Blick zurück in die Zukunft
March 5 in Cambodia ⋅ ⛅ 32 °C
Eine Bucket List habe ich nicht. Hätte ich eine, dann stände neben den Pyramiden von Kairo mit Sicherheit auch Angkor Wat darauf. Nun war es soweit. In aller Frühe, 5 Uhr morgens ging es los. Der Sonnenaufgang über der Tempelanlage lockte. Aber eigentlich war der nicht so spektakulär, das vermeiden der großen Nachmittagshitze war da schon ein viel besserer Grund. Unser Guide und ein Tuck-Tuck standen bereit. Wir setzten uns an den Wassergraben vor Angkor Wat. Hinter uns ging der beinahe volle Mond langsam unter. Und unser Guide kam langsam in Fahrt. Er begann plötzlich ohne Unterlass zu reden – von seiner Familie, seinen Erlebnissen mit seinem Bruder, das Verhältnis zur Familie mit dem Älterwerden, Familie an sich – er hörte überhaupt nicht mehr auf. Junge, es war 5h30 morgens, ich hatte weder Frühstück noch Café gehabt, dafür meine Kopfhörer in den Ohren. Ich wollte nicht unhöflich sein, also nahm ich sie wieder raus. Kurz bevor die Sonne aufgehen sollte stand er auf und erklärte, dass wir jetzt über die Brücke in die Tempelanlage hinein gehen. Aha, und worauf haben wir die ganze Zeit hier gewartet? Aber gut. So waren wir die Einzigen, die aufbrachen unter den fragenden Gesichtern der übrigen Touristen, die sich über unseren Platz in der ersten Reihe freuten. Dafür waren wir allein auf der Brück und gingen durch das Tor in die beeindruckende Tempelanlage. Es war noch ein ganzes Stück zu gehen bis zum eigentlichen Tempel und siehe da, als wir ihn erreichten, ging daneben die rote Sonne auf. Wir hatten eine Profi an unserer Seite. Der höchste Turm in der Mitte ist knapp 60 m hoch, oder in der alten Maßeinheit – 108 Ellen. Der aufmerksame Leser dieser Kolumne hier weiß natürlich, was das bedeutet (falls nicht, ist das im Teil „Buthan“ äußerst informativ nachzulesen).
Angkor Wat macht vor allem durch seine schiere Größe der Anlage und die ikonischen Formen seiner Türme was her. Aber ehrlicherweise haben mich die Tempel, die wir danach besichtigt haben, noch mehr beeindruckt. Zwei standen noch auf dem Programm. Da wir ja quasi privat waren, lud uns unser Guide ein, jeden Tempel, den wir sehen wollten, zu besichtigen. Es wurde nur einer – die aufkeimende Hitze und die Größe der Anlagen lies nicht mehr zu. Dafür war es einer, bei dem man die Stufen, die hier besonders steil waren, noch hochklettern durfte. Wobei Stufen nicht ganz korrekt ist. Es waren unterschiedlich große Steinblöcke. Der Schweiß lief in Strömen, so schnell konnte ich das Wasser durch den Mund gar nicht mehr nachfüllen. Ein weiterer Tempel, der Ta Prohm, beeindruckt vor allem durch die mit den Bäumen verschlungenen Ruinen und wurde durch den Film Tomb Raider sehr bekannt. Der letzte Tempel war Bayon, dessen Besonderheiten seine kompakte Bauweise und die gut 200 lächelnden Gesichter auf den Türmen sind. Hier ist man sich nicht ganz sicher, ob sie das Gesicht des Erbauers des Tempels darstellten. Das war König Nummer 7. Da die Könige der Khmerzeit alle irgendwie ähnlich klingende und komplizierte Namen hatten, wurden sie einfach durchnummeriert. Die Idee hätte von mir stammen können. Von König Nummer 7 stammt aber, dass er zwar einen buddhistischen Tempel baute, diesen aber zum einen für alle, nicht nur für sich, öffnete und zum anderen jede Religion dort existieren durfte. König Nummer 7 hatte lange und sehr erfolgreich Krieg geführt zur Verteidigung seines Landes und war es leid, dass sein Volk zu leiden hatte. So sicherte er sein Königreich, gab seinem Volk maximale Freiheiten bei der Gestaltung ihres Lebens, baute Hospitale für alle und Unterkünfte für Pilger und stabilisierte das Reich mit seinen Ideen. Und das bereits vor 800 Jahren. Wo genau stehen wir jetzt so in der Welt? Ich gehe ja davon aus, dass wir uns in Loops nach vorn und wieder zurück und Ende etwas nach vorn bewegen. Glaube, die vordere Kurve des Loops wurde kürzlich überschritten. Ein Blick in die Geschichte könnte manchmal helfen.
