ich dachte nur „What a shit!“. Langsam glitten der dicke Man und ich aneinander vorbei, und ich erlangte wieder Halt. Und atmete tief durch. Es gibt viele Wege Tschüss zu sagen, aber so, weiß nicht. Um das zu verarbeiten, stiegen wir gleich auf den nächsten Berg hoch. Der hatte zum Glück Stufen. Deborah wollte in den kommenden Wochen auch weiter nach Europa und unter anderem eine Freundin in Paris besuchen. Ich versuchte ihr Düsseldorf schmackhaft zu machen, ist doch nur 4h mit dem Zug entfernt vom schönen Paris.

    Wieder heil zurück in Hanoi wandelten Corina und ich noch ein wenig durch die Straßen und waren auf der Suche nach was zu essen. Das fanden wir auch. Und einen Friseur. Ich hatte das zwar schon länger überlegt, aber jetzt ging ich am späten Abend doch spontan zum Haareschneiden. Der Friseur, ein junger Man, wusste nicht so recht, was er mit mir und meinen Haaren anfangen sollte, und ich hielt auch ein wenig den Atem an, wenn sich seine Schere meinem Kopf näherte. Nach 15 Minuten rasieren und schnippeln war er fertig. Wieder auf der Straße fühlte ich mich dann sehr schmutzig, nicht nur, weil mir noch abgeschnittene Haarbüschel vom Kopf fielen, sondern auch, weil mir auffiel, dass ich seit 25 Jahren immer zu Solange zum Haareschneiden gegangen bin. Am nächsten Tag beichtete ich ihr mein Fremdgehen und bekam promt einen Termin bei ihr im April. Aber alles in allem bin ich recht zufrieden mit meinen Haaren.
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  • Räuchern für Insta

    February 19 ⋅ ☀️ 35 °C

    Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug nach Quang Phu Cau, einem Räucherstäbchendorf. Also ein Ort, an dem die meisten Dorfbewohner damit beschäftigt sind, aus Bambus die allgegenwärtigen Räucherstäbchen zu produzieren. Das kann man sich anschauen und dann tolle Insta-Fotos machen, da diese Stäbchen nicht nur in allen möglichen Geschmacksrichtungen, sondern auch in den verschiedensten Farben hergestellt und ausgestellt werden. Ganz nett anzusehen. Teil der Gruppe war Caro, die wir kennenlernen durften. Sie war, wär hätte es gedacht, auf einer einjährigen Weltreise. Als Unfallchirugin hat sie ihre Schichten am Uni-Klinikum in Rostock verbracht. Und dann kam der Moment auch bei ihr, sich zu fragen, ist es das? Was geht noch? Wo? So ist sie tatsächlich seit einem halben Jahr auf der Suche, nachdem sie ihren Job gekündigt hat. Noch hat sie nicht gefunden was sie sucht. Offen wie sie ist, selbst was den Ort anbelangt, bin ich mir sicher, dass sie mit ihrem Rucksack auf dem Rücken bald zu einer Entscheidung gelangen wird. Aber vorerst entdeckten wir gemeinsam das Nachbardorf, welches sich wiederum mit der Herstellung der auch häufig anzutreffenden Kegelhüte beschäftigt. Diese durften wir auch bemalen. In der Gruppe gab es eindeutig Damen, die das nicht zum ersten Mal machten. Ich beschränket mich auf die einfache Farbblock-Anstreich-Methode. Geht schnell und kann man nix falsch machen. Das Hütchen ließ ich großzügig im Dorf. Vielleicht trägt es ja jetzt eine Katze.Read more

  • Rein in den Sleeper

    Feb 20–22 in Vietnam ⋅ ⛅ 24 °C

    Hanoi erkundeten wir weiter zu Fuß. Es gab eigentlich an jeder Ecke was zu entdecken. Nach 6 Tagen wurde die Stadt langsam auch lauter und hektischer, die Feiertage gingen so ganz langsam dem Ende entgegen. Und damit war es Zeit, die Stadt zu verlassen. Also, Kofferpacken. Das ist tatsächlich eine der lästigen Dinge des Reisens, ständig seine Klamotten immer wieder zu sortieren und zusammenzupacken. Erstaunlicherweise passt am Ende doch wieder alles in die Taschen. Den Packwürfeln sei dank. Wie ging das früher nur ohne sie? Wahrscheinlich genauso wie man sich auch ohne Goolge Maps in der Welt zurecht gefunden hat.

