Kulinarisch auf der Höhe
March 15 in Taiwan ⋅ ☀️ 24 °C
Der Tag begann mit einem ganz schrecklichen Frühstück. Das Hotel ließ einem gleich am Eingang des Speiseraums die Entscheidung zwischen Schrecklich und Scheußlich treffen. Erst wollte ich sagen, nein Danke, ich gehe an das Buffet. Aber das war das Buffet. Nach zwei Bissen in dieses Sandwich waren wir fertig und fuhren wieder nach oben auf unser Zimmer. Ich hatte wohl auch etwas Reise-Blues. Gute Laune geht anders. Arme Krugi. Aber wir hatten eh erst mal vor, unsere Wäsche zu waschen. Hier gab es einen im Hotel integrierten Waschsalon. Und einen Kaffeautomaten. Und Wasserspender. Und eine Rezeption. Und zwischen all diesen Station ging es nun hin und her – Marken für die Waschmaschine kaufen. Ach ja, kein Waschmittel, zurück. Kaffee gefunden. Keine Tassen. Tassen geholt. Wäsche rein. Aufˋs Zimmer. Nachgucken. Noch 15 Minuten. Zurück. Kaffee? Ist jetzt geschlossen. Trockner an. Nickerchen. Nachgucken. Einer französischen Familie erklären, wie das hier so läuft…. Und so begann ich mich immer heimischer in diesem Hotel zu fühlen. Schlappte in Socken durch die Gegend, mal mit, mal ohne Wäschekorb. Was soll ich sagen, das war genau das, was ich gerade brauchte. Alltäglicher Scheiß, in aller Ruhe, in einer Umgebung, der ich ein Stück weit egal war. Genau das, vor dem man zu Hause entflieht. Ich werde dem weiter entfliehen wollen, weiß aber nun, dass ich diese Puffer brauche, um wieder klar zu werden. Und so pilgerten wir erst am Nachmittag raus in die Stadt, nun bereit, sie zu entdecken. Das nenne ich mal Slow Travalling – Taipeh kann warten, und wenn nicht – was sollˋs?
Schnell stellten wir fest, das wir total hungrig waren, hatten wir doch quasi noch nichts gegessen heute. Und noch schneller stellten wir fest, das Sonntag war. Das bedeutete, nicht alles hatte geöffnet und der Rest war überlaufen. Wir mussten ein wenig suchen, bis wir ein Restaurant mit nur 20 Minuten Wartezeit fanden. Ein Japaner, sehr authentisch, recht gehoben, würde ich mal sagen, was soll´s. Es gab Menüs, was die Bestellung deutlich vereinfachte. Da wurden wieder Dinge an den Tisch gebracht, die ich noch nie gegessen hatte, geschweige denn, dass ich wusste, wie. Verkompliziert wurde es dadurch, dass wir auch selber am Tisch kochen sollten. Durften? Aber was? Wie lange? Reihenfolge? Dieses Mal konnten wir nicht am Nachbartisch abgucken. Und dann beging ich wohl den Kardinalfehler. Es wurde eine ganze Platte mit rohem Fisch gebracht. Denke, es war alles Fisch. Sollte der roh bleiben? Es war auch eine 15cm lange frische Garnele dabei. Ich konnte mich nicht überwinden, das Teil so in meinen Mund zu schieben und gab sie in die Suppe. Prompt stand die Bedienung neben uns, zeigte auf die weiß werdende Garnele und ihr Gesicht so aus, als wenn man im teuersten Steakrestaurant Düsseldorfs das beste Fleisch aus der Vitrine holen lässt, es zeremoniell an den Tisch gebracht wird, und man es komplett durchbrät mit schöner schwarzer Kruste außen dran. Nun, zu spät. Und es muss auch nicht immer alles sein. Den Rest der Roh-Platte aß ich tapfer und überlegte, wo ich meinen Vorrat an Magen-Darm-Tabletten hatte. Lief alles gut. Es war auch richtig gut. Langsam begann ich doch zu glauben, dass Taipeh die Hochburg des guten Essens sein könnte.