Nun, wir ruhten uns am Nachmittag erstmal am Hotelpool aus von soviel Historie und Architektur, gingen auf dem Nachtmarkt und waren vor dem heftigen Regenschauer, der es in Bindfäden regnen lies, wieder zurück.Read more
Richtungswechsel
March 6 in Cambodia ⋅ 🌙 28 °C
Von dem Regen war am nächsten Vormittag, als wir zum Angkor National Museum liefen, nicht mehr viel zu sehen. Wir kamen an der königlichen Residenz vorbei, die direkt hinter unserem Hotel lag. Viel war aber nicht sichtbar. Das Museum besuchten wir aus zwei Gründen, einmal gab es dort quasi das Interieur von Angkor Wat und den anderen Tempelanlagen zu sehen, also das, was nicht gestohlen oder zerstört worden war über all die Jahrhunderte. Und zum anderen war es dort kühl. Beides enttäuschte nicht.
An Nachmittag begaben wir uns auf einen Ausflug zum größten Binnensee Südost-Asiens, dem Tonlé Sap. Dort war das Ziel ein schwimmendes Dorf. Nun, von dem schwimmenden Dorf war nicht mehr viel übrig. Es war eher ein Dorf auf Stelzen. Das Leben auf einem Hausboot ist auf Dauer nicht so richtig cool und die kambodschanische Regierung versucht die Bewohner auch mit allen Mitteln an Land zu bekommen. Das Stelzendorf war mindestens genauso interessant. Der Tonlé Sap wird von einem Fluss durchquert, dem, na?, richtig, dem Tonlé Sap. Dies ist weltweit der einzige Fluss, der zweimal im Jahr seine Fließrichtung ändert. Wieder was für die Millionenfage bei Jauch. Mit Beginn der Regenzeit füllt sich der Mekong, in welchen der Tonlé Sap mündet, dermaßen mit Wasser, dass dieses so sehr gegen den kleineren Tonlé drückt, dass dieser aufgibt und seine Fließrichtung hin zum See ändert. Dadurch füllt sich dieser und wächst auf eine 5 bis 8 mal so große Fläche an. An den Rändern steigt das Wasser um mehr als 5 m. Ein guter Grund, um entweder ein flooting house zu haben oder eben eines auf Stelzen. Ein paar einzelne Häuser schwammen noch auf dem See, der selbst in der Trockenzeit wie ein Meer wirkt und die Häuser einsam darauf verschwinden. Wir machten bei einem schwimmenden Bar-Haus halt, um bei einem kühlen Bier den Sonnenuntergang zu genießen. So zumindest der Plan. Auch heute gab es phantastische Wolkenspiele am Himmel. Aber auch die hatten wieder ihren Preis. Plötzlich wurden der Käptˋn und der Guide unseres Schiffes sehr nervös, und alles musste schnell gehen. Kein Bier mehr, rauf auf ˋs Schiff und möglichst schnell runter vom See. Da die Boote hier alle keinen starken Motor hatten, wären wir bei dem Sturm, der sich gerade ankündigte, aufgeschmissen. In all der Eile landeten wir erstmal auf der nächsten Sandbank und hingen fest. Zum Glück nicht lange. Alles lief gut und vor dem nächtlichen Regen waren wir wieder in Siem Riep. Dort aßen wir wieder in einem Street Food Lokal, bei dem die Besonderheit war, dass man in die Kochtöpfe gucken musste. Das war die Speisekarte. Also keine falsche Scheu, auf die Deckel und auf das zeigen, was einem gefiel. Lecker.Read more
Poirot braucht nicht zu ermitteln
March 7 in Cambodia ⋅ ⛅ 33 °C
Die kommenden acht Tage werden wir mit dem Boot auf dem Mekong herumschippern. Naja, Boot ist etwas untertrieben. Es ist schon ein recht gut ausgestattetes Schiff. Ich hatte ein wenig im Internet herumgeschaut und bin mit einer vietnamesichen Reiseagentur, der scheinbar größten im Land, in Kontakt getreten. Und auch hier kann, muss, man wohl feilschen. Preise waren nur ca. auf der Seite angegeben, also fragte ich nach einem konkreten Preis. Der war soweit außerhalb meiner Preisklasse, dass ich nicht mal antwortete. Die Dame von der Agentur lies nicht locker. Also gab es eine Absage. Dann die Frage, was ich bereit sei zu zahlen…. Ja, was weiß denn ich. Ich nannte einen Preis, und die Bereitschaft, auch von Siem Riep zurück nach Saigon zu fahren, in der Hoffnung, dass dies die am wenigsten bevorzugte Richtung ist. Nach einigem Hin- und Her hatten wir eine Kabine auf der RV. Bassic der Panadw Flotte. Das würde 8 Tage sich um Nichts kümmern müssen bedeuten. Einfach den Zeitplan folgen. Und der war taff, das kann ich sagen! 9h am Treffen an einem Hotel zur Abfahrt an die Anlegestelle. Wir waren natürlich pünktlich 8h58 beim Einschreiben in die Liste. Ich scherzte noch, wer auf der Liste wir wohl sein könnte. Das war nicht so schwierig, alle anderen Passagiere waren schon da. Wie, auch alles Deutsche? Nein, wir waren einfach zu späte, eine ganze halbe Stunde. Man hatte vergessen, uns zu informieren. Wie schön, so gibt man seinen Einstand. Egal.