    Wie bestiegen einen Sleeper, der uns in die Berge in Richtung Norden bringen sollte. Das ist ein Bus, in dem jeder eine Schlaf-Koje in Fahrtrichtung hat. Sehr komfortabel. Aber zum Schlafen fand ich das eher unpraktisch, da man doch sehr hin und her rollte, wenn man sich zum Schlafen zusammenrollte. Da wir tagsüber fuhren, war Schlafen aber nicht die oberste Priorität. Nach 6 Stunden erreichten wir unser Ziel, Ha Giang. Dort checkten wir in einem Hotel mit einem Stern ein. Nun ja, wir wollten ja dort auch nur schlafen. Und ein Bett gab es. Was zu essen nicht. Also raus. Wir sollten zu einem Einkaufzentrum, da gäbe es leckeren Reis. Den fanden wir nicht, aber uns plötzlich in einer Schlange am Eingang für einen Koreanischen Hot Pot wieder. Schien der letzte Schrei zu sein, also blieben wir stehen. Am Tisch angekommen, gab es da zwar lauter Kochutensilien, jedoch keine Ahnung, was wann wie damit machen sollten. Zum Glück half uns einer der Servicekräfte, da er unseren hilfesuchenden Blick richtig deutete. Er erklärte mit Händen und Füßen und mixte uns die Brühe zurecht. Als wir so richtig in Kochlaune waren, brauchten wir Nachschub. Dieses Mal versuchte ich es mit dem Ziel, zumindest den gleichen Farbton zu treffen, dann wird es schon passen. Es passte.

    Am nächsten Tag sollte es aufˋs Motorrad. Mal sehen, wie das so passen wird.
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  • Rauf auf die heiße Kiste

    February 22 in Vietnam ⋅ ⛅ 25 °C

    Krugi steht etwas auf Kriegsfuß mit Fremdsprachen. Meist ist das kein Problem, nur manchmal entspannen sich dann solche lustigen Dialoge wie „Also wir werden dann 8 Uhr hier am Hotel abgeholt?“ „Äh, nein, also an dem Satz stimmt eigentlich nichts so richtig. Wir sollen 7h30 zum Büro der Agentur gehen.“, „Ach so.“ Gut, das taten wir dann auch. Dort verstauten wir unser Hauptgepäck, wir hatten nur das für 4 Tage dabei, dann wurden wir mit Helm, Jacke und Protektoren ausgestattet. Es sollte als Mitfahrer auf dem Motorrad auf den Ha Giang Loop gehen, also eine Rundtour durch die Berge in Richtung chinesische Grenze. Wir mussten noch warten, unsere Fahrer, auch Easy Driver genannt, waren noch damit beschäftigt, das TET mit einem morgendlichen Ritual zu Hause mit der Familie zu beenden. Nun, wir haben Zeit. So saß ich in Gedanken versunken da, als mich ein junger Typ ansprach und fragte, ob ich nervös sei. Oh je, sah man mir das so an. Ich war tatsächlich ein wenig unsicher darüber, ob meine Idee hier so gut war. Der junge Mann, ein Schwede wie aus dem Bilderbuch – groß, schlank, blond – erzählte,  dass er selbst mal gefahren sei, sein Vater das immer noch machte. Er kannte, von seinem Vater, Düsseldorf und wollte dort bei seiner Europatour auch Halt machen. Man sagte ihm, dass man mindestens zwei Nächte bleiben solle, da ein Abend mit Biertrinken geplant werden muss. Well informed! Er musste sich aber schon verabschieden, seine 3 Tages Tour begann. Corina und ich warten weiter auf unsere Driver. Und da waren sie: der eine flippig, redete wie ein Wasserfall, aber schwieriger Akzent, Winty, der andere ruhig, besonnen, nicht viel Vokabular, dafür sehr verständlich, Mai Tork. Krugi saß bei Winty auf, Mai Tork wählte mich. Gepäck verstaut, und schon ging es los.

    Was soll ich sagen? Es war einfach nur geil. Wir brausten über die Straßen, in die Berge hinein. Meine Bedenken flogen dahin und ein Grinsen in mein Gesicht. Das war eine sehr direkte Art des Reisens. Man bekam jede Temperaturänderung, jeden Geruch, jede Kurve direkt mit. Wir hielten oft, um die Aussicht zu genießen, einen Café zu trinken oder die Füße zu vertreten. Es war schon anstrengen, sowohl für die Fahrer als auch für uns, die es nicht gewohnt waren, so zu sitzen. Und sich hier und da doch ein wenig zu verkrampfen.

    So waren wir am Abend auch einigermaßen erschöpft, genossen das gemeinsame Essen zu viert und das Rumsitzen auf der Veranda. Ich glaube, das wird ein super Loop.
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  • Schreie in der Nacht

