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    Mar 13–14 in Vietnam ⋅ ⛅ 33 °C

    Für unsere letzte Exkursion nutzten wir gleich zwei verschiedene Transportmittel. Mit dem Sampans, einem langen, schmalen Boot aus einem Baumstamm, glitten wir durch die Kanäle in den Mangroven. Hier gab es jede Menge wild wachsende Wasser-Kokosnusspflanzen. Bei den toll aussehenden Nüssen wäre jedem Innendekorateur das Herz aufgegangen. Zwischen den Kanälen wurden alle möglichen Früchte angebaut, Mit dem Xe Lam, einer Art langem Tuk Tuk, fuhren wir ins Dorf hinein, wo aus klassischen Kokosnüssen Süßigkeiten hergestellt werden. Verboten gut. Drauf muss man erstmal einen Kobra-Schnaps trinken. Also Hochprozentiges, in dem eine Kobra und andere Schlangen eingelegt sind. Ob es nach Kobra schmeckte? Keine Ahnung, habe keinen Vergleich. Schmeckte wie milder Reisschnaps. Auf dem Rückweg wirde ich fast noch mein Handy los. Ich hatte "aus Versehen" eine Gruppe von Vietnamesen beim Glücksspiel fotografiert. Wer sollte denn Ahnen, dass das nun ausgerechnet illegal sein soll. Ich versprach nichts bei Insta zu posten. Von FindPenguins hat niemand gesprochen.

    Am Abend kamen wir nach 733 km des Kreuzens in den Gewässern des Mekongs und seiner Nebenflüsse in Kambodscha und Vietnam mit unsrem Schiff in Saigon an. Für uns das zweite Mal, aber sich der Stadt von der Wasserseite aus zu nähern ist deutlich beeindruckender als vom Flughafen aus. So war der Abend dem farewell gewidmet, hieß es doch von Crew und Passagieren Abschied zu nehmen. Passend dazu regnete es in Strömen, so dass wir uns alle in die Bar verzogen. Am nächsten Morgen stand leider kein Thai Chi auf dem offiziellen Programm. Das wollten Krugi, Elonor und Joyce so nicht hinnehmen. Also organisierten wir uns selbst. Unter Assistenz von Krugi leitete ich kurzerhand den Kurs. So kam es, dass ich somit nicht nur Deutschkurse in Kathmandu, sondern auch Thai Chi bei aufgehender Sonne in Saigon unterrichtete. Was man nicht so alles macht.

    Nach dem Frühstück ließen wir uns vom Pier zu einer Gepäckaufbewahrung in der Innenstadt bringen. Wir hatten noch bis zum späten Nachmittag Zeit und leider kein Zutrittsrecht mehr zu irgendeiner Longe. Das Taxi war weg, die Gepäckaufbewahrung nicht da. Nach einigem hin und her entschlossen wir uns, in einem Minihotel nachzufragen. Das war die Gepäckaufbewahrung. Nachdem wir gegangen waren, fragte ich mich aber doch, ob wir jetzt auch noch für die Entwendung unserer Sachen Geld bezahlt hatten? Wir werden sehen. Wir wollten noch mal zu dem alten Postamt, das wir beim letzten Mal nur von außen gesehen hatten. Nach wenigen Schritten stolperte ich schon über Unebenheiten. Niemand hatte mir gesagt, ich solle aufpassen. Nach knapp 500 m waren wir beide völlig erschöpft. Niemand hatte uns zuvor informiert, wie weit und wohin wir zu laufen hatten. Das Leben an Bord eines Schiffes kann einen ganz schön verändern. Wir schafften es bis zum Postamt. Dort mussten wir uns aber tatsächlich erstmal hinsetzen. Es war unglaublich heiß und schwül. Und es gefiel uns, hier zu sitzen. Es war kühl und für reichlich Unterhaltung wurde gesorgt. Es war schwer was los – Scharen von Touristen kamen herein und schwenkten synchron auf Kommando, das  durch den Knopf in ihren Ohren in eben jene gelangte, ihre Köpfe oder den ganzen Körper in die jeweils gleiche Richtung. Plötzlich stand ein jugendlicher Vietnamese vor mir, der noch von zwei Freunden begleitet wurde. Er fragte mich aus dem Nichts heraus, ob er mir Fragen zur künstlichen Intelligenz stellen darf. Äh, ja, hä, wozu willst du das machen? Gegenfragen waren nicht erlaubt, er schoss bereits seine erste Frage in meine Richtung und hielt mir sein Mobil hin, mit dem er alles aufnahm. Etwas verunsichert und beeindruckt durch seinen enormen Schweißfluss am Kopf antwortete ich und wiederholte meine Frage. Aha, Zahn um Zahn, dieses Mal antwortete er. Er mache eine Umfrage für die Abschlussarbeit in seiner Schule. Ach so. Ich beantworte noch 4, 5 weitere Fragen. Dann ein Danke, und das Mädel aus der Truppe sagte, sie habe noch was für mich. Aha. Sie holte aus einer Tüte eine gehäkelte Melonenscheibe als Schlüsselanhänger hervor und überreichte sie mir. Sie gingen, und ich sah verwundet diesem Trio hinterher, von dem einer eine schleimige Spur hinter sich herzog.

    Mit meinem Melonenstück am Rucksack zogen wir weiter zu einem Park. Schlechte Wahl. Gefolgt von einem letzten Café-Stopp mit Egg Coffee. Sehr gute Wahl. Unser Gepäck war auch noch da und das Taxi zum Flughafen, das zweite Mal, wartete bereits. Auf nach Taipeh.
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