Um das zu testen, hatten wir für den Abend eine Tour auf dem Night Market gebucht. Es war nicht die informativste, es war nicht die lustigste, aber es war für mich mit Abstand die kulinarisch aufregendste und beste Tour der vielen Essens-Wanderungen, die ich schon gemacht hatte. Oyster-Omlett – oh, du meine Güte. Oder Peanut ice cream burrito coriander– zum Niederknien. Man liebte es hier, die Geschmäcker sweet und savory in Kombination zueinander zu setzen, immer wieder neu, immer wieder anders. Zu Recht wurde der Nachtmarkt von Taipeh als Empfehlung des Guide Michelin geführt. Ich war mit dem schlechten Frühstück und dem tiefen Tagesstart mehr als versöhnt.Read more
Lichterspiele auf der Straße
March 16 in Taiwan ⋅ 🌙 18 °C
Heute ging es erstmal raus aus der großen Stadt. Wir schlossen uns einer Reisegruppe in Richtung Norden an. Ein klassisches und, wie wir merkten, ein sehr beliebtes Reiseziel der Festland-Chinesen, die für ein paar Tage auf die Insel kommen und schnell mal was sehen wollen. So wurde der Tag eine Mischung aus, muss man gesehen haben, na ja – kann man und einem wozu hierher kommen? Schön war es im Yehliu Geopark, wo Wind und Wetter lustige Gesteinsformationen gebildeten haben – die sehen nun aus wie Pilze oder der Kopf einer Königin. Wenn man es hier schaffte, einfach hundert Meter weiter als alle anderen zu laufen (und das schafft man!), dann war es ruhig und immer noch schön. Das Bergdorf Jiufen kann man sich schenken. Einfach nur mit Menschen vollgestopfte Gassen unschöner Häuser, in denen jetzt in wiederholender Abfolge Souvenirs und Essen verkauft werden. Dies war mal ein Bergarbeiterdorf. Als vor einigen Jahrzenten der Bergbau eingestellt wurde, griff die Armut um sich. Dann kam der Tourismus, da das Dorf malerisch liegt. Bewundernswert ist auf jeden Fall, dass sie es geschafft haben, wirtschaftlich die Kurve zu bekommen. Ähnlich ist auch der nächste Stopp – die Shifen Old Street, die, mit staatlicher Erlaubnis, nun ganzjährig Laternenfest hat und dies in großem Stil praktiziert. So schrieben auch wir unsere Wünsche auf eine rote Laterne und liesen diese in den Himmel steigen. Bin sicher, sie fliegt immer noch und fliegt und fliegt….
Zurück in Taipeh ließen wir uns am 101 absetzen. Schon ein must have – dieser Wolkenkratzer – war er doch der erste, der über einen halben Kilometer in die Luft ragte und lange den schnellsten Fahrstuhl der Welt hatte. So ging es auch mit über 30 km/h rauf auf die Aussichtsplattform. Den Turm finde ich architektonisch sehr gelungen. Die Aussicht auf die Stadt bestätigte mich nur – nicht so wirklich schön. Vielleicht bin ich zu sehr mit dem europäischen Auge geschult und was Schönheit angehet sehr mäkelig, aber es gibt nur sehr wenige Städte in Asien, die ich ihrer Wirkung und des Aussehens als schön bezeichnen würde. Wohlgemerkt, Taipeh ist für mich auch nicht das Gegenteil von Schön, aber es gibt weitere, spannendere Gründe, Taiwan zu besuchen. Immerhin überforderte es mich nicht mehr. Als wir am Abend zuvor aus der Bahnhofshalle auf die Straße traten, wusste ich nicht so recht, was tun. Irgendwie war es bekannt und gleichzeitig nicht, was ich vorfand. Dann fiel mir ein, dass ich bisher noch nie in einem hochindustrialisierten Land in Asien war. Daher das viele Vertraute. Es war jedoch immer noch Asien, daher das Unbekannte. Am meisten wunderte ich mich aber über diese Lichter an den Kreuzungen, die von grün, auf gelb, auf rot wechselten. Und die Leute befolgten diese Lichter. Mir war das Konzept einer Verkehrsampel völlig abhanden gekommen. Es wollte mir nicht einleuchten, warum ich geschlagene 67 Sekunden (wurde