    February 23 in Vietnam ⋅ ☁️ 19 °C

    Ich glaube, ich wurde noch nie so oft in einer Nacht hintereinander durch verschiedenste Tiere geweckt. Ist ja ganz schön, so im Bergdorf, aber da kommt dann mal die klagende Katze vorbei, dann bellt ein Hund, der Hahn kräht, die Hühner gackern, die Kühe machen ihrs. Und dann war plötzlich eine Art Schreien oder auch quicken, das die Luft zerschnitt. Es ging durch Mark und Bein. Ich stand auf, um nachzusehen. Es war 5h morgens. Schräg gegenüber zerrten sie Schweine auf einen Laster. Und die schrien wirklich, anders kann ich es nicht ausdrücken. Wieder kamen Erinnerungen an meine Oma hoch. Dieses Mal die andere Oma, die auf einem großen Hof lebte. Dort wurde auch einmal im Jahr groß geschlachtet. Der Moment, wenn mit dem Bolzenschussgerät dem Schwein in den Kopf geschossen wurde, war schrecklich für mich als Kind. Besonders, wenn der erste Schuss nicht richtig traf. Und das Schwein schrie. So wie jetzt. Irgendwann habe ich mich als keiner Junge solange verkrochen, bis das Schlimmste vorbei war. Dennoch hat es mich nicht davon abgehalten, die Leberwurst und vor allem den Schinken zu lieben. Aber hier, in dieser Nacht, beschloss ich, noch mehr auf Fleisch zu verzichten, als ich es eh schon tat. Ich werde es immer lieben, aber eigentlich möchte ich auch nicht, dass dafür ein Tier für mich leiden muss. Ja, ich kenne all die Argumente, wie, der Mensch ist nun mal ein „Allesfresser“, habe ich sie doch lange selbst benutzt. Aber hey, vor ein paar tausend Jahren sind  wir mit einem primitiven Speer herumgelaufen und haben in den Teutoburger Wald gekackt, heute halten wir das iPhone 17 in der Hand. Man kann sich also weiterentwickeln. Muss man nicht, aber ich darf.

    Nach der unruhigen Nacht ging es wieder rauf auf den Bock (sagt man so, oder?). Heute gewann meine vorsichtige Seite die Oberhand, und ich verkrampfte etwas auf dem Motorrad. Waren wir gestern auch schon so schnell gefahren? Nun, das sind halt zwei meiner vielen Seiten – der „wir machen einfach mal“ und der „wir sollten das noch mal Durchdenken“ Part. Mittlerweile weiß ich, dass es ganz gut ist, beides in sich zu haben. Jedoch gewann in den letzten Jahren immer mehr der vorsichtige Teil die Oberhand. Die traumhafte Landschaft tat aber alles, um mich abzulenken und das gelang ihr auch hervorragend. Mit dem Bikes konnten wir auch die schmalsten Straßen und durch die Dörfer fahren. Erst dachte ich, dass die Dorfbewohner, so als Kulisse, ihre bunte Kleidung angezogen haben, um mit dem Wasserbüffel die Felder im Frühling zu pflügen. Nein, hier war die Zeit tatsächlich stehen geblieben. Hier war es, was wir Touris immer suchen, Authentizität. Nicht nur hier bewies unser Guide, dass er es verstand, den großen Gruppen, die hier auf, naja, eher Mopeds unterwegs waren, aus dem Weg zu gehen. Die erste gute Entscheidung war, dass wir den Loop nicht, wie die meisten, im Uhrzeigersinn, sondern anders herum befuhren. Auch bei unserem Lunchstop, einem Fluss, timte Winty es so, dass wir auf dem Bambusfloss auf dem Fluss plötzlich allein waren. Über den Fluss waren Seile gespannt, an denen die fast ausschließlich weiblichen Flößerinnen, uns den Fluss entlangzogen. Wir hatten Essen mitgenommen und wurden danach träge und müde. Es war so herrlich entspannend. Diese Mal übernachteten wir nicht im Dorf, sondern, nachdem wir den 2.000 m hohen Ma Pi Leng Pass überquerten, in der kleinen Stadt Dong Van. Tieregeräusche schienen für diese Nacht eher ausgeschlossen.
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  • Zwischen den Zeiten

    Feb 24–26 in Vietnam ⋅ ☁️ 23 °C

    Die relativ ruhige Nacht wurde durch den Wecker von Corina beendet. Ich schaute auf mein Handy – 6 Uhr. Was stimmte mit ihr nicht? Ich beschwerte mich und bekam zur Antwort, dass es bereits 7 Uhr sei. Hä? Ich lege mein Handy weg, auf die andere Seite des Bettes. Der Alarm, der 7 Uhr losgehen sollte, ging nun los. Denn plötzlich war es auf meine Handy 7:02 Uhr. Ich nahm das Handy wieder. Und es teilte mir mit, dass die Zeitzonen gewechselt hat. Jetzt befinde ich mich wieder in der indochinesischen Zeitzone, es ist 6:03 Uhr. Ich hatte also, je nachdem auf welche Seite des Bettes ich mich die Nacht über wälzte, in der chinesischen oder der vietnamesischen Zeitzone verbracht. Ob das mein Körper so einfach mitmacht? Erst mal duschen.

    Wieder fuhren wir im hohen Norden Vietnams in unmittelbarer Nähe der chinesischen Grenze entlang. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist recht angespannt. In Lung Cu konnten wir auf eine Turm klettern, der Teil eines Denkmals für den Krieg zwischen China und Vietnam von 1979 ist, der auf beiden Seiten viele Opfer forderte. An den Berghängen konnte man auf der anderen Seite des Flusstales auch mit bloßem Auge einen Zaun erkennen, den China an der Grenze vor ein paar Jahren neu errichtet. Warum? Darauf bekam ich keine Antwort – die Chinesen seien halt so, die geben keine Begründung für ihr Verhalten. Auf das Verhalten der Menschen hier hatte das aber enormen Einfluss, war es doch vor dem Zaunbau so, dass ein freiere Grenzübertritt es ermöglichte, Freunde einfach in beiden Ländern zu besuchen und abends auch mal auf ein Bier vorbei zu kommen. Das geht nun nicht mehr.