Das Schiff ist für 56 Passagiere ausgelegt und meine Rechnung, flussabwärts zu reisen, ging voll auf, wir waren mit uns beiden ganze 14 Leute an Bord. Das bedeutet auch ein Crew-/Passagierverhältnis von zwei zu eins. Ich sollte den Vorzug einer solch kleinen Gruppe noch sehr zu schätzen lernen. Was dauerhaft eine Herausforderung darstellte, war weniger, dass die Hälfte der Mitreisenden über 70 war, sondern vielmehr, dass ausnahmslos alle nativ english speaker waren. Und mit Akzenten quer from the world: zwei Australier, 6 Amis aus allen Himmelsrichtungen, 2 Schottinnen und ein Paar nördlich von London. Irgendwann, also eigentlich nach 3 Minuten, nahm keiner mehr Rücksicht auf die german people und redete drauflos. Später gestand mir eine der Schottinnen, dass sie die anderen, vor allem die aus den USA, auch nicht immer verstehen würde. Das beruhigte etwas.
Ich liebe dieses Schiff, es ist so herrlich altbacken mit dem vielen dunklen Holz und gleichzeitig mit allem ausgestattet. Überall, außer im Dining-Room, kann ich barfuß herumtapsen und tragen was ich will. Und vor allem ist es ruhig. Es brauchte etwas, sich dem Modus der Gruppe anzupassen, alles ging langsamer, war bis ins Kleinste organisiert und nicht wirklich flexibel Aber das war eingepreist, als ich buchte. So gab ich mich dem Fluß der Dinge und dem Mekong hin und begann es zu genießen. Die einzigen Entscheidungen, die es täglich zu treffen galt, welches Hauptgericht für Lunch und Dinner gewünscht wird. Ach ja, und ob es ein zweiter Cocktail sein sollte. Nun, das muss einfach auch mal sein. Am zweiten Tag hatte ich sogar das Feeling, als sei ich mit Hercule Poirot zusammen im „Tod auf dem Nil“ unterwegs – eine illustre Gesellschaft auf einem gediegenen Schiff, ein wenig Luxus, exotische Umgebung, ein geheimnisvoller Gast sollte auch noch für drei Tage an Bord auftauchen. Ich hätte es nur natürlich gefunden, am nächsten Morgen durch einen schrillen Schrei einer Frau geweckt zu werden, weil sie gerade eine Leiche entdeckt hatte. Dazu kam es zum Glück nicht. Es gab auch so genug zu tun.Read more
Wer ist denn dieser Merz?
March 8 in Cambodia ⋅ ☀️ 34 °C
Tai Chi bei Sonnenaufgang, das sollte es sein. Also früh den Wecker gestellt, aufgestanden, Sportsachen an, rauf aufˋs Deck, einen Café gezogen, der Tote erweckt und mitgemacht. Tai Chi wollte ich schon immer mal probiert haben. Leider gab die Trainerin keine Anweisungen, da sie kein Englisch konnte. So folgten wir einfach ihren Bewegungen. Naja, eben nicht so einfach. Wir, das waren die beiden Schottinnen, Joyce und Elonore, Krugi und ich. Eine halbe Stunde. Dann war die Sonne auch oben, die Hitze da und wir unter der Dusche. Das hat Spaß gemacht, also wurde der Wecker für die gesamte Woche auf 6h15 gestellt. Den Australier konnte ich, sehr zur Verwunderung seiner Frau, auch einmal dazu animieren, war er doch sowieso immer 5h morgens wach. Er wechselte sich dann mit seiner Frau ab. Die Kerngruppe, wir vier, waren aber immer dabei, für einen smoothen Start in den Tag.