immer mitgeteilt) darauf warten sollte, das zwei Autos und drei Mopeds vorbei rollten. Ich hätte die Straße schon 10 Mal überquert. Zeitverschwendung. Und die Leute standen hier in Schlange an. Also ich meine so richtig in Schlange - einer nach dem anderen. Und ließen Lücken für die Fußgänger. Gehtˋs noch? Eigentlich sollte mein kleines ordnungsliebendes Herz Sprünge machen, tat es aber nicht. Aber heute, einen Tag später, war ich von dem seit Monaten geübten Rhythmus, mich mit immer der gleichen Geschwindigkeit ohne anzuhalten durch die Stadt zu bewegen, auf alte Gewohnheiten zurück geschwenkt. Interessante Erfahrung.Read more
Tiefsee voraus
Mar 17–20 in Taiwan ⋅ ⛅ 22 °C
Eine Zugfahrt stand an. Krugi war für den Transport verantwortlich. Ich für die Unterkünfte. Und den Reiseverlauf. Bei letzterem dachte ich, da quatsche ich mal ChatGPT. Nach einer knappen Stunde intensiver Unterhaltung stand die Reiseroute. Das war schon ein wenig spuki. Neben Taipeh sollten es nur drei weitere Stationen sein. Am Ende fragte ich, ob wir nicht doch irgendwo eine weitere Zwischenstation einbauen sollten. Ungefähre Antwort: „Nein, das lass mal. So wie es jetzt ist, ist es für dich und deine Bedürfnisse am Besten. Noch eine Station bedeutet noch mehr Hotels, Transport und das alles bedeutet Stress. Unterschätz das mal nicht!“ Als ob ich mit einem reiseerfahren Freund mal beim Café über meine Pläne plaudere. Sollte ich dem so ungeprüft folgen? Ich entschied – ja, was soll schon schiefgehen. Taiwan ist ein relativ einfach zu bereisendes Land. Da kann man auch mal umplanen. Taten wir übrigens nicht. War alles so, wie es sein sollte. Was irgendwie aber weniger so sein sollte, war das Buchen der Unterkünfte. Das gestaltete sich weniger bei der Suche als Herausforderung, eher der Nachfolgeprozess, sprich die Kommunikation. Es wurden so viele Fragen gestellt, Anforderungen aufgetan, Hinweise gegeben. Beim ersten Hotel dachte ich noch, das sei da eine Besonderheit. Aber es war bei allen, wirklich allen Unterkünften der Fall. Ich habe noch nie so viele eMails mit Hotels gewechselt. Und so merkwürdiger Kram – Sind sie sicher, dass sie das Zimmer mit Seeblick haben wollen? – Ja. – Sind sie wirklich, also wirklich sicher, dass sie das Zimmer mit Seeblick haben wollen? – Hä, verarschen die mich? Hinweise, dass Kinder unter 6 Jahren laut Gesetz verboten sind, also bitte keine mitbringen. Toilettenartikel aber bitte schon, denn die gibt es laut neuestem Gesetz auch nicht mehr. Und pünktlich sein, sonst können wir gleich wieder unverrichteter Dinge abreisen. Geht es noch freundlicher? Im Nachhinein gehe ich davon aus, dass viel durch die Übersetzung, denn alle schrieben auf Chinesisch, verloren ging bzw. der Tonfall sich änderte. Denn, waren wir einmal vor Ort, waren alle ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Aber der Weg dahin….
Auf jeden Fall ging es erst mal an die Ostküste der Insel, nach Hualien. Der Ort selbst – hm, ist ok. Aber die eigentliche Attraktion ist die Umgebung hier. Es gibt fantastische Strände und herrliche Berge. Beides aber nicht ungefährlich. Die Taroko Schlucht, das absolute Highlight hier, war bis vor kurzem noch geschlossen. Vor zwei Jahren gab es ein starkes Erdbeben, das weite Teile unpassierbar machte. Erdbeben sind auf Taiwan absolut keine Seltenheit. Zwei Tage vorher hatten wir in Taipeh bemerkt, wie unser Hotel schwankte. Keine Sirene, keine Aufregung, kein gar nichts folgte. Das war merkwürdig. Ich recherchierte später und das ergab eine Erschütterung von 4,9 auf der Skala. Alltag, hier finden erst Beben ab einer Stärke von 6 in den Zeitungen eine Erwähnung.