    Unsere Reise ging weiter durch eine der für mich schönsten Landschaften, die ich . Abends aßen wir wieder gemeinsam, tranken ein Bier und zwei Gläschen „Happy Water“. Wir wussten nun schon, dass dies genau die Menge war, die es bei May Tork brauchte, dass er angetrunken genug war, plötzlich einem fort zu erzählen, wenn das Englisch nicht ausreichte, dann eben mit Händen und Füßen. Irgendwie süß. Am nächsten Morgen war er dann wieder wie ausgewechselt. Auch das Wetter hatte am letzte Tag gewechselt. Es nieselte und wuchs sich zu regen aus. Aber wir waren schon längst auf dem Rückweg, also alles gut. Einen Berghang weiter war statt des Regens plötzlich Nebel. Der von der ganz dicken und blickdichten Sorte. Man konnte keine dreißig Meter weit sehen. Das war etwas unheimlich, denn plötzlich schien es, als wären May Tork und ich nur noch allein mit dem Motorrad unterwegs auf der Welt, denn auch die Geräusche schien von der weißen Masse verschluckt zu werden.

    Gegen  Mittag kamen wir wieder Ha Giang an und aßen zusammen Lunch mit unseren Fahrern und dem Agenturinhaber Mr. Vu, bevor wir wieder einen Sleeper nach Hanoi bestiegen. Das war ein sensationeller Trip gewesen. Ich kann Nordvietnam, auf welche Weise auch immer, nur empfehlen zu bereisen. Hanoi Airport war aber nun erstmal unser Ziel, ein Hotel, von dem aus man direkt auf die Landebahn schauen konnte. In der Suppenküche nebenan zeigte es sich wieder, dass es doch manchmal schwieriger als gedacht ist, in Vietnam vegetarisch zu essen. Das Wort vegatrisch brachte so rein gar nichts, also die Bestellung vereinfachen „Soup no Chicken, please.“ „No chicken?“ „Yes, please.“ „Beef?“ „No Beef“ „Ähhh“. Die Suppe, die eine Minute später kam, hatte auch all das nicht drin, aber auch nicht viel mehr….Nudeln, Sojasprossen und drei grüne Blätter Koriander. Das gute bei den vietnamesischen Nudelsuppen ist aber, dass in der Regel die Brühe der eigentliche Star ist. So auch hier. Es war lecker, machte satt und das für 60 Cent. Was will man mehr?
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  • Glücklich oder Happy?

    February 27 in Vietnam ⋅ ☁️ 26 °C

    Szenenwechsel. Wir nahmen das Flugzeug nach Da Nang. Ja, man hätte auch 16 h einen Bus nehmen können, aber obwohl wir so lange reisen, war das irgendwie nicht drin. So war dann der Wechsel auch krass, von der Bergwelt an den Strand mit türkisblauem Wasser. Aber das Unwirkliche verflog schnell. Da Nang ist eine moderne City mit einer langen Strandpromenade, an der sich die Hotelhochburgen tummeln. Krugi hatte uns für drei Tage was Nettes mit Blick auf das Südchinesische Meer gebucht. Beim Essen wechselten wir auch hin zu Meeresfrüchten und Fisch. Dazu mussten wir am Abend nicht weit laufen, also eigentlich raus aus dem Hotel und links rum wieder rein ins Getümmel. Das ist wörtlich zu nehmen. Erst dachte ich, es sei eine Markthalle – grelles Neonlicht, im Eingang ein Dutzend Bassins mit den unterschiedlichsten Meeresbewohnern, irgendjemand rief ständig was zu irgendwem, der dann aus dem  Wasser was herausfischte und abwog. Aber bei genauerem Hinsehen sah man die Tische, an denen dichtgedrängt die Gäste saßen. Ok, das wollten wir auch. Nun, nach den Krebsen auf Sri Lanka war das meine zweite kulinarische Offenbarung der Reise. Wieder so unerwartet. Wir bestellten wild aus der Karte und der Tisch wurde voll. Die überbackenen Austern mit Erdnüssen ließen mich aufstöhnen. Zum Glück war es laut genug, so dass es keiner mitbekam. Glücklich blickte ich mich um, was denn die anderen so auf den Tisch bekamen. Nicht alles konnte ich zuordnen, nicht alles schien mir essbar. Neben uns war eine Gruppe Japaner, die ihr Essen auch sichtbar genossen. Wir winkten uns fröhlich zu. Sie hatten ihren Nachtisch von außen mitgebracht. Scheinbar kein Problem hier. Und den zelebrierten sie förmlich. Es war in Durian-Frucht eingewickelte Wurst. Da ich die Frucht kannte, lief mir das Wasser nicht gerade im Mund zusammen, wie den Kollegen am Nachbartisch. Jedem sein Geschmack.