Die Vormittagsexkursion ging in ein Dorf namens Peam Chi Kang. Wir lernten, wie aus Aluminium Kochgeschirr produziert wurde. Das rotflüssige Aluminium kam aus einem feurigen Loch in der Erde, wodurch die eh schon warme Luft noch heißer wurde. Wir schlenderten noch über einen Markt, ganz allein. Das ist erwähnenswert, da hier alles in einem geschützten Rahmen abläuft. Das amüsierte mich schon fast ein wenig. Im Dorf begleitete uns auch immer mit gebührendem Abstand der lokale Dorfpolizist auf seinem Motorrad. Ich denke jedoch nicht, das dies der Grund, war, dass wir auf wirklich sehr freundliche und interessierte Menschen trafen. Den Abschluss bildete eine Heuschreckenverkostung. Die Australier und wir langten reichlich zu. War es doch beste und frischeste Ware von der Heuschreckenfarm gleich 200m weiter. Der Nachmittag ging mit Reisnudelproduktion (immer schnell verbrauchen) und Seidenweberei drauf. Und einer Performance der traditionellen Martial Art Form, dem Bokator. Beeindruckend vorgeführt vor der örtlichen Kampftruppe. Da Sonntag war, kamen auch alle Kinder zusammen und sangen zwei Lieder aus ihrer Schule. Ich hoffe, sie haben nicht allzu viel Zeit mit Üben verbracht. Es war laut, es war schief, es war mit innbrunst.
Beim Dinner brachte ich kurz unsere beiden Engländer zum schwitzen. Naja, sie mich auch. Es ist für mich immer etwas schwierig, wenn so völlig kontextlos, quasi random, Fragen an mich gestellt werden: „????dkdio!!?“, „Ähm, sorry?“ „Was hälst du eigentlich von $%§$“, „“Oh, Iˋm sorry, what, who?“. Etwas konsterniert beginnt der Gatte mit seiner Frau zu sprechen, alle am Tisch haben Fragezeichen im Gesicht. Erst aus dem flüsternd geführten Gespräch des Paares kann ich entnehmen, dass er wissen wollte, was ich von unserem Kanzler Merz halte (er fragte seine Frau, ganz unsicher geworden, ob der denn Merz heißen würde). Ich überlege kurz, ob ich weiter so tun sollte, als habe ich nichts verstanden, gab dann aber verkrampft eine Antwort. Das sollte sich die kommenden Tage wiederholen. Ich begann Gespräche zu lieben, die nicht ständig und plötzlich das Thema wechselten. Wer es am längsten mit uns aushielt, waren die beiden Schottinnen. Zwei sehr symphytische ältere Ladys, die auf Grund ihrer Vita wussten, wie es ist, wenn man eine andere Sprache sprechen muss.Read more
Feuer in der Hitze
March 9 in Cambodia ⋅ ☀️ 35 °C
Der Tag startete mit Thai Chi und Mediation. Was gibt es besseres. Naja, die Meditation war erst ein wenig später. Wir besuchten das Vipassana Dhura Meditational Center in Outdong, der alten Hauptstadt Kambodschas. Die Meditationshalle thronte auf einem Hügel, war imposant ausgestattet mit viel Malerei an den Wänden, ansonsten luftig und hoch. Da saßen wir alle auf dem Boden, vor uns ein Mönch und jeder konnte losmeditieren. Das ist, wenn noch nie gemacht, ein wenig schwierig, so ganz ohne weitere Anleitung. Da ich durch meine Meditationsgruppe doch über etwas Erfahrung verfügte, schloss ich die Augen und konnte mich dem kühlen Luftzug und dem Konzentrieren auf den eigenen Atem hingeben. Hier, in diesem Zentrum leben gut 500 Mönche und an die 200 Nonnen. Da alle Bewohner schon seit mindestens 5h morgens auf den Beinen waren, gab es für sie auch früh Mittag. Und so konnten wir beobachten, wie sich alle in einer Reihe anstellten, schön dem Rang und dem Alter nach sortiert. Möchte nicht wissen, wieviel Tonnen Reis hier jede Woche verkocht werden.
Unser Reiseunternehmen bot jeden Tag ein besonderes Transportmittel an. Wir waren an den kommenden Tagen schon immer sehr gespannt, was es denn heute sein würde. Und heute war es der Ochsenkarren. Als ich über Krugi und mir noch einen Schirm zum Schutz vor der Sonne aufspannte, war das gar nicht mal so unangenehm, wie es aussah.