Auch jetzt waren die Aufräumarbeiten in der Schlucht noch in vollem Gange, und man konnte auch nur zu bestimmten Zeiten in die Schlucht. Und besser einen Helm tragen – als wir über eine Stunde warten mussten, weil die Straße nicht frei gegeben wurde, rieselte es von oben. Zum Glück blieb genug Zeit, unter den nächsten Felsvorsprung zu sprinten. Die Schlucht ist eine von weltweit drei, die komplett aus Marmor bestehen. Da Marmor sehr hart ist, bleiben die Wände hier auch länger erhalten, bis sie von selbst einstürzen und so bildete sich eine bis zu 800m tiefe, schmale Kluft, durch die sich ein Fluss zwängt. An einem weiteren Höhepunkt, am Qingsuhi Cliff ragen die hohen Felsen direkt ins Meer. Durch die starke Strömung wird der Marmor zerrieben und seine Bestandteile bilden mit dem Meerwasser, dem Licht und der abrupt abfallenden Tiefe des Ozeans ein Farbspiel, als hätte jemand gerade seinen Pinsel mit den Blau- und Türkistönen ausgewaschen. An all diesen Stränden badet aber niemand. Nicht mal mit den Füßen gehen die Leute hier rein. Das ist der zweite gefährliche Teil – um Taiwan herum gibt es tiefe Täler im Ozean und hier bei Hualien fällt das Wasser bereits nach 50 Metern steil 500 Meter in die Tiefe. Das sieht farblich mit dem plötzlichen tiefen Blau fantastisch aus. Reißt aber alles mit sich, was sich gerade im Wasser befindet. Ein im Januar gesunkenes Kleinflugzeug tauchte bis heute nicht wieder auf. Den Abschluss des Ausflugs bildete ein Wasserfall, den wir auf einem Rundweg erreichten. Der Rückweg zog sich nach dem Wasserfall immer länger und ging auch bergauf, statt runter. Waren wir noch richtig? Da, ein Schild – lauter chinesische Schriftzeichen und in der Mitte eine 10. Google Translator hilft - laut las ich vor: „10 Personen werden kommen.“ Darauf Krugi: „Wann?“, „Hä, wer, wann?“, „Na die 10 Leute, wann kommen die?“, „Welche 10 Leute? – Hä, papperlapap, worüber reden wir hier, das hilft uns doch gar nicht weiter!“ Skurril. Wir gingen einfach weiter und kamen irgendwann wieder am Parkplatz an.
Am nächsten Tag bummelten wir rum und fuhren mit ausgeliehen Rädern des Hotels zu einem Strand. Mit diesen Kinderfahrrädern gestaltete sich das als ganz schön anstrengend. Aber der Gestank eine Müllkippe und die Hoffnung auf Cappuccino ließen uns in die Pedale treten.Read more
Ein Bär auf Wache
Mar 20–22 in Taiwan ⋅ 🌙 21 °C
Zugfahren war heute wieder angesagt. Aber erst am späten Nachmittag. Was bis dahin tun? Richtig, keinen Café-Kurs. Aber einen Kochkurs buchte ich kurzerhand. Das besondere an ihm war, dass er von einer Vertreterin der 5 auf Taiwan beheimateten Aborigines-Gruppen gegeben wurde und sie uns ihre Art zu kochen zeigte. Tainan, unser Ziel an der Westküste Taiwans, war eine Großstadt, aber eine, der man das nicht so anmerkte. Als wir am nächsten Tag durch die Straßen schlenderten, war das ganz entspannt und angenehm. Irgendwie gefiel mir diese Stadt, auch wenn sie architektonisch nicht so viel hergab. Leider stellte ich fest, dass man hier gut shoppen konnte. Zum Glück hielt ich mich zurück, meistens jedenfalls. Neben Altem gab es auch Neues zu entdecken. So z.B. das Museum für moderne Kunst, selbst auch ein Kunstwerk. Es gab gerade eine Ausstellung, in der die Stile taiwanesischer Künstler mit denen aus dem Westen, also Europa, verglich wurden. Spannend fand ich, dass schon bei Landschaftsmalerei – sowohl im Osten als auch im Westen ein großes Thema, allein der Blick auf eine Landschaft, verschieden geschult, dann auch verschieden war – der Westen malte, was er sah, der Osten, was er fühlte. So verstand ich es jedenfalls. Manches blieb mir auch unerschlossen. Dann gab ich mich den faszinierenden Lichtinstallationen einfach nur hin.
Das es hier so entspannt war, lag sicherlich zum einen daran, dass nicht täglich mehrfach die Düsenjets über den eigenen Kopf jagten. In Hualien gibt es u.a. eine US Airforce Basis, die nun äußerst geschäftig war. Wenn man am Strand steht und so ein Kampfjet mit voller Raketenbewaffnung direkt auf einen zuhält, damit er auf dem Flughafen dahinter landen kann, dann wird einem schon kurz mulmig. Und die Kriege dieser Welt fühlen sich plötzlich ganz nah an. Zum anderen lag die Entspannung wohl auch an dem Haus, welches ich in der Altstadt angemietet hatte. Naja, was Altstadt so heißt. Das Haus war, wie die Umgebung auch, ca. 80 Jahre alt, die Stadt selbst gut 400 Jahre. Die alte Hauptstadt Taiwans. Aber es war trotz Reihenhaus luftig und ruhig und damit angenehm, darin zu wohnen. Ein großer Bär saß unten am Eingang und gab uns Sicherheit.Read more
Verspätung?