    Am nächsten Morgen hatte nicht nur die Szenerie sondern auch das Wetter gewechselt. Es regnete. Ich hielt an meinem Plan fest, am Strand joggen zu gehen. Hut auf, Handy in die wasserdichte Hülle, In-Ears rein, Musik drauf und los. Neben vielen Einheimischen, die ihren Sport machten, war ich im Moment der einzige Westler. Man grüßte sich respektvoll. Ich war nicht schnell wie der Wind, aber in windeseile naß von oben und noch mehr von unten. Es machte solchen Spaß. Ich war happy. Und je länger ich so darüber nachdachte, ich war es auch bereits zu Hause. Es brauchte aber drei Monate Abstand für mich, um das zu bemerken. Scheinbar. Mit Happy meine ich für mich nicht Glücklichsein. Ich habe aber für diesen Zustand kein passendes deutsches Wort, als eben happy. Glücklichsein – das ist für mich ein hochintensiver, meist sehr kurzer Emotionszustand. Phantastisch, wenn er da ist, aber nichts für Dauer. Aber Happy, dass kann auch mal andauern und ein Grundzustand sein. Und alles was es dazu für mich brauchte, war in der kleinen Stadt Düsseldorf – liebe Freunde, ein cooler Job, eine Wohnung in der ich gern bin und Bruno, mit dem ich bei Regen joggen kann. Ein Platz eben, an den ich jederzeit zurückkommen kann. Und will! Mit diesen Gedanken ging es erstmal unter die Dusche.

    Einen Großteil des Tages verbrauchten wir faul auf der Couch. Muss auch mal sein. Der Regen hielt sich nicht an die Vorhersage und fiel auch am Nachmittag vom Himmel. Dennoch fuhren wir am Nachmittag nach Hoi An, der Laternenstadt. Eine so ganz andere Atmosphäre,  fast ein wenig zu kitschig. Aber irgendwie eben auch schön. Bei den Touristen konnte man genau sehen, wer den Regen jetzt total Scheiße fand, und wer eben nicht. Als ein älteres Paar bei uns am Café vorbeilief, sie vorneweg mit einem riesigen Schirm, unter den 4 Personen bequem Platz gefunden hätten und er, trottend hinterher, ohne jeden Schutz vor dem Regen, musste ich mich wieder ermahnen, nicht irgendwelche Schlüsse über den Zustand der Beziehung zu ziehen. Vielleicht liebt er ja die Tropfen auf seiner Glatze. Es fiel mir schwer das zu glauben.

    Gegen 6 hörte es plötzlich sowohl auf zu regnen, als auch Massen an Touristen zu geben. Sie mussten wohl zum Dinner im Hotel sein. Das gab Hoi An die Chance im wahrsten Sinne zu glänzen, mit all seinen bunten Laternen, die sich auf den nassen Straßen spiegelten.
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  • Alles nochmal, aber anders

    February 28 in Vietnam ⋅ ☀️ 27 °C

    Für den nächsten Tag hatte ich, da es im Norden Vietnams so wunderbar auf den Bikes war, nochmal eine Tagestour mit den EasyRidersVietnam gebucht. Ich wusste, dass das Büro in Ha Giang mit einem Umzug beschäftigt war und somit auch der Chef sicherlich gut eingespannt war. Aber ich musste mich sehr in Geduld üben, wieder mal. Glaube, bei jeder anderen Company hatte ich, nach fast zwei Tagen, wenn die Bestätigung und Details nicht bis 17 h gekommen wären für den nächsten Tag einfach abgesagt. Aber ich vertraute mal. Und siehe da, 17h30 war alles geritzt und die Riders standen am nächsten Morgen vor unserem Hotel, um uns hinten aufsitzen zu lassen. Dieses Mal hatte ich den wilderen Rider und Krugi den ruhigeren Älteren. Auf ging´s erst mal in die Marbel Mountains. Hier wurde tatsächlich mal Marmor abgebaut. Aber seit langer Zeit sind diese Berge, 5 an der Zahl und jeder repräsentiert eines der Elemente, heilig und die Höhlen und Berggipfel mit Tempeln bebaut. Da wir so gar Nichts erwartet hatten dank intensiver Nichtvorbereitung, waren wir recht überrascht. Zwischenzeitlich verlor ich Krugi aus den Augen, sie war in einer Schar kleiner, ebenfalls gelb gekleideter Kinder verschwunden. Der Hai Van Pass, den wir dann überquerten war weniger spektakulär für uns, aber die Straße lag fantastisch an der Küstenlinie entlang. Nach einem erfrischendem Bad im Elephant Springs Waterfall ging es an den Strand zum Lunch. Der Perfektheit (gibt es das Wort?) wurde je gestört, als ein Asiate (ein Gast?) an den Strand ging, kurz vor der Wasserlinie auf Höhe aller auf der Terrasse sitzenden Gäste halt machte und….ja, er öffnete seine Hose und pinkelte ins Meer. Nebenan spielten zwei Jungs im Wasser. Alles wieder verstaut drehte er sich um, blickte zufrieden und erleichtert und ging zurück. Der Strand hatte nicht mehr diese Unberührtheit wie vorher. Ich versuchte mich auf den Himmel zu konzentrieren. Auf dem Rückweg knalle es einmal laut bei meinem Motorrad. Das hörte sich gar nicht gesund an und der Rider lies das Bike an den Straßenrand auslaufen. Die Kette war abgesprungen. Sie wurde kurzerhand wieder eingespannt und weiter ging es. Mit halber Kraft. Also wurde an einer Werkstatt angehalten. Keine 10 Minuten später düsten wir mit vollem Speed schon wieder weiter. Letzter Stopp in ein Café, das ich nie ausgesucht hätte, wo es den besten Café der letzten Tage gab.