Der Nachmittag plätscherte dahin mit einer Vorführung der lokalen, traditionellen Kleidung. Ich musste als Anziehpuppe herhalten. Was soll man machen. Wenn auch nur ein Pärchen der Gäste nicht da ist, sind wir nur noch zu zwölft in den Zuschauerrängen. Ich muss aber gestehen, dass diese rockähnliche Hose durchaus meinen Geschmack gefunden hat. Sowas pludriges um die Beine ist bei den Temperaturen nicht schlecht. Weiter ging es mit dem Besuch eines Dorfes, welches zu den ärmeren in Kambodscha gehört. Da unser Schiff relativ klein war, konnte es auch in Kanäle und an Ankerplätze gelangen, die sonst nicht angefahren wurden. Die Reiseagentur unterstützt dieses Dorf mit dem Bau einer Schule, eines Sportplatzes und Schulmaterial. Das macht es dann nicht so ganz merkwürdig, als Westler mit einem Kopfhörer im Ohr für die Erläuterungen über die staubige Dorfstraße zu schleichen. Allerdings wurden meiner Zweifel noch einmal genährt, als der Abendprogrammpunkt nahte. Es sollte Cocktails und Lagefeuer für uns im Dorf geben. Hm – musste das sein, sich interessiert Dinge ansehen ist das eine, dann dabei noch einen Cocktail in der Hand halten etwas anderes. Und wozu braucht es ein Feuer bei 29 Grad Nachttemperatur? Als wir an Land gingen, begrüßten uns aufgeregt die Kinder des Dorfes, die uns schon am Nachmittag neugierig begleitet hatten. Auf dem Weg hatte irgendwann jeder der Gäste mindestens ein Kind an der Hand. Nur ich nicht. Na ja, hatte ich mehr Gelegenheit zu fotografieren mit meinen freien Händen. Gegen Ende unserer Strecke schloss sich plötzlich eine schmale Hand um zwei meiner Finger. Ein kleiner Junge sah mich freudig an. Und er ließ meine beiden Finger auch nicht los, als alle anderen Kinder bereits ihre Gäste „im Stich gelassen“ hatten, um zu unserem Guide zu stürmen, der Süßigkeiten verteilte. „Meiner“ nahm mich einfach mit, ergatterte seine Anteil und zog mich dann an der Spitze der weitergehenden Gruppe, neben den Guide, dem er Anweisungen gab, wer seine Freunde sind und wer auch noch was abbekommen soll. Bei anderen Kindern lief er kurz hin, teilte seine Beute mit ihnen, kam wieder zu mir und meinen beiden Fingern und weiter gingˋs. Wie so oft, Geduld! Der Richtige wird schon an deine Seite kommen.
Der Abend wurde nicht so merkwürdig, wie ich befürchtet hatte. Die Dorfbewohner freuten sich sichtlich, dass wir da waren. Die Kinder feierten es regelrecht. Für sie war es wir ein Jahrmarkt, der für einen halben Tag Station machte. Es wurde getrunken und wild getanzt. Und zur lokalen Popmusik ging richtig die Post ab. Was Kinder schon für Moves drauf haben. Und das Feuer? Nun, die Luft wurde nicht noch wärmer dadurch, wie auch? Aber es trug zum Ambiente bei!Read more
Es tut einiges weh
March 11 in Cambodia ⋅ ☁️ 33 °C
Das heutige Transportmittel der Wahl war das Cyclo, eine Art Fahrradrikscha. Damit machten wir die aktuelle Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, unsicher. Oder sie uns, weiß man nicht genau. Großstadt, nach all der Ruhe. Aber auch wieder ein wenig Aufregung. Dem Königspalast statteten wir einen Besuch ab. Wobei man die Gebäude nicht betreten durfte. Die Touristen wussten sich nicht immer zu benehmen, daher diese Regel. Wen wundertˋs. Die davon nochmals abgetrennten privaten Häuser der Königsfamilie schienen von der Größe recht überschaubar. Aber die Familie lebt hier auch von den Steuergeldern und repräsentiert das Land nur und regiert es nicht. Der Nachmittag wurde einem sehr dunklen Kapitel der Landesgeschichte gewidmet. Die Rote Khmer, die kommunistische Partei Kambodschas, die unter Pol Pot von 1975 bis 1979 an die Macht kam. Offiziell als Khmers Rouges bezeichnet, da in den 60igern, zu Zeit der Gründung, die Eliten französisch sprachen. Allein das ist schon ein Widerspruch in sich, da es genau diese Eliten, die Gebildeten oder auch nur scheinbar Gebildeten, waren, die nun verfolgt und getötet wurden. Bereits das Tragen einer Brille konnte die Verschleppung in ein Todeslager zur Folge haben. Die Besichtigung eines solchen Killing Fields (Choeung Ek) ließen in mir Erinnerungen an meinen Besuch in Buchenwald aufkommen. Die Khmers Rouges hatten in der kurzen Zeit von nur 4 Jahren die eigene Bevölkerung um rund 2 Millionen Menschen gewaltsam reduziert. Das heißt gut 35% der Menschen Kambodschas starben in dieser Zeit durch sie. Der erste Prozess zur Aufarbeitung wurde erst 2007 initiiert. Drei der nur vier Hauptangeklagten sind bereits eines natürlichen Todes gestorben. Es gäbe noch viel über diese dunkle Zeit und deren Auswirkungen auf das Land zu erzählen. Die Geschichte ist, wie bereits der Name Khmers Rouges, durchzogen von vielen Widersprüchen - in Kambodscha selbst, aber auch in Bezug auf die Reaktionen der Welt darauf. Nach meiner Ansicht.