March 23 in Taiwan ⋅ ☀️ 27 °C
Die weitere Umgebung galt es heute zu erkunden. Also raus zum Sicao Dazhong Tempel und dem grünen Kanal. Letzterer wird mit Booten befahren, die generalstabsmäßig organisiert die Touristen auf- und wieder abladen. Erst war ich nicht so überzeugt, ein paar Mangroven standen staksig in der Gegend rum. Hm. Aber dann wurde es tatsächlich zu einer Art Tunnel, da die Bäume über den Kanal wuchsen und sich darüber schlossen. Es gab überall erstaunlich wenig weiße Touristen und wenn, dann waren es überwiegend Deutsche. Es war verwunderlich, da eigentlich gerade Hauptsaison auf Taiwan war. Nicht, das wir uns beschwerten, nur wunderten.
Wir schlenderten noch weiter durch die Stadt, in der es immer wieder laut krachte. Es wurde, mitten am helllichten Tag, Feuerwerk in die Luft gejagt. Wir vermuteten, dass es irgendwas mit dem Willkommenheißen des Frühlings zu tun haben musste. Liefen doch auch irgendwelche merkwürdigen Spielmannszüge und Figuren durch die Straßen. So wurde es nie still um uns herum.
Am nächsten Tag war wieder Reisetag – Zug und Bus sollten uns in den Süden bringen. Wie schon fast rituell ausgestattet mit langen Klamotten gegen die verbreitete AC-Kälte und einer Portion Sushi gegen die aufkommenden Hunger warteten wir auf den Zug. Der hatte 4 Minuten Verspätung. Was war los? Wussten wir nicht. Aber scheinbar stimmt man hier auch die Verspätungen aufeinander ab, denn der anschließende Bus kam auch zu spät. So griff dann doch alles Hand in Hand und brachte uns vorwärts zu unsere letzten Taiwan-Station – Kenting.Read more
Eis, Eis, Eis!
Mar 24–26 in Taiwan ⋅ ☀️ 27 °C
Die Südspitze Taiwans ist ein Paradies für Wellenreiter, Naturliebhaber und Überhaupt für Liebhaber. So entschieden wir, zusammen mit ChatGPT, hier ganze 5 Nächte zu verbringen und einen auf Ruhig zu machen. Ich hatte ein Hotel etwas abseits von Kenting gebucht, in der Nähe des Chuanfan Rock, einem bekannten Felsen in Meer. Meine Hoffnung, dass es hier ruhiger sein würde, erfüllte sich. In der weitläufigen Hotelanlage waren wir die Einzigen für diesen Tag. Da wir auch länger als üblich blieben, gab man uns ein besseres Zimmer. Es gab für jeden Gast jeden Tag eine Kugel Icecreme und da wir ein Viermanzimmer hatten, gab es für uns jeden Tag zwei Kugeln leckeres Eis. Ich liebte das Hotel jetzt schon. Die Dame an der Hotelrezeption musste tausend Fragen von uns beantworten. Wir hatten nicht sonderlich viel geplant und holten das gerade nach. Fahrradmieten ging irgendwie nicht so ganz, aber am Ende sollte es ein Auto für zwei Tage sein. Den ersten Tag gaben wir uns aber der Sonne, dem Strand, dem Eis und dem Schreiben hin. Der Strand war mein High-Light. Ich hatte eigentlich nichts zum Baden hier erwarten, sondern nur Felsen. Aber drei Minuten zu Fuß entfernt war eine kleine Bucht, mit ca. 200m langem Sandstrand. Wir gingen fast jeden Morgen vor dem Frühstück schwimmen. Herrlich, so ganz allein. Es war niemand da, außer einer Meeresschildkröte, Schmetterlingen und türkisfarbenem Wasser. Ein kleines Paradies. Mich überkam der Gedanke, hier könnte ich leben. Nach ca. 3,5 Sekunden setzte automatisch der unausweichliche Realitätscheck ein und der Gedanke war weg.