    Zurück in Da Nang blieben wir bei Altbewährtem und gingen nochmal in der Seafood Restaurant nebenan. Dieses mal sollte es Hotpot sein. Trotz oberflächlichem Durcheinander lief hier alles seinen Gang, und so bemerkte die aufmerksame Bedingung unser hilfloses Rumgestocher im Topf und eilte zu Hilfe. Das war auch gut so. Allein bei dem Grünzeug hätten wir die Blätter abgezupft und die Stängel weggeschmissen. Man machte es genau andersrum. Alles nochmal und doch ganz anders. Die öffentliche Disco von gestern, die auch heute geöffnet hatte, ließen wir aus, trotz Gogo Girls in heißen Lackstiefeln links liegen. Wir fühlten uns heute nicht mehr in der Lage, heiße Moves zu erzeugen. Morgen sollte es wieder in den Flieger weiter in Richtung Süden Vietnams gehen.
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  • Neue Schlüpfer aus Saigon

    Mar 1–3 in Vietnam ⋅ ⛅ 32 °C

    Saigon, Ho Chi Minh City oder doch lieber Saigon? Je nach dem in welchem Teil Vietnams man diese Frage stellt, wird man eine andere Antwort bekommen. Und um diese Antwort zu verstehen, ist es gut, ein wenig tiefer in die Geschichte dieses Landes einzutauchen. Da ich hier niemanden mit Lehrstunden langweilen möchte, was bei Wiki eh besser nachzulesen ist, hier nur die Antwort: Wir waren nun in Ho Chi Minh Citiy angekommen, wo es besser war, von Saigon zu sprechen. Hört sich auch viel besser an. Eine lebhafte Großstadt, das Zentrum des Südens und die Finanzkapitale des Landes. Ich hatte uns in einem der Hochhäuser einquartiert mit einem guten Blick über die Stadt. Aber um sie kennen zu lernen mussten wir auf jeden Fall wieder runter und raus in die Hitze. Die war gewöhnungsbedürftig. Für den Abend hatten wir eine Food-Tour geplant. Für mich gibt es kaum eine bessere Art, eine neue Stadt zu erkunden. Aus drei Gründen: 1. Man kommt in Ecken und erfährt Dinge, die selbst eine Stadttour auslässt. 2. Man geht in „Restaurants“ und Ecken, in die ich mich nie getraut hätte. Und weiß so, wo man die Tage noch mal hinkann. Und 3. Es bietet eine hohe Chance, recht interessante Leute kennen zu lernen. Wir wurden von unserer Guide-in abgeholt. Sie eröffnete uns, dass wir jetzt erstmal ein Taxi rufen, um zu den anderen zu gelangen. Es seien heute drei Guides unterwegs. Drei? Ja, die Gruppe sei sehr groß. Oh je. Als wir dann ankamen, bestand die Gruppe aus 5 weiteren Mitessern und eben den drei Guides. Das fing gut an. Und wurde immer besser. Es waren zwei Franzosen und eine Manilerin, die für eine Firma in Singapore arbeiten und Work-Nomaden waren und ein Paar aus Australien. Eine lustige Mischung, die durch die sehr unterhaltsamen Guides noch angenehmer wurde. So liefen wir durch den abends noch chaotischeren Verkehr und gaben uns den Köstlichkeiten hin. Nach dem Überqueren einer großen Straße kam ein Guide auf mich zu und bemerkte, dass ich doch so entspannt sei bei dem Chaos auf der Straße, ich wirke wie ein Local. Yeeessss, ich bin in Kathmandu auch durch eine echt harte Schule gegangen.

    Den nächsten Tag stürzten wir uns wieder in die Hitze, um die Stadt weiter zu erkunden. Es war nun schon unsere dritte Großstadt in Vietnam. Und ja, sie hatten natürlich alle ihre Eigenheiten, aber so richtig anders oder schön würde ich keine bezeichnen, aber spannend, im positiven Sinn interessant auf jeden Fall. Und man bekommt alles, was man braucht und nicht braucht. So auch  Schlüpfer. Meine hatten Löcher. Ja, will keiner hören, aber das gehört zum langen Reisen dazu. Also auf in das Marktgetümmel. Ein paar Bunte von „Calvin Klein“ erregten meine Aufmerksamkeit. Ich erregte den Verkaufsmodus der Standbesitzern und schon wurde gefeilscht. Ist ja meine absolute „Lieblingsbeschäftigung“. Was soll´s, will ja niemanden beleidigen und auch nicht das Doppelte bezahlen. Als ich an der Qualität rummäkelte, wurden mir noch andere Teile präsentiert. Die gab es aber nicht in ausreichender Quantität. Aber hier gibt es ja für alles eine Lösung. Die Schwester wurde gerufen. Sie würde noch welche besorgen, dauert nicht lang. Aha, wo geht sie denn hin? Oben an der Ecke, in den CK-Flag Ship Store? Wir wurden uns handelseinig. Und sobald das Geschäft in Sack und Tüten war, die Schlüpfer ja noch nicht, wandelte sich die harte Geschäftsfrau augenblicklich in die nette Dame von nebenan. So plauderten wir bis zur Rückkehr der Schwester über Vietnam, Deutschland, das Wetter und sonstiges. Eigentlich ja ganz schön, aber manchmal will ich auch einfach nur Unterhosen zum Festpreis kaufen. Auf dem Rückweg gönnten wir uns noch Schneeflockeneis, eine Empfehlung der Food-Toor. Das war ein riesiger Becher voll mit geraspelten Eis, das wie Schneeflocken aussah. Ich löffelte stundenlang und genoss die Schmelze und hatte zum ersten mal Gefrierbrand im Kopf.
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  • Nicht schon wieder Hunde!