Schwierig, von dort wieder auf das Schiff zu gelangen, gedanklich, meine ich. Den Abend verbrachten wir in Phnom Penh. Wir ankerten über Nacht und hatten Ausgang, also wer wollte. Wir wollten. Der Nachtmarkt bot reichlich an Essbarem. An den Ständen suchte man sich zusammen, was man wollte, um es sich damit auf einer der Matten in der Mitte bequem zu machen. Wir gingen wieder an Bord, es sollte heute Livemusic geben. Außer uns waren noch die beiden Freundinnen aus den USA von Bord gegangen, um irgendeine Sky-Bar zu besuchen. Wir hatten unsere Kabine zwischen den beiden und bekamen so ein wenig von ihnen mit. Julianne, aus Georgia, forderte mich doch ein wenig heraus. Sie hatte einen so komplett anderen Lebensstil und eine, für mich teils sehr schwer nachzuvollziehende Sicht auf die Welt, das es mich reizte. Welche Knöpfe wurden da ständig gedrückt bei mir? Sollte sie doch mit ihren 5 Koffern (für eine 14tägige Reise, aber die Noise-Machine und der Zimmerventilator mit AC mussten ja irgendwo verstaut werden) und ihrer besten Freundin im Schlepptau die Welt bereisen. Sie tat mir ja nicht weh. Naja, bis heute Abend. Die Party an Bord war im Gange. Wir waren wenig, aber wir waren gut drauf. Das Tanzen vom Abend zuvor im Dorf wurde hier fortgesetzt. So merkten wir auch nicht, dass das Schiff ablegte. Wir waren schon gut 30 m vom Ufer entfernt, als ich die Bewegung des Schiffes wahrnahm und sah, wie die beiden Mädels die Gangway entlang gerannt kamen und mit den Armen wedelten. Kurz durchzuckte mich der Gedanke, einfach weiter zu tanzen. Aber ich machte darauf aufmerksam. Die Crew, auf Zack, wie sie nun mal war, hatte das aber schon längst gescheckt. Die Mädels waren nicht mehr allein am Ufer, man kümmerte sich. Aber dennoch bewegten wir uns immer weiter von diesem weg. Warum? Ah, wir mussten den Ankerplatz für unser Schwesterschiff frei machen. Dann legten wir uns flussseitig und längs daran und die Beiden konnten über das andere Schiff wieder auf unseres. Was für ein Hallo und die Erzählung von Julianne klang wie ein Abenteuer auf höchstem Schwierigkeitsgrad. Der Nabel dieser Welt war endlich wieder da. Huch, wollte mich doch nicht triggern lassen. An Deck des Nachbarschiffes waren 4 Leute, die Sehnsuchtsvoll zu unserer Party schauten. Seid ihr nur zu viert auf dem Schiff? Nein, es sind 54 Passagiere an Bord. Ja, und wo sind die alle? In den Kajüten, schlafen. Hä, was stimmt da nicht? Sie feierten einfach mit, die anderen 50 mussten unser Partyschiff ertragen. In Asien ist ja, selten zu meiner Freude, Karaoke sehr, sehr verbreitet. So bot die Band auch an, doch einfach das Mikro zu nehmen und zu singen. Das machte auch eine andere junge Dame aus den USA und sang, tatsächlich auf hohem Niveau. Nachdem sie mehr oder weniger die gesamten Hits der Musical-Welt geträllert hatte, entschied Julianne, dass es nun ihr tourn war. Gedacht, getan, und ab da tat sie mir weh. Nämlich in meinen Ohren. Es war grauenhaft. Es interessierte sie jedoch nicht die Bohne, was andere dachten. Am Ende hüpften alle, die beiden Mädels, und die Musical-Queen, um das Mikro und schrien irgendwas hinein. Ich beugte mich zu Elonor, die neben mir saß und sagte „Ich bewundere und beneide sie um ihr Selbstvertrauen.“ Sie antwortete trocken: „Thor, das nützt alles nichts, wenn es nicht von Selbstbeherrschung begleitet wird.“ Die Briten, verbal sind sie immer noch eine Weltmacht. Ach ja, Thor werde ich seit fast 4 Monaten genannt. Bis zur Mitte meines Namens sind die meisten noch in der Lage die Buchstaben korrekt auszusprechen, aber die Kombination aus s und t und dann auch noch ein e, dass geht einfach nicht. Ich kann damit leben, also mit Thor.Read more