Am nächsten Morgen holten wir das Auto ab. Das war sprachlich etwas schwierig, konnte der Vermieter doch nur ein paar Brocken Englisch und schmiss merkwürdigerweise immer wieder eine italienische Vokabel rein, sah aber sehr taiwanesisch aus. Jedenfalls gab er auf meine Frage nach der Versicherung irgendwie zu verstehen, dass es die für Ausländer nicht mehr gäbe. Gar keine? Gar keine. Oh je, dass ist ja für uns Deutsche so, als würde man ohne Fallschirm springen. Versichern wir doch sonst so ziemlich alles. Dann halt ohne. Der Verkehr hier im Süden ist mehr als übersichtlich. Krugi steuerte uns zuerst zum Hengchung Chuhuo Geopark, dessen größter Pluspunkt immerwährende Feuer sind. Die entstehen, da permanent Naturgas aus der Erde tritt. Nur während der Monsunzeit zieht sich das Feuer unter die Erde zurück. Rund um das Feuer hatte man, für viele Touristen ausgelegt, eine ganze Reihe von Bauten und Infrastruktur angelegt. Wann kommen die denn alle?
Weiter ging es zum Nationalmuseum für Meeresbiologie und Aquarium. Eine riesige Anlage mit Becken so groß hatte ich sie bisher auch noch nicht gesehen. Und erstaunt lernte ich, dass Wale und auch die Delfine von wolfsähnlichen Tieren abstammen, die sich vor Millionen von Jahren dahin entwickelten. Ich dachte immer, es sei andersrum gelaufen. Sind ja Säugetiere, hätte man vielleicht drauf kommen können. Nun, genau dafür gibt es diese Einrichtungen, damit man was mitbekommt. Besonders mitgenommen habe ich die Eindrücke von der großen Pinguinkolonie. Hier konnte man tatsächlich zahlenmäßig von einer Kolonie sprechen. Toll.Read more
Klitzekleine Tierchen
Mar 26–28 in Taiwan ⋅ ☁️ 26 °C
Das Auto nutzten wir am nächsten Tag, um in den Kenting Nationalpark einzutauchen. Mich überraschte etwas, dass alle Wege bestens ausgebaut und betoniert waren. Das lies man sich auch gut bezahlen. Wir sollten lernen, dass beides – die Natur war hier bestens ausgebaut, und es musste immer ein Eintritt bezahlt werden - hier absolut üblich war. Dennoch beeindruckte mich der Park, mit seinem Urwald und Gesteinsformationen und der Aussicht. Der Nationalpark ist noch viel größer, aber zum Glück ist dann der Rest auch ziemlich unberührt und nicht wirklich zugänglich. Vielleicht gar nicht so schlecht diese Art von Kompromiss. Das Wetter war heute nicht so gut – bedeckt, windig und ab und zu nieselte es. Zwei Vorteile hatte das aber – erstens, es war nicht zu warm, denn bei der Hitze, die es normalerweise hier gibt, will man nicht herumwandern. Zweitens, der Pazifik war aufgewühlt und klatschte laut spritzend gegen die Felsen und zusammen mit den Wolkenformationen war das noch aufregender als einfach „nur“ ein blauer Himmel. So fuhren wir, diese Mal im Osten, die Küste entlang. Fanden, bezahlten und genossen die Aussicht. Fanden auch ein Café, das geöffnet hatte (gar nicht so einfach) und aßen dort Poffertjes, was auch sonst.