    March 3 in Vietnam ⋅ ⛅ 34 °C

    Heute wollten wir Geschichte etwas hautnaher erleben. Dazu begaben wir uns mit einer kleinen Truppe zu den Ben Duoc Tunneln in Cu Chi. Dies ist ein Teil der über 250 km langen Tunnelanlagen, die von den Viet Cong gebaut wurden, um darin zu leben und von dort aus gegen die US Armee im Vietnam Krieg, der 20 Jahre in dem Land tobte, zu kämpfen. Ein kleiner Teil der Höhlen ist für Touristen zugänglich. Es sind auch die eher „breiten“ Gänge, die man besichtigen kann. Eigentlich ist alles nur halb zu groß. Aber allein schon diese Gänge erzeugen, wenn man darin war, ein sehr beklemmendes Gefühl. Die Vorstellung, hier über Jahre zu leben, ging über meine Vorstellung hinaus. Wie so oft, wenn Mangel herrscht, wird der Mensch sehr erfinderisch. So wurden all die Materialen, die von den USA zurückgelassen bzw. erbeutet wurden, verwendet. Aus den Hüllen der Bomben wurden Hämmer und Äxte gebaut, um die Höhlen zu erweitern, aus den Reifen der Militärfahrzeuge wurde Schuhe und andere Dinge fabriziert. Ebenso erfinderisch waren der Viet Kong bei der Errichtung von Menschenfallen. Aber das US Militär zog nach und entwickelte wiederum geeignete Gegenmaßnahmen. Ein tödliche Spirale ohne Ende. So waren die Eingänge zu den Tunnelsystem der Viet Cong kaum zu sehen. Aber Hunde konnten die Menschen riechen und machten schnell die kleinen Löcher in der Erdoberfläche aus, oder die Belüftungssysteme mit den Bambusröhren, die an der Oberfläche durch Termitenhügel verdeckt waren. Dagegen gingen der Viet Cong wiederum mit Chillipulver vor, welches die Hunde außer Gefecht setzte. Es war ein Krieg mit hohen Verlusten auf allen Seiten. Die USA brachten 5.000 Hunde über die Jahre nach Vietnam. Zurück kamen davon nur 300.

    Ja, ich weiß, es nervt schon, immer wieder Hunde und Bruno. Aber oft fange ich gar nicht davon an. Ich werde geradezu gezwungen, darüber zu reden. Bsp.: Der Guide sprach weiter von Hunden. Er erläuterte, dass sie auch genutzt wurden, Giftiges von Essbaren zu unterscheiden. So bei Pilzen, wenn die Hunde sie nicht anrührten, Finge weg. Ich sagte nichts. Dann ergänzte er noch, dass Huskys dazu nicht geeignet seien, da sie alles fressen würden, was man ihnen vorsetzt. Ich sagte weiterhin nichts! Es entspannte sich eine Diskussion über Huskys und ihr Essverhalten. Ich hielt tapfer meinen Mund. Das Gespräch ging weiter darüber, wie sich Huskys verhalten und was sie ausmacht. Sorry, aber ich konnte nicht mehr. Ich schien der Einzige zu sein, der aus erster Hand was dazu beisteuern konnte und das tat ich dann auch. Was sollˋs, er ist nun mal Teil meines Lebens. Auch hier im vietnamesischen Dschungel.

    Neben mir im Bus saß, „zufällig“ wie das eben so ist, Céline aus Nizza. Sie war mittlerweile mit ihrem Mann nach Thailand gezogen. Der saß im Hotel und musste arbeiten. Céline hatte etliche Jahre in Frankreich und Berlin für TEC-Companys gearbeitet. Anfangs machten ihr die 12h Tage Spaß, doch irgendwann begann sie sich zu verändern und durch Anstöße von außen merkte sie, dass sie kurz davor war, zusammen zu brechen. In einem 4 jährigen Prozess war sie dann auf der Suche nach einer neuen, für sie passenden Art des Lebens. Manches funktionierte, manches nicht. Jetzt war sie happy, bildete sich in Psychologie weiter und hilft nun anderen professionell mit den richtigen Fragen andere auf ihren Weg zu begleiten. Wir wechselten auch kurz auf Französisch, da mein Gehirn nicht so dafür geeignet ist, zwischen den Sprachen zu springen, ging es schnell zum Englisch zurück. Immerhin lies sich Céline dazu hinreisen, zu behaupten, sie hätte fast keinen Akzent bei mir bemerkt. Ok, Céline, die nächste Flasche Wasser geht auf mich.
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  • 45 Minuten Business Clas