Die Seligen
Mar 11–13 in Vietnam ⋅ ⛅ 33 °C
Nach Thai Chi und Frühstück kamen wir an die Grenze zu Vietnam. Viel bekamen wir nicht mit, außer, dass es auf dem Mekong sehr geschäftig wurde. Von romantischer Ruhe nicht mehr viel zu spüren. So kamen wir wieder an in dem Land, das die Form eines Seepferdchens hat. Wir wechselten den Guide wie unsere Unterwäsche, also alle drei bis vier Tage. Aber jemand aus dem eigenen Land kann immer noch am besten darüber erzählen. Wir konnten in ein Haus der Floating Villages gehen, die es hier deutlich noch zahlreicher gab als in Kambodscha. Das Interessante ist, dass unter dem Haus ein großer Käfig über die gesamte Länge und Breite des Hauses angebracht ist, in dem Fische für den Verkauf gezüchtet werden. Der Zugang erfolgt über ein Loch im Haus. In Chau Doc machten wir halt, um zum Sam Mountin zu fahren. Dieser ist durchlöchert wir ein Schweizer Käse mit natürlichen Höhlen, die nun als Tempelanlagen dienen (Phuoc Dien Tu). Wir hatten eine herrliche Sicht über die ergrünenden Reisfelder der Umgebung.
Das Delta hatte längst begonnen. Der Fluss sah stellenweise wie ein See aus bei einer Breite von mehr als 1 km. Neben diesem Hauptarm gab es mal weitere 6, nun nur noch 4 Arme, die alle mit einem unzähligen Netz aus Kanälen, natürlicher oder künstlicher Art, verbunden sind. Wir begannen, in diesen Kanälen zu kreuzen und erreichten so am nächsten Tag Con Phuoc Iland. Wir sahen, wie Körbe und Matten aus Bast hergestellt wurden. Dafür, dass man uns versicherte, dass es keine Kinderarbeit gab, konnte das kleine Mädchen erstaunlich gut mit dem scharfen Messer umgehen. Ich kaufte einen kleinen Traumfänger, an dessen Wirkung man hier glaubte. Vielleicht konnte er mir zu besserem Schlaf verhelfen. Wenn nicht, ist er auch ein schöner Untersetzer. Aber erst mal dran glauben!
À pro po Glauben – in dieser Gegend gibt es eine starke katholische Gemeinde mit einem großen Gotteshaus, welches wir besichtigen wollten. Das ging nicht, da ein großes Volksfest im Gange war auf Grund des Todestages von Francis Xavier Truong Buu Diep, der hier bis 1946, als er umgebracht wurde, Priester war. Es verbreitet sich die Kunde, dass der Vatikan entschieden hat, ihn Anfang Juli selig zu sprechen. Ein riesen Tara! Das würde diesen eh schon reichlich besuchten Wallfahrtsort noch mehr zu einem solchen machen.Read more
Auf zur Post
Mar 13–14 in Vietnam ⋅ ⛅ 33 °C
Für unsere letzte Exkursion nutzten wir gleich zwei verschiedene Transportmittel. Mit dem Sampans, einem langen, schmalen Boot aus einem Baumstamm, glitten wir durch die Kanäle in den Mangroven. Hier gab es jede Menge wild wachsende Wasser-Kokosnusspflanzen. Bei den toll aussehenden Nüssen wäre jedem Innendekorateur das Herz aufgegangen. Zwischen den Kanälen wurden alle möglichen Früchte angebaut, Mit dem Xe Lam, einer Art langem Tuk Tuk, fuhren wir ins Dorf hinein, wo aus klassischen Kokosnüssen Süßigkeiten hergestellt werden. Verboten gut. Drauf muss man erstmal einen Kobra-Schnaps trinken. Also Hochprozentiges, in dem eine Kobra und andere Schlangen eingelegt sind. Ob es nach Kobra schmeckte? Keine Ahnung, habe keinen Vergleich. Schmeckte wie milder Reisschnaps. Auf dem Rückweg wirde ich fast noch mein Handy los. Ich hatte "aus Versehen" eine Gruppe von Vietnamesen beim Glücksspiel fotografiert. Wer sollte denn Ahnen, dass das nun ausgerechnet illegal sein soll. Ich versprach nichts bei Insta zu posten. Von FindPenguins hat niemand gesprochen.