Und der vierte Tag, ja, der war wieder der Erholung gewidmet. Wir gingen ganze drei Mal an unserem Privatstrand baden. Am Abend hätte ich ihn fast wegen Überfüllung schließen lassen, waren doch gut 20 Leute da! Inzwischen hatte ich mir angewöhnt, mit langem Shirt zu baden. Die ersten Male zwickte es auf der Haut, wenn wir ins Wasser gingen. Da es nach kurzer Zeit vorbei war, ignorierten wir es. Als sich nach ein paar Stunden rote juckende Pusteln bei mir bildeten, kümmerte ich mich doch darum. Google gab preis, dass es in den Gewässern um Südtaiwan herum immer wieder eine für uns nicht sichtbare Planktonart gibt, die genau diese Reaktionen in Kombination mit Salzwasser und Haut verursacht. Wie schön. Wirklich schön war aber das Schwimmen. Und deshalb gingen wir weiter hinein. Man kann sich ja schützen. Aber das Wasser, die Gegend, waren einfach zu schön, um das nicht zu machen. Zum Glück war ein Bereich zum Schwimmen mit Bojen abgegrenzt, so dass es einigermaßen gefahrlos war. Eigentlich sehe ich Grenzen oft als einen zu diskutierenden Vorschlag an, aber hier hielt ich sie ein. Hatte ich doch viel zu viel Respekt vor dem großen, weiten Ozean. Und liebte ihn zu sehr.Read more
Mit 300 km/h zum nächsten Tick
March 28 in Taiwan ⋅ ⛅ 26 °C
Abreisetag aus dem Paradies. Aber bevor es Frühstück gab und es ans Packen gehen sollte, war Schwimmen angesagt. Und wieder enttäuschte das Meer nicht. Jeden Tag, eigentlich jede Stunde sieht es anders aus und ist auch anders. Und jetzt zeigte der Ozean alles was er hatte, groß, mächtig, glasklar. Da, wo sonst der Sand aufgewirbelt für Eintrübung sorgte, war nichts außer ein Blick zum Boden wie durch eine Glasscheibe. Ich hatte bei meinen verschiedenen Arten von Begegnungen mit dem Meer für mich ausgemacht, dass es mindestens 4 verschiedene Arten von Wellen geben musste – also angefangen mit der kleinen Kräuselwelle vom Wind bis zu der mächtigen Grundwelle, wie sie nur ein großes, tiefes Gewässer hervorbringen kann. Das sieht dann aus, als würde ein Riese langsam atmen und die Bauchdecke hebt und senkt sich gemächlich. Die Art von Welle, die selbst große Schiffe auf Gipfel heben und in Täler sinken lassen kann. Heute gab es nur diese eine Welle, sonst keine. Ich schwamm raus und jedes Mal, wenn ich von der Riesenwelle nach oben gehoben wurde, konnte ich kilometerweit sehen, das klare Wasser in allen Blautönen, die Gebirge aus Felsen unter Wasser, die Sturmfront weit draußen auf dem Ozean. Sonst nichts. Niemand. Nur unendliche Weite mit Wasser gefüllt. Ein wohliger Angstschauer durchzog mich. Und ich war wiederholt froh, dass die Bojen mich zurückhielten. Ich wäre wohl einfach still und leise immer weiter rausgetrieben. Die Kälte des Wassers zwang zur Umkehr. Hatte seit gestern der nicht sichtbare Plankton sein Unwesen eingestellt, so hatte er sich wohl nur zusammen gezogen, um dann mit geballter Macht auf meinem Rückweg zuzuschlagen. Es spielte heute keine Rolle, ob ich ein langes Shirt anhatte, es stach überall. So schnell konnte ich gar nicht schwimmen. Endlich draußen, brannte es weiter. Also ab ins Hotel und duschen. War es das wert? Aber natürlich, unbedingt. Wozu habe ich Salben in der Reiseapotheke? Hatte doch jedes Paradies bisher seine Nemesis.
Erst geht es weiter mit dem Bus, der uns zum HSR Bahnhof Zuoying bringt. Dort besteigen wir den Hochgeschwindigkeitszug, der uns innerhalb von 2 Stunden mit 300 km/h wieder nach Norden, nach Taipeh bringen wird. Die Fahrgäste sowohl im Bus als auch im Zug waren heute zum Teil sehr gewöhnungsbedürftig. Der Zug ist breiter als gewöhnlich, so das es auch einer Dreier-Sitzreihe gibt, bei der ich in der Mitte saß, rechts Krugi, links ein Typ mit mehr als nur einem Tick. Er hatte seinen Körper, wohl krankhaft, nicht unter Kontrolle, und das Wippen mit dem Bein, so dass die gesamte Bankreihe mitschwang, war noch das Geringste. Ob Krankhaft oder nicht, ich musste damit zwei Stunden umgehen, da sich umsetzen oder ihn ansprechen keine Optionen waren. Erstaunlicherweise schaffte ich es, mich runterzufahren und auf ignorieren zu schalten. Aber keine Minute zu spät, sowohl nach dem Fahrplan, als auch für meine geistige Gesundheit, raste der Zug in den Hauptbahnhof von Taipeh. Krugi meinte nur, sie wäre an meiner Stelle durchgedreht. Ab zum Hotel, ab auf den nächsten Nachtmarkt, die Kulinarik dieser Stadt noch einmal entdecken.Read more
Plötzlich allein.