    March 4 in Vietnam ⋅ ⛅ 32 °C

    Am nächsten Tag ging am Nachmittag unser Flug nach Kambodscha. Was bis dahin machen? Also buchte ich uns einen kleinen Café Workshop, schnappten uns unser Gepäck und fuhren durch die halbe Stadt dorthin. Es war ein von Frauen geführtes Café und ein sehr informativer Workshop, aber ich fühlte mich leicht gestresst. Ich bin mir fast sicher, dass es daran lag, dass die Inhaberin, die den Workshop nur für uns beide veranstalte, eine Ausstrahlung wie Fräulein Rottenmeier von Heidi hatte. Äußerst streng, und es wurde nicht erklärt, es wurden Fragen gestellt: Wieviele Cafésorten gibt es? An welcher Stelle der Exportländer steht Vietnam? Was ist der Unterschied zwischen Arabica und Robusta? Wie schmeckt der Café? Ähhhh – strong?! Strong ist kein Geschmack, das musst du runterbrechen, wo schmeckst du es? Am Gaumen, an der Seite der Zunge, der Spitze? Süß? Sauer? Bitter? Ähhhh, Krugi, sag doch auch mal was! Nur wenn wir mit der Kanne fast genau die einzugießende Menge an Wasser mililitergenau trafen, klatschte sie fröhlich in die Hände und lachte. Wir lernten viel, aber zu welchem emotionalen Preis? Wir schauten uns danach noch eine rosafarbene Kirche, die jedoch geschlossen war. In einem Park Ruhe suchend, worden wir von immer mehr Mäusen umzingelt und suchten das Weite und führen zum Flughafen.

    Da in der Economy nichts mehr zu haben war und, warum auch immer, die Business Class billiger war als Economy Plus, hatte ich BC gebucht. Wie dekadent. Aber ehrlich gesagt, genossen wir die Lounge am Flughafen sehr, hatten wir doch noch drei Stunden Zeit und außer einem Joghurt am Morgen heute noch nichts gegessen. Unwohl fühlte ich mich dann eher bei dem darauf folgendem Prozedere. Merkwürdigerweise waren wir die einzigen Passagiere in der BC, auch in Economy Plus saß niemand. So drängten sich, natürlich erst nachdem wir aus unseren eigenen Minibus gestiegen waren, alle anderen 180 Passagiere in drei Viertel des Flugzeuges, während wir allein im vorderen Viertel waren. Das ständige Vorhänge auf und zu Geschiebe zwischen den Klassen kennt man ja. Aber da der Flug nur ganze 45 Minuten ging, und damit alles schneller und fast hintereinander über die Bühne gebracht werden musste, wirkte es wir ein albernes Kasperletheater. Na ja, so bin ich nun auch mal BC geflogen. Für mehr als 45 Minuten muss ich dann mal sparen. In der kurzen Flugzeit kreuzten wir die schönsten Wolkenformationen, was allerdings zur Folge hatte, dass es auch die tiefsten Fluglöcher zu überspringen gab.

    Kambodscha überrascht mich dann doch sehr. Irgendwie hatte ich ein Dritte-Welt-Land im Kopf und war über den modernen Flughafen und die entspannten Prozesse überrascht. Hatten wir doch in Saigon extra noch einen Kopiershop gesucht, um die Visa auszudrucken, was überall dringend empfohlen wurde. Der Grenzbeamte scannte nur kurz den Code und gab es mir zurück. Kein Stempel im Pass, keiner auf dem Visa. Ich traute mich nicht, eine Diskussion anzufangen. Ich vermutete, dass der Beamte kein Anfänger war und wusste, was er tat. Und siehe da, die Einreise erfolge komplett digital, der „Stempel“ kam via eMail am Abend. Nach Siem Riep musste man eine Weile fahren und das im modernsten E-Auto, in dem ich je saß auf einer Straße, wie sie nicht mal in Deutschland aussieht, nachdem man sie nach 4 Jahren Bauzeit endlich eröffnet hat. Und mein Handy zeigte 5G an, im Nirgenwo. Hm. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass wir uns hier in einer touristischen Hochburg des Landes befanden. Auf dem Land sieht es schon wieder etwas anders aus (nicht der Internetempfang!), wie wir die Tage noch feststellen sollten. Und China investiert hier eine Menge Geld. Das bestätigte auch wieder meine Eindruck, dass weite Teile Asiens zwischen den Mächten Indien und China bereits aufgeteilt sind und durch wirtschaftliche Einflussnahme erpressbar gemacht werden. Aber für heute war es genug. Morgen sollte es 5h morgens schon weiter gehen.
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    Trip end
    March 4, 2026