Am Abend kamen wir nach 733 km des Kreuzens in den Gewässern des Mekongs und seiner Nebenflüsse in Kambodscha und Vietnam mit unsrem Schiff in Saigon an. Für uns das zweite Mal, aber sich der Stadt von der Wasserseite aus zu nähern ist deutlich beeindruckender als vom Flughafen aus. So war der Abend dem farewell gewidmet, hieß es doch von Crew und Passagieren Abschied zu nehmen. Passend dazu regnete es in Strömen, so dass wir uns alle in die Bar verzogen. Am nächsten Morgen stand leider kein Thai Chi auf dem offiziellen Programm. Das wollten Krugi, Elonor und Joyce so nicht hinnehmen. Also organisierten wir uns selbst. Unter Assistenz von Krugi leitete ich kurzerhand den Kurs. So kam es, dass ich somit nicht nur Deutschkurse in Kathmandu, sondern auch Thai Chi bei aufgehender Sonne in Saigon unterrichtete. Was man nicht so alles macht.
Nach dem Frühstück ließen wir uns vom Pier zu einer Gepäckaufbewahrung in der Innenstadt bringen. Wir hatten noch bis zum späten Nachmittag Zeit und leider kein Zutrittsrecht mehr zu irgendeiner Longe. Das Taxi war weg, die Gepäckaufbewahrung nicht da. Nach einigem hin und her entschlossen wir uns, in einem Minihotel nachzufragen. Das war die Gepäckaufbewahrung. Nachdem wir gegangen waren, fragte ich mich aber doch, ob wir jetzt auch noch für die Entwendung unserer Sachen Geld bezahlt hatten? Wir werden sehen. Wir wollten noch mal zu dem alten Postamt, das wir beim letzten Mal nur von außen gesehen hatten. Nach wenigen Schritten stolperte ich schon über Unebenheiten. Niemand hatte mir gesagt, ich solle aufpassen. Nach knapp 500 m waren wir beide völlig erschöpft. Niemand hatte uns zuvor informiert, wie weit und wohin wir zu laufen hatten. Das Leben an Bord eines Schiffes kann einen ganz schön verändern. Wir schafften es bis zum Postamt. Dort mussten wir uns aber tatsächlich erstmal hinsetzen. Es war unglaublich heiß und schwül. Und es gefiel uns, hier zu sitzen. Es war kühl und für reichlich Unterhaltung wurde gesorgt. Es war schwer was los – Scharen von Touristen kamen herein und schwenkten synchron auf Kommando, das durch den Knopf in ihren Ohren in eben jene gelangte, ihre Köpfe oder den ganzen Körper in die jeweils gleiche Richtung. Plötzlich stand ein jugendlicher Vietnamese vor mir, der noch von zwei Freunden begleitet wurde. Er fragte mich aus dem Nichts heraus, ob er mir Fragen zur künstlichen Intelligenz stellen darf. Äh, ja, hä, wozu willst du das machen? Gegenfragen waren nicht erlaubt, er schoss bereits seine erste Frage in meine Richtung und hielt mir sein Mobil hin, mit dem er alles aufnahm. Etwas verunsichert und beeindruckt durch seinen enormen Schweißfluss am Kopf antwortete ich und wiederholte meine Frage. Aha, Zahn um Zahn, dieses Mal antwortete er. Er mache eine Umfrage für die Abschlussarbeit in seiner Schule. Ach so. Ich beantworte noch 4, 5 weitere Fragen. Dann ein Danke, und das Mädel aus der Truppe sagte, sie habe noch was für mich. Aha. Sie holte aus einer Tüte eine gehäkelte Melonenscheibe als Schlüsselanhänger hervor und überreichte sie mir. Sie gingen, und ich sah verwundet diesem Trio hinterher, von dem einer eine schleimige Spur hinter sich herzog.
Mit meinem Melonenstück am Rucksack zogen wir weiter zu einem Park. Schlechte Wahl. Gefolgt von einem letzten Café-Stopp mit Egg Coffee. Sehr gute Wahl. Unser Gepäck war auch noch da und das Taxi zum Flughafen, das zweite Mal, wartete bereits. Auf nach Taipeh.Read more



























































































































































