March 29 in Taiwan ⋅ ☁️ 22 °C
Heute – ja, ich bin zum ersten Mal mit meinen Berichten à jour und habe mich nach 4 Monaten endlich selbst eingeholt – also heute sind wir mit dem Bus raus zum Nationalen Palastmuseum. Es beherbergt mehr als 700.000 Exponate aus der Verbotenen Stadt in Peking, wo es ursprünglich auch mal gegründet wurde und dann in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts aus Sicherheitsgründen vom Festland nach Taiwan verlegt wurde. Zufälligerweise hatte gerade eine Sonderausstellung begonnen mit dem Thema „The return of Mythical Creatures“. Sie ging den Fragen nach, woher kommen eigentlich die Fabelwesen, Gottheiten und Wesen mit übernatürlicher Kraft, warum werden sie so und nicht anders dargestellt, was ist heute mit ihnen…? Das für mich faszinierende war, auf ganz viele alte Bekannte zu treffen: Mystische Drachen aus Nepal, Garudas aus Bhutan, die machtvolle Schildkröte aus dem See mitten in Hanoi und die Drachen von Taiwan – es schlossen sich überraschend so viele kleine Kreise. Irgendwie verbrachten wir fast den gesamten Tag mit Busfahren (dauert schon mal länger, wenn man sich verfährt), Museum und Essen. Und gerade habe ich Krugi verabschiedet, da sie zum Flughafen muss. Sie fliegt bereits heute nach Deutschland zurück. Das ist ein komisches Gefühl, nach fast zwei Monaten des gemeinsamen Reisens mit viel Neuem, etlichen Abenteuern, einigen Ärgernissen und jeder Menge Spaß, ist da erst mal keiner. Nun, wir werden uns bald wieder sehen.
Und Taiwan? Eine, wie ich schon immer sagte, völlig unterschätzte Insel, die zum Reisen einlädt. Man kommt einfach vorwärts und wenn man den Norden von Taipeh ein wenig umgeht, auch ohne die Massen an Touristen. Die Hauptstadt war auch die Hauptstadt des guten Essens. Im Rest des Landes musste man da fast schon ein wenig suchen. Aber wir waren auch von Vietnam verwöhnt, wo man an jeder Ecke was Leckeres finden kann. Die Städte, hm, nicht so mein Ding. Aber die Natur drumherum, besonders im Osten und Süden sind es mehr als Wert entdeckt zu werden. Wie beinahe üblich, habe ich nicht sonderlich viel über Taiwan gewusst. Peinlicherweise nicht mal, dass der offizielle Name eigentlich „Republik China“ ist. Von dem Konflikt mit der Volksrepublik China habe ich natürlich gehört, aber dass fast kein Staat offizielle diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält, war wieder nicht auf meinem Schirm. Nun, dafür reise ich ja, um ein wenig mehr zu erfahren. Eine Kuriosität noch: Es gibt in Taiwan ein auch im Rheinland bekanntes System an Büdchen. Hier heißen sie 7 Eleven. Bisher waren die mir nur als i.d.R. überteuerte Supermärkte überall auf der Welt bekannt. Aber hier haben sie eine enorm wichtige Funktion. In den Städten sind sie nie mehr als 300 m voneinander entfernt und man macht einfach alles da – geht im Minirestaurant essen, auf Toilette, hebt Geld ab, packt Geld auf seine Easy-Card drauf, kopiert und telefoniert, gibt seine Steuererklärung ab und erfährt die News des Tages – ach ja, und das nötigste Einkaufen kann man auch noch. Rund um die Uhr. Jeden Tag im Jahr! A pro pos Einkaufen – hier gibt es jede Menge Glücksspielautomaten, die mit den Greifarmen, mit denen man meist vergeblich versucht ein Plüschhäschen auf dem Jahrmarkt zu grabschen. Das scheint hier schon fast eine Manie zu sein. Was das mit Einkaufen zu tun hat? In diesen Automaten findet man alles, absolut alles. Man kann auch eine Flasche St. Pellegrino oder Feuchttücher oder einen Plastikhocker oder Toilettenpapier zu greifen versuchen – also seinen Einkauf spielerisch erledigen. Dauert länger und wird teurer – aber wird gemacht! So, das warˋs aber, den Rest muss sich hier jeder selbst anschauen.
Morgen soll es auf die für mich letzte Etappe meiner Reise gehen. Auf nach Singapore.Read more






































































































































































































