• Kulinarisch auf der Höhe

    15. marts, Taiwan ⋅ ☀️ 24 °C

    Der Tag begann mit einem ganz schrecklichen Frühstück. Das Hotel ließ einem gleich am Eingang des Speiseraums die Entscheidung zwischen Schrecklich und Scheußlich treffen. Erst wollte ich sagen, nein Danke, ich gehe an das Buffet. Aber das war das Buffet. Nach zwei Bissen in dieses Sandwich waren wir fertig und fuhren wieder nach oben auf unser Zimmer. Ich hatte wohl auch etwas Reise-Blues. Gute Laune geht anders. Arme Krugi. Aber wir hatten eh erst mal vor, unsere Wäsche zu waschen. Hier gab es einen im Hotel integrierten Waschsalon. Und einen Kaffeautomaten. Und Wasserspender. Und eine Rezeption. Und zwischen all diesen Station ging es nun hin und her – Marken für die Waschmaschine kaufen. Ach ja, kein Waschmittel, zurück. Kaffee gefunden. Keine Tassen. Tassen geholt. Wäsche rein. Aufˋs Zimmer. Nachgucken. Noch 15 Minuten. Zurück. Kaffee? Ist jetzt geschlossen. Trockner an. Nickerchen. Nachgucken. Einer französischen Familie erklären, wie das hier so läuft….  Und so begann ich mich immer heimischer in diesem Hotel zu fühlen. Schlappte in Socken durch die Gegend, mal mit, mal ohne Wäschekorb. Was soll ich sagen, das war genau das, was ich gerade brauchte. Alltäglicher Scheiß, in aller Ruhe, in einer Umgebung, der ich ein Stück weit egal war. Genau das, vor dem man zu Hause entflieht. Ich werde dem weiter entfliehen wollen, weiß aber nun, dass ich diese Puffer brauche, um wieder klar zu werden. Und so pilgerten wir erst am Nachmittag raus in die Stadt, nun bereit, sie zu entdecken. Das nenne ich mal Slow Travalling – Taipeh kann warten, und wenn nicht – was sollˋs?

    Schnell stellten wir fest, das wir total hungrig waren, hatten wir doch quasi noch nichts gegessen heute. Und noch schneller stellten wir fest, das Sonntag war. Das bedeutete, nicht alles hatte geöffnet und der Rest war überlaufen. Wir mussten ein wenig suchen, bis wir ein Restaurant mit nur 20 Minuten Wartezeit fanden. Ein Japaner, sehr authentisch, recht gehoben, würde ich mal sagen, was soll´s. Es gab Menüs, was die Bestellung deutlich vereinfachte. Da wurden wieder Dinge an den Tisch gebracht, die ich noch nie gegessen hatte, geschweige denn, dass ich wusste, wie. Verkompliziert wurde es dadurch, dass wir auch selber am Tisch kochen sollten. Durften? Aber was? Wie lange? Reihenfolge? Dieses Mal konnten wir nicht am Nachbartisch abgucken. Und dann beging ich wohl den Kardinalfehler. Es wurde eine ganze Platte mit rohem Fisch gebracht. Denke, es war alles Fisch. Sollte der roh bleiben? Es war auch eine 15cm lange frische Garnele dabei. Ich konnte mich nicht überwinden, das Teil so in meinen Mund zu schieben und gab sie in die Suppe. Prompt stand die Bedienung neben uns, zeigte auf die weiß werdende Garnele und ihr Gesicht so aus, als wenn man im teuersten Steakrestaurant Düsseldorfs das beste Fleisch aus der Vitrine holen lässt, es zeremoniell an den Tisch gebracht wird, und man es komplett durchbrät mit schöner schwarzer Kruste außen dran. Nun, zu spät. Und es muss auch nicht immer alles sein. Den Rest der Roh-Platte aß ich tapfer und überlegte, wo ich meinen Vorrat an Magen-Darm-Tabletten hatte. Lief alles gut. Es war auch richtig gut. Langsam begann ich doch zu glauben, dass Taipeh die Hochburg des guten Essens sein könnte.

    Um das zu testen, hatten wir für den Abend eine Tour auf dem Night Market gebucht. Es war nicht die informativste, es war nicht die lustigste, aber es war für mich mit Abstand die kulinarisch aufregendste und beste Tour der vielen Essens-Wanderungen, die ich schon gemacht hatte. Oyster-Omlett – oh, du meine Güte. Oder Peanut ice cream burrito coriander– zum Niederknien. Man liebte es hier, die Geschmäcker sweet und savory in Kombination zueinander zu setzen, immer wieder neu, immer wieder anders. Zu Recht wurde der Nachtmarkt von Taipeh als Empfehlung des Guide Michelin geführt. Ich war mit dem schlechten Frühstück und dem tiefen Tagesstart mehr als versöhnt